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Full text of "Mitteilungen der Geologischen Landesanstalt von Elsass-Lothringen"

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Mitteilungen der geologischen m 
Landesnnstalt von Elsass-lothringen H 

Geologische Landesanstalt von Elsass-Lothringen 



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HARVARD UNIVERSITY 




BERNHARD KÜMMEL LIBRARY 
OFTHE 
GEOLOGICAL SCIENCES 



MUSEUM OF COMP AR ATI VE ZOOLOOY 
Girr of 



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oogle 



Mittheilungen 



der 



logischen Landesanstalt 



Elsass-Lothring-en. 



Band III. 

Mit 17 Tafeln. 



STRASSBUEG : /E. 

Strassburger Druckerei und Verlagsanetalt, 
vormals H. Schultz u. Comp. 
1B9S. 



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In lialtsverzeichniss. 



Solto 

Bericht der Direktion der geologischen Landes-Untersucbung von 

Blsass-Lothringcn für die drei letzten Quartale des Jahres 1890 i — x 

Bericht der Direktion der geologischen Landes-Untersnchung von 

Blsass-Lothringen für das Jahr 1891 xi — xlvih 



Die Geologie des Kronthals i. E. und seiner Umgebung. Von 

J. Valentin. Mit Taf. I u. II. — 1890 1- 44 

Heber das Rothliegende der Vogesen. Von E. W. Benecke und 

I- van Werveke. - 1890 45-10: . ! 

Weitere Beitrage zur kenntniss des Oligorans im Klsass. Von 

A. Andheae. — 1890 105-122 

lebersicht Ober die Gliederung der Geröll- und Lossablagerungen 

des Sundgaus. Von B. FOiusri:». — 1892 1 '23 — 1 32 

Neue Beobachtungen an den Seen der Hoch-Vogesen. Von L. van 

Wehveke. Mit Taf. III u. IV. - 1892 133—138 

Leber das Pliocan des Unter-Klsass. Von L. van Werveke. — 1892 139—157 
Krystallographischc Beschreibung des Eisenglanzes und des Fahl - 

erzcsvonFramont. VonJ.ScHWEiTZEH. Mit Taf. V- VII — 1892 159—195 
Chemische Zusammensetzung des Fahlerzcs von Framont. Von 

K. Urban. - 1892 196-198 

lieologischer Führer für die Umgebung von Mülhausen i. K. Von 

Ii. FQpsTr.w. Mit Taf, VIII — XVII. - IS92 199-309 



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Mittheiliiiiffen 



Iumi Landesanstall 



Elsass-I.ot h ringen 



flerauftireirebci) 



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Oirection der geologischen Landesuntersuchung von Elsass- Lothringer 
Daxid III. Heft I- 

M;t '.' litli(^rn|ihirli'ii Tafeln ond I? BdcblMingCO m I Sl 



STRASSBUBG '■ E. 

StrMflburgcr Druckerei »u<l Ycrlngwitutult, 

Tormnls D. SehulU ti. Cotrj'. 



Preis des Heftes: Mark 2.40. 



Veröffentlichungen 

der Commissi' 'ii für »Iii* Lroologische Landes-Untiirsucimi 

von Elsass-Loflinii'vn. 



«. Verlag der Stnisshurgi'i- Druckerei u. VerlagMinstftU. 

A. Abhandlungen zur geologischen Specialkarte 
von Elsass Lothringen. 

Bd. I Holt I. 1-1 i 1 1 1 e i r o 1 1 de Bemerkungen Uber dir neue geologische. M 
Landes- Aufnahme von Elsas.s-Lothrii.geu. — Verzeichnis* der 
geologischen und mineralogische» Literatur, zusammengestellt 
von K. W. BjntBOKI und II. Kosesucscu. 187") ;i : 

tieft 2. Ii. Hoäknhi's.ii, Di«- Steiger Si lii. t'. r und ihre Contoct- 
zouc au den Graniten von Barr-Andlau und fiuliwald. Mit einer 
: Bot Kartenskizze und zwei lithograuhirten Tafeln. 1877. . 12, tn 

rieft 3, IV Grotit, Diu Gncis*gebi«t von Markirch im Ober-Elsass. 

Mit einer geologischen Kartenskizze und zwei Profilen. 1877. ö.tx 1 

Heft -1. E. \V. Bkne< kv, l'ehei die Tri :i3 in ElBJ>a-Lothringen 
und Luxemburg. Mit zwei gcdo^imdicq Kartenskizzen und 
sieben Iith«'>graphirtcii Tafeln. 1#77 I6,*i 

Ergäuzungaheft. E. Sciiuma« id.i-, Geologische und mineralogische 
Literatur von Li-":i-.- Lothringen Nachtrag zu dem oben ge- 
nannten Verzeichnis» und Fortsetzung desselben bis ein- 
schliesslich 1&8& li«\S7 3,i>i- 

Bd. II. Heft l. W. Bkaxco, Dir untere Dogger Deutsch* Lothringens. 

Mit Atlas von 10 lithogr. Tafeln, 1*79 

Heft 2. II. Haan und Q. lVrin, I'ie Brnchiopoden der Jura- 
form.ifion vou ElMUS^Lotli ringen. Mit einein Atlas von 18 
lithogr. Tafeln. Ifl Ü 12,«« 

Heft 3. A. Axdreak, Ein Beilrag zur Kcuntuiss des Elsiisser 

TertiUr*. Mit Atlas von 13 lithogr. Tafeln. 1881 10,«<. 

Bd III. Heft 1. G. Linck, Geogiiostisch-pctTographiache Beschreibung 
des Grauwaekeugcbietes von Weiler bei Weissenburg. Mit 
i iner Kartenskizze und Profilen; — tJ. Mf.veii, Beitrag zur 
Kenntnis* de* Oulm in den südlichen Vogcsen. Mit einer 

Kartenskizze und Profilen. 1881 5, W 0 

QeA A. Osanx. Beitrag zur Keuntniss der Lahradnrporphyrc 

• irr Vogcsen. Mit einer Tafel in Lichtdruck. 1S57 3,w, 

Heft 3. E L'oitEjf, fleologiscbe Beschreibung den oberen Weilcr- 
thale*. Mit einer geologischen Oebersiehtskarte des Gebietes. 
1889 

lieft 4. < >. Jaekm., Die Sclachier :tns dt in oberen Muschelkalk 
Lothringens. Mit l Tafeln in Lichtdruck:. 1889 



' V 



OCT 29 



1898 



Bericht 

der Direction der geologischen Landes-Untersuchung 
von Elsass-Lothringen 

> 

für die drei letzten Quartale* des Jahres 1890. 



I. Veränderungen an der geologischen Landesanstalt, Personalien. 

Gemäss Verordnung des Kaiserl. Statthalters vom 29. März 
1890 stehen der geologischen Landes-Untersuchung vom 1. April 
ab ein Director und ein stellvertretender Director vor, und kommen 
die Vereinbarungen vom 12. Januar— 8. Februar 1885, betreffend 
die Einrichtung der geologischen Landes-Untersuchung, und die 
darin festgesetzte Commission zum Wegfall. Gemäss derselben 
Verordnung haben die bei der geologischen Landes-Untersuchung 
etatsmässig angestellten Beamten die Amtsbezeichnung Landes- 
geologe zu führen. 

Unter demselben Datum wurde durch den Kaiserl. Statt- 
halter Herr Professor E. W. Benecke zum Director, Herr Pro- 
fessor H. Böcking zum stellvertretenden Director der geologischen 
Landes-Untersuchung berufen. 

Herr Dr. E. Schumacher erhielt am 5. April 1890 seine 
etatsraässige Anstellung. 

Herr Dr. Rüdemann wurde durch Verfügung vom 17. März 
1890 für die Zeit vom 1. April bis 31. Dezember desselben Jahres 
mit den Geschäften eines Mitarbeiters bei der geologischen Landes- 
Untersuchung beauftragt. Durch Verfügung vom 11. Dezember 
1890 wurde dieser Auftrag bis zum 30. Juni d. J. verlängert. 



* Das 1. Quartal 1890 ist in dem vorjährigen Bericht einbegriffen. 



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— II — 



II« Geologische und mineralogische Untersuchungen, 
Kartenaufnahmen, Gutachten. 

Herr Professor E. W. Benecke beging das oberelsässische 
Grauwae kengebirge und führte zusammen mit dem Vorstand 
der badischen geologischen Landesanstalt zur Vorbereitung des 
Anschlusses der beiderseitigen Karten eine Reihe von Orientirungs- 
touren aus. 

Herr Professor H. Buching untersuchte das obere Breusch- 
thal und fand dabei als das wichtigste Ergebnis«, dass die auf 
der französischen Karte von dr Billy (Blatt Epinal) in dem 
Granitgebiete Knthau-Hohwald eingezeichneten Grauwackeninseln 
vom Chäteau-la-Roche und Forsthaus Rothlach in Wirklichkeit mit 
einander in Zusammenhang stehen und Theile eines schmalen 
langgestreckten Zuges von Grauwacken und Hornfelsen u. s. w. 
darstellen, welcher vom Forsthaus Sutt über Forsthaus Ruthlach 
und Rathsamhausenstein, Hof Morel, la Hütte, Bellefosse, Chäteau- 
la-Roche, Colroy-la-Roche, Devant-la-Bcue bis in die Gegend von 
Bourg-Bruche sich fortsetzt und wahrscheinlich mit den Grau- 
wacken vom Forsthaus Willerhof und von St Nabor am Ottilien- 
berg (Blatt Barr) zusammenhängt Auf der verfolgten Erstrcckung 
ermöglicht jene Grauwacken- und Hornfelszone eine scharfe Tren- 
nung zwischen dem Grnnitmassiv von Hohwald und dem weiter 
nördlich gelegenen, durch sehr mannigfache Gesteinsarten und 
zahlreiche Minette- und Erzgänge ausgezeichneten Granitmassiv 
zwischen Grendelbruch und Fouday. 

Herr Landesgeologe E. Schumacher setzte die Aufnahme 
auf Blatt Hochfelden fort, nahm Blatt Hagenau in Angriff und 
besuchte zur Feststellung der Gliederung des Diluviums zahlreiche 
Punkte des Rheinthals. 

Herr Landesgeologe L. van Werveke nahm Blatt Buchs- 
weiler zu ungefähr auf und brachte Blatt Saarei nsberg zum 
Abschluss. 



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— III — 

Von nicht im Arbeitsplan vorgesehenen Arbeiten sind zu 
nennen : 

Aufnahme des geologischen Profils der projektiven Bahn- 
strecke Mommenheim-Saargemünd und Gutachten über das Vor- 
kommen reiner Kalksteine in Lothringen und Uber die Tiefbohrung 
auf Fort Goeben bei Metz durch Herrn Landesgeologe L. van 
Werveke. 

Krystallographische Bearbeitung des Kalkspaths und Ara- 
gonits von den Erzlagerstatten von Framont und Markirch, der 
von Herrn Professor Bücking gesammelten Kalkspathvorkommen 
aus dem Kersantit von Markirch und von Pfirt durch Herrn Stöbe», 
des Fahlerzes und Eisenglanzes von Framont durch Herrn Schwei- 
tzer unter Leitung des Herrn Professor H. Bücking. 

Bearbeitung des unteren Lias in Lothringen und im Unter« 
Elsass durch Herrn J. Stuber. 



Ueber neue geologische Aufschlüsse sind die nach- 
stehenden Anzeigen eingegangen: 

Neue Aufschlüsse in dem grossen Steinbruch im Wackenbaehthal bei 

Schirmeck. — Von Herrn Ministerialrat!! Beemei.mans (7. April). 
Aulschlüsse am Lauchenweier. — Von Herrn Regierungsbaumeister Bi'ui.Kii 

in Niederlauchen bei Gebweiler (7. Juli, 30. August und 1. Okiober). 
Brunnengrabungen in Buchsweiler und Pfaffenhofen. — Von Herrn Wege- 

meister Halter in Buchsweiler (28. August und 19. September). 
Verschiedene Aufschlüsse in Dettweilor, Allenheim, Sleinburg, Ualtmalt 

und Wolschheim. - Von Herrn Wegemeistor Hellkake in Dettweiler 

(20. April). 

Funde von Knochen und Ausgrabungen in Achenheim. — Von Herrn E. 
Hübst Sohn in Achenheim (Ii. Juni und 7. Dezember). 

Aufschluss in der Bituinenconcession Kleeburg, Erbohrung von Springöl- 
quellen im Felde der Bergwerksconcession Pechelbronn. — Von Herrn 
Bergrath Dr. Jasper in Strassburg (IG. Mai, 30. Juni und 30. August). 

Aulschlüsse zur Ausrührung von Wasserleitungen bei Schirmeck und Wisch, 
Graben in Kronenburg. — Von Herrn Mcliorations-Bauinspektor Pei- 
tavy in Strassburg (22. Mai, 2i. Juni und G. Dezember). 

Drainagegräbeu im Bann der Gemeinde Littenheim, Einschnitte in Rinsdorf 
bei Saarunion. - Von Herrn Mcliorations-Bauinspektor Pbtri in Zaberu 
(29. April und 12. Oktober). 

Bohrung auf Kohle bei Karlingen. — Von Herrn Scuai.ler und Bercmann 
in Strassburg und Neudorf (3. November). 



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IV — 



Bohrungen auf Eisenerz bei Bollingen unweit Penisen. — Von Herrn 
Bergrath Wandeslebkn in Metz |2. Juli). 

Die Direction spricht den genannten Herrn für ihre gefälligen 
Angaben den besten Dank aus. 

Die Besichtigung der Aufschlüsse fand durch Herrn Pro- 
fessor E. W. Benecke und die Landesgeologen Herren Dr. E. 
Schumacher und Dr. L. van Wehveke Btatt 

III. Stand der Veröffentlichungen. 

(Vergl. die Ucbersicht aur 8. X.) 
Es wurden veröffentlicht: 

Mittheilungen der Commission für die geologische Landcs- 

Untersuchung von Elsass-Lothringen, Bd. II, Heft III. 

Inhalt: Mitteilungen aus der geologischen I.andesanstalt für das Jahr IHS9 
und das I. Quartal 1800. Von ür. L. van Wkbvekk. 8. X1-XXX1I. - 
Geologische und mineralogische Literatur über Elsass-Lothringen. Nach- 
trag zu den früheren Verzeichnissen und Weilerführung für die Jahre 
1888 und 1889. Von Dr. L. van Wervkke. S. 1-13. - Die Bildung 
und der Aufbau des oberrheinischen Tieflandes. Gemeinverständliche 
geologisch© Skizze mit hauptsächlicher Berücksichtigung der Verhält- 
nisse bei Strasburg und im Unter-Elsas.*. Von Dr. B. SCHOlUCilKft. 
8. 183—401. Mit Tafel VI— VIII und 27 Abbildungen Im Text. 

Mittheilungen der geologischen Landesanstalt von Elsass- 
Lothringen (als Fortsetzung der vorgenannten Mittheilungen der 
Commission). Bd. III, Heft L 

Inhalt : Die Geologie des Kronlhals i. Elsass und seiner Umgebung. Von 
J. Valentin aus Frankfurt a. M. 8. 1— ii mit Tai". I und II und 3 Zeich- 
nungen im Text. — lieber das Rothliegende der Vogesen. Von E. W. 
Bkneckk und L. van Wkbveke. S. iä— lOi, mit i Zeichnungen im Text. 
— Weitere Beiträge zur Keimtniss des Oligc»cän> im Elsass. Von Pro- 
fessor A. Andbeae. S. 105-122 mit o' Zeichnungen im Text. 



Von den Blättern Ludweiler (17), Saarbrücken (18), 
St. Avold (24), Saargemünd (26), BliesbrUcken (27), Wol- 
münster (28), Roppweiler (29), Stürzclbronn (40) und Weis- 
senburg Ost (43) der geolog. Specialkarte im Maasstab 
1 : 25000 liegt der Auflagedruck vor, und wird die Veröffentlichung 
nach Fertigstellung der Erläuterungen erfolgen. 



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Im Druck befinden sich: 

Geologische Specialkartc von Eleass- Lothringen: Blätter 
Lembach (41), Weisscnburg (42) und Niederbronn (53). 

Abhandlungen zur geologischen Specialkarte, Bd. III, lieft V. 
B. Förster, Insekten des «Plattigen Steinmergels» von Brunstatt. 
Mit 6 Tafeln in Lichtdruck. - Mit diesem Heft wird Bd. III der 
Abhandlungen abgeschlossen. 

Geologische Uebersichtskarte von Elsass - Lothringen. 
Maasstab 1 : 500000. Zusammengestellt von E. W. Benecke. 

IV. Vermehrung der Sammlung. 

Der geologischen Landessammlung wurden geschenkt: 

Von Herrn Professor A. Andreae in Heidelberg die Origi- 
nale zu : Weitere Beiträge zur Kenntniss des Oligocäns im Elsass 
(Mittheilungen, Bd. III, S. 105-122). 

Von Herrn Ministerialrath Beemelmans Eisenglanz, Schwer- 
spath und Gcstcinsproben aus dem Steinbruch im Wackenbachthal. 

Von der Fortinkation Metz Proben der bei der Bohrung auf 
Fort Goeben durchsunkenen Schichten. 

Von Herrn Geometer Gerhard in Schirmeck Eisenkies aus 
dem grossen Bahneinschnitt oberhalb Rothau. 

Von Herrn Bergrath Dr. Jasper Belegstücke zu einem Profil 
der Concc8sion Kleeburg im Unter-Elsass, eine Sammlung von 
Erdölen und der daraus dargestellten Produkte, Proben der bei 
Dicdolshausen gefundenen Kohlen. 

Die Dircction spricht den freundlichen Gebern ihren besten 
Dank aus. 



Durch Kauf wurden erworben: 

Eine Sammlung von Insekten, die Originale zu Dr. B. Förster, 
Insekten aus dem «Plattigen Stcinmergel» von Brunstatt (Abhand- 
lungen, Bd. in, Heft V) enthaltend. 

Fossile Knochen aus dem Lehm und Löss von Achenheim 
und Hochfelde n. 



— VI — 



V. Verzeichnis« der im Auetausch eingegangenen Bücher, 
Zeitschriften und Karten. 

a. Austausch mit Gesellschaften, Anstalten u. s. w. 

Basel, Naturforscbende Gesellschaft. 

Verhandlungen, VIII, 3; IX, 1. 

Berlin, Königl. preussische geologische Landesanstalt und Berg- 
akademie. 

Geologische Karte von Preusson und den Thüringischen Staaten, im Maas- 
stab 1 : 25000. Lief. 33, G Blätter mit G Heften Erläuterungen. Lief. 43, 
4 Blätter und 4 Bohrkarten mit i Heften Erläuterungen. 

Jahrbuch für 1888. 

Abhandlungen zur geologischen Specialkarte, X, 1 u. 2; Neue Folge, 1. 

Budapest, Königl. ungarische geologische Anstalt 

Mittheilungen aus dem Jahrbuch. IX, 1. 

Földtani Kflzlöny (Geologische Mittheilungen), XX, 1-4. 

Jahresbericht für 1888. 

Geologische Karte im Maasstab 1 : 70000. Zone 17, Col. XXVIII, Umgebung 
von Zilah; Zone |9, Col. XXIX. Umgebung von Tordu. 

Frankfurt a. IL, Senkenbergische naturforschende Gesellschaft 

Berichte. |7 Bunde aus 1873— 1890. 

Heidelberg, Grossh. Bad. geol. Landesanstalt. 

Mitthoilungen, I, I und II, I. 

Königsberg, Physikalisch ökonomische Gesellschaft. 

Schriften, Jahrgang 30. 

Krakau, Akademie der Wissenschaften. 

Anzeiger für 1890, Hefte März-Juli und Oktober- November. 

Liege, Societd geologique de Belgique. 

Annales, XIII. I; XIV, 1; XV, 1-3; XVII, 1-3. 

Lissabon, Commission des travaux geologiques du Portugal. 

Memoires: Description de la faune jurassique du Portugal. Embranchcmenl 

des cchinodermes par P. he Lobiol. 
Publications diverses: Delgado, Relatorio acerca da deeima sessäo do 

cougresso internacioual de Anthropologiu et Archaeologia prehistoricas. 
Communicacoes, II, I. 

Lyon, Museum d'histoire naturelle. 

Archives, l— IV. 

Madrid, Comision dcl Mapa geologico de Espana. 

Memoires : Descnpcion de la Provincia de Huelva, tercera parle. 



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Mapa geolögico de Espafla, Maasstab 1 : 400000. 

a. Ausgabe in M Blättern, Blätter 19. 20, 23. 24, 27, 28, 31, 32. 

b. Ausgabe in IG Blättern, Blätter 6, 8. 12, lü. 

Metz, Verein für Erdkunde. 

Jahresbericht, XII. 

Minneapolis, Minnesota Academy of Natural sciences. 
Bulletin, III, 1. 

Moskau, Societe imperiale des naturalistes de Moscou. 

Bulletin. Neue Serie, III, 4; IV, l, 2. 

Mülhausen, Industrielle Gesellschaft 

Bulletin, LX, Fevrier— Novembre. 
Jahresbericht für 1890. 

Table des matieres des sujels traites au eoinile de mecanique de la Societe 
indu>trielle de Mulliouse de 182« ä 1889, dressee par M. F. Pobpardij». 
Mulliouse, 1890. 

Table des matieres des seances du romile de chimie i\p la Sor. ind. de 
Mulliouse, I8GG ä 1889. Par Almert Scheorer. 

München, Königl. Oberbergamt, Geognostische Abtheilung. 

Geognostiselie Jahresheftc, II. 

Paris, Soci6te geologique de France. 

Bulletin, XVI, II; XVII, 2; XVIII, 1-8. 

Petersburg, Comite geologique. 

Memoire», IX, XI ohne Karte. 
Bulletins. VIII, G-8. 

Rom, Reale comitato geologico d'Italia. 
Bolletino, XXI, 1-10. 

Säo Paulo, Commissao geographica e geologica. 

Boletin, 1-3. 

Expluracao dos rios Itapetiuinga e Paranapanema pel o engenheiro 
Th. Sampais. 

Stockholm, Geologiska Foereningen. 

Förhandlingar, XII, 2-6. 

Stockholm, Sveriges geologiska Undersükning. 

Kartblad med beskrifningar i skalan 1 : 50000. Nr. 84, 100, 103—107. 
Specialkartor med beskrifningar, 4, G. 
. Afhandlingar och uppsatsor, 92—111, 113—115. 

Liste systeinatique des publications de l'institut royal geologique de 8uede, 
1882—1890. 

Löpstrand, 6. Ora Apatitens förekomstitt i Norrbottens L&n jemfördt med 
dess uppoträdaode i Norge. Stockholm, 1890. 



VIII - 



Strassburg, Bezirkepräsidium. 

Verwaltungsberieht und Vorlagen des Bezirkspräsidenten für die Sitzung 

von 1890. 
Sitzung 1890, Verhandlungen. 

Stuttgart, Künigl. württembergisches statistisches Landesamt. 

Geognost. Karte von Württemberg im Maasslab t : 50000. Blätter Ohor- 
Kessach, Neckarsulm, Oehringon. 

Washington, United States geological Survey. 

Bulletin, VIII, 54; IX, 55—57. 

Annual Report, VII, VIII (in 2 Bänden). 

Monographs. XV, XVI. 

Washington, Office of the Chief of Engineers, United States 
Army. 

Report upon Uniled States geographica! Survey, Vol. I. 

Wien, K. K. geologische Reichsanstalt 

Allhandlungen, XV, 2. 

Jahrbuch, XXXIX, 1-4; XL, I, 2. 

Verhandlungen, 1x90, 1—13. 

Wien, K. K. naturhistorisches Hofmuseum. 

Annalen, V, 2, 3. 



b. Geschenke von Privaten. 

Benecke, E. W., Strassburg. 

Das Caroluliad zu Rappoltsweiler. Strassburg 1890. 

Staub, Dr. Cu. , Der therapeutische Werth der Carolaquelle zu Rappolts- 
weiler. Strassburg 1890. 

Levallois, M., Note sur la correlation des cartes geologiques et agrono- 
miques. Bes. Abdr. 

Mittheiluiigen des deutschen und österreichischen Alpenvereins, 1890, Nr. 20. 

Bleicher, G., Nancy. 

Mikc, M. , Bleicher , G. et Fliohb. Contribution ä letude du terrain ter- 

tiaire d'Alsace et des environs de Mulhouse. Bes. Abdr. 
Bleicher, G. , Sur les Bloes erratiques du Haut-du-Roc (Vosges). 

— Sur le gisement des armes prehislonques les plus anciennes en Alsace 
et en Lorraiue. Bes. Abdr. 

— Sur les döbris osseux microscopiqnes dans le Muschelkalk des environs 
de Luneville. Bes. Abdr. 

Cohen, E., Greifswald. 

Daums, I». II., Lieber einige Eruptivgesteine aus Transvaal in Südafrika. 
Bes. Abdr. 



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Cohen, E. , Zusammenstellung petrographischer Untersuchungsmethoden 
nebst Angabe der Literatur. Greifswald 1890. 

Eck, H., Stuttgart. 

Eck. H. , Zur Gliederung des unteren Muschelkalks am Odenwalde. Bes. 
Abdr. 

— Ueber die Verbreitung der Crinoidenschichten im Muschelkalk Vorarl- 
bergs. Bes. Abdr. 

Haug, E., Paris. 

Haug, E. , Systeme triasique. — Systeme jurassique. — Allemagne. — Ce- 
phaloi>odes. i Bes. Abdr. 

— Note sur le peristomf du Phyllocoras mediterraneum. Bes. Abdr. 

Huyssen, A., Berlin. 

IIüysskn, Beobachtungen über Temperaturen in tiefen Bohrlöchern. Bes. 
Abdr. 

— Die Tieibohrung im Dienste der Wissenschaft insbesondere zur Ermit- 
telung der Wärme im Innern des Erdkörpers. Bes. Abdr. 

Kilian, W., Grenoble. 

Bulletin des Services de la carte geologique de la France et des topo- 
graphics soutcrraines, II, 16. 

Leppla, A., Berlin. 

Lkppla, A., Zur Lüssirage. Bes. Abdr. aus Geogn. Jahresh. 

— Zur Lössfrag-;. Bes. Abdr. aus d. Neuen Jahrb. 

van Werveke, L., Strasburg. 

Chkmjt. H. , Sur un phenomene de metamorphisme observe dans les 

Vosges. Bes. Abdr. 
Steinman» , G. und Grabff. Fr. , Geologischer Führer der Umgebung von 

Freiburg. Freiburg 1890. 
Calalugue de l'exposition geologique. Berlin 1885. 
Cublius, C. und Vogel, C. , Zur Gliederung des Löss. Bes. Abdr. 

Wandesleben, Metz. 

Wakdeslkben . Vorkommen der oolithischen Eisenerze (Minette) in Loth- 
ringen, Luxemburg und dem östlichen Frankreich und seine Bedeutung 
tür das Eisengewerbe. Bes. Abdr. 

Strasburg, den 26. Februar 1891. 

Der Director der geologischen Landes-Untersuohing 
von Eluss-Lothrlngen. 

BENECKE. 



GEOLOGISCHE LANDES-UNTERSUCHUNG VON ELSASS-LOTHRINGEN. 

Stand der Arbeiten Ende 1890. 




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XI 



Bericht 

der Direction der geologischen Landes-Üntersuchung 
von Elsass-Lothringen 

für das Jahr 1891. 



I. Personalien. 

Durch Verfügung vom 24. Juni 1891 wurde Herr Dr. Rüdemann 
beauftragt, die Geschäfte eines Mitarbeiters bei der geologischen 
Landes-Üntersuchung bis zum 30. September 1891 weiter wahrzu- 
nehmen; am 22. September wurde der Auftrag nochmals bis zum 
31. März 1892 verlängert. 

Herr Privatdocent Dr. G. LiNCK wurde durch Verfügung 
vom 20. Juli 1891 als Mitarbeiter, Herr Dr. K. Urban durch 
Verfügung vom 8. August 1891 als Chemiker bei der geologischen 
Landesanstalt angenommen. 

II. Geologische und mineralogische Untersuchungen, 
Karten-Aufnahmen. 

Herr Professor Dr. E. W. Beneckc revidirte im Laufe des 
April auf den Blättern Weiler, Remilly, Falkenberg und 
Thann; im Mai nahm derselbe an einer von dem Direktor der 
badischen geologischen Ijindesanstalt Herrn Geh. Bergrath Rosen- 
busch veranlassten Besichtigung des Buntsandsteins und Roth- 
liegenden im oberen Renchthal behufs Vergleichung mit den- 
selben Formationen der Vogesen Theil. In der Zeit vom 22. September 
bis 15. Oktober wurde das Grauwackengebirge des Ober-Elsass 
auf den Sectionen Sentheim, Masmünster, Sennheim, Thann, 



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— XII — 



Urbis, Gebwciler, Lautenbach, Winzenheim und Münster 
in Begleitung von Herren Professor BÜCKINO und Dr. VAN Werveke 
begangen. In der zweiten Hälfte des Oktober fand eine Unter- 
suchving der Glacialerschcinungen an den Seen der Hoehvogescn 
sowie eine Besichtigung der altdiluvialcn resp. plioeänen Ab- 
lagerungen des Elsass statt. 

Herr Professor Dr. H. ßücking setzte seine Untersuchungen 
im oberen Breuschthal, besonders in der Umgegend von Fra- 
ni ont, fort und bethciligte sich im September und Oktober au 
der Begehung des Grauwackengebirges und des kristallinischen 
Gebietes der Blätter Gebweiler, Lautenbach, Thann, Scnn- 
heim, Urbis, Masmünster und Scntheim. Auch revidirtc 
derselbe die von Dr. Linck ausgeführten Arbeiten auf der Section 
Wildenstein. 

Der Landesgeologe Herr Dr. van Werveke hatte bei der 
Aufnahme des Blattes Niederbronn in den Jahren 1887—89 die 
daselbst in grosser Ausdehnung auftretenden Geröll- und Sand- 
ablagcrungen nach ihrer Ausbildung und Höhenlage in zwei, auch 
ihrem Alter nach verschiedene Abtheilungen gegliedert. Bevor das 
Blatt im Druck fertig gestellt werden konnte, musstc entschieden 
werden, ob diese Zweitheilung auch auf den anstossenden Blättern 
durchführbar sei, und wie weit sie sich mit der von Herrn 
Dr. Schumacher für andere Gebiete deB Untcr-Elsass vorge- 
schlagenen Gliederung decke. Die hierzu nöthigen Untersuchungen 
wurden im März und in der ersten Hälfte des April sowie Anfangs 
Juni, zum Theil in Begleitung des Herrn Dr. Schumacher, aus- 
geführt Dabei ergab sich, dass die Thonsande, welche bei Ober- 
bronn zur Herstellung feuerfester Backsteine gegraben werden, 
und auffallend hellgefärbte Thon- und Geröllbildungen nördlich 
von Gumbrechtshofen von der Hauptmasse der älteren Geröllab- 
lagerungen, mit welchen sie zusammengezogen worden waren, ab- 
zutrennen und mit den von Andrere bei Weisscnburg als Riedselzcr 
Sande bezeichneten Schichten zu vereinigen sind. (Andrej, Elsässer 
Tertiär, in Abhdl. z. geol. Specialk., II. 3.) 

Die Riedselzer Schichten lassen sich in zwei Abtheilungen 
gliedern: in eine ältere, sandig-thonige und eine jüngere, auffallend 



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geröllreiche. Beide waren auf Blntt Weissenburg zusammen mit 
einer Farbe ausgeschieden worden , sind aber hinreichend scharf 
von einander unterschieden, um auch bei der geologischen 
Kartirung gesondert zur Darstellung gebracht zu werden. Die 
Gliederung wurde auf dem Kartenblatt Weissenburg nachträglich 
durchgeführt und auch im übrigen Theil des Unter-Elsa» verfolgt. 
Zur unteren Abthoilung gehören ausser den Sauden und Thonen 
der Gegend von Riedselz die Thonlager von Oberbetsehdorf und 
Sufflenheim, sowie wahrscheinlich ein Theil der Sande, welche bei 
den Bohrungen im Hagenauer Forst öfters in grösserer Mächtig- 
keit Uber den oligocAncn Mergeln angetroffen werden. Die obere 
Abtheilung wurde in weiterer Verbreitung nachgewiesen. Sic um- 
fasst die hellgefärbten Sand- und Geröllablagerungen der Umgegend 
von Hagenau und des unteren Zornthaies bei Brumath, welche 
bereits Schumacher an dio Ricdselzer Schichten im weiteren 
Sinne angeschlossen hatte, sowie einen Theil der früher von dem- 
selben Verfasser aus dem oberen Theil des Zornthaies als 
altglacial beschriebenen Bildungen. Die obengenannten Ab- 
lagerungen von Oberbronn und Gumbrechtshofen sind gleich- 
falls dieser oberen Abtheilung zuzurechnen. Als südlichstes Vor- 
kommen hierher gehöriger Bildungen des Unter-Elsass wurden die 
weissen Thonsande und Bloekthone des Hügels bei Epfig sowie 
des Plettig in der Gemarkung Dambach erkannt Aus dem 
Ober-Elsass sind weisse, mit sandigen Thonen wechsellagernde 
mürbe Sandsteine und Conglomerate oberhalb Wattweiler, sowie 
Thonsande nordöstlich von Aue hierher zu stellen. 

Ihrem gesammten Verhalten nach schliessen sich die hier 
als zusammengehörig angesehenen Ablagerungen am vollständigsten 
an die von Kinkelin in der Gegend von Frankfurt nach der 
darin vorkommenden Flora als Obcrplioeän beschriebenen 
Schichten an und werden deshalb auch auf den im Druck befind- 
lichen Blättern Weissenburg und Niederbroun als solche bezeichnet. 
Auch dem Oberpliocän der Schweiz stehen sie sehr nahe. Charak- 
teristisch für die plioeänen Ablagerungen ist das Vorherrschen 
kieseliger Bcstandtheile (Quarz als Gerölle und als Sand, Quarzit- 
gerölle verschiedener Art), das vollständige Fehlen von Kalk, die 



— XIV — 

Zersetzung der seltenereu feldspathigen Gemengtheile in Kaolin 
und die hellen Färbungen der sämmtlichen Bestandteile. 

Die Hauptmasse der im Gebiet des Blattes Niederbronn 
verbreiteten Geröllablagerungen wurde auch nach den neueren 
Untersuchungen beim Diluvium belassen. Vom Pliocän unter- 
scheidet sich dieses besonders durch das Vorwiegen von braunen 
Quarzitgeröllen und die Beimengung von Gerollen aus unge- 
bleichtem Hauptbuntsandstein und von Blättelerz, das stellenweise zu 
früher ausgebeuteten Ablagerungen angehäuft ist Die bei der Auf- 
nahme des Blattes Niederbronn durchgeführte Gliederung zeigte 
mit der 1890 von E. Schumacher für andere Theile des Unter- 
Elsass angenommenen Gliederung vollständige Uebereinstimmung, 
inusste aber mit Rücksicht auf dessen in 1891 ausgeführte Unter- 
suchungen, besonders in Folge der Trennung der bisher als Vogeseu- 
sehotter zusammengefassten Sand- und Geröllablagerungen in zwei 
Terrassen, einige Aenderungcn erfahren. 

In der zweiten Hälfte des April und im Monat Mai revidirte 
Herr Dr. van Werveke zusammen mit Herrn Professor BENECKE 
die früher von G. Meyer aufgenommenen Blätter Kemilly und 
Falkeuberg und nahm die Umarbeitung des nördlichen und 
mittleren Theils des Blattes Remillv vor. 

Im Juni wandte sich Herr Dr. VAN Werveke der Unter- 
suchung des Grauwackengeb irges im Ober-Elsass zu. Ein- 
gehender wurde das Gebiet zwischen Gebweäler, Moosch bei 
St Amarin, Oberburbach und Thann untersucht und für dieses 
die nachstehende Schichtenfolge festgestellt: 

1. Brauner Labradorporphyr als Hangendes, Mächtigkeit 
ungefähr 600 m. — Staufen, Fuss der Engelsburg. 

2. Dichte ockergelbe oder hellgrünlich graue, muschlig 
brechende Grauwacke, mitunter verkieselt, in vielfacher Wechsel- 
lagerung mit feldspathreicher, fein bis kleinkörniger Grauwacke und 
mit Porphy ritbreccien (zum Theil wohl Tuffen) und -Con- 
glomeraten. Kicselschiefer nur an einer Stelle beobachtet Zahl- 
reiche Pflanzenreste, besonders in den dichten Gesteinen. Mäch- 
tigkeit ungefähr 2250 m. — Zwischen Bitschweiler und Thann. 

3. Vorwiegend fein bis grobkörnige, zuweilen conglomeratische 



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— XV — 



Grauwacke, untergeordnet dichte Grauwacke und schwarze (Kohlen-) 
Schiefer. Zahlreiche Stammreste. Mächtigkeit mindestens 300m. 
— Vorsteinerter Wald hei Thann und grosser Steinbruch zwischen 
Nieder- und Oberburbach. 

Aus den Schichten 2 und 3 stammt die von SCHIMPKR be- 
schriebene Culmflora, die Farne finden sich besonders in 2. 

4. Brauner Labradorporphyr, 30 — 500 m. — Amsel-Kopf; 
oberhalb des versteinerten Waldes. 

5. Dichte bis kleinkörnige Grauwacken und Porphyrit- 
conglomeratc, ungefähr 75 m. — Kinsenkung nördlich vom Grum- 
bach köpf. 

6. Brauner Labradorporphyr. Am Herrenstubenkopf 2000 m 
mächtig. 

7. Dichte bis kleinkörnige Grauwacken, Porphyrit-Conglo- 
merate und -Brcccien, auch Conglomerate mit Gneiss, Grauwacke, 
Kicselschiefer u. s. w. Pflanzenreste. Mächtigkeit bis zu 150 m. — 
Pastetenplatz. 

8. Brauner Labradorporphyr, 300 m mächtig. — Sudabhang 
des Bächerkopfes, Kuppe nördlich vom Wolfskopf, Felsen der 
Herrenfluh. 

9. Grauwacken und Conglomerate. Die Zone ist am Bächcr- 
kopf schmal und wenig auffallend und besteht aus fein- bis klein- 
körniger Grauwacke. In der Einsinkung oberhalb Herrenfluh 
gesellen sich dazu Conglomerate mit Geröllen von braunem La- 
bradorporphyr und vom Quarzporphyr des Molkenrains. Mittlere 
Mächtigkeit 60 m. 

10. Brauner Labradorporphyr, 150 m mächtig. - Bächerkopf. 

11. Porphyrit-Conglomerate und -Breccien vorwiegend, da- 
neben kleinkörnige Grauwacke mit Pflanzenresten. Die Mächtig- 
keit ist im Mittel 250 in. — Wüstgrund. 

12. Brauner Labradorporphyr. Die Decke ist an der Kuppe 
nördlich vom Bächerkopf am mächtigsten , ungefähr 300 m, 
schrumpft sowohl in westlicher wie in östlicher Richtung zusammen 
und keilt am Hirzenwasen anscheinend aus. 

13. Quarzporphyr, 600 — 2300 m mächtig. — Hartmanns- 
weiler-Kopf, Molkenrain. 



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— XVI — 



14. Porphyrit-Conglomeratc und -Brcccien vorwiegend, ausser- 
dem fein- und kleinkörnige Grauwacken. Bei Wickenbächle 75 m, 
bedeutend mächtiger im oberen Theil des Wünheimer Thaies. 

15. Brauner Labradorporphyr, bis zu 500 m mächtig. — 
Thiercnbacher Kopf, zwischen Ruine und Melkerei Freundstein, 
Hunsrücken. 

IG. Dichte, muschlig brechende Grauwacke, wechscilagernd 
mit klein- bis grobkörniger Grauwacke und mit Porphyr-Conglo- 
meraten, welche Gerölle vom Porphyr des Rothhütel umschliessen. 
Mächtigkeit bei Bäselbach 450 m. Diesen Schichten gehört der 
von G. MEYER (Abhdl. z. geol. Specialk., in, 1, S. 99, 2. Absatz) 
erwähnte Fundpunkt mit thicrischen Vorsteinerungen an. Ausser- 
dem Pflanzenreste. 

17. Porphyr des Rothhütel. Erreicht seine grösste Mächtig- 
keit anscheinend im Steinklotz unterhalb des Rothhütel, keilt aber 
gegen Norden und Süden rasch ans. Bei La Boutique miset er 
175 m. 

18. Dichte muschligbrechende und fein- bis kleinkörnige 
Grauwacke. Mächtigkeit bei Freundstein 100, weniger mächtig im 
Hohlweg zwischen Oberburbaeh und La Boutique. Von dem letz- 
teren Vorkommen ist eine reiche Fauna durch Bleicher bekannt 
geworden; zusammen mit den thierischen finden sich auch pflanz- 
liche Reste. 

Wo der Porphyr des Rothhütel fehlt, fallen diese Schichten 
mit 1(> zusammen. 

19. Grauer Labradorporphyr. Mächtigkeit an der Ruine 
Freundstein ungefähr 200 m, im Rimbachthal grösser. 

20. Schwarze Schiefer, klein- und feinkörnige, auch conglo- 
meratische Grauwacken. Mächtigkeit bei Freundstein 120 m, im 
Rimbaehthal mindestens 300 m. Der von Bleicher zuerst be- 
schriebene Fossilfundpunkt am Wege von Oberburbach nach 
Masmünster gehört wahrscheinlich diesen Schichten an. Auch 
Pflanzenreste. 

21. Grauer Labradorporphyr, bei Kohlschlag 95 m mächtig; 
auch im Rimbachthal weniger mächtig als die übrigen Lager. 

22. Schwarze Schiefer und Grauwacken, 220 m. Bei 160 m 



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— XVII — 



über dem grauen Labradorporphyr im Liegenden (23) spärlich 
thierische Versteinerungen. — Westlich von Kohlschlag. 

23. Grauer Labradorporphyr, 130—300 m. — Westlich von 
Kohlschlag; Kimbach. 

24. Schwarze Schiefer, feinkörnige Grauwacke und Conglo- 
merate mit Quarz und Grauwackengeröllen, untergeordnet Conglo- 
merate mit Brocken eines rothen Porphyrs. An der Basis befindet 
sich eine Bank mit Geröllen von Quarz und Gneiss und 80 m 
unter dem grauen Labradorporphyr eine mindestens 0,40 dicke 
Bank eines bläulich-grauen mit Trochiten erfüllten Kalkes. Ge- 
samintmächtigkeit 150 m. — Stimpfelrain bei Weiler. 

25. Schwarze, dachschieferartige Schiefer mit zahlreichen 
Durchbrüchen fein- bis grobkörniger Diabase. Die Schiefer sind 
im Contact mit den Diabasen gehärtet Mächtigkeit 400 m. Der 
Weg von Bahnhof Weiler nach Brand bei Moosch schliesst diese 
Schichten gleich oberhalb des ersteren auf eine Erstreckung von 
0,4 km gut auf. Wahrscheinlich gehören hierher auch die schwarzen 
Schiefer vom Col de Bussang, welche zwar zahlreiche Pflanzen- 
fetzen, aber nur wenigo bestimmbare Reste einschlicssen ( Triphyl- 
lopteris Collombiana SchpR., Archaeocalamites radiatus Brgt.). 

26. Grauwacken und Schiefer weehscllagernd, nach unten in 
geschlossene Grauwackenablagerungcn übergehend. Die Grau- 
wacken sind quarzreich, klein- bis feinkörnig, von hellgrauer 
Farbe mit aufkeilenden Lagen von grobkörnigen Varietäten. Die 
Schiefer stehen denen aus 25 nahe, sind aber gewöhnlich mehr 
braun bis gelb gefärbt; ganz untergeordnet stellen sich zwischen 
diesen rothe Schiefer ein. Pflanzenreste in unbestimmbaren Fetzen 
spärlich. Mächtigkeit mindestens 400 ra. — Oberhalb der schwarzen 
Schiefer (25) zwischen Bahnhof Weiler und Moosch; unterhalb 
Moosch auf der linken Thalseite. 

Am grossen Beleben, ausgenommen an der Ostseite, sind 
die Grauwacken und Schiefer der Schichten 24 und 25 im Con- 
tact mit dem Granit in Hornfelse und Knotenschiefer umgewan- 
delt Der Granit ist also jünger als die genannten Schichten. 
Der Contacthof wird sich, soweit bis jetzt zu übersehen ist, ohne 
Schwierigkeit gegen die unveränderten Gesteine abgrenzen lassen. 



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— XVIII — 

Ganggesteine, nämlich Granitporphyre und Lamprophyre, 
setzen vielfach innerhalb des Gebietes der Schichten 19 — 26, 
besonders aber in 25 und 26 auf, während im Gebiet der jüngeren 
Schichten (1 — 25) bisher nur vereinzelte Minettegänge beobachtet 
worden Bind. In dem grossen Steinbruch am Südfuss des Herren- 
waldes bei Malmerspach sowie an den Felsen in der Nähe des Bahn- 
wärterhauses unterhalb dieses Ortes haben sich im Contact mit Gra- 
nitporphyrgängen Hornfelsc herausgebildet, eine Erscheinung, die 
bisher in anderen Gebieten noch nicht beobachtet worden ist 

Die angeführte Gliederung des Grauwackencomplexes wird es 
ermöglichen, die Tektonik des Gebietes bis ins Einzelne zu erkennen 
und auf den geologischen Karten darzustellen. Um einen Ueber- 
blick über die bisher in dieser Richtung gewonnenen Resultate 
zu geben, ist es zweckmässig, die unterschiedenen Schichten und 
Decken in Stufen zusammenzufassen. 

Eine obere, durch ihre petrographische Ausbildung, besonders 
durch die Einschaltung der braunen Labradorporphyre und des mäch- 
tigen Quarzporphyrs vom Molkenrain sowie durch ihren Reichthum an 
Pflanzenresten gut charakterisirte Stufe bilden die Schichten und 
Decken 1 bis einschliesslich 18. Au der Basis liegt das Hauptvor- 
kommen thierischer Reste. In der darunter folgenden Stufe, welche 
die grauen Labradorporphyre umfasst, stellt sieh nicht nur eine Aen- 
deruug in der Natur der Deckengesteine, sondern auch derZwischen- 
mittel ein, wodurch sie eich näher an die Schiefer und Grauwacken 
im Liegenden als an die hangende Stufe anschliesst Eine untere, 
durch Armuth an Fossilien ausgezeichnete Stufe ergeben schliess- 
lich die Schichten 25—26. 

Die Gesammtmächtigkeit der drei Stufen beträgt unter 
Zugrundelegung der beobachteten Maximalmächtigkeiten 12 590 m; 
davon entfallen 

auf die obere Stufe 10 535 m, nämlich 6825 m Massengestein c 
und 3710 m Schichtgesteine; 

auf die mittlere Stufe 1105 m, wovon 585 m Massengesteine 
und 520 m Schichtgesteine 

und auf die untere Stufe 950 ra Schichtgesteine. 



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Die Gesammtmäehtigkeit der Massen gestc ine beziffert sich 
zu 7410 m, die der Schichtgesteine zu 5180 m. 

Es wird sich vielleicht später als richtiger erweisen, die 
mittlere und untere Stufe als Unterstufen aufzufassen und zusam- 
men als tiefere Stufe den auch jetzt als obere' Stufe zusammen - 
gefassten Schichten gegenüber zu stellen; zu dem vorliegenden 
Zweck schien jedoch die angegebene Gliederung zweckmässiger. 

Die zwei jüngeren Stufen setzen südlich vom Gebweilerthal 
den Ost- und Südrand des Gebirges zusammen und umfassen die 
ältere Stufe in einem weiten nach Norden offenen Bogen. Sie sind 
in einem breiten Streifen nachgewiesen, der zwischen Bühl und 
Gebweiler unter der Buntsandsteinbedeckung des Oberlingcr be- 
ginnt, anfangs in südsüdwestlicher, dann mehr südwestlicher Rich- 
tung über Weiler, Bitschweiler und Thann sich bis Masmünster 
und Auo erstreckt und von hier ab, nach allmählicher aber voll- 
ständiger Wendung des Streichens, dem südlichen Grenzkamm 
der Vogesen folgt Dass sich hierher gehörige Schichten auch 
zwischen Sewen und dem Alfeld sowie an den Gratzen und dem 
Stern-See wiederfinden, ist durch eine nochmalige Umbiegung der 
Streichrichtung, und zwar in nördlicher Richtung, bedingt In 
diesem Streifen nimmt die obere Stufe den äusseren, die mittlere 
den inneren Theil ein. 

Vom Gebweiler- bis zum Thnr-Thale ist die Schichtenstellung 
eine vorwiegend steile mit östlichem Fall. Am Rossberg und Huns- 
rücken herrscht bei gleicher Fallrichtung eine geringere Neigung 
der Schichten, und es greifen in Folge dessen die grauen Labra- 
dorporphyre zwischen dem Thür- und dem Doller-Thale als Decke 
weiter gegen Westen vor als nördlich der Thür. Zwischen Nieder- 
und Oberburbach ist auf weite Strecken nahezu horizontale 
Lagerung zu verfolgen, während südlich vom Doller-Thale wieder 
steilere Stellung bei südlichem Fallen herrscht. 

Die Grauwacken und Schiefer der älteren Stufe, welche von 
der Doller bis zum oberen Lauf der Fecht reichen, scheinen 
stärker gefaltet zu sein als die Schichten der jüngeren Stufen. 
Obgleich sie selbst in eine Anzahl geschlossener Sättel und Mulden 
zusammengestaucht sind, die theilweise ein dem bisher angenom- 



— XX — 



mcncn entgegengesetztes, nämlich SO-NW Streichen zeigen, so 
bilden sie doch als Ganzes den Kern eines grossen Gewölbes, 
dessen äusserer Mantel, durch die Gesteine der jüngeren Stufen 
gebildet, hauptsächlich nur am Fusse des Gewölbes erhalten ist 

Ausser den Faltungen konnten zahlreiche Schichtenbrüchc 
erkannt worden. Der Stock, dessen Mitte und höchsten Gipfel der 
Molkenrain bildet, ist z. B. gegen den grossen Bolchen längs einer 
Verwerfung gesunken, die von Lautenbach bis Bitschweiler sich 
bemerkbar macht Besonders zahlreiche Störungen weist das Ge- 
biet zwischen Thann-Bitschweiler und Niederburbach auf. 

Die Eisenerzgänge bei Bitschweiler und Thann setzen auf 
derartigen Gebirgsstörungen auf. 

Soweit als thunlich verfolgte Herr Dr. van Werveke in 
dem von ihm zur Untersuchung der Grauwacke begangenen Ge- 
biet auch die Glacial ersehe inungen und wies dabei deutliche 
Spuren ehemaliger Vcrgletschcrung weit Uber die bisher bekannten 
Punkte hinaus nach. Unverkennbare, parallel thalabwärts gerichtete 
Gletscherschrammen finden sich, bedeckt von Moränenschotter, 
über dem Steinbruch bei Moosch; gekritzte Geschiebe wurden am 
Vorderen Heis-Berg unterhalb Malmerspach, am Ausgang der Kohl- 
bachrunz und an vielen Stellen des vom Thanner Hubel nach 
Weiler sich öffnenden Seitenthaies gesammelt Die quer zum Thal 
des Kehrlen-Baches gerichtete wallartige Erhebung südlich von 
Ziegelscheuer bei Bitschweiler ist als Endmoräne eines früher vom 
Thanner-Hubel herunterfliessenden Gletschers anzusehen. Sie liegt, 
wie die Moränen von Wesscrling, auf einer nur wenig über die 
Thalsohle ansteigenden Flussterrassc. Ausserhalb des Amarinthales 
wurden, theilweise auf Excursionen mit den Herren Professoren 
Benecke und BüCKiNG, unzweifelhafte Gletseherspuren, geschrammte 
Felsen oder Moränen mit gekritzten Geschieben, am Belchen-See, 
am Neuweiher, am Stcm-Scc, Daren-See, Forlenweiher und 
Schwarzen-See erkannt. Da auch am Weissen-See die Block- 
anhäufungen in der Nähe des Abschlusses als Moräne aufgefasst 
werden müssen, so kann die ehemalige Vcrgletschcrung der 
Vogescn bis zum Faux-Kopf bei Dicdolshausen nicht mehr be- 
zweifelt werden. 



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Von gelegentlichen Untersuchungen, welche Herr 
Dr. VAN Webveke ausführte, sind zu erwähnen : die Besichtigung 
mehrerer Bohrungen auf Petroleum im Unter- Elsass, der Aufschlüsse 
an den Bahnstrecken Walburg- Wörth und Weilerthal-Weiler sowie 
zweier Bohrungen bei Kreuzwald und Spittel in Lothringen. 

Die diesjährige Thätigkeit des Herrn Dr. Schumacher er- 
streckte sich zunächst auf eine endgiltige Kartirung der pliocüneu 
und diluvialen Kiese und Sande im unteren Zorn-Thale (d. i. inner- 
halb der Blätter Zabern, Hochfelden, Brumath und Schil- 
tigheim), ferner auf die Neuaufnahme des südlichen Theils des 
Blattes Remilly und endlich auf Untersuchungen in verschiedenen 
Theilen des Elsass, zumal des Ober-Elsass, zum Zwecke einer 
umfassenderen Gliederung der diluvialen Bildungen. Die Arbeiten 
auf Blatt Remilly wurden im Mai ausgeführt, während die im 
Zorn-Thale die erste Hälfte des April, den ganzen Juni und den 
grösseren Theil des Juli ausfüllten. 

Die Hauptaufgabe, welche in der Verfolgung der gegen- 
seitigen Beziehungen der diluvialen Bildungen im 
Rheinthal und in den Vogesenthälern bestand, nahm im 
wesentlichen den Rest des Sommers in Ansprueh. Hinsichtlich der 
hierbei in erster Linie stehenden Frage nach der Stellung der 
Moränen im Gebirge zu den Schotter- und Sandablagerungen da- 
selbst und sodann zu denen des Rheinthals war die meiste Auf- 
klärung von einer genauen Untersuchung der einschlägigen Ver- 
hältnisse in den beiden südlichsten grossen, ehedem besonders 
stark vergletscherten Vogesenthälern zu erwarten, und um zu 
einer möglichst sicheren Auffassung des gegenseitigen Verhält- 
nisses der fraglichen Bildungen zu gelangen, erschien eine theil- 
weise Specialaufnahme der betreffenden Gebiete angezeigt Dem- 
entsprechend wurden zunächst die den Lauf der Doller und der 
Thür begleitenden Diluvialterrassen nebst den im Gebiete der 
letzteren auftretenden Moränen auf den Strecken vom Sewen-See 
bis Niederbruck bei M a^münster einer- und von Krüth bis Rans- 
pach oberhalb St Amarin anderseits im Maasstabe von 1:25000 
kartirt Im Anschluss hieran fand sodann eine Begehung der 
Terrassen thalabwärts ohne speciellere Aufnahmen bis in diu 



— XXII — 



Rheinebene hinab statt Bei diesen während dos Monats August 
ausgeführten Untersuchungen bot sich Gelegenheit, mancherlei 
Angaben frühoror Beobachter über Einzelheiten des Glacialphäno- 
mens in den betreffenden beiden Thälern zu berichtigen oder 
zu ergänzen. 

Die Endmoräne von Kirchberg im Doller-Th ale setzt sich 
aus drei unmittelbar auf einander folgenden, flachen und deshalb 
wenig scharf hervortretenden Querwällen zusammen, deren mitt- 
lerer sich an den von der Kirche gekrönten Hügel anlehnt Auf 
dem südlichen liegt Strüth, auf dem nördlichen Hohbühl. Die in 
Band II dieser Mittheilungen (Seite 10—13) ausführlich be- 
sprochenen Ablagerungen, welche sich zwischen Dollern und 
Kirchberg auf der rechten Thalseite, gegenüber Obsrbruck, lang 
hinziehen, sind nicht als eine durch den Rimbach-Gletscher gegen 
Süden abgedrängte Moräne des Hauptgletschers aufzufassen. Sie 
stellen vielmehr eine, nur oberflächlich mit zerstreutem erra- 
tischen Schutt bedeckte und beim Abschmelzen des Gletschers 
stellenweise eigentümlich erodirte Schotterterrasse vor, welcher 
an ihrem Südende die erwähnten drei Moränenwälle aufgehetzt 
sind. Bei Dollern selbst wurde Gletscherschutt in ausgesprochen 
wallartiger Form nur am Nordostfusse des Schopfers-Berges 
erkannt. Ein hier in west-östl icher Richtung etwa 100 m weit sich 
erstreckender Stumpf einer Endmoräne erscheint dem Ausgange 
des von Süden her einmündenden Graberbach-Thales vorgelagert. 
Irgend welche ähnlich den Kirchberger Moränenwällen das Haupt- 
thal in mehrfacher Wiederholung durchquerende auffällige Er- 
hebungen, wie sie nach den Beschreibungen zu erwarten wären, 
konnten nicht aufgefunden werden. Hinsichtlich des Sewen-Sees 
hat eine genaue Begehung keinerlei Anhaltspunkte für die An- 
nahme, dass dessen Niederung nach abwärts durch glaciale 
Schuttmassen abgeschlossen sei, ergeben. Es findet sich nur ober- 
flächlich aufgestreuter glacialer Schutt an und zwischen den iso- 
lirten, vielfach gerundeten und abgeschliffenen Klippen von 
krystallinen Gesteinen, welche in und um Sewen aus einer ziem- 
lich breiten diluvialen Schotterterrasse aufragen. 

Im Thur-Thale wurden die ersten Endmoränen an der Nord- 



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Westseite des Wildensteiner Schlossberges erkannt, wo sie süd- 
östlich vom Kundmättel den Lauf der Thür auffallend einengen. 
Von den vielerwähnten drei wallartigen Erhebungen zwischen 
KrUth und Odern ist nur die nördliche, auf welcher ein Theil 
des ersteren Ortes selbst liegt, thalabwärts convex gekrümmt und 
auf den Gletscher des Hauptthaies zu beziehen. Die beiden süd- 
lichen Wälle sind h ingegen nur Theile einer aus dem Thal von 
St. Nicolaus in das Hauptthal vorgeschobenen und von der Doller 
bei der Fabrik Fossbühl durchschnittenen Moräne, welche den Aus- 
gang jenes Seitenthaies halbkreisförmig umspannt Mit dorn Südende 
dieser Moräne hängt unmittelbar ein niederer, schmaler Wall 
zusammen, welcher sich mit fast geradlinigem Verlauf und un- 
merklicher Abdachung gegen die ostwärts sich ausbreitende 
Diluvialterrasse bis zum Bär-Berg erstreckt Er ist auf einen Uber 
die Einsenkung von Wersch mattbrand, als südliche Verzweigung 
des St. Nieolaus-Gletschers herabsteigenden Eisstrom zurückzuführen. 
Ohne Zweifel wurde die Moräne von Fossbühl mit ihrer eigen- 
tümlichen südlichen Verlängerung zur gleichen Zeit vom 
St. Nicolaus-Gletscher sammt dessen südlicher Abzweigung gebildet, 
wie die Moräne in KrUth vom Hauptgletscher. Die Enden dieser 
beiden Gletscher müssen bei Krüth dicht neben einander gestanden 
haben, ohne einander irgendwo zu berühren. — Eine von dem 
heutigen Thalweg der Thür durch eine breite und niedere 
Schotterterrasse getrennte Trockenrinne, welche mit einer geräu- 
migen und eigenthümlich geformten kesselartigen Vertiefung an 
der Ostseite des Märle-Berges bei Odern beginnt und zwischen 
Ebenacker und Wesserling mit deutlichem Rande gegen die 
Alluvialterrasse der Thür abschneidet, ist als Beispiel eigenartiger 
Circulationsverhältnisse, wie sie nur zur Zeit einer Vergletscherung 
des Gebirges möglich waren, hervorzuheben. 

Es ist auffallend und für dan Verfolgen der äussersten 
Gletscherspuren in den Granitgebieten nicht ohne Wichtigkeit, 
dass deutlicher Gletscherschliff und Schrammung nirgends an 
kleineren Granitgeschieben in den Moränen beobachtet wurden, 
während diese Erscheinungen an grösseren Granitblöcken und 
an Grauwackengeschieben jeden Umfangs sehr gewöhnlich sind. 



— XXIV 



Wie im Doller-Thalc, so erscheinen auch im Thur-Thale die 
Moränen überall auf Schotterterrassen aufgesetzt, 
welche in Folge nachträglicher Erosion oft in mehreren Stufen 
gegen den Fluss abfallen. Die Fortsetzungen dieser Terras- 
sen ausserhalb der letzten Endmoränen verflachen sich thalabwärts 
mehr und mehr und laufen schliesslich unvermerkt in die 
ausgedehnten niederen und ebenen Kies- und Sandflächen 
des Nonnenbruchs, Ochsenwörths u. s. w., d. h. des Rhcin- 
thals au 8. 

An die Aufnahmen im Masmünster- und im Amarincr-Thale 
schloss sich in den Monaten September und Oktober die Besich- 
tigung der Terrassen des Wcilcrthals und Breusch-Thales und vor 
allem eine streckenweise Begehung der Rheinthaltcrrassen zwischen 
Basel und Strassburg sowie der Vorberge zwischen Doller- und 
Breusch-Thal. Diese Untersuchungen ergaben zunächst für die Sand-, 
Geröll- und blockführenden Ablagerungen des Vogescnvorlandes 
und der eigentlichen Rheinebene, soweit sie nicht mit den gegen- 
wärtig als Pliocän anzusprechenden zu vereinigen sind, die Zuge- 
hörigkeit zu wenigstens drei verschiedenen Aufschüttungsperioden, 
welche sich auch innerhalb der Vogesen im Weilerthale und 
Breusch-Thale nachweisen Hessen. Man kann dementsprechend diese 
Bildungen vorläufig am zweckmässigsten in älteste, mittlere 
und jllngere Diluvialschotter gliedern und innerhalb dieser 
Abtheilungen lehmig-sandige und Block-Facies unterscheiden. 

Die ältesten derartigen Ablagerungen erscheinen gewöhn- 
lich als sandig-thonige bis lehmige, an Blöcken oder grossen Ge- 
schieben reiche, vielfach keine Schichtung zeigende Massen, 
welche, ähnlich wie das Pliocän, auf Hügeln an und zwischen den 
Ausgängen der Thäler in das Tiefland und als Bekleidung der 
Hheinthalgehänge auftreten. Von den späteren, Geschiebe oder 
Blöcke führenden Ablagerungen sind sie meist schon durch das 
entweder ausschliessliche oder doch auffallend reichliche Auf- 
treten von Buntsandsteinmatcrial, von dem Pliocän aber durch die 
rotheu uud braunen Färbungen des Sandes und der Sandstein- 
Geschiebe oder -Blöcke gut zu unterscheiden. Die gesammten Ver- 
hältnisse dieser theilweise sehr hoch gelegenen Bildungen weisen 



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auf einen dem zur Plioeänzeit herrschenden ähnlichen Zustand 
des Gebirges in der ältesten Diluvialzeit hin, namentlich auf 
eine ausgedehntere Verbreitung des Buntsandsteins als zur Jetzt- 
zeit und auf sein Vorhandensein in Gegenden, welchen er heute 
fehlt. 

Halbwegs zwischen Aue und Niederburbach konnte in einer 
Grube die AufLigerung einer hier anzuschlicssenden Bildung, 
nämlich eines von zahlreichen kleinen, eckigen Gesteinsbruch- 
stücken durchsetzten ungeschichteten, sandigen Thons mit Ge- 
schieben und Blöcken von Sandstein, Grauwacke, Labradorpor- 
phyr u. s. w., auf weisslichen, roth gebänderten Thonsanden, 
welche nur als Pliocän angesprochen werden können, festgestellt 
werden. Ausserdem gehören im Ober-EIsass hierhin mehr 
oder weniger ausgedehnte Ablagerungen zwischen Sennheim und 
Wattweiler, nordöstlich von Zellenbcrg bei Rappoltsweiler und öst- 
lich von St. Pilt, sowie endlich jedenfalls zum Theil die auf der 
geologischen Karte des Departement du Haut-Rhin von Kcechlin- 
Schlum berger als «Diluvium d'eboulement» ausgeschiedenen 
Massen. Im Unter-Elsas» sind der grösste Theil von DaüBREe's 
«Depots erratiques» und andere diesen entsprechende Vorkommnisse 
hierhin zu stellen, vor allem mehr oder weniger an Moränen 
erinnernde Bildungen bei Ittersweiler, am Mönkalb bei Barr, 
zwischen St. Nabor und Bernhardsweiler sowie zwischen Ober- 
ehnheim und Ottrott, endlich bei Gereuth (Krüt), Thannweiler 
u. s. w. im Weilcrthal und bei Lützelhausen, Ober- und Nieder- 
haslach im Brcusch-Thal. Bei Wattweiler und Zellenberg und 
ebenso noch bei Dambach findet allem Anschein nach ebenfalls 
Auflagerung auf plioeänen Massen statt 

Besonders mus« man sich nach den gesammelten Erfah- 
rungen hüten vor Verwechselungen dieser Ablagerungen mit 
gewissen, Gerölle und Blöcke von Buntsandstein* führenden, allem 
Anschein nacli ziemlich verbreiteten Tertiärcouglomeraten, wie 
sie beispielsweise in einem Hohlweg östlich von der Kirche 
in Alt-Thann aufgeschlossen oder östlich und nordöstlich von 
Bebeinheim bei Rappoltsweiler zu beobachten sind. Von diesen 
tertiären Schichten, welche ausser den Buntsandsteintrümmern 



— XXVI 



immer noch Muschelkalk-, Dogger- und anderes Material ent- 
halten, wird das älteste Diluvium, wo es an geeigneten Aufschlüssen 
mangelt, vielfach nicht leicht zu trennen sein. Es wird unter Um- 
standen übersehen werden können, wo es in dünner Decke jenen 
tertiären Bildungen auflagert. 

Im südlichsten Theil des Elsass, nach der Pfirt zu, sind Ab- 
lagerungen, welche sich mit den vorgenannten unmittelbar, d. h. auch 
hinsichtlich ihrer Ausbildung vergleichen Hessen, nicht bekannt 
Die hier, im Sundgau, in ähnlicher hoher Lage auftretenden, fast 
allgemein für Rheinabsätze angesehenen Geröll- und Sandmassen, 
welche offenbar das Aequivalent der in der Schweiz als Decken- 
sehotter bezeichneten Ablagerungen bilden, erinnern wenigsteun 
zum Theil durch thonige Beschaffenheit und auch sonstige Aus- 
bildung, z. B. die Art der Gerölle, viel mehr an die pliocänen 
Schichten des Unter-Elsa»«. 

Südöstlich von Aue, in den etwa 40 m über der Thalsohle 
gelegenen Gruben oberhalb der Ziegelei Hohlenstein, lagern auf 
typischen pliocänen Thonsanden, welche von deu Bildungen im 
Hangenden durch ihre reine weisse Färbung auffallend abstechen, 
lehmig-sandige Massen von geringer Mächtigkeit mit Geschieben 
von rothem Sandstein, Labradorporphyr u. ». w. Westnordwestlich 
von Aue aber, bei und oberhalb Bifjand, treten zwischen 30 und 
47 m Uber der Thalsohio Ablagerungen auf, welche sich durch 
auffallend starke Zersetzung der in einem gelben Lehm einge- 
betteten Geschiebe (Grauwacke, Labradorporphyr, Rothhütel- 
porphyr u. s. w.) auszeichnen. In wie weit diese sowie noch weitere, 
östlich von Hohlenstein in etwas tieferer Lage vorkommende, zahl- 
reiche grosso quarzitische Geschiebe führende Bildungen unter 
einander und mit den Deckenschottern zu vergleichen sein 
mögen, wird vor der Hand am besten unentschieden gelassen 
werden. 

Die mittleren Diluvialschotter treten im südlichsten 
Theile des Elsass 1 als graue Sande und Geröllmassen rheini- 



I. Die Orienlirung daselbst wurde wesentlich erleichtert durch eine Torherge- 
gangene Besichtigung der Terrassen in der Umgebung von Basel auf schweizerischem 



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— XXVII — 



sehen Ursprungs zu Tage, und zwar an zahlreichen Punkten 
längs des Absturzes der hoch gelegenen, welligen, fast ganz von 
Löss eingenommenen Fläche, welche sich westlich der Linie Allsch- 
wil (bei Basel) — Sierenz ausdehnt und die Fortsetzung der links- 
rheinischen Hochterasse der schweizerischen Geologen bildet. 
Quarze und Kalksteine, letztere häufig durch Verwitterung voll- 
ständig ausgelaugt und in feinporöse sandig-thonige Gesteine um- 
gewandelt, bilden hauptsächlich den nicht selten nagelfluhartig ver- 
kitteten Kies. Granite, Porphyre, Verrucano, Taveyannaz-Gesteine, 
rothe und schwarze Hornsteine und ähnliche Fclsarten treten da- 
gegen stark zurück, während endlich die in den jüngeren rheini- 
schen Kiesmassen meist recht zahlreichen Horubleudeschiefer gar 
nicht beobachtet wurden, jedenfalls also sehr selten sind. — Südlich 
von Sierenz haben die unter dem Löss hervortretenden Schotter 
bereits eine sehr tiefe Lage, und zwischen hier und Dietweiler 
wurden — übereinstimmend mit Beobachtungen Gctzwiller's 
sowie den Ausweisen der KcECHLiN-SCHLUMBERGER'schen Karte, 
wonach sich im Lössgebiet zwischen Bartenheim (bezw. Sierenz), 
Altkirch und Mülhausen keine Kiesablagerungen mehr finden — 
entsprechende Schotter schon nicht mehr beobachtet. Ueberhaupt 
wurden ältere Rheinabsätze (graue Sande) weiter nordwärts erst 
wieder bei Sufflenheim im Unter-Elsass angetroffen, woselbst sie 
biB zu einer Höhe von etwa 11 m über der benachbarten Rhein- 
niederung am Steilufer der letzteren mit geröllführenden Vogesen- 
sanden wechsellagern. Zwischen Sierenz und Sufflenheim scheinen 
also (ausgenommen vielleicht noch bei Bischwciler am Gut Regula) 
keine Rheinanschwemmungen vom Alter des Hochterrassen- 
schotters mehr zu Tage auszugehen. Sie würden sich hier, soweit 



sowie auf dem benachbarten elsassischen Gebiet. Die Besichtigung, an welcher sich 
auch Herr Dr. Förster aus Mülhausen betheiligte, fand unter freundlicher Führung des 
Herrn Dr. Getzwillkr in Basel statt. Die von Herrn Gctzwiller für diese Gegenden 
bereits erkannten Unterschiede in der Zusammensetzung der zur Hochtcrrassc einer- und 
zur Niederlerrasse anderseits gehörigen Rheinschottcr wurden sowohl von Herrn Schu- 
macher als auch von Herrn Farster bestätigt gefunden, welche, wie aus vorstehendem 
Bericht sowie dem von Herrn Förster, S. I2C und 130 ersichtlich, in der Beurtheilung 
der fragliehen Verhaltnisse übereinstimmen. 



— XXVIII — 



aio von nachträglicher Erosion verschont geblieben waren, nuter 
einer Bedeckung von jüngeren Diluvialschottern forterstrecken. 

Dagegen trifft man in Höhenlagen, welche auf das Alter der 
Rheinhochterrasse hinweisen, westwärts von Mülhausen, am Aus- 
gang des Masmünster-Thalcs in das Tiefland, bei Sontheim, Aue 
und weiter oberhalb Schotter und blockführende Ablagerungen 
aus Vogesenmaterial, deren Zusammensetzung sie ganz wesent- 
lich von dem ältesten Vogcsendiluvinm, über welches bereits be- 
richtet ist, unterscheidet und, wie die Zusammensetzung aller 
hierher zu stellenden Vogesensehotter überhaupt, auf einen dem 
heutigen jedenfalls schon durchaus ähnlichen Zustand des Gebirges 
während ihres Absatzes hinweist Diese bei Sontheim noch ver- 
hältnissmäßsig niedrig liegenden, aber gegen die Vogesen an- 
steigenden Schottermassen bilden «augenfällig ein selbständiges 
Terrassensystem, welches noch ins Gebirge selbst hinein bis 
Niederbruck unterhalb Kirchberg verfolgt werden konnte, wo es 
sich gegen die Doller zuspitzt und unmerklich verschwindet Mit 
der von der Moräne bei Kirchberg abfallenden flachen Terrasse, 
welche sich, die Alluvialcbcne der Dollcr umsäumend, schliesslich 
in die Kiesmassen des Nonnenbruches bei Mülhausen verliert, hat 
dieses scharf abgesetzt über jener verlaufende System nichts zu 
thun. 

Nördlich vom Thur-Thale wurden im Ober-Elsass zur Hoch- 
terrasse gehörige Vogesensehotter nur noch an vereinzelten Stellen 
unter Lössbedcckung beobachtet, während sie sich im Unter-Elsass 
bereits zwischen Schlettstadt und Strassburg mehr bemerklich 
machen. Hier gehören dazu Kiese und Sande in den Gruben am 
Rosheimer Bach zwischen Roshcim und Innenheim sowie in den 
Gruben östlich von Bischofsheim, ferner Schotter westlich von Zell- 
weiler sowie in Einschnitten und Depressionen der Lösshügel nord- 
östlich von Epfig. Letztere Vorkommnisse zeichnen sich durch reich- 
liche Geschiebe aus den Weiler-Schiefem und rothe Sandsteine aus. In 
der Zusammensetzung ähnlich, in der Structur jedoch abweichend sind 
Ablagerungen zwischen Epfig und Ittersweiler, welche (Aufschluss 
am Bahnhof Epfig) in einer ungeschichteten thonigen Grundmasse 
ausser zahlreichen Bruchstüekehen von Weiler und Steiger Schiefern 



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— XXIX 



namentlich grosse Geschiebe von Quarz aus Weiler Schiefern 
sowie dicht auf einander gehäufte, meist rothe Blöcke von Sand- 
stein und Conglomerat regellos eingebettet enthalten. Sie unter- 
scheiden sich durch diesen auffallenden Gehalt von Schicfer- 
raaterial deutlich von den bereits unter den ältesten Diluvial- 
bildungen aufgezählten Blockthonen von Ittersweiler selbst und 
schliessen sich auch durch ihre tiefere Lage an die Hoch- 
terrasse an. 

Nordwärts von Strassburg bilden mittlere Vogesenschotter 
mehr oder weniger ausgedehnte Flächen im Zornthal unterhalb 
Zabern sowie im Gebiet der Moder und des Sauerbachs bei 
Durrenbach und südlich von Eschbach; im Lauter-Thalo wurden 
hierher zu rechnende Sande und Kiese durch gemeinschaftliche 
Begehungen mit den Herren Benecke und VAX Werveke in 
der Umgebung des Windhofes bei Wcissenburg festgestellt. 

Innerhalb des Gebirges endlich Hessen sich im Breusch- und 
Weilerthale Terrassen aus mittleren Diluvialschottcrn nachweisen. 
Im Weilerthale konnte südöstlich von Gereuth die durch van 
Werveke bereits beobachtete Auflagerung dieser Schotter auf 
den hier als ältestes Diluvium bezeichneten Bildungen , von 
welchen sie sich durch mannigfaltigere Zusammensetzung (reichliches 
Gneiss- und Schiefermaterial neben Sandsteinen) gut unterscheiden, 
bestätigt werden. 

Die jüngeren Diluvialschotter gehen meist weniger hoch 
Uber das Niveau der betreffenden Flüsse hinauf als die mittleren. 
Soweit die Untersuchungen reichen, gehört zu ihnen der überwie- 
gende Thcil aller an die Oberfläche tretenden sandig -kiesigen 
Bildungen überhaupt, wobei wieder zwischen Absätzen des Rheins 
und Anschwemmungen aus den Vogesen als geologisch einander 
entsprechenden Ablagerungen zu unterscheiden ist 

Die jüngeren Vogesenschotter bilden im Ober-Elsass 
von Mülhausen abwärts und im südlichsten Thcil des Unter-Elsass, 
in Folge des hier stattfindenden ziemlich schroffen Absetzens des 
Gebirges an dem Tictlande, einen fast zusammenhängenden, mehr 
oder weniger breiteu Streifen, welcher sieh längs der Vorberge, 
die Rheiusehotter nach Osten zurückdrängend, hinzieht, und 



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— XXX — 



dessen ausgedehntester südlichster Theil von den Kicsflächen des 
Ochsenfeldes und Nonnenbruchs gebildet wird. Ihre Ostgrenze 
fällt auf der Strecke von Mülhausen bis in die Gegend von 
Schlettstadt , soviel sich nach den hauptsächlich älteren Beobach- 
tungen hierüber sagen lässt, einigermaßen mit dem Lauf der III 
zusammen, während die Westgrenze durch die nachfolgend ge- 
nannten Punkte mehr oder weniger genau bezeichnet ist: Thann 

— Sennheim — Berrweiler — Sulz — Isenheim — Merxheim — 
Gundolsheini — Rufach — Hattetadt — Egisheim (Ostende) — 
Winzenheim — Ingersheim — Ammerschweier — 130 m. 0. Schützen- 
haus bei Bebeinheim — Rappoltsweiler — Bahnhof St. Pilt — 
Kestenholz — Forsthaus am Plettig-Wäldel NO Dambach — St Mar- 
garetha bei Epfig (Ostende) — Stotzheim — St. Peter — Zellweiler 

- Walf. 

In den nördlicheren Theilen des Unter-Elsass treten in Folge 
der langsameren tektonischen Abstufung gegen die Rheinebene, 
welche diese Gebiete charakterisirt, die Vogesenanschwemmungen 
überhaupt in ihrer Hauptmasse mehr vom Gebirge zurück. Die 
jüngeren Vogesenschotter ergiessen sich hier in Gestalt von delta- 
förmigen Schuttkegeln aus den grossen Flussthälern heraus gegen 
die Rheinniederung, an dieser selbst ihre bedeutendste Breite 
gewinnend. Die auffallendsten Deltas (Schuttkegel) sind beobachtet 
am Ausgange des Zorn-Thals in die Rh.einniedcrung, wo die Flächen 
des Herren- und des Brumather Waldes etwa zwischen Reichstett, 
Hördt und Stephansfeld eine solche Rolle spielen, ferner längs 
der Moder und (nördlichen) Zinsel, der Sauer und endlich der 
Lauter. — Die Südgrenze des vereinigten Deltas der Moder und 
Zinsel verläuft aus der Gegend südlich von Merzweiler dicht 
südlich von Schweighausen und Hagenau vorbei gegen Kalten- 
hausen. Was hier von Kiesen, Sauden und Thonen südlicher 
liegt, ist bereits als im wesentlichen zu sehr viel älteren Schichten 
(zum Pliocän) gehörig erkannt. Die Nordgrenze erstreckt sich 
zuerst in der Richtung von Merzweiler auf Hagenau, bis etwa 
halbwegs zwischen beiden Orten, von da ab ist sie vor der Hand 
ungefähr östlich (längs des Brum-Baches) verlaufend anzunehmen. 
Das Delta der Sauer hat seine Südgrenze von Biblisheim an zu- 



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erst längs des Halbmühl-Baches; weiterhin flieset es allem An- 
schein nach gegen Südosten zu mit dem Delta der Moder und 
schliesslich auch noch nach Nordosten mit dem der Selz zusam- 
men. Die Geröll- und Sandmassen dieser vereinigten drei Deltas 
lagern gegen die Rheinniederung hin anscheinend an vielen 
Punkten auf älteren Vogesensanden , theilweise auch auf älteren 
Rheinsanden und sehr oft auf gegenwärtig als pliocän geltenden 
Schichten. — Das Lauter-Delta, welches vollkommen die Gestalt 
des Thur-Deltas (Ochsenfeld-Nonnenbruch) und desjenigen des 
Hagenauer Waldes (vereinigtes Moder-Sauer-Selz-Delta) nachahmt, 
hat dementsprechend eine ebenfalls schwach nach Sudsudwest 
convex gekrümmte südliche (von Weisscnburg Uber Schleithal, 
Salrabach, Niederlauterbach, Scheibenhard, Lauterburg ziehende) 
und eine in der Richtung Ostnordost bis Nordost gegen Rhein- 
zabern verlaufende nördliche Grenze. 

Die östliche Grenze der zu Tage ausgehenden Vogesen- 
schotter überhaupt fällt im Unter-Elsass im allgemeinen mit der 
Grenze zwischen Diluvium (Alluvions ancienncs) und Alluvium 
(Alluvions modernes) auf der Karte von DaüBRÄE zusammen. 

Hinsichtlich der Zusammensetzung konnten bis jetzt allgemein 
giltige Unterschiede zwischen älteren und jüngeren Vogesen- 
schottern nicht ermittelt werden und sind von vornherein kaum 
zu erwarten, da das Auftreten ebenso wohl der mittleren wie der 
jüngeren Schotter bereits ähnliche Thäler wie die heutigen voraussetzt. 
Im Unter-Elsass scheinen ein stärkeres Zurücktreten der in den 
jüngeren Vogesensehottern sehr häufigen braunrothen quarzitischen 
Gerölle aus dem Hauptconglomerat sowie etwas hellere, reinere 
Färbungen des Sande» für die älteren Vogesenschotter im allge- 
meinen charakteristisch zu sein. 

Für die jüngeren diluvialen Rh ei nschotter Hess sich gegen- 
über den mittleren ein häufigeres Auftreten von granitischen, por- 
phyrischen und verrucanoartigen Felsarten sowie von rothen Horn- 
steinen, Hornblendcschiefern, Taveyannaz-Sandsteinen und ähnlich 
aussehenden Gesteinen unter den Geröllen in zahlreichen Gruben 
feststellen. Sie setzen zwischen Basel und Mülhausen eine auffallend 
ebene Fläche zusammen, welche im Westen an dem durch die 



— XXXII — 



Punkte Allschwil, Sierenz, Dietweiler, Habsheim, Rixheim bezeich- 
neten Absturz der bereits erwähnten Lösshoch fläche scharf absetzt 
Der südlichere Theil dieser bei Basel bis 30 m ansteigenden Terrasse 
setzt sich aus drei bis vier Uber einander folgenden, scharf gegen 
einander abgestuften Ebenen zusammen, welche nordwärts in eine 
einheitliche, gegen den Rhein hin unmerklich sich abdachende 
Ebene zusammen fli essen. Die Bedeutung dieser verschiedenenen, 
von Daubb£e seiner Zeit ausführlich in ihrem Verlauf geschilderten 
Terrassen als Ausdruck nachträglicher Erosionswirkungen inner- 
halb einer einheitlichen AufschUttungsmasse ist noch besser ah 
durch den soeben erwähnten Umstand durch das Vorhandensein 
einer entsprechenden, augenscheinlich ganz einheitlichen Terrasse 
auf der gegenüberliegenden badischen Seite zwischen Leopolds- 
höhe-Weil und Eimeldiugcn veranschaulicht. Letztere rechtsrhei- 
nische Terrasse besitzt am badischen Gebirgsraude gleiche Höhen- 
lage wie die höchste der gegenüberliegenden linksseitigen Stufen 
und stürzt mit einem einzigen, dementsprechend sehr viel höheren 
Steilrande gegen den Rhein hin ab. — Die Grenze der Ver- 
breitung der Rheinanschwemmungen in der Richtung auf die 
Vogesen von Mülhausen nordwärts ergiebt sich aus dem bereits 
Berichteten. 

Da die Endmoränen in den Hochvogesen auf jenen Ge- 
schiebeterrassen aufgesetzt sind, deren Fortsetzungen sich nach 
dem Gesagten in die jüngeren Geröllmassen der Rheinebene un- 
vermerkt autlösen, und da ferner das unterhalb Basel auftretende 
Terrassensystem «jüngerer Rheinschotter» die nicht bezweifelte 
Fortsetzung der «Niedcrtcrrasse» der schweizerischen Geologen 
bildet, so haben hiernach die jüngeren Diluvialschotter oder 
Niederterrassenschotter für theilweise älter als die End- 
moränen der Hochvogesen zu gelten. Nach dem (hier nur zum 
Theil besprochenen) eigenartigen Zusammenhange brider Bildungen 
ist jedoch zwischen ihnen kein wesentlicher Altersunterschied; es 
ist mit anderen Worten die Zugehörigkeit der Endmoränen 
und der Niederterrassenschotter zu einer und derselben 
Periode anzunehmen, während jene Moränen den Hochterrassen- 
schottern gegenüber unbedingt als spätere Bildungen erscheinen 



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XXXIII — 



müssen. Dass indess das eigentliche glaciale Material in den Vo- 
gesen, soweit es nicht in Form von gehäuften Moränen auf- 
tritt, zum Theil auch älter ist als der Niederterrassen- 
schotter, darauf deutet bereits seine stellenweise zu hohe Lage 
gegenüber den äussersten Endmoränen innerhalb dieser hin, während 
sehr wichtige, von Dr. van Werveke bei seinen Kartirungsarbeiten 
ausserhalb der letzten Endmoränen in entsprechenden Höhenlagen 
aufgefundene, nachträglich auch von den Herren Benecke, BüCKING 
und Schumacher besichtigte glaciale Vorkommnisse dies noch be- 
stimmter anzeigen. — Der «Glattstein» bei Wesserling ist von 
der Schotterterrasse, auf welcher die Wesserlinger Moränen auf- 
gesetzt sind, bedeckt. Die Schrammung desselben rührt mithin von 
einer älteren Vergletsclierung her. 

Für die auf der Carte, geologique du Bas-Rhin und in dem 
erläuternden Werk dazu als depöts errat iques bezeichneten 
Bildungen haben die theilweise gemeinschaftlich mit den Herren 
van Werveke und Benecke ausgeführten Untersuchungen, wie 
zum Theil schon aus dem oben Berichteten hervorgeht, bemerkens- 
werther Weise sehr abweichende Altersverhältnisse der einzelnen 
Vorkommnisse ergeben. Letztere gehören wohl ohne jeden Zweifel 
zeitlich nicht weniger als fünferlei verschiedenen Ablage- 
rungen an. Die depöts erratiques des Plettigs bei Dambach und 
auf dem Epfiger Berg sind gegenwärtig zum Pliocän zu rechnen, 
die von Ittersweiler zum ältesten Diluvium, Mährend die zwischen 
den beiden letztgenannten Punkten auftretenden moränenartigen 
Schuttmasseu ersichtlich mit keinem dieser zweierlei Vorkomm- 
nisse in Beziehungen gesezt werden konnten, so dass sie sich 
schlechterdings nur in das Niveau des Hochterrassenschotters ein- 
reihen Hessen. Die auf dem östlichen Theil des National-Berges 
und des Bischen-Bcrges bei Oberehnhcim vereinzelt umherliegenden 
auffallenden Blöcke von Buntsandstein und Buntsandsteinconglo- 
merat ferner stammen aus den hier anstehenden tertiären Küsten- 
conglomeraten, welche solche Blöcke neben kleineren und grösseren 
Geröllen von Dogger, Muschelkalk und Buntsandstein enthalten. 
Endlich ist das von Dossenheim, am Ausgange des Thals der 
südlichen Zinsel in das Vorland, angegebene erratische Vor- 



— XXXIV — 



kommen eine Ablagerung aus Sand mit Quarzgeröllen und zahl- 
reichen kleineren und grösseren, deutliche Schotterung 
zeigenden Sandsteingeschieben , deren Höhenlage nur auf Be- 
ziehungen mit den jüngeren Schottern hinweist. — Da die 
Endmoränen der Hochvogesen mit den Ablagerungen vom Plettig, 
von Ittersweiler und vom Bahnhof Epfig wiederum nichts zu thun 
haben, sondern lediglich auf das geologische Niveau des Nieder- 
terrassenschotters bezogen werden können, so würde eine be- 
dingungslose Anerkennung der glacialen Natur der in jenen 
Darstellungen als Moränen gedeuteten Bildungen von dem augen- 
blicklichen Stande der Untersuchung aus unvermeidlich zu der 
Annahme von vier verschiedenen Eiszeiten der Vogesen führen 
müssen, deren erste wenigstens nach der gegenwärtig gebotenen 
Auffassung bereits in das Pliocän fallen würde. 

Bei dem beträchtlichen allgemeinen Interesse, welches einem 
derartigen Ergcbniss zukommen dürfte, muss eine weitere sorg- 
fältige. Prüfung aller als glacial verdächtigten Ablagerungen längs 
des Vogesenrandes und der damit zusammenhängenden Alters- 
fragen gerathen erscheinen. Durch den Nachweis der Vcrschieden- 
alterigkeit der Vorkommnisse von Ittersweiler, vom Bahnhof Epfig, 
endlich vom Epfiger Berg und Plettig kommt jedenfalls fortan die 
Auffassung dieser Anhäufungen als nur durch nachträgliche Ero- 
sion getrennter Stücke einer halbkreisförmig vor einem Vogesen- 
thal abgelagerten Endmoräne in Wegfall. Anderseits aber ist 
natürlich in diesem Nachweis an und für sich noch keine Wider- 
legung der Ansicht enthalten, dass wenigstens ein Theil der 
bisher untersuchten Massen mit moränenartiger Structur als gla- 
ciale Bildungen überhaupt angesprochen werden könnte. 

Ueber den Löss ist zu den früheren Angaben Folgendes 
nachzutragen : 

Für das Unter-Elsass war neben der einen bereits nachge- 
wiesenen Lehrazonc im Löss eine weitere derartige, tiefere Zone 
vermuthet worden. Thatsächlich konnten nun, namentlich in einem 
interessanten Aufschluss am Glöckel-Berg bei Bläsheim, zwei 
Schichten von Lösslehm innerhalb der Lössmasse nachgewiesen 
werden. Im Ober-Elsass aber wurde ein ganz ähnliches Profil, 



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— XXXV 



allerdings mit nur unvollständiger Entkalkung der Zonen, süd- 
westlich von Rufach in dem grossen Hohlweg unterhalb Bollen- 
berg beobachtet Obwohl die Lössmassen an beiden Stellen die 
deutlichsten Merkmale von Schwcmmung zeigen, an dem zu- 
letzt genannten Punkte sogar Gerolle enthalten, handelt es sich 
doch sowohl nach Art der Schichtung (welche dem jetzigen oder 
einem früheren Gehängo folgt) als auch nach der Höhenlage um 
Vorkommnisse, welche zum Decken löss gehören, und nicht etwa 
um Sandlöss-Schichten. Da auch in der Umgegend von Mülhausen 
derartige schon früher bemerkte, aber erst neuerdings mehr be- 
achtete (vergl. die Mittheilungen Förster's auf S. 128) Profile 
vorkommen, so scheint ein dreimaliges Abwechseln von 
kalkreicher mit darüber folgender kalkfreier oder kalk- 
armer Masse bei vollständiger Entwickelung für den Löss im 
Elsass Uberhaupt charakteristisch zu sein. In der oberen der beiden 
dem Löss eingeschalteten Lehmzonen (also in der mittleren Lehm- 
zone) wurden am Glöckel-Berg unzweifelhafte Spuren des Diluvial- 
menschen (KohlenstUckchen und eckige Sandsteinbrocken) beob- 
achtet Da die bisher im elsässischen Löss gomachton prähisto- 
rischen Funde grossentheils aus derselben Zone stammen und in 
Hessen in dem gleichen Niveau Kohlenstückchen auftreten, so 
gewinnt es mehr und mehr den Anschein, als ob es sich hierbei 
um oinen Hauptkulturhorizont handle, in welchem sich voraus- 
sichtlich noch zahlreiche Spuren des Diluvialmenschen werden 
auffinden lassen. 

Die Auflagerungsfläche zwischen dem Löss und den mittleren 
Schottern zeigt allenthalben einen auf Erosionswirkungen vor der 
Ablagerung des Löss hinweisenden unregelmässigen Verlauf, wie 
man dies beispielsweise an der Art des Zutagetrctens dieser 
Schotter im Gebiet der lössbedeckten Hügel nordöstlich von Epfig 
und westlich von Zellweiler recht deutlich sehen kann. Der Kies 
der Rhein-Hochterrasse nördlich von Basel, dessen Oberfläche sich 
nach Westen im allgemeinen ganz ähnlich der des ihn bedeckenden 
Löss zu heben scheint, zeigt sich zuweilen auch unter der Löss- 
deckc verwittert, und die tieferen Theile der Lössmasse können 
mit verwitterten Geröllen des Hochterrassenschotters durchsetzt 



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XXXVI — 



sein. Das Verstreichen eines gewissen Zeitraumes zwischen der 
Ablagerung der mittleren Schotter und der Bildung des Löss scheint 
nach allen diesen Erscheinungen (vergl. auch Bd. II der Mittlu, 
S. 276 sowie Förster, S. 128) im allgemeinen angenommen werden 
zu müssen. Auffallende Lagerungsverhältnisse wurden unter anderem 
auch in den Aufschlüssen längs des Rosheimer Baches beobachtet, 
zumal westnordwestlich von Innenheim. Am linken Ufer des Baches 
lagern hier (in der Grube nördlich vom Höhepunkt 154,» der 
25000-theiligen Karte) auf Kiesen und Sanden, welche bis etwa 
10 ra über die Thalsohle hinauf und offenbar bis ins Niveau der 
Thalsohle hinab reichen, sandlössähnlichc Schichten, ganz ähnlich 
denen, welche an der Ziegelei bei der Wolfs-Kapellc nordnordöstlich 
von Innenheim Planorben und Limnaecn fuhren. Unmittelbar gegen- 
über, auf dem rechten Ufer des Baches steht dagegen wenige 
Meter über der Thalsohle Löss au, in welchem nur Landschnecken 
bemerkt wurden. 

Hinsichtlich der Lagerungsbeziehungen des Löss zu den 
jüngeren Diluvialkiesen haben die Untersuchungen keine That- 
sachen ergeben, welche den im zweiten Bande dieser Mittheilungen, 
S. 291, 292, 300 und 302 geäusserten Anschauungen widersprechen 
würden. Durch die dort gegebene Deutung des merkwürdigen 
Profils von Egisheim war es für das Ober-Elsass bereits un- 
zweifelhaft geworden, dass ein Thcil des Vogesendiluviums an 
Lössmassen angelagert sei und dementsprechend eine ganz andere 
geologische Stellung einnehme als die von Löss bedeckten Geröll- 
ablagcrungen desselben Gebietes. Doch handelte es sich noch um 
eine genauere Begrenzung der in solcher Stellung befindlichen 
Schotterablagerungen Uberhaupt. Das aus dem Egisheimer Profil 
für das Vogesendiluvium der Colmarer Gegend sich ergebende 
Verhältniss der Anlagerung an die weiter nach dem 
Gebirge zu auftretenden Lössmasscn hat nun zunächst durch 
die Bestätigung der Zugehörigkeit jenes Diluviums zum System der 
jüngeren Vogesenschotter Giltigkeit für die grosse Masse 
der Vogesenschotter zwischen Mülhausen-Thann ciner- 
und Zollweiler anderseits erhalten. Bei der erwiesenen Gleich- 
alterigkoit aber der letzteren mit dem Rheindiluvium 



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— XXXVII — 



ostwärts der Linie Allschwil-Rixheim ist mich für dieses, soweit 
es mit den westlich von derselben Linie sich ausbreitenden Löss- 
inassen in Berührung tritt, das gleiche Verhältniss der An- 
lagerung an den Löss anzunehmen. Dio Stellung eines wenig- 
stens sehr grossen Theils des elsassischen Löss zwischen zwei 
verschiedenalterigen, den Hoch- und Niedcrterrassen- 
schottern der Schweiz entsprechenden diluvialen Schot- 
te r Systemen ist also nicht zu bezweifeln. 

Innerhalb des Verbreitungsgebietes der jüngeren Schotter 
fehlen zwar im Ober-Elsass lössartige Massen Uberhaupt keines- 
wegs; sie treten jedoch daselbst im ganzen sehr zurück, und es 
wird sich bei Vorkommnissen wie etwa zwischen Blotzhcim und 
Rinderzungenhof oder an anderen Stellen zwischen Mülhausen und 
Basel zunächst noch darum handeln, ob hier etwa in die Schotter- 
massen der Niederterrasse seitlich eingreifende, aus den benach- 
barten, höher liegenden Lössgebieten herzuleitende Schuttkegel 
aus Lössmaterial vorliegen. Bei weiteren, augenscheinlich etwas 
ausgedehnteren Vorkommnissen aber kann ein Vergleich mit dem 
Sandlöss des Unter-Elsass in Frage kommen. 

In sehr bedeutender Verbreitung erscheinen lössartige Ab- 
lagerungen von solcher Lage, dass sie an die jüngeren Schotter 
angeschlossen werden müssen, erst nordwärts von Schlcttstadt, bei 
St Margaretha und vor allem im Osten und Süden des Andlau- 
Rieds. Letzteres bildet mit seiner südlichen, Uber den Rischwald 
bei Benfeld und den Unterwald bei Dambach sich erstreckenden 
Fortsetzung nicht eigentlich, wie bisher angenommen wurde, 
einen Theil der Rheinniederung. Es hängt mit dieser vielmehr 
nur durch schmale Verbindungen im Norden und Süden zusammen 
und ist von ihr durch eine sich lang hinziehende niedere, mit 
Löss oder Sandlöss bedeckte Fläche getrennt, deren deutlich ab- 
gesetzter östlicher Rand aus der Gegend von Schlettstadt zuerst nord- 
östlich Uber Benfeld nach Erstein, sodann in nördlicher Richtung 
Uber Fegersheim gegen Lingolsheim verläuft, während eine 
natürliche westliche Grenze wegen der vollkommen unmerklichen 
Abdachung in die Alluvialfläche des Andlau-Rieds bis jetzt nicht 
angegeben werden kann. Diese Löss- bezw. Sandlössfläche erscheint 



— XXXVIII - 



als die natürliche Fortsetzung der durch die jüngeren Schotter 
westlich und nördlich von Schlettstadt gebildeten niederen 
Terrassen; sie hat sich durch die Begehungen als die unmittelbare 
Fortsetzung der Lingolsheimer Sandlüssterrasse erweisen lassen und 
entspricht somit auch den Sandlüss-Schichten der Schiltigheimer 
Terrasse u. s. w. Da nun letztere von echtem Lüss Uberlagert 
werden, so ist der durch die oberelsässischen Verhältnisse nahe 
gelegte Schluss, dass die elsässischen Ltfssmassen ins Oesammt 
älter sein müssten als die jüngeren Diluvialschotter, nicht annehm- 
bar. Von dem gegenwärtig erreichten Stande der Untersuchungen 
aus erscheint somit eine Aenderung der Auffassung, dass ein 
Theil der Lössmassen im Elsass jünger sei als die jün- 
geren Diluvialkiese, nicht geboten. 

Würde man etwa mit Rücksieht auf die oberelsässischcn 
Verhältnisse, welche fUr sich allein nicht unmittelbar zur An- 
nahme einer jüngeren Lössformation fuhren, um eben dieser 
Annahme zu entgehen, die Kiesdeltas der Lauter, des Hagenauer- 
Waldes, der Zorn und Breusch in das geologische Niveau der 
mittleren anstatt der jüngeren Diluvialschotter stellen, so müsstc 
dann für die Löss- bezw. Sandltfssraassen östlich vom Andlau-Ried 
eine Uoberlagerung durch die gegen Schlettstadt hin ent- 
wickelten Kiesmassen angenommen werden ; die auffallenden 
topographischen Analogien dieser Gegend mit der Lingolsheimer 
Terrasse weisen aber gerade umgekehrt auf die im Gebiete der 
letzteren herrschende, durch Beobachtungen in zahlreichen künst- 
lichen Aufschlüssen bewiesene Unterlagerung des Sandlöss 
durch die Kiese hin. Weiter würde ein solches Verfahren unter 
anderem die Schwierigkeit bedingen, dass als jüngere diluviale 
Schotter im Unter-Elsass lediglich die verhältnissmässig sehr 
schmalen Kiesstreifen betrachtet werden konnten, welche die 
Unterlage des sog. Schlicks der Flüsse bilden. Gegentiber der 
bedeutenden Entwicklung der jüngeren Vogesenschotter im Ober- 
Elsass käme also dann den glcichalterigen Bildungen im Unter- 
Elsass nur eine fast verschwindend geringe Ausdehnung zu, 
während umgekehrt die entsprechend vermehrte Masse der älteren 
Schotter des Unter-Elsass eine fast ungeheure Ausdehnung auf- 



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— XXXIX — 



weisen würde gegenüber der verhältnissmässig geringen Verbrei- 
tung älterer Vogesenschotter im Ober-Elsass. 

Die Möglichkeit einer eo auffallenden Verschiedenheit zwischen 
ober- und unterelsässischer Entwicklung könnte man dann etwa ge- 
neigt sein, vom Standpunkte einer wesentlich fluvio-glacialen Bil- 
dungsweise der Schotter Uberhaupt mit dem Hinweise zu begründen : 
dass im Vorlande der nördlichen Vogesen jüngere Vogesen- 
schotter deshalb zu keiner nenncnswerthen Verbreitung hätten 
gelangen können, weil im nördlichen Theile des Gebirges ent- 
sprechende, d. h. jungdiluviale Gletscher gefehlt hätten, während 
altdiluviale auch hier anzunehmen seien. Da jedoch unzweifelhafte 
Gletscherspuren aus dem nördlichen Elsass Uberhaupt noch nicht 
bekannt geworden sind, so würde damit auch die Auffassung irgend 
eines Theils der unterelsässischcn Vogesenschotter, wenigstens vom 
Breusch-Thal an nordwärts, als glacialer Anschwemmungen im 
eigentlichen (d. h. genetischen, nicht zeitlichen) Sinne gegenwärtig 
noch einer thatsächlichen Unterlage entbehren. 

Ausser den systematischen Untersuchungen im Diluvium, 
über deren Ergebnisse voranstchend ausführlich berichtet ist, 
erledigte Herr Schumacher noch einige kleinere, auf diluviale 
Fragen bezügliche Aufgaben. Unter anderem gab der ausser- 
gewöhnlich niedrige Rheinwasserstand gegen Ende Februar und 
in den ersten Tagen des März Veranlassung zu einer Unter- 
suchung des Baues der damals sehr ausgedehnten Rheininseln, 
welche auf der gegen fUnf Kilometer langen Strecke des Rheins 
von der Abzweigung des « Kleinen Rheins» oberhalb Kehl bis zur 
Nordgrenze des Blattes Strassburg kartirt wurden. Ferner wurden 
mehrere Besichtigungen von künstlichen Aufschlüssen vorgenom- 
men, und im besonderen fand eine nochmalige Besichtigung der 
interessanten Aufschlüsse am zukünftigen Stauweiher Lauchensee, 
im obersten Theile des Gebwcilcr-Thalcs, statt. 

Letztere, welche Ende April stattfand, ergab unzweifelhafte 
Beweise für die durch Untersuchungen im vorhergegangenen 
Sommer bereits sehr wahrscheinlich gewordene Annahme, das« die 
ziemlich nahe am Vogesenkamm gelegene «bödelartige» Thal- 
weitung des früheren «Lauchenweihers., an dessen Stelle der 



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künstliche Lauehcnsee treten wird, zur Diluvialzeit von Eismassen er- 
füllt gewesen ist Während sich einerseits in dem Graben für die 
Abdämmungsmauer die Schichtenköpfe der nordwestlich streichenden 
(mit 45° nach NNO bis NO einfallenden) Grauwacke abgescheuert 
und au verschiedenen Stellen mit sehr deutlichen, thalabwärts 
(N 75° \V) gerichteten Schrammen versehen zeigten, waren ande- 
rerseits gekritzte Grauwackcngeschiebe und geschrammte Granit 
blücke in den die Grauwacke bedeckenden, wohl hauptsächlich als 
Grundmoräne zu deutenden glacialen Schuttmassen vielfach nach- 
zuweisen. Zahlreiche, in noch höherer Lage und noch näher am 
Kamm, oberhalb des Lauchenweihers beobachtete, zum Theil 
sogar ausnehmend schön gekritzte Geschiebe von Grauwacke 
weisen endlich darauf hin, dass die diluvialen Eismassen hier in 
ähnlicher Weise, wie es für einzelne Punkte der Vogesen bereits 
erwiesen war, ihren Ursprung dicht unterhalb des Kammes ge- 
nommen haben müsse n. 

Unterhalb des Lauchenweihers zeigte sich ebenfalls die 
Grundmoränc des Lauch- Gletschers — in Gestalt eines grauen, 
zähen, mit vielfach gescheuerten und gekritzten Grauwaeken- 
Geschieben und -Blöcken durchspickten Thones — durch den neuen 
nach der Baustelle führenden Fahrweg an vielen Stellen ange- 
schnitten. Der anstehende Gruuwackenfels wies auch hier an von 
der Moräne frisch eutblössten Stellen verschiedentlich geschliffene 
Flächen mit Schrammen auf. 

Herr Privatdocent Dr. G. Linck begann die Aufnahme des Blattes 
Wildenstein. Zunächst wurde die Grenze zwischen Granit 
und Grauwacke, soweit das Thur-Thal den Zusammenhang nicht 
unterbricht, verfolgt. Der Granit (normaler Kammgranit) setzt die 
rechte Thalseite vom Nordraude des Blattes bis zum Feileringerkopf 
und Drumont zusammen, während die linke Thalseite sowie der 
Rücken bei Thalhorn und die Gehäuge bei Schnitzloch wesentlich 
dem Grauwackengebirge angehören. Zwischen dem Battcriekopf 
und dem Bramont sowie am Schlossberg bei Wildenstein ist der 
Granit von einer bald mehr, bald weniger basischen, porphyrisch 
ausgebildeten Randzone von wechselnder, aber stets geringer Breite 
begleitet. Vom Bär-Berg bei Odern bis zum Grenzstein 3153 



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XLI — 



am Drumont, auf welcher Strecke Granit und Grauwackengebirgc 
an einer SW-NO streichenden, steil SO lallenden Fläche an ein- 
ander stossen, wurde die Randzone nicht beobachtet, zeigt sich 
aber wieder am Gipfel des Drumont. Gesteine der Randzone 
treten ferner in zahlreichen rundlich begrenzten Stellen der Ge- 
hänge der linken Thurseite zu Tage, so dass es den Anschein 
gewinnt, als bilde hier die Grauwacke nur einen dtinnen Mantel 
über dem Granit. Gänge massiger Gesteine sind bisher im Granit 
nicht angetroffen worden. Ein durch mehrere Stollen aufge- 
schlossener, NNO streiehender, Eisenerz führender Quarzgang setzt 
zwischen Bergenbach und Langenbach darin auf. 

Die geschichteten Gesteine des Blattes Wildenstein bestehen 
aus vorherrschenden Grauwaeken und untergeordneten schwarzen 
Schiefem, die wahrscheinlich an die von Dr. VAN Werveke oben 
unterschiedenen Abtheiluugen 24 — 26 anztisehliessen sind. An ein- 
zelnen Stellen haben sie phyllitisehe Ausbildung, so am Bär-Berg, 
oder mehr gneissartigen Charakter, wie am Uhufels kurz oberhalb 
Odern. Westlich von Ebenacker ist den Sehiefern und Grauwacken 
ein Eruptivgesteinslager eingeschaltet, und unterhalb Lochberg 
werden sie von einem massigen Gestein gangförmig durchbrochen. 
Im Contact mit dem Granit sind sie in llornfelse und Knoten- 
schiefer umgewandelt. 

Besonders eingehende Beachtung erforderte die Kuppe, deren 
Nordhang die Gehöfte Thalhorn und Bergenbach trägt. Ein 
auf sicherer Grundlage beruhendes Urtheil über die geologische 
Stellung der verschiedenen hier auftretenden Gesteine, besonders 
des Gabbro's, Serpentins und der gneissartigen Gesteine wird 
sich jedoch erst nach Abschluss der im Gange befindlichen mikro- 
skopischen und chemischen Untersuchung abgeben lassen. 

Reste glacialer Ablagerungen zeigen sich, abgesehen von den 
Moränen im Thal, deren Untersuchung Herrn Dr. SCHUMACHER 
zufiel, in grösseren Massen bei Frenz, Thalhorn und Ramerspach 
und sind an mehreren Stellen bis zur Höhe von 900 m nach- 
gewiesen worden. 



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— XLII — 



Ueber neue geologische Aufschlüsso sind die nachstehenden 
Anzeigen eingegangen: 

Ausgrabungen in Achenheim. — Von Herrn E. Hobst Sohn in Achenheim 
(8. Januar). 

Bohrung in Rohrschweyer. - Von Herrn Schaller in Strassburg— Neudorl 
(22. Juni). 

Aufschlüsse bei Barr, Heiligenstein. Heiligenberg und im Engenthal bei 
Wangenburg. — Von Herrn Meliorntions-Bauinspektor Peitavy (Ii. Nov. 
und 19. Dec). 

Die Direction spricht den genannten Herren für ihre ge- 
fälligen Angaben den besten Dank aus. 

Im Interesse der geologischen Landes-Untersuchung ist zu 
wünschen, dass neue Aufschlüsse, wie sie bei Eisenbahn- und 
Strassenanlagen, Drainirungen, Brunnengrabungen, Fundaraenti- 
rungen u. s. w. gemacht werden, vollständiger als bisher zur 
Kenntniss der geologischen Landesanstalt gelangen, und dass, wenn 
irgend thunlich, Belegstücke der angetroffenen Gesteine beigefügt 
werden. 

III. Stand der Veröffentlichungen. 

(Vcrgl. die Uebersicht auf S. XLVIII). 

Es wurden veröffentlicht : 

Abhandlungen zur geologischen Specialkarte von Elsass- 
Lothringen, Bd. III, Heft V. Inhalt: B. FöKSTEK, Die In- 
sekten des «Plattigen Steinmergels» von Brunstatt. Mit 
6 Tafeln in Lichtdruck. 
Geologische Specialkarte von Elsass-Lothringen im Maas- 
stab 1 : 25000: 

Blatt Ludweiler (17), geologisch aufgenommen von H.Gbebe, 
E. Weiss und L. van Werveke. Erläuterungen von Den- 
selben. 

Blätter Bliesbrücken (27), Wolmünster 28) und Ropp- 
weiler (29), geologisch aufgenommen von E. Schumacher, 
mit Erläuterungen von Demselben. 



Von den Blättern Saarbrücken (18), St Avold (24), Saar- 
gemünd (26), Stürzelbronn (40) und Weissenburg 



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— XLIII — 



Ost (43) der geologischen Specialkarte liegt der Auflage- 
druck vor und wird die Veröffentlichung zusammen mit 
den noch im Druck befindlichen Blättern Lembach und 
Weissenburg jedenfalls im Laufe dieses Jahres erfolgen. 



Im Druck befinden sich: 

Geologische Specialkarte von Elsass-Lothringen : Blätter 

Lembach (41), Weissenburg (42) und Niederbronn(53). 
Geologische Ucbersichtskarte von Elsass-Lothringen, 

Maasstab 1 : 500000. Zusammengestellt von E.W. Benecke. 

IV. Vermehrung der Sammlung. 

Der geologischen Sammlung wurden geschenkt: 

Von Herrn Kreis-Bauinspektor Wagneb in Molsheim ein 
Ceratites nodoaus aus einem Steinbruch oberhalb Ballbronn. 

Von Herrn Stud. phil. Brion in Strassburg ein Stück Voltzien- 
stamm aus Voltziensandstein von Lemberg. 

Von Herrn Bergrath Dr. Jasper in Strassburg ein Stück 
derber Bleiglanz aus dem Grumbachthal bei Thann. 

Von Herrn Gastwirth M. Bkix in Wolmünster ein wohler- 
haltenes Exemplar von Ceratiles nodosus. 

Die Direction spricht den freundlichen Gebern ihren besten 
Dank aus. 

V. Verzeichniee der im Austausch eingegangenen Bücher, 
Zeitschriften und Karten. 

a. Austausch mit Gesellschaften, Anstalten n. s. w. 

Berlin, Koni gl. preussische geologische Landesanstalt und Berg- 
Geologische Karte von Preussen und den Thüringischen Staaten, im Maas- 
stab J : 25000. Lief. 45, 0 Blätter und 6 Hefte Erläuterungen. Lief. 46, 
4 Blätter, 4 Bohrkarten und 4 Erläuterungen; Lieferung 48, 6 Blätter, 
6 Bohrkarten und 6 Erläuterungen. 
Abhandlungen zur geologischen Specialkarte, Neue Folge, Heft 3. 



— XL1V — 



Besancon, Socioto d'cmulation du Doubs. 

Memoires, 6» serie, vol. 4. 
Buda-Pe8t, Königl. ungar. geologische Anstalt. 

Mittheilitngen aus dem Jahrbuch, Bd. VIII, 9; Bd. IX, 2-5. 
Geologische MKLheilongen, Bd. XX, 5-12; Bd. XXI, t— 3. 
Jahresbericht für 1889. 

Geologische Karte im Maasstab 1 : 75000. Erläuterungen zur Karte der Um- 
gebung von Tarda. 
Christiania, Den geologiske Undersögelse. 

II. Rkusch, Geologiske jagtlagelser fra Trondhjems still, gjorte ander en 
reise for Norges geologiske undersögelse 1889. Kristiania 1891. 

C. H. Hoxaü, Selbu, Fjeldbygningen indem rektang<-lkartet 8elbus omrade. 
Kristiania 1890. 

J. 11. L. Vogt, Saiten og Hanen med saerligt hensyn til de vigtiste jern- 
malm-og svovkis.kobberkies forekomster samt marmorlag. Kristiania 1891. 

B. Rbusch, Aarbog Tor 1891. Kristiania 1801. 
Darmstadt, Grossherzoglich hessische geologische Landesanstalt. 

Geologische Karte des Grossherzogthums Hessen im Maasstab 1 : 2500». 
Lieferung 2: Blätter Darmstadt und Mörfelden mit 2 Bellen Erläute- 
rungen. 

Abhandlungen Bd. II, 1. 

Darmstadt, Verein für Erdkunde und mittelrheinischcr geolo- 
gischer Verein. 

Noti/blatt 11. Darmstadt 1800. 

Florenz, Real Istituto di studi superiori pratici e di perfeziona- 

mento in Firenze. Sezione di science lisiche e naturali. 
Publicazioni, 1 — Ii. 

Frankfurt, Senckenbergischc naturforschende Gesellschaft 
Bericht für 1891. 

Hartkrt, IC, Katalog der Vogelsommlung im Museum der.Senckenbergi- 

schen naturforschenden Gesellschaft. 
Abhandlungen, Bd. XVI, 2-i. 

Freiburg i. Baden, Naturforschende Gesellschaft 

Berichte , Bd. V, I, 2. 

Halle, Kaiserlich Leopoldinisch - Carolinisch deutsche Akademie 

der Naturforscher. 

Nova Acta, LI, l; LH, 5; L1II, I; LV. 1. LM, 3. 

Leopoldina, Dr. Biiauns. Das Problem d<>s Serapeuras von Puzzuoli. 

Heidelberg, Grossherzoglich badische geologische Landesanstalt 

HiUheiluogen, Bd. I, 2. BlMo; Bd. II, 2. 
Helsingfors, Finlands geologiskn Undersökning. 

Kurtblad-t in. B—knlhing , 10 u. 17. 



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Königsberg, Physikalischökonomische Gesellschaft 
Schriften, Jahrgang 31. 

Krakau, Akademie der Wissenschaften. 

Anzeiger. 1890, Dccember; 1891, Januar-Juli, Oktober, November. 
Atlus goologiczny Galicyi, Lieferung 1. 4 HJätler und I Hell Erläuterungen ; 

Lieferung 2, <i Blätter und I Heft Erläuterungen. 
Pamietnik Akadeinii Umiejptnosci. Wydzial maleniatyczno-przyrodniczy, 

Bd. XVI und XVII. 
Sprawozdanie Komisyi lizyjograliczuy , Bd. XXII-XX1V. 
Itozprawy Wyd/.ulu malcmatyczno-przYTodniczcgo, Bd. XIX und XX. 

Leipzig, Königlich sächsische geologische Landesanstalt 

Geologische 8pec:alkarte im Maasstab 1:25000, Blätter Grossenhain-Pristc- 
witz, Rndeburg, Königsbrück, Radeberg, Pulsnitz, Neustadt-Bobwald, 
Allenberg-Zinnwald, Oelsnitz-Bergen mit je 1 lb-ft Erläuterungen. 
Liege, Societe gdologique de Belgique. 

Annales, Tome XVI, livr. 2. XVII, i; XVIII, l. 
Lissabon, Commission des travanx geologiuucs du Portugal. 

P. de Lohiol, Embianchements des echinodermes, 2. 
Madrid, Comision del mapa geologico de Espana. 

Boletin XVI. 
Metz, Verein für Erdkunde. 

Jahresbericht 13, 1800-91. 
Montbeliard, Socielö d'emulation de Montbeliard. 

Memoires, XXI. 
Moskau, Societe imperiale des naturalistes. 

Bulletin, IV, 4; V, 1. 

Meteorologische Beobachtungi ii, 1800, 2. HälAe. 
Mülhausen, Industrielle Gesellschaft 
Bulletins LX, 12; LXI. 1—11. 

Lois allemandes snr les brevets d'invention et sur les modeles de lebn- 
cation mises en vigueur lo I" octobre 1891. Mulhouse 1691. 

Bokkmcer , Ai.vh. , Bullet, il. 1. Soc. ind. de Mulhouse. Table generale des 
matieres contenues dans les soixante premiers volumes de 1826 ä 1890. 
Strasbourg 1891. 

Pierbon, M. G. , Le nouveau projet de loi snr les brevets d'invention et 

sur les modeles d<- l'abncation en Allemagne. Mulhouse 1891. 
Jaliresbericht 1891. 

München, Königliches Oberbergamt, geognostischc Abtheilung. 

Geognostische Karte des Königreichs Bayern, 4. Abtheilung, 5. Blatt mit 

Erläuterungen. 
Geogno.-aische Jahrcshelle , III. 

Münster, Landwirtschaftliche Bezirkswinterschitle. 

v. Ottenau, Beriebt über das 2. Schuljahr. Mün>ler 1891. 



— XLVI — 



Paris, Societo geologique de France. 

Bulletin, XVII, lOj XVIII, 9j XIX, 1— 7. 9. 
Petersburg, Comite geologique. 

Memoires, IV, 2i V, 5j VIII, 2± X. 

Bulletins, VIII , 9 u. ip_i IX, L=fla 

Bibliolheque geologique de la Russie, 1889. 

Rom, Rassegna della scienze geologiche in Italia. 

Annee L fasc. 1 u. 2. 
Rom, Reale comitato geologico d'Italia. 

Bolletino, XXI, I2j XXII, 1=1 
Saarbrücken, Königliche Bergwerksdirektion. 

Revierübersichtskarte 1:10000, Bl. Heinitz. 
Sao Paulo, Commisaao geographica e geologica. 

Boletim da Commissao, Nr. 4—7. 
Stockholm, Geologiska Foereningen. 

Förhandlingar, XII, 7_i XIII, 1-6. 

Generalregister zu VI— X. 

Strassburg, Bezirkspräsidium. 

Verwaltungsbericht und Vorlagen. Strassburg 1891. 
HaushaltsetaL Strassburg 1891. 
Verhandlungen, Strassburg 1891. 

Washington, United States geological Survey. 
Bulletin, IX, 58-61, 63, ß4_, fifi. 
Annual Report, IX, 1887 -88. 
Mineral Ressources, VI, 1888. 

Washington, Smithsonian Institution. 
Smilhsonian Report, 1888 u. 1889. 
Smithsonian Report. U. S. National Museum, 1888. 

Wien, K. K. geologische Reichsanstalt 
Abhandlungen, XIV; XV, 1 
Jahrbuch, XL, 3 u. 4_i XLI, L 
Verhandlungen, Jahrgang 1890, 14—18; 1891, 1-14. 

Wien, K. K. Naturhietorisches Hofmuseum. 
Annalen , V, 4j VI 2. 



b. Geschenke von Privaten. 

Am m< ix, L. von, München. 

Amkon, L. v.. Die permischen Amphibien der Rheinpfalz. München (889 
BUhler, W., Strassburg. 

Eine Sepiazeichnung des West- und Nordrandes des Belchen-Sees. 



— XLVII — 



Cohen, E., Greifswald. 

Cohbh, E., und Weinschenk, E. , Meteoreisenstudion. Bos. Abdr. 

— und Üeecke, W.. lieber Gesehlobe aus Neuvorpoinmern und Rügen. 
Bes. Abdr. 

Deecke, W., Greifswald. 

Vergl. Cohen . E. 
Eck, H., Stuttgart 

Eck, H., Nutiz über das Bobrloch bei Sulz. Bes. Abdr. 

— Bemerkungen zu Herrn Sanubekgers Abhandlung. .lieber Steinkohlen- 
fonuation und Rothliegendes im Schwarzwald und deren Floren.. Bes. 
Abdr. 

Gümbei,, C. W. von, München. 

GdMDEL, C. W. von, Geologische Bemerkungen über die Thermen von 
Bormio und das Ortlorgnhirge. Bes. Abdr. 
Hauo, E., Paris. 

IUuo, E., Les chalnes subalpines ontre Gap et Digne. Paris. 1801. 

Kilian, W., Grenoble. 

Kilian, \V., Contribulions ü la connaissance gcologiqne des chalnes sub- 
alpines entre Moniten (8avoie) et Barcelonnette (Basses- Alpes). Terrains 
anterieurs ou Jurassique. Bos. Abdr. 

— Sur la strueture du massif de Varbuche-Savoie. Chamber}', 1891. 
Leppla, A. Berlin. 

Lkppla , A. , Ueb'-r die Zechsteinformation und den unteren Buntsandstein 
im WaJdeckischon. Bes. Abdr. 
van Werveke, Strasburg. 

Jahrbuch des Vogesenclubs, 6. 

Chenüt, IL, Note sur les schistes de Steige. Bes. Abdr. 
Lorck, K. B., Die Herstellung von Druckwerken. Leipzig 1883. 
Bleicher. Sur un uouveau gisement de terrain houiller d6couvert au 

Bonhommo (Alsace). — Chenut. Sur les terrains auciens des environs 

de Lubinc (Vosges). Bes. Abdr. 

Strasburg, den 12. März 1892. 

Der Direotor der geologischen Landesuntersuchung 
von Elsass-Lothringen 



BENECKE. 



Geologische Landes-Untermichung von Elsass-Lothringen. 

Stand der Kurtirung im Dezember 1891. 



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Band III der « Mittheilungen der geologischen Landesanstalt 
n Elsaas-Lothringen » bildet die Fortsetzung der Bände I uod II 
er «Mittheilungen der Cominission für die geologische Landes- 
untersuohung von Elsass- Lothringen*. 

Das Ivronthal bildet in der Breit«! von Strassburg einen 
auffallenden Einschnitt in jenem geologisch und topographisch 
ausgezeichneten Hügellande, welches den Uebergang der Vogesen 
zu der Rheinebene vermittelt. Während südlich vom Rronthal nur 
eine schmale Zone von Vorbergen die Ebene von dem Steilabsturz 
der Vogesenkette trennt und diese sich, um ein Bild Daubrek's 
zu gebrauchen, Uber die Hilgel an ihrem Saum wie eine Klippe 
längs lies Ufers Uber die Wogen erhebt, liegt zwischen dem Breusch- 
thal und Lembach dem nach Westen zurückweichenden Qebirge ein 
ausgedehnteres Hügelland vor. Dem südlichen Theil desselben ge- 
hört der Rücken des Wangenbergs und Mariebergs an, welcher in 
SO-NW Richtung, das ist ungefähr in der Diagonale unseres Kar- 
tengebietes streicht Mit dem Gebirge verbindet denselben die 
Sandsteinplatte des Westhofencr Oedenwaldes und die Hohe Struth, 
während den Uebergang nach der Ebene allmählich niedriger wer- 
dende Höhen, wie der Kochersberg und der Dattenberg, vermitteln. 
In dem Westhofener Wald erreicht der Höhenzug, soweit er auf 
die Karte fällt, seine höchste Erhebung. Nordwestlich und süd- 
östlich liegt ihm ein flaches Hügelland vor. Er selbst ist von dem 
Thale der Mossig, welches hier den Namen Kronthal führt, durch- 
quert Dasselbe hat in seinem oberen Theil die Richtung N 40" W, 
verläuft von der ToBLERschen Mühle an fast genau NS und be- 
sitzt im ganzen nur eine Länge von ungefähr 1 km. 

Mit der Geologie des Kronthals und seiner Umgebung hat 

1 



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J. Valentik. Die Geologie des KronthaU i. E. 



sich bisher eingehender nur Daubr^e 1 befasst. Ausser seinen An- 
gaben ist eine kurze theoretische Betrachtung von Voltz und 
Schimper* Uber den Wangen-Marleberg-Rücken da» einzige, was 
von Vorarbeiten in unserem Gebiet zu erwähnen ist. 

Voltz und Schimper nahmen, auf der de BEAüMONTschen 
Theorie Uber die Entstehung der Vogesen fussend, an, dass das 
Sandstein massiv des Wangen- und Mariebergs, wie das des Mutzig- 
Sulzbader Höhenzuges, sich über den Keuper von Westhofen, 
Marlenheira, Ballbronn u. s. w. gehoben habe. — Eine Spalte, 
welche Voltz bei Sulzbad erkannte, und die ungefähr wie das 
Kronthal streicht, dabei mit schwachem Betrag nach Westen ver- 
wirft, sollte ihre nördliche Fortsetzung in dem Kronthal besitzen 
und zu dessen Entstehung Anlass gegeben haben. 

Daubr£e erblickte in der Erhebung des Wangen-Marlebergs 
ein flaches Gewölbe, in dessen innerstem Kern der gres vosgien 
zu Tage tritt, und an das sich im Süden in der Westhofener Nie- 
derung eine von Keuper erfüllte Mulde anschliesst. Der Spalten , 
welche den Buntsandstein im NW und SO begrenzen, wird aus- 
drücklich gedacht; von der letzteren wird ausgesagt, dass sie wahr- 
scheinlich Uber Westhofen ihre Fortsetzung finde und mit einer 
Verwerfung bei Niederhaslach im Breuschthal in Verbindung stehe. 

Das Kronthal bezeichnet Daubbee als Erhebungs- oder Zer- 
reissungsthal : « le vallon du Kronthal , bordü de collines k pentes 
abruptes, qui s'elövent brusquement ä louest de Marlenheim et 
autour duquel la stratification est redressee en tous sens, presente 
tous les caracteres d'une vallee de soulevement ou de dechire- 
ment» 

Die Schichten der Umgebung des Kronthals. 

An dem Bau der den Vogesen im Osten vorgelagerten Hügel- 
zone bctheiligen sich von der Trias im wesentlichen Muschelkalk 



1. Dacrrke, DescripL geol. et mineral. du dep. du Bas-Rhin. Strasbourg 185?. 
— An vielen Stellen. 

2. Mein, de la Soc. du Mus. dhist. natur. de Strasbourg. I. I. Nolic« sur la 
minerale de Soultz-les-Bains. 



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und seiner Umgebung. 



fl 



und Keuper. Zu den vereinzelten Gebieten, in welchen auch 
Buntsandstein auftritt, gehört das unsere. Von nachtriadischen 
Schichten spielt Lias nördlich von Wasselnheim eine geringe 
Rolle, während die jüngsten Bildungen, diluviale Ablagerungen 
und Alluvium, in grösseren Flächen die älteren Formationen 
bedecken. 

Zur Uebersicht Uber die normale Schichtenfolge verweise 
ich auf die Profile I und II, die ich in der Umgebung von Was- 
selnheim aufgenommen habe; das eine umfasst die Schichten vom 
oberen Buntsandstein bis zum oberen Muschelkalk, das zweite die 
Schichten vom oberen Muschelkalk bis zum unteren Lias. 

Buntsandstein. 

In den Arbeiten der französischen Geologen finden wir die 
Masse des rothen Sandsteins, aus welchem die nördliche Hälfte 
der Vogesen sich aufbaut, in zwei Abtheilungen, den gres vosgien 
und den gres bigarre, zerlegt. Ein Vergleich mit der Entwicke- 
lung des Buntsandsteins, besonders der Pfalz und des Schwarz- 
waldes, ermöglichte es später, die untersten thonig entwickelten 
Schichten als eine besondere Abtheilung auszuscheiden, die bisher 
allerdings nur im nördlichen Eisaas und auch dort nur in geringer 
Verbreitung nachgewiesen werden konnte. Von diesen drei Ab- 
theilungen ist die mittlere die mächtigste, und es lag nahe, den 
Versuch zu machen, dieselbe weiter zu gliedern, da Eck im Schwarz- 
wald einen unteren und oberen mittleren Buntsandstein unter- 
schieden hatte. In der That zeigte sich denn auch, besonders bei 
der geologischen Aufnahme der Gegend von Weissenburg 1 und 
Niederbronn 1 , dass die untere Hälfte des mittleren Buntsandsteins 
durch das häufige Vorkommen von Geröllen, unter denen kristal- 
line Gesteine besonders charakteristisch sind, sowie das a usaer - 



1. E. W. Bkkecm, Ueber den Buntsandstein der Gegend von Weissenborn — 
MiUb. der Comm. f. die geol. Landcs-Unters. Bd. I, S. IX. 

2. E. Bado, [Jeher die geologischen Verhältnisse der Umgebung von Niederbronn. 
— Bericht über die XIX. Vers, des Oberrh. geol. Vereins. — L. van Werveke. nach 
mündlichen MiUheilungen. 



4 



J. Valentin. Die Geologie des Kronthals i. E. 



ordentlich häufige Vorkommen von Pscudomorphosen nach Kalk- 
spath in der Form von Skalenoedern, ausgezeichnet ist. 

In der Hauptmasse der oberen Hälfte fehlen GerOlle oder 
treten vereinzelt auf, Pseudomorphosen wurden nicht beobachtet; 
dafür häufen sich die Gerölle an der oberen Grenze in solcher 
Weise, dass ein ausgezeichnetes Conglomerat entsteht, welches 
schon E. de Beaumoxt als eine wesentliche Eigentümlichkeit 
seines gres vosgien hervorhob. 

In dem von mir untersuchten Gebiet fehlt jede Andeutung 
von Schichten, welche mit dem unteren Buntsandstein oder mit 
der unteren Abtheilung des mittleren Buntsandsteins verglichen 
werden konnte; wir haben es anscheinend nur mit der oberen 
Abtheilung des mittleren Buntsandsteins und dem genannten Con- 
glomerat zu thun, welches ich, einem bereits eingebürgerten Ge- 
brauch folgend, als Hauptconglomerat bezeichnen werde. 

Mittlerer Buntsandstein. Obere Abtheilung 
und Hauptconglomerat. 

Die petrographischen Eigcnthümlichkeiten dieser Abtheilung 
sind so oft hervorgehoben worden, dass ich auf dieselben nicht 
näher einzugehen brauche. Beziehen sich doch die musterhaften 
Schilderungen E. dk Beacmont's wesentlich auf diese oberen ce- 
mentarmen , schimmernden Sandsteine, die in steilen Abstürzen und 
gewaltigen Blockhalden der Beobachtung leicht zugänglich sind. 

Ein Verhältniss möchte ich nur hervorheben, welches an 
natürlichen Aufschlüssen leicht übersehen wird, aber in künst- 
lichen, wie in den Steinbrüchen unseres und anderer nahe lie- 
gender Gebiete, recht auffallig ist, dass nämlich thonige glimmer- 
führende Einlagerungen zwischen den festen, schimmernden Sand- 
steinen durchaus nicht untergeordnet sind. Daubree 1 erwähnt dies 
schon bei Besprechung des Vogesensandsteins von Lützelstein und 
des Thaies der südlichen Zinzel, und Lepsius führt Aehnliches 
von Mutzig* an. Nach mündlichen Mittheilungen der Herren Pro- 

1. IUurrek, Descr. «col. et mineral. du dep. du Bas-Rhin, p. 8fi. 

2. Lmtis, Uebcr den Buntsandstein in den Vogesen. Zeitschr. der Deutschen 
Oeol. Oes. Bd. 27, S. 83. 



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/ 

und seiner Umgebung. 



5 



fessoren Benecke und BDckino ist ein gleiches Verhalten mehr- 
fach in den Thälern westlich von Neuweiler und Zabern zu be- 
obachten. 

In welcher Art diese Einlagerungen auftreten, zeigt folgendes 
Profil, welches ich im Kronthal bei der oberen Muhle hinter dem 
mittleren Arbeiterhäuschen aufgenommen habe. 



Im Hangenden das llauptconglomerat. 

Sandslein, grobkörnig mit auskeilcnden Gerölllagcn 5-10 m 

Sandstein, zicgelrolh bis weiss, mit rollten Thongallen und ein- 
zelnen Gerollen 2,85 

Schieferthon, dunkelroth, papierdünn schiefernd, mit Glimmer 

und eingelagerten Thongallen O.k. 

Schieferthon, sandig, und Sandstein, thonig dunkelroth, mit gros- 
sen GlimmerschOppchcu auf der Schieferungsfläche 0,os 

Lage von kleinen Geröllcn 0,o* 

Sandstein, ziegclroth mit wenigen grossen Glimmerschüppchcu 

auf der Schicbtflächc und mit einzelnen Geröllen \ju 



Die grösste in unserem Gebiet überhaupt zu beobachtende 
Mächtigkeit der oberen Abtheilung des mittleren Buntsandsteins 
unter dem Conglomerat ist ungefähr 60 m, also eine geringe der 
Gesammtmächtigkeit gegenüber, die z. B. in der Gegend von Nie- 
derbronn 160—180 m 1 beträgt. 

Das Hauptconglomerat ist in keiner Weise abweichend gegen 
bekannte Vorkommen entwickelt. Die Gerolle bestehen wesentlich 
aus Quarz und Quarziten, gewöhnlich mit facettirter Oberfläche. 
Die untere Grenze des llauptconglomerat« ist, wie das für jede 
Grenze im Buntsandstein gilt, keine ganz scharfe. Es kommen 
einzelne, regellos eingestreute, bald auskeilende Gerölllagen schon 
unter dor geschlossenen Masse vor (Steinbruch von Joseph im 
Rronthal). Diese letztere ist aber immer an ihrer Mächtigkeit 
und gleichartigen Verbreitung unschwer zu erkennen. 

Wo das Conglomerat Uberhaupt nicht aufgeschlossen ist, wird 
stets sorgfältig darauf zu achten sein, dass die zunächst darunter 
liegenden Sandsteinschichten, wenn sie, wie in dem oben ange- 



t. Nach einer mündlichen Miltneiluog von Dr, L. xav Wen\Ekr. E. Hacc nimmt 
in der genannten Uebersicht 250 m an. 



J. Valentin. Die Geologie des Kronthiils i. E. 



führten Profil, thonig entwickelt Bind, nicht mit dem oberen Bunt- 
sandstein verwechselt werden. 

In unserem Kartengebiet ist der mittlere Buntsandstein nur 
im Kronthal, am Wangen- und Marieberg vorhanden. Nach Nord- 
westen und nach Südosten schneiden Verwerfungen denselben ab. 

Das Kronthal, dessen landschaftlichen Charakter die Steil- 
wände des Buntsandsteins bedingen, bietet in seinem linken Ge- 
hänge eine fast ununterbrochene Reihe theils natürlicher, theils 
künstlicher Aufschlüsse. 

Allenthalben ist der Fels von Spalten durchzogen, theils Ab- 
sonderungen innerhalb der Bänke, theils wirklichen Zerreissungen 
mit und ohne Verschiebung der Wände 1 . 

Vielfach sind die Spalten mit Baryt, Kalkspath und Braun- 
eisen erfüllt. Dem Vorkommen von Baryt im Kronthal hat Dau- 
bree bereits seine Aufmerksamkeit zugewendet; auf ein neues, 
bisher nicht beschriebenes Vorkommen bei der Haltestelle Wangen 
werde ich weiter unten zurückkommen. 

Der obere Buntsandstein. 

Im oberen Buntsandstein des Kronthals und seiner Umgebung 
lassen sich, wie in anderen Gebieten des Unter- Elsass, die zwei 
Abtheilungen der Zwischenschichten und des Voltzienaandsteins 
unterscheiden. 

Die Zwischenschichten nehmen nach ihrer Stellung und 
ihrer petrographischen Beschaffenheit eine «Zwischenstellung zwi- 
schen Vogesensandstein und Voltziensandstein ein». In der That 
ist die Unterscheidung derselben, ganz besonders in unserem Ge- 
biot, durchaus nicht immer leicht. Dennoch aber macht sich der 
Wechsel löcheriger, breccienartiger, gerollführcnder, thonarmer 
und thonreicher, glimmerführender und glimmerfreier, rein sandiger 
und dolomitischer Schichten gegenüber den gleichartigen, thonigen, 
feinkörnigen, in geschlossenen Bänken auftretenden Voltziensand- 

1. Die Steinbrecher unterscheiden diese Erscheinungen sehr scharr; findet eine 
Verschiebung statt, setzt also eine abbauwürdige Bank nicht Über die Spalte fort, liegt 
mit einem Wort eine Verwerfung vor, so sagen sie: der Fels .changirt». Erfüllen un- 
brauchbare Trümmer die Spalten, so reden sie von « Scbisswanden ». 



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und »einer Umgebung. 



7 



steinen bei der konstant höheren Lage der letzteren in nicht allzu 
kleinen Aufschlüssen sehr bemerkbar. 

Im allgemeinen gilt das Material der Zwischenschichten ge- 
genüber dem des Voltziensandsteins für minderwerthig, es dient 
meist nur als Bruchstein; hier und da schwellen aber die thonigen, 
feinkörnigen Bänke an und liefern dann einen guten Stein. So 
liegt ein alter berühmter Bruch, welcher Steine für den Bau des 
Strassburger Münsters lieferte, die Liebfrauengrube bei Wasseln- 
heim, in Zwischenschichten. 

Das in der Gegend von Wasselnheim nicht seltene Vorkom- 
men solcher feinkörnig entwickelten Bänke, dann die Anhäufung 
der Gerölle zu wenig mächtigen Conglomeraten, sind bei unvoll- 
ständigen Aufschlüssen sorgfältig zu berücksichtigen, wenn man 
sich vor Irrthümcrn hüten will. In ^len meisten Fällen genügt das 
Auftreten des mächtigen Conglomerates unten, der geschlossenen 
mit Vorliebe abgebauten thonigen Bänke (Voltziensandstein) oben 
zur Begrenzung der Zwischenschichten. In mehreren Aufschlüssen 
bildet eine ungefähr l,so m mächtige rothe Thonschicht die Grenze 
zwischen den beiden letztgenannten Abtheilungen. 

Am Sudabhang des Wangenbergs enthalten die unteren Lagen 
der Zwischenschichten Gerölle, aber nicht so massenhaft, dass ein 
eigentliches Conglomerat entwickelt wäre. In einer Kante am 
Attenberg stehen mit Säure stark brausende Sandsteine 19,8 m 
Uber dem Hauptconglomerat an. 

Der Voltziensandstein hat eine im Vergleich zu den übrigen 
Abtheilungen des Buntsandsteins unbedeutende Mächtigkeit, welche 
zwischen 10—20 m zu schwanken scheint. Seine geologische Be- 
rühmtheit verdankt er dem Reichthum an Fossilien. Die klassische 
Lokalität ist Sulzbad, welche das Material zu den Arbeiten von 
Voltz', Schimper» und Albekti» geliefert hat. 

Die grossen, jetzt leider verlassenen Brüche von Sulzbad 

I. Hern, de la Soc. An Mus. d'hist. nat. de Strasbourg. Bd. II, 183S. Notice 
*ur le gres bigarre de la grande carriere de Soulto-les-Bains , par M Voiti. 
i. Id. Observations de M. Schuher. 

3. Albebti, Beltr. z. ein. Monogr. d. Buntsandsteins, 8. 181, 202, 



8 



J. Valentin. Die Geologie des KrmithalB i. E. 



liegen nur wenig südlich vom Kronthal, und die Entwickelung 
des Voltziensandsteins in der Umgebung des letzteren schliesst 
sich im allgemeinen eng an die von Sulzbad an. Als Beispiel der 
Entwickelung mag das Profil eines Bruches zwischen Westhofen 
und Forsthaus Geissweg dienen: 

Zu oberst eine Thonlinse, gelbgruu und rotli bis zu . 1,oo m \ § 

Darunter : j S 

Thonsandstein in 0,i bis 0,2 in dicken Bünkchen, und f Jfg 

Thon, duukelroth bis zu 3 ,00 / g | 



Sandstein, brannroth, stellenweise reich au Kaolin- 
thcilchen 0,&s 



Ii 

13 



1 « 

r 



Schiefcrlhon, blaugrüu 0,ia Jp 

Sandstein, kleinkörnig, mit vielem Kaolin und grossen 

Glimmerschüppchen auf der Schichtlläche O.ss 

Sandstein, kleinkörnig O^o 

Sandstein, grauroth, feinkörnig t,oo 

Sandstein, weissHcb, mit POanzenrcsten und Thon- 
gallen I,oo 

Sandstein, braunroth mit Kaolinpartikeln 3/,o 

Zu unterst liegt also eine Sandsteinzone, darüber folgen im 
Wechsel thonige und sandige Schichten. Das Vorkommen von 
dünnen Gypslamellen in diesen oberen Bänken eines Bruches bei 
Romansweiler wird von DaüBrke erwähnt. 

Die Thone treten oft in Form von Linsen auf. Eine solche 
erreicht z. B. in dem Bruch, dessen Profil oben wieder gegeben 
ist, eine Dicke von 2 m bei einer Länge von 75 m. 

Während die bis jetzt besprochene Beschaffenheit der Schichten 
des Voltziensandsteins in gleicher Weise für die Mehrzahl der 
genauer untersuchten Profile gilt, weichen einzelne Aufschlüsse 
nicht unerheblich ab, beispielsweise in der Brechlinger Klamm, 
einem Wasserriss oberhalb Brechlingen, dessen Profil ich hier 
wiedergebe : 

Im Hangenden Huschclsandstein. 

Sandstein, duukelroth, mit thonigen Einlagerungen, in mehreren 

bis 0,5 m mächtigen Bänken 3,oo m 

Sandstein gelb bis braun, dolomitisch, theils dicht, theils kOrnig, 
mit undeutlichen Resten von Zweischalern t,5o 

Sandstein, weiss und roth, thonig und mürbe l,oo 

Dolomit, gelbbraun, stark sandig, mit Quarzknaucrn und mit 
Thongallen, ungefähr 0,w 



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und seiner Umgebung. 



0 



Letten, roth und weiss, mit Einlagerungen von Dolomitlinsen 

mit Qtiarzkuauern und Tltongallcn, ungefähr 0,m m 

Sandstein, meist mürbe, weiss, gelb und Nauroth, mit Tiden 
kleinen Gliininerschüppchcn, ungefähr 0,7a 

Mürber Sandstein, dunkelroth, auch untergeordnet weiss, fein- 
körnig 1,70 

Sandstein, braunroth, dickbankig, feinkornig. 

Ganz nahe der Klamm liegen zwei Steinbrüche im Voltzien- 
sandstein und untersten Muschelsandstein, in welchem die Gesteine 
des ersteren denen der Klamm ähnlich sind und vor allem durch 
das Brausen mit Säure auffallen. In den weiter folgenden Auf- 
schlüssen bei Romansweiler tritt die thonige Entwickelung bereits 
wieder in den Vordergrund. 

Mit Säure heftig brausende Schichten des Voltzicnsandsteins 
wurden ausserdem noch zweimal in kleineren Aufschlüssen, näm- 
lich am Weg vom Wackenthai zum Göftberg und am Altenberg 
beobachtet 

Dass in der Brechlinger Klamm in der That Voltziensand- 
stein, nicht etwa Zwischenschichten vorliegen, beweisen Stein- 
kerne von Zweischalcrn und ferner der Umstand, dass in den 
Brüchen bei der Klamm unterer Muschelkalk unmittelbar Ge- 
steinen auflagert, welche mit denen des Wasserrisses bei Brech- 
lingen grosse Aehnlichkeit haben. In dem westlichsten der beiden 
Brüche finden sich ausserdem Pflanzenreste. 

Die Erscheinung erklärt sich wohl am leichtesten durch die 
Annahme, dass die vorliegende Beschaffenheit sekundärer Natur 
ist Möglicherweise hat eine Umwandlung von einer Verwerfung 
aus stattgefunden, welche nur wenig Östlich von der Klamm die 
Schichten des mittleren Muschelkalks in das Niveau des Voltzien- 
sandsteins gerückt bat Die Lettenschiefer erweisen sich dabei 
weniger beeinflusst als die Sandsteine und letztere um so stärker, 
je näher sie der Spalte liegen. 

Versteinerungen kommen im Voltziensandstein reichlich und 
ziemlich gut erhalten nur bei Romansweiler vor. Pflanzenabdrücke 
treten hier bereits 1—2 m Uber den Zwischenschichten auf. Kleine 
aber gut erhaltene Acstchen von Voltzia heterophyUa fand ich in 
den zarten grünlichen Lettenschiefern der thonig-sandigen Ab- 



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10 J. Valentin. Die Geologie des Kronthak i. E. 

theilung. Eine Bank mit Natica Gaillardoti traf ich in dem west- 
lichsten der Komanswei lerer Brüche. Die Schichtenfolge ist hier 
in der Nähe der versteinerungsreichen Bank folgende : 



Von oben nach unten : 

Thon , graugrün 0,so m 

Thon, roth 0,*o 

Thonsandstein, grünlichgrau, mit Zweiscbalern, Natten Gail- 
lardoti Lefr. und Pleurolomaria Albertiana WisSM 0,TO 

Thon, sandig, roth 0,35 

Thonsandslein, grünlichgrau 0,»o 



Für die allgemeinen Verhältnisse des Bruches verweise ich 
auf die Angaben von Daubkee 1 . 

Versteinerungen. 

Voltzia heterophylla Brook. 
Estheria minuia Goldf. sp. 
Myophoria vulgaris v. Sc HL. sp. 
Myacites elovgatus v. ScnL. 
? Teüina. 

Gervillia mytiloides v. Schl. 
Gervillia costata v. Schl. sp. 
Gervillia socialis v. Schl. sp. 
Pleurotomaria Albertiana Wissm. 
Natica Gaillardoti Lefb. 

Muschelkalk. 

Auf Grund der Arbeiten von Weiss über das Saargebiet 
hat man in Elsass- Lothringen den Muschelkalk entsprechend ge- 
gliedert und unterscheidet einen unteren Muschelkalk, bestehend 
aus Muschelsandstein und dolomitischen Schichten, einen mittleren, 
der in bunte Mergel mit Gyps und Dolomite zerfällt, und den 
oberen Muschelkalk, welcher die Trochitcnschichten und die 
Schichten mit Ceratites nodosm umfasst Die Gesatnmtmächtigkeit 



1. I. c, S. 105. 



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und seiner Umgebung. 



11 



ist in Folge verschiedenen Verhaltens der mittleren Abtheilung 
verschieden. Fehlen in dieser Gyps und Steinsalz, wie es im Elsass 
der Fall ist, so beträgt die Mächtigkeit des ganzen Muschelkalks 
ungefähr 150 in. 

Unterer Muschelkalk. 

Die Gliederung des unteren Muschelkalks ist in jüngster 
Zeit durch Schumacher' fUr Lotbringen in sehr eingehender Weise 
festgestellt worden. 

Im Elsass war bisher kein zusammenhängendes Profil dieser 
Abtheilung bekannt Ein solches bietet in ihrem oberen Theil 
die bei der Besprechung des Voltziensandsteins erwähnte Klamm 
von Brcchlingen. Soweit es möglich war, habe ich jeden auffal- 
lenden Horizont gemessen, muss aber betonen, dass die nachstehend 
angegebenen Zahlen keinen Anspruch auf absolute Genauigkeit 
machen, weil kleine Störungen sich der Beobachtung entzogen 
haben können und die festen Bänke auf den Mergeln stark ver- 
rutscht sind. 



Dolomit mit Mgophoria orbicularis Br. 
Wcllenmcrgci mit 3 Dolomitbänkchen (0,©s m), im 

obersten Mpoph. vulg. und Myaciten 6-8 m 

Dolomitbank, körnig, mit Trocblten 0,07 

Mergel mit zahlreichen Exemplaren von Ter. vulg. . 6,60 
Dolomitbank, dicht, sandig, mit Thongallen, mit Ger- 

villia und (?) Mgophoria, ungefähr O.io 

Mergel , dolomitisch 2,eo 

Dolomit, plattig, mit Lima, Terebratula vulgaris Schl. 

und GerviUia 0,so 

Mergel mit zahlreichen Exemplaren ton Terebraluia 

vulg. Sern», ungefähr 6,00 

Terebratelhorizont (Hanptterebratelbank), vorwiegend 

körnige, stellenweise dichte und thonige Kalkbänke 

von ungefähr 0,os m Mächtigkeit, von Fossilien 

nur Terebratula vulgaris S«m. deutlich. 



Ii* 

§3 = 



S 



a 

4> 



u 
.2 



V 



I. E. Schfmacher, Zur Kenntnis» des unteren Muschelkalks im nordöstlichen 
Deutsch-Lothringen. - Mitth. d. Commiss. f. d. geol. Landesuntersuchnng v. 
II, S. m. 



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12 



J. Valentin. Die Geologie des Kr mit hals i. E. 



Sandstein, dolomitisdi, hellbraun bis hcllroth, mit grün- 
lichen Thongallcn 2,*o 

Mergel vorzugsweise, Sandstein untergeordnet .... 4,4o 

Dolomitbänkchcn mit Trocbilen 0,03 

Mergel, dolomitisch, und Sandsteine 3,» 

Sandstein, roth mit grossen Zwcischalcrn und mit 

Wellenfurchen O^o 

Mergel und Sandsteine, ungefähr 4 r v> 

Sandstein mit grossen Limcn 0,zo 

Mergel und Sandsteine, ungefähr 2, so 

Mergel und Sandstein, letzterer braun mit rostfarbigen 
Flecken, mit Culcitadcrn und Thongallcn. In losen 

Stücken eine Bank voll von Terebratula Eckt . . 3,so 
Sandstciubank, reich au Ter. vulg., Gero, und Limo, 

ungefähr 0,*5 

Mergel und Sandstein, schmutzig roth 2,oo 

Sandstein, reich an Gero., Myoph. vulg., Lima. . . . 0,75 



Der Einschnitt beginnt in den Wellenmergeln; die obersten 
Schichten, die dichten Dolomite, sind an anderen Punkten der 
Umgebung von Wasselnheim besser aufgeschlossen als in der 
Klamm, so am Geicrstein unweit Diebach und an der Strasse von 
Brechlingen nach dem Forsthaus Geissweg. Am Geierstein kommen 
einzelne £xemplarc von Myophoria orbicularis Hr. auf etwas schau- 
migen Dolomiten vor; häufiger sind dort in den Aeckern Platten 
von gelbem sandigen Dolomit mit Gerviüin coslata Schl. sp. und 
Myophoria orbicularis Br. Dieselbe Vergesellschaftung trifft man 
auch in den dichten Dolomiten oberhalb Diebach (ausserhalb des 
Kartengebietes). 

Die Mächtigkeit der Wellen- und Schaumkalkzone scheint 
eine sehr geringe zu sein; in der Klamm schätze ich sie auf 6—8 m, 
und grössere Werthe wurden auch an anderen Punkten nicht 
beobachtet. Grobkrystallinische Kalke in Bänken von 0,i m finden 
sich lose am rechten Gehänge des Wackenthals. 

Im Gegensatz zu der geringen Mächtigkeit des Wellen kalks 
tritt die Terebratelzone in der Klamm fast mit der doppelten 
Mächtigkeit auf wie in Lothringen. 

Was die petrographische Ausbildung betrifft, so sind die festen 
Bänke denen in Lothringen vollständig ähnlich; dagegen weichen 
die Zwischenmittel etwas ab, wenigstens ist mir eine so sandige 



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und seiner Umgebung. 



13 



Verwitterung derselben, wie sie in einem Profil bei Wasselnheim 
an der Strasse nach Roraansweiler vorliegt, aus Lothringen (Ge- 
gend von WolmUnster) nicht bekannt In jenem Strasseneinschnitt 
kommen einzelne Terebrateln von schlechter Erhaltung in grün- 
lichgelben Sanden und äusserst mürben Sandsteinen vor, die von 
3 — 4 m typischem Wellenkalk Uberlagert sind. 

Für die unter der Terebratelzone befindlichen Schichten be- 
rechnete ich aus dem Brechlinger Profil 24,ß m (gegen 22,r. m in 
Lothringen). Eine Scheidung nach der petrographischen Beschaf- 
fenheit in mergelige und sandige Schichten kann nicht durchge- 
führt werden, weil die Gehänge der Klamm zur Zeit verschüttet sind. 
Nach den vorhandenen Aufschlüssen lässt sich aber annehmen, 
dass in der oberen Hälfte des Coraplexes Sandsteine reichlicher 
als im nordöstlichen Lothringen vorhanden sind; sie treten noch 
dicht unter der Terebratelzone zu Tage. Von Versteinerungen sind 
die grossen Limen in den Sandsteinbänken am auffälligsten. 

Die tiefsten Schichten des unteren Muschelkalks, der eigent- 
liche Muschelsandstein, ist in unserem Gebiet ausser in der Klamm 
in einer Reihe von Voltziensandsteinbrüchen aufgeschlossen. Er 
zeigt alle die Eigenthümlichkeiten , welche im allgemeinen für 
ihn charakteristich sind, die Mannigfaltigkeit der Fossilien, die 
trüben, dunkeln Farben u. s. w. Unter den stellenweise sehr reich- 
lichen Versteinerungen sei das Vorkommen von Myophoria curvi- 
rostris v. ScilL. sp. hervorgehoben, die erst in wenigen Exemplaren 
aus dem lothringischen Muschelsandstein bekannt ist, ferner eine 
kleine zierliche Terebratel (? Terebrntula Ecki Fr.), welche stellen- 
weise ein dünnes Bänkchen ganz erfüllt 

Versteinerungen. 

Untere Abiheilung. 

Terebratula Ecki FRANTZEN. 
Terebratula vulgaris V. Schl. 
Myophoria cardissoides v. ScnL. sp. 
Myophoria curvirostris V. Schl. sp. 
Myophoria laevigata Alb. 
Myophoria vulgaris V. SCHL. sp. 



14 J. Valüstik. Die Geologie deB Kronthals i. E. 

Myacites sp. 

Myacites elongatus V. Schl. 
Lucina Schmidt Gein. sp. 
? Lucina sp. 

Oervillia costata V. Schl. sp. 
Qervittia mytiloidea v. Schl. sp. 
Gerviüia aodalis v. Schl. ap. 
Mytilua vetustus Goldf. 
IModiola. 

Lima Umata v. Schl. sp. 
Lima striata v. Schl. sp. 
Pecten diteites v. Schl. sp. 
Pecten laevigatus v. SCHL. sp. 
Ostrea complicata Goldf. 
Ortrea decemcoatata v. M. 

Obere Abiheilung. 

Myophoria orbicularin Bb. 
Oervillia costata V. Schl. sp. 

Mittlerer Muschelkalk. 

Die für Elsass-Lothringen und die angrenzenden Gebiete 
eingeführte Zweitheilung des mittleren Muschelkalks in Mergel 
mit Gyps und in Dolomite wurde oben erwähnt. 

Die Mergel sind meist grau, roth oder grün gefärbt, entziehen 
sich aber meist der Beobachtung, da sie in der Regel von dem 
Schutte der oberen Abtheilung des mittleren Muschelkalks und 
des oberen Muschelkalks verdeckt sind. 

So sieht man sie auch in dem auf unserer Karte dargestellten 
Gebiet, obwohl sie eine grössere Verbreitung darin besitzen, nur 
selten und auch dann nur in schlechten Aufschlüssen. 

Auch die obere Abtheilung bietet in unserem Gebiet keine 
vollständigen Profile, doch fehlt es nicht an Aufschlüssen, an denen 
diese oder jene Schicht zu Tage kommt 

An der Strasse von Westhofen nach dem Forsthaus Geissweg 
beobachtete ich Uber den bunten Mergeln schwach dolomitische 



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und seiner Umgebung. 



15 



Mergel von vorzugsweise grauen Farben, darüber hellgelbe, dünn- 
bis dickplattige Dolomite mit Kalkapathadern, Hornstein und Quarz. 
Etwas höher folgen mergelige, grossmaschige Zellengesteine, und 
dicht unter dem Trochitenkalk endlich gelbe und braune festere 
Zellendolomite mit Quarzknauern. Am Seelenberg sind weisse Zel- 
lengesteine, die Lagen rothen Quarzes und schwarze Hornsteine 
führen, entwickelt Eine grosse Aehnlichkeit mit den dichten Do- 
lomiten des unteren Muschelkalks zeigen einige Bänke am Geier- 
stein; ebenda sind zwischen den Kalken auch dünne Faserkalk- 
bänkchen zu beobachten. 

Als Grenzschichten gegen den oberen Muschelkalk kommen 
westlich von der Gloriette auf dem Geierstein zellige braune Ge- 
steine zu Tage, in deren Liegendem weisse dlinnschiefernde Do- 
lomite anstehen, die ihrem Charakter nach ganz den von ande- 
ren Punkten Elsass-Lothringens bekannten, durch das Vorkommen 
von Lingula Unuissima bezeichneten Schichten entsprechen. 

Oberer Muschelkalk. 

Der Trochitenkalk, die untere Abtheilung des oberen 
Muschelkalks, stellt im Reichsland eine 10 — 15 m mächtige Abla- 
gerung von kalkigen, häufig oolithischen Gesteinen dar, für welche 
das Auftreten von Encrinus liliiformis leitend ist. Die Stielglieder 
des letzteren häufen sich in manchen Bänken derart, dass sie 
vollständig grobkrystallinische Structur der Gesteinsmasse be- 
dingen. Mächtigkeit und Zahl der Trochitenbänkc, welche im all- 
gemeinen in dem oberen Theil der ganzen Ablagerung zu suchen 
sind, schwanken. Terebratoda vulgaris Schl. findet sich häufig, ist 
aber an keine bestimmte Bank gebunden. 

In dem Gebiet der Karte bildet der Trochitenkalk vielfach 
ein leicht in die Augen fallendes Steilgehänge, das in dem Kar- 
tenbilde als schmales Band zwischen dem mittleren Muschelkalk 
und dem Nodosuskalk erscheint. Demgegenüber fällt das abwei- 
chende Verhalten am Elsch-Borg und am Kalk-Berg (westlich 
von Wangen) auf. An ersterem lässt sich die scheinbar grosse 
Mächtigkeit zum Theil durch das im allgemeinen nordwestliche 
Einfallen erklären. 



16 



J. Valbxtw. Die Geologie des Kronthals i. E. 



Von besonderer Bedeutung ist ein Aufschluss in dem west- 
lichsten der grossen Bruche zwischen Wasselnheim und Romans- 
weiler; hier ist das Liegende des Trochitenkalkes erreicht, so dass 
mir das Profil als Anhalt für den Vergleich mit den zahlreichen 
übrigen Trochitenkalkbrüchen dienen konnte. 

Profil zwischen Wasselnheim und Romansweiler. 



Von oben nach unten: 

Kalk, zertrümmert, mit Terebratula vulg. Sern. I> m 

Kalk, bröcklig 1,jo 

Kalk, in Banken von 0,15—0,4 m Dicke l,so 

Kalkbanke, kompakt und hart, stellenweise eine Bank bUdcnd. t.is 
Trochltenb&nkchcn, bröcklig (von den Steinhauern Kuchen 

genannt) o.su 

Kalk, hart mit vereinzelten Trochilen und Terebrateln, in I 

Bänkchen von 0,co, 0,co, i\u und 0,™ m Mächtigkeit . . . 2,11 

Kalk, blaugrau, mit Terebratula vulgaris U.40 

Kalk mit Trocliiten, stellenweise mit Stylolitheii I.oo 

Kalk, blaugrau, dicht, mit ganz vereinzelten Trochiten .... 0,97 



Die Gesteine des Trochitenkalks sind in dem untersuchten 
Gebiet ausschliesslich feste Kalke, Mergel fehlen gänzlich. Die 
Kalke sind meist von grauer Farbe mit einem Stich ins Röth- 
liche oder Blaue. Oolithische Gesteine, die sonst im Trochiten- 
kalk von Elsass-Lothringen häufig sind, wurden nur einmal und 
zwar am Geierstein beobachtet Ebenso Bind Chalcedonknauern, 
die in Lothringen fast in jedem Trochitenkalkbruch sich reichlich 
vorfinden, in dem untersuchten Gebiet selten. Besonders auffallend 
treten im Vergleich zu Lothringen die Trochitenbänke selbst 
zurück. 

Einzelne Stielglieder von Encrinus finden sich dagegen in 
den verschiedensten Höhenlagen. Aehnliche Bänkchen wie der 
< Kuchen » im Wasselnheimer Profil stehen noch in mehreren 
Brüohcn etwa 2—3 m über der Sohle des Bruches an. — Die 
Terebrateln treten in dem Bruche bei Wasselnheim bereits 2 m 
Uber dem mittleren Muschelkalk auf und sind bis in die obersten 
Bänke zu verfolgen. Zwischen 2 — 3 m über der unteren Grenze 
erscheinen sie besonders zahlreich und zwar verkieselt. Auch in 



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und seiner Umgebung. 



17 



sämmtlichen übrigen Aufschlüssen zeigt sich, dass in gleicher 
Weise die Terebrateln durch die ganze Schichtenfolge fortsetzen; 
es fällt ferner auf, dass das Hauptlagcr ziemlich beständig 1 — 3 m 
Ober der »Sohle der Brüche liegt, weshalb ich vermuthe, dass die 
Brüche alle etwa in denselben Bänken des Trochitenkalks liegen. 
Vereinzelt angetroffene Terebrateln sind im Gegensatz zu denen 
im Hauptlager selten verkieselt. 

Von sonstigen Versteinerungen ist noch das Vorkommen von 
Gastropoden zu erwähnen. Zwischen Marlenheim und Nordheim 
fand ich auf Steinhalden mit Gastropoden erfüllte Schichten. Diese 
bestehen aus einem löcherigen und stark ausgelaugten Gestein; 
die kleinen zierlichen Gastropoden und neben ihnen einzelne kleine 
Zweischaler finden sich in dem Verwitterungsgrus und in den 
Hohlräumen. 

Eine Gliederung des Trochitenkalkes unseres Gebietes erwies 
sich trotz der zahlreichen Aufschlüsse als undurchführbar. Im all- 
gemeinen gilt aber, dass die unteren Lager dick-, die oberen 
dünnbankig sind, dass das stärkste Auftreten der Terebrateln in 
die tieferen Schichten fällt und hier besonders die Verkieselung 
herrscht, dass endlich ein dünnes Trochitenbänkchen ziemlich 
regelmässig etwa 4 m über dem mittleren Muschelkalk auftritt 

Versteinerungen'. 

Encrinus liliiformit Lmk. 
Terebratula vulgaris v. Schl. 
Ntiada Goldfusei v. Alb. 
Myophoria laevigata V. Alu. 
Myophoria elegant DüNK. 
Myacites sp. 

Gerviüia costata V. SOHL. sp. 
Gerviüia socialis v. Schl. sp. 
Mytilus sp. 

Mytilu» eduliformis v. Schl. 

I. In dem Verzeichniss sind die Oastropoden, die ich in dem oben erwähnten 
Trocbitenkalk zwischen Marlenheim und Nordheim fand, nicht berücksichtigt, da diese 
eine getrennte Bearbeitung erfahren sollen. 

2 



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18 J. Valrntih. Die Geologie des Krontbala i. E. 



Lima costat/i v. M. 
Lima striata v. Schl. sp. 
Pecien sp. 

Hinnites comtus QlEB. 
Placunoptis cf. obliqua GiEB. 
Ostrea decemcostatn V. M. 
Ostrea ostracina V. SCHL. 
Chemnitzia scalata V. Schl. sp. 
Chemnitzia Schlotheimi Qu. sp. 
Natica gregaria V. Sc HL. 8p. 
Natica oolithica Zenk. 
Knochenfragraente. 

Nodosuskalk. Mit dem Verschwinden der Trochiton beginnt 
im oberen Muschelkalk EIsass-Lothringens die ungefähr 60 m 
mächtige Ablagerung gleichmässigen Wechsels dünner Plattenkalke 
und Mergel, die durch Ceratite« nodosus Bruo. gekennzeichnet ist 
Erst nahe der oberen Grenze wird die Einförmigkeit durch dicke 
wulstige, von Terebrateln erfüllte Bänke unterbrochen, demselben 
Horizont, der auch aus Baden und Franken bekannt ist. Zahl, 
Mächtigkeit und gegenseitiger Verticalabstand der Terebratelbänke 
schwanken. Auch ist ihre Lage gegenüber dem Vorkommen des 
Ceratites semipartitut , der für die obersten Schichten des oberen 
Muschelkalks leitend ist, keine feste. 

Der Nodosuskalk nimmt in der Umgebung des Kronthala 
von allen Formationsgliedern die grösste Fläche ein. Die flachen 
Rücken und Gehänge des Göft-Bergs, des Stephans-Bergs und des 
Marie-Bergs, sowie jene im Westen des ElBch-Bergs, des östlichen 
Theils des Wasselnheimer Waldes und des Durren-Bergs werden 
von ihm gebildet. Die Mehrzahl der Aufschlüsse liegt in der Nähe 
der Terebratelbänke; Schichten unmittelbar Über dem Trochiten- 
kalk sind an der Strasse von Wasselnheim nach Westhofen ange- 
schnitten. 

Die Nodosusschichten scheinen im allgemeinen weniger mer- 
gelig entwickelt als auf der Westseite der Vogesen; ich berech- 
nete z. B. aus dem nachstehenden Profil, welches dicht unter der 



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und seiner Umgebung. 



19 



Terebratelzone entnommen ist, das Verhältniss von Kalk zu Mer- 
gel = 2: 1, während ein Profil aus den unteren Nodosusschichten 
zwischen BlicsbrUcken und Folpersweiler in Lothringen, das Herr 
Dr. van Werveke mir freundlichst Qberliess, fast das umgekehrte 
Verhältniss ergab, nämlich Kalk zu Mergel = 3:5. 

» 

Profil zwischen Hohengöft und Winzenheim. 



Kalk, zertrümmert, reich an vcrkieselten Tcrebraleln t,ao m 

Kalk, dicht-feinkörnig, grau, mit Mergeln wechsellagernd. . . O.ss 

Kalk, blaugrau, spllttrig 0^4 

Mergel, gelb mit wenigen Kalkknauera 0,ao 

Kalk, durch eine dünne Mergelschicht gelheilt 0,so 

Kalk, mergelig 0,*o 

Mergel, gelb, mit festen Kalkschnüren 0,«o 

Kalk, hart, blaugrau 0,m 

Mergel O.or j 

Kalk 0,06 [ <M5 

Mergel 0,io ) 

Kalk mit Wülsten, Gervilfia swialis v. Sein., sp. (kleine Form). O.15 

Mergel, gelb, mit GerriUia »ociali* . 0,o< 

Kalk, linsenförmig zerfallend 0,u 

Mergel, gelb 0,oa 

Kalk 0,«o 

Mergel 0,30 

Kalk, theils in dünnen Bänken, theils liusenförmig 1,ts 

Kalk, röthlich, mit GerriUia mytiloides v. Sohl, sp 0,40 

Kalk, grau, mergelig 0,so 

Kalk, grau, ia uschiig brechend, mit ü.oa m dicker Hergellage. 0,50 

Kalk, hart, grau 0.» 

Kalk mit Myaeites 0,*> 

Mergel, gelb 0,25 

Kalk, hart in 3 Bänkchcn 0,60 

Mergel und mergelige Kalke 0.» 

Kalk, röthlichgrau 0,is 

Mergel mit Kalkcinlagerungen 0,so 

Kalk, hart, röthlich, auf der Schichtfläche Lima striata v. Sern.. 

sp., Ostrea, GerriUia 0,»o 

Mergel, gelb und mergelige Kalke O.w 

10,34 



Nahe der unteren Grenze des Nodosuskalkes ist am Wege 
vom Waokenthal nach Nordheim ein Bänkchen mit kalkigen Ge- 
röllen entwickelt Die Gerölle liegen zum Theil sehr dicht ge- 
drängt, zum Theil mehr vereinzelt in der Grundmasse. Sie zeigen 



20 J. Valemtik. Die Geologie des Kronthals i. E. 

keine Spur von schaligcm Aufbau, und es ist daher wahrscheinlich, 
dass es sich wirklich um Gerölle, nicht etwa um concretionäre 
Bildungen handelt, wie man wegen des gleichen petrographischen 
Charakters von Gerollen nnd Grundmasse vermuthen könnte. 
Das Bänkchen ist ausser an dem erwähnten Punkt an dem Ein- 
schnitt der Strasse von Westhofen nach Waaseinheim und in einem 
kleinen Bruch zwischen dem Elschberg und dem Geierstein an- 
stehend. 

Von Interesse für die oberen Schichten des Nodosuskalkes, 
die Semipartitusschichten und die Terebratelzone, Bind mehrere 
Aufschlüsse in der nächsten Nähe von Wasselnheim. In zwei über 
einander gelegenen Steinbrüchen an der Strasse von Wasselnheim 
nach Hohengöft beobachtete ich von oben nach unten unter der 
dolomitischen Region: 

Kalk, rOthlichgrau mit einzeloen verkieselten Exemplaren 1 

von Terebratula vulgaris v. Schl. sp 0,i5 m 

Kalk, grau und gelb, dicht, mit wulstigwelliger Abson- 
derung, sehr reich an grossen Exemplaren 
von Ter. vulg. (verkieselt), an der oberen Grenze 

zum Theil durch Mergel vertreten 1,15 

Mergel und Kalk mit vcrkieselten Terebrateln O.is 

Kalk, hart, rflthllchgrau 0,w 

Mergel mit Kalkknollen, in letzteren Ter. vulg O.so 

Kalk, röthlich, mit Lima striata v. Sohl., sp., GerviUia 0,18 
Mergel und Kalk mit einzelneu Terebrateln und grossen 
Exemplaren von GerviUia socialis v. Sem., sp. . . . 0,<w 

Kalk mit ganz untergeordneten Mergeln 5,88 m 

Kalk, grau, dicht, und Mergel mit grossen GerviUia socialis . 0,*. 

Kalk und Mergel (2:1) O.30 

b. Kalk, körnig, reich an Steinkernen von GerviUia socialis 

und Myophoria 0,15 

Kalk und Mergel mit GerviUia socialis, Mgophoria laevigala 

v. Al.B 0,71 

Kalk und Mergel (untergeordnet ) mit grossen Gervülien, mit 

Lima, Natica, Chemnitzia and Ceratiles semipartitus v. B. 0,«o 

Kalk mit Mergel (Verhältniss ungefähr 5:1), mit GerviUia so- 
cialis, Mgaciles, Mgophoria vulgaris v. Schl. 8p., Lima 
striata v. Schl. sp., Anomia, Ostrea, Chemnitzia t .70 

Die Terebrateln treten in diesem Profil in einer geschlos- 
senen Zone auf, die eine Mächtigkeit von 2,n m erreicht. Ceratites 



Ol 

a 
1 

Ol 



— 



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und seiner Umgebung. 



21 



setnipartitus fand eich in einem kleinen Exemplar 5,is m unter 
derselben. Eine auffallende Bank ist Bank a mit den zahlreichen 
Steinkernen und Hohlformen von Qervillien und grossen Myopho- 
rien; dieselbe liegt 6,43 m unter der Terebratelzone. Die Hohl- 
räume sind meist mit Kalkspathkryetällchen ausgekleidet Die 
Myophorienkerne gehören wahrscheinlich zu Myophoria laevigata 
v. Alb. 

Nahe dem Kirchhof von Waeseinheim sind die obigen 
Schichten wieder aufgeschlossen, und zwar beträgt die Terebratel- 
region 1,95 m; Ceratites setnipartitus wurde hier innerhalb derselben 
getroffen. Ausserhalb der Kartengrenze bei Nordheim befindet sich 
endlich noch ein Steinbruch im obersten Muschelkalk, in welchem 
neben Terebralula vulgaris (in einer 1,5« m mächtigen Bank) die 
für den unteren Keuper charakteristische Myophoria Goldfussi 
v. Alb. vorkommt. Austernstöcke, welche in Lothringen in weiter 
Verbreitung gerade in der Tcrebratelregion auftreten, fehlen in 
sämmtlichen Aufschlüssen, kommen aber in der nächstfolgenden 
Abtheilung vor. 

Verstei neru ngen . 

Terebralula vulgaris V. ScilL. sp. 
Myacites musculoides V. Sohl. 
Myaciies elongalus V. Schl. 
Corbula dubia v. M. 
Nucula cf. Goldfussi v. Alb. 
Nucula sp. 

Myophoria laevigata v. Alb. 
Myophoria ovata Goldf. 
Myophoria vulgaris V. Schl. sp. 
Myophoria Goldfussi v. Alb. 
Lucina Schmidt Gein. sp. 
? Gervillia mytiloides v. SCHL. sp. 
Gerviüia socialis v. St'HL. sp. 
Gervillia subcostata GoLDF. sp. 
Gervillia substriata Credn. 
Mytilus Mülleri Gieb. 



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J. Vaibhtih. Die Geologie des Kronthal» i. E. 



Mytilu» vetttstm Goldf. 
Lima striata v. Sohl. Bp. 
V Pecten Albertii Goldf. 
Pecten discites V. Schl. sp. 
Pecten laevigatw V. ScHL. sp. 
Anomia alta Gl KB. 
Placttnopsis gracilis Gl KB. 
Ostrca ostracina v. Schl. sp. 
0*trea complicata GoLDF. 
Natica gregaria V. SCHL. sp. 
CeratiUa nodoaus Bruo. 
Cer«U'<M temipartitus v. B. 

Keuper. 

Der Keuper zerfällt in den unteren, mittleren und oberen 
Keuper. 

Unterer Keuper. 

Den unteren Keuper beginne icb im Anschluss an die Auf- 
fassung auf der geologischen Specialkarte von Elsass-Lothringcn 
mit den dolornitischen Schichten, welche Uber den Terebratelbän- 
ken des Nodosuskalkes folgen, so dass im Ganzen im unteren 
Keuper drei Abtheilungen unterschieden werden können : die dolo- 
mitische Region, die bunten Mergel und der Grenzdolomit 

Der untere Keuper ist in dem Gebiet der Karte auf eine 
geringe Ausdehnung beschränkt Die oben charaktcrisirten Relief- 
verhältnisse sind in dem nördlich von Wasselnheim gelegenen 
Gebirgsstück deutlich ausgeprägt Iiier lagert am linken Stcil- 
gehänge des Heiligenbaches über den Terebratelbänkcn des Nodo- 
suskalkes die dolomitische Region; auf dem Plateau folgen die 
Mergel der Lettcnkohle, an deren oberer Grenze man Brocken 
eines äusserst fossilreichen Dolomits (Grenzdolomit) findet Im 
Gegensatz zu diesem normalen Verhalten erscheint der untere 
Keuper am Fusse des Mariebergs mit starker Böschung, die aber 
offenbar nur durch die Steüstellung des ganzen Gebirgsstückea be- 
dingt ist. 



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und seiner Umgebung. 



23 



Die dolomitische Region besitzt die grösste Verbreitung 
auf der Höhe des Durrenbergs. Von Komansweiler aufsteigend 
trifft man dicke Bänke mit Myophoria Goldfussi v. Alb., nach- 
dem man in den Weinbergen die leicht kenntlichen Bänke mit 
Terebratula vulgaris aus dem obersten Muschelkalk Uberschritten 
hat. Etwas höher liegen in einer Anzahl Brüche Gesteine, die 
besonders reich an Schalentrllmmern sind. Keine Schalenbreccien 
kommen nahe dem Funkt 304,7 der Karte neben schaumigen Do- 
lomiten und blaugrauen, gelbgebänderten Kalken, welche letztere 
viele Abdrucke von Myophoria Goldfussi enthalten, zu Tage. Die 
schaumigen Dolomite, die sich auch am Wangenberg finden, sind 
denen im unteren Muschelkalk potrographisch sehr ähnlich, unter- 
scheiden sich aber von diesen durch weniger ebene Plattung. Bei- 
läufig sei erwähnt, dass bei Singrist (ausserhalb des Kartenblattes) 
ausschliesslich von Ostrea ostracina erfüllte Knollen in dieser Ab- 
theilung gefunden wurden. Die Schale dieser kleinen Auster ist 
hier verwittert, während sie sonst meist erhalten ist 

Ein grösserer Aufschluss in dem Dolomit des unteren Keupers 
ist in einem Bruche gegeben, welcher unmittelbar Uber den er- 
wähnten Brüchen im Nodosuskalk an der Strasse von Wasselnheim 
nach Hohengöft liegt Hier ist von oben nach unten entblösst: 

Kalk, dicht bis körnig, grau bis gelb, bituminös, mit stein- 



kernen von Myophoria Gold/ttssi 0,»5 m 

Kalk, blaugrau, mit rostbraun gefärbten Hohlformen und Stein- 
kernen ton Myophoria Gold/, und mit Gastropodenkernen . O.io 

Kalk, biaugrau. mit Myoph. Gold/., Natica 0,30 

Kalk, hart, röthlich, mit Bleiglanz, sehr reich an Myoph. 
Gold/., GtrviUia subcoslata, Trigonodus Saiulberyeri , Mya- 

citen. Chemnilzia oblila, ChemniUia sp O.io 

Kalk, röthlich, mit grossen und kleinen Exemplaren von Myoph. 

Gold/., und Myaciten 0,r. 

Kalk, bräunlich, dicht bis körnig, vertikal »erklonet 0,00 

Kalk, röthlich, mit Myoph. Gold/- und Myacites, dünnbankig. . 0,40 

Kalk, hellröthlicb, mit Myacites, kliugeud 0,45 

Im Liegenden Kodosuskalk. 



Versteinerungen. 
Lingula tenuissima Bronn. 
Myophoria Goldfussi v. Alb. 



J. Valf.xtin. Die Geologie doB Kronthak i. E. 



Myophoria vulgaris SciIL. 
Corbula gregaria Mnst. 
Myacites sp. 

Myoconcha ga&trochaena Dunk. sp. 

Trigonodm Sandbergeri Alb. 

Anoplophora lettica Qu. sp. 

Gervillia cottata Schl. sp. 

V Gervillia socialis SciIL. sp. 

Gervillia subcostata Ooldf. 

Lilhodomtu rhomboidale Seeb. 

Chemnitzia obUta GlEB. 

Chemnilzia sp. 

Naiica »pirata Sc HL. sp. 

Zähne von Acrodus Gaillardoti Agass. 

Knochenreste. 

Die bunten Mergel haben zwischen Marlenheim und Nord- 
heim ziemlich ausgedehnte Verbreitung, treten aber nur an verein- 
zelten Stellen zu Tage, da sie von mächtigem Gehängeschutt bedeckt 
sind. Ein guter Aufechluss findet sich dagegen unweit der westlichen 
Kartengrenze in dem Eisenbahncinschnitt bei Maursmunster ; die 
dort beobachtete Schichtenfolge, die Benecke 1 nach den Auf- 
nahmen von Weigand mittheilt, darf wegen der unmittelbaren 
Nähe auch als Beispiel der Entwickelung der bunten Mergel in 
unserm Gebiet angesehen werden. Die Hauptmasse bilden hier 
wie dort bunte Mergel und schwarze Schieferthone ; unter den 
blauen, grünen und gelben Farben der ersteren ist ein kräftiges 
Blaugrlln charakteristisch, das mir in höheren Schichten des Keu- 
pers nicht wieder begegnet ist Feste Bänke, wie kleinkörnige 
weisse bis grünliche Sandsteine oder gelbe und braune Dolomite 
mit Lingula tenttissima kommen nur untergeordnet vor. 

Die Versteinerungen liegen meistens in den Schieferthonen, 
z. B. zwischen Krastatt und Hohengöft (Steinkerne und Abdrücke 
von Gervillien und Myophorien sehr häufig) und zwischen Wasseln- 
heim und dem Galgen-Berg (Eatheria minuta). 

1. BiNECkt, lieber die Trias, S. 631. 



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und seiner Umgebung. 



25 



Versteinerungen. 

Lingula tenuissima Bkonn. 
Myophoria Goldfussi Alb. 
Myophoria cf. Struckmanni 8tk. 
Myophoria sp. 
Myacites brevis ScilAUK. 
Anoph/phora lettica Qu. 
Gervillia subcostata Oldf. 

Die Erkennung des Grcnzdolomits ist wegen Beiner Aehn- 
lichkeit mit den Gesteinen der dolomitischen Region und wegen der 
wenig verschiedenen Entwickelung der darunter und darüber fol- 
genden bunten Mergel nur bei guten Aufschlüssen möglich. Ein 
durch die Auflagerung auf bunte Mergel — unter der dolomitischen 
Region fehlen solche vollständig — als Grenzdolomit gekennzeich- 
neter klotziger eisenreicher Dolomit steht zwischen Marlenheim 
und der Kapelle am Marieberg an. Ferner mues der bereits er- 
wähnte fossilreiche Dolomit nördlich von Wasselnheim durch seine 
Lagerung Uber den bunten Mergeln als Grenzdolomit angesehen 
werden. 

Versteinerungen. 

Lingula tenuissivia Bronn. 
Myophoria elegans Dunk. 
Myophoria GoUlfuasi Alb. 
Myophoria vulgaris SCHL. 
Myoconcha cf. lliiellaui iScHL. sp. 
Myoconcha gastrochaena Dunk. 
Trigonodus Sandbergeri Alb. 
Gervillia costata SUHL. 
Gervillia sp. 

Mytilus Quenttedli GiEB. 
Anomia sp. 

Ostrea ostracina ScHL. 
Natiea spirata SCBL. 
Chemnitzia sp. 



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26 



J. Valentik. Die Geologie des Kronthab i. E. 



Mittlerer Kcuper. 

Die Schichten zwischen Grenzdolomit und Rhät gliedern sich 
nach Benecke 1 in Elsass-Lothringen in 

1. untere bunte Mergel mit Gyps (Salz- oder Gypskeuper). 

2. Schilfsand8tein (in demselben oder in der Nähe Kohle). 

3. Mergel. 

4. Hauptsteinmergel. 

5. Rothe Mergel. 

6. Obere Steinmcrgcl und Mergel bis zum rhätischen Sandstein. 
Die Abtheilung der unteren bunten Mergel entspricht dem 

rechtsrheinischen Gypskeuper, doch fehlen die bis jetzt dort nach- 
gewiesenen Petrefactenbänke. Der Sandstein ist das Aequivalent 
des Schilfsandsteins in Schwaben, während der darüber folgende 
plattige Dolomit (Hauptstcinmergel Beneckb), der bereits von 
E. de Beaümont in Lothringen ausgeschieden wurde und als 
Horizont Beaümont's bekannt ist, eine Eigentümlichkeit dos 
reichsländischen Keupers darstellt. Im Elsass zwar tritt der Haupt- 
steinmergel auffallend in den Hintergrund im Vergleich zu Loth- 
ringen, aber er fehlt nicht ganz, wie die Aufnahmen von Benecke 
bei Molsheim gezeigt haben und einigo Aufschlüsse unseres Ge- 
bietes bestätigen. In dem unmittelbaren Hangenden des Haupt- 
steinmergels liegen im Elsass wie in Lothringen zellige Dolomit- 
knauer (crapauds der französischen Geologen). Die rothen Mergel 
entsprechen der rothen Wand von Fkaas. Darüber folgt, den 
Schluss des mittleren Keupers bildend, der Stcinmergelkeuper, der 
sich von den Schichten Uber der schwäbischen rothen Wand durch 
das Fehlen der Sandsteine und das Vorherrschen der Steinmergel 
unterscheidet Unten im Stcinmergelkeuper liegen fossilführende 
Bänkchen. Gyps findet sich, wie Benecke betont, in allen Ab- 
theilungen des mittleren Keupers. 

Der Salzkeuper stellt eine ungefähr 60 m mächtige Ab- 
lagerung von bunten Mergeln dar, die auch hier, wie im Allge- 
meinen in Elsass-Lothringen, durch dunklere Färbung gegenüber 
den jüngeren Keupermergeln ausgezeichnet sind. Steinsalz ist im 



1. Benecm, lieber die Trias, S. 637. 



und seiner Umgebung. 



Elsas8 im Salzkcuper nicht bekannt, dagegen sind Gypseinlage- 
rungen sehr häufig. Bei Ballbronn und Flexburg erreichen sie 
bedeutende Mächtigkeit und finden sich auch wieder nordwestlich 
vom Wangen- und Marieberg bei Willgottheim. Eine verschüttete 
Grube liegt am Osterberg südlich von Wangen. Von festen Bänken 
treten in den Mergeln Steinmcrgelbänke nur untergeordnet auf, 
dagegen sind besonders für die oberen Schichten des Salzkeupers 
bunte Kalkspathbänkchcn (z. B. Hohlweg von Hohengöft nach 
Krastatt) charakteristisch und können mitunter für die Unter- 
scheidung des Salzkeupers gegen die höheren Schichten mit Vor- 
theil benutzt werden. 

Ueber die Schichtenfolge im Schilfsandstein gibt nach- 
stehendes Profil, das am Wege von Krastatt nach Hohengöft beob- 
achtet wurde, Aufschluss: 

Grauer, sandiger Schieferthon mit untergeordneten Sandsteiu- 



bänkchen und undeutlichen i'flanzenrestcn 0,45111 

Grobkörniger, grüngelber Sandstein, reich an schlechten 

Resten von Plerophyltum, Bjuisetum und Farnen. . . . 0,45 

Schieferthone 0,55 

Sandstein 0,ao 

Schieferthon 0,u 

Sandstein 0,*> 

Schieferthon O.os 

Sandstein O.os 

Schieferthon 0,05 

Grobkörnige grüngelbe Sandsteine mit Pflauzenresten, Braun- 

eiseusleinscbnüren und Adern O.iu 

Im Liegenden Salzkcuper. 2,30 in 



Ausser an dieser Stelle wurde Schilfsandstein am Woge von 
Krastatt nach Hohengöft nordöstlich von Wasselnheim und am 
Kalkberg westlich von Wangen anstehend beobachtet Der Keuper- 
sandstein, der sich südlich von der Kartengrenze um Ballbronn 
herumzieht, führt stellenweise eine schlechte Kohle. Auch die 
Kohle, welche Graffenaueb' von Wasselnheim und Hohengöft 
erwähnt, gehört wahrscheinlich diesem Horizont an. 

Der Schilfsandstein erreicht nur geringe Mächtigkeit und 
dürfte 5 m kaum übersteigen; vielfach keilt er ganz aus. 



I. GnAFFENAUER, Essni d'unc mineralogie economico-technique des dep. du 
Haut- et Bas-Rbin, Strasbourg 1806, S. 142. 



28 



J. Valentin. Die Geologie de» Kronthals i. E. 



Auf den Schilfsandstein folgen einige Meter grüne und 
rothe Mergel, welche «ich nur dann vom Salzkeuper scharf trennen 
lassen, wenn der Sandstein dazwischen entwickelt ist; wo letzterer 
fehlt, sind sie auf der Karte ihrer Mächtigkeit entsprechend ein- 
getragen worden. 

Für den Hauptsteinmergel und die rothen Mergel ist 
ein Strasseneinschnitt zwischen Westhofen und Wangen von Wich- 
tigkeit. Das dort aufgeschlossene Prolil ist folgendes: 

Profil an der Str 

Von obeu nach unten: 



Mergel, graugrün O.so 

Steinmergel, weiss, dicht O.so 

Mergel, grün O.oi 

Steinmcrgcl, körnig 0,05 

Steinmergel, eine Bank, thcils dicht, thcils körnig, im 
lelztcren Fall roll von Schalenresten (Cordula keupe- 

rinn, Natten) 0,1* 

Mergel, graugrün, trübvioletl 0,65 

Steinmergel, grau, dicht, polyedrisch zerfallend .... 0,40 

Mergel, grünlich, zum Thcil blauschwarz 0,ih 

Steuimcrgel, dicht, weisslich-grün 0,12 

Mergel, blauroth, untergeordnet blaugrün 1,5» 

Steinmergel, hellgrau 0,i* 

Mergel, trübroth 0,oe 

Mergel, zicgelroth, mit gauz untergeordneten hell- 
grünen Einlagerungen ?,oo 



& 



— 



I 
a 



a> 9 8 
ja fco 
— E © 
o u o 

« sa 



Flattenmergcl, hellgrün und röthlich l.oo j ^-53 

Steinmergel, grünlich, in Bäukchen von 0,01- 0,u3 . . . 0,7:. J =: & 



Crapauds (verrutscht'/). ) & ■ 

Da der Stcinmergelkeuper einerseits und die Crapauds (viel- 
leicht etwas verrutscht) andererseits Uber die zwischen beiden 
lagernden Schichten orientiren, darf man die rothe Mergellage 
von 2 m als das allerdings wenig mächtige Aequivalent der Ab- 
theilung der «rothen Mergel» auffassen und den plattigen Stein- 
mergel als Hauptsteinmergel ansehen. Letzterer stimmt in seinem 
petrographischen Habitus vollständig mit dem lothringischen Haupt- 
steinmergel und bildet die nördliche Fortsetzung des bei Hallbronn 
von Benecke in demselben geologischen Niveau nachgewiesenen 
Plattenmergels. Bei Ballbronn ist auch noch der Schilfeandstein 
im Liegenden entblösst 



t 



(i.9o m 



O.io 



und seiner Umgebung. 29 

In obigein Profil enthält der Steinmergelkeuper eine Fossil- 
bank mit Corbula keuperina und mit Natica, die 2,77 m über den 
« rotben Mergeln» liegt; mehrere fossilreiche Bänkchen stehen in 
folgendem Profil am Kalkberg westlich von Wangen an : 

Von oben nach unten : 

Steinmergel, grau, dicht 0,.io 

Thon, grün, schiefrig, mit untergeordneten Steimnergeln 0,«o 
SliMnmergelbank, stellenweise gelb und eisenreich, fast 
nur aus Steinkernen bestehend, besonders von Corbuta 
keuperina mit Perna keuperina und schlechten 

Steinkernen von Safica 0,io 

Sieinmergelbank , breccienartig 0,io \ 

Steinmergel, zum Theil dicht, zum Theil zellig, mit I 

Kalkspathdrusen 0,w> i ,3H 

.Steinmergel 0,os J 

Steinmergel , roll von Resten toij Fischschuppen , mit j 
undeutlichen Steinkernen Ton Nafica und Zwei- 0,06 

schalern 0,oe ) 

Steinmergel , homogen 0,07 

Steinmergcl, desgl O.io 

Thon, grün 0,o5 

Steinmergel, dicht, grau O.is 

Thon, graugrünlich, polyedrisch zerfallend oder schiefrig I,oo ) 

Steinmergel, grau, dicht O^o i 

Thon, blaugrau, polyedrisch 0,i5 

Steinmergel, im unteren Tbell mit GerOIlen 0,so 

Thon, blaugrün O.os 

Steinmergel, körnig, zum Theil oolithisch, mit Baryt in 

kleinen röthUcben KrystÄllchen, mit Natica turbilina O.io 

Steinmergel, dicht 0,so O^o 

Steinmergel, breccienartig, mit .Va//Crt-Kcrnen 0,»o O.ao 

Die tiefe Lage der Fossilbank in dem Profil an der Strasse 
von Westhofen nach Wangen (Uber die [Lage der Petrefakten- 
bänke am Kalkberg lilsst sich nichts aussagen), sowie die Ueber- 
lagerung der Gastropodenbänke durch eine Bank mit Corbula 
stimmt mit den Beobachtungen an anderen Punkten des Elsass 
überein'. 



0,10 



1. Bkneckk, lieber die Trias von Elsass-Lothringen und Luxemburg. Abh. z. geol. 
Speziaik. von Klsass-Lotbringen. Bd. I, Heft IV, p. 652-053. 

Correcturbemerkung : Die Arbeit von H. Tiiü»ach, öebersicht über die Glied erung 
des Keuper* im nördlichen Franken im Vergleich zu den benachbarten Gegenden (2. Theil), 
Cassel 1880, konnte nicht mehr berücksichtigt werden. 



30 J. Valentin. Die Geologie des Kronthals i. E. 

Versteinerungen. 

Corbula keuperina Qu. sp. 
Anoplophora dubia v. Alb. 
Ferna keuperina Blank. 
Nntica turbilina v. M. 
Amauropsis arenncea Fkaas sp. 
Turbonilla gracilior GiEB. 
Fischschuppen und Zahnreste. 

Oberer Keuper. 

Während in Württemberg im allgemeinen die Liaskalke un- 
mittelbar auf dem Rhätsandstein auflagern, ist für Elsass-Lothringen 
das konstante Auftreten rother Thone unter den ersten Kalkbänken 
charakteristisch. Da die rothen Farben stets nur unter den Lias- 
kalken auftreten, so werden die durch sie bezeichneten Thone 
noch zum Keuper gezogen und im oberen Keuper demnach die 
beiden Abtheilungen des Rhätsandsteins und der rothen Thone 
unterschieden. 

Rhätsandstein ist auf dem sich zwischen Hohengöft und 
Waaseinheim hinziehenden Keuperrücken bei Punkt 284,4 der 
Karte durch den Weg angeschnitten, und zwar ist es ein gelber 
bis grauweisser, rauh anzufühlender, dünnbankiger Sandstein. Er 
erreicht eine Mächtigkeit von etwa 10 m. Den Uebergang zu dem 
Steinmergelkeuper scheinen etwas dickbankigere, ungefähr 0,is m 
mächtige Sandsteine von hellrüthlicher bis bläulichweisser Farbe 
zu bilden, welche unter den dünnbankigen gelben Sandsteinen 
und Uber den obersten Mergeln des mittleren Keupers liegen ; sie 
sind sowohl auf der Höhe in den Weinbergen, als auch an der 
Strasse nach Hohengöft (nahe Punkt 240,s) aufgeschlossen. 

In dem dünnbankigen Rhätsandstein fand ich einzelne un- 
deutliche kleine Zweischaler- (Myaciten-) Kerne. Die Ueberla- 
gerung des Sandsteins durch die fetten, ungefähr 10 m mächtigen 
rothen Thone ist an dem Westabhang des Güftberges gut zu 
erkennen. 



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und seiner Umgebung. 



31 



Lias. 

Der Lias ist auf das muldenförmig gelagerte Stück westlich 
vom Göftberg beschränkt 1 . 

An der Zusammensetzung desselben betheiligen sich die Psi- 
lonotenschichten, der Angulatenkalk und die Arietenkalke. Der 
Angulatenkalk, welcher in mehreren kleinen Brüchen aufgeschlossen 
ist, kommt in den Weinbergen sandigverwittert zu Tage; im 
übrigen stimmt die petrographische Entwickelung des unteren Lias 
mit der von anderen Punkten des Elsass überein. 

Versteinerungen. 

Petita er inns tuberculatu» Müll. 
Cidaris psilonoli Qu. 
Cidaris arietis Qu. 
Spiriferina tumida Bucn sp. 
Rhynchonella belemnitira Qu. sp. 
Terebratula [Zeüleria] perforata PiETTE. 
Lima gigantea Desh. 
Lima pectinnides Sow. 
Lima punctata Ziet. 
Ostrea irregularis MüNST. 
Gryphaea arcuata LaMCK. 
Pleurotomaina sp. 

Psiloceras ptriloiwtum plicatum Qu. 
Schlotheimia angulata SUHL. sp. 

Bohnen. 

In den Spalten des Trochitenkalkes der grossen Brüche nord- 
westlich von YVasselnheim trifft man Bohnerzablagerungen, welche 
im wesentlichen aus Braunoisensteinkugcln von ungefähr 5 mm 
Durchmesser bestehen. Ein festes Conglomerat, welches aus Bohn- 
erz und eckigen Kalkbrocken bestand, fand ich verschleppt an 
der Strasse von Hohengüft nach Wasselnheira. 

I. Es sei hier erwähnt, dass ausserhalb der Kartengrenze unterer Lias, wahr- 
scheinlich allseitig durch Verwerfungen begrenzt, am Südwestende ton Westhofen an- 
steht, der auf der Karte von Dauiukk nicht verzeichnet ist. 



32 



J. Valektik. Die Geologie des Kronthals i. E. 



Diluvium. 

Die diluvialen Ablagerungen haben in der Umgebung von 
Wasselnheim eine ganz ausserordentliche Verbreitung. Die ältesten 
Bildungen sind Qeröllanschwemmungen. In ihnen liegen an der 
westlichen Grenze des Kartengebietes auf der rechten Mossigscite 
grosse Gruben. Unter ungefähr f) m Lehm folgt in denselben eine 
mächtige Anhäufung von Geröllen von Vogesensandstein, Conglo- 
merat, Quarz und Quarziten sowie Quarzporphyr (letztere Gerölle 
vereinzelt) untermischt mit Sand. Auf der linken Mossigscite in 
einem der Brüche liegt Uber dem Voltziensandstein eine mächtige 
Gerölllage, zweifellos ein kleiner Rest einer ausgedehnten Decke. 
Des weiteren kommen Geröllschichten oberhalb Brechlingen, so- 
wie am Eiskeller bei Wasselnheim zum Vorschein. 

Ueber den Gerollen liegt Lehm, der unter anderen die 
mächtigen Terrassen bildet, welche in der Wa&selnheimer Niede- 
rung am Elschberg bis 60 m über die Thalsohle hinaufreichen. Er 
ist zum Theil kalkhaltig, zum Theil kalkfrei (entkalkt) und führt 
hie und da sehr reichlich Gerölle (Strasse von Westhofen nach 
Kirchheim, nahe bei Kirchheim). 

Die diluvialen Absätze am Galgenberg, Durrenberg und an 
dem Abhang des Heiligenbachthals glaube ich mit einigen Auf- 
schlüssen in Verbindung bringen zu müssen, welche bei Wasseln- 
heim und am Marieberg liegen. Der Kalkgehalt schwankt in letzteren 
Ablagerungen; durchweg trifft man vereinzelte Gerölle und, was 
die Hauptsache ist, ab und zu Lössfossilien. Grössere Ausdehnung 
besitzen Ablagerungen, welche durch das Vorkommen von Fossilien 
als Lö88 Charakteristik sind (Galgenbcrg, Durrenberg, Heiligenbach- 
thal, Altenberg, Marieberg). 

In der Lehmgrube bei dem Kirchhof von Wasselnheim steht zu 
oberst ein kalkfreier dunkler Lehm mit einzelnen Gerüllen an; ohne 
scharfe Grenze liegt darunter ein kalkhaltiger gelber Lehm mit 
Succinea oblonga. Daneben kommen so sandige Lagen vor, dass 
der Sand gewonnen werden kann. 

In der Grube am Marlcberg sind 7 m einer Ablagerung auf- 
geschlossen, die aus grobem oder zart anzufühlendem, dunkelem oder 



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uud seiner Umgebung. 



33 



hellerem, kalkfreiem und kalkhaltigem Lehm ohne Schichtung 
besteht Vereinzelte kleine weisse Kiesel findet man hier und da 
in dem Lehm; in der westlichsten Ecke des Bruches kommen 
typische Lösskindel und reichlich Schnecken, nämlich Helix his- 
pida und Pupa muscorum vor. 

Es ist zu vermuthen, dass äquivalente Bildungen des Sand- 
lösses, der von Schumacher in der Rheinebone ausgeschieden 
wurde, auch weiter nach Westen im Gebirge vorkommen. Viel- 
leicht deutet der Sandgehalt, welchen wir in einigen der Auf- 
schlüsse in der Umgebung des Kronthals treffen, darauf hin, dass 
hier diese Bildungen vertreten sind. 

Alluvium und Geüängeschutt. 

Die ausgedehnten alluvialen Ablagerungen des Mossigthalcs 
sind einer näheren Untersuchung ohne Bohrungen nicht zugängig. 
Erwähnt sei hier nur eine kleine Aulehmbildung oberhalb Brech- 
lingen, welche zahlreiche Schnecken führt. Als alluviale Bildungen 
sind ferner Schuttmassen zu betrachten, welche hier und da mehrere 
Meter Mächtigkeit besitzen und auf der Karte ausgeschieden wurden. 

Grösseres Interesse bietet durch ihre bedeutende Entfernung 
von dem Anstehenden eine Sandstein- und Conglomeratschuttmasse 
westlich von dem Dorfe Wangen. Sie ist nahe dem « Hungerthurm » 
mit einer ungefähren Mächtigkeit von 3 — 4 m am Wege entblösst 
Das Material besteht ohne jede Schichtung oder Sonderung aus 
eckigen Blöcken von Buntsandstein und Conglomerat, welche 
mehrere Kubikmeter gross werden, und aus grobem Sand. Am 
leichtesten wird sich die grosse Entfernung, bis zu welcher der 
Schutt hier vordringt, durch die Annahme erklären, dass er auf 
der geneigten mergeligen Unterlage abwärts gleitet 

Eine mehrfach beobachtete Erscheinung im Gebiet des mitt- 
leren Muschelkalks ist das Vorkommen von meist sehr unregel- 
mässig gelagertem Trochitenkalk innerhalb des Zellenkalks. Ich 
habe für diese Stellen keine Verwerfungen angenommen, sondern 
die auf derartige Vorkommnisse vielfach angewendete Deutung 
vorgezogen, dass Erdfälle stattgefunden haben, indem der Trochiten- 
kalk in die zelligen ausgelaugten Gesteine eingebrochen ist 

3 



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34 



J. Valentin. Die Geologie de« KronthaU i. E. 



Tektonische Verhältnisse. 

Ueberblickt man auf einer geologiechen Karte, am besten 
derjenigen von Daubree im Massstab 1 : 80000, das Gebiet der 
Vogcsenhügel zwischen Molsheim und Zabern, 60 fällt das isolirte 
Auftreten mehrerer Buntsandsteinmassen entfernt von dem Gebirge, 
mitten in jüngeren Bildungen als eine besondere Erscheinung in 
die Augen. Solche Sandsteinmassen zeigen die Berge nördlich und 
südlich von Mutzig, die Abhänge der Hügel bei Sulzbad und die 
auf den vorhergehenden Seiten oft genannten, das Kronthal ein- 
schliessenden Berge. 

Dass Daubree die Sandsteinschichten in der Umgebung des 
Kronthals als Reste eines Gewölbes ansah, erwähnte ich oben. 
Die Untersuchung des geologischen Aufbaues des auf der Karte 
dargestellten Gebietes hat aber ergeben, dass Aufwölbungen nir- 
gends vorkommen, dass es sich vielmehr Uberall um ein Absinken 
an Spalten bandelt, und dass die Sandsteinmassen stehen geblie- 
bene Rücken und Pfeiler darstellen, welche den sie umgebenden 
Bildungen gegenüber eine Rolle spielen, derjenigen der Bunt- 
sandsteinvogesen gegenüber dem Vorlande im Rheinthal ver- 
gleichbar. 

Ein Verfolgen der Spalten über unser Gebiet hinaus lässt 
dann weiter erkennen, dass dem Verlauf derselben eine gewisse 
Gesetzmässigkeit zu Grunde liegt, und dass* die Anordnung der 
einzelnen Gebirgsstücke nicht ganz so regellos ist, als es beim 
ersten Anblick des bunten Bildes der geologischen Karte scheint 

Die eigenthümliche Form des Wangenbergs beruht auf seinem 
steilen, südöstlichen und nordwestlichen Abfall. Der Anblick der 
Steilgehänge des Berges von Wangen oder Wasselnheim lässt 
schon vermuthen, dass tiefgreifende Störungen die Ursache dieser 
Gestaltung sind. Ganz andere Verhältnisse beobachten wir gegen 
Nordost. Jenseits des tief eingeschnittenen Kronthals, von dem wir 
als lediglich durch Auswaschung hervorgebracht abschen können, 
setzt Bich der Wangenberg in dem Marlenberg und Göftberg in 
nahezu gleicher Höhe fort, und es wird so der Anfang jenes auf- 
fallenden, das ganze Gebiet zwischen Strassburg und Zabern be- 



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und »einer Umgebung. 



35 



herrschenden Höhenzuges bezeichnet, der weiterhin den Kochers- 
berg trögt und zwischen Hochfelden und Waltcnheim die Zorn 
erreicht. 

Dieser Landrücken ist auch im geologischen Sinne ein 
Rücken. Seine nordwestliche und seine südöstliche Begrenzung 
werden durch Verwerfungen gebildet, welche die Fortsetzungen 
der Steilgehänge des Wangen-, Marie- und Göftbergs darstellen. 
Auf der Südostseite liegt Oolith des Doggers bei Nordheim, Ittlen- 
heim und Avenheim am Fuss des Muschelkalkgehänges, auf der 
Nordwestseite steht Keuper und Lias im niederen Lande gegen- 
über dem aus Muschelkalk aufgebauten Göftberg an. Noch weiter 
gegen Nordost sind die Verwerfungen zu beobachten. Wir wollen 
auf diese ausserhalb unserer Karte liegenden Gebiete nicht näher 
eingehen und uns auf die Angabe der Thatsache beschränken. 

Wenden wir uns vom Wangenberg nach Sudwesten, so lassen 
sich die Verwerfungen auch nach dieser Richtung verfolgen. Ent- 
sprechend der nach Südwesten gerichteten Zuspitzung des Wan- 
genbergs convergiren sie aber und vereinigen sich in geringer 
Entfernung östlich vom Kalkberg. Die östliche Verwerfung läuft 
allein weiter und ist bis an den Seelenberg beobachtet worden. 
Ihre Richtung weist, wie Daubree bereits angab, auf eine von 
Oberhaslach herkommende Spalte, welche nach einer gefälligen 
Mittheilung von Herrn Professor BüCking an einer südnördlich 
laufenden, von Oberhaslach bis Uber Zabern hinaus beobachteten 
Spalte absetzt. 

Von dem genannten Seelenberg aus zweigt sich eine weitere 
Spalte von grösserer Erstreckung nordwestlich von den vorher- 
genannten ab, welche nach Brechlingen läuft und jenseits dieses 
Ortes in nordöstlicher Richtung durch die Angrenzung des unteren 
Lias gegen die rothen Mergel des Keupers zwischen Ilohengöft 
und Krastatt bezeichnet ist. Es ist noch festzustellen, ob eine Ver- 
werfung zwischen unterem und mittlerem Lias bei Gingsheim mit 
derselben in Beziehung zu setzen ist 

Wir sehen also aus der Gegend von Oberhaslach, einem 
Orte, der an der gewöhnlich als Rheinthalspalte bezeichneten Spalte 
liegt, Brüche von längerer Erstreckung divergirend, doch mit im 



36 



J. Valentin. Die Geologie des Kronthals i. E. 



allgemeinen nordöstlich gerichtetem Verlauf ausstrahlen, welche 
keilförmige Oebirgsstücke einschliessen. Das auffallendste ist der 
mit dem Wangenberg beginnende, oben näher geschilderte Rücken. 

Demselben liegt gegen Südosten eine ausgedehnte Graben- 
versenkung vor, die besonders durch die grosse, noch theilweise 
auf unser Kartengebiet fallende Keuperniederung, in deren Mitte 
Ballbronn liegt^ auffallend wird. Die durch Oolith vorkommen an- 
gezeigte nordwestliche Begrenzung derselben wurde oben ange- 
geben, die südöstliche ist angedeutet durch die Ruine eines Sand- 
steinrückens, welcher durch den Einschnitt des Mossigthals bei 
Sulzbad freigelegt worden ist. Auf der Nordwestseite des Rückens 
liegt ein anderer Graben, den man als Wasselnheimer Graben 
bezeichnen könnte. Er erhält seine nordwestliche Begrenzung 
durch den Bunteandstein bezw. Muschelsandstein des Oedenwaldes 
längs der genannten durch Brechlingen laufenden Spalte. 

Keine der vielen auf unserer Karte verzeichneten Spalten in 
anderer Richtung kommt an Längserstreckung auch nur annähernd 
denen gleich, welche die eben eingehender besprochenen Rücken und 
Gräben trennen. Deshalb, und weil durch sie eine das Gebiet beherr- 
schende tektonische Gliederung bedingt wird, bezeichnen wir sie als 
Hauptspalten. Es braucht kaum hervorgehoben zu werden, dass diese 
Bezeichnungsweise zunächst nur für unser wenig ausgedehntes 
Gebiet Geltung haben kann. Unsere Ilauptspalten können, wenn 
ein grösseres Areal ins Auge gefasst wird, zu Nebenspalten werden. 

Wenn wir im Vorhergehenden schlechtweg von Hauptver- 
werfungen sprachen, so sollen damit nicht gleichartig fortlaufende 
Spalten bezeichnet werden, längs denen dann die Gebirgstheile 
niedersanken, sondern Reihen oft im Winkel an einander stossen- 
der oder auch parallel staffelartig neben einander liegender Brüche, 
die in ihrer Gesamratheit Veranlassung einer Verschiebung der 
Gebirgstheile in gleichem Sinne sind und auch gleichartige Wir- 
kung hervorbringen. Der Ausdruck Bruchzone wäre in einzelnen 
Fällen anwendbar. 

Man betrachte beispielsweise auf der Karte die südöstliche 
Hauptverwerfung. Dieselbe verläuft in geschwungener Linie vom 
Seelenberg bis westlich Wangen, dann wendet sie sich schwach 



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und aeiner Umgebung. 



37 



nach Osten, um nach mehrfachen Störungen durch Einbrüche 
ziemlich geradlinig nach Nordosten zu verlaufen. Während stück- 
weise die Grenze zwischen stehen gebliebenem und gesunkenem 
Theil sehr scharf ist, wie auf der Strecke westlich von Wangen 
und nordöstlich von Marlenheim, sind zwischen beiden durch 
sekundäre Störungen solche Unregelmässigkeiten hervorgebracht, 
dass, wenn nur diese Stelle der Beobachtung zugänglich wäre, das 
Vorhandensein eines lang sich hinziehenden tektonischen Rückens 
nicht zu folgern wäre. Aehnliche Unregelmässigkeiten zeigen die 
beiden anderen Hauptspalten an mehreren Stellen. 

Gegenüber diesen Hauptspalten treten nun eine grosse Menge 
sekundärer Spalten auf, über die sich kaum etwas Allgemeines 
sagen lässt. Dieselben folgen keiner bestimmten Richtung. Im Was- 
selnheimer Graben ist die Zerstückelung besonders auffallend, und 
es liegt nahe, anzunehmen, dass Gräben überhaupt als gegen ihre 
Umgebung gesunkene Theile, sowie wegen der Reibung an ihren 
Rändern der Zertrümmerung mehr ausgesetzt waren als Rücken. 
Doch zeigt auch der widerstandsfähigste Theil des Rückens, der 
aus Sandstein bestehende Wangenberg, mehrfache Störungen. 

Unter den von einer Hauptspalte zu einer anderen laufenden 
Brüchen seien als besonders auffallende die den Wangenberg 
durchsetzenden hervorgehoben. Der eine beginnt nördlich Wangen 
und zieht in nahezu südnördlicher Richtung nach dem Altenberg, 
der andere wendet sich von demselben Ausgangspunkt nach Nord- 
west, ein dritter läuft noch weiter südlich. Manche dieser Diago- 
nalspalten erscheinen nur als Abzweigungen der Hauptspalten, und 
wenn sie mit letzteren nur einen geringen Winkel bilden, könnten 
sie auch als Theile einer Bruchzone mit derselben vereinigt wer- 
den. Dass bei diesen Störungen, wenn auch in geringem Masse, 
neben vertikaler horizontale Bewegung der Massen gegen einander 
vorkam, beweisen Harnische mit horizontaler oder wenig geneigter 
Streifung, welche sowohl im Sandstein des Kronthals als im 
Muschelkalk beobachtet wurden. Horizontale Streifung an Kalk- 
spathkrystallen einer Kluftfläche im Nodosuskalk von Westhofen 
zeigt, dass Bewegungen auch noch lange nach Bildung der ersten 
Spalten stattfanden. 



38 J. VAtENTix. Die Geologie des Kronthals i. E. 

Wo eine einigermaßen beträchtliche Verschiebung der 
Schichten beobachtet wurde, habe ich dieselbe auf der Karte ein- 
getragen, und es ist nicht nöthig, auf jeden einzelnen Fall hinzu- 
weisen. Das nur sei hervorgehoben, dass noch unzählige Spalten 
vorhanden sind, welche wegen geringer Verwurfshöhe oder wegen 
mangelnder Aufschlüsse oder auch wegen der Gleichartigkeit der 
zu beiden Seiten der Spalte stehenden Gesteine nicht zur Dar- 
stellung gebracht werden konnten. Der Besuch eines Steinbruchs 
im Kronthal genügt, um eine Vorstellung von der wirklichen 
Zerrüttung des Gebirges zu geben. Weil es aber bei allen diesen 
zuletzt genannten Störungen so schwer ist zu entscheiden, ob es 
sich um tiefer eingreifende Risse, um Niederziehen von Spalten- 
rändern, um oberflächliche Auslösungen von Spannungen oder nur um 
nachträgliche Rutschungen bei geneigter Schichtcnstellung handelt, 
habe ich auf die Hauptstörungen besonderes Gewicht gelegt Sie 
lassen uns den Aufbau des Gebietes aus neben einander gestellten 
Parallelepipeden oder keilförmigen Stücken erkennen, während die 
Transversalstörungen dieses einfache Verhältniss verhüllen. Wären 
keine sekundäre Störungen vorhanden, so würde die Oberfläche 
der zwischen den Hauptspalten liegenden Stücke nur durch Ab- 
waschung oder Erosion beeinflusst worden sein, und die normale 
Aufeinanderfolge der Schichten würde sich leicht erkennen lassen. 
So durchsetzen den Marie-Berg, Göft-Berg und Stephans -Berg, 
Theilo unseres Hauptrückens, nur wenige Nebenstörungen. Die 
zonenartige Folge der Schichten vom Buntsandstein bis zum oberen 
Muschelkalk tritt daher auf der Karte in den farbigen, parallel 
von N.-W. nach S. O. laufenden Bändern deutlich zu Tage, und 
die Oberfläche erscheint wenig gegliedert Vergleichen wir damit 
das gegen Westen anstehende Gebiet, so sehen wir hier eine sehr 
grosse Menge sekundärer Störungen; daher dann die mosaikartige 
Anordnung des Farbenbildes und ein mannigfaltig gegliedertes 
Hügelland. 

Das Kronthal. 

Wenige Worte habe ich noch Uber das unseren Hauptrücken 
quer durchschneidende Kronthal hinzuzufügen. 



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und seiner Umgehung. 



39 



Die vom Gebirge aus in die Ebene führenden Flussthäler 
haben im allgemeinen eine nordöstliche Richtung, welche unter 
besonderen Verhältnissen, wie Wechsel der Gesteine, mannigfacher 
Modifikation unterliegt. 

Auch die Breusch fliesst von Schirmeck bis Molsheim von 
Westen nach Osten. Dass sie am letzteren Orte scharf nach Nor- 
den biegt, findet seine Erklärung in der allen in die Ebene hin- 
austretenden Flttssen innewohnenden Neigung, bei dem Zusam- 
mentreffen mit dem stauenden Wasser des Rheines (bezugsweise 
der III) Schuttmassen abzulagern und sich allmählich selbst nach 
Norden abzudrängen. Schliesslich kam die Breusch bei Avolsheim 
an den Sulzbader Bergrücken und musste sich nun ihren Weg 
am Südfusse desselben suchen. Vergleicht man die Richtung der 
linken Zuflüsse des unteren noch im Gebirge liegenden Theiles der 
Breusch, so fällt der Parallelismus des Haselbaches, des von Still 
kommenden Baches und der Mossig von Wasselnheim bis Avols- 
heim auf. Die zuerst genannten erscheinen in jeder Hinsicht als 
einfache Erosionsthäler und bieten nichts irgend Auffallendes. Ganz 
anders die Mossig, welche zweimal, im Kronthal und bei Sulzbad, 
in Rücken des relativ festen Buntsandsteins einschneidet, während 
vor dem ersten Rücken bei Wasselnheim und vor dem zweiten 
Rücken zwischen Marlenheim und Kirchheim bequemere Wege 
in nordöstlicher Richtung offen stehen. Unter Annahme derselben 
Obertiächenbeschaffenheit wie -heute lag zu einer Durchsägung 
der Sandsteinrücken durchaus keine Veranlassung vor. 

Dass das Kronthal kein tektonisches Thal ist, haben wir oben 
gesehen; die Annahme einer Verwerfung, welche den Flusslauf 
vorgezeichnet hätte, ist nicht statthaft Die Oberfläche muss also 
bei Anlage der Thäler wesentlich andere Gestaltung gehabt haben. 
Seit dem Beginn der Diluvialzeit im Rheinthal beträchtliche Niveau- 
verschiebungen anzunehmen, liegt nach den bisherigen Erfahrungen 
kein Grund vor; wir müssen daher die Anlage der Thäler in ältere 
Zeit zurückversetzen. 

Versuche, uns eine Oberfläche zu rekonstruiren, welche die 
Durchsägung der Rücken erklärlich erscheinen Hesse, werden natür- 
lich immer sehr hypothetischer Art sein. Will man einen solchen 



40 J. Va lkiitik. Die Geologie des Kronthab i. E. 

Versuch machen, so wird man immer mit unseren Hauptverwerfun- 
gen rechnen müssen, denn längs diesen werden nachträgliche Rut- 
schungen am ersten denkbar sein. Es sei nur darauf hingewiesen, 
dass, wenn die Grabenversenkung Ballbronn-Kirchheim nur 200 m 
höher läge, dann sich von dieser Höhe aus sehr wohl ein Wasser- 
lauf nach Wasselnheim oder nach Avolsheim hätte bilden können. 
Letzterer hätte dann die Richtung des Thaies von Still gehabt, 
wäre überhaupt als ganz natürlicher linker Seitenfluss der Breusch 
erschienen. Wäre nun das Sulzbader Thal schneller ausgefurcht wor- 
den als das Kronthal, was bei der weichen Beschaffenheit der dort 
anstehenden Sandsteine annehmbar wäre, und hätte dann nur eine 
geringe Senkung des Ballbronner Grabens stattgefunden, so würde 
eine Umkehr der Flussrichtung im Kronthal erfolgt sein, und die 
anfangs getrennten Bäche hätten sich zu gemeinsamem Lauf nach 
Süden geeinigt 



Nach Obigem lassen sich die geologisch-tektonischen Grund- 
züge der Umgebung des Kronthals kurz dabin zusammenfassen: 

1. Der Höhenzug Wangen - Marie-Berg ist ein Rücken, der 
nur durch die Erosion im Kronthal oberflächlich getheilt erscheint. 

2. Die Wasselnheimer und die Ballbronn-Kirchheimer Niede- 
rungen sind Grabenversenkungen, und zwar wird der Wasseln- 
heimer Graben südlich vom Wangen -Marie-Berg, nördlich von 
einer über Brechlingen in NO— SW verlaufenden Spalte be- 
grenzt, während der Ballbronn-Kirchheimer Graben zwischen dem 
SandsteinrUcken des Wangen -Marie-Bergs im Norden und dem 
Sulzbader Höhenzug im Süden liegt. 

Mineralogisches über den Baryt des Kronthals. 

In den Sandsteinbrüchen (Vogesensandstein) nächst der Halte- 
stelle Wangen finden sich auf einzelnen Spalten neben grossen 
weissen, rauhflächigen Schwerspathkrystallen auch sehr schöne, 
durchsichtige Krystalle, die meines Wissens noch nirgends Erwäh- 
nung gefunden haben. 



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and seiner Umgebung. 



41 



Die Krystalle sind ungefähr bis 1 mm dick, 1 bis 20 mm 
lang und '/« D * s lö mm breit. Sie sind wasserhell bis blassgrün, 
durchsichtig, sämmtlich nach der Basis dünn tafelförmig entwickelt 
und von der einen Seite her so aufgewachsen, dass sie in der 
Regel nur an dem einen Ende der a- und 6-Axe frei ausgebildet 
Fig. l. sind. Die gewöhnliche Combination (Fig. 1) 

(^T-^g,- \ \ wt c={001|0i> m— }110{ oo P und d = 

— J 102 J i P oc , wozu in vielen Fällen noch o = 
jOll \P oo, seltener 6= 1 010 } ccPao tritt Formen mit complicirten 
Zeichen kommen an vereinzelten Krystallen meist nur mit einer 
Fläche ausgebildet vor. Die Basis ist besonders an den grösseren 
Krystallen ganz von Vicinalflächen bedeckt, von denen einige aus 
der Zone (Basis, Makropinakoid) auch messbar waren; sie giebt 
daher gewöhnlich mehrere Reflexe. 

Das Prisma ist gut ausgebildet, zuweilen matt durch zarte 
Streifen, welche der Kante jllOj |00i; parallel laufen. Je nur 
mit einer Fläche entwickelt sind an den untersuchten Krystallen 
die Prismen X = jl30j ocP3 und i) = J 320 j oo P*- x und tj sind 
stark glänzend. Das Brachypinakoid b — jOlO' xPoo wurde nur 
selten als sehr kleine, glänzende Fläche beobachtet. Das Makro- 
doma d = \ 102 J $P oo und das Brachydoma o — j Ol 1 j P oc treten 
ganz regelmässig mit kleinen, gut spiegelnden Flächen auf. Auch 
die Grundpyramide z = 1 1 1 1 j P erscheint vollflächig ausgebildet 
als Abstumpfung der Kanten J 011 J }110J. 

Die an den gemessenen Krystallen bestimmten und berech- 
neten Winkel sind folgende: 













Gemessen 


Berechnet 


Vi 


: m 




(110) : 


(110) = 


♦78» 20* 




0 


: o 




(011) : 


(oii) = 


♦105 23 




n 






(110) : 


(320) = 


10 35 


10» 40* 


n 


•X 




(110) : 


(130) = 


28 44 


28 35 


d 


:d 




(102) : 


(102) = 


102 15 


102 18 


z 


: c 




(Hl): 


(001) = 


64 28 


64 18 


z 


: o 




(111): 


(011) = 


44 30 


44 19 


e 


: + 




(001): 


(1.0.20) = 


4 47 


4 36 


e 






(001): 


(1.0.50) = 


1 52 


1 51 



42 



J. Valentin. Die Geologie des Kronthal« i. E. 



Zur Berechnung des Axenverhältnisses wurden die Winkel 
des Brachydomas o und des Prisinas m benutzt, da die Winkel- 
werthe zwischen den genannten Flächen an zweien der gemessenen 
Krystalle auf die Minute übereinstimmen. Es ergab sich: 
a : b i c = 0,8146 : 1 : 1,3119. 

Der wahre Winkel der optischen Axen wurde fUr Na -Licht 
2 V a = 40° 58' bestimmt, aus dem spitzen und stumpfen in Alpha- 
monobromnaphthalin gemessenen scheinbaren Axenwinkel H a = 
20° 25' und H a = 69° 7. 

Der mittlere Brechungsquotient berechnet sich aus diesen 
Daten und dem Brechungsquotienten des Alphamonobromnaphthalins 
n = 1,654 als ß = 1,649. 

Der von dem gewöhnlichen stark abweichende wahre Axen- 
winkel bestimmte mich, eine Prüfung auf Strontium vorzunehmen. 
Es konnte indess ein Gehalt an diesem Elemente spectralanaly tisch 
nicht nachgewiesen werden, und es lässt sich demnach Uber die 
Ursache der auch an anderen Barytvorkommnissen vielfach beob- 
achteten Abweichung des optischen Axenwinkels nichts Positives 
behaupten. 

Eine etwas eingehendere Betrachtung erheischen die an den 
oben besprochenen Krystallen auftretenden Vicinalflächen und Aetz- 
erscheinungen. An einem Krystall wurde auf der Basis <}> = \ 1 -0.20 J 
üV-Pao, an einem anderen <]>t = j 1.0.50} ^Px bestimmt. Letz- 
tere Form tritt nur mit den beiden Flächen (1.0.50) und (1.0.60) 
auf. Zugleich zeigt letzterer Krystall auf der Basis und dem ge- 
nannten Dorna eine Streifung, welche parallel der Prismenkante 
Fjg j und der Makrodiagonale verläuft und bei dem in 

Fig. 2 angedeuteten Auftreten jede Symmetrie 
aufhebt. — Auch besitzen eine grosse Anzahl von 
Krystallen noch einige im Folgenden näher zu 
besprechende matte, oft gerundete oder wind- 
schiefe Flächen, von denen nur wenige eben genug waren, um 
gemessen zu werden. Zu diesen Flächen gehört in der Prismen- 
zone das Prisma ro3 =|750|, welches dem als glänzende Fläche 
ausgebildeten j 310 1 ziemlich nahe kommt, sowie ein nur mit einer 
Fläche entwickeltes Prisma n»2 = j 36.35.0 }. 




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and seiner Umgebung. 



43 



Ferner tritt als Aetzflache z 1 111 ( auf; sie unterscheidet sich 
von der vorher erwähnten ursprünglichen Form z J 111 { durch eine 
matte, rauhe Oberflächenbeschaffenheit und grössere Entwicklung 
ihrer Flächen. In der Zone Basis Makropinakoid liegt ein Makrodoma 
«l = j 905{|Pcc. Am häufigsten treten diese matten Flächen an 
der Kante ) 001 J JllOj auf. 

Die Art der Ausbildung der eben genannten Formen, ins- 
besondere die Rauhigkeit ihrer Oberfluche und die häufig concave 
Beschaffenheit derselben veranlassten mich, sie als natürliche Aetz- 
flächen anzusprechen. Es kommt noch hinzu, dass sie sich beson- 
ders an solchen Krystallen finden, auf denen eine andere Erschei- 
nung beobachtet wurde, welche, wie gezeigt werden soll, auf 
natürliche Aetzfiguren zurückzuführen ist. 

Auf der Basis treten bei theilweise abge- 
blendetem Lichte unter dem Mikroskop eigentüm- 
liche Zeichnungen deutlich hervor (Fig. 3). Erst 
bei schwacher Vergrößerung zeigen sich gewisse 
Partien der Basis von parallelen Zickzacklinien 
bedeckt, bei stärkerer Vergrösserung lösen diese 
sich in einzelne dachförmige bis spitzbogenartige, 
äusserst zarte, monosymmetrische Figuren auf. Die 
Anordnung auf der Basis wechselt; constant 
scheint nur, dass die Halbirungslinie des Winkels 
an der Spitze der a-Axe parallel läuft Zuweilen ist nahezu die 
ganze Basisfläche mit den Figuren Uberzogen, deren Spitze nach 
dem einen Ende der a-Axe weist, und Figuren, welche eine um- 
gekehrte Lage besitzen, sind auf einen ganz kleinen Raum be- 
schränkt; zuweilen beobachtet man auch einen drei- bis vierfachen 
Wechsel in der Orientirung der Spitzen. Die Grenze zwischen 
den entgegengesetzt orientirten Figuren verläuft immer geradlinig. 
Entweder berühren sich die mit Figuren bedeckten Theile der 
Fläche direkt, oder sie sind durch glatte Zonen getrennt 

Ueberhaupt ist die Bedeckung mit den Figuren eine sehr 
ungleichmäßige; stellenweise sind sie dicht gedrängt und dann 
gelegentlich auch wieder ganz vereinzelt auf derselben Krystall- 
fläche. 




44 



J. Valbhtik. Die Geologie des Kronthals i. E. u. s. w. 



Manche Krystalle erscheinen bei oberflächlicher Betrachtung 
ganz frei von den Figuren, erst bei intensivem Suchen entdeckt 
man sie schwach angedeutet in irgend einer Ecke der Basis. 
Dabei verhalten sich die beiden Basisflächen oft verschieden. Kry- 
stalle, auf welchen nur eine Orientirung auf einer Fläche herrschte, 
wurden nicht beobachtet 

Der Winkel an der Spitze der Figuren schwankt zwischen 
50° und 60°. Durch Verschiebung des Tubus konnte festgestellt 
werden, dass die Figuren durch Vertiefungen und nicht etwa 
durch Erhabenheiten gebildet werden. 

Die Figuren finden sich, wie schon erwähnt, sehr häufig mit 
den matten, windschiefen Flächen zusammen, sind aber stets auf 
die Basis beschränkt 

Beziehungen zu künstlichen Aetzfiguren, welche ich an den 
Krystallen von Wangen darstellte 1 , sowie Vergleiche mit natür- 
lichen Aetzfiguren an Barytkrystallen von anderen Fundorten be- 
rechtigen wohl zu der Annahme, dass es sich bei diesen Erschei- 
nungen um natürliche Aetzfiguren handelt 

Um schliesslich mit einem Wort auf die Symmetrioverhält- 
nisse des Baryts vom Kronthal zu sprechen zu kommen, so ent- 
sprach die Anordnung der künstlichen Aetzfiguren der Symmetrie 
der rhombischen Holoüdrie, dagegen wichen die natürlichen Basis- 
figuren in manchen Fällen davon ab. Doch erschwerte hier die 
ausserordentliche Zartheit und Kleinheit der Figuren die Unter- 
suchung und verbietet es, auf diese Erscheinung hin Symmetrie- 
verhältnisse anzunehmen, welche von denen der holoedriBch-rhom- 
bischen Krystalle abweichen. 

1. Valentin: lieber Baryt aus dem Kronthal etc. Zeitscbr. f. Kr. XV. 6, pag. 376. 
Die obigen Angaben über den Baryt des Kronthals sind diesem Aufsatz zum grossten 
Theil wörtlich entnommen. Bezuglich der Holzschnitte bemerken wir, dass der Verlag 
der Zeitschrift für Krystallographie dieselben freundlichst zur Verfügung gestellt bat. 



73" 



üeber das Rothliegende der Vogesen. 

Von 

E. W. Benecke und L. van Werveke. 



Die im Jahre 1878 begonnenen neueren geologischen Kar- 
tenaufnahmen in Elsass-Lothringen bewegen sich in den nörd- 
lichen Landestheilen. Da dort vorzugsweise Trias- und Jurabil- 
dungen entwickelt sind, erforderten diese zuerst unter den im 
Reichsland zu Tage tretenden Formationen eine eingehende Unter- 
suchung. Für die Aufnahmen an den Grenzen des Gebirges und 
der Rheinebene wurde dann eine Gliederung des Tertiär erforder- 
lich. Beim Voranschreiten der Arbeiten nach Süden erreichten die 
Aufnahmen die Gebiete, in denen auch die Unterlage der Trias, 
das Rothliegende, eine grössere Verbreitung hat Die Untersuchung 
dieser Formation ergab sich daher als eine weitere Aufgabe. Es 
ist der Zweck dieser Zeilen, das bisher über das Rothliegende der 
Vogesen bekannt Gewordene zusammenzufassen. 

Unter allen Ablagerungen von Rothliegendem in den Vogesen 
ist diejenige des Weilertbales und seiner Umgebung die voll- 
ständigste. Sie allein gestattet die Auflagerung auf den jüngsten 
kohlenführenden Schichten und die Ueberlagerung durch den 
Buntsandstein zu beobachten. 

Werfen wir zunächst einen Blick auf die Unterlage des Roth- 
liegenden. Dieselbe wird gebildet theils von altem gefalteten Ge- 
birge, Gneiss, Weiler und Steiger Schiefer in Verbindung mit Granit, 
theils von diesem discordant aufgelagerten, durch Verwerfungen 
sehr gestörten, aber nicht gefalteten Schieferthon-, Arkose-, Con- 
glomerat- und Sandsteinschichten mit schwachen Einlagerungen 
von Kalk und Kohle. Wir wollen diese letzteren zunächst, ledig- 
lich der Bequemlichkeit halber, als kohlenführende Schichten im 
Gegensatz zu dem Rothliegenden bezeichnen. Sie sind neben der 



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46 E. W. Bekkcek uud L. van Webtkeb. 

Kohlenführung durch vorwaltend, wenn auch nicht ausschliesslich, 
dunkle Färbungen und das Fehlen von Porphyr unter den Ge- 
röllen gegenüber den grau, roth, violett und grün gefärbten, an 
Porphyreihschlüseen reichen, jüngeren Schichten ausgezeichnet. 
Diese für unser Gebiet durchaus natürliche Eintheilung entspricht 
ungefähr der Scheidung älterer Autoren, z. B. Daubrees, in terrain 
houiller und terrain du gres rouge. 

Die ältesten kohlenführenden Schichten unseres Gebietes sind 
die des Kohlberges bei Laach, die wir als Laacher Schichten 
bezeichnen wollen. Den Gneiss des Landzoll überlagert discordant 
ein bis zu 6 m mächtiger, grauer, kleinkörniger Arkosesandstein, 
auf welchen die eigentliche kohlenführende Zone folgt Dieselben 
Arkoeen ruhen bei Berlicombel auf der rechten Seite des Urbeiser 
Giessen ebenfalls auf Gneiss.' 

Ueber die kohlenführende Zone, welche früher durch Berg- 
bau gut aufgeschlossen war, haben Dietrich* und Daubree 1 aus- 
führliche Mittheilungen gemacht Boulay 4 stellte nach den ihm 
bekannt gewordenen Pflanzenresten die Laacher Schichten in den 
mittleren Theil der Saarbrückener Schichten. Doch ist diesem For- 
scher nur ein Theil des in den Strassburger Sammlungen liegenden 
Materials zugänglich geworden, auch ist seit seinem Besuch in 
Strassburg noch einiges hinzu gekommen. Professor Weiss unter- 
suchte auf unsere Bitte das gesammte vorhandene Material. Es 
war eine der letzten Arbeiten des unermüdlichen Forschers. Als 
Resultat ergab sich ein jüngeres Alter, nämlich das der oberen 
Saarbrückener oder gar der Ottweiler Schichten. Wir werden Ver- 



1. E. Cohen. Das obere Weilerthal und das zunächst angrenzende Gebirge. — 
Abhdl. zur geolog. Special«, von Bls.-Lothr. Bd. III, Uefl III, Sirassburg 1889, S. 162 
and Karte. 

2. DuTftiiH, Description des gttcs d. mincrai etc. de Ii Haute- et Basse-Alsace, 
Paris 1789, S. 199—201. 

3. Dacbeke, A., Descript. geol. et niineral. du dep. du Bas-Rbin, Strasbourg 
1852, S. 66. 

4.. Uooi at, Recherches de paleontologie vegetak sur le terrain houiller des 
Vosges. — Bull. Soc. d bist, naturelle de Colmar, 20« et 21* annces, Colmar 1880, 
S. 31. 



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Ueber das Rothliegende der Vogesen. 



47 



anlassung haben, auf die Ablagerungen der Koblenformation in 
den Vogesen an einer anderen Stelle demnächst zurückzukommen. 

Ueber der kohlenführenden Zone liegt bei Laach ein etwa 
2 m mächtiges, sehr grobes Conglomerat und Uber diesem ein 
80 m mächtiger Complex von grauen Arkosen und Conglome- 
raten, letztere mit kleineren Geröllen als die tiefer liegenden. 
Die Gerölle bestehen aus Weiler Schiefern und deren quarzitischen 
Einlagerungen, das Bindemittel derselben ist zerriebener Weiler 
Schiefer. In der Richtung nach Westen, gegen Chinde keilt sich, 
wie das nachstehende Profil zeigt, die kohlenführende Zone aus, 
und die Arkosen und Conglomerate greifen auf den Gneiss Uber. 



Chmdi/ i0<,m 



l'rbtistr- GiesstA, 



6W.L ,lM 1 } 
f 

Qs. = Oaeln. I = Schichten von Leacb. K - Kohle. 7 Schichten von Koblbicbel (Oberroth- 
liegend», vor*!. Erklären* dur Zvlchnnng »uf 8. 74). V - Verwerfungen. 

MnauUb 1 t S5IKW. 

Da sich in den Arkosen die gleichen Versteinerungen, beson- 
ders eine Sigillaria, wie in den Laacher Schichten finden, sind 
dieselben ebenfalls in die Kohle zu stellen. Jüngere Schichten in 
normaler Auflagerung fehlen bei Laach. Das durch eine Störung 
getrennte, am östlichen Fusse des Kohlberges anstehende Roth- 
liegende gehört bereits zur oberen Abtheilung dieser Formation. 
Erst in der Gegend von Weiler treffen wir wieder kohlenführende 
Schichten, die gewöhnlich als Becken von Weiler bezeichnet 
werden. 

Zwei Punkte sind hier für uns von besonderem Interesse: 
der Rücken östlich von Erlenbach, nahe an dem alten Bergwerk 
an der Gabelung der beiden Wege, welche durch den Erlenbacher 
Wald nach dem üngersberge führen und der Hügel nördlich von 
Weiler, über welchen der direkte Fussweg von Weiler nach Hoh- 
wald führt 

Bei Erlenbach liegt in der Höhe von 460 m, auf dem zackigen 
Ausgehenden steil gestellter Weiler Schiefer eine 0,&5 m dicke 
Bank einer grauen, conglomeratiBchen Arkoee mit Gerollen von 



48 



E. W. Bknkcks und L. van Wkbvkk. 



Quarz, Quarzit, Weiler Schiefer, grünen Schiefem, Gneiss, Frucht- 
schiefern und Hornfels. Die Gerölle Bind theils vollständig, theils 
nur an den Kanten gerundet Darüber folgt eine 0^—2 m dicke 
Bank einer geröllfreien, kleinkörnigen, dunkelgrauen Arkose, über- 
lagert von grauen und schwarzen Schieferthonen, in denen eine 
Reihe alter Stollen stehen. Der südlichste derselben ist der Förder- 
stollen des alten Erlenbacher Bergworks. In der Sohle desselben 
steht die Fortsetzung der oben besprochenen geröllführenden Ar- 
kose an. Sowohl die kohlenführenden Schiefer als die Unterlage 
derselben wurden auch in einem Versuchsschacht nahe bei Weiler 
getroffen, wie Daubree (S. <a) angiebt 

Dass die Kohlen von Erlenbach nicht älter sind als jene von 
Laach, ergiebt sich aus den Pflanzenresten, welche die die Kohlen 
einschliessenden Schichten geliefert haben, folgt aber auch aus 
der Lagerung. Wir werden sehen, dass die Erlenbacher Schichten 
überhaupt die jüngsten kohlenführenden Bildungen unseres Gebiets 
sind und unmittelbar vom Rothliegenden Uberlagert werden. Die 
Bildung der Arkosen über der Laacher kohlenführenden Zone 
und unter den Erlenbacher Schichten fällt also in die Zeit zwi- 
schen der Ablagerung der beiden Kohlenzonen. Wir wollen die 
Arkosen daher vorläufig zusammenfassen, wenn auch die vertikale 
Aufeinanderfolge keine unmittelbare ist 

In denselben Zeitraum zwischen der Bildung der beiden 
Kohlenzonen gehört aber noch ein anderes Vorkommen, das des 
oben genannten zwischen Laach und Erlenbach liegenden Rückens 
nördlich von Weiler. Hier ruhen Conglomerate und Arkosen von 
derselben Beschaffenheit wie jene von Erlenbach in einer Mäch- 
tigkeit von 10—15 m auf Weiler Schiefern. In der Höhe von 
340 m sind denselben dunkelgraue, sandige Schieferthone mit zahl- 
reichen, leider schlecht erhaltenen, Pflanzenresten eingelagert 
Ausser unbestimmbaren Fetzen von Farren und Cordaiten wurde 
ein Zweig von Walchia hypnoides 1 gefunden, einer Art, welche 
Grand'Eüry aus oberem Kohlengebirge von St Etienne angiebt 



I. Herr Zeillkr hatte die Liebenswürdigkeit das Stück zu untersuchen. Er 
schrieb: «nie parutt un rameau, a ramoles grfiles, de Walchia fifpnoides». 



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Uebcr das Rothliegende der Vogeson. 



49 



Eine Verwerfung trennt dieses Vorkommen von den Erlenbacher 
Schichten, die am Fasse des in Rede stehenden Rückens nahe 
Weiler an der Gäntzlach durch einen Stollen, an der alten Post 
durch einen Schacht erschlossen wurden und mit den Schichten, 
welche das Kohlen flötz von Erlenbach einschliessen, in unmittel- 
barem Zusammenhang stehen. Nach Daurree wurden folgende 
Schichten mit dem Schacht durchsunken: 

1. Ackerboden und Kiesel 2,oo m 

2. Thonschiefer mit Kohlensandstcin wechsellagernd. 8,*« 

3. Kalk mit Schieferthon Q,is 

4. Kohlenschiefer 17,« 

5. Kohle mit Schieferthon vermischt 0,to 

6. Kohlensandstcin 4,w 

7. Bituminöser Schiefer 

8. Kohlensandstein 1,95 

Die Kohle mit Schieferthon vermischt (5) entspricht nach 
Daubree der Kohle des alten Erlenbacher Bergwerks, die Unter- 
lage derselben (6—8) also den dortigen Arkosen. Da nun die 
Arkosen am Wege nach Hohwald mit den Arkosen im Schacht 
petrographisch übereinstimmen, die bituminösen Schiefer (7) speziell 
einen Vergleich mit den Schiefern mit Walchia hyprxoide» am Wege 
nach Hohwald zulassen, dürfen wir beide wohl zusammenfassen und 
überhaupt die Arkosen und Conglomerate, die in der Gegend von 
Weiler und Erlenbach liegen, mit den die Laachcr kohlenführende 
Zone bedeckenden zu einer Abtheilung rechnen. Die Mächtigkeit 
der Arkosen am Wege nach Hohwald ist 10 — 15 m, im Schacht 
bei Weiler ist sie nicht bekannt, da man nicht bis auf das Liegende 
niederging; beim Erlenbacher Bergwerk beträgt sie nur noch 
gegen 3 m. Wenig weiter gegen Osten verschwinden Arkosen 
und Conglomerate vollständig, und die Erlenbacher Schichten 
liegen unmittelbar auf altem Gebirge. Bei Laach hatten wir über 
der kohlenführenden Zone noch ungefähr 80 m Arkosen und Con- 
glomerate. Die Abnahme ist also von dem äussersten westlichsten 
Punkte zum äussersten östlichsten auf eine Entfernung in der 
Luftlinie von nur 6'/, km wenigstens 80 m, wahrscheinlich noch 



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50 



E. W. Bkmbc« uud L. van Webvkke. 



mehr, da das Conglomerat und die Arkosen bei Laach früher, 
ehe sie der Abwaschung ausgesetzt waren, noch mächtiger gewesen 
sein werden. Wenige Kilometer weiter westlich auf dem Kamme 
der Vogesen liegen Schichten des Rothliegenden unmittelbar auf 
dem alten Schiefergebirge; von Bildungen, welche unseren Ar- 
kosen und Conglomeraten verglichen werden könnten, findet sich 
keine Spur. Letztere sind also eine ganz lokale Erscheinung und 
machen den Eindruck einer Deltabildung. Immerhin haben sie 
einen eigenthümlichen petrographischen und durch die Einlagerung 
pflanzenführender Schiefer auch paläontologischen Charakter, und 
es muss ihnen daher in der Reihe der von uns als kohlenführende 
Bildungen ausammengefassten Ablagerungen eine selbstständige 
Stellung angewiesen werden. 

Die Erlenbacher Schichten. Mit diesem Namen mögen 
die Schichten bezeichnet werden, welche mit den über den oben 
besprochenen Arkosen und Conglomeraten folgenden Schieferthonen 
und Kohlen beginnen und eine Mächtigkeit von c. 60 m erreichen. 
Bezeichnend für dieselben ist das Vorkommen mehrerer Kalk- 
und Dolomitbänke. Ueber die Ausbildung dieser Schichten hat 
bereits Daubree (S. eo) ausführliche Mittheilungen gemacht Nach 
seinen Angaben, die wir durchaus zutreffend fanden, ist nur ein 
Kohlenvorkommen vorhanden, eben jenes an der Basis der ganzen 
Abtheilung liegende, früher bei Erlenbach abgebaute. Das Koh- 
lenlager besteht nach dem genannten Autor aus wenig mäch- 
tigen Lagen von Kohle im Wechsel mit schwarzen Schiefern. Bei 
Erlenbach traf man 0,«« m Kohle, an der Gäntzlach unten 0,35, 
darüber 0,is. Trotz der an und für sich guten Qualität der Kohle 
lohnte der Abbau bei der geringen Mächtigkeit und dem Vorhan- 
densein zahlreicher Zwischenmittel nicht 

Auf diese kohlenführende Zone folgen vielfach wcchsel- 
lagerndo Schieferthone, Kalke und Dolomite. Bezeichnend für die 
unteren 3—4 m sind schwarzgraue Kalke, welche zu gerundeten 
Blöcken mit ochrigem Ueberzug verwittern. Sie sind durch einen 
Schürf an der 300 m südwestlich des Punktes 431,6 bei Erlen- 
bach gelegenen Kuppe gut aufgeschlossen. Die höher vorkommen- 
den festen Bänke sind dichte, schwarzgraue, häufig chalcedon- 



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Ueber das Rothliegendo der Vogeaeu. 



51 



führende Kalke oder braune, körnige Dolomite. Die grösste beob- 
achtete Dicke der Kalk- und Dolomiteinlageruugen ist 1,75 m, 
gewöhnlich beträgt dieselbe 1— l,s m, sinkt aber bis wenige Deci- 
meter herunter. 

Eine 5 — 7 cm mächtige weiss und grünlich gefärbte Tuff- 
schicht tritt dicht unter der oberen Grenze der Erlenbacher 
Schichten auf. 

Bereits v. Oeynhausen, v. Dechen und v. la Roche haben 
auf der zu den geognostischen Umrissen der Rheinländer gehörigen 
Tafel eine in ihren Hauptzügen richtige Darstellung der Entwick- 
lung der Erlenbacher Schichten gegeben. 

Die Gliederung der kohlenfahrenden Schichten in unserem 
Gebiet gestaltet sich also folgendermassen : 

3. Erlenbacher Schichten, kohlenführend. 

2. Arkosen und Conglomerate von Erlenbach, Weiler und 
Laach mit Einlagerungen sandigen Schieferthons. 

1. Laacher Schichten, kohlenführend. 

Mit den Erlenbacher Schichten schliessen wir für unser Ge- 
biet die Kohlenformation ab, wenn auch ein Theil derselben viel- 
leicht noch Ablagerungen entsprechen mag, welche in der Pfalz 
zur unteren Dyas gerechnet wurden. So lange uns paläontologische 
Hülfsmittel für eine schärfere Gliederung fehlen, müssen wir uns 
an die leicht erkennbaren petrographischen Merkmale halten, und 
diese lassen eine Grenze zwischen den vorwaltend grauen, schief- 
rigen, geröllfreien Gesteinen der Erlenbacher Schichten und den 
folgenden graugrün und violett gefärbten Conglomeraten und Ar- 
kosen durchaus natürlich erscheinen. 

Aehnlich trennten auch ältere Autoren ab, und es wurde 
von ihnen die Frage erörtert, ob nicht zwischen beiden Forma- 
tionen eine Discordanz anzunehmen sei. Auf Grund der bisherigen 
Aufnahmen schliessen wir uns der auf den Profilen von v. Oeyn- 
hausen, v. Dechen und v. la Roche — wohl auf Grund der Mit- 
theilungen von Voltz 1 — zum Ausdruck gebrachten Annahme 
an, dasa nach Abschluss der kohlenführenden Bildungen in un- 

t. Voltz, Ueberblick der Mineralien der beiden Rhein-Departemente. — J. F. Acr- 
schugm, Das Kbass, Sirassburg 1828, S. 17. 



52 



E. W. Bbhbcke und L van Werveke. 



serera Gebiet keine wesentlichen Störungen stattfanden. Rozet 1 , 
E, de Beaümont 1 und Daubr^e* und in neuester Zeit Velain 4 , 
letzterer speziell für das Weilcrthal, nehmen Discordanz an. Dass 
bei Anhäufung mächtiger Geröllmassen von sehr schnell wech- 
selnder Mächtigkeit, wie wir solche eben kennen lernten, schwerlich 
jemals eine ganz gleichförmige — im gewöhnlichen Sinne concor- 
dante — Auflagerung stattgefunden haben wird, liegt auf der 
Hand. Die Aufschlüsse sind aber so wenig ausgedehnt, das« man 
überall den Eindruck vollständigsten Parallelismus der Schichten 
erhält 

Zwischen den Erlenbacher Schichten und dem Buntaandstein 
unterscheiden wir: 

4. Die Schichten von Kohlbächel 1 . 
3. Die Schichten vom Meisenbuckel. 
2. Die Schichten von Heisenstein. 

1. Die Schichten von Trienbach, welche in untere und obere 
zerlegt werden können. 

Inwieweit diese Abtheilungen mit dem anderswo unterschie- 
denen Unter-, Mittel- und Oberrothliegenden sich vergleichen 
lassen, soll später angegeben werden. Zunächst scheint es zweck- 
massiger, lokale Bezeichnungen in Anwendung zu bringen, um 
bo mehr, ab die in verschiedenen Gebieton unterschiedenen Stufen 
des unteren, mittleren und oberen Rothliegenden sich nicht immer 
genau entsprechen. 

1. Die Trienbacher Schichten sind westlich und östlich 
vom Ungersberg etwas verschieden entwickelt 



1. M. Ho/ kt, Dcscript. geol. de la partic me>ld. de la chalne des Vosges, Paris 
1834, S. 80. 

2. L ok Bkacnont, Explic. de la carte geol. d. I. France, tome I, S. 410. 

3. L c. S. 65. 

4. Ch. Velaih, Le Permien dans la region des Vosges. — Bull. geol. Fr. (3) XIII, 
1884—85, S. 537. 

Nach ViUM solU-n jedoch die Tuffe unmittelbar auf die Erl.-nbarher Schiebten 
folgen, wahrend in Wirklichkeit die nachher zu besprechenden Trienbacher Schichten 
zunächst Ober den Erlenbacber Schichten liegen. 

5. Forsthaus am Sudwestfuss des Ungersberges. 



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Ueber das Bothliegcnde der Vogescn. 



53 



Zwischen Weiler und Trienbach setzen Conglomerate und 
Arkosen die untern 20 m zusammen. Die Gerölle der Conglome- 
rate sind vollständig gerundet und bestehen aus Porphyr, Gneiss, 
Quarz und Schieferthon. Gerölle eines rothen Porphyrs mit kleinen 
Quarze insprenglingen, der vielfach pinitftihrend ist, kommen gleich 
in den untersten Bänken in auffallender Menge vor. Es ist be- 
merkenswerth, dass Porphyre, welche den älteren Bildungen durch- 
aus fehlen, und zwar solche Porphyre, welche weder in der Nähe 
noch sonst in den Vogesen bisher beobachtet sind, sich plötzlich 
in solcher Häufigkeit einstellen. 

Ueber den Conglomeraten und Arkosen wechseln in einer 
Gesammtmächtigkcit von 50 m Arkosen und Schieferthone und zwar 
so, dass in den unteren 20 m die Arkosen, in den oberen 30 m 
die Schieferthone vorwiegen. Die oberen Schichten zeichnen sich 
dabei durch das Vorwalten violetter Farben aus, während die 
tieferen Schichten mehr grau und grünlichgrau sind und im Aus- 
sehen den Erlenbacher Schichten ähnlich werden können. Doch 
gilt dies nur für einzelne Bänke. Die unteren, arkosereichen 
Schichten dieser oberen 50 m verbinden wir mit den an der 
Basis der ganzen Abtheilung liegenden Conglomeraten und be- 
zeichnen sie als untere Trienbacher Schichten, im Gegensatz zu 
den violetten Schiefern, den oberen Trienbacher Schichten, so 
das« also von der Gesamnitmächtigkeit der Trienbacher Schichten 
von etwa 70 m auf die unteren 40 m, auf die oberen 30 ra kommen. 
Diese Trennung ergiebt sich bei der Aufnahme von selbst; sie hat, 
wie wir sehen werden, wegen des Vorkommens einer interessanten 
Flora auch eine Bedeutung für den Vergleich mit anderen Ge- 
bieten. 

Bei St. Moritz, Peterholz, Thannweiler und Hohwart sind 
die Trienbacher Schichten statt graugrün und violett mehr roth 
gefärbt, so dass sie den obersten Schichten des Rothliegenden, den 
oben angeführten Schichten von Kohlbächel, ähnlicher werden. 
Dieser Umstand, sowie nicht hinreichende Beachtung der Lage- 
rungsverhältnisse, mag Veranlassung geworden sein, dass die ein- 
zelnen Abtheilungen bisher nicht scharf aus einander gehalten 
wurden. 



54 



E. W. Benecke and L. tax Wertere. 



Bei St Moritz ruhen die Trienbacher Schichten unmittelbar 
auf Qranit. Die Schichten von Erlenbach haben sich auagekeilt 
und sind westwärts zurückgeblieben. Bei Reichsfeld und Bern- 
hardsweiler liegen die Trienbacher Schichten auf Weiler Schiefer. 
Bei Heisenstein, auf dem Rücken westlich von Nothhalten, sowie 
im Walde von Dambach zwischen Käsmark und Neumatten be- 
obachtet man über Granit mehrere Meter fester Arkosen, die aus 
Granitmaterial bestehen und dem Granit so ähnlich werden, dass 
man im Zweifel sein könnte, wo die Grenze zwischen beiden 
Gesteinen zu ziehen ist, wenn nicht hier und da sich einschie- 
bende Schieferthonlagen die sedimentäre Natur der Arkosen an- 
zeigten. Gegen Norden werden Schieferthoneinlagerungen, die 
durchaus mit denen der oberen Trienbacher Schichten stimmen, 
häufiger, und es treten dazu conglomeratische Einlagerungen, 
deren Gerölle aus Quarz, Gneiss, Hornblendeschiefer, Steiger 
Schiefer und besonders grünen Schiefern bestehen. Letztere fehlen 
den oberen Trienbacher Schichten an den äussersten westlichsten 
Punkten ihres Vorkommens; sie schalten sich allmählich ein, je 
mehr man in der Richtung nach der Rheinebene hin vorschreitet. 
Aus der Verbreitung der Schichten ersieht man, dass die Ar- 
kosen von Heisenstein durch die Arkosen mit Schiefern und 
Conglomeraten in horizontaler Richtung mit den oberen Trienba- 
cher Schichten bei Trienbach in direktem Zusammenhang stehen. 
Wir betrachten daher die granitischen Arkosen bei Heisenstein 
als eine durch die Beschaffenheit des Untergrundes bedingte lokale 
Facies der oberen Trienbacher Schichten und nehmen ein Ueber- 
greifen derselben auf das Grundgebirge nach Osten an, ein Ver- 
halten, welches ganz dem der älteren, oben beschriebenen Ab- 
theilungen entspricht. Auch hier reduzirt sich die Mächtigkeit 
nach Osten hin allmählich. 

Bezeichnend für diese Abtheilung und zwar hauptsächlich, 
wenn nicht ausschliesslich, für die unteren conglomeratischen 
Lagen ist das Vorkommen von verkieselten Stämmen, v. Oeyn- 
hausen, v. Dechen und v. la Roche 1 (S. ,174), Voltz (S. 57), 



I. «In dem Konglommerat kommt liedischer Stein vor, und auf den Feldern findet 



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Uober das Rothliegende der Vogesen. 



55 



Daubkki; (S. -6), Bodlay (S. »s) kannten dasselbe und nennen 
verschiedene Fundpunkte, die alle auf Trienbacher Schichten zu- 
rückzuführen sind. Die Angabe über Funde bei Laach (Voltz 
S. 57) bedarf der Bestätigung. Man findet die Kieselhölzer jetzt 
nicht selten bei Hohwart östlich vom Ort und östlich von der 
Aegidiuskirche an dem Wege, der von St. Peterholz in nordöst- 
licher Richtung nach Neumatten führt, zwischen Peterholz und 
Forsthaus Weilerpfad, in den Weinbergen nördlich von Trienbach, 
sowie auf dem flachen Rücken zwischen diesem Ort und Weiler. 
Die geologische Landessammlung besitzt von letzterer Fundstelle 
ein ausgezeichnetes Stück einer Artisia. Es wurden Stämme mit 
einem Durchmesser von 1 m beobachtet 

Die Verbreitung der Trienbacher Schichten wird sich aus 
den in der Aufnahme begriffenen Karten besser ersehen lassen 
als aus einer langen Beschreibung. Es mögen hier nur einige 
Punkte genannt werden, an denen die Lagerung und die Gesteins- 
beschaffenheit derselben gut beobachtet werden können. 

Das porphyrführende Conglomerat tritt in einer mächtigen 
Bank im Dorfe Trienbach hart an die Strasse nach Weiler heran. 
Einem höheren Niveau angehörende Arkosen sind an dem Steil- 
absturz an dem östlichen Ausgang des Dorfes gegen Hohwart 
blossgelegt. Die Auflagerung auf Erlenbacher Schichten ist sehr 
schön an den von Weiler und Erlenbach nach dem Ungersbcrg 
führenden Wegen zu sehen, auf ersterem bei 345 m, auf letzterem 
bei 500 ra. An beiden Stellen fällt das massenhafte Vorkommen 
von Porphyrgeröllen sofort auf. 

In dem von Erlcnbach nach dem üngersberg hinaufziehen- 
den Thälchen beobachtet man in einem Steinbruch unterhalb der 
letzten Weinberge grobkörnige, im frischen Zustande blaue, nach 
dem Verwittern grau bis gelb gefärbte, stellenweise schwarz ge- 
tigerte, aus gerundeten Körnern von Feldspath und Quarz und 
einzelnen Geröllen zusammengesetzte Arkosen in Bänken bis zu 

man häufig grosse Mas.s«n von Holz, welches in liedischen Stein verwandelt ist, und 
welche fast ohne Zweifel dem Konglommeralc angehören. Alle diese Massen finden sich 
auf einem Bergrücken, der, ziemlich flach ansteigend, gegen den Undersberg hinzieht, 
der sich, ein zweiter Berg, steil über diesen Bergrücken erhebt.* 



56 



E. W. Beneckk und L. van Wertere. 



1 in Mächtigkeit. In Gestalt flacher Linsen sind feinkörnige Ar- 
kosen und schwarze Schieferthone eingelagert, in welchen die 
S. 57 besprochene kleine Flora sich fand. Hier und da kommt 
Bleiglanz und Eisenkies, vor allem aber in dem blauen frischen 
Gestein Arsenkies fein eingesprengt vor. Die von BüCKING' be- 
schriebenen Krystalle von Arsenkies stammen aus einem Gneiss- 
gerölle dieser Arkosen. 

Gegenüber auf der anderen Thalseite und weiter aufwärts 
in der Richtung nach Forsthaus Meisenbuckel trifft man bald die 
obere aus violetten und grünen Schieferthonen und feinkörnigen 
Arkosen bestehende Abtheilung der Trienbacher Schichten. 

Von den zahlreichen Aufschlüssen östlich vom Ungersberg 
sei nur auf jenen am Wege von St. Peterholz nach Neumatten 
aufmerksam gemacht. Bis zur Höhe von 310 m stehen hier Arkosen 
und Conglomerato der unteren Trienbacher Schichten mit zahl- 
reichen Einlagerungen rother Schieferthone an. Die granitähnlichen 
Arkosen, die wir den oberen Trienbacher Schichten zurechneten, 
kommen ausser bei Nothalten, wo sie in zahlreichen Gruben als 
Beschotterungsmaterial gewonnen werden, noch im Stadtwald von 
Dambach, nördlich von Eäsmark und etwas westlich von hier 
an dem nach dem Schulhof führenden Wege vor. 

In einem Hohlweg zwischen der Sebastianskapelle bei Dam- 
bach und dem Zillerloch stehen graue Arkosen mit unbestimmbaren 
Pflanzenresten in gestörter Lagerung an. Vielleicht wurde hier der 
von Daübree (S. ?i) angeführte Versuchsbau unternommen. Der 
Aufschluss ist so mangelhaft, dass sich über das Alter der Schichten 
nichts sagen lässt; am ersten könnte man noch an Trienbacher 
Schichten denken. Vielleicht stammt das von Boülay erwähnte 
Exemplar von Pecopteris Cyathca mit der Etiquette Dambach der 
Strassburger städtischen Sammlung von hier. Dasselbe konnte leider 
nicht wieder aufgefunden werden. 

In gleicher Entwickelung wie auf der linken Seite des 
Weiler Giessen sind Trienbacher Schichten auf der rechten, süd- 
lichen Seite dieses Baches verbreitet 

1. BirniNG, Mineralogische Mittheilungen. 1. Arsenkies von Weiler bei Schlett- 
stadt. Mittheil, der Commission f. die geolog. Landesunters. v. Els.-Lothr. Bd. I. 114. 



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Uober das Rothliegende der Vogesen. 



57 



An einer Stelle in dem oben erwähnten Steinbruch bei 
Erlenbach haben »ich in den unteren Trienbacher Schichten 
Pflanzenreste gefunden. Dieselben sind aber wegen der Zerreib- 
lichkeit des Bandigen Schieferthons schwer in bestimmbaren Stucken 
zu gewinnen. Herr Zeiller, dem wir flir seine freundliche Unter- 
stützung zu ganz besonderem Danke verpflichtet sind, konnte fol- 
gende Arten mit Sicherheit erkennen: 

Annularia steüata ScnL. sp. 

Pecopteris oreopteridia SCHL. sp. 

Callipteris conferta STRNB. sp. 1 

Walchia piniformis Strnb. 

Dazu kommt noch ein schönes Sphenophyllum, welches wahr- 
scheinlich mit S]>k. Thoni Mahr identificirt werden darf. 

Callipteris conferta ist bezeichnend für Rothliegendes, Walchia 
piniformis wird zwar aus dem obersten Carbon angegeben, ist aber 
erst im Rothliegenden häufig. Beide Pflanzen sind an unserer 
Fundstelle häufig. Fecopteris oreopteridia kommt im oberen Car- 
bon und im Rothliegenden vor. Sphenophyllum Thoni ist aus dem 
obersten Carbon von Manebach beschrieben. Annularia stellata hat 
eine grössere verticalo Verbreitung und kommt bei Bestimmung 
des Alters der Schichten nicht in Betracht Wir dürfen also an- 
nehmen, dass die unteren Trienbacher Schichten dem Rothliegenden 
angehören. 

Mehr lässt sich nach den wenigen vorliegenden Pflanzen 
nicht sagen, doch wird man wegen der Stellung der Arkosen un- 
mittelbar über den Erlenbacher Schichten und wegen des Vor- 
kommens einiger Arten, welche bereits in der Kohle auftreten, 

1. In der Explication de la carte geologique de la France, Vegetaux fossiles du 
terrain houiller, PI. CLXYII flg. 6 wurde von Zeilli« ein Exemplar von Callipteris 
gigantea Schl. sp. aus dem Permien inferieur des Val de Ville abgebildet. Nach einer 
gefälligen Mittheilung des Herrn Zeillek stammt das Stück aus der vor bald 100 Jahren 
nach Paris gekommenen Sammlung des um die Geologie, besonders des Elsass und 
Lothringens, sehr verdienten DitTiiicn. Herr Zeiller hatte die Freundlichkeit, uns ein 
Fragment des Gesteins, in welchem diese Callipteris enthalten ist, zu schicken. Es ist 
ein sehr feiner schwarzgraucr Schieferüion, wie er anstehend in den Vogesen bisher 
nicht gefunden wurde. Vielleicht stammt das Stück aus einem alten Schürf bei Not- 
halten, — wenn nicht überhaupt eine Verwechslung vorliegt. 



58 



E. W. Bekecke and L. tat» Wkrveke. 



geneigt sein, eher die Cuseler als die Lebachor Schichten zum 
Vergleich herbeizuziehen. 

Eine reichere Flora haben die oberen Trienbacher Schichten 
geliefert. Schimper' beschrieb die denselben entstammende Taeni- 
opteris multinervia nach Exemplaren, welche Voltz vor langer 
Zeit in der Strassburger Sammlung niedergelegt hatte, gab aber 
die Fundstelle unrichtig an. Boülay* fand das Lager derselben 
zwar auf und machte eine Anzahl zugleich vorkommender Arten 
bekannt, blieb aber über das genauere Alter der betreffenden 
Schichten im Unklaren. 

Anfangs hatte Schimpku diese Taeniopteris in der Sammlung 
als T. carbonaria bezeichnet. Als ihm dann von Weiss ein Probe- 
abzug von Tafel VI zu dessen Werk über die fossile Flora der 
jüngsten Steinkohlenformation und des Rothliegenden im Saar- 
Rhein-Gebiet mitgetheilt wurde, auf welcher eine Taeniopteris mul- 
tinervia aus dem Thoneisenstein von Lebach abgebildet war, iden- 
tificirte er die Form aus den Vogesen mit jener von Lebach und 
nahm den von Weiss gegebenen Namen an. Wenn Schimper 
zuerst die Bezeichnung carbonaria wählte, so deutet dies darauf 
hin, dass er an ein Vorkommen im Carbon dachte. Auf Grund des 
Vorkommens des von Weiss abgebildeten Exemplars in Lebacher 
Schichten gab er dann in der Paleontologie vegetale den gres 
rouge inferieur als Lager an. Die Fundstelle selbst kannte 
Schimper nicht. 

Die Angabe «pres de St Georges dans les Vosges» beruht 
augenscheinlich auf einer Verwechslung mit St. Martin bei Weiler. 
Dieser Ort liegt zwar selbst auf Weiler Schiefer, aber demselben 
gegenüber, auf der anderen Seite des Thaies, im 'Walde von Hon- 
court, suchte man nach Kohlen, und bei der Gelegenheit wurde 
Taeniopteris multinervia gefunden. 

Daubree verdanken wir einige nähere Angaben. Er sagt: 
«La montagne sur laquelle repose la foret nationale de Honcourt 



f. Senium, Trait* de Paleontologie vegitale, 1, 600. 

2. Boclay , Recherche s de Paleontologie vegetale sur le terrain houiller des 
Vosges. BuU. Soc. d'hist. naturelle de Colmar, 1879,80. S. 23. 



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üeber daa Rothliegende der Vogescn. 



59 



est terminee vers le Nord, c'est-a-dire vis-a-vis de Saint-Martin, 
par une pcnte abrupte sur laquelle on voit affleurer des schistes 
houillers tres riches en empreintes de fougeres et de calamites. 
Ces schistes alternent avec quelques lits minces de houille et sont 
associes an gres houiller qui s'etend jusqu'au ruisseau. 

Au lieu dit Teufelsbrunnen, on a fait il y a quarante-cinq 
ans (also 1807), des recherches sur cet affieurement Un sondage 
entrepris sur le mßme point en 1834 a atteint le schiste de tran- 
sition ä la profondeur de 44 metres, sans avoir rencontre de 
couche de combustible. D'autres fouilles ont ete faites dans le mSme 
lieu en 1845 par la Societö du Ren sans plus de succes. 

Dans le lieu dont il s'agit, leg couches houilleres se dirigent 
E.-0. et plongent de 15 ä 20° vers S. A 20 metres du jour, elles sont 
coupees par une faille qui est parallele ä celle de Lalaye » (S. e»). 

Boulay hat dann vor wenigen Jahren im Wald von Hon- 
court gesammelt' und folgende Pflanzenliste veröffentlicht : 

Annularia longifolia 
Sphenophyllum oblongifolium 
Dictyopteris Schützer 
Pecopteria polymorpha 

» cyathea 
Taeniopteris multinervia 
Stipe de Fougere 
Cordaites 
Dory- Cordaites 
Poa-Cordaite» latifolius 
Anthodiopiis Beinertiana ? 
Cardiocarpus orbicularis 
Rhabdocarpus obliquus. 

Annularia longifolia soll in tieferen Schichten des Auf- 
schlusses herrschen, Taeniopteris multinervia in den höheren. Wir 

1 . Herr Paüokl in Colmar hatte die Freundlichkeit, sich bei Herrn Bouuv nach 
der genaueren Lage der Fandstelle der von ihm gesammelten Pflanzen iu erkundigen. 
Aus der Antwort des Herrn Boulay ergiebt sich mit Wahrscheinlichkeit, dass er die 
alten Schürfe meint, wenigstens liegen die von ihm aof der Karte bezeichneten Punkte 
nahe bei denselben. 



60 



E. W. Bexbckb und L. vah Wbrveke. 



wollen gleich bemerken, dass es fraglich ist, ob man das so all- 
gemein aussprechen darf, da die Schichten sehr verrutscht sind 
und jedenfalls in einer Bank Annularia longifolia und Taeniopteri» 
mtUtinervia in grosser Menge zusammen vorkommen. 

BoüLAY hat bei Zusammenfassung der Resultate seiner Unter- 
suchung über das Terrain houiller der Vogesen die Flora dieser 
Schichten mit der unserer Erlenbacher Schichten vereinigt, wenn 
es ihm auch nicht entging, dass jede derselben ihre Eigenthüm- 
lichkeiten hat Er meint, die Schichten mit TamiojpUris multinervia 
seien wahrscheinlich älter als die Erlenbacher Kohle, während 
wir zu der entgegengesetzten Auffassung kommen. Für die Schich- 
ten im Walde von Honcourt und von Erlenbach zusammen folgert 
Boulay ganz richtig, dass «le torrain houiller qui de la forßt de 
Honcourt B'etend a Nothalten, par Erlenbach et Trienbach, constitue 
le Boramet de la formation houillere et touche immädiatement au 
pcrmien ». 

Die Lagerungsverhältnisse im Walde von Honcourt sind sehr 
gestört Daubrek macht schon auf beträchtliche Störungen auf- 
merksam. An einer Spalte ist in der That das Kohlengebirge 
und Rothliegende neben Weiler Schiefer gesunken. Eine andere 
Verwerfung läuft von SO nach NW parallel dem Thal des Steiger 
Giemen und schneidet Erlenbacher und Trienbacher Schichten 
gegen jüngere Schichten des Rothliegenden, welche den Berg 
zwischen dem Weiler und Urbeiscr Giessen hauptsächlich zusam- 
mensetzen, ab. So hängt ein schmaler Streifen von Erlenbacher 
und Trienbacher Schichten an der Nordseite des Berges unterhalb 
des Weges von Weiler nach Honcourt, welcher in jüngeren Tuffen 
des Rothlicgenden läuft, bis an den Giessen herunter und bildet 
die von Daubree genannte pente abrupte. Erlenbacher und Trien- 
bacher Schichten sind aber nochmals staffelartig gegen einander 
verschoben, so dass der alte Schacht, wenig unterhalb des Weges 
von Weiler nach Honcourt, in der flachen vom Teufelsbrunnen 
herunterführenden Senke, in Erlenbacher Schichten steht, wie 
die auf der kleinen Halde liegenden Dolomitbrocken beweisen, die 
Schürfe dagegen nur wenig weiter in der Richtung nach Weiler 
an dem Steilgehänge in Trienbacher Schichten angesetzt wurden. 



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Uebcr das Rothliegeude der Vogesen. 



61 



Die Gesteine der Trienbacher Schichten, die nur auf wenige 
Meter frei gelegt wurden, sind feine, glimmerführende Arkose- 
sandsteine im Wechsel mit gröberen Arkosen ohne Gerülle. Genau 
dieselbe Beschaffenheit haben Gesteine, welche dem Arkosebruch 
bei Erlenbach gegenüber anstehen und ihrer Lagerung nach als 
obere Trienbacher Schichten bezeichnet werden müssen. Ueberhaupt 
kommen ähnlich entwickelte Gesteine im ganzen Gebiete nur in 
den oberen Trienbacher Schichten vor. Als einziger Unterschied 
könnte etwa nur das Zurücktreten der sonst häufigen rothen und 
violetten Färbung im Walde von Honcourt hervorgehoben werden. 
Bei dem reichlichen Vorkommen von Pflanzen kann aber die grauo 
Färbung nicht auffallen. Auch kommen sonst in oberen Trienbacher 
Schichten ausschliesslich graue Gesteine vielfach bis zu mehreren 
Metern Mächtigkeit vor. 

Dicht oberhalb der Aufschlüsse tritt eine von Anlagen um- 
gebene Quelle, der Teufelsbrunnen, zu Tage. Wir wollen uns ferner- 
hin dieser in der ganzen Gegend bekannten und schon von Daü- 
bree gebrauchten Bezeichnung an Stelle der etwas unbestimmten, 
Wald von Honcourt, bedienen. 

Durch wiederholtes Nachgraben in beiden Schürfen gelang 
es uns, die bisher von dieser Stelle bekannte Zahl von Arten 
noch um einige zu vermehren. Herr Zeiller hatte die Liebens- 
würdigkeit, auch diese kleine Flora einer Untersuchung zu unter- 
ziehen und uns schätzen swerthe Mittheilungen über dieselbe zu 
machen. 

Es liegen folgende sicher bestimmbare Arten vor: 

Annularia ateüata Schl. mit CaUtmoatachijn tuberculata, theils 
zusammenhängende Fruchtstände, theils einzelne in Menge in dem 
Gestein liegende Sporangien. 

Caiamite* cannaeformis Schl. 

SphenophyUum oblongifolium Germ. 
Thoni Mahr 

Sphenopteris cristata Strnb. 

Od&ntopterü lingulata Goepp. sp. (= Od. obtusa Weiss non 
Brongn.) 

Callipteris conferta (Strnb.) Brongn. (Oberes Ende eines 



62 



E. W. Benkcke und L. van Wkbvkke. 



Wedels oder ein Wedel mit verwachsenen pinnulae. Cf. Weiss, 
Flora der jüngsten Steinkohlenform. T. VII f. 20.) 
Callipteridium gigas GüTB. 

Neuropteris gleickenoides Stob (Neur. Loschii und N. Oran- 
gen Gutb.) Herr Zeilleb fand Uebereinstimmung einiger StUcke 
vom Teufelsbrunnen mit Exemplaren, welche von Herrn W. DE 
Lima bei Bussaco in Portugal mit anderen Arten des Rothliegonden 
gesammelt wurden. 

Dictyopteris Schützet F. A. Roem. 

Pecopterü oreopteridia ScHL. sp. 
unita Bronon. 
Daubriei Zeill. 

Taeniopteris multinervia Weiss 
• jejunata Gb. Eü. 1 

Unter den Calamarienresten finden sich Formen, welche zu 
den neuerdings von Renault in der Flora von Commentry auf- 
geführten Arthropitis approximata, A. elongata und A. communis* 
gehören können. 

Unter den zahlreichen einzelnen nicht sicher bestimmbaren 
Fiederchen, sterilen und fructificirenden, sind wahrscheinlich Pecop- 
terü (Astherotheca) arborescens Schl. und Peuneura Gb. Eü., ferner 
Pec. dentata vertreten. 

Die Cordaiten sind nur mangelhaft erhalten, wahrscheinlich 
ist Cord, principalis Germ, darunter. 

Unter den nicht seltenen Früchten mag Cordaicarpus, Sama- 
ropsit und vielleicht Pachytetta vertreten sein. 

Am häufigsten unter den genannten Formen sind Taeniopteris 
muüinervia und Annidaria ttellata. Erstere erfüllt eine Bank aus- 
schliesslich, kommt aber auch in anderen Bänken mit anderen 
Formen und Annularia vor. Letztere ist zwar auch in einer Bank 
sehr häufig, aber nicht auf diese beschränkt. Callipteris conferta 
liegt nur in einem Exemplar vor. 



1. Aus den Schichten von St.-Etienne, durch Ghand'Euby beschrieben (Flore 
carbonifere du departement de la Loire, 121). 

2. Saramtlich Catamles deutscher Autoren. 



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Ucber das Kothlicgendc der Vogoscn. 63 

Die Flora des Teufelsbrunnens stimmt nach Herrn Zeilleb 
vollständig mit mehreren des französischen Centralplateaus überein, 
welche in Schichten an der Basis des Rothliegenden liegen. 

Taeniopteris multinervia* wurde in einem Exemplar in den 
Lebacher Schichten gefunden, am Teufelsbrunnen ist die Art in 
erster Linie bezeichnend. Als Seltenheit kommt dieselbe in den 
bituminösen Schichten von Igornay im mittleren Frankreich vor, 
woselbst das Vorkommen von Callipteris conferta noch etwas zwei- 
felhaft ist. 

Nach dem Gesammtcharakter werden wir also auch der Flora 
von Teufelsbrunnen, ebenso wie jener der unteren Trienbacher 
Schichten, eine tiefe Stellung im Rothliegenden anweisen. Dieselbe 
darf nicht etwa wegen des Vorkommens von Taeniopteris multi- 
nervia mit den Lebacher Schichten verglichen werden. 

2. Die Schichten von Heisenstein. Mit den Erlenbacher 
Schichten verwechselt und mit diesen zur Kohlenformation ge- 
rechnet* wurden schwarze Schieferthone mit Einlagerungen braunen 
und schwarzen Kalkes und Dolomites mit gebänderten Kieselaus- 
scheidungen, die im östlichen Theil unseres Gebietes an mehreren 
Punkten deutlich den Trienbacher Schichten aufgelagert und von 
Tuffen überlagert sind. Sie erreichen nur 10 m Mächtigkeit 

An der Biegung der Strasse von Blienschweiler nach Thann- 
weiler bei 425 m, nahe der Vereinigung mit der Strasse nach 
Ittersweiler, steht Granit an. Auf demselben liegen obere Trien- 
bacher Schichten, nämlich rothbraune und violette Schieferthone 
mit Arkosen im Wechsel, welche an die bei Heisenstein auf dem 
Granit liegenden erinnern. 100 m von der Waldspitze, auf der 
rechten Seite des Weges beginnen die Heisensteiner Schichten, 
bestehend aus grauen Schieferthonen und braun verwitternden 

t. Taeniopteris Roemeri Schenk (F. Roemeb, Geologie ton Oberscblesien 116, 
T. IX, f. 1) aas dem Kalk von Karniowice im Krakauer Gebiete halt Weiss (Fossile 
Flora der jüngsten Steinkohlenformation u. d. Rothliegenden 214) für identisch mit 
Taeniopt. multinervia. Die Stellung des genannten Kalkes innerhalb des Rothliegenden 
ist nicht genauer bekannt. (Yergl. auch: Giaicn, Erlaut. z. d. geol. Ucbersichtskarte 
ton Schlesien. Rreslau 1890, S. 97.) 

2. Voltz, S. 15; DitiBKKE , S. 72; Botiur, S. 35. 



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64 



E. W. Beneckb und L. van Wbrvkke. 



kleinkörnigen Dolomiten. Von letzteren hat eine Bank 0,so m Mäch- 
tigkeit, eine andere etwas höher anstehende 0,65 m; Bänkchen von 
0,i — 0,4 liegen unregelmässig dazwischen. Darüber folgen Schiefer- 
thone mit Lagen von schwarzem Kohlenschiefer und Kalk. Die 
ganze Schichtenfolge ist 7 m mächtig. Rothe Schieferthone und 
Tuffe der folgenden Abtheilung bilden das Hangende. 

Auf dem RUcken westlich von Nothalten liegen die Heisen- 
steiner Schichten bald auf Trienbacher Schichten, bald auf Granit, 
der erster« buckeiförmig durchragt Ein zusammenhängender Streifen 
derselben zieht am Nordwestabhang des Eichelberges hin. Unter- 
lagerung durch Trienbacher Schichten und Ueberlagerung durch 
Tuffe ist auch hier zweifellos. 

Wegen der Aehnlichkeit der Gesteine dieser Abtheilung mit 
denen der Erlenbacher Schichten haben wir die eben genannten 
Aufschlüsse, an denen die Lagerung keinen Zweifel Uber ihre Stel- 
lung lässt, genauer beschrieben. In Folge des Vorkommens von Koh- 
lenmulm und weil man Erlenbacher Schichten vor sich zu haben 
glaubte, hat man auch in diesen Schichten mehrfach geschürft, so 
1783 die Stadt Strassburg auf dem Rücken westlich von Nothalten. 
Dietrich (S. 195 Anmerkung) berichtet von den ersten Funden 
von Kohlenmulm. Voltz (S. is) erwähnt das Vorkommen von 
Blienschweilcr, Daubree (S. to— 7*) theilt ein Profil der Schichten 
vom Nordrand des Dambacher Waldes 200 m südwestlich von 
Neumatt mit. 

Das von Dietrich (S. m) auf Grund von Angaben Orts- 
angehüriger angegebene Vorkommen zu Zell und Ittersweiler 
(Ettenschweiler bei Dietrich) scheint nicht sicher. Dadbree konnte 
es nicht auffinden, es stehen auch in der That in der Gegend 
nur jüngere Schichten an. Das Vorkommen bei Blienschweiler 
zeichnet E. de Beaumont auf der geologischen Uebersichtskarte 
von Frankreich nördlich von Dambach ganz richtig ein. Der von 
Boulay in Beziehung auf dasselbe geäusserte Zweifel ist nicht 
begründet. 

Beachtenswcrth ist, dass die Heisensteiner Schichten nur im 
Osten unseres Gebiets auftreten, also westlich des Ungersberges 
fehlen. 



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Ueber das Hothliegoude der Voge8en. 



65 



3. Die nächste Abtheilung, welche wir nach einem ausge- 
zeichneten Vorkommen am Südwestfusse des Ungersberges als 
Schichten vom Meisenbuckel bezeichnen wollen, bestehen aus 
Tuffen und Schieferthonen, denen an der Basis untergeordnet ar- 
koseartige Gesteine eingelagert sind. Sie erreichen eine Gesammt- 
mächtigkeit von 40 m. Die Tuffe sind weiss, gelblich, roth, violett, 
einfarbig und gefleckt, bald fest, den Steinmergeln des Keupcrs 
ähnlich, zur Strassenbeschotterung verwendbar, bald weich, schiefer- 
thonähnlich, kurz von jener Mannigfaltigkeit der Erscheinung, die 
Tuffen überhaupt eigen zu sein pflegt Die Bänke sind verschieden 
mächtig, 0,i—l m. Die Schieferthone zeigen stets rothe Färbung. 

Die Schichten vom Meisenbuckel sind über unser ganzes 
Gebiet mit Ausnahme des westlichsten Theiles in gleichartiger 
Entwicklung .verbreitet. Eine Auflagerung auf altes Gebirge, Granit 
oder Weiler Schiefer, ist aber nirgends zu beobachten. 

Petrographisch so gut charakterisirte Gesteine wie die Tuffe 
raussten früh auffallen, v. Oeynhausen, v. Dechen und v. la Roche 
(S. m) beschreiben sie ausführlich in dem Profil vom «Unders- 
berg nach Wiler» als Thonsteinlager im Porphyrconglomerat. 
Unter letzterem wurden unsere Trienbacher Schichten und die 
nachher zu besprechende Abtheilung verstanden. Voltz (S. ie) und 

■ 

E. de Beaumont (S. 3»e) führen Tuffe als Lager im rothen Sand- 
stein an. Daubree (S. 79) erwähnt sie als mächtige Vorkomm- 
nisse, ohne ihnen eine bestimmte Stellung anzuweisen. Velain 
und Cohen beginnen mit ihnen das Rothliegende. 

Die grössten Flächen nehmen die Tuffe auf dem rechten 
Giessenufer ein, sie treten hier auf dem flachen Rücken zwischen 
Breitenau und Grube einer-, Weiler andererseits vielfach zu Tage. 
Gut aufgeschlossen sind sie auch über dem neuen Friedhof von 
Weiler an den nach Ruchwald und Honcourt führenden Wegen. 

Am Meisenbuckel ist die Auflagerung auf Trienbacher Schichten 
gut zu sehen. Von hier beschrieben v. Oeynhausen, v. Dechen 
und v. la Roche die Tuffe. Dieselben sind nicht scharf von ihrer 
Unterlage geschieden, indem anfangs Schieferthon, Arkosen und 
Tuffe mit einander wechseln. Die erste Tuffbank ist dunkel gefärbt 
und leicht zu erkennen; wir haben sie als Grenze angenommen. 



E. W. Beneoie und L. va* Werveke 



An dem Wege von Trienbach nach dem Forsthaus Kohlbächel, wo 
in der Höhe von 400 m der Weg den Waldrand verlässt, steht 
dieselbe deutlich an. Darüber folgen dann Tuffe und Arkosen im 
Wechsel, bis schliesslich Tuffe und Schieferthon herrschen. Das 
westlichste Vorkommen auf dem linken Giessenufer liegt in den 
Rebhügeln nördlich von Trienbach. Auf der Ostseite des Ungers- 
berges treffen wir die Tuffe in muldenförmiger Lagerung zwischen 
Reichsfeld, Zell und Bernhardsweiler. Von den zahlreichen da- 
zwischen liegenden Punkten sei nur die Umgebung des Aegidius- 
berges, jener auf das ganze Weilerthal eine prachtvolle Aussicht 
gewährenden Höhe, mit zahlreichen das Gestein aufschliessenden 
Materialgruben, erwähnt. Beim Zerfallen liefern die Tuffe einen 
charakteristisch aussehenden, lebhaft gefärbten, aus kleinen eckigen 
Bröckchen bestehenden Boden, der auf Aeckern das Anstehen des 
Gesteins in der Tiefe verräth. 

4. Die Schichten von Kohlbächel. Den Schluss des Roth- 
liegenden in unserem Gebiet bildet eine 180— 200 mächtige Ab- 
lagerung von rothen Arkosen, Sandsteinen, Schief erthonen, Kon- 
glomeraten und Breccien, in welchen die verschiedenartigsten 
Gesteine vorkommen, so Biotitgranit, gleichmässig körnig oder mit 
grossen Feldspathkrystallen (Kammgranit), Biotitgneiss, bald reich, 
bald arm an Glimmer und klein- bis feinkörnig, Hornblende- 
gneiss, verschiedene Porphyre, Quarz rein oder mit Chloritadern, 
Quarzit, Knotenthonschiefer, Andalusithornfels. Die Gerölle sind 
theils vollständig gerundet, theils haben sie nur die Kanten ge- 
rundet und werden dann den Vielkantnern des norddeutschen Di- 
luvium mitunter sehr ähnlich. Da ähnliche Kantengerölle in keiner 
andern Formation der Vogesen auftreten, hier aber Uberall ober- 
halb der Tuffe und unter dem Buntsandstein nicht selten sind, so 
verdienen dieselben Beachtung. 

Die Sandsteine sind theils und zwar gewöhnlich grobkörnig, 
theils feinkörnig. Ein die Quarzkörncr überziehendes Häutchen 
von Eisenoxydhydrat bedingt mitunter allein den Zusammenhalt. 
Solche Sandsteine zerfallen leicht Gewöhnlich findet sich aber 
Thon zwischen die Sandsteinkörner gelagert und es entstehen 



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Ucber das Rothliegemlc der Vogesen. 



67 



Thonsandsteine, beinahe ausnahmslos von rother Färbung. Als ein 
besonders häufiger Gemengtheil der Sandsteine ist Feldspath, meist 
in kaolinisirtem Zustand zu nennen, welcher die Bildung von Ar- 
kosesandstein , ebenfalls meist roth gefärbt, veranlasst Graue Ar- 
kosen denen der Trienbacher Schichten gleichend sind ganz unter- 
geordnet. Wo sie vorkommen, können sie ohne Kenntniss des Lagers 
nicht von den tiefer liegenden unterschieden werden, wie anderer- 
seitsgewisse Sandsteine denen des Buntsandsteins durchausgleichen. 
Mit dem Thonsandsteine durch allmähliche Uebergänge verbunden 
sind rothe Schieferthone, oft mit reichlichem Glimmergehalt. Con- 
glomerate und Breccien herrschen bei vollständiger Entwicklung in 
dem unteren, Sandsteine und Schieferthone in dem oberen Theil 
der Abtheilung. In benachbarten Gebieten, wo die obere Abthei- 
lung über die untere auf das Grundgebirge übergreift, kommt aber 
auch in dieser grobes, der unmittelbaren Unterlage entnommenes 
Material vor. 

Nahe der oberen Grenze der Rohlbächelschichten tritt bei- 
nahe Uberall Dolomit auf, bald in wenig anhaltenden Bänken, 
bald in unregelmässigen Knollen oder auch nur als Cement zwischen 
den Sandsteinkörnern. Mit dem Dolomit erscheint Carneol, der 
sich durch seine blutrothe Färbung und grosse Widerstandsfähig- 
keit gegen die Einflüsse der Atmosphärilien auch nach dem Zer- 
fallen des Gesteins bemerkbar macht. 

Trotz der grossen Verbreitung dieser obersten Schichten des 
Rothliegenden ist doch nirgends die Auflagerung derselben auf 
dem alten Gebirge in unserem engeren Gebiet zu beobachten. 
Wo sie mit demselben in Berührung treten, liegen Verwerfungen 
vor. In ausgezeichneter Weise ist die Auflagerung aber, wie wir 
sehen werden, in geringer Entfernung aufgeschlossen. Unter allen 
Abtheilungen des Rothliegenden greift diese am meisten über, und 
wenn wir in der Umgebung des Weilerthaies Grundgebirge in 
einer Höhe, die Uberhaupt vom oberen Iiothliegenden erreicht 
werden konnte, zu Tage treten sehen, so dürfen wir annehmen, 
dass dasselbe früher von Roth liegen dem bedeckt war. 

Auf dem rechten Ufer des Giessen ziehen die Kohlbächel- 
schichten von Weiler über Bassenberg, Grube, Breitenau, Diefen- 



68 



E. \V. Bkne<kg und L. van Wkkveke. 



bach und Gereuth bis zur Vereinigung von Leber und Glessen, 
am Fusse der Buntsandsteinberge vielfach durch Gehängeschutt 
verdeckt 

Auf der linken Seite des Giessen treffen wir diese Abtheilung 
am Fusse des Ungersberges vom Saubach Uber den Bärenberg, 
rothe Hecken bis Taubenthal bei Reichsfeld. Die Wege von Heisen- 
stein durch rothe Hecken nach dem Kühlbrunnen und Forsthaus 
Kohlbächel, sowie von Baumgarten nach dem Ungersberg bieten 
gute Aufschlüsse, erstere von Kurve 420, letztere von Kurve 400 an. 
Ein schmaler, von zwei Verwerfungen begrenzter Streifen von 
Kohlbächelschichten trennt den Buntsandstein des Ungersberges 
von den Weiler Schiefern. Weiter treffen wir die Schichten auf 
beiden Seiten des Scherweiler Baches am Eichel- und Kugelsberg. 
Gegen das Rheinthal schneiden sie in Folge einer Verwerfung 
scharf am Buntsandstein ab. Eine kleine Scholle liegt vor dem 
Granitmassiv an den westlichsten Häusern von Blienschwciler. 

Die Dolomite sind am Ungersberg durch den vom Forsthaus 
Kohlbächel gegen Norden ansteigenden Weg in der Höhe von 
610 m angeschnitten. Einen vorzüglichen Aufschluss bietet der 
Weg von Breitenau nach dem Rougerin zwischen den Kurven 
360 und 380. Cohen hat auf denselben neben anderen bei Grube 
und dem Forsthaus Bonhomme im Kapellenthal (südlich von Brei- 
tenau) hingewiesen. 

Die Beschreibungen des Rothliegendcn der älteren Autoren 
beziehen sich zumeist auf unsere Schichten von Kohlbächel. Sie 
ßind es, die zu den alten Controversen über die Abgrenzung von 
Rothliegendem und Buntsandstein Veranlassung gaben', v. Oeyn- 
hausen, v. Dechfn und v. la RocnE (S. 174) führen sie als 
oberen Theil des « Porphyrconglomerats » und Voltz (S. 16— 17) 
als unteren Theil des «rothen Sandstein» an. Die unmittelbare 
Unterlage bildet bei ersteren ein «aufgelöster Thonsteinporphyr». 
Von der « Mittagsseito dos Ungersberges über Erlenbach » erwähnt 
Voltz sehr verwitterten Porphyr und zwar denselben, welchen 
er aus dem Breuschthal kennt. Anstehende Porphyre kommen in 



I. Bkm k 1 Abhandl. 1. «eolog. Spccialkarle y. Els.-Lothr. I. 502 u. folgd. 



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Ucbcr da« Rothliegende der Vogesen. 



69 



unserem Gebiete nicht vor, diese Angaben bezichen eich daher 
auf Arkosen und Grandgesteine mit porphyrischera Material. K. DK 
Beaumoxt (S. tae) macht auf die eckige Beschaffenheit der Gerölle 
aufmerksam. DaubriSe (S. so) beschreibt die Conglomerate und 
Sandsteine zusammen mit den Tuffen vom Südfuss des Ungers- 
berges. Cohen (S. jm) bespricht die Schichten kurz als Conglo- 
merate und betont ihre Stellung über den Tuffen. 

Die vorher genannten oberen Schichten des Rothliegenden 
von Breitenau bis Gereuth ziehen unter der Buntsandsteinmasse 
des Altenbergs und der Frankenburg hindurch und treten im 
Leberthal wieder zu Tage. Am Wege von Leberau nach Prerebois 
und zwischen Wanzel und der Frankenburg treten die Dolomite 
bei den Kurven 460 und 480 zu Tage. 

Die Fortsetzung dieser Bildungen liegt auf der rechten Seite 
des Leberthaies. Hier bedeckt oberes Rothliegendes und zwar 
speziell nur unsere Schichten von Kohlbächel ohne eine Unterlage- 
rung durch Tuffe unmittelbar den Granit. Sie erstrecken sich 
von der Spitze des Hahnenbergs bis an den Sandsteinrücken der 
Hohkönigsburg und treten am nördlichen, östlichen und südlichen 
Fuss des letzteren zu Tage, überall nahe unter der Grenze des 
Buntsandstein Dolomit enthaltend. 

Da ältere Abtheilungen des Rothliegenden, wie wir sie im 
Weilerthal kennen lernten, hier ganz fehlen, ist es um so auf- 
fallender, produetives Kohlengebirge in unmittelbarer Nähe zu 
finden. Dasselbe steht westlich von der Hohkünigsburg am Fusse 
des Schänzel ziemlich in gleicher Höhe mit dem Rothliegenden 
beim Forsthaus Hohkönigsburg und beim Gasthaus gleichen Na- 
mens zu Tage. Wenig südlicher über Rodern und St. Pilt fand 
Abbau auf Kohle statt Auf dieses Kohlengebirge, welches nach 
seiner Flora bedeutend älter ist als jenes von Laach, legt sich 
unmittelbar Buntsandstein ohne Spur einer Zwischenlagerung von 
Rothliegendem. Hier müssen bedeutende Niveauveränderungen 
nach Ablagerung der Kohle und vor Ablagerung des Rothliogenden 
stattgefunden haben. Wir brauchen nur wenig südlicher, bis an 
die Höhe der Strasse von Rappoltsweiler nach Markirch zu gehen, 
um den Buntsandstein direct oder mit nur sehr wenig mächtiger 



70 



E. W. Benecke und L. van Wkrvekk. 



Unterlage von Rothliegendem den Granit und Gneiss bedecken 
zu sehen. 

Unter allen Umständen gehört das Rothliegende der Hoh- 
königsburg zu demselben Verbreitungsbezirk wie jenes des Weiler- 
thaies, während die kohlenführenden Ablagerungen von St Pilt 
und Rodern eine ganz so lbsts tändige Stellung einnehmen. Wir 
gehen auf letztere hier nicht weiter ein und begnügen uns, darauf 
hinzuweisen: 1) dass während der Bildung der steinkohlenfüh- 
renden Schichten in den Vogesen bedeutende Niveauveränderungen 
stattfanden, 2) dass die jüngsten Schichten des Rothliegenden in 
derselben Weise über ihre Unterlage tibergreifen, wie wir dies für 
die älteren Abtheilungen dieser Formation nachweisen konnten, 
und dass der Verbreitungsbezirk derselben dementsprechend am 
weitesten reicht 

Eine von der Hohkönigsburg nach der Passhöhe zwischen 
Rappoltsweiler und Markirch gezogene Linie bezeichnet etwa die 
südliche Grenze des von zusammenhängendem Rothliegenden er- 
füllten Beckens von Weiler. Weiter südlich tritt dasselbe nur in 
vereinzelten flachen Mulden von beschränkter Ausdehnung auf. 
Die nördlichste Grenze ist schwerer zu bestimmen. Jedenfalls griff 
Rothliegcndes noch weit über das Hochfeld über und trat mit den 
Ablagerungen des Breuschthals in Verbindung. Am Kiehnberg, der 
an einer Spalte gegen das Hochfeld abgesunken ist, liegt Bunt- 
sandstein unmittelbar auf Granit Es ist nicht unwahrscheinlich, 
dass die Quarzporphyre des Andlauthales in der Zeit des Roth- 
liegenden zu Tage traten. Ein bei St Nabor gefundenes Stück 
Karneol deutet auf das einstige Vorhandensein von Rothliegendem 
über den dort anstehenden Grauwacken. 

Nachdem wir die Beschaffenheit und Aufeinanderfolge der ver- 
schiedenen Ablagerungen des Kothliegenden im Weilerthal kennen 
gelernt haben, wollen wir zunächst einen Blick auf die zum Theil 
schon genauer untersuchten und beschriebenen Bildungen gleichen 
Alters in anderen Theilen der Vogesen werfen. 

Wir wenden uns von Laach nach Westen, nach dem Kamm 
des Gebirges. Auf der Passhöhe zwischen den Höfen Fete und 



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lieber das Rothliegendc der Vojresen. 



71 



Premier Francis, unmittelbar an der Strasse von Urbeis nach 
Lubine, stehen graue, rotho und violette Arkoscn im Wechsel mit 
rothenSchieferthonen an, welche gegen oben eine graugrline Tuffbank 
enthalten. Es sind dies Aequivalente der Tricnbacher Schichten. 
Cohen hat auf der Uebersichtskarte des oberen Weilerthaies einen 
Theil dieser Schichten nach dem Vorgang von Daübree als Kohle 
eingezeichnet. Auch unter den Tuffen des le Mont stehen hierher 
zu rechnende Gesteine an. Ferner sind zu den Trienbacher Schich- 
ten violette Schiefer und schiefrige Arkosen (Cohen, S. sm) mit 
grossen verkieselten Stämmen im Becken von le Hang zu stellen, 
welche das westlichste Auftreten dieser Abtheilung auf deutschem 
Gebiete bezeichnen. 

Die Tuffe zeigen die mächtigste Entwicklung am le Mont, 
(Cohen, S. »7); am Climont und la Fraize sind sie auf einige 
dünne Bänke reducirt, schwellen aber auf französischem Gebiete 
bei Lubine wieder an*. 

Die Aequivalente der Kohlbächelschichten weisen auch hier 
die weiteste Verbreitung auf. Sie ziehen vom Climont, auf eine 
kurze Strecke durch alte Schiefer unterbrochen, einerseits nach 
la Fraize, andererseits nach dem l'Abatteux und Voyemont. In der 
Einsattelung zwischen den letztgenannten Bergen liegt ein mehr- 
fach erwähntes ausgezeichnetes Dolomitvorkommen *. Ohne Unter- 
brechung lassen sie sich weiter auf der linken Seite des Breusch- 
thals vom Solamont bis nach Schloss Salm verfolgen. Aeltere 
Schichten des Rothliegenden sind hier Uber Tage nicht zu sehen. 
# 

1. Von Interesse ist das Vorkommen von produetiver Kohle bei diesem Ort, 
über welches leider nur spärliche Nachrichten vorliegen. Mit einem in einem Stollen 
angesetzten Abteufen kam man auf Gneiss. Ob das Koblcngebirge dem Gnelss ange- 
lagert ist, oder oh man aur eine geneigte Verwerfungskluft traf, ist nicht bekannt. Dem 
Alter nach geboren die kohlcnführendcn Schichten von Lubine dem jüngsten produc- 
tiven Kohlengebirge an. Boulay stellt sie zwischen Laach und Erlenbach. Dann ent- 
sprachen sie den Conglomeraten , deren Lagerung /wischen diesen beiden kohlen- 
führenden Abteilungen oben nachgewiesen wurde. Ob ein ursprünglicher Zusammen- 
hang an der Stelle des jetzigen Kammes der Vogesen stattfand oder ob die Ablagerungen 
von getrennten Becken aufgenommen wurden, lässt sich aus den bisher bekannt gewor- 
denen Daten nicht entnehmen. Das sei nur hervorgehoben, dass wir auch auf der 
Westseite des heutigen Gebirges Kohlenbildungen haben. 

2. R.OZET, S. 82— S3, Fig. 11; Cohen, S. >bß; Büecke, S. 54.1. 



72 



E. W. Bknecke und L. van Wkbveke. 



Die GesteinsbeBchaffcnheit ist in diesem Gebiet eine recht ver- 
schiedene. Einige Bünke zwischen Charapenay und dem Gebirge 
zeichnen sich durch ungewöhnlich grosse gerundete Gerolle von 
Porphyr und Granit aus. Bei Champenay selbst wird ein feinkör- 
niger kaolinreicher Sandstein 1 in ausgedehntem Maasse gebrochen, 
der eine linsenförmige Einlagerung in Schichten vom Charakter der 
Kohlbächelschichten bildet Dieser Sandstein wird dem Bunteand- 
stein ähnlich und ist von uns mit solchem in der That verwechselt 
worden. Die technische Verwendbarkeit beruht auf einer ausge- 
zeichnet ebenflächigen diagonalen Absonderung bei zurücktretender 
Schichtung. Die Mächtigkeit der ganzen Abtheilung schwankt 
innerhalb ziemlich weiter Grenzen. Bei la Fraize beträgt sie 60 
—90 m, am Voyemont 90—110 m, bei Forsthaua Salm 100— 
160 m, am Südfuss des Donon sinkt sie auf wenige Meter herab. 

Das Rothliegende des unteren Breuschthals und des gegen 
Norden bis Wangenburg sich anschliessenden Gebietes hat BüCKiNG* 
in neuerer Zeit beschrieben. Er unterscheidet von unten nach oben : 

1. Porphyrtuffe 60—130 m. 

2. Porphyrconglomerate und Breccien, Wechsel lagernd mit 
wenig mächtigen Lagen von Arkosen, Tuffen und Sandsteinen 
20—200 m. 

3. Porphyrdecke, vorwiegend aus rothera Quarzporphyr be- 
stehend. Im Ganzen hat es den Anschein, als ob die Porphyrdccke, 
deren Mächtigkeit zwischen 60 und 150 m schwankt, an einzelnen 
Stellen wohl auch noch grösser werden kann, durch sehr viele 
und meist nur unbedeutende, aber verhältnissmässig rasch auf 
einander folgende, Porphyrergüsse entstanden sei. 

4. Porphyrconglomerate und Breccien, den unter 2 erwähnten 
ähnlich und vorwiegend aus dem Material des unter 3 genannten 
Porphyrs bestehend, im Ganzen bis zu etwa 60 m mächtig, wech- 
sellagernd mit mürben Arkosen, grandigen und grobsandigen Lagen 
und einzelnen wenig mächtigen Bänken von rothem Schieferthon. 

5. Feinkörnige arkoseartige Sandsteine von hellrother bis 

1. Anagenites bei •;...•> i. S. 81; Hogahd, S. 71. 

2. H. Bicusc, Das Rothliegende des Hreuschthales. — Mitth. der Comm. f. d. 
geol. Landes-Untersucbung, Bd. II, S. 105—109. 



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lieber das Rothliogende der Vogesen. 



73 



braun rot her Farbe. Häufig wechsellagernd mit bis zu 20 m mäch- 
tigen Zwischenlagen von rothbraunen Schieferthonen, aber auch 
mit gröberen Arkosen, einzelnen bis 1 m mächtigen Bänken groben 
Sandsteins, grandigen Lagen und conglomeratisch entwickelten, 
Porphyrgerölle führenden Schichten. 

Diese Abtheilung geht allmählich nach unten in 4 und nach 
oben in den Buntsandstein über. Knauer von dolomitischem An- 
sehen und Geschiebe von Karneol kommen in mehreren Horizonten 
bis 40 m unter der oberen Grenze vor. Die Gesammtmächtigkeit 
dieser Abtheilung schwankt von 20 bis 160 m. 

Diese obere Abtheilung, aus Sandsteinen, rothen Schiefer- 
thonen, Breccien und Granden in Wechsellagerung bestehend, 
breitet sich, am Pandurenplatz auf kurze Erstreckung durch Bunt- 
sandstein unterbrochen, weiter nördlich bis nach Wangenburg aus. 
Ueber derselben beginnt mit einer steileren Böschung der eigent- 
liche Buntsandstein. 

Vergleichen wir diese Entwicklung des Rothliegenden mit der 
des Weiler-Thales, so ist zunächst klar, dass kohlenfUhrende Bil- 
dungen und Aequivalente der Trienbacher Schichten fehlen. Die 
Tuffe beider Gebiete dürfen einander aber gleichgestellt werden. 
Diese liegen im Breuschthal und dem auf der linken Seite des- 
selben einmündenden Haselthal unmittelbar auf Grauwacken und 
Schiefern auf. Die Schichtenreihen 2, 3, 4 und 5 bei BüCKiNG 
sind dann mit den Schichten von Kohlbächel zu vergleichen. Aus- 
zeichnend für das Breuschthal sind die Porphyre. Fehlten diese, 
so flössen die Abtheilungen 2 und 4 in eine kaum zu trennende 
Abtheilung zusammen, da dann unter den Geröllen von 4 die so 
bezeichnenden Porphyre von 3 fehlen würden. Die obere sandig- 
thonigo Entwicklung 5 fehlt im Weilerthal nicht, nur ist sie 
weniger mächtig. Das Auftreten von Dolomit und Karneol ist in 
beiden Gebieten das gleiche. 

Die im Norden des Breuschthals bis an die pfälzische Grenze 
im Zusammenhang sich erstreckenden Buntsandsteinmassen sind 
nur an zwei Punkten tief genug eingeschnitten, um Kothliegendes 
zu Tage treten zu lassen, nämlich im Jägcrthal unfern Nieder- 
bronn und im Lauterthal bei Weissenburg. 



74 E. W. Benecke n. L. tan Wrrvkke. 

Im Jägerthal ist eino räumlich 
wenig ausgedehnte, nur 10 m mäch- 
tige Schichtenreihe von Arkosen und 
Sandsteinen, auf Amphibolgranit ru- 
hend, unter dem Schloss WindBtein 
aufgeschlossen. Dieselbe gehört aus- 
schliesslich oberem, dolomitführen- 
dem Rothliegendem an, welches also 
hier wie an der Hohkönigsburg, am 
Climont, am Donon und anderen 
südlicher gelegenen Punkten über- 
greifend gelagert ist (Vergi. neben- 
stehendes Profil.) 

In dem tief eingeschnittenen 
Lauterthal tritt Rothliegendes in der 
Umgebung des Dorfes Weiler, 3 km 
westlich von WciBsenburg, auf der 
linken und rechten Thalseite in ho- 
rizontaler oder nahezu horizontaler 
Lagerung über Klippen steil einfal- 
lender Grauwacken in verschiedener 
Höhe und in verschiedener Mächtig- 
keit zu Tage. Es handelt sich ledig- 
lich um jüngere Schichten des Roth- 
liegenden. Dolomit ist an dem vom 
Germanshof heraufführenden Fahr- 
weg hinter dem Schloss Langenberg, 
wenige Schritte von der Grenze, auf 
bayrischem Gebiet, angeschnitten. 

Ueber diesen Schichten des ober- 
sten Rothliegenden folgen sowohl auf 
der bayrischen Seite des Lauterthaies 
als auch gegenüber unter dem Scher- 
hol thonige, glimmerführende, geröll- 
freie Sandsteine und rothe Schiefer- 
thone, welche bisher in Uebcrein- 




4 



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Uebor das Rothlicgende der Vogesen. 



75 



Stimmung mit der Auffassung der Pfälzer Geologen als unterer 
Buntsandstein bezeichnet wurden'. 

Eine interessante Entdeckung der neuesten Zeit hat es aber 
zweifelhaft gemacht, ob diese Bezeichnung für die Pfalz ferner 
beibehalten werden wird. v. Ammon und Leppla fanden nämlich 
innerhalb dieses bisherigen «unteren Buntsandstein» am Sudab- 
hang des kleinen Hohenberg bei Albersweiler 60 m unter der 
Grenze des mittleren oder Hauptbuntsandstein eine handhohe Do- 
lomitbank mit folgenden Versteinerungen : 

Schizodus truncatus Kino 

Schizodus obscurus Kino 

Mytilus Hausmanni Gldf. 

Bei Bindersbach am Trifels fand v. Ammon noch Oervillia 
antiqua Mnstr. 

Zwischen dieser Dolomitbank und dem obersten Rothliegen- 
den stehen am Hohenberg nach Leppla noch 60—70 m* intensiv 
rothe Schieferthone und rothe thonige Sandsteine mit dolomitischen 
Zwischenlagen an. 

DasB diese Bank am Hohenberg einst im Zusammenhang stand 
mit dem versteinerungsführenden Zechstein des Odenwaldes, wie 
solcher z. B. am Fusse des Lannertskopfes bei Schönmattenweg* 
entwickelt ist, kann keinem Zweifel unterliegen. Wir haben hier 
eine Ablagerung des von Nordosten herüber reichenden Zechstein- 
meeres mit einer Zechsteinfauna vor uns. In den Schichten zwischen 
diesem Zecbsteindolomit und dem Rothliegendenconglomerat liegen 
am Hohenberg noch einige dolomitische Zwischenlagen ohne Ver- 
steinerungen. 

Die gleichen rothe n Schiefer und Sandsteine erreichen bei 

t. E. W. Rfikckk , Ueber den Buntsandstein der Gegend von WeUsenborg. — 
Matth, d. Comm. f. d. geol. L.-U., Bd. I, S. IX — XIII. 

2. Nach Messungen von vas Werver« und Sake» nur 36 resp. 34 m. 

3. Die von dieser Lokalität von Bedecke und Coiiem (GeognosL Reschreib, der 
Umgegend von Heidelberg, 186) angeführten Versteinerungen stammen aus Dolomit- 
stücken, die einem Schorf auf Manganerze entnommen wurden. Die Bank war, als die 
Versteinerungen auf der Halde gesammelt wurden, nicht mehr anstehend zu sehen. 
Sie scheint in Schieferthonen und thonigen Sandsteinen zu liegen, welche dort wie in 
der Pfalz auf das conglomeratführende Rothliegende folgen. 



76 



E. W. Bekbckr und L. vak Weiiveke. 



Weissenburg eine Mächtigkeit von etwa 60 m und Uberlagern die 
Grande und Conglomerate des Rothliegenden und dessen dolo- 
mitische Einlagerungen. Sie werden von unterem Hauptbuntsand- 
stein von gleicher Beschaffenheit wie der Pfälzer überlagert 

Es liegt daher nahe, die rothen Schiefer und Sandsteine der 
Pfalz und des nördlichen Elsass einander gegenüber zu stellen und 
anzunehmen, dass in letzterem Gebiet die Zechsteineinlagerung in 
denselben fehlt, um so mehr als auch weiter südlich und südwest- 
lich nie eine Spur einer solchen gefunden worden ist 

Unter dieser Voraussetzung wird es verständlich, dass Leppla 
geneigt ist, den ganzen bisherigen unteren Bunteandstein vom Bunt- 
sandstein zu trennen und mit dem Rothliegenden zu verbinden. 
Man darf dabei aber nicht vergessen, dass die Behandlung des 
ganzen Complexes der «rothen Schiefer und thonigen Sandsteine», 
wie Leppla denselben in neuerer Zeit benennt, in diesem Sinne nur 
eine Folge der demselben im Gegensatz zu den tiefer liegenden 
Conglomeraten und Granden einer-, dem mittleren oder Haupt- 
buntsandstein andererseits eigenen Gesteinsbeschaffenheit ist 

Es ist eine auffallende Erscheinung, dass in dem Rothliegend- 
conglomerat des Hohenberges kein Dolomit beobachtet ist, während 
er doch nur 19 km weiter südlich bei Weissenburg deutlich ent- 
wickelt ist. Eine directe Parallelisirung des verstcinerungsfUhrenden 
Hohenbergdolomites mit dem Weissenburger Dolomit würde einen 
sehr schnellen Wechsel der einschliessendcn Gesteine voraussetzen, 
der bei der vollständigen Uebercinstimmung aller anderen Verhält- 
nisse unwahrscheinlich ist. E. DE Beaumont hat bekanntlich den 
Dolomit des Oberrothliegcnden — das ist eben der bei Weissenburg 
anstehende — als eine Vertretung des Zechsteins angesehen. Würde 
man sich dieser Auffassung jetzt anschliessen, so müsste man den 
Dolomit des Oberrothliegenden wohl als eine tiefere Bank des 
Zechstein ansehen als den Hohenbergdolomit und eine sogenannte 
auskeilende Wechsellagerung zwischen dem klastischen Material 
des Rothliegenden und dem krystallinischen des Zechsteins an- 
nehmen. Mit der Deutung des Dolomit im Rothliegenden als Zech- 
stein wäre dann aber eine Verbreitung des Zechsteins über den 
ganzen Schwarzwald, die ganzen Vogesen und einen grossen Theil 



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Hebet da« Hothliegonde der Vogcsen. 



77 



des östlichen Frankreich ausgesprochen. Es handelt sich hei diesem 
Dolomit übrigens nicht um eine in ganz bestimmtem Niveau auf- 
tretende Bank, sondern um unregelmässige Ausscheidungen, die 
nicht selten auf geneigten Kluften durch mehrero Schichten hin- 
durchsetzen. Man gewinnt den Eindruck aus zirkulirenden Ge- 
wässern abgesetzter Niederschläge. Im Dolomit des Hohenberge« 
hat man aber eine thonige, dichte, ausgezeichnet parallelepipedisch 
zerfallende, regelmässig eingelagerte Bank vor sich, die auffallend 
an gewisse Bänke des rechtsrheinischen Zechsteins erinnert. 

Giebt man dem Zechstein eine so grosse Ausdehnung, so 
steht man vor der Schwierigkeit, denselben nach unten gegen das 
Rothliegende zu begrenzen. Der grössere untere Theil der Con- 
glomerate und Grande mü&ste in das Rothliegende, der kleinere 
obere mit den Dolomiteinlagerungen in den Zechstein gestellt 
werden'. 

Für eine engere und eino weitere Fassung des Zechsteins 
lassen sich Gründe anführen. Zwingende Beweise fehlen aber für 
die eine wie für die andere Annahme. Zunächst stehen wir aber 
der Frage gegenüber, wie wir in der Praxis auf unseren Karten 
trennen und bezeichnen sollen. 

Im Elsass liegen die Verhältnisse so, dass der «untere Bunt- 
sandstein» sich Uberhaupt nur im nördlichen Theil des Landes 
nachweisen lässt. Während er bei Windstein nördlich von Nieder- 
bronn noch in der Mächtigkeit von 80 m vorhanden ist, lagern 
sich, wie wir sahen, im Gebiet zwischen Zornthal und Breusch- 
thal Schichten, die als unterer Hauptbuntsandstein zu bezeichnen 

I. Bei Heidelberg liegt Dolomit in den Conglomeraten des Rothlicgcnden am 
Schloss, welche durchaus unseren Conglomeraten und Granden der linken Rheinseite 
entsprechen. Der fein krystaliinische, beinahe dichte Dolomit, der unter der Bezeich- 
nung • Zechsteindoloniit • besonders durch das Heidelberger Mineraliencomptolr ter- 
breitet wurde, stammt aus etwas höherer Lage vom Wolfsltruunenwcge. Er enthalt keine 
Versteinerungen, könnte aber dennoch dem Zechstein vom Hohenberg gleich gestellt 
werden. Der Eisenkiesel vom Stirtsbuckel mit GervtUia keratophaga kommt in losen 
Blocken vor, deren ursprüngliche Lagerung nicht zu erkennen ist. Es scheinen üeber- 
bleibscl einer früheren zusammenhängenden Decke zu seiu, welche sich bei ihrer Wider- 
standsfähigkeit erhielten, während die lockere Unterlage von Conglomeraten wegge- 
schwemmt wurde. Die versteinerungsführenden Zecbsteinschichten des Lannertskopfes 



78 



E. W. Benecks und L. vah Wbeveke. 



sind, unmittelbar auf Oberrothliegendes. Dieser untere Hauptbunt- 
Sandstein stimmt aber aufTallend mit dem Weissenburger und 
Pfälzer unteren Hauptbuntsandstein Uberein, während ebenso das 
Oberrothliegende beider Gebiete vollkommen gleichartig entwickelt 
ist. Es macht daher den Eindruck, als seien die bisher als unterer 
Buntsandstein bezeichneten Schicferthone und thonigen Sandsteine 
eine lokale Bildung, die gewissermassen den Zechstein nach Süden 
und Südwesten hin fortsetzt. Natürlich kann das immer nur ein 
beiläufiger Vergleich sein, da es sich wahrscheinlich nie mit Sicher- 
heit wird ausmachen lassen, ob nicht im Breuschthal noch por- 
phyrische Grande zum Niederschlag kamen, die uns zur Bezeich- 
nung Oberrothliegendes veranlassen, zu einer Zeit, in der sich 
weiter nördlich thonige Sedimente niederschlugen, die wir als 
unteren Buntsandstein bezeichnen. 

Ob man unseren clsässischen unteren Buntsandstein auf den geo- 
logischen Karten besser zur Dyas oder zur Trias stellt, ist somit zur 
Zeit nicht zu entscheiden. Es wird abzuwarten sein, welche Lösung 
die von Leppla angeregten Fragen bezüglich der Parallclisirung 
der nord- und westpfälzischen Grenzschichten zwischen Kothliegen- 
dem und Buntsandstein finden werden. Wäre schon bekannt, welche 
Bezeichnung diu Direktion der bayrischen geologischen Aufnahme 
wählen wird, so wäre für uns der Gleichartigkeit der Karten wegen 
ein gleiches Verfahren angezeigt. Wenn auf einigen im Druck be- 
findlichen Sectioncn der elsässischen geologischen Karte für das Ge- 
biet nächst der pfälzischen Grenze die Bezeichnung c unterer Bunt- 
sandstein» festgehalten wurde, so ist das vielleicht nicht ganz zu- 
treffend. Es wäre aber auch für die Richtigkeit der Bezeichnung 
Oberrothliegendes oder Zechstein ein stricter Nachweis nicht zu 
liefern. Eine etwaige Theilung des unteren Buntsandstein ent- 
sprechend den Schichten unter und Uber der Dolomitbank des 
Hohenberges, wie v. Gümbel dieselbe neuerdings ins Auge zu 
fassen scheint 1 , ist für uns praktisch undurchführbar, so lange 



I. «Nach oben (im H einliegendem stellen sieb dann wieder intensiv rothe Schle- 
ferthone (Rotheischiefer), braunrothe Sandsteine, seltener Conglomerallagcn zugleich mit 
dolomitischen Linsen und Schichten, in deren oberster Rank an mehreren Orlen der 
Vorderpfote charakteristische Versteinerungen des Zechsteins gefunden werden, ein. Bs 



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Uebcr da» Kothlicgeude der Vogcacu. 



79 



wir oben keine versteinerungsfUhrende Dolomiteinlagerung in den 
rothen Schieferthonen und Sandsteinen haben. 

Wir brauchen auf die Verhältnisse dieser zweifelhaften 
Schichten an dieser Stelle nicht weiter einzugehen. Es genügt, 
darauf hinzuweisen, dass wir im nördlichen Theil des Landes an 
der Grenze paläozoischer und mesozoischer Formationen eine 
Sandstein- und Thonschieferbildung unterscheiden können, die 
mit den darunter und darüber liegenden Schichten in scheinbar 
gleichförmiger Lagerung verbunden ist Die Mächtigkeit der- 
selben ist so bedeutend, dass sie auf den geologischen Karten 
unterschieden werden muss, wenn wir den Verhältnissen des Auf- 
baues Ausdruck verleihen wollen. Die Einreihung derselben in 
unser Formationsschema ist vor der Hand unmöglich. Hier in 
diesen klastischen versteinerungsleeren Schichten haben wir eben 
keine Grenze, die den innerhalb der versteinerungaführenden 
Reihen gezogenen an Bedeutung gleich gestellt werden könnte. 

£8 bleiben uns noch die Ablagerungen von Rothliegendem 
am Sudrande der Vogesen zu besprechen übrig. Wir müssen uns 
auf einige wenige Angaben beschränken, da genaue Aufnahmen 
noch nicht vorliegen. 

Die grösste Ausdehnung erreicht die Fortsetzung des sttdel* 
sässischen Rothliegenden auf französischem Gebiet in der Gegend 
von Giromagny nördlich von Beifort, von wo es sich gegen Osten und 
Nordosten bis nach Roppe zieht und bei Aue (Lauw) auf deutschem 
Gebiet endigt. Die kleinen isolirten Fetzen grober, an Feldspath rei- 
cher Sandsteine bei Alt-Thann und Wattweiler unter dem Schloss 
Hirtzenstein sind ebenfalls zum Rothliegenden gestellt worden. 

Beträchtlicher sind wiederum die Ablagerungen bei Geb- 
weiler, auf welche neuerdings Gerhard' die Aufmerksamkeit 
gelenkt hat Besonders schätzenswerthe Mittheilungen machte er 
über die mit denselben in Verbindung stehenden Porphyre. 



ist das die Grenzschicht gegen den aufliegenden Buntsandslcin. » v. Gindel, Uebersicbt 
der geognostiseben Verhältnisse Bayerns. — Die Landwirthschaft in Bayern, München 
1890, S. 85. 

1. Gebhard, Dr., Geologische Mittheilungen aus dem Gebweiler Thal, 2. Theil. 
Colmar 1877; 3. Theil, S. 10 — IG. 



80 



E. W. Bekkcke and L. vak Wehveke. 



Letztere waren zwar schon lange bekannt; da aber Koechlin- 
Schlumberger dieselben als umgewandelte Grauwacken ansah, so 
entstanden Zweifel Uber die Natur der ganzen Ablagerung, trotz- 
dem Durrwell 1 bereits 1856 auf seiner geologischen Karte des 
Kantons Gebweiler zwischen der Stadt und dem Luspelkopf ganz 
richtig Rothliegendes eingezeichnet hatte. 

Eine flüchtige Begehung des Gebietes ergab, dass drei Ab- 
theilungen von Gesteinen zu unterscheiden sind. 

1. Eine Reihe wesentlich conglomeratischer Schichten. Die 
Conglomerate enthalten gerundete Gerölle von Quarzporphyr, Dia- 
basporphyrit, Granit und Grauwacke von Nuss- bis Kopfgrösse. 
Sie sind im allgemeinen sehr grob. Ausgezeichnet aufgeschlossen 
sind dieselben in Felsen, welche an der Stelle, wo der von Thieren- 
bach herkommende Weg in das Wünheimer Thal einmündet, an- 
stehen. Unter dem Luspelkopf fanden sich Stücke verkieselten 
Holzes in denselben. 

2. Tuffe und Porphyre. Die Tuffe sind bald fein, schiefer- 
thonartig, bald gröber, breccienartig, roth, grün und weiss. Mitunter, 
wie am Thierenbacher Kopf, sind dieselben stark verkieselt und 
enthalten Einlagerungen von Conglomeraten. Wenn diese Tuffe 
von dünnen gewundenen Kieselbändern durchzogen sind, sehen sie 
Psaronien täuschend ähnlich. Sie erreichen eine bedeutende 
Mächtigkeit. Zwei Vorkommen von Porphyr stehen mit diesen 
Tuffen in Verbindung. Das eine ist am besten am Rauhfels bei 
Wünheim und in dessen Umgebung aufgeschlossen. Es ist das 
auch dem Laien auffallende, aus erbsen- bis selten nussgrossen 
Sphärolithen zusammengesetzte Gestein, welches neuerdings von 
Rosenbusch', Gerhard' und Grenville A. J. Cole' eingehend 
besprochen wurde. Das andere bildet die sogenannten Felsein bei 
Gebweiler, über welche die erste der oben genannten Arbeiten 
von Gerhard handelt Das Gestein ist ein ausgezeichneter dünn- 



1. E. Dnuiwi i.i.. Apercu gcolog. du canton de Guebwiller. Guebwillcr, 1856. 

2. RosENiirsi ii, Mikrosk. Photographie der massigen Gesteine, '2. AuO., S. 39G. 

3. Gimurd, Geolog. Mitth. aus dem Gebweiler Thal, 2. Theil. 

4. Grenville A. J. Cole, The rhyolites of Wuenheira, Vosges. — Gcol. Magaiine, 
1887, S. 299-303. 



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Ueber das Rothliegende der Vogcsen. 



81 



plattiger, vielfach vollkommen blättriger Porphyr, in seiner Er- 
scheinungsweise an jenen vom Grand Robino bei Markirch oder 
vom Wagenberg bei Weinheim (E. Codex, S. sm) erinnernd. An 
einzelnen Stellen tritt auch hier die sphäroidale Structur heraus, 
welche eine endomorphe Contactbildung des Porphyrs zu sein 
scheint Einige benachbarte Aufschlüsse, wie zwischen dem Sau- 
läger und dem Bildstöckle, dann auf der Westseite des Rimbach- 
thaies in dem Hohlweg, welcher von der St Annakapelle nach 
Thierenbach hinabführt, zeigen ähnliche Porphyre, doch unregel- 
mässig polyedrisch, nicht plattig abgesondert Allen ist eine lebhaft 
rothe Färbung eigen. 

3. Arkosen, Grande und Sandstein mit Dolomit, durchaus 
unseren Schichten von Kohlbächel gleichend. Sie sind in einem 
Hohlweg am Kirchhof bei Jungholz gut aufgeschlossen. Bunt- 
sandstein liegt concordant auf. Eine Sandstein bank mit Mangan- 
tiecken liegt noch unter einer Grandscbicht mit eckigen Porphyr- 
brocken, darüber schieben sich rothe Schieferthone ein, so dass 
eine etwa 10 ra mächtige zweifelhafte Grenzregion entsteht Der 
Sandstein wird sehr bald grob conglomeratisch und führt Gerolle 
krystallinischer Gesteine wie die Congloinerate des unteren Haupt- 
buntsandsteins. Oberer Hauptbuntsandstein, als petrographisch un- 
terscheidbare Abtheilung ist nicht zu beobachten, wohl aber Voltzien- 
sandstein, in welchem einige alte Brüche in geringer Entfernung 
in südöstlicher Richtung betrieben wurden. 

Da die Schichten im Hohlweg den obersten Schichten des 
Rothliegenden entsprechen, so liegt es nahe, in den groben Conglo- 
meraten mit Kieselhölzern ungefähre Aequivalente der Trienbacher 
Schichten, in den dazwischen liegenden Tuffen und Porphyren solche 
der Tuffe des Weiler- und Breuschthals anzunehmen. Die Porphyre 
gehörten dann einer älteren Eruption an als jene der Nideck. 

Wir haben uns bisher auf eine Besprechung derjenigen Ab' 
lagerungen von Rothliegendem beschränkt, welche innerhalb des 
deutschen Thciles der Vogesen liegen. Dieselben hängen aber 
auf der Strecke von Schirmeck bis Saales, dann südlich von 
Gebweiler unmittelbar mit dem sehr ausgedehnten Rothliegendcn 

ü 



82 



E. W. Bekbckf. und L. vak Wbhveke. 



der angrenzenden französischen Departements zusammen. Anderer- 
seits liegt das Rothliegende des mittleren Schwarzwaldes dem des 
Weiler- und Breuschthals sehr viel näher als etwa jenes von 
Weissenburg oder Gebweiler. Es ist also von vorn herein schon 
wahrscheinlich, dass wir für manche unserer Vorkommnisse in 
östlicher und westlicher Richtung mehr Anschlusspunkte finden 
werden als in nördlicher oder südlicher. 

Wie ein Blick auf eine geologische Uebersichtskarte, etwa 
jene von Carez und Vasskur, zeigt, zieht sich ein breiter Streif 
von Rothliegendem von den Orenzpfeilern des Donon und Climont 
in südwestlicher Richtung über St. Die bis in die Gegend von 
Bruyeres. Eine räumlich weniger ausgedehnte Ablagerung liegt 
isoint im Val d'Ajol südlich Remiremont, ein drittes Vorkommen 
hängt — wie schon erwähnt — mit dem südelsässiscben bei Aue 
zusammen und erstreckt sich am Fusse der Vogesen bis nach 
Ronchamp. 

Die Litteratur Uber das französische Rothliegende ist ziemlich 
umfänglich. Besonders das Val d'Ajol ist wiederholt Gegenstand 
der Untersuchung gewesen. Neuerdings hat Vklaix eine zusammen- 
hängende Darstellung Uber das «Permien dans la region des Vosges» 
gegeben 1 . Da in derselben auch die deutschen Vogesen berück- 
sichtigt sind, sollte man denken, die zu Ende der Arbeit gegebene 
Gliederung müsste sich mit der von uns angenommenen leicht in 
vollständige Ueberein6timmung setzen lassen. Im Ganzen und 
Grossen gelingt dies auch, im Einzelnen finden aber manche locale 
Abweichungen statt, was seinen Grund besonders in dem Auf- 
treten zahlreicher bei uns fehlender Eruptivmaasen in den fran- 
zösischen Vogesen hat, die natürlich auch eine abweichende Ent- 
wicklung der Sedimentmassen, der Tuffe und Conglomerate be- 
dingen. 

Velain gliedert in folgender Weise: 

Permien moyen. 
3. Andesitische Molaphyre in Decken mit Melaphyrtuff bei 
Grande Fosse. 



I. Bull. Soc. geol. de France (3) XIII 1884—1885. S. 537. 



Ucbcr das Rothlicgendo der Vogesen. 



83 



2 c Oberer Gres rouge. Breccienartiges Conglomerat und 
thoniger Sandstein mit nicht zusammenhängenden Anhäufungen 
von Dolomit und Knollen von Hornstein, mit Einlagerungen von 
Melaphyr. Zwischen dieser und der nächst tieferen Abtheilung 
kommen an einigen Punkten (Petite-Fosse, Rememont) Gänge und 
Ströme von Melaphyr und Porphyrit vor. 

2 b. Mittlerer Gres rouge, thoniger Sandstein von violett rother 
Färbung mit herrschenden rothen Thonen ohne Dolomit, stellen- 
weise mit Melaphyr-Strömen. 

2 a. Unterer Gres rouge. Conglomerate mit thonigem Cement 
Porphyr, Granit- und Gneissgerölle enthaltend. 

Permien inf6rieur. 

1. Argilolites. Thonige Tuffe mit porphyrischen Einschlüssen 
und Strömen von Quarzporphyr. 

Es kann keinem Zweifel unterliegen, dass der obere Gres 
rouge mit seinen Dolomiten unseren Schichten von Kohlbächel 
entspricht Das Permien inferieur steht ungefähr unseren Trien- 
baeher Schichten und den Schichten vom Meisenbuckel gleich. 
Aus demselben stammen die lange bekannten fossilen Hölzer des 
Val d'Ajol, zu denen neuerdings noch eine Anzahl Blattabdrücke 
von Faymont kamen, so dass Velain (S. sss) folgende Liste nach, 
Bestimmungen von Renault geben konnte: 

Psaronius PuUmi Moug. 
Psaronius Hogardi MOCG. 
Psaronius hexagonalis MouG. 
Pinites Fleuroti MocG. 

Cordaites (Araucarites) stigmolites MouG. sp. 
Calamodendron striatum BfiONGN. 
Calamodendron bistriatum BronGN. 
Medullosa siellata Cotta 
Abdrücke : 

Pecopteris eyathea Schloth. 
Sphenophyllum angustifolium Germ. 
Callipteris conferta BRONGN. 



E. W. Benecke und L. vak Webvekb 



Calamites gigas Bkongn. 
Cordalin, Blätter und Zweige. 

Diese Flora vergleicht Vki.ai.v mit der der bituminösen Schich- 
ten von Autun, wie wir das ebenso mit der Flora vom Teufels- 
brunnen thun können. Zu bemerken ist, dass an einseinen Punkten 
der Gegend südlich von Remiremont Conglomerate an der Basis 
der Argilolites vorkommen, also in derselben Stellung wie die 
unteren Trienbacher Schichten. Die zwischen den Argilolites und 
den Conglomeraten und Sandsteinen mit Dolomit liegenden Schich- 
ten entsprächen dann dem unteren Theil unserer Schichten von 
Kohlbächel. Bis ins Einzelne darf man hier nicht vergleichen, 
locale Bildungen kommen in jedem AblageruDgsgebiet deB Roth- 
liegenden vor. Eine Zweitheilung, wie sie Vu.asn annimmt in 
untere« und mittleres Permien' könnte sehr wohl auf unser Gebiet 
über tragen werden. Dem unteren entsprächen, wie gesagt, die Trien- 
bacher Schichten und die Tuffe, dem mittleren die Schichten von 
Kohlbächel. Vielleicht ergiebt sich nach genauerer Untersuchung 
eine mehr inB Einzelne gehende Uebereinstimmung zwischen dem 
Val d'Ajol und Gebweiler, da die Feiseinporphyre älter als die 
des Breuschthals zu sein scheinen, also den Eruptionen von 
Quarzporphyren in der Zeit der Bildung der Argilolites entsprechen 
könnten. Das Profil 4 Seite ui bei Velain stellt das auf der 
Westseite des Donon zu Tage tretende Rothliegende mit dem 
Quarzporphyr, die unmittelbare Fortsetzung der auf der Ostseite 
des Donon in den nördlichen Seitenthälern des Breuschthals unter 
den Buntsandstein tauchenden Schichten, dar. Aus dem Umstände, 
dass der Porphyr unter Velainb grisa rouge moyen eingezeichnet 
ist, folgt, dass letzterer und der gres rouge superieur unseren 
Schichten von Kohlbächel, spezieller den Schichtenreihen 4 und 5 
Bückinq'b entspricht Der gres rouge inferieur könnte dann mit 
Bückinq's Abtheilung 2 gleichgestellt werden; in beiden werden 
neben Porphyr- noch Granitgcrölle genannt. Wenn eine Porphyr- 
decke fehlt, wie im Weilerthal, dann sind bei der wechselnden 
Beschaffenheit des Gesteins die Abtheilungen schwer oder gar nicht 



l. Das obere ist der in den Yogesen nicht nachweisbare Zechstein. 



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Ucber das Rothliegende der Vogesen. 



aus einander zu halten. Die schönen Profile der der VELAmschen 
Arbeit beigegebenen Tafel XIX zeigen in ausgezeichneter Weiso 
die Unterlagerung dieses ganzen Gres rouge oder Permien moyen 
durch die Argilolites, das Permien inferieur. 

Von ganz besonderem Interesse ist ein Vergleich unseres 
Rothliegenden mit dem auf der anderen Seite des Rheines liegenden 
Schwarzwälder. Eck* hat in neuerer Zeit eine eingehende Dar- 
stellung desselben, wie es in der Gegend von Lahr, im Kinzig- 
und Rcnchthal entwickelt ist, gegeben. 

Eck unterscheidet: 

Oberes Rothliegendes. 

c = rother, thoniger Granitgrus mit Geröllen von Quarz, 
Gneiss, Granit, jüngeren und älteren Quarzporphyren, vielfach 
mit Knauern von braunem, körnigem Dolomit mit Schnüren von 
Carneol oder grauem Chalcedon ; rothe, feinkörnige, getigerte, zum 
Theil grüngefieckte Sandsteine und rothe Schieferthone. 

a = Porphyragglomerate aus eckigen Bruchstücken des Por- 
phyrs vom Alter des mittleren Rothliegenden, zwischen welchen 
wohlgerundete Gerölle von Quarz, Gneiss, Granit, Quarzporphyr 
mit violetter Grundmasse, worin sparsame Quarzkrystalle, reich- 
lich verwitterte Feldspathe. 

Mittleres Rothliegendes, 
c = Thonstein (Porphyr tuff). 

x = Porphyr, meist in deckenartigen Ausbreitungen (oder 
deren Resten), seltener in Gängen, gleichzeitig mit 

m = rothem Schieferthon mit Kugeln von Dolomit (ent- 
sprechend den Schichten von Sulzbach mit Gampaonyx ßmbriatua, 
Estheria teneU/t, Walckia piriformis im Badener Verbreitungs- 
bezirke). 

Unteres Rothliegendes, 
n. Weisslicbe und graue Arkosesandsteine, worin wohlge- 
rundete Gerölle von Quarz, Gneiss, Granit, Quarzporphyr mit 



I, H. Kck. Geognostischc Karte der Umgegend von Lahr mit Profilen und Er- 
läuterungen. Uhr ISS4, S. 72—82. 



86 



E. W. Bexkcke und L. vak Wkrveke. 



röthlich-violetter Grundmasse, worin Quarz und verwitterte Feld- 
spathe, Quarzporphyr mit hellgrauer Grundmasse, worin Quarz in 
Krystallen (R. — R), verwitterte Feldspathe und bräunlich schwarzer 
Magnesiaglimmer, Quarzporphyr mit hellgrauer Grundmasse und 
zahlreichen Einsprenglingen von Quarz in scharf umgrenzten 
Krystallen (R. — R), verwitterten Feldspathen, grünlichem Pinit, 
bisweilen auch Magnesiaglimmer; wechselnd oben mit rothen, zum 
Theil grüngefleckten und grünen, unten auch mit grauen, glim- 
merigen Schieferthonen ; local darin weisser Thonstein. An der 
einen Stelle herrschen die Arkosesandsteine, an der anderen die 
rothen Schieferthone vor. 

Aus dieser unteren Schichtenfolge stammen die zuerst von 
den Herren Saxdberger und Platz bei Mehlengrund, im obersten 
Wäldenthalc, bei Bottenau und an dem Heidenknie gefundenen 
Pflanzenreste: 

Calamites infractus GüTB., Neuropteris cordata BronGN., Odon- 
topteris obttmloba Naü., Alethopteris? pinnatifida GüTB., Cordaitet 
Roesslerianus Gein., Cordaites Ottonis Gein., Noeggerathia palmae- 
formis Goepp., Cardiocarpum reniforme Gein., Trigonocarpum pott- 
carbonicum Gümb. 

Die oben den einzelnen Abtheilungen vorgesetzten Buchstaben 
beziehen sich auf das Eck's Arbeit entnommene schematische Profil 
Fig. B auf folgender Seite, dem wir ein in analoger Weise für die 
mittleren Vogesen entworfenes Profil, Fig. A, beigefügt haben. Aua 
demselben ergiebt sich, dass die einzelnen Abtheilungen des Roth- 
liegenden übergreifend gelagert sind und Vertiefungen im Gebirge 
ausfüllten. Ausführlicher hat Eck hierüber in einer neueren Arbeit 
« Bemerkungen über die geognostischen Verhältnisse des Schwarz- 
waldes im allgemeinen und über Bohrungen nach Steinkohlen in 
demselben » 1 gehandelt An einer Stelle sagt Eck bei einer Zusam- 
menfassung der in einem von ihm unterschiedenen Verbreitungs- 
bezirke des Rothlicgenden beobachteten Verhältnisse*: «so erkennt 
man, dass in demselben Absätze des Kohlengebirges, des unteren 

1. Jahresheft« des Ver. für vaterlandische Naturkunde in Württemberg, S. 322 
bis 355. 

2. !. c. p. 338. 



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Ueber das Rothliegende der VogeHen. 



87 



und mittleren Rothliegenden in drei langgestreckten, von Südsüd- 
west nach Nordnordost streichenden muldigen Vertiefungen zum 
Absatz kamen, dass sich die zur Zeit des mittleren Rothliegenden 
auBgebrochenen Porphyre deckenartig nicht nur über die bereits 
vorhandenen Sedimente, sondern zum Theil auch über die mul- 
dentrennenden Sättel ergossen, und dass endlich das obere Roth- 
liegende mit seinen unteren Schichten gleichfalls muldenfüllend, 
mit seinen oberen dagegen zusammenhängend über den grössten 
Theil des Verbreitungsbezirkes zur Ablagerung gelangte. Man er- 
kennt aber auch ferner, dass über dem Grundgebirge die ältesten 

A HiiUrÜud BrtvttoKcd 






















e 




i 
















" m , 

u 

9 









Erklärung d>r Bucbitaben «lebe 8. 85. — 1-2" Schiebten von I^aaoh und von Erlenbach. 
S = Untere Schichten von Trienbach. 4 = Obere Schiebten von 'l'ricnbach. 6 — Schiebton vom 
Melaenbuekel. 7 = Schichten von Kohlbichl. 
Ee bedeutet 

Linie 1 ein Profll von Oppenaa nach dem Mooiwalde (Seetlon Oppenau). 
Linie 2 ein Profil am We«labbani?e dca Mooewaldi (Seetlon Oppenau). 
Linie 3 ein Profil von IlolxplaU (Llerbacblbal) oaeb Küüicnbach (Sectios Oppenau). 
Linie 4 ein Profil bei Langenhardlle im Obcrbarmerabacbcr Thale (vergl. v. Kkvniiaiskm, 
v. Dbcubx nnd v. la Roch», 1815, 1 Th. I, S. 24.1 244). 

Linie 5 ein Profll bei Schönberg (Karte der Gegend von Lahr). 
Linie 6 ein Profll bei Diersburg (Karte der Gegend von Lahr). 
Linie 7 ein Profll bei Hartleawie» (Scction Oppenau) nnd vielen anderen Stellen. 

vorhandenen Schichten, diejenigen des unteren Theiles des pro- 
duktiven Kohlengebirges, nur im südwestlichen Gebiete des Ver- 
breitungsbezirkes (bis Berghaupten) entwickelt sind, dass dieje- 
nigen des oberen Theiles des produetiven Kohlengcbirges etwas 
weiter nach Nordost hin (bis Hinterohlsbach), diejenigen des unteren 
Rothliegenden noch weiter (bis Buhlbach), diejenigen des mittleren 
Rothliegenden wiederum weiter (bis Schwarzenberg) reichen, so 
dass die erwähnten Sedimente in einer muldenförmigen Vertiefung 
zum Absatz gekommen zu sein scheinen, welche im Südwesten, wo 



88 



E. W. Benecke und L. van Webvekk. 



die Granirmassive weiter von einander abstehen, breiter und tiefer, 
nach Nordost hin, wo sich dieselben nahem, schmaler und flacher 
gewesen sein mag.» Das sind Vorstellungen, die sich ganz in 
gleicher Weise, höchstens durch locale Verhältnisse modificirt, an 
die oben mitgetheilten Lagerungsverhältnisse der Kohlenformation 
und des Rothliegenden in den Vogesen knüpfen liessen. In ähn- 
licher Weise sind ja auch schon früher die Lagerungsverhältnisse 
in den Vogesen aufgefasst worden'. 

Aber auch die Lagerungsfolge zeigt auffallende Analogie*. 
Das untere Rothliegende Ecks entspricht unseren Trienbacher 
Schichten. Es sind dieselben Conglomerate und Arkosesandsteine, 
die denen des Weilerthales auffallend ähnlich sind, wie man sich 
beim Besuch guter Aufschlüsse, z. B. dem schon von v. Oeyn- 
hausen, v. Dechen und v. la Roche aus dem Oberharmers- 
bacher Thal geschilderten überzeugen kann 3 . Die oben angeführte 
Flora erkonnt auch noch ganz neuerdings Sandberger* als eine 
auf Rothliegendes deutende an. Er möchte sie allerdings mit der 
der Lebacher Schichten vergleichen, während sie nach Eck 
einem tieferen Niveau angehören müsste, da er rothe Schieferthone, 
den Schichten von Sulzbach mit Gampsonyx ßmbriatw u. b. w. 
entsprechend über dieselben stellt. Wir dürfen aber nicht ver- 
gessen, dass bei der doch immerhin geringen Zahl von Pflanzen 
und den weit von einander entfernten Floren, welche zum Ver- 
gleich herbeigezogen werden, ins Einzelne gehende Vergleiche 
stets etwas gewagt Bein werden. Die Flora des Holzplatz bei Lier- 
bach (Oppenau) stellt Sandberger in der oben genannten Arbeit 
in das Niveau der Ottweiler Schichten, Eck in das Rothliegende. 
Die Gesteine und die Schichtenfolgo bei Lierbach lassen nur einen 
Vergleich mit unseren Trienbacher Schichten zu. Die Pflanzen 
wurden nach Sandberger aus den tiefsten Bänken gewonnen, 

1. Hunecke, Abhandl. z. geol. Specialk. v. Elsass-Lothringen I. 510 a. s. w. 
Daselbst auch altere Angaben. 

2. Vergl. das S. 87 stehende, dem Etk'schen Profil analog gezeichnete Profil 
des Rothliegenden in den Vogesen. 

3. I. c. p. 243. 

4. Sandiiergeh, F. vos, reber Steinkohlunformation und Rothliegendes im Schwarz- 
wald und deren Floren. — Jahrb. k. k. geol. Reichsamt. Wien 1890, S. 77— iou. 



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Ueber das ltothliepcndc der Vogeaen. 



89 



daher mag vielleicht der etwas carbonische Habitus der Flora zu 
erklären sein. Da Sandbeuger angiebt, dass die verschiedenen 
Ablagerungen der Steinkohlenformation des Schwarzwaldes, welche 
den Ottweiler Schichten entsprechen, in keinem Zusammenhang 
mit einander gestanden haben und fast keine Art mit einander ge- 
meinsam haben, so ergiebt sich, dass man auf die allgemeinen 
Verhältnisse der Ablagerung, die in Schichten folge und Gesteins- 
beschaffenheit ihren Ausdruck finden, mindestens ebenso viel Ge- 
wicht zu legen hat als auf den einen oder anderen Pflanzenrest 
Würden wir die Schichten vom Holzplatz in die Ottweiler Schichten 
stellen, so müssten wir unsere unteren Trienbacher Schichten eben- 
falls noch in die Kohlenformation stellen, und das wäre unnatür- 
lich. Uebrigens ist die ganze Frage der Einreihung einer Schicht 
an der Grenze concordant auf einander folgender Ablagerungen 
von untergeordneter Bedeutung. Wesentlich ist für uns nur die 
Thatsache, dass die Entwicklung der Schichten und die Aufein- 
anderfolge derselben in Schwarzwald und Vogesen die gleiche ist 

Kehren wir zu der EcKschen Gliederung zurück, so bedarf 
es keines besonderen Kachweises, dass das Oberrothliegende unseren 
Schichten von Kohlbächel entspricht Das mittlere Rothliegende 
Eck's, die rothen Schieferthone, der Porphyr und der Tuff sind 
dann unseren Schichten vom Meisenbuckel und von Heisenstein, 
also den Abtheilungen, in denen ebenfalls rothe Schieferthone und 
Tuffe herrschen, gleich zu stellen. Der Porphyr der Nideck scheint 
etwas jünger, als der der Gegend von Oppenau. Letzterer könnte 
im Alter etwa dem Porphyr von Gebweiler entsprechen. Sphäro- 
lithische Entwicklung ist beiden gemeinsam. 

Von grossem Einfluss auf die Gliederung des Rothliegenden 
in Deutschland sind die Untersuchungen von Weiss und Gümbel 
in dem pfälzisch-saarbrückenschen Gebiet geworden. Bei der re- 
lativ geringen Entfernung des letzteren von unseren Vogesenvor- 
kommnissen liegt der Versuch eines specielleren Vergleiches nahe. 
Man darf aber bei einem solchen nicht vergessen, dass innerhalb 
des pfälzisch-saarbrückenschen Gebietes die petrograpbische Be- 
schaffenheit der unterschiedenen Abtheilungen oft ganz erheblich 
wechselt und dass Tausenden von Metern Mächtigkeit dort, hier 



90 



E. W. Benecke und L. van Weuvece. 



nur einige Hundert gegenüber stehen. Das deutet auf sehr ver- 
schiedene Verhältnisse während der Ablagerung, insbesondere ver- 
schiedene Höhenlage des die Schichten aufnehmenden Unter- 
grundes. Es ist auch sehr unwahrscheinlich, dass die Floren sich 
in beiden Gebieten ganz gleichartig entwickelt haben; es kann 
also nicht Uberraschen, wenn die Gesteinsbeschaffenheit gar keine, 
die organischen Einschlüsse nur unsichere Anhaltspunkte für die 
Parallelisirung bieten. 

In neuester Zeit ist Weiss 1 auf die Gliederung des Roth- 
liegenden im Saar- und Rheingebiete zurückgekommen und hat 
eine Zweitheilung an Stelle der Dreitheilung befürwortet. Letztere 
kommt dann nur noch in den Unterabtheilungen zum Ausdruck. 
Er trennt ein unteres Rothliegendes mit den unteren Cuseler 
(I. Stufe), oberen Cuseler (H. Stufe), Lebacher (HL Stufe), Tho- 
leyer (IV. Stufe) und Söterner Schichten (V. Stufe) von einem 
Oberrothliegenden mit der Waderner und Kreuznacher Stufe. Diese 
Gliederung stimmt mit der von Gümbel* unlängst gegebenen in 
Supracarbonschichten und Rothliegendes bis auf den einen Punkt, 
dass Gümbel die Söterner Schichten noch zur oberen Abtheilung 
zieht Weiss macht in der genannten Erläuterung noch darauf 
aufmerksam, dass die Zweitheilung sich in gleicher Weise für 
das Rothliegendc des Thüringer Waldes und des niedcrschlesiBchen 
Gebietes empfiehlt, dass local noch weitere Schichten von Zwischen- 
stellung unterschieden werden können, die an einzelne Stufen 
des Saar-Rhein-Gebietes erinnern, dass es aber für den Augenblick 
im Grossen und Ganzen zweckmässig erscheint, für Vergleiche von 
einander entfernter Gebiete nicht Uber die Zweitheilung hinaus 
zu gehen. In die Zeit des Unterrothliegenden fällt die Entwicklung 
der Flora und Fauna des Rothliegenden, ferner das Zutagotreten 
mannigfacher efrusiver Gesteine; das Oberrothliegende ist ver- 
steinerungsleer und Eruptivgesteine treten zurück. 

Für uns ist die Zweitheilung nun ganz besonders zweck- 
mässig, da wir in den Vogesen in Verlegenheit wären, ein mittleres 

1. Weiss, Erlaut, zu Blatt Lebach der geologischen Specialkarte von Preiissen 
und den Thüring. Staaten, Berlin 1889, Vorwort. 

2. Gcmbkl, Geologie von Bayern I. 629. 



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Ueber das Rothliegcnde der Vogesen. 



91 



Rothliegendes, den Lebacher Schichten entsprechend, in genügend 
sicherer Weise zu umgrenzen. Unsere Schichten von Kohlbächel 
sind Oberrothliegendes, alles unter denselben bis zu den Erlon- 
bacher Schichten ist Unterrothliegendes. Da an der Nideck bereits 
unter dem Porphyr Gesteine auftreten (2 bei BüCKiNG S. t«), 
welche denen Aber dem Porphyr sehr ähnlich Bind und mit diesen 
zusammen den Kohlbächelschichten gleichgestellt werden müssen, 
so hätten wir es hier noch mit einer der selteneren Eruptionen im 
Oberrothliegenden zu thun. Velain giebt Melaphyres andesitiques 
von Grande-Fosse noch über seinem gres rouge supericur, also über 
unseren obersten Kohlbächelschichten, an. Das wäre, die Richtig- 
keit der angenommenen Vergleiche vorausgesetzt, die jüngste 
Eruption im Gebiete der Vogesen, unmittelbar vor Beginn der 
Buntsandsteinbildung. 

Folgende Tabelle giebt eine vergleichende Uebersicht der 
Entwicklung in den drei Hauptgebieten der Vogesen. 





Weilerthal. 


Breuschthal. 


OebweUer. 


Oberes 
Rotbliegendes, 


Kohlbächel- 
schichten. 


2—5 Iii ckino. 
(3 ist Porphyr.) 


Arkosen, Brcccien 
und Grande 
ton Juaghol/„ 


Unteres 
Rotbliegendes. 


Sch. t. Mciscnbuckel 

- • Hcisenstein 
• » Trienbacb 


t (Bückixo) 


Tuffe und Porphyre 
von Wünheim u. d. 
Felselcn. 

Conglomerate. 



Wir sind davon ausgegangen, das Rothliegende des Weiler- 
thals in einer den lokalen Verhältnissen entsprechenden Weise 
zu gliedern. Es ergab sich dabei von selbst, das« auch die unmit- 
telbare Unterlage desselben, das produetive Kohlengebirge, berührt 
werden musste. Wir schlössen daran eine kurze Besprechung an- 
derer Ablagerungen von Rothliegendem, wie sie in den Vogesen 
und benachbarten Gebieten entwickelt sind. 

Produetive Kohle und Rothliegendes der Vogesen bilden nach 
Lagerung und Vorkommen ein zusammengehöriges Ganze. Beide 



92 



E. W. Benkckk und L. van Wkkveke. 



Formationen sind in muldenförmigen Vertiefungen eines älteren 
Gebirges abgelagert Die die Tiefe der Mulden erfüllenden ersten 
Ablagerungen sind von einander getrennt und tragen einen lokalen 
Charakter, die jüngeren greifen Uber die trennenden Rücken 
allmählich über und zeigen auf grössere Erstreckung Gleichar- 
tigkeit 

Ueber die Lagerung der Kohle hat sich L. de Beaümont 1 
bereits ausgesprochen. Er sagt: « Les depöts paraissent avoir rempli 
les parties les plus creuses des deux bassins. L'un, situe au midi 
de la ligne des ballons, comprend les affleurements houillers de 
Ronchamp et de Champagney, des Granges Godey, de Chenebie, 
de la Charme etc.; l'autre, place entre les montagnes de Sainte- 
Marie-aux-Mines et celle du Champ de Pen, comprend les affleu- 
rements des environs de Ville, auxquels on peut rattacher ceux 
de Saint-Hippolyte, du Hury etc.» 

Die kohlenführenden Schichten von Ronchamp zeichnet 
E. de Beaümont in einem Profil (1. c. f. 55, S. «m) discordant auf 
dem Grauwackengebirge. Das Rothliegende greift über, denn im 
Walde des Arsot bei Belfert 1 liegt es unmittelbar auf der Grau- 
wacke, nördlich und südlich des GrauwackenrückenB zwischen 
Valdoye und Anjoutay ruht es nach Koechun-Schlumberger 
und Delbos in Mulden auf der Südseite des Bärenkopfes. Bei 
Roppe und Anjoutay hat man Kohle oder doch mindestens kohlen- 
führende Schichten mit Pflanzenabdrücken des unteren Rothlie- 
genden erbohrt Delbos sagt an einer Stelle (1. c. wn), dass 
c le terrain houiller s'attenuait en coin entre le gres rouge et le 
terrain de transition >. 

Das Kohlengebirge scheint also in der That in Depressionen 
zu liegen, Uber deren Ränder das Rothliegende weggreift Da gegen 
Süden mesozoische Bildungen sich auflagern, so wissen wir nichts 



1. Di frenoy et E. de Biaohokt, Explication de la carte geologique de France, 
t, 683, 1841. 

2. Siehe Parisot, Esquisse geologique des environs de Belforl. Mein. d. 1. Soc. 
d'emulation de MontMliard 1864, rail Karte and Profilen, ferner Düllos et Kokciilin- 
Schlimbek. mi. Description geologique et mineralogique du depart. du Haut-Rbin, 186C. 
Pag. 198 sq. Profil auf Blatt 3 der Karte, unten. 



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Ueber das Rothliegende der VogCBeu. 



93 



über die Ausdehnung von Kohle und Rothliegendem in dieser 
Richtung. 

Das Rothliegende bei Gebweiler ist gegen die Beichenmasse 
gesunken. Die Senkung scheint längs einer auf der Südostseite 
der Belchengrauwacke nach NNO laufenden Spalte, welche einen 
Theil des gewöhnlich als Rheinthalspalte bezeichneten Spalten- 
8y8tema bildet, erfolgt zu sein. Nur an einer Stelle, auf der Süd- 
seite des Oberlinger, ist die unterlagernde, gegen die Hauptmasse 
ebenfalls gesunkene Grauwacke zu beobachten. 

Der andere von E. de Bealmont unterschiedene Bezirk, les 
affleurements des environa de Vill6, umfasst sehr Verschiedene«. 
Die Kohlen von Rodern und St. Pilt, Laach und Weiler gehören, 
wie oben schon angedeutet wurde, verschiedenen Bildungszeiten 
an und es handelt sich schwerlich um eine einzige Depression. 
Da bei Rodern Buntsandstein unmittelbar -auf Schichten liegt, 
deren PÜanzeneinschlüsse auf die älteste Zeit der productiven 
Kohlenbildung deuten, so ist die ganze jüngere Kohle und das 
Rothliegende hier gar nicht zur Ablagerung gekommen oder, was 
weniger wahrscheinlich ist, vollständig abgewaschen. Jedenfalls 
haben wir sehr complicirte Verhältnisse, die sich vielleicht werden 
besser Ubersehen lassen, wenn die Störungen im alten Gebirge 
genauer erforscht sein werden. 

Laach und Weiler können wir eher als in einer Vertiefung 
liegend annehmen, aber auch hier machen spätere Störungen und 
ausgedehnte Abwaschungen unmöglich, den ursprünglichen Umriss 
der Ablagerung zu erkennen. Wir können nur sagen, dass Laach, 
die älteste Ablagerung, den kleinsten Umfang hatte, Weiler (unsere 
Kohle von Erlenbach) ausgedehnter war, dass die Trienbacher 
Schichten noch weiter griffen. Da aber die Ablagerungen von 
Weiler gegen jene des Kohlberges bei Laach gesunken sind, da 
ferner auf der Ostacite der ersteren eine Verwerfung gegen den 
Granit von Dambach abschneidet und in anderer Richtung ver- 
laufende Störungen hinzutreten, welche eine Art Bruchfeld um- 
grenzen, so entspricht auch hier die jetzige Umgrenzung durchaus 
nicht der ursprünglichen. Dass kleine Ablagerungen wie die am 
Hury, bei Thannenkirch und in Glashüttenthal nicht so be- 



94 



K. \V. Bkneckk and L. van Wekvbke. 



schränkt waren wie beute, ist mehr als wahrscheinlich. Nicht eine, 
sondern eine Anzahl Depressionen von verschiedener Grösse und 
verschiedenem Umfange mögen in den mittleren Vogesen die 
Kohle und das untere Rothliegende aufgenommen haben, und in 
dem Zeitraum zwischen der Bildung der ältesten Kohle von Rodern 
und St Pilt und der jüngsten von Erlenbach ist die Oberfläche 
durch Niveauveränderungen und Abwaschungen mehr als einmal 
umgestaltet worden. 

Im Breuschthal und in den Nordvogesen fehlen alle Abla- 
gerungen, die älter sind als die Tuffe (Meisenbuckelschichten). 
Letztere und das Oberrothliegende erfüllen theils Vertiefungen, 
theils bilden sie weite, zusammenhängende Decken. Den Verlauf 
der Depressionen zu verfolgen, verhindert die ausgedehnte Be- 
deckung durch mesozoische Bildungen gegen Norden. 

Wären wir allein auf das Vorkommen und auf die Lagerung 
der kohlcnführenden Bildungen und des Rothliegenden in den Vo- 
gesen angewiesen, so würden wir uns Uber die Oberflächenverhält- 
nisse des von diesem Gebirge heute eingenommenen Gebietes in der 
jüngeren paläozoischen Zeit keine auch nur ungefähre Vorstel- 
lung machen können. Beobachtungen in den beiderseits zunächst 
gelegenen Gebirgen, dem französischen Centralplateau und dem 
Schwarzwald, kommen uns aber zu Hülfe. Für letzteren hat Eck 
mehrere von Süd nach Nord auf einander folgende Verbreitungs- 
bezirke von Kohle und Rothliegendem unterschieden. Allen ist 
das Uebergreifen des Rothliegenden über die Kohle gemeinsam, 
die ganze Art der Ablagerung ist, wie oben (S. 88) angeführt 
wurde, durchaus analog jener in den Vogesen. Ganz besonders 
bemerkenswert h ist aber, dass eine auffallende Uebereinstimmung 
der einzelnen Schwarzwälder Bezirke mit solchen der Vogesen be- 
steht, die denselben ungefähr gegenüberliegen. Den der ältesten 
produetiven Kohlenzeit angehörigen Ablagerungen von Diersberg, 
Hagenbach und Berghaupten entsprechen jene von St. Pilt und 
Roderen, es können Hinterohlsbach, Hohengeroldseck und Baden 
verglichen werden mit Laach und Erlenbach, die Conglomerate 
und Arkosen von Lierbach, Mehlengrund, Bottenau und an dem 
Heidenknie sind vertreten durch die Trienbacher Schichten, auch 



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Uebcr dos Rothlicgcnde der Vogcscn. 



95 



gleichen die Tuffe des mittleren Schwarzwaldes den Schichten 
vom Meisenbuckel im Wcilerthal und deren Aequivalenten im 
Breuschthal. 

Diese Uebereinstimmung der in den beiden Gebirgen unge- 
fähr gegenüberliegenden Bezirke, das Verschwinden einzelner, 
zumal älterer Abtheilungen in der Richtung von Süden nach 
Norden deutet auf eine Erstreckung der Muldenausfüllungen von 
W nach O oder von SW nach NO und auf eine reihenförmige 
Anordnung derselben von S nach N. Dabei ist jedoch zu berück- 
sichtigen, dass auch ein Herausheben der Schichten in der Längs- 
erstreckung der Mulden stattgefunden hat, wie das Eck' für den 
Schwarzwald speziell nachgewiesen hat und wie es auch für das 
Weilerthal anzunehmen ist. 

Lange bekannt ist, dass die zahlreichen Kohlenbecken des 
östlichen französischen Centralplateaus eine reihenweise Anordnung 
und eine Erstreckung ungefähr von SW nach NO zeigen, dass 
auch hier das Rothlicgcnde vielfach transgredirend gelagert ist*. 
Das Gebiet zwischen den Vogesen und dem Ccntralplateau ist 
gesunken und mächtige mesozoische Massen, welche der Abwa- 
schung weniger ausgesetzt waren, verhüllen das ältere Gebirge. 
Nur hier und da ist dasselbe frei gelegt Da im Val d'Ajol Roth- 
liegendes vom Alter der Trienbacher Schichten, bei Raon l'Etape 
Oberrothlicgendes, bei Epinal Buntsandstein auf Granit aufliegt, 
so müssen auch hier Mulden und Rücken abwechseln. Kohle 
kann in der Tiefe liegen. Dass kein Grund vorliegt, vorauszusetzen, 
die Verhältnisse in dem Gebiet östlich vom Schwarzwald seien 
andere als in diesem selbst, hat Eck hervorgehoben. 

Es wäre nun aber ein grosser Irrthum, wenn man annehmen 



1. Eck, Bemerkungen über die geognostischen Verhaltnisse des Schwarzwaldes 
im Allgemeinen und über Bohrungen nach Steinkohlen in demselben. Jahresh. d. Yer. 
f. vaterländische Naturkunde in Württemberg 1887, 328. 

2. Kartehen in Lappaiien r, Traite de geologie II, 836. Reproduzirt in Fasen, 
Das französische Centraiplateau, in Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin, 
Bd. XX1Y, 1889. Siebe auch die interessanten Ausführungen Bergkbon's in «Etüde geo- 
logique du massif ancien situe an sud du plateau central > über die Lagerung in der 
MonUgne noire. Paris 1889. 



96 



E. W. Benecke und L. van Webvkke. 



wollte, dass das ganze Gebirge, welches die Ablagerungen des 
productiven Carbon aufnahm, aus südwest-nordöstlich streichenden 
Mulden und Sätteln mit einer diesem Streichen entsprechenden 
inneren Structur zusammengesetzt wäre. Das alte Gebirge der 
Vogesen und des mit denselben damals noch verbundenen Schwarz- 
waldes besteht aus einer grossen Zahl einzelner Glieder, von denen 
ein jedes seine eigene Geschichte hat Wir dürfen dieses Gebirge 
nicht etwa mit einem Faltengebirge, wie dem Jura vergleichen. 
Einzelne Ablagerungen, wie die Gneisse der Markircher Gegend, 
die Weiler und die Steiger Schiefer, die Devonschichten des 
Breuschthals, die Grauwacken bei Weissenburg und in der Pfalz 
bis nach Neustadt hin, der Culm des Oberelsass, zeigen allerdings, 
soweit sich aus den bisherigen Beobachtungen ersehen läset, ein 
trotz vieler einzelner Abweichungen von SW nach NO gerichtetes 
Gesammtstreichen. Wie ein Blick auf eine geologische Uebersichts- 
karte lehrt, nehmen aber massige Gesteine, wie der Granit des 
Hochfelds, der Dambacher Granit, der Granit von Barr-Andlau, 
der Kamingranit und andere in den Vogesen Flächen ein, die 
an Ausdehnung den geschichteten Bildungen mindestens gleich 
kommen. Sie spielen in der Tektonik des ganzen Gebirges viel- 
fach eine bedeutendere Rolle als die Gneisse, Schiefer und Grau- 
wacken. Sie fügten sich einem etwaigen seitlichen Druck nicht, 
sie konnten höchstens gebrochen und verschoben werden. Unter 
allen Umständen setzten sie einer faltenden Kraft Widerstand ent- 
gegen und wirkten stauend, so dass die Streichrichtung der ge- 
schichteten Gebirgsglieder vielfach abgelenkt wurde. Nur gang- 
artig auftretende Eruptivmassen, wie der Bilsteingranit bei Rap- 
poltsweiler oder die Grauitporphyre des Urbeiser Thaies wurden 
überwältigt und nahmen Schieferstructur an. Diese Quetschzonen 
zeigen dann aber wieder einen Verlauf von WWS nach OON 
(genauer W15°S— 015°N) und in derselben Richtung laufen 
die Flächen der Schieferung in denselben. 

So haben wir wohl mannigfache Anzeichen einer sehr inten- 
siven Faltung zu Ende der Culmzeit, an einigen Stellen auch wohl 
einer Ueberschiebung von SO nach NW oder von S nach N, aber 
dieselben betrafen nicht eine einheitliche, sich gleich verhaltende 



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Urcber das Rothliegendo der Vogesen. 



97 



Sehichtenmassc, sondern einen Tbeil der Erdrinde von sehr verschie- 
dener Zusammensetzung und sehr verschiedenem Aufbau. Auch die 
energischste Kraft konnte hier nur stellenweise von durchgreifendem 
Einfluss sein, vielfach blieben Spuren des älteren Gefüges bestehen 
und die Oberfläche, welche das älteste produetive Gebirge auf- 
nahm, wird höchstens auf gewisse Erstrcckung eine regelmässige 
Aufeinanderfolge von Mulden und Sätteln gezeigt haben, im All- 
gemeinen aber, besonders in der Längserstreckung der Mulden, 
sehr unregelmässig gestaltet gewesen sein. Sehr bemerkenswert« 
sind die Ansichten Uber verschiedene Tiefe und Breite der Mul- 
den in der Richtung von SW nach NO, welche Eck L c 33» 
macht. Aehn liebes scheint für das Gebiet von Weiler zu gelten. 
Die während und besonders nach der Faltung thätige Erosion 
wird das Relief der tiefer gelegenen Partien des Gebirges kaum 
geändert, vielmehr in der Richtung der Falten weiter gearbeitet 
haben. Wo aber die Gewässer die Kämme und Flanken, beson- 
ders aus massigen Gesteinen bestehende angriffen, da werden neue 
regellose Furchungen entstanden sein. 

Die Granite, welche so wesentlichen Antheil an der Zusam- 
mensetzung der Vogesen nehmen, können wir uns nicht anders denn 
als in der Tiefe erstarrte Massen vorstellen. Da Granite im Ober- 
Elsass metamorphosirend auf Culmgrauwacken wirkten, so müssen 
noch Gesteino in bedeutender Mächtigkeit Uber denselben gelegen 
haben. Da wir andererseits produetive Kohle, und zwar ältere, 
unmittelbar auf Granit autliegen sehen, so muss angenommen 
werden, dass entweder bei der Bildung des Gebirges die Decke 
gesprengt und der Granit frei gelegt wurde, oder dass letztere auf 
dem Granit liegen blieb und durch Erosion entfernt wurde. Je 
nachdem man die eine oder die andere Annahme vorzieht, gelangt 
man zu einer anderen Vorstellung von der Höhe des alten Ge- 
birges. Penck' denkt sich ein solches, welches can Grossartigkeit 
mit den grössten heutigen Gebirgen wetteifern konnte», und 
nimmt im heutigen Saar-Rhein-Gebiet eine Depression von 5000 m 
an, in welcher die Saarbrückener Schichten abgelagert wurden. 



I. In Kmcniiorr. Unser Wissen von der Erde, II, 229. 

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98 



E. W. Benboke und L. vak Wehveke. 



Das würde also eine ungeheure Abwaschung des Gebirges 
während der Bildung der Saarbrückener Schichten in tiefer gele- 
genen Gegenden voraussetzen. Eine Stütze erhält diese Auffassung 
in dem Umstände, dass Repräsentanten der Hauptmasse der Walden- 
burger und Saarbrückener Schichten bis hinauf zu deren obersten 
Gliedern der letzteren in den Vogesen, ebenso wie im Schwarz- 
wald, fehlen. Zu berücksichtigen ist aber, dass wir eine Vertretung 
der untersten produetiven Schichten bei Rodern und St Pilt haben, 
die nach der Hebung des Culm abgelagert sind, dass also stellen- 
weise im Gebirge schon frühzeitig die Möglichkeit der Kohlen- 
bildung gegeben war. Ob wir die Kohlen von Rodern und St Pilt 
zum oberen Culm oder zum unteren produetiven Gebirge rechnen, 
ist dabei gleichgültig. Wesentlich ist, dass dieselben nach der 
Hauptfaltung des Gebirges abgelagert sind. Wir müssten dann 
annehmen, dass schon relativ bald nach der Faltung der mittleren 
Vogesen und in dem entsprechenden gegenüber liegenden Gebiet 
des Schwarzwaldes tiefe Depressionen vorhanden waren, welche 
die Entwicklung einer Flora gestatteten, während die klimatischen 
Verhältnisse des Hochgebirges die Vegetation nicht aufkommen 
Hessen. Dann folgte eine lange Periode der Erosion. Ob wir nun 
gleich von Beginn derselben eine so tiefe Depression im Saar- 
brückener Gebiet voraussetzen wollen, wie Penck sich vorstellt 
ob nicht dort eine allmähliche Senkung stattfand, ob ferner die 
nachträglichen Hebungen der abgewaschenen Gebirgssockel, von 
welchen Penck in der oben angeführten Auseinandersetzung spricht, 
notbwendig sind, wollen wir dahingestellt sein lassen und nur 
hervorheben, dass die Zeit der bedeutendsten Abtragung sehr 
wohl mit der Ausfüllung der Depression »wischen Vogesen und 
dem rheinischen Schiefergebirge zusammengefallen sein kann. 

Die Bildung der Trienbacher Schichten schliesst sich unmit- 
telbar an die der oberen Kohle an. Die Mannigfaltigkeit der ein- 
geschlossenen Gerölle beweist, dass immer weitere Gebiete den 
zerstörenden Einflüssen der Atmosphärilien ausgesetzt wurden. 
Reste der stellenweise sich entfaltenden Vegetation geriethen in 
die Gewässer und wurden in feineren Arkosen und Sandsteinma- 
terial erhalten. 



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lieber das Rothliegcnde der Vogcscn. 



99 



Neues Material wurde durch die Ausbrüche der Porphyre 
und die Bildung der mit denselben in Verbindung stehenden 
Tuffe geliefert. Reichlich vorhandene Kieselsäure durchdrang die 
Gesteine und bedingte die Erhaltungsfähigkeit der eingeschwemmten 
Stämme. Von Haus aus wurde im Gebirge weniger abgelagert 
als in der Niederung, so dass die geringe Mächtigkeit der Trien- 
bacher und der Meisenbuckel-Schichten in den Vogesen gegenüber 
den Cuseler und Lebacher Schichten des Saar-Rhein-Gebietes natür- 
lich erscheint? viel mag aber auch bald nach der Bildung wieder 
zerstört und nach tiefer gelegenen Stellen gefuhrt worden sein. 

Die Eruption der Porphyre und verwandter Gesteine setzt 
ein System zahlreicher Spalten voraus. Den Verlauf derselben 
zu erkennen hindert die deckenförmige Ausbreitung der Ergüsse. 
Man möchte annehmen, dass die Spalten der Richtung der Muldon 
und Sättel parallel lagen. Vklain zeichnet eine grosse Anzahl 
von Gängen in den seiner Arbeit über das Rothliegende der Vo- 
gesen beigegebenen Tafeln. Auf deutschem Gebiete ist nicht ein 
einziger Gang innerhalb des Rothliegenden bisher beobachtet 
worden. Es ist aber sehr wahrscheinlich, dass Quarzporphyre, welche 
Granite und andere ältere Gesteine gangförmig durchsetzen, in der 
Zeit des Rothliegenden zu Tage traten, so jene sicher dyadischen 
Quarzporphyren zum Verwechseln ähnlichen des Grand Robino bei 
Markirch, vielleicht auch die des Andlauthalos. Da mit diesen 
Porphyren jedenfalls Tuffe und andere Sedimente zum Niederschlag 
kamen, so würde damit eine grössere Verbreitung des Rothliegenden 
angedeutet sein. 

Die Zeit der produetiven Kohlenformation unddcsUnterrothlie- 
genden muss Uber einen sehr grossen Theil Europas den gleichen 
Charakter getragen haben. Wie in Schwarzwald und Vogesen ge- 
hören in den Wcstalpen die pflanzenführenden Schichten von der 
Dauphinee an bis zum Titlis der oberen Hälfte des produetiven 
Gebirges an. Das Gleiche ist, soweit die Abbildungen LA MarmoraV 
zu erkennen gestatten, mitden Kohlenbildungen Sardiniens der Fall; 
in dieselbe Zeit werden die neuerdings gefundenen Kohlenpflanzen 



I. La Maixora, Voyage en Sardaigne, Atlas PI. D. 



100 



E. W. Bexecee und L. van Weuveee. 



der italienischen Halbinsel gestellt Ein grosser Theil der unter dem 
Sammelnamen Verrucano begriffenen Gesteine der Nord- und Süd- 
alpcn steht mit gewaltigen Eruptionen von Porphyren, wie denen 
von Bötzen und Lugauo oder mit kleineren Vorkommen, wie denen 
der Windgälle, in Beziehung. Die Walehien des Mont-Colombino 
beweisen die Existenz einer dyadischen Flora. Vielfach ist in den 
genannten Gegendon die Gcsteinsiihnlichkoit mit unseren Abla- 
gerungen eine so grosse, dass man sich beim Anblick derselben in 
deutsches Mittelgebirge versetzt glaubt. Erscheinen die Gesteine 
fremdartig, wie vielfach in der Schweiz, so sind sie in späterer 
Zeit umgewandelt worden. Ueberall herrschte eine energische Thä- 
tigkeit, theils der Zertrümmerung und Auflösung unter dem Ein- 
fluss der Atmosphärilien und der Sedimentation in wenig ausge- 
dehnten Becken, theils der Neubildung von Gesteinen durch 
Eruption. Lokal traten nach der Faltung des Culm noch zu ver- 
schiedenen Zeiten Niveauveränderungen 1 ein, so bei St. Pilt und 
Roderen schon in der älteren produetiven Zeit. Die Kohlenbil- 
dungen der schweizer Alpen gelten als eingefaltet vor der Bil- 
dung des Verrucano*, sie sollen discordant von letzterem überlagert 
werden, während in den Vogesen und im Schwarzwald von der 
Laacher Kohlenbildung an bis in die mesozoische Zeit keine wesent- 
lichen Störungen eingetreten zu sein scheinen. Schliesslich fand 
Uberall eine allgemeine Senkung statt, wie das Uebergrcifen der 
jüngeren Bildungen beweist. Diese Senkung und zugleich die Aus- 
füllung der Depressionen bewirkten eine allmählich zu Stande 
kommende gleichartigere Beschaffenheit der Oberfläche. Das Ober- 
rothliegende konnte so schon Uber weite Flächen sich ausbreiten, 
und indem immer mehr älteres Gebirge dem Einfluss der Abwa- 
schung entzogen wurde, wurden die Gesteine gleichartiger. Sand- 
steine und Schieferthone herrschen und die Scheidung von Ober- 
rothliegendem und unterem Buntsandstein wird oft eine willkürliche, 
wo die Einlagerung des marinen Zechsteins fehlt 



I. Neuerdings ist eine solche auch für Schlesien nachgewiesen worden. S. Datmk. 
Zeitschr. d. Deutsch, geolog. Gesellsch. Bd. XLII, 174. 

'2. Schmidt, Zur Geologie der Schweizeralpen, Fig. 2 der beigefugten Taf. I. 



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lieber das Rothliesende der Vogesen. 



101 



Wir haben oben bereits über die Dolomitbünkc vom Hohen- 
berg bei Albersweiler, deren eine versteinerungsführend ist, und 
die sich an das Auftreten derselben knüpfenden Folgerungen ge- 
sprochen. Dass das heutige Pfälzer Gebiet und ebenso der Oden- 
wald damals eine tiefere Lage hatten als die südlich angrenzen- 
den Gebiete, beweist das Vorkommen eines marinen Niederschlags 
dort und das Fehlen desselben im Süden. Die ungefähre südliche 
Grenze dieses für die Existenz einer Fauna geeigneten Meeres liiuft 
wiederum in der sich seit alter Zeit geltend machenden Richtung 
von SW nach NO 1 . Die Dolomitbänke der Pfalz sind in Schicfcr- 
thonen eingelagert, welche im nördlichen Elsass allein ohne Ein- 
lagerung von Dolomit die Grenzschichten von Rothliegcndeni und 
Buntsandstein zusammensetzen. Südlicher verschwinden auch die 
Schieferthone und sandiges oder arkoseartiges Material herrscht. 
Dies Verhalten findet seino natürliche Erklärung in dem Scichter- 
werden des Meeres und der Annäherung an oin Ufer. Aehnliches 
beobachten wir in anderen Gegenden. Credner 1 unterscheidet in 
Sachsen einen oberen Complex des Rothliegenden aus rotheu bis 
braunen Sandsteinen mit vereinzelten Geröllen von Quarz, Gra- 
nulit und Gneiss, sowie Fragmenten von Phyllit. Das Bindemittel 
derselben ist meist dolomitisch und kann sich in einzelnen Schichten 
und Bänken derartig anreichern, dass sandige, gelbliche Dolomite 
entstehen. Diese dolomitischen Bildungen sind aber auf die sich 
nach Westen öffnende Mündung des erzgebirgischen Beckens der 
Gegend von Krimmitzschau, Merane und Gössnitz beschränkt, wo 
sie von den Plattendolomitcn und bunten Letten der oberen Zech- 
steinformation concordant überlagert werden. Gegen Osten hin fehlen 
sie. Nach den sehr eingehenden Beschreibungen v. Gümbel's 
haben wir bei Stockheim noch Zechstein mit mariner Fauna, 
darüber Lettenschiefer, welche so allmählich den Uebergang in die 
tiefsten Triasschichten vermitteln, dass v. Gümbel sagt 1 : «Wir 

I. Auch der Buntsandstein zeigt in seiner Entwicklung noch eine Abhängigkeit von 
einer von Norden nach Süden sich hebenden, welligen AuflagerungslUche, also leber- 
einstiiMinnrig in den in westöstlicher, Verschiedenheit in den in nordsudlirher Richtung 
auf einander folgenden Gebieten. 

.'. CiiEDStn, Das sächsische Granulitgebirge und seine Umgebung. Iii, 1884. 

3. t. Gimbel, Geoguostisehe Beschreibung des Kichtelgebirges. 671). 



102 



E. W. Bbnecke und L. van Werveee. 



können hier, wo die Natur selbst eine scharfe Scheide nicht ge- 
zogen hat, wohl darauf verzichten, diese bestimmter, als es in den 
natürlichen Verhältnissen liegt, ziehen zu wollen.» Bei Erbendorf 
fehlt aber der Zechstein bereits und v. Gümbel sieht sich zu dem 
Ausspruch veranlasst 1 : «Eine nähere Vergleichung der tieferen 
Schichtenreihen bei Stockheim mit jenen weiter gegen Süden, 
namentlich bei Erbendorf, führt zu dem Ergebniss, [dass gewisse 
hangende Complexe im Süden nach ihrer geognostischen Stellung 
oder nach der Zeit ihrer Ablagerung den kalkigen Bildungen gegen 
Norden nahe oder gleich kommen und ein geognostisches Aequi- 
valent der letzteren darzustellen scheinen, so dass hierin eine merk- 
bare Annäherung dieser südlichen Entwicklungswoise mit der säch- 
sisch-böhmischen hervortritt» Es darf daran erinnert werden, dass 
ähnliche Wechselbeziebungen schon in viel älterer Zeit auftreten. 
Das Eingreifen mariner Obersilurschichten unten, mariner Unter- 
carbonschichten oben in den schottischen Old Red bedingt dieselbe 
Schwierigkeit, diese Sandsteinmasse, wo sie einheitlich entwickelt 
ist, mit den marinen Formationen zu vergleichen. In die Zeit 
der oberen Kohlenformation und des Unterrothliegenden fallen die 
Artinskbildungen Russlands*, gewisse Schichten der Ostalpen und 
der cephalopodenfUhrcnde Fusulinenkalk des Sosiothales in Si- 
zilien. In etwas jüngerer Zeit als der des Zechsteins mag der süd- 
alpine Beilerophonkalk wieder eine anders geartete marine Trans- 
gression darstellen. 

Auch in jüngerer Zeit begegnen wir denselben Erscheinungen. 
Die mehrfach im Buntsandstein sich einstellenden Einlagerungen 
von Dolomitlagen und -knollen, am auffallendsten in den soge- 
nannten Zwischenschichten, gleichen denen des Oberrothliegenden 
bis in alle Einzelheiten. Aus anfangs kalkigen Sandsteinen wurden 
die Salze gelöst und dann wieder in unregelmässiger Form, als 
Knollen, Schnüre u. s. w. ausgeschieden. Nur in dem Grade der 
Erhaltung unterscheiden sich die Knollen von Dolomit und die 
Flecken der Tigersandsteine. 

1. v. Gl m in l. Gcognoslischc Beschreibung des ostbayrischen Grenzgebirges. 166. 

2. Man vergleiche die Ausführungen TsciiEiumscin: w's in Allgemeine geologische 
Karte von Russland, Blatt 134, Beschreibung des Ccntralurals. 3*15, 1889. 



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Uober das Rothliegende der Vogescn. 



103 



Stellt doch der ganze Muschelkalk nichts anderes dar als 
eine solche Invasion des Meeres zwischen Buntsandstein und 
Keuper. Als das Meer herandrang, entstand in den seichten Ge- 
bieten der Vogesen und entsprechend z. B. des Fichtelgebirges der 
Muschelsandßtein als Aequivalent weiter draussen niedergeschlage- 
ner reiner Kalkbildungen, ursprünglich als ein dolomitischer oder 
kalkiger Sandstein, wie er jetzt uns vorliegt, ausgelaugt und darum 
bald als ein manganhaltiger Mulm, bald als ein reiner Sandstein 
erscheinend. Wie weit die Fauna gegen das Ufer vordringen 
konnte, hing von lokalen Verhältnissen ab. 



Weitere Beiträge zur Kenntniss des Oligooäns im Elsass. 

Von 

Prof. A. Andreae. 



Die von mir während mehrerer Jahre im Auftrag der geo- 
logischen Landesanstalt von Elsass-Lothringen in dem Tertiärge- 
biete von Weisscnburg und Sulz u. Wald fortgesetzten geolo- 
gischen Aufnahmen haben in Bezug auf Foesilfunde noch einige 
Nachträge zu den früher angeführten Listen geliefert. 

Daa in den Beiträgen zur Kenntniss des Elsässcr Tertiärs 
ä 118 (Abh. z. geol. Spk. v. Els.-Lothr. Bd. II, H. III, 1884) 
gegebene kleine Verzeichnis« von Versteinerungen aus dem Asphalt- 
kalkcomplex von Lobsann hat durch die Auffindung einer an 
Conchylien reichen Kalkschicht daselbst einige Bereicherung er- 
fahren. — Die Flora, welche uns der Asphaltkalk liefert, und die 
auf Wälder von Schirmpalmen, Zimmetbäumen und Wallnüssen 
hinweist ebenso wie die Säugethierfauna, die aus Anthracotherien, 
Hyopotamen und Entelodon besteht, wurden früher schon ausführ- 
licher besprochen. Die erwähnte Kalkschicht enthält auch nichts 
von diesen Formen, die meistens im Asphaltkalk selbst oder in 
den Braunkohlen und ihren Zwischenlagen eingebettet sind, son- 
dern ist erfüllt von Chararesten, sowie von zahlreichen Schnecken, 
meist Steinkernen und Abdrücken, unter denen die Hydrobien 
weitaus vorwiegen und den etwas brackischen Character der Fau- 
nula bekunden. Der graubraune Stinkkalk liegt unterhalb des 
Bergwerkes Lobsann in der Höhe von 210 m über dem Meere und 
bildet eine Einlagerung in dem tiefsten Theile des Asphaltkalk- 
complexes, liegt also unmittelbar an der Grenze gegen die unter- 
oligocänen Petrolsandmergel. Stücke desselben finden sich mas- 
senhaft im Bachbett sowie am Waldrande auf der linken Thal- 
seite. Die gesammte kleine Conchylienfauna aus dem Asphaltkalk- 
complex ist nachstehend angeführt; daneben steht zum Vergleich 

8 



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106 



A. Ahdreae. 



die etwas ältere Faunala aus dem benachbarten Petrolsandgebiet 
von Pecholbronn, die ebenfalls etwas vermehrt werden konnte 
(cf. 1. c. S. 143). Der oft dürftige Erhaltungszustand der Schnecken 
mag die bei einigen Bestimmungen ausgedruckte Unsicherheit 
rechtfertigen. 

Asphaltkalkcomplex von 
Lobsann. 

Melania fatciata Sow. 
Melanopsis cf. carinata Sow. sp. 
Euchilm pupiniformis Sandbg. 
Nystia äff. polita F. Edw. 
Amnicola sp. 

Hydrobia obelticua Savdbg. 
Hydrobia cf. indifferem SANDBG. 
Helix cf. cadurcensis Noül. 
Planorbia (Segmentina) sp. 
Auricula (Plecotrema) eandbergeri 
n. sp. 

Auricula (Plecotrema) sandbergeri* And. 

Sandberger erwähnt in seinen Land- und Süsswassercon- 
chylien der Vorwelt (1870—75) & 317 eine kleine Auricula von 
Lobsann folgendermassen : «eine kleine Auriculacee, die noch ein- 
Fig , zelne regelmassig gestellte Wülste erkennen 

a h lässt und vielleicht zu Pythiopsis gehört» 

Diese Form liegt mir in zahlreichen Stein- 
kernen und Abdrücken vor und ist sehr 
häufig in der eingangs genannten Kalkbank. 
— Das Gehäuse ist eiförmig bis kegelförmig, 
misst 4 mm in der Länge und Uber 2,.-, mm 

Auricula (Pteeotkrtna) nmd- , 

btrgtri n. «p. in der Breite. Gut erhaltene Abdrücke zei- 

a) 8teink«rn, 6) Abdruck. 

Mittoioiig. Lobtanu g 6n 7 fl ac he Umgänge, die durch scharfe 
Nähte getrennt sind. Der letzte Umgang beträgt etwas Uber die 
Hälfte der ganzen Länge. Eine sehr schwache seitliche Compri- 

1. Auf besonderen Wunsch des Verftssers sind alle Artennamen klein gedruckt. 

Die Redaktinn. 



Petrolsandmergel von 
Pechelbronn. 
Melania cf. fasciata Sow. 
Melania cf. muricata Sow. 
Melanopsis carinata Sow. sp. 
Paludina cf. eplendida Lud. 
Limnaeue elongatus DE Ser. 
Limnaeus äff. crassulus Desh. 
Planorbis cf. goniobatis Sandbg. 
Nanina cf. occlusa F. Edw. sp. 
Anodonta daubreeana And. 




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Weitere Beitrüge zur Kcnntnias des Oligocäns im Elsass. 



107 



mirung des Gehäuses, sowie Andeutung eines, jedoch nicht bis 
zur Spitze verlaufenden Wulstes, sind hie und da zu erkennen. 
Die Mündung ist schmal und verlängert, die Steinkerne zeigen 
das Vorhandensein von 3 Falten auf dem Innenrande an. Die 
unterste Falte ist sehr stark und zeigt eine Andeutung von Ver- 
doppelung, die oberste ist sehr schwach. Die Spindel erscheint an 
ihrer Basis ebenfalls gefaltet. Der äussere Mundsaum war, nach 
dem Steinkern zu urtheilen, innen verdickt und mit Zähnchen 
(meist 7 an der Zahl) besetzt. Die Oberfläche der Schale war, wie 
der Abdruck zeigt, mit feinen, in regelmässigen Abständen ver- 
stärkten Anwachsstreifen bedeckt, so dass etwa IG— 20 stärkere, 
namentlich unter den Nähten deutlich ausgeprägte, Streifen auf 
einen Umgang kommen. Unsere Form weicht von der Gattung 
Pythiopsia namentlich durch ihren gezähnelten Aussenrand ab 
und erinnert in Bezahnung und Sculptur am meisten an die recente 
Gattung Plecotrema Adams. 

Es ist von Interesse, dass die bei Lobsann häufige Auricula 
mit keiner der im älteren Melanienkalk des Ober-Elsass verbrei- 
teten Formen, wie A. alsatica Mer., A. sundgoviensia And. und 
A. striata FöBST. identisch ist. Die letztgenannte, wohl auch zu 
Plecotrema gehörige Art steht ihr am nächsten, unterscheidet sich 
jedoch durch ihre mehr cylindrische Gestalt, ihre beträchtlichere 
Grösse, die schärfer und dichter gestreifte Sculptur und etwas 
abweichende Bezahnung. 

Der Septarienthon von Lobsann. 

Die Durchsicht von Schlemmproben auf Foraminiferen hin 
hat auch die immerhin an anderen Fossilresten spärliche Fauna des 
Septarienthones von Lobsann etwas bereichert Nachstehend folgt 
die vollständige Liste der bisher dort von mir beobachteten For- 
men mit Ausschluss der Foraminiferen; die hier neu angeführten 
Formen sind mit * bezeichnet. Besondere Beachtung verdient das 
Vorkommen der Fischgattung Lepidopua, die so weit verbreitet 
in den oligoeänen Fischschiefern ist, und auch das Auftreten des 
im norddeutschen Oligocän namentlich so häufigen Cryptodon uni- 
carinatua NY8T. 

8 



108 



A. Akdreae. 




Lamna sp. Zahnfragment 

*Acanthias alsaticus nov. sp. Es liegen einige kleine Zähn- 
chen von Lobsann vor, welche dieser bisher im fossilen 
Zustande sehr seltenen Gattung angehören. Diese Zähnchen 
gehören dem Unterkiefer an und stimmen vollständig, 
nach Vergleich mit recentem Material, mit denjenigen von 
Acanthia8 Uberein. Der an der Vorderseite in der Mitte 
herabreichendc Schmelzwulst verweist sie sogleich zur 
Familie der Spinacidae. Die Zähne von Spinax selbst und 
von Scyvinus weichen durch ihre Gestalt 
ab, und auch die sehr ähnlichen Unter- 
kieferziihne von Centrophorus sind kürzer, 
höher und haben einen längeren abstei- 
genden Schmclzwulst Der sehr stark nach 
rückwärts gewendete Apex der Mittel- 
spitze, derart dass nur die eine Seite des- 
selben die Zahnschneide bildet, ist sehr 
charakteristisch; Fig. 2 gibt die Gestalt 
eines Zähnchens wieder, das 3,5 mm lang 
ist, doch liegt auch das Fragment eines 
etwas grösseren gleichartigen Zähnchens 
vor. Obwohl in der Gestalt dem lebenden 
Aeanthias vulgaris Risso sehr ähnlich, wei- 
chen unsere fossilen Zähnchen etwas durch ihre längere, 
niedrigere Krone ab. Keine der mir bekannten fossilen 
Formen stimmt genau Uberein, am wenigsten die von 
Probst aus der mioeänen Molasse von Baltringen beschrie- 
benen Formen, die beide kürzer und höher sind und einen 
nicht so stark rückwärts geneigten Apex beBitzen; diese 
könnten auch leicht Unterkieferzähne von Centrophorus 
sein, wie schon Smith Woodward bemerkt hat Die spe- 
eifische Benennung dieser vereinzelten Zähnchen, die für 
den Septarienthon neu sind, ist natürlich eine proviso- 
rische, wie das ja bei so vielen Selachierresten der Fall ist 
*Lepidopu8 sp. Es fanden sich mehrere grosse Faugzähne 
aus dem Zwischenkiefer, welche durch ihre charakteristische 




<•) Vordor-, fc> Hinleranjichl, 
LobMUM. 



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Weitere Beiträge zur Kcnntniss des Oligocäne im EImm. 



109 



Fig. 3. 



Gestalt und ihre Widerhaken an der Spitze die Zuge- 
hörigkeit zu den Trichiuriden verrathen. Nach Vergleich 
mit recentem Material kommen vor allem die Gattungen 
Trichiurus und Lepidopus in Betracht, welche sich in den 
Fangzähnen allein wohl nicht erheblich unterscheiden; 
immerhin ist die üebereinstimmung mit oinem etwa meter- 
langen Exemplar von I^epidopus caudatus Euphr., das von 
Madeira stammt, eine ganz auffallende. Unsere fossilen 
Zähne erreichen auch die gleiche Grösse von 9—10 mm. 
Sie sind seitlich flach gedrückt, 
vorn scharfkantig zugespitzt , 
hinten gerundet, mit leichtem 
Schwung nach rückwärts gebo- 
gen und an der Spitze mit einem 
nach hinten gewendeten Wider- 
haken versehen. Bei den sehr 
ähnlichen Zähnen des lebenden 
Lepidopus caudatus ist nur der 
Widerhaken etwas schwächer, d. 
h. weniger scharf vorspringend 
und reicht von der Spitze weiter 
herab. Diese recente Form hat 
4 grosso Fangzähne oben, 2 klei- 
nere stehen vorne und 2 grös- 
sere dahinter; den letzteren ent- 
sprechen unsere fossilen Zähne genau. Auch von den zahl- 
reichen kleinen Zähnchen, welche im Lepidopus- Rachen 
den Unterkiofcr, Zwischenkiefer und die Palatinen be- 
decken, liegen fossile Exemplare von Lobsaun vor. Eines 
dieser Zähnchen, das an dem oberen Ende die Andeutung 
einer pfeilförmigen Spitze erkennen lässt, an der Basis 
gestreift ist und einen mehr rundlichen Querschnitt besitzt, 
ist auf der folgenden Seite abgebildet (Fig. 4). Dass wir bei 
diesen fossilen Zähnen an Lepidopus in erster Linie zu 
denken haben und nicht an den nahe verwandten Tri- 
chiurus, wird noch dadurch wahrscheinlich gemacht, dass 




Faogiithne toh I.tpldupu: 
SapUrteolhon, I.olxann. 



110 



A. Andreae. 




mir von anderen Orten aus dem süddeutschen Septarien- 
thon, so namentlich von Flörsheim, mehrfache Lepidoptts- 
reste vorliegen und darunter auch die sehr charakteris- 
tische Schwanzflosse. Einzelne Reste weisen auf sehr grosse, 
bis 2 m lange Exemplare dieser Tiefmeerfische hin. Die- 
selben sind nicht nur die Charakterformen der 

Fig. 4. 

Glarner Fischschiefer, sondern gehören auch zu 
>^ den verbrcitetsten Fischen des süddeutschen 
KV Septarienthones. — Hubert lüdet Mem. Soc. 
JE geol. de France, Tom. V, PI. XXVII) ähnliche 
Fangzähne von Trichiuriden ab unter der Be- 
zeichnung Anenchelum? marginntum Rss. sp. (<Spt- 
nax mnrginatus Rss.). Dieselben stammen aus der 
Kreide von Meudon. Gleiche Zähne sollen sich 
in der Kreide von Charlton und Gravesend, so- 
wie im Pläner von Böhmen finden. 
*Dentalium kickxi Nyst. 

*Siphonodentalium sp. Es finden sich Schwefelkiessteinkerne 
einer kleinen, bis zu 4 mm messenden Form. Die Gattung 
ist für unseren Septarienthon neu und an der charakte- 
ristischen Gestalt sicher zu erkennen. Achnlich ist S. den- 
ticulatum Du. aus dem Mitteleocän von Grignon, nur etwas 
grösser und nicht so schlank. Der Erhaltungszustand er- 
laubt einstweilen keine nähere Bestimmung. 

Nation cf. nysti d'Obg. 

Cerithium cf. evaricosum Sandbg. 

Aporrhais speciosus ScHLTH.sp.var. oxydaetylus Sanduo. 
Häufig. 

Cassidaria nodosa Sol. 
*Typhis schlotheimi Bkyr. 

Actaeon cf. simulatus Sol. sp. 
*Bulla (Cylichna) laurenti Bosq. 

*Bulla (Aty$) sp. nov. liegt nur in einem kleinen Steinkerne 
vor; derselbe ist durch seine ungemein bauchige, gedrun- 
gene Gestalt, die starke Abstutzung am oberen Ende, 
an welchem 4 Umgänge sichtbar sind, ausgezeichnet und 



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Weitere Beiträge zur Kenntaiss des Oligociins im Elsass. 



III 



unterscheidet sich durch diese Merkmale auch leicht von 
der mitteloligocänen Aty$ turgidula Du. sp. 
*Pupa (Vertigo) sp. Diese kleine, offenbar in den Septarien- 
thon eingeschwemmte Landschneckenform zeigt ganz die 
gleiche Erhaltung wie die anderen Septarienthonfossilien 
(d. h. SchwefelkieBBteinkern mit weisser Schale). Sie ge- 
hört ihrer Gestalt nach zu den rechtsgewundenen Verti- 
gonen; leider ist die Mundung mit den Zähnchen nicht 
hinreichend gut erhalten, um eine weitere Bestimmung 
oder Beschreibung zu erlauben. 

Pecten pictus Gf. 

Pecten sp. 

*Septifer denticulatua Sandbq. 
Pinna sp. 

Pectunculus? obovatua LNCK. 
*Nucinella sp. nov. (= Nuculina). Zahlreiche kleine, bis 
2/l mm messende Steinkerne, durch ihre grosse Dicke so- 
gleich von den Steinkernen junger Nuculiden zu unter- 
scheiden. Durch ihre längliche Gestalt und ihre stärkere 
Ungleichseitigkeit unterscheiden sie sich von den bisher 
bekannten Nucinellen, auch von der Form, die Böttger 
aus dem Septarienthon von Offenbach beschrieben hat. 
Schalenexemplare fehlen bisher. 

Leda deahayeaiana DüCH. 

Nucula chastelli Sand. Häufig. 

Nucula greppini Desh. 

Nucula piligera SandbG. 
*Cryptodon unicarinatus Nyst. 

? Pisidium sp. 

Megerlea haaai And. 

Spir orbis sp. 

Spatangua sp. 

*Rhabdocidaria anhaltina Gieb. Vorliegende Stachelfrag- 
mente stimmen genau mit den Abbildungen und der Be- 
schreibung von Ebert überein, cf. Abh. z. Sp.-K. v. Preussen 
1889, S. 74, Tf. X, Fig. 21-24. 



US 



A. Ajidheae. 



*Fragment einer Krabbenschere (? Coeloma). 
ßairdia cylindrica Born. 
Cytherella beyrichi Born. 
Cytherella intermedia Born. 

Revidirte und vermehrte Liste der Foraminiferen 
des Elsässer Mitteloligocäns. 

Seit dem Erscheinen der verschiedenen Foraminiferenlisten, 
welche ich in meiner Arbeit Uber das Elsässer Tertiär im Bd. IT, 
Hfl III der Abhandlungen z. geol. Sp.-K. v. EIs.-Lothr. 1884 gab, 
hat sich mancherlei in Bezug auf die »Synonymik bei den Forami- 
niferen geändert. Das wichtigste Werk in dieser Beziehung, der 
Bericht über die auf der Reise des Challenger gesammelten 
Formen von H. B. Bradt, erschien in dem gleichen Jahre und 
konnte nicht mehr benutzt werden. Eine zusammenhängende Liste 
der Foraminiferenfauna des Mitteloligocäns im Elsass habe ich 
auch damals in meiner Arbeit noch nicht gegeben, sondern die 
einzelnen Arten wurden jeweils bei den Fundpunkten angeführt. 
Die Verarbeitung mehrerer neuen Schlemmproben, namentlich von 
Lobsann und Harrmannsweiler, in den letzten Jahron, gaben ferner 
dazu Gelegenheit, die Anzahl der Gattungen und Arten noch 
etwas zu vermehren. Aus all diesen Gründen erschien es ange- 
zeigt, einmal eine neue und vervollständigte Liste der gesammten 
Foraminiferenfauna zu geben. 

In der nachfolgenden Liste habe ich mich darauf beschränkt, 
ausschliesslich nur die im Elsass gelegenen Fundpunkte 
zu berücksichtigen; Formen, welche nicht im Elsass selbst, son- 
dern in benachbarten Gebieten, wie in dem Septarienthon oder 
Meeressand des Mainzer Beckens resp. Kheinhessens, in den Mee- 
resaandmergcln von Baden oder in den Fischschiefern dieser Ge- 
biete, sowie der Schweiz und des benachbarten Frankreichs von 
mir beobachtet wurden, sind hier nicht angeführt. Die wenigen 
Foram in ife renarten , die sich gewissermassen als Vorläufer der 
reichen mitteloligocänen Fauna schon in den höchsten Schichten 
des unteroligoeänen Pctrolsandcomplexes finden, sind, ebenso wie 



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Weitere Beitrüge zur Kenntnis» des OligocÄn» im Elsass. 113 

die sparsamen Formen au» dem Elsässer Cyrenenmergel, nicht in 
die Liste aufgenommen worden. Dieselbe beschränkt sich also auf 
das Mitteloligocän in seiner engsten Fassung. Die an Foramini- 
feren reichsten Mitteloligocängebiete des Elsass sind der Septa- 
rienthon, welcher sich typisch nur im Unter-Elsass, namentlich bei 
Lobsann und Sulz unterm Wald findet; er reicht sudlich noch 
bis zum Fu88c des Odilienberges (Heiligenstein). Eine annähernd 
oben 60 reiche Fauna enthalten die etwas sandigen Mergel mit 
Ostrea callifera, die wesentlich im Ober-Elsass, so bei Hartmanns- 
weiler, Rodern und Aue verbreitet sind. Eine dritte, an Foramini- 
feren ärmere Facies sind die Fischschiefer. Schliesslich werden in 
einer vierten Rubrik noch die wenigen Arten angeführt, die sich 
in den mergeligen Zwischenlagen der Küstenconglomerate längs 
des Vogesenabhanges fanden. 



1U 



A. Andrbar. 





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III. 


IV. 




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Foraminiferenfauna des Mitteloligocäns 


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im Elsase. 


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1. Aatrorhlzldae. 












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Fig. ö. 



1, WAaft. onnu/a(a n. sp. Fig. 5. In den Verhandl. der K. K. geoL R. 1887, 
S. 88, erwähnt Rzeiuk gelegentlich eine Rhabdammina andreaei, eine Beschreibung 
uder Abbildung dieser Form wurde, wie mir der Autor gutigst mittheilt. bisher noch 
nicht gegeben. Es ist wohl die gleiche Form, welche mir jetzt in den Schlemmproben 

von Lobsann in grosser Masse vorliegt, und die 
ebenfalls, wenn auch seltener, bei Hartmannsweiler 
im Ober-Elsass vorkommt. Unsere Art gehört zu 
denjenigen Rhabdamrainaformen, welche eine unver- 
zweigte, an beiden Enden offene Röhre ohne cen- 
trale Kammer darstellen. Die fein sandige Schale ist 
ziemlich dick und sehr dicht und fest agglutinirt, 
ein kalkiges Ceinent scheint nicht vorhanden zu 
sein. Die meistens in der einen Richtung etwas 
zusammengedrückten Röhrchen erreichen zuweilen 
eine Lange von 8 mm, bei einer Dicke von 2 mm, 
und sind in sehr wechselnden Abständen durch äus- 
serliche Einschnürungen gegliedert ; gewöhnlich liegt 
neben der Einschnürung eine wulstartige, ringförmige 
Verdickung. Das Lumen der Röhre ist in der Regel 
von Brauneisen, Schwefelkies oder auch von feinem 
Sand erfüllt. Irgend eine beschriebene Rhabdammhta 
kann kaum mit unserer Form verwechselt werden ; 
die ebenfalls stabförmige R. discrela Bbd. ist kreis- 
förmig im Durchschnitt, relativ schmäler und länger und hat Einschnürungen, die in 
weiten Abständen von einander liegen. Auffallend ist, dass unsere Form jedenfalls nicht 
in sehr tiefem Wasser lebte wie die meisten recenten Arten der Gattung. 

2. Rhabd. rzehaki n. sp. Fig. 6. Neben der vorigen Art findet sich, wenn 
auch seltener, eine andere Form bei Lobsann. Dieselbe lässt sich leicht von der vorigen 
unterscheiden, obwohl sie mit ihr nahe verwandt ist. Die Röhrchen sind schlanker und 
schmäler und messen an 4,5 mm in der Länge, bei einer Breite von höchstens I mm. 




Rhabd. annulala n. tp. 



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Weitcrc Beiträge zur Kenntniss des OligocänB im Elsas». 115 





L 


R. 


III. 


IV. 






4- 






II. Lituolidae. 










Reophax nodulosa Brad. var. compressa n. v.\ 


-f- 


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l'ebergange von dieser kleinen Form zo der grösseren Ii. an- 
nulala fanden sich nicht, ff. Rsehaki unterscheidet sich fer- 
ner durch eine gröber agglutinirte Schale und durch die viel 
weniger deutlichen Einschnürungen. Dass jedoch Einschnü- 
rungen wenigstens im Inneren der Schale vorhanden sind, ob- 
wohl dieselben ausserlich oft kaum hervortreten, das zeigt 
die Abbildung des nebenstehenden Brauneisensteinkemes, an 
welchem rechts noch ein kleiner Theil der Schale anhaftet. 
Die Röhrchen sind bei dieser Art ebenfalls öfters zusammen- 
gedruckt, wenn auch nicht so constant wie bei der vorigen 



Fig. 6. 




3. Typische Fragmente dieser Form, welche gut mit 
den Abbildungen von Beadv (Chall. Exp. Foram. Vol. IX, 

PI. 28) übereinstimmen, wurden von Herrn Scbaceo bei Lobsann beobachtet und mir 



ndt. 

4. Reophax noduloia Rradi var. compressa n. v. Diese im Seplarienthon sel- 
tene, dagegen in den Ottrta caW/era-Mergeln ziemlich häufige Form weicht von der 
fossil und recent weit verbreiteten R. nodulosa nur durch ihre stets vorhandene Com- 
primirung und etwas unregelmassigere Form ab. Die Gestalt der einzelnen Kammern, 
sowie die tief eingeschnürten Nahte stimmen genau Qberein. Die Kammern erreichen 
bis zu 2 mm Lange und I mm Breite. Die Schale ist aus reinem, ziemlich grobem 
üuarzsand agglutinirt. — Möglich wäre es immerhin, dass die Zusammendrückung nur 
eine Folge des Erhaltungszustandes im Thon ist; dieselbe setzt eine an organischer 
Substanz reiche, etwas elastische Schale voraus. Auffallend ist es, dass relativ viele der 
agglutinirten Formen, wie die vorhergenannten Rhabdamminae und eine noch zu nen- 
nende Verneuitina fast durchweg und an allen mir vorliegenden Fundorten compri- 
mirt sind. 

5. Eine andere sehr kleine, 0,8 mm messende WeopAax-Form wurde noch neben 
der obigen bei Lobsann beobachtet. 

6. Von dieser Form wurden Exemplare von !,s mm Grösse bei Lobsann gefunden. 
Sie sind durch ihre feiner und dichter agglutinirte Schale und ihre in grösserer An- 



116 



. A. Andreak. 





1. 


II. 


III. 


IV. 




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III. Nodosarlidae. 










Lagena laevis Mtg. sp. (= vulgaris Park. u. Jon.) 




4- 




4- 













zahl vorhandenen, oft kurz gestielten Oeffnungen von Saccammina sphaerica leicht zu 
unterscheiden. Die letztere, welche im Meeressandraergel von Grosssachsen in Baden 
häufig ist, fehlt bisher im Elsass. 

7. üaplophrugmium humboldti var. trigona n. v. Diese Varietät unterscheidet 
sich von dem Typus dadurch, dass die letzten Kammern dreikantig werden, wie bei 
vielen Clavulinen und Tritaxien. 

8. Dem Typus dieser Form sehr ahnliche, jedoch viel kleinere Exemplare von 
nur 0,« mm Grösse wurden von Herrn Schacko bei Lobsann aufgefunden und mir mitgetheilt. 

9. Diese Form wurde von Recss zuerst (1S51) als Nonionina und dann (I86ii) 
als Uaplophragmium beschrieben; sie ist bei Lobsann vielleicht die häufigste Forami- 
nifere und erreicht öfters einen Durchmesser von mehr als a mm. Diese Art steht 
jedenfalls der lebenden C. cancellata Drady (1876) ungemein nahe und scheint mir 
nur dadurch abzuweichen, dass sie meistens etwas dünnschaliger ist, ein Merkmal, das 
wohl kaum zu einer speeifischen Unterscheidung genügt 

10. Dieselbe wurde von Haktken ebenfalls als Uaplophragmium beschrieben, 
sie ist kleiner und dünnschaliger als die vorige Form und misst meistens nur I mm oder 
weniger, bei gleicher Zahl der Kammern. Der vertiefte Nabel, die Zusammendrückung 
an der Peripherie und die etwas lappige Einschnürung an den Nahten lassen sie leicht 
von der vorigen Form unterscheiden. Cyclammina pusiUa Bradt (1881) ist wahr- 
scheinlich mit derselben identisch. 

11. Diese Form wurde früher angeführt als Uaplophragmium lalidorsatum Bobn. 



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Weitere Beiträge zur Kenntnis« des Oligocäns im Elsass. 117 





L 


11 


III. 


IV. 


T i • T> 




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4- 






Lag. (Fissurina) laevigata Rss. (= globosa Born.) 


4- 


4- 










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Nodosaria bactridium Rss 


4- 


-4- 










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4- 








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Nodosaria cf. pyrula d'Obo. (= stipitala Rss.) 




4- 








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4- 


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4- 












4- 








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4- 










4- 








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4- 


4- 








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4- 







12. Diese seltene Form wurde von Herrn Schacko bei Lobsann aufgefunden 
und mir mitgetheilt. 

13. Die var. reeta überwiegt weitaus den Typus dieser Form. JW. cf. grandis 
Rss. gehört wohl auch als Synonym in diesen Formenkreis. 

14. Diese Form kann meiner Ansicht nach nicht mit N. plebeja Rss., einer viel 
plumperen Form mit viel weniger Kammern vereinigt werden, wie dies Bbadi (I. c. 
S. 502) vorschlägt. 

lö. Diese Form steht der jV plebeja Rss. dagegen nahe. 



118 



A. Akdreae. 





1. 


Ii* 


111 

l|l. 






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4- 









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4- 


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Nodosaria wetzeli Andk 


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4- 


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4- 




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4- 


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(.'ristellaria äff. elegam Haktk. 


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4- 








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4- 






CritUÜaria gibba d'Obq. (= excisa Born, und 












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4- 






CriBteüaria compressa d'Obo. var. arcuata Ras. 




4- 










4- 








4- 


4- 








4- 


4- 







16. Sie unterscheidet sich leicht durch ihre betrachtlichere Grösse (oft über ■"> mm) 
und ihre gröberen, mehr schier stehenden Nahtstreifen von JV. capitata Boll. 

17. A". herrmanni And., sowie Tiele andere von Ricss und Hantken beschrie- 
bene gestreine Nodosarien mit sehr verjüngtem Erabryonalende sind wohl nur Varie- 
täten dieses Formenkreises. 



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Weitere Beiträge zur Kenntniss des Oligocäns im Elsass. 



119 



(Cristeüaria articulata Rss.) 

(Cristeüaria subplana Rss.) 

Cristeüaria prineeps Rss 

Cristeüaria cf. insignis Rss 

Cristellaria gerlandi Andr. 

Cristellaria alberti An DR. 

Cristeüaria inornata d'Obo. typ. u. var. 18 . . . . 

Polymorphina gibba d'Obo 

Polymorphina obtusa Born, typ 

desgl. var. fistulosa auet 

Polymorphina äff. minima Born 

Polymorphina problema d'Obg. typ 

desgl. var. deltoidea Rsa 

Polymorphina sororia RS8. 

Polymorphina lanceolata Ras. 

Polymorphina mucronata Terq 

Polymorphina äff. arngwta Egg 

Uvigerina gracilis Rss 

Uvigerina sp 

IV. Globigerinidae, 

Globigerina bulloides d'Obg 

Sphaeroidina bulloides d'Obg. (= variabilis Rss.) 

V. Rotalidae. 

Planorbulina mediterranensis d'Obg 

Truncatulina weinkauffi Rss. 

Truncatulina akneriana d'Obg. sp." 



IL 

? 
? 



III. 



IV. 



IS. Diese Form ist häufig, nebst ihren gekielten Varietäten Cr. 
Cr. grata Rs»., Cr. Umbosa Rss. und Cr. angustimargo Rss. 



tangential Rss. 



1». In der Abb. i. Spk. v. Kls-Lothr. , Bd. II, H. III, S. 224 steht 
als Druckfehler 7V. ankertana o'Oao. sp. 



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120 



A. Andreas. 



III. 



IV. 



Truncatulina amphisyliensis An DR 

Truncatul. (Pseudotruncatulina) dutemplei d'Obg. 

Pulvinulina elegans d'Obg. 8p. *° 

Pulvinulina pygmaea Hant 

Pulvinulina trochiformis An du 

Pulvinulina perlata An DK 

Pulvinulina petrolei Andr. 

Pulvinulina lobsannentis Andr 

Pulvinulina aCodiliae Andr 

Pulvinulina kiliani Andr. 

Pulvinulina nonioninoides Andr 

Turrilina alsatica An DR 

Hotalia soldanii d'Obg. typ 

desgl. var. girardana Rss. 

deagl. var. mamillata Andr 

Rotalia grata Rss. 

VI. Polystomellidae. 

Puüenia sphaeroides d'Obo. (= bulloides d'Obg.) 
Pullenia quinqueloba Kss. ( = comp ressiuscala Rss. ) 
Nonionina buxovillana Andr 

VII. Textilariidte. 

Textilaria gracillima Andr. 

Textilaria globigera SCHWQ 

Textilaria alsatica Andr. 

Textilaria inflata Andr 



+ 



20. Diese grosse Porm, welche durchschnittlich 1 mm Durchmesser erreicht, ist 
häufig bei Lobsann. Sie fallt schon durch ihre weisse Schale auf. Was Lmwio als 
7Y. lueida anführt, gehört wohl auch hierher. Obwohl die typische flache, dem 
weniger tiefen Wasser angehörige Form überwiegt, finden sich doch auch Ucbergangs- 
formen zur P. partschiana d'Obg., die gewölbter sind und schwache Nabtleisten auf 
der Unterseite zeigen (cf. Bnu-v. ChaN. I. c, S. 699). 



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Weitere Beiträge zur Kcnntniss des Oligocuua im Eisaas. 121 



II. 



III. 



IV. 



Textilaria (Plecanium) carinata d'Obo 

Textilaria {Plecanium) agglutinans d'Obo. (= P. 

scharrachbergense Andr.) 

Spiroplecta biformis Park, u. Jon.* 1 

Verneuilina compressa Andr." 

Verneuilina jtygmaea Egg. sp 

Gaudryina aiphonella Rss. typ 

desgl. var. aaisphonia Andr 

Gaudryina chilostoma Rss. typ 

deegl. var. globulifera Rss 

Gaudryina cf. filiformis Berth 

Clavulina äff. cylindrica Hantk 

Bulimina inflata Seo 

Bulimina äff. elongata d'Obo 

Bulimina coprolitkoide» Andr 

Virgulina schreibersi Cz 

Virgulina subquamosa Egg." 

Pleurostomella hantkeni Andr." 

Bolivina beyrichi Rss. typ. u. var 

Bolivina nobilis Hantk 



4- 



4- 



21. Diese überaus kleine (0,3 nun) und zierliche Form wurde zuerst von Herrn 
Schacko bei Lobsarin beobachtet. Sie weicht etwas durch ihren sehr schlanken Bau 
vom Typus ab und gleicht am meisten der Abbildung, welche Bradt (I. c) Tf. 4b, 
Fig. 25 gibt. Der spiralc Anfangstheil besteht aus 9 Kammern. Die Schale ist fein ag- 
glutinirt. 

22. Von der nächstverwandten lebenden V. prophtqua Brady und V. polyslropha 
Rss. (letztere auch in der Kreide) ist unsere Form am auffälligen durch ihre sehr 
constante und starke Zusammendrückung unterschiede». Im üebrigen vergleiche die 
frühere Beschreibung und Abbildung (Abb. Ela.-Lothr., Bd. IT, H. III, S. 199; Tf. VIII, 
Pig. 23). 

23. Diese kleine, bei Sulz u. W. nicht gerade seltene Form wurde zuerst von 
Herrn Schacio beobachtet. 

24. Durch einen Druckfehler steht falschlich in den Abh. z. geol. Spk. v. Els.- 
Lothr.. Bd. II, H. III, S. 234 Mystomella statt Pteurostomeüo. 

9 



1 



122 



A. Andreas. 



II. 



III. 



IV 



liolivina melettica Andh 

Bolivina äff. punctata d'Obo. (= antiqua d'Obg.) 
Cassidulina oblong« Rss." 

VIII. Chilostomellidae. 

Chilostomella ovoidea Rss. (= cylindroides Rss.) 

Allomorphina trigona Rss 

Allomorphina macrostoma Karr 

IX. Miltolidae. 

Ammodiscus pellucidus Andh 

Ammodiscus polygyrus Rss. sp 

Ammodiscua involvens Rss. Bp 

Ammodiscua charoides J. u. Park." 

Cornuspira pygmaea Andh 

Planispirina cclata COSTA sp 

Spiroloculina cf. arenaria Brady 

Spiroloculina äff. tenuis Cz. ep 

Quinqueloculina triangularis d'Obo.* 7 

Quinqueloculina i»jj>rp««a Rss 

Quinqueloc. turgida Rss. typ. u. var. inflata Andr. 

Triloculina orbicidaris Röm 

Biloculina depressa d'Obg 

Gesanimtzahl der Formen im Elsässiscben Mit- 
teloligocän r= 150 



+ 



4- 



89 



115 



11 



10 



25. Brady vereinigt obige Form mit C. crassa d'Obg. 

26. Diese Form kommt nach Mitteilung von Herrn Schacko bei 
wciler vor; mir liegen keine ganz typischen Exemplare vor. 

27. Bbadt vereinigt diese und die folgende Art, sowie noch viele andere Quin- 



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v lieft I W. Debcke, Die Foraminifcrenfauna «MC Z.uic Am «i 
StepTionoccrut llunij'ftrieeiavttm im L'ntcrEIsnj'S. Mit 8 Utkogtf 

Heft S, A. AKPBSAR, Der IMluvialeand v.xi IIanir<'nr>ict«-n int 
Uiifcr-Ebas*. Mit '_' photogr Tafeln. 1MS-1 . 

H.-ft:» A. Ani.ue.u. Die Ototsophoren de» Termin k .i i: <iii 
der Pfirt. Mit einer photogr. Tu/ei. 1887 9 

Heft 4 O. Si'iii.ii'i'K, Die Fauna des Bethanien in oberrheini- 
schen Tieflande. Mit t> Tnfclu in Lichtdruck 12, 

Heft 5. *i Mnvi:u, Die Korallen »Jen Doggers von BliaSj Loth« 
ringen. Mit <i lithogr. Tafeln. IS88 I, 

B. Mittheilungen der Comroission für die geologische Landes - Untersuchung 

von Elsass-Lothringen. 

Bd. L 4 Hefte (k Ii»; Mi 2,so o. i,54>) »">, 

Bd. II. lieft 1 ..«T Heft 3 1,76); Heft ü 4 .... 



/>. Verlag der Simon Seuuon , 'schen Uof-Lnn<lkarten-llan<lluii 

(J. H. Neumann) Berlin. 

A. Ueologischo Specialkarte von Elsass-Lothringen im Maasstab I : 2500U 

Mit Erläuterungen. 

|Dcr Treis jed« DKittes mit Erläuterungen beträgt .41 ?.) 

A .wirabe von 1.SH7. Blätter: Monneren und Gclmingcu. 

Ausgabe von lX8i>. Blätter: Sierck, Mcrxig, Gross-Hcmineradorf, Btt' 

seudorf, Bolchen, Lübeln. 
A< _ il>.- von 1890. Blätter: Forbach, Rohrbach, Bittet). 

B. Sonstige Kartenwerke. 

Geologische Karte der L'mgegcnd von Strassburg mit Berücksichti- 
gung der agronomischen Verhältnisse, aufgenommen von l'r. 
E. BoHCMACncu. 1883. Mit Erläuterungen. Mnasstab 1:25000. . .1, 

Geologische Ucbcrsichtskarte des westlichen Deutsch-Lothringen, tut 
.Maasstab 1 : 80000. Aufgenommen von E. W. Bknecke, G-. Meyer, 
E. Schvmacheh, G. Stkixxaxx, Bu. Weioand und L. van Wer- 
veke. Mit Krliluterungen, bearbeitet von E. Sciil-uaciier, G. Steix- 
mann und L. van Wkuvbke. Mit einer I'roliltafcl und einer Leber- 
bichfskartc der Verwerfungen des mesozoischen Gebirges in 
Lothringen , Luxemburg und den angrenzenden Gebieten «ler 
Kheinproviuz. — 87 ."», 

I i l'iraichtskartc der Eiseucrzfclder des westlichen Deutsch- 

Lothringen. Mit einem Verzeichnis? der Erzfelder. 18^o' — 8". I, 

1 logische Uebcrsichtskurto der südlichen Hälfte des Grossln r 
zogthums Luxemburg, Maasstab 1 : 80000. Aufgenommen 
von Dr. L. van Weuveke. Erläuterungen von demselben, mit 
einer l'rofilt.-ifcl und einer Leberatebttkarte der Verwerfungen 
ilfri mcsoznUcheu Gebirges in Lothringen. Luxemburg nnil den 
angrenzenden Gebieten der Uheinprovinx. 1886—87 4. 



Inh il I I. 



!).•• Geologie des Kromlial» i. k uml soimir Lnv'l»ni»p. \ • m J 
»iß Frankfurt n. M Mit Taf I und II 

i bei 'las Roftiltaqcndc der Vi>pe*en. Von v w Reneo»i u 
AYiierc Be||fSgc iur Kenntnis 'lo.s Oli^ocAuü im Rl^s. 

\. \NUKEaK 



Mitth eil im i> en 



CieoloffischeD Landesanstalt 



Klsass-LiOthi'i ngen. 



1 1 r :t n s gv _r cDon 

Direciion der geologischen Landes -Untersuchung von Elsass - Lothringen. 
Band III. 1 left Tl. 

.' TnMu in Lichtdruck und 1 Zfticbnunffint im 



STRASSBÜEG • E. 

Strasshurcw Uru^kvri'i und VtrlftirsAtistält. 



Preis des Heftes: .V <vk 130. 



Veröffentlichungen 

der Direction der geologischen Landes-Untersuchun 
von Blsass-Lothntijaieii. 



(i. Verlag <ler ätrassbiirger Druckern u. Yerlngsanstalt. 

A. Abhandlungen zur geologischen Specialkarte 
von Elsass-Lothringen. 

H<i I. Heft 1. Einleitend« Bemerkungen Qbor die nfiie geologische •* 
Landes- Aufnahme von Elsass- Lothringen. — Vcrzeichuisa der 
geologischen un<i mineralogischen Literatur, zuHammeugestellt 
von K. W. Br.Nr.cKR und H. Rosexbuscm. 1 s 7 f» 

Heft 2. IL UossxBCscii, Die Steiger Schiefer uud ihre Contact- 
VOM an den Graniten von Hnrr-Andlau uud IloliW:ild. Mit einer 
geol. Karteuskizze und VWdi lithugraphirtcn Tafeln. 1877. . l'J,: 

Heft 3. P. Gboth, Das Gneiss^ehiet. von Markirch im Ober-EIsass. 
Mit einer geologischen Kartenskizze und zwei Profileu. 1877. 

Heft 1. E. W. BtexEi KE, l'rher die Trias iu Elws-Lothrinpen 
und Luxemburg. Mit zwei geologischen Kartenskizzeu uud 
sieben lithographirtcn Tafeln. 1877 ]•'..- 

Ergiluxungsheft. E. Schcmai-uer. Geologische und miiiernlogUchc 
Literatur von Elsass-Lothriufreii. Nachtrag zu dem oben tre- 
naiuiteu Verzeichnis und Fortsetzung desselben bis ein* 
bc blies* lieh 1886, 1887 3.« 

Bd. II. Heft 1. W. Bicanio, Der untere Dogger Deutsch- Lothringen*. 

Mit Atlas von 1'» litln.gr. Tafeln. 1 «TO ■;. 

Heft 2. IL Haas und C. Pf.tui, Die Braebiopoden der Jura- 
formation von E 1 sass - Lothringen. Mit < iuein Atlas von 18 

lithogr. Tafeln. 1882 12,.. 

Heft A. Axuur.AE, Hin Beitrug zur Kcnntniss des Elsüsscr 

Tcrtiiirs. Mit Atlas vou 12 lithogr. Tafeln. 1684 10, s» 

Md. III. Heft 1. Qr, Linck, Geogii".-tisi h -lu trogruj'hische Beschreibung 
des Grauwucken^ebictes von Weiler hei Weissenburg. Mit 
einer Kartenskizze und Profilen. — G. Mevek, Beitrag zur 
Ketiutniss de* Cohn in den bildlichen Vogosen. Mit einer 

Kartenskizze und Profilen. 1884 .">.■< 

Heft •>. A. Osann. Beitrag zur Kenntnis f. der Labia, lorporphyre 

der Vogesen. Mit einer Tafel in Lichtdruck. 1887 -5..' 

Heft 3. E. Coiif.H, ( ieoloifische Beschreibung des oberen Weiler- 
thales. Mit einer geologischen Uehersichtskartc des Gebietes. 

1881) 6,m. 

Heft 4. 0. JAt:Kr.t. , Die Selachier aus dein obereu Muschelkalk 

Lothringens. Mit 4 Tafeln iu Lichtdruck. 1889 1,... 

Heft 5. B. Föiistek, Die Insekten des plattigeu Stcinmergels von 
Brunstatt. Mit 6 Tafcia in Lichtdruck. 1691 11, . 



üeberaicht über die Gliederung 
der Geröll- und Lössablagerungen des Sundgaus. 

Vou 

Dr. B. Förster in Mülhausen i. E. 



Die Geröll- und Lössablagerungen des Unter-Elsass sind in 
den letzten Jahren mehrfach eingehend untersucht worden ; für das 
Ober-Elsass jedoch ist seit langer Zeit in dieser Richtung nichts ge- 
schehen. Vielleicht aber sind grade die Lagerungsverhältnisse dieser 
Bildungen des Ober-Elsass von Bedeutung fürdie Aufklärung mancher 
Schwierigkeiten, die sich im Unter-Elsass herausgestellt haben, 
und ich will deshalb im Folgenden versuchen, eine Uebersicht 
über die Entwicklung dieser Schichten in einem Theil des Ober- 
Elsass, besonders in der von mir genauer untersuchten Umgebung 
von Mülhausen zu geben. Die hier zu besprechenden Ablagerungen 
bilden die unmittelbare Fortsetzung der in neuerer Zeit, besonders 
von Du Pasquieb 1 untersuchten Schotter- und Lössablagerungen 
der Nordschweiz. Ich habe mich deshalb der dort angewandten Be- 
zeichnungsweise (Niederterrasse, Ilochterrasse und Deckenschotter) 
angeschlossen. 

Die Geröll- und Lössablagerungen der Umgebung von Mül- 
hausen gliedere ich in Ober-Pliocän und Diluvium. Die nach- 
stehende Tabelle gibt dio unterschiedenen Unterabtheilungen an : 

■ 

Dilovium. 

' e. Sandlöss, oberflächlich oder vollständig in san- 
\ digen Lehm umgewandelt. 
III. Niederterra»sc. • a. Schotter: Rheinschottcr im Flossgebiet des 
I Rheins, Vogesenschotter im Bereich der Vo- 



I. Leon du I'aiqvixb, üeber die fluvioglacialen Ablagerungen der Nordschweiz. 
Beiträge zur geologischen Karte der Schweiz, 31 Lief.. Bern 189t. 



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124 B. Pörstek. Uebersieht über die Gliederung 

h. LAss, und iwar: 
3. jüngerer 
2. mittlerer 

II. Hochterrasse. { f. alterer Hochterrassenlöss. 

Alle drei sind oberflächlich oder vollständig 
in Lehm umgewandelt. 
a. Schotter: Nagelfluh aus alpinen Gesteinen. 

Ober-Pliocän. 

i *. Sandig-thoniger Letten. 
I. Deckenscbolter. [ a. Schotter: Stark verwitterter Kies aus Alpen- 



I. Deckenschotterten ;isse. 

a) Schotter. 

Der Deckenschotter besteht aus altem Rheinkies oder, nördlich 
von Altkirch, aus Vogcsenkies. Die Rheingcrölle sind in den oberen 
Schichten meist so stark verwittert, dass sie ihrer Natur nach 
schwer zu bestimmen sind. Die Kalksteine sind ihres Gehaltes an 
kohlensaurem Kalk beraubt, haben aber oft ihre äussere Form be- 
halten; häufig sind sie in gelbe Splitter zerfallen. Unverändert 
sind die Quarzite, die wohl aus der mioeänen Nagelfluh stammen, 
und die Hornsteine. Die Zwischenräume der dachziegelartig an- 
geordneten Gerölle füllt ein lockerer, gelber, thoniger Sand aus. 
— Die Vogesengerölle bestehen hauptsächlich aus gebleichten 
Sandsteinen und Conglomeraten des Buntsandsteins. 

Der alpine Deckenschotter, dessen westlichstes Vorkommen 
Du Pasquier 1 auf den Höhen südlich von Rhcinfelden angibt, 
reicht im Sundgau in westlicher Richtung weit über Basel hinaus; 
nördlich ist er nur bis Altkirch und Damraerkirch bekannt Bei 
Altkirch ist er in einer Mächtigkeit von 13 m aufgeschlossen und 
bis zu einer Tiefe von 9 m verwittert In den meisten weniger 
tiefen Aufschlüssen wird der unverwitterte Schotter überhaupt 
nicht erreicht Bei Volkensberg liegt der Deckenschotter in einer 



i. Auf der der genannten Arbeit beigegebenen Karte. 



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der Geröll- und Lössablageruugeu des Sundgaus. 



125 



Höhe von 460 m, nordwestlich davon bei Altkirch erreicht er nur 
noch 370 m, liegt also hier 90 m tiefer als dort Da die Ent- 
fernung zwischen beiden Punkten 17 km beträgt, so berechnet 
sich daraus ein Gefälle von 5,< 7»; d* 8 gleiche Gefälle gibt Dü 
Pasqdieb* für den Deckenschotter der Nordschweiz an. 

Auf Grund der Aehnlichkcit der Geröllablagerungen des 
Sundgaus mit denen des Rhone- bezw. Saonethales wurde schon 
vor mehr als dreissig Jahren* ein früherer Zusammenhang der 
Gewässer des Rhein- und des Rhonethaies vermuthet, eine Ansicht, 
welcher sich in neuerer Zeit Gutzwiller» und Steinmann* an- 
geschlossen haben. Dem gegenüber ist jedoch bemerkenswerth, dass 
Kilian* in der Verflachung zwischen Jura und Vogesen, der ver- 
mutheten Fortsetzung der Rhein-Deckenschottertcrrasse , nur das 
Vorkommen von Vogesenschottern angibt und sich gegen das 
Vorkommen von Rheinschottern bestimmt ausspricht. Jedenfalls 
bestand die Verbindung des Rhein- mit dem Rhonethal nicht mehr 
zur Zeit der Ablagerung der nächst jüngeren Schotter, der Hoch- 
terrassenschotter, da ihre Verbreitung nur auf einen nordwärts 
gerichteten Lauf schliessen lässt. Die Ursache zur Umkehr des 
Rheinlaufs darf am wahrscheinlichsten in der fortdauernden Sen- 
kung des Rheinthalgrabens vermuthet werden. Dass die Deckcn- 
schotterterrasse, wenigstens in ihrem nördlichen Theil, ebenfalls 
noeh von dieser Bewegung betroffen wurde, wird wohl durch das 
verhältnissmässig starke Gefälle der Terrasse angedeutet 

Dem alten Rhein, der den Deckenschotter ablagerte, strömten 
natürlich auch von Norden Gewässer zu, so dass schon bei Rhein- 



!. In der genaunten Arbeit S. 96. 

2. Yergl. die hieraur bezüglichen Literaturangaben in E. Schomachkb, Die Bil- 
dung und der Aufbau des oberrheinischen Tieflandes. — Millh. d. geol. Landesanstalt. 
Bd. II, S. 369, 1. Kachtrag. 

3. Gutzwiller, A., Ein Beitrag zur Kenntnis« der Tertiärbildungen der Umge- 
bung ton Basel. — Verh. d. nalurf. Oes. in Basel, IX, S. 234, 1890. 

i. BridWAMr, 0, Geber Pleistocan und l'liocan in der Umgebung von Freiburg i. B. 
— Mitth. d. Grossh. bad. geol. Landesanstalt, II, S. 76. 

5. Kilian, Erläuterungen zu den Blattern Ferrette (I88Ö) und Honlbeliard (1891) 
der Karte Ton Frankreich im Maasslab I : 80000. — Notes geologiques sur le Jura du 
Doubs, II, 26, 1885. 



126 



B. Pömtek. Uebereicht über die Gliederung 



felden Schwarzwaldgesteine im Deckenschotter gefunden werden. 
In der Gegend von Altkirch sind mir mehrere Stellen bekannt, 
an welchen eine dünne Schicht Vogesengerölle, wie schon erwähnt, 
hauptsächlich Sandsteine und Conglomerate des Buntsandsteins, die 
alpinen Schotter vertritt 

Die Quarzite des Decken schottern werden in zahlreichen 
Gruben zu Strassenmaterial gewonnen. 

b) Thonig-sandige Letten. 

Südlich von Altkirch liegt auf dem Deckenschotter ein 
ockergelber, sandiger, wasserundurchlässiger Letten, der von grauen, 
meist von oben nach unten verlaufenden Verwitterungsadern 
durchzogen ist. Er umschliesst dünne Kiesstreifen, deren Geröllc 
mit denen des Deckenschotters übereinstimmen, und hinterlässt 
beim Schlemmen einen äusserst feinen, ockergelben Sand. Zum 
Deckenschotter steht er in demselben Lagerungsverhältniss wie 
der noch zu besprechende Sandlöss zu der Niederterrasse. 

II. Hochterrasse. 

a) Schotter. 

Der Hochterrassenschotter besteht aus fest verkitteter, deut- 
lich geschichteter Nagelfluh, die sich hauptsächlich aus alpinen 
Geröllen, denen Schwarzwald- und Juragesteine beigemengt sind, 
zusammensetzt Er ist überall von Löss Uberlagert und daher nur 
an Abhängen und in tieferen Einschnitten zu beobachten. Dass 
der Löss sich aber nicht unmittelbar nach der Ablagerung des 
Hochterrassenschott abgesetzt hat, beweisen seine unregelmässige 
Auflagcrungsflächo und die an günstigen Stellen unter dem Löss 
erhaltene Verwitterungsdecke der Nagelfluh. Das kalkige Binde- 
mittel ist verschwunden, und von den Geröllen sind der Haupt- 
sache nach nur löcherige Quarze und Splitter der Kalke, die in 
einem ockergelben Sand eingebettet sind, zurückgeblieben. — 
Eine aus Vogesengesteinen bestehende Hochterrasse habe ich in der 
Umgebung von Mülhausen noch nicht nachweisen können. 



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der Geröll- und Lössablagerungen des Sundgaua. 



Die Hochtorrasse des Rheins ist unterhalb Basel nur auf eine 
Erstreckung von 14 km, nämlich bis Sierenz nachgewiesen worden. 
Bei Basel stehen ihre Gerülle bis zu einer Höhe von 355 m an, 
bei Sierenz nur noch bei 255 m, also 100 m tiefer und kaum 
höher als die Niederterrasse. Unter der Voraussetzung, dass wir 
es an beiden Punkten mit gleichaltrigen Schichten der Terrasse, 
etwa deren Decke, zu thun haben, berechnet sich aus den ange- 
gebenen Zahlen ein Gefälle von 7 7^. Der Rhein fällt auf der 
gleichen Strecke mit l,i %o> die Niederterrasse mit l,« 0 /«- Das 
Gefälle der Hochterrasse wäre also unter der gemachten Voraus- 
setzung unterhalb Basel im Vergleich mit dem des Rheins und 
der Niederterrasse auffallend stark, auch weit stärker als oberhalb 
Basel, wo es nach De PasQüieb 1 nur l,5*/oo beträgt. Man könnte 
daraus folgern, dass die nach dem Absatz des Deckenschotters 
erfolgte Senkung des Rheinthalgrabens sich auch bis in die 
jüngere Diluvialzeit fortgesetzt hat, und die Hochterrasse nördlich 
von Sierenz sich unter die Niederterrasse senkt. Es wäre jedoch 
dann unverständlich, warum die Hochterrasse ein grösseres Gefälle 
aufweist als der Deckenschotter; man müsste vielmehr das umge- 
kehrte Verbältniss erwarten. Es ist also wahrscheinlicher, dass 
die Gerölle bei Sierenz tieferen Schichten der Terrasse entspre- 
chen als diejenigen bei Basel. Die tiefere Lage der Terrasse wäre 
in diesem Falle nur scheinbar und das Fehlen höher gelegener 
Gcröllschichten nur eine Folge der Erosion, welche, wie schon 
hervorgehoben, in der Zeit zwischen der Ablagerung der Hoch- 
terrasse und der des Löss stattgefunden haben muss. 

6) Löss. 

Zum Löss* der Hochterrasse gehören die eigentlichen Löss- 
massen des Sundgaus. Sic lagern auf Oligocän, Deckenschotter 
und der Nagelfluh der Hochterrasse, nirgends aber auf der Nieder- 

1. S. 47 der genannten Arbeit 

2. Wenn im Anschluss an den Hocbterrassenschotter eine Sandlössbildung vorge- 
kommen ist, wie das bei dem Niederterrassenschotter der Fall ist, so muss dieselbe in 
der Nordschweiz, östlich Ton Basel gesucht werden, da dort die Verhaltnisse für die 
Erhaltung derselben die günstigsten gewesen sind. Im Sundgau febll eine solche Bildung. 



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128 



B. Förster. Uobersicht Uber die Gliederung 



terrasse; letztere ist dem eigentlichen Löss dort, wo beide zusam- 
mentreffen, angelagert, wie schou SCHUMACHER 1 vermnthet hat, 
und wie ich durch Bohrungen am Hohröderhübcl bei Schönen- 
steinbach und bei Lutterbach nachweisen konnte. Der Löss bildet 
dort einen kleinen Hligcl, der ringsum von Kies eingefasst ist. 



Vg-VogatnAU* Ls-Loss L-L<km Lk-Lfoskindel. uMs- umgcsehioemtnUr Löss 

Wie sich aus dem vorstehenden Profil ergibt, geht der Löss 
mindestens 6,m m unter den oberen Rand des Vogesenkieses. 

Der Hochterrassenlöss des Sundgaus ist durchaus keine ein- 
heitliche Bildung. Seine Ablagerung ist mindestens durch zwei, 
wahrscheinlich aber durch mehrere grössere Ruhepausen unter- 
brochen worden, in welchen er viele Meter tief, bei Sierenz biB zur 
Tiefe von 8 m, entkalkt wurde. Der nicht entkalkte Löss enthält 
Uberall, bald häufig, bald sparsamer, die bekannten Kalkspath- 
körner. Sind diese nur durch Schwemmung in den Löss hinein- 
gekommen — und das wird man wohl annehmen müssen* — so sind 
die gC8ammten Lössmassen des Sundgaus geschwemmt. 

Es sind im Hochterrassenlöss drei verschiedenaltrige Löss- 
ablagerungen zu unterscheiden, die in mehreren Profilen vollständig 
übereinander erhalten vorliegen : älterer, mittlerer und jüngerer 
Hochterrassenlöss. Alle drei Lössablagerungen tragen eine Ver- 
witterungsdecke , welche beim älteren am mächtigsten ist und 
beim jüngeren die geringste Mächtigkeit aufweist. Gleiche Be- 
dingungen der Verwitterung vorausgesetzt, scheint es also, dass 
zwischen der Bildung des älteren und mittleren und der des mitt- 
leren und jüngeren Löss längere Ruhepausen liegen als zwischen 
der Ablagerung des jüngeren Löss und der Jetztzeit 




1. SCHCMACHK«, 1. C, S. 302. 

2. ScHlNACHKR, 1. C. S. 19. — Stki>MA>\, I. C. S. 6S. 



der Geröll- und Lössablageruiipeii des Sundgaus. 



129 



Der ältere Hochterrassenlöss enthält nur wenige Kalkspath- 
körner und verkalkte Röhrchen. Auf kiesiger Unterlage (Hoch- 
terrassc und Deckenschotter) ist er völlig entkalkt, auf mergliger 
oder kalkiger enthält er zahlreiche und grosse Lösskindel, die 
mit den darunter liegenden Kalkschichten manchmal so eng ver- 
bunden sind, da&s es schwer wird, eine Grenze zu erkennen. 
Fossilien habe ich bisher darin nicht gefunden. Die Verwitterungs- 
decke erreicht bis zu 8 m Mächtigkeit und enthält zahlreiche 
grosse und feste Manganknöllchen und hie und da vereinzelte 
kleine Gcrölle. 

Der manchmal ungleichförmig auf dem älteren Löss lagernde 
mittlere Löss zeigt an günstigen Aufschlusspunkten unten dicke, 
nach oben zu immer dünner werdende Schichten, bis zuletzt 
Schichtung überhaupt kaum mehr zu erkennen ist Er enthält 
zahlreiche und grosse Lösskindel, grosse und feste Manganknöll- 
chen, verkalkte Röhrchen, zahlreiche Kalkspathkörner und 
Schnecken; seine Verwitterungsschicht ist braunroth bis roth, 
manchmal humos mit zahlreichen Kohlenstückchen. In ihm liegt 
die eigentliche Lössfauna : ausser den drei bekannten Hauptarten 
Helix hiapida (nach gütiger mündlicher Mittheilung des Herrn 
Professor Gctzwiller in Basel wohl ff. »ericea Müll. var. gla- 
bella St.), Succvmo, oblonga und Pupa muscorwn beherbergt er 
noch verschiedene andere Helices, Clausilien und Pupen. Erwäh- 
nen8werth iBt das ziemlich häufige Vorkommen von Limax agrettU. 
Besonders hervorheben möchto ich noch, dass der mittlere Hoch- 
terraasenlöss die Lagerstätte der grossen Säugethierknochen ist, 
was sehr an das Unter-Elsass erinnert, wo die Knochen meist auch 
tief zu liegen scheinen'. In ihm fand ich ferner, 3,eo m unter der 
Oberfläche, ein kleines Messer aus Feuerstein. 

Der jüngere Hochterrassenlöss enthält zahlreiche Kalkspath- 
körner, kleine runde Manganknöllchen, verkalkte Röhrchen, aber 
nur wenige kleine Mergelconcretionen. Die Fossilien sind wieder 
seltener geworden, und selbst die drei Hauptschnecken des Löss 
sind nicht überall häufig. Er zeigt oft eine ganz feine Schichtung. 



1. Schcmacher, 1. e. Anmerkung auf S. Hl. 



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130 



B.jFöufTEB. Uebersicht über die Gliederung 



Seine braune Verwitterungsschicht ist oft noch schwach kalk- 
haltig, die darin befindlichen Manganknollchcn sind sehr klein. 

An Gehängen findet man im Lose öfters die grosse Wein- 
bergschnecke, Helix pomatia L. ; sie ist stets recent Ebenfalls als 
recent ist die nur in der obersten Lage des Hochterrassenlösses 
vorkommende Caecilianella acicula Müll, sp. anzusehen. 

Die Lehme des mittleren und besonders die des älteren 
Hochterrassenlösses werden vielfach zur 
nutzt 

III. Niederterrasse. 

<r) Schotter. 

Der mit Sandschmitzen durchsetzte Niederterrassenschotter 
besteht längs des Rheins hauptsächlich aus alpinen Gerollen, 
denen Schwarzwald- und Juragesteine beigemengt sind; ab und 
zu kommen aus der Nähe stammende Blöcke von tertiärem Kalk 
und Sandstein vor. Von den Schottern der Hochterrasse unter- 
scheidet er sich besonders durch die grössere Häufigkeit von 
Granit, Verrucano, Taveyanaz-Sandstein sowie von Hornblendege- 
steinen Die stets gut gerundeten, hellfarbigen Geschiebe sind 
schichtweise nach der Grösse gesondert und dachziegelartig über 
einander gelagert Von Mülhausen ab tritt dem Rheinschotter in 
den Thälern der von den Vogesen kommenden Flusse Vogesen- 



I. Die verschiedene Zusammensetzung des Hochterrassen- und Niederterrassen- 
Rheinschotters wurde bereits von Herrn Professor Gktzwillek in Basel erkannt, 
unter dessen freundlicher Führung ich zusammen mit Herrn Dr. Schonachib im ver- 
gangenen Sommer Gelegenheit halte, die in der Umgebung von Basel auf schweize- 
rischem sowie auf dem angrenzenden elsässischen Gebiet verbreiteten, von Herrn Gctz- 
willek bereits zum Gegenstande näherer Untersuchungen gemachten und als verschieden- 
alterig erkannten Schotterablagerungen zu besichtigen. Die uns auf diesen Excursionen 
verdeutlichten petrographischen Unterschiede der verschiedenen Schotter konnten im 
besonderen für die Hoch- und Nicderterrassenabsatze des Rheins im Ober-Klsass, soweit 
hier beiderlei Ablagerungen vertreten sind, bestätigt werden, und es scheint nach meinen 
sowie Herrn Schonacheb's Beobachtungen in zahlreichen Gruben der Niederterrasse 
zwischen Basel und Mülhausen die vergleichsweise Häufigkeit von Hornblendeschiefern 
für den Niedertcrrassenkics sm meisten charakteristisch zu sein. 



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der Geröll- und LöBaablagerungen des Sundgam. 



181 



kies zur Seite. Derselbe besteht aus Vogesengesteinen ; die Gerölle 
sind wenig gerundet und besitzen gewöhnlich eine dunkle Fär- 
bung, ihre Grösse nimmt von dem Gebirge nach der Ebene zu 
ab. Die Grenze zwischen den beiden aus verschiedenem Material 
bestehenden, aber gleichalterigen Ablagerungen fällt in unserm 
Gebiet ungefähr mit dem Lauf der III zusammen. Wo die Bedeckung 
durch den Sandlöss fehlt, hat sich eine braunrothe, lehmig-thonige, 
bis zu 0,8 m mächtige kalkfreie Verwitterungsschicht gebildet, 
die nach unten gewöhnlich mit ebener Grenzfläche scharf ab- 
schneidet Die Quarzgerölle sind angefressen, die Kalke völlig 
ihres kohlensauren Kalkes beraubt; letztere zerfallen, wenn sie 
nicht ganz aufgelöst sind, vollständig in gelbe Splitter. Die Feld- 
spath führenden Gesteine sind ebenfalls ganz mürbe geworden und 
theilweise zu Grus und Sand zerfallen. 

Der Kies und Sand, sowohl des alpinen wie des Vogesen- 
Materials, wird in zahlreichen Gruben, die wegen Zufluss des 
Grundwassers nirgends über 10 m tief sind, gewonnen. Die 
volle Mächtigkeit der Niederterrassenschotter Hess sich bisher nicht 
feststellen. 

Man kennt aus dem Niederterrassenschotter Elepha» primi- 
genius und Bos priscus. MlEO 1 fand darin bei Rixheim, 6 m unter 
der Oberfläche, ein poliertes und durchbohrtes Steinbeil. 

Das Gefälle der Nicdertcrrassc ist, wie sich aus den S. 127 
mitgetheilten Zahlen ergiebt, nur wenig stärker als das des 
Rheins. 

b) Sandlöss. 

Auf dem Schotter der Niederterrasse liegt ein kalkhaltiger, 
grau- bis hellgelber, lüssartiger feiner Sand mit kleinen Gerollen 
aus dem darunter liegenden Schotter. Oberflächlich geht derselbe 
gewöhnlich durch Verwitterung in einen braunen stellenweise 
grauen, sehr stark sandhaltigen, kalkfreien Lehm mit kleinen 
manganhaltigen Brauneisenstcinknöllchen über. Nur an wenigen 



I. Bulletin du moste historique de Mulhouse, 1882. S. 37 und Bull. Soc. ind. 
Mulh., 1882, S. 157— IC4. 



132 



Stellen, an Bodenerhebungen, wo die Lehmdecke weggewaschen 
ist, tritt er auch zu Tage. Von Fossilien habe ich darin nur 
Helix puichelta gefunden. Der Sand, der jedenfalls in direktem 
Anschluss an die Niederterrasse abgelagert wurde, wird z. B. bei 
Sausheim nordöstlich von Mülhausen bis zu 2,so m, die Lehm- 
decko bis zu 2 m mächtig. Der Lehm wird in zahlreichen Zie- 
geleien zur Backsteinfabrikation verwendet. 



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/33 



Neue Beobachtungen an den Seen der Hochvogesen. 

Von 

Dr. L. van Werveke. 

Mit Taf. III u. IV. 



Wiederholt ist die Ansicht geäussert worden, dass die Becken 
der Seen in den Hochvogesen in früherer Zeit durch Oletscher 
ausgefüllt waren, doch waren die für eine solche Annahme bei- 
gebrachten Beweise nicht so überzeugend, dass nicht noch Zweifel 
ausgesprochen werden konnten. 

Der ungewöhnlich niedrige Wasserstand in diesem Herbst 
gestattete nun, eine Reihe von Beobachtungen anzustellen 1 , welche 
den unanfechtbaren Nachweis einstiger Gletscher thätigkeit auf 
dem Grunde einiger der heutigen Hochvogesen-Seen lieferten. 

Am Grossen Neuweiher (824,5 m), 
der ganz im normalen Beichengranit ein- 
gesenkt ist, war in der Ausbuchtung süd- 
westlich vom Abschluss (vergl. Fig. 1) eine 
gerundete, geglättete und geschrammte 
GranitHäche frei gelegt. Dieselbe gehört 
zum Theil einem quer über das Thal vor- 
springenden Granitriegel an, der nach dem 




Klf. i. 

GrOMer und kleiner Neuwrihor. 
8 = QloUcborachrammcu. 
M — Moräoenrnte. 



I. Die Beobachtungen am .Neuweiher und am Stern-See wurden auf einer ge- 
meinschaftlichen Eicursion |7. und 8. Okt. d. J.) der Herren Professoren E. W. Ben icke 
und H. Bbcewo und des Vcrr. gemacht, diejenigen am Daren-See, Forlen- Weiher, 
Schwarzen- und Weissen-See durch Herrn Professor E. W. Bedecke und den Verf. 
(22. Okt. d. J ). Die Schrammung am Belchen-See wies der Yerf zuerst am 17. Sept. d. J. 
nach; am 20. Oktober fand eine nochmalige Besichtigung der bis zu grösserer Tiefe 
freigelegten Felsen in Begleitung der Herren Professor Bknecee und Dr. Schema cum 



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134 



L. WE 



Neue Beobachtung 




Flg. J. Stpru-8<?p. 

R - Itnudbuckcr. 
M _ Mortocnreit. 
V ~ Verwerfung iwUeheo 
Qr»aw»cke nnd Granit. 



See steil abfallt Der Gletscher schob sich Ober diesen Riegel 
hinweg, wie die ansteigende Richtung der Schrammen beweist. 

v Am südlichen Ufer des Stern-Sees 

(984 m) zeigt sich der Qranit gerundet, aber 
in Folge der Verwitterung rauh, so dass 
die einst wohl vorhandenen Schrammen ver- 
schwunden sind. Am nördlichen Ende des 
Dammes ist der Rest einer Moräne (M in 
Fig. 2) angeschnitten, in welcher sich ge- 
kritzte Grauwackengeschiebe finden, die vom 
westlichen Ufer des Sees stammen. 
Im Daren- oder Sulzer-See (1044 m), der wie die noch 
weiterhin zu besprechenden Seen in der Nähe des Kammes im 
Kammgranit liegt, konnte wiederum deutliche Schrammung beob- 
achtet werden. Auf der Westseite ragten zwei Granitkuppen aus 
dem Schlamm und Sand des Seebodens heraus (RS in Fig. 3), 

die eine deutlich gerundete, 
gegen Nord - West gewendete 
Stoss- und eine dieser entgegen- 
gesetzte Leeseite zeigten. Der 
grössere Theil der Buckel ist 
rauh angewittert, an einigen 
tief liegenden, daher nur ganz 
ausnahmsweise vom Wasser 
nicht bedeckten Stellen war 
Glättung und Furchung erhal- 
ten. Die Richtung der Schrammen läuft thalabwärts nach der 
mächtigen, den See gegen SSO. begrenzenden Moräne, deren 
Durchbruch durch einen künstlichen Damm geschlossen ist Eine 
ebensolche Moräne (vergl. Fig. 3) mit Durchbruch schliesst den 
todten See des durch den Gärtles-Rain vom Daren-See getrennten 
Stillenbachthales (945 m) ab. 

Der Boden des Forlen weihers, des höchst gelegenen 
Sees der Vogesen (1061 m), besteht aus Sand, Schlamm und Torf; 
anstehendes Gestein tritt auf demselben nicht zu Tage. Um Ma- 
terial für die Herstellung des Abschlusses zu gewinnen, sind an 




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an den Seen der Hochvoge8en. 



135 



der Südseite des Sees, etwas oberhalb des Dammes, die Reste 
einer an die nördliche Kante des dem Hauptkamm parallel laufen- 
den Zweiges des Gazon de Fafte sich anlehnenden Endmoräne 1 
angeschnitten ( M in Fig. 4) und dabei zahl- 
reiche geglättete und geschrammte Granit- 
blöcke freigelegt worden. Die Felsen in der 
Umgebung der am Westrande des Sees ge- 
legenen Sennhtttten Lenzenwasen lassen deut- 
lich eine Stoss- und eine Leeseite erkennen. 

Fig. 4. Forlenwoihor. 

Der Gletscher füllte das vom Altwasen gegen m = Moräne. 

ip __ Torf. 

Norden sich senkende, jetzt vertorfte Thal 

und wandte sich unterhalb Lenzenwasen gegen Osten. Alter Glet- 
scherboden ist auch weiter thalabwärts an der Gross-Runz zu er- 
kennen. 

Die nördlichste Stelle der Vogesen, an welcher überhaupt 
Gletscherstreifung nachgewiesen wurde, liegt am Schwarz en- 
See (950 m). Am Westufer desselben ragen nördlich von den 
Wasserfällen einige Granitfelsen in 
den See vor (S in Fig. 5), welche in 
ihrem oberen Theil gerundet sind, 
aber wie am Daren See eine rauhe 
Oberfläche haben. Tiefer unten, wo 
sie beinahe stets von Wasser bedeckt 
und dadurch gegen die Einflüsse der 
Verwitterung geschützt sind, zeigen 
sie deutliche Schrammung. Die Rich- 
tung der Schrammen ist nach dem 
Abschluss hin gerichtet Der natür- 
liche Wall, dessen Durchbruch der 
künstliche Damm abschliesst, ist zwischen den nach dem Reis-Berg 
und nach dem Weissen-See führenden Fusspfaden durch eine kleine 
Grube angeschnitten. In dieser sieht man abgeriebene, zum Theil 
auffallend geglättete Granitblöcke, welche in einem lehmigen Grus 

1. Gbad (Formations glaciaires. S. 38) deutet diese Ablagerungen gleichfalls als 
Moräne, scheint die gekriuten Blöcke jedoch nicht gekannt zu haben. Auch den Ver- 
schluss des Daren-Sees siebt er als Endmoräne an. 





Fi*. 5. 8chw»rxerSee 
b«'i nlcdorcm Wawcrttanit. 

8 = Goehrammte FeUon. 
kl = Morino. 



136 



L. van Wekvkkk. Neue BeobHchtuugcn 



eingebacken sind (M in Fig. 5). Man hat es hier, wie beim Daren- 
See und Forlenweiher mit einer lediglich aus Granit bestehenden 
Moräne zu thun. Nahe an der Oberfläche derartiger Moränen 
wird der Grus allmählich fortgeführt, die Verwitterung greift die 
Blöcke an, und dann wird die Unterscheidung von Moränen und 
Blockhaufen anderer Entstehung oft unmöglich, so lange keine 
tiefere Einschnitte vorhanden sind. 

Am Weissen-See (1054,6 m) wurden keine Schrammen 
beobachtet, doch können solche an schwer zugänglichen Stellen 
des Süd- und Westufers sehr wohl vorhanden sein. Die Block- 
anhäufung in der Nähe des Abschlusses ist der Rest einer Moräne. 
Ob der den See auf der Nordostseite begrenzende, 74 m über dem 
Abfluss aufragende Rücken ebenfalls der Thätigkeit eines Gletschers 
seine Entstehung verdankt, oder ob hier unter oberflächlicher 
Blockbcdeckung Granit ansteht, lässt sich bei dem Mangel an 
Aufschlüssen nicht entscheiden. Jedenfalls kam der Gletscher von 
Norden her, lief also dem Kamm der Vogesen parallel, aber in 
entgegengesetzter Richtung wie der obere Theil des Forlenweiher- 
Gletschers. 

Wohl die schönste, bisher in den Vogesen überhaupt beob- 
achtete geschrammte Wand war an der Westseite des weit vom 
Hauptkamm gegen Osten vorgeschobenen Belchen-Sees (986 m) 

trocken gelegt (S in Fig. 6). Die dieser Mit- 
theilung beigegebene Ansicht des West- und 
Nordufers des Sees (Taf. III mit Deckblatt) 
verdanken wir dem Kaiserlichen Regierungs- 
baumeister Herrn Bühler, der uns eine von 
ihm Ende Oktober gemachte Sepiaskizze in 
liebenswürdiger Weise zur Vervielfältigung 
übcrliess. Die auf der linken Seite des Bildes 
sichtbare Gesteinswand hat nach Messungen 
von Herrn Dr. Schumacher eine Länge von 
120 m und über dem tiefsten Seespiegel eine Höhe von 8 — 10 in. 
Die obere Kante liegt an der höchsten Stelle noch 4 m unter 
dem gewöhnlichen Wasserstand. Der Abfall nach dem See ist 
meist steil, fast senkrecht; an zwei Stellen machen Einschnitte 




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au deu Seen der Hochvogcseu. 



137 



den Abstieg bis zum Wasserspiegel möglich. Glättung und Schram- 
mung sind auf der harten Grauwacke ausgezeichnet Uber grosse 
Flächen erhalten*. Taf. IV, welche nach einem am unteren Theil 
der Wand losgesprengten Stück in natürlicher Grösse aufgenom- 
men und in der Farbe des Gesteins gedruckt ist, lässt die 
Schrammen aufs deutlichste erkennen. Die unregelmässigen hellen 
Flecken rühren von Verletzungen des Stückes beim Lossprengen 
her. Man unterscheidet an unebenen Stellen der blossgelegten 
Felsen deutlich eine gerundete Stoss- und eine mit allen Vor- 
sprüngen und Zacken unverletzt erhaltene Leeseite. Der Wall im 
Hintergrunde des Bildes gehört mit seinem unteren Theil, wie 
der Einschnitt des Weges nach der Rolle und neue Aufgrabungen 
(M in Fig. 6) auf der Östlichen Seite des Durchbruchs beweisen, 
einer typischen Endmoräne mit eckigen und gerundeten, vielfach 
sehr schön gekritzten Geröllen und Blöcken von Grauwacke an. 
Den oberen Theil des Walles 1 hat Vauban zur Vermehrung der 
Wassermassen des Sees in der auf dem Deckblatt zu Taf. III 
angegebenen Höhe aufgeschüttet 

Aus dem Mitgetheilten ergiebt sich, dass auf dem Grunde 
von vier der untersuchten Seen, dem Grossen-Neuweiher, Daren- 



1. Küchlin-Schlcmbebgkii (DescripL geol. et mini-ral. du dep. du Haut-Rhin, II, 181) 
und Grad (Formatious glaciaircs, 37) bemerken ausdrücklich, dass am Belchcn-Sec 
Schrammung nicht vorhanden ist. Pewcs. (Referat Ober Gkblasd, Gletscherspuren der 
Vogesen, N. Jahrb. 1886, I, S. C4) zahlt, wie bereit» Hocabd, den Belchen-Sec zu den 
durch Moränen aufgestauten Verschluss-Scen. 

2. Nach einer gefälligen Mittheilutig des Herrn Regierungsbaumeisters Biblis, 
dem wir auch die Skizze zu der 
nebenstehenden Fig. 7 verdanken, 
wurde bei der Herstellung des 
Tunnels für den unterirdischen 
Abfluss des Sees unter der Mo- 
räne fester Fels durchbohrt, der 
ungefähr den in Fig. 7 angege- 
benen Durchschnitt zeigte. Eine 
ähnliche Barre festen Gesteins 
haben wir am Neuweiher kennen 
gelernt. Genaue Angaben über 
diese Durchbohrung, welche Ende der sechziger Jahre ausgeführt wurde, scheinen zu 




138 



See, Schwarzen-See und Belchen-See, Gletscherspuren zu beobach- 
ten sind, dass die heutigen Seebecken in der Glacialzeit also mit 
Eis erfüllt waren. Da am unteren Ende aller Seen Moränen vor- 
handen sind und die Vorbedingungen für die Bildung von 
Gletschern überall in der gleichen Weise vorhanden waren, so 
dürfen wir auch am Stern-See, Forlenweiher und Weissen-See 
eine frühere Eisbedeckung annehmen. Für den jetzt wieder künst- 
lich gestauten Alfeld-See, südlich vom Grossen Neuweiher, und für 
den Altenweiher, das Schiessrothrieth und den Lauchen weiher, 
welche zwischen dem Stern-See und dem Daren-See liegen, war der 
Nachweis ehemaliger Vergletscherung bereits durch Schumacher' 
erbracht worden. 

Der Zweck dieser Zeilen ist lediglich, den Nachweis zu 
liefern, dass Gletscherbedeckung in den Becken der Seen so gut 
wie an anderen Stellen der Vogesenthäler zu sehen ist. Welche 
Rolle dem «Eise bei der Erosion der Becken zuzuschreiben ist, 
und welche andere Faktoren dabei in Betracht kommen, soll hier 
nicht erörtert werden. 

Strassburg, im November 1891. 



1. Diese MiUheilungcn, Bd. U, S. 20, 26 a. 41; Bd. III, S. XXXIX. 



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/39 



üeber das Pliocän des Unter-Elsass. 

Vou 

Dr. L. van Werveke. 

Nach einem Vortrag dos Verf. auf der Versammlung des oberrheinischen 
geologischen Vereins in Wolfach am 21. Mai 1891. 



Schon lange Bind von verschiedenen Punkten des Unter- 
Elsass auffallend hell gefärbte, vielfach blendend weisse Sande 
bekannt, welche mit mehr oder weniger fetten Thonen und 
licht gefärbten Geröllbildungen wechsellagern. Ihre geologische 
Stellung wurde verschieden beurtheilt. Voltz*, der die technisch 
werthvollen Thone eingehend behandelt, hat sie beim «aufge- 
schwemmten Boden» (terrain d'alluvion) eingereiht Daubree* er- 
kannte zuerst die Selbstständigkeit dieser Ablagerungen und 
trennte sie von den rothen Vogesensanden als unteres Diluvium 
ab. Er fUgt hinzu, dass es bei dem Fehlen von Versteinerungen 
schwierig sei , sie mit Sicherheit von den jüngsten tertiären Bil- 
dungen des Sundgaues zu unterscheiden. Es sind hiermit die 
neuerdings von Förster* als Deckenschotter bezeichneten Abla- 
gerungen gemeint Neben thatsächlich diluvialen Sanden (Lauter- 
burg, Selz, Hangenbieten) umfasst dieses untere Diluvium Daubree's 
die auch in den nachfolgenden Zeilen zum Tertiär gestellten, mit 
Thonen zusammen vorkommenden weissen Sande von Riedselz, 
Sufflcnheim, Kaltenhausen und Epfig. 

1. Volti, Apercu de la Urographie mincralogique de l'Alsace. Strasbourg 1882, 
39-44. 

2. D .tr Buke. A , Descriplion geol. et mineral. du dep. du Bas-Rhin, Paris 1852, 
230-233. 

3. Förstes, B.. Uebersicht Ober die Gliederung der Geröll- und Lössab'agerungen 
des Sundgaus. — Diese Milth. S. 124. 



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140 



L. van Webveee. Ueber das Pliocän des Untcr-EIsass. 



Mit grösserer Bestimmtheit nimmt Andrere 1 in seiner Ab- 
handlung Uber das Tertiär des Elsass die Zugehörigkeit der Sande 
und Thone von Riedselz zum Tertiär an und vermuthet in den- 
selben Vertreter der obermiocänen Dinotheriensande ' des Mainzer 
Beckens. In den mir im Manuskript vorliegenden Erläuterungen 
zu Blatt Weissenburg der geologischen Specialkarte von Elsass- 
Lothringen hält er neuerdings ein oberpliocäneB Alter für mög- 
lich, eine Ansicht, die auch von Kinkelin' ausgesprochen wurde. 

Schumacher * schlieret an die Sande von Riedselz die 
Hauptmasse der weissen, gelben und rothen Sande und Geröll- 
schichten der Hagenauer Gegend sowie einige isolirte Vorkommen 
von Brumath und Mommenheim an. Er stellt sie zum Pliocän, 
glaubt aber ein miocänes Alter nicht ganz auaschliessen zu sollen. 
Ob den von ihm als «altdiluviale geröllfUhrende Schichten» be- 
schriebenen, in ihrer Ausbildung mit den Hagenauer Kiesen 
nahezu übereinstimmenden Ablagerungen der Gegend von Zabern, 
Niederbronn und Fröschweiler in der That diluviales oder etwas 
höheres, also wohl pliocänes Alter zukommt, läset Schumacher 
unentschieden. 

Neuere Untersuchungen . die ich zum Theil gemeinschaft- 
lich mit Herrn Dr. Schumacher ausführte, haben ergeben, dass 
Ablagerungen, welche den zuerst als Jungtertiär gedeuteten Sun- 
den von Riedselz anzuschliessen sind, im Unter-Elsaes eine weitere 
Verbreitung besitzen, als bisher angenommen wurde, dass beson- 
ders ein grosser Theil der al\ alt-diluvial beschriebenen Bildungen 
hierher gehört Ich stelle sie auf gleiche Stufe mit den von Kin- 
kelin in der Gegend von Frankfurt nach der darin gefundenen 
Flora als Oberpliocän bestimmten Sanden und Thonen. Sie be- 

1. ändbeae, A., Ein Beitrag zur Kenntnis* des Elsasser Tertiars. — Abhdl. z. 
geol. Specials, v. Kls.-Lothr. Strassburg 1884, Bd. II, 820. 

2. Lmiis stellt neuerdings die Dinotheriensande zum Unter-Pliocan. (Das Bohr- 
loch der Gebrüder Becker in der Mauerstrasse zu DarmstadL) — KotizbUtt des Ver. f. 
Erdkunde zu Dannstadt, 1890, S. 7. 

3. Ki.ieei.in, Dr. Fr., Der Pliocänsee des Rhein- und Ifainthales und die ehe- 
maligen Mainlaufe. — Bericht der Senkenberg, naturf. Gesellschaft, 1889, S. 58. 

4 B. Schumacher , Die Bildung und der Aufbau des oberrheinischen Tieflandes. 
- ilitth d Comm f. d. geol. Landes- Untersuchung von Els.-Lothr., Bd. II, 217. 



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L. van Wekveee. Ueber das Pliocäu des Unter-Elsass. 



141 



stehen im Unter-Elsass wie im Mainzer Becken ans hauptsächlich 
weissen Sanden und Thonen neben Geröllablagerungen, in welchen 
weisse Gangquarze die Hauptmasse ausmachen. Die Bleichung aller 
Bestandteile, die Kaolinisirung der feldspathigen Gemengtbeile 
sowie das vollständige Fehlen von Kalk sind beiden Gebieten 
gemeinsam und sowohl älteren als jüngeren Bildungen gegenüber 
ausserordentlich bezeichnend. Auch durch die Lagerungsverhält- 
nisse ergeben sich gemeinsame Beziehungen. Die weissen Sande 
überlagern die älteren tertiären Ablagerungen, im Mainzer Becken 
Miocän und Oligocän, im Unter-Elsass Oligocän, discordant und 
greifen auch auf vortertiäre Bildungen weit Uber. Mit den in. der 
Nordschweiz zum Oberpliocän gezogenen Schichten besteht gleich- 
falls eine weitgehende Uebereinstimmung. 

In der Gegend von Riedselz und Weissenburg gestatten die 
oberplioeänen Schichten eine Gliederung in zwei Abtheilungen, in 
eine untere, vorwiegend sandige und in eine obere, auffallend ge- 
röllreiche. Beide Abtheilungen unterscheiden sich hinreichend 
scharf von einander, um auch bei der geologischen Eartirung ge- 
sondert zur Darstellung gebracht werden zu können. 

Die untere Abtheilung 1 wird von blendend weissen, hell- 
ockergelben oder blassrothen glimmerfreien Sanden gebildet, denen 
in mehreren Niveaus magere bis sehr fette, hellgrünJichgraue oder 
braune, in letzterem Falle humose Thone linsenförmig eingelagert 
sind. Untergeordnet umschliesst der Sand auskeilende Lagen von 
kleinen Geröllen aus weissem, öfters durch Eisenoxydhäutchen 
roth gefärbtem oder blaugrau durchscheinendem, weiss geädertem 
Quarz und aus gebleichtem Buntsandstein. In den Thonen, be- 
sonders den braunen, sind unbestimmbare Pflanzenfetzen häufig, 
einigermassen gut erhaltene Reste, unter denen Abdrücke von 
Gräsern und mangelhafte Bruchstücke von dikotyledonen Hölzern 
erkannt wurden, aber selten. Thierische Versteinerungen scheinen 
ganz zu fehlen. 

Die Mächtigkeit dieser Abtheilung muss zu mindestens 



1. Die Angaben von Ajidieae in der S. HO genannten Arbeit beziehen sich aus- 
schliesslich auf diese Abteilung. , 



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142 



L. van Webvkke. Ueber das Plioeän des Unter-EUass. 



30 m angenommen werden. Die Thone werden zur Steingut- 
fabrikation, deren Hauptsitz in Niederbetechdorf ist, gegraben. 
Aufschlüsse sind daher ziemlich zahlreich, oft aber nur auf kurze 
Zeit zu beobachten, da die Gruben meistens, sobald die Thone 
ausgehoben sind, wieder zugeworfen werden oder zusammenstürzen. 
Die Sande und Thone dieser Abtheilung sind den oligoeänen 
Mergeln angelagert und werden zum grössten Theil von Diluvium 
überdeckt Ihre Westgrenze verläuft in nordsüdlicher Richtung 
über den Rücken zwischen Ingolsheim und Riedselz, den Deutschen 
Hof und Schloss Geisberg gegen Weissenburg; nach Osten zu 
verschwinden sie unter der Bedeckung von Löss und Lehm. 

Aufschlüsse in der unteren Abtheilung.' 

Grube westlich von Gutleuthof, auf der Ostlichen Seite des Hohlweges, der von 
. 169 nach dem den genannten Hof mit Schloss Geisberg verbindenden Wege führt. 

al In der Höhe von ungefähr 187 m dunkel bis hell ockergelbe 
Sande, von Psilomelanschnüren durchzogen und in der 
oberen Haine gerollreich. Die Gerolle sind vielfach mit 
Dendriten aberzogen Im. 

b) Hcllockergelbe und weisse Sande, Iheüwcise mit gewundener 
Schichtung I,* in. 

c) Humoser Thon 0,2 m. 

d) Weisser Sand mit gewundener und diagonaler Schichtung . . 2,6 m. 

e) Hellgraugelber und hellockcrgelber Sand mit Lagen und 
kurzen dicken Linsen von Gerollen, worunter gebleichter 
Buntsandstein (bis zu 5 cm Durchmesser) am reichlichsten; 
neben diesen rein weisse oder durch Bisenoxydbautchen 
roth gefärbte, sowie graublau durchscheinende, weiss ge- 
äderte Quarze |,a m. 

Humoser Thon. 

Die unter o genannten geröllreichen Sande geboren der oberen Abtheilung an; 
im gleichen Niveau stellen sich im oberen Theile des Hohlweges grobe Gerölle von 
Buntsandstein und Muschelkaikquar/it ein, die gleichfalls dieser Abtheilung angehören. 

Auf der Nordseite des nach Gutleuthof führenden Weges sind bei Curve ISS 
durch eine Grube weisse und gelbe, von Psilomelan und dunkelockergelben Adern un- 
regelmässig durchzogene Sande aufgeschlossen; sie entsprechen wahrscheinlich d der 
vorigen Grube ; etwas tiefer kommen im Weggraben hellgraue Thone heraus. 

In der grossen Grube, 800 m nordöstlich von Dcutschcnhof, auf der Westseite 
der Strasse Riedselz- Weissenburg iGurve 1701 zeigen sich die obersten Schichten (Acker- 
krume) reich an weissen Kieseln; darunter liegen elwa 3 m weisser, gelb geäderter 



1. Die Schichtcnfolge ist in allen Probien von oben nach unten angegeben. 



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L. vas Wekveke. Ueber das Pliocän des Unter-Elsass. 



143 



Sand, dann in aaskeilender Lage ein brauner bis schwarzer, stark humoser, sich weiss 
brennender Thon mit Kohlcnschmitzchen, zu unterst rein weisser, ungeschichteter oder 
ungleichförmig geschichteter Sand. 

Oberhalb des Waldchens, 000 m ostlich von Deutschen ho f. in der Höhe der Hilfe- 
curve I73,t: Humose Thone unter weissen Sanden und Lehm. SO Schritt unterhalb des 
Waldchens stehen gerollführende weisse Sande an; die Gerolle sind die gleichen wie 
in der Schicht e der Grube westlich von Gutleutbof. 

Grube in der kleioen Mulde am Südrandc des Blattes Weissenburg (Karte I : 25 000) 
in dem von der Gemeindegrenze und der Bahn gebildeten spitzen Winkel: choeoiade- 
braune, humose Thone mit bis zu 2 cm dicken Braunkohlenlagen unter machtigen 
weissen Sanden und Lehm. Beim Schlemmen hinterlassen die Thone einen ziemlich 
reichlichen Rückstand von mit Pflanzenrasern vermischtem Quarzsand. 

Grube 100 m südwestlich vom Bahnwarterhaus bei Deberdorr (Blatt Sulz). 



Die den weissen Sanden beigemengten Gerolle sind dieselben wie in den vor- 
hergehenden Profilen und erreichen nicht über 3 cm Durchmesser. Muschelkalk -Chalce- 
done und -Quarzite wurden hier ebenso wenig wie in den anderen Gruben gesehen. 

Die beiden Gruben am oberen Ende von üeberdorf erganzen sich und ergeben 
zusammen folgendes Profil: 

Diluvium | Lehm. 



Der Thon, der in kurzen dicken Linsen auftritt, wird mit der Schaufel gestochen, 
die losgelösten Klumpen werden mit einer Sichel verputzt. (Preis für 50 kg: 
0,80 — 1,00 u*). 

Südlich von Ueberdorf bis gegenüber dem Bahnhof Hunspach treten die weissen 
Sande am Gehänge auf der linken Seite des Selzbaches vielfach zu Tage und machen 
sich durch ihre blendend weisse Farbe schon aus grosserer Entfernung bemerkbar. 
Die Grube gegenüber Bahnhof Hunspach schliesst hellgraue, schwach humose Thone 
über weissen, vereinzelt kleine weisse Kiesel führenden Sanden auf. 

Bei der Ziegelei nördlich von Schoenenburg wird unter gelbem, gerOllfuhrendem 
Sand, der bis 4 m erreicht, hellgrauer, fetter Thon gewonnen. Die aus dem Sand 
heraustretenden Wasser erschweren die Gewinnung. 

Die obere Abtheilung zeichnet sich durch Geröllreich- 
thum aua. Die Gerölle bestehen aus gebleichtem Buntsandstein, 



Diluvium | Lehm 

| Gelber und brauner Sand 

Pliocan j Weisser Sand, unten gerOUrelch, etwa 

( Thon, schwach humos, deutlich schiefrig, feU. 



1,5 m. 
0,s • 
7 • 




144 



L. vax Wkhvekk. Ueber das PlioeKn des Unter-Elfwas. 



Chalcedon, feinkörnigem Quarzit aus mittlerem Huschelkalk sowie 
aus weissem (Gangquarz) und hell- bis dunkelgrau durchscheinendem 
Quarze. In einiger Entfernung vom Gebirge wiegen die Gang- 
quarze vor; mit der Annäherung an dasselbe nehmen die Bunt- 
sandsteingerölle an Menge und an Umfang zu, um am Fusse des 
Scherhol die Hauptmasse zu bilden. Mit den Geröllschichten 
wechscllagern gelbe oder graue, oft thonige Sande. Die Auflagerung 
auf der vorigen Abtheilung ist am Wege von Gutleuthof nach 
Schloss Geisberg in der Höhe von etwa 187 m deutlich zu be- 
obachten. (Vergl. Profil S. 142.) Westlich von der als West- 
grenze für die Sande und Thone angegebenen Linie greifen die 
geröllführenden Ablagerungen der oberen Abtheilung weit über 
die Sande und Thone der unteren Abtheilung Aber und bilden 
eine nach dem Gebirge ansteigende Decke auf den oligoeänen Mergeln 
und Conglomeraten. Am Fusse des Scherhol erreicht die Auf- 
lagerungsfläche die Höhe von 280 m, die Oberfläche des Pliocän 
285 m. Versteinerungen sind aus dieser Abtheilung noch nicht 
bekannt geworden. 

Aufschlüsse in der oberen Abtheilung. 

Oberer Thcil der Grube westlich ton Gutleuthof und Strassenanschnitt oberhalb 
der Grube. Vergl. S. 142. 

Zwischen Deutschenbor und Schafbusch, am oberen Ende des Hohlweges, sind 
durch einen kleinen Schürf hell bis dunkel ockergelbe, gerollreiche Sande ohne wahr- 
nehmbare Schichtung entblösst. Die Gerolle bestehen aus Gangquarz, weissem Quarzit, 
Chalcedon und gebleichtem Buntsandstein (bis 0,t m Durchmesser). 

Nordöstlich von Deutschenhof, in der Hohle, durch welche der Ricbtweg von 
Riedsetz nach Weissenburg führt, sind im obersten Theil. bei 187 m, also in der 
gleichen Höhe, in welcher bei Gutleuthof die Auflagerung der oberen auf die untere 
Abtheilung erfolgt, grobe Gerölle von Quarzit bemerkbar; darunter sind an mehreren 
Stellen weisse Sande und humose Thone frei gelegt. 

Die Groben südlich von 240,4, nördlich von Steinselz, schliessen in Ihrem 
unteren Theil weisse, gelbe und schwaebrothe Sande auf; höher bemerkt man graue, 
thonige, stark bindige Sande, die von Geröllen überlagert sind, unter denen weisse 
Kiesel und gebleichter Buntsandstein vorherrschen, blangrau durchscheinende Quarze 
untergeordnet sind. Grobe Gerölle fehlen. Man trifli diese in tieferem Niveau, wenn 
man der Gemeindegrenze in der Richtung nach der Strasse Wetssenburg-Riedselz folgt. 
Quarzit und Chakedone mit einem Durehmesser bis zu 0,u m wiegen Aber die Bunt- 
sandsteingerölle, die bis Ojs m erreichen, vor. 

Der Einschnitt des Weges nördlich von Oberhofen, bei Curve 246. schliesst 



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L. tan Wervexe. Ueber das Pliocttn des Unter-Elsaas. 



145 



geröllreiche Schiebten auf. Gangquarze fallen am meisten auf und geben dem Aufschluss 
eine charakteristische helle Färbung, die auch auf den angrenzenden Aeckern sich be- 
merkbar maebt. Etwas tiefer zeigen sich auf den oligocanen Mergeln grobe Gerolle von 
Chalcedon und Buntsandstein. 

Wasseirisse und Hohlweg südöstlich von Weiler bei Weissenburg, nördlich von 
der Strasse nach Klimbaeh. Die Aufschlüsse sind stark verrutscht und lassen nur an 
einer Stelle weisse, ockergelb gestreifte, kalkfreie, feine Quarzsande mit deutlicher 
Schichtung anstehend erkennen. Unter dem gröberen Material, welches die Wasserrisse 
bedeckt, herrscht Buntsandstein bei weitem vor. Er ist entfärbt und stammt, wie die 
Natur der Gerölle und die Hohlformen von Pseudomorphosen beweisen, z. Th. wenigstens 
aus der unteren Abtheilung des mittleren Buntsandsteins. Neben kleinen Gerollen linden 
sich Sandsteinblöcke von 0.6 m Durchmesser, deren Kanten grösstenteils wenig ab- 
gerundet sind, also nicht weit verschleppt sein können. Die daneben in geringerer 
Menge vorkommenden Quarzite aus mittlerem Muschelkalk (bis 0,w m Durchmesser) 
sind dagegen vollkommen gerundet und müssen einen längeren Weg zurückgelegt 
haben. 

Am Fusspfad, der sich bei . 189 der Strasse Riedselz-Ingolsheim nach dem 
Diefenbacber Hof abzweigt, liegen zwischen den Curven 170—175 grobe Gerölle von 
Buntsandstein and Muschelkalkquarzit unmittelbar auf den oligocanen Mergeln; die 
untere Abtheilung fehlt also hier. Das Gleiche beobachtet man an der Strasse selbst, 
wo diese sich gegen IngoLsheim senkt 

Südlich von Riedselz bis in die Gegend von Hagenau treten 
plioeäne Schichten nur an vereinzelten und beschränkten Stellen 
unter dem Diluvium hervor. Sie gehören der unteren sandig- 
thonigen Abtheilung an und zeigen die gleiche Ausbildung wie 
bei Riedselz. Von besonderer Wichtigkeit sind die Vorkommen 
von Oberbetschdorf und Sufflenheira, da sie eine früher bedeutende, 
gegenwärtig daniederliegende Industrie veranlasst haben. Die 
Thone von Oberbetschdorf werden unter Zusatz von Riedselzer 
und Sufflenheimer Thon zu Steingut verarbeitet; die Sufflenheimer 
Sande liefern theils mit, theils ohne Beimengung von Thon feuer- 
feste Backsteine, die Thone für sich allein gewöhnliche Töpfer- 
waare. Steingut wird in Sufflenheim nicht erzeugt. 



Thongruben bei Oberbetschdorf (Blatt Sufflenheim). Die Abbaue befinden sich auf 
einer flachen, in der Richtung des Thaies langgestreckten Bodenschwelle am Nordrandc 
des Hagenauer Forstes, in der Nabe der Steinmühle. Eine in Betrieb stehende Grobe 
zeigte zu oberst 



Aufschlüsse bei Oberbetschdorf. 



Thonigen Sand 

Darunter eine Schicht, reich an POanzenresten (sandige 
Braunkohle) 



0,io m. 



0,90 m. 



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146 



L. vAy Wbbyeke. Ueber das Pliocan des Unter-EIsass. 



Thonigen Sand, weiss und grau, unten gelb und wasserführend 2,oo m . 

Blaugrauen feiten Thon; derselbe wird nur bis zur Tiefe 
Ton l,s m (von der Grenze gegen den Sand ab) ge- 
wonnen; tiefer ist er zu «kurz» (mager). 

Ein mit diesem übereinstimmendes Profil theilt Palbklk auf S. 193 der mehr- 
fach genannten Beschreibung des Unter-EIsass mit. Der plastische Thon erreicht nach 
seiner Angabe in einer der Gruben 3 m, schrumpft in benachbarten Gruben aber auf 
0,60 m zusammen. Auch Dacbree erwähnt, dass die unteren Thone wegen zu magerer 
Beschaffenheit nicht gewonnen werden. Es muss dies also wohl eine durch die ganzen 
Ablagerungen durchgebende Erscheinung sein, da andernfalls eine so gute Ueberein- 
stimmung in den Beobachtungen, die mindestens 40 Jahre aus einander liegen, nicht 
möglich wäre. Dagbrej: erwähnt ferner das Vorkommen von Eisenkies, theils in 
Knollen, theils als Versteinerungsmittel von Holzresten. Ein reichlicher Gebalt an Eisen 
macht die Thone unbrauchbar. 

Gewöhnlich liegt über den Thonen und Sanden eine dünne Decke Vogesen- 
schotter. 

Im Anschluss an die Thone von Oberbetschdorf nennt Daobp.ee diesen ahnliche 
Thone von den benachbarten Orten Hatten und Surburg. Ich kenne beide Vorkommen 
nicht und kann demnach nicht entscheiden, ob ältere tertiäre Thone vorliegen, wie der 
genannte Verf. für diese sowie für die Oberbetschdorfer Tbonc annimmt, oder Pliocan. 



Aufschlüsse der Umgegend von Sufflenhein. 

Gruben südwestlich von . 137,8 zwischen Sufflenheira und Schirrhofen. 

Kleinere Grube, 
(vs") 1,0—1,5 1 



i uvium | Graucr gümmerführender Sand, Rheinsand. 0,s— 0,5 » 

Schwarze rette Thone 0,1 » 

Weisse sandige Thone. 

Grössere Grube. 

Vogesenschotter (vs") (Diluvium). 
Thonsand (Pliocan). 

In dieser Grube lagert Vogesenschotter unmittelbar auf dem Pliocan, ohne Ein- 
schaltung von Rheinsanden. Auch vom Vogesenschotter fehlen die tieferen, in dem 
stehenden Profil mit vs' bezeichneten Schichten, wodurch der Nachweis geliefert ist, 
dem Absatz des Diluviums eine Erosion des Pliocans vorausging. 

Grube südlich von der ersten Ziegelei von Sufüenheim, östlich von . 131.9. 

| Vogesenschotter: RoiherSand undGerollscnichten. 
[ letztere vorwiegend. Die Gerölle bestehen neben 
J Quarz aus zahlreichen gefärbten Quarziten, aus 
Blattelerz, rothem Buntsandstein ond aus Horn- 
stein aus mittlerem Muschelkalk (vs") 0,80 m. 

Vogesenschotter : Weniger deutlich rothe Sande 



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L. tan Wertere, üeber das PHooHn des Untcr-Elsns«. 



147 



Diluvium 



mit untergeordneten Gerolllagen. Die Quarze 
wiegen über die gefärbten Quarzite vor, die 
Sandsteingerölie sind gebleicht (vs') ?,« m. 

Diluviale Rheinsande : Grünlichgraue und gelblich- 
graue kalkfreie Sande mit Gerolleinlagerungen. 
Die Gerolle sind die gleichen wie in den 
darüber liegenden Schottern, jedoch im allge- 
meinen wesentlich grosser. An der Basis liegt 
ein bis zu 0,<o m mächtiges, rasch auskeilendes 
Torflager (im Torf ein Bruchstück einer Kafer- 
flügcldecke) 4,50 » 

Weisser glimmerfreier Kaolinsand 2,40 • 

Desgl. etwas thoniger, mit zahlreichen unregel- 
masslgen, meist discordanten Streifen von Holz- 
resten. An der Basis Wasser 1,40 • 

Weisser fetter Thon. 



Die mit vs' bezeichneten Schichten machen durch das Zurücktreten der braunen 
Quarzite auf den ersten Blick den Eindruck von pliocanen Ablagerungen. Da sie jedoch 
die Quarzite immerhin in grosserer Menge enthalten als die typischen pliocanen Ab- 
lagerungen und mit den glimmerführenden Sanden, welche nur als diluviale Absätze des 
Rheins angesprochen werden können, wechsellagern, so muss man sie gleichfalls zum 
Diluvium, also zum Vogesenschotter stellen. Dass Quarzite in den tiefsten Lagen gegen- 
über den weissen Quarzen zurücktreten, der Gesammtcharakter sich also dem Pliocan 
nähert, ist nicht befremdend, da die Flüsse einen grossen Theil der pliocanen Kiese 
der Vorhügel umschwemmen und den direct aus den Vogesen gebrachten Geröllen in 
reichlicher Menge beimischen mussten. 

Das Hangende der Thonc in den Gruben des Waldtheiles 68, westlich von 
Sufflenheim, sind Gerdllablagerungen, deren Bestandteile sammtlich gebleicht sind; 
sie entsprechen der oberen der bei Weisseiiburg unterschiedenen Abtheilungen, wahrend 
die Thone und Kaolinsande von 



In der Umgebung von Hagenau wiegen geröllführende 
Schichten vor ; sie wechsellagern mit Sanden, denen untergeordnet 
.sandige Thone eingeschaltet sind. Die Gerölle, die südlich von 
Schweighausen in zahlreichen Kiesgruben aur Beschotterung ge- 
wonnen werden, sind die gleichen wie in der oberen Abtheilung 
bei Weissenburg. Weisse Quarzite, worunter viele Stengelquarze, 
bilden die Hauptmasse: der Rest setzt sich aus Chalcedon, hell- 
grau bis dunkelgrau durchscheinendem, weiss geädertem Quarz 
und gebleichtem^ogesensandstein zusammen. Selten finden sich 
braune Quarzig Als Unicum mag eine Platte mit Steinsalz-Pseu- 
domorphosen erwähnt werden, welche in einer Grube bei Marien- 
thal gefunden wurde und wahrscheinlich aus Salzkeuper stammt 



148 



L. tax Wervbrk. Ueber das Pliocän des Unter-Elsass. 



Die Sande sind gelb, hellros&roth oder weiss und treten in aus- 
keilenden Lagen oder mächtigen durchgehenden Zonen auf. Wenn 
sie in grösserer Ausdehnung zu Tage treten, sind sie mitunter, 
wie am Ohlunger Oaloppweg, nachträglich zu Dünen verweht 
Die wesentlich aus Quarz bestehenden Varietäten werden zu Bau- 
und Streusand gegraben, die mehr oder weniger thonigen, kaolin- 
haltigen Sande finden als Zusatz zu oligocänen Mergeln bei der 
Ziegelfabrikation Verwendung. Hellgrünlich graue sandige Thone 
werden bei Bellevue zur Entfettung der Tuche für die Fabriken 
in Bitschweiler gewonnen (Walkererde). 

Diese Ablagerungen erstrecken sich auf der rechten Seite 
der Moder in einer breiten, bis zu 170 m ansteigenden Terrasse 
vom Bocksberg zwischen Schweighausen und Ohlungen über 
Meyershofen, Musau, Marienthal und Kaltenhausen gegen Bitech- 
weiler. Bei Musau bewirkt die Wechsellagerung der Sand- und 
Geröllmassen mehrere deutliche Stufen. Von Schweighausen bis 
unterhalb Schlösset bei Hagenau sind der Pliocänterrasse Vogesen- 
schotter in schmalem Streifen vorgelagert. Bei Kaltenhausen fehlt 
die Diluvialterrasse, und die plioeänen Sande treten in einem 
Steilabsturz unmittelbar an die Moderniederung heran. Auf der 
linken Seite der Moder nehmen die rothen Vogesensande grössere 
Ausdehnung an, und erst jenseits des Brumbachs stösst man 
wieder auf plioeäne Gcröllablagerungen, die auf oligocänen Mergeln 
aufruhen und am Wege nach Eschbach auf ungefähr 2 km anhalten. 
Wie weit Oligocän, Pliocän und Diluvium sich in das Gebiet des 
Hagenauer Waldes theilen, lässt sich bis jetzt nicht übersehen, 
wird auch ohne Schurfgrubcn kaum festzustellen sein. Für die 
geologische Kartirung erwachsen daraus bedeutende Schwierigkeiten. 

Zwischen dem Hallis-Wald und dem Weitbrüchler-Wald 
westlich von Marienthal, in der Nähe des Waschhauses, wurden 
nach mündlichen Angaben des Bohrunternehmers Herrn Jochüm 
aus Hagenau etwa 60 ra weisse Sande durchbohrt, die nach einer 
von Herrn Dr. Schumacher während der Bohrung entnommenen 
Probe wohl nur als Pliocän gedeutet werden können. Ihrer Stel- 
lung nach entsprechen sie der unteren Abtheilung von Riedselz, 
während die Uber Tage anstehenden weissen Sande und Kiese der 



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L. vam Wkrveke. Ueber da« Pliocän des Unter-Elsa«». 



149 



Gegend von Hagenau mit der oberen Abtheilung eich vergleichen 
lassen. 

Auffallend ist, dass bei Hagenau die geröllreichen Schichten 
sich schon in niedrigerer Höhenlage als bei Wcissenburg, nämlich 
bei 150 m gegen 187 m am Gutleuthof finden. Die Möglichkeit 
eines Facieswechsels ist nicht ausgeschlossen, doch können ebenso- 
wohl Lagerungsstörungen oder anders verlaufende Stroraläufc zur 
Erklärung dieser Verhältnisse in Betracht kommen. Die Lösung 
dieser Frage darf man von der im Gange befindlichen geologischen 
Kartirung erwarten. 

Aufschlüsse in der Umgegend von Hagenau. 

Dm einen Ueberblick über die Ausbildung der Sand- und Geröllablagerungen, 
sowohl pliocanen als auch diluvialen, der Gegend von Hagenau zu erhalten, geht man 
zweckmässig von Schweighausen, der ersten Station der Strecke Hagenau-Saargemünd, 
aas. Hinter den ersten Hausern des Dorfes ist in einer kleinen Grube Vogesenschotter 
angeschnitten; es sind rothe Sande und Gerolle mannigfaltiger Natur: braune und 
graue Quarzite, Quarz (Gangquarz), porphyrartige Gesteine, die wahrscheinlich aus der 
unteren Abtheilung des mittleren Buntsandsteins stammen, rother Vogesensandstein, 
oberer Buntsandstein, Hornstein und Blatteten. Diese Schotter bilden eine flache 
Terrasse, welche sich bis zum Fuss des Bocks-Berges erstreckt und hier bei ungefähr 
15& m an die in der etwas höher liegenden Grube aufgeschlossenen Sande und Kiese 
des Pliocans sich anlehnt Die Sandgrube am Südfuss des Bocks-Berges, auf der linken 
Seite des Mühlbaches, schliefst wieder Vogesenschoüer auf. Die Gruben auf der rechten 
Seite des Mühlbachcs stehen in den oben beschriebenen pliocanen Geröllablagerungen. 
Ueber diesen lagern an dem von Schweighausen gegen Süden führenden Wege röth- 
liche, zu Dünen verwehte Sande. Die dadurch bedingte unregclmässig wellige Oberflache 
ist auf der Karte durch eine Gruppe von Hügelreihen angedeutet. An der Strassen- 
kreuzung beim Bxerzierplatz finden sich wieder Aufschlüsse in den pliocanen Geröllab- 
lagerongen. Die Grösse der Gerölle steigt hier, wie in den andern Aufschlüssen, nicht 
über 8 cm. 

Nördlich von . 157,5, in der Mitte zwischen Meyershofen und der Ziegelei bei 
Musau, werden unter Sand und Geröllen sandige, zum Theil humose Thone gegraben, 
um als Zusatz bei der Backstein- und Dachziegclfabrikation verwendet zu werden. 
Starker sandige Thone oder vielmehr tbonige Sande werden auch in der Grube süd- 
östlich von der genannten Ziegelei gewonnen; stellenweise sind sie hier durch den 
Thongebalt zu mürbem Sandstein verkittet. Der grösste Theil von Musau steht auf einer 
flachen Terrasse, die, wie gelegentliche Aufschlüsse zeigen, aus weissen, gelben oder 
schwach rothlich gefärbten Sanden mit untergeordneten Geröllen und auskeilcnden 
Einlagerungen von sandigem Thon gebildet wird. Die Thone sind deutlich geschichtet 
und erreichen bei Bcllevue eine Mächtigkeit von 3 bis 4 m; die unteren 2 m werden 
als Walkererde gegraben. Wie eine in Betrieb befindliche Grube zeigte, liegen zunächst 
unter diesen einige Centimeter Thoncisenstein, dann ebensoviel Thon und schliesslich 
Sand. Am Wege vom Eiskeller in Mosau nach dem nördlich davon gelegenen Punkt 146.4 



150 



L. van Wertem. Ueber das Pliocttn dea Unter-Elsaas. 



der Strasse Schweighausen-Hagenau trifft man unter den Sanden von alusau geröllreiche 
Schichten, die bis zu dem den Weg kreuzenden Graben anhalten; jenseits des Grabens 
bis zur Moderniederung dehnt sich, in gleicher Weise wie bei Schweighausen und als 
Fortsetzung der dortigen Ablagerungen, eine flache Terrasse von Vogesenschotter aus; 
unter diesem werden in zwei Gruben nördlich von der Strasse oligoeäne Mergel für 
die Ziegelei bei Musau herausgeholt. Die Terrasse setzt in ziemlich gleich bleibender 
Breite durch den südlichen Theil von Hagenau hindurch bis zur Schlösselmühle fort 
und verschmälert sich von da an auffallend. Der Rand gegen die Pliocanterrasse folgt 
dem bereits genannten Graben bis xum Bahnhof, falle auf der Südseile der Stadt an- 
scheinend mit dem alten Wall zusammen und setzt dann Ober Delsenhof und HOfTelshof 
bis in die Nahe von Kaltenhausen fort ; hier verschwindet die Diluviallerrasse, und die 
pliocanen Schotter fallen unmittelbar nach der Moderniederung ab. Auf der breiten 
Terrasse südlich von Hagenau, welche den Falkcnbor und den Jesuitenhof tragt, hat 
man vielfach Gelegenheit, die pliocanen Kiese zu beobachten, wahrend einige Gruben 
ungefähr 150 ra nördlich von Punkt 142,2 einen guten Einblick in die Zusammen- 
setzung der Vogesenschotter gestatten. Auch aur freiem Felde springt durch die Ver- 
schiedenheit der Färbung des Bodens der Unterschied in der Ausbildung beider Ab- 
lagerungen sofort in die Augen. 

Die Vogesenschotter steigen bei Hüffelshof, Musau und Schweighausen zwischen 
7 und 8 m über die Thalsohle an. Auf der linken Seite der Moder erreichen sie eine 
etwas grössere Höhenlage, bis zu 15 m über der Niederung (in senkrechter Entfernung 
zum Flusslauf gemessen) und scheinen einer alteren Terrasse anzugehören. Folgt man 
der Strasse nach Kaltenhausen, so bietet der Absturz dicht vor diesem Ort einen guten 
Aufschluss in den pliocanen Schichten. Zwischen vorwiegend geröllfübrenden Ablagerungen 
lässt sich eine Zone rosenrotber Sande verfolgen , die wahrscheinlich den Sanden von 
Musau entspricht ; sandige Thone zeigen sich darüber und darunter. Die Bahn erreicht 
man wieder bei Marienthal, welcher Ort auf der Fortsetzung der Pliocänterrasse von 
Hagenau liegt. 

In dem Hügelland zwischen dem Hagenauer Forst und dem 
Gebirge sind plioeäne Ablagerungen, und zwar solche der oberen 
Abtheilung, bisher nur an vier Punkten, nämlich bei Laubach, 
zwischen Bitachhofen und Mietesheim, nördlich von Gumbrechts- 
hofen und bei Oberbronn erkannt worden. Sie steigen nach dem 
Gebirge zu an und erreichen am Fasse des Wasenköpfeis bei 
Oberbronn, wo Muschelkalk und Keuper die Unterlage bilden, 
ungefähr die gleiche Höhe (275 m) wie unterhalb des Scherhol 
bei Weissenburg (285 m). Es ist wahrscheinlich, dass diese Vor- 
kommen früher in Zusammenhang gestanden haben. Bei Ober- 
bronn umschliessen die Sande in den obersten Lagen grosse, 
eckige und kantengerundete Blöcke von Buntsandstein und er- 
innern dadurch ausserordentlich an die später zu erwähnenden 
Blockablagerungen von Epfig. 




L. van Wekveke. Ucber das Pliocän des Unter-Elsasa. 



151 



Aufschlüsse nordwestlich von Hagenauer Wald. 

Bei Laubach sind die pliocänen Ablagerungen nordwestlich vom Ort durch die 
Strasse von Merzweiler nach Hegeney angeschnitten. Beim Aufstieg nacb • Auf dem 
Kreuz» trifft man in der Höhe von 210 m aufgrünen Mergeln mit kleinen Kalk- 
eoncretionen (Oligocän) Gerolle, unter denen weisser Quarz vorwiegt; neben diesem 
treten in geringerer Menge auf : durch Eisenoxydhäutchen roth gefärbte Quarze, Gerolle 
von vollständig gebleichtem Vogesensandstein, Quarzlt und Cbalcedon aus mittlerem 
Muschelkal und gcbleicbte (Taunus-} Quarzite. Braune (Taunus-) Quarzite sind ganz ver- 
einzelt Denselben Charakter zeigen die Gerolle am höchsten Punkt des Rückens bei 
218,6 (58 m über der Zinsel), wo sie zusammen mit ziemlich fetten Thonsanden vor- 
kommen. Die Cbalcedongerölle weisen einen Durchmesser bis zu 0,t m auf. 

Das Pliocänvorkommen bei Bitsebbofen liegt am Westrande des Mietesheimcr 
Waldes, auf dem niedrigen Rücken nördlich vom Landgraben, und ist durch mehrere 
flache Gruben gut aufgeschlossen. Es handelt sich hier ausschliesslich um Geroll- 
ablagerungen, die durch das Ueberwiegen von weissem Quarz und das reichliche Vor- 
kommen ton gebleichtem Buntsandstein sich sehr scharf von den in der Nahe sowohl 
im Gebiet der Zinsel als auch in dem der Moder vorkommenden Diluvialablagerungen 
unterscheiden. 

Bei GumbrechUhofen lagern sandige Thone und grobe Gerolle, die vollständig 
mit dem Pliocän nördlich von Steinselz (S. 144) übereinstimmen, an dem Östlichen der 
beiden nach Oberbronn führenden Wege in der Höhe von etwas über 200 m auf grauen 
Mergeln des mittleren Lias auf; nach dem Frubrct zu sind sie durch sandigen Lehm 
überdeckt. 

Die pKocänen Sande von Oberbronn werden in mehreren Gruben zur Herstellung 
feuerfester Backsteine gegraben. Eine Grube an der östlichsten der dortigen Ziegeleien 
(zwischen 270 und 280 m über Meer, 80 bis 90 m über Thal) zeigte folgendes Profil : 

Lehm bis zu Im. 

Auskeilende dünne Gerölllage, unter den Gerollen 
brauner Quarzit, in gleicher Höhe kantengerundete 
Buntsandsteinblöcke bis zu 0,6 m Durchmesser. 
Die Blöcke sind im Innern gebleicht, aussen mit 
einer braunen Oxydrinde überzogen. 
Gelbe und weisse, untergeordnet karminrotbe Sande 

Imit Gcröllschmitzen, stellenweise mit Adern von 
Brauneisen durchsetzt. Die Gerölle bestehen aus 
gebleichtem Buntsandstein. Quarz und hellgrauen 

J Quarziten; braune Quarzite fehlen Etwa 4 • 

f Auskeilendes Lager von weissem und karminrothem 
sandigen Thon. 

Die in gleicher Höhe mit den diluvialen Kiesen vorkommenden SandsteinblAcke 
sind als Reste von Pliocän zu deuten, da ganz ähnliche Blöeke, die bis zu l,s m 
Durchmesser erreichen, in einer der benachbarten Gruben den hier stark thonigen 
pliocanen Sanden unregelmässig eingestreut sind. Die Sande sind In den oberen Lagen 
intensiv roth gefärbt Das Roth ist weit lebhafter als das des Yogesensandstelns und, 
nacb der unregelmässigcn Vertheilung zu scbliessen, nachträglich entstanden. Die gleiche 



Diluvium 



152 



L. van Webveke. Ueber das Plioeän des Unter-Elsasa. 



Färbung /eigen die neuerdings gleichfalls zum Pliocan gestellten Barytsaadsteine vom 
Baltenberg in der Pfalz.« 

Im Zornthal treten uns plioc&ne Sande und Gerülle gleich 
oberhalb Brumath, nördlich von Krautweiler, in mehreren, zum 
Theil ausgedehnten Gruben entgegen. Die Gerolle werden zur 
Beschotterung auf nicht stark befahrenen Wegen, die Sande als 
Bau- und Streusand gewonnen. Von den Kiesablagerungen der 
Hagenauer Gegend lassen sie sich kaum unterscheiden, und nur 
vereinzelt wurden neben den von dort genannten Geröllen rhä- 
tisches Congloraerat, oberer Buntsandstein und mürbe thonige, 
wahrscheinlich aus der Zersetzung thoniger Kalksteine entstandene 
Gerölle beobachtet Daneben zeigen sich eckige Thonfetzen, die 
wohl durch Zerstörung und Verschwemmung etwas früher gebil- 
deter Thonlagen entstanden sind. An den Geröllen sind die für 
Flussgeschiebe charakteristischen runden Scblagfiguren eine häufige 
Erscheinung. Den Geröllschichten sind weisse und ockergelbe Sande 
auskeilend zwischengelagert, die, wie die ersteren, vielfach durch 
Eisenoxyd-Ausscheidungen geflammt sind. 

Hier sowohl als auch auf der rechten Seite der Zorn, in den 
Gruben südlich von Krautweiler, sind die plioeänen Schichten von 
Vogesenschotter* überdeckt, und es ist dadurch mehrfach Ge- 
legenheit gegeben, den auffallenden Unterschied in der Ausbildung 
der beiden Ablagerungen zu beobachten. Er spricht sich besonders 
in dem Vorwiegen von braunem Quarzit und dem Vorkommen von 
ungebleichtem Vogescnsandstein neben Blättclerz und Gesteinen 
des Keupers und Jura im Vogesenschotter, von reichlichem weissem 
Quarz im Plioeän aus. 

Am Wahlen-Berg bei Mommenheim stellen sich über den 
geröllreichen Schichten mächtige Sandablagerungen mit unter- 
geordnet eingeschalteten Thonen ein, die sowohl ihrer Ausbildung als 
auch ihrer Mächtigkeit und Lagerung nach an die zu Dünen 



1. KimlKlik, Pliocan-See des Rhein- und Mainthals, S. 57. 

2. Nach Strassburg werden aus dem unteren Zornlbal, gewöhnlich neben einander 
in einer Fuhre, gelbe und rotbe Sande als Streusand verbracht. Die gelben Sande sind 
den plioeänen Ablagerungen, die rotben dem Vogesensande entnommen. 



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L. van Wekvkkb. Ueber du Pliocän des UnterELsasa. 



153 



verwehten Sande am Ohlunger Galoppweg erinnern. Die Analogie 
mit dem Ilagenauer Gebiet erscheint dadurch um so vollständiger. 

Oberhalb Mommenheim bis zum Rande des Gebirges treten 
vorwiegend geröllreiche Schichten mit zwischengelagerten Thoncn 
und weissen oder gelben Sanden, welche der oberen Abtheilung 
bei Weissenburg entsprechen, vielfach sowohl im Zornthale als auch 
in dessen Nebcnthälern zu Tage. Die Hauptvorkommen auf der lin- 
ken Seite der Zorn sind : das Thal des Minwersheimer Baches bis 
ungefähr 1 km südlich von Minwersheim (180 m), Gebolsheim (175 m), 
der Ruppen-Berg östlich von Hochfelden (190 m), Hattmatt (190 m) 
und Steinburg (200 m). Die in Klammern gesetzten Zahlen, welche 
die Höhenlagen des Pliocäns angeben, lassen deutlich ein Ansteigen 
der Ablagerungen nach dem Gebirge erkennen. Die gleiche Er- 
scheinung beobachtet man auf der rechten, südlichen Seite der 
Zorn. Die grösste Höhe beträgt am Grossen Rams-Berg zwischen 
Schaffhausen und Ingenheim, südwestlich von Hochfelden 200 m, 
am Hasen-Berg östlich von Waldolwisheim 216 m, in der grossen 
Kiesgrube am Südrande des Krcuzwaldes südöstlich von Zabern 
und Göbenhausen 243 m. Höher reichen die plioeänen Ablage- 
rungen nicht hinauf, bleiben also wesentlich (40 bezw. 30 m) unter 
den höchsten Lagen von Weissenburg und auch von Oberbronn 
zurück. 

An den genannten Punkten, welche den höchsten Höhen so- 
wohl nördlich als südlich des Zornthalsangehören, hat die Pliocän- 
decke nur eine unbedeutende Mächtigkeit, ihre Auflagerfläche liegt 
also nur wenig tiefer als die angegebenen Höhenzahlen. Im Zorn- 
thal und im unteren Theil des Mosselthals beginnt sie jedoch be- 
reits in viel geringerer Höhe, bei Dettweiler sogar nahezu im 
Niveau der Thalsohle, möglicherweise auch noch tiefer. Es muas 
also vor der Ablagerung der besprochenen Sande und Gerölle eine 
breite Rinne vorhanden gewesen sein, die zur Pliocänzeit voll- 
ständig ausgefüllt wurde. Dadurch erscheint ein alter Zornlauf 
in der Richtung des heutigen Thaies schon zur jüngeren Tertiär- 
zeit angedeutet. Aehnliche Verhältnisse dürfen wir wohl auch bei 
den übrigen Wasserläufen des nördlichen Unter-Elsass voraussetzen. 



154 



L. vam Webvbke. lieber das Pliocün des Unter-Elsas». 



Profile ans den Pliocln des Zornthals. 

Südabhang des Wahlen-Bergs bei Mommenheim, an der Südseite der Strasse, 
iwiscben den Curvcn 175 und 170. 



Rosarothe Sande ond weisse schiefrige Thone wechsellagernd l,io m. 

Hellgrünlich weisser Thonsand, glimmerführend 0,45 m. 

Hellockergelber Sand mit ungleichförmiger Schichtung, zu 

Oberst mit hellrosarothem Sand wechsellagernd . . . . l.as m. 
Hellrosarotber Sand, ungleichförmig geschichtet, an der 

Basis Thon- und Geröllscbmiüen 0,6-0.9 m. 

Hellockergelber Sand mit ungleichförmiger Schichtung . . 1,75 m. 



Grube am Nordabhang des Wahlen-Bergs, nördlich von der vorigen. 
Unter Diluvialbildungen : 

HeUrosarother Sand mit Einschaltungen grünlich weisser 



Thonsande 4,50 m. 

Hellrosarother Sand mit zahlreichen Einlagerungen von 

grauen, schwach humosen thonigen Sanden l,eo m. 

Ockergelbe Sande l,io m. 



Unter diesen Sanden, die nach ihrer Beschaffenheit und Mächtigkeit an die 
Sande vom Ohlunger Galoppweg bei Hagenau erinnern, liegen am Südabbang des 
Wahlen-Bergs und hinter Mommenheim geröllreiche Schichten, die Fortsetzung der von 
Krautweiler beschriebenen Geröllablagerungen. 

Im südlichen Theil der ersten Grube unterhalb des Wäldchens zwischen 
Mommenheim und Minversheim zeigt sich zu oberst ungefähr 2,5 m deutlich geschichteter 
hell- bis dunkelockergelber Sand; er überlagert mit scharfer Grenze eine von 0,5 bis l,i m 
anschwellende Lage von sandigem Thon, die ihrerseits auf weissen Sanden aufruht. 
Der nördliche Theil der Grube schliesst in etwas tieferem Niveau geröllreiche Schichten, 
die Unterlage der Sande, auf. In der Minversbeim naher gelegenen Grube sind gelbe 
Sande blossgelegt, denen in halber Höhe der Grube eine bis 0,s m dicke Bank von 
sandigem Brauneiscnerx eingeschaltet ist. Das Hangende bilden Geröllschichten, wie 
ein kleiner Schürf bei Curve 180 zeigt. Die Mächtigkeit der Sande, die im gleichen 
Niveau wie am Wahlen-Berg liegen und wahrscheinlich der gleichen Schicht angehören, 
beträgt ungefähr 12 m. Da die Saude auch bei Gebolsheim zu Tage treten, so kann 
man nicht zweifeln, dass unter der Diluvialdecke ausgedehnte zusammenhängende 
Pliocänschichten vorhanden sind. 

Am Ruppen-Berg, östlich von Hochfelden, sind grosse Graben in weissen Sanden 
und sandigen Thonen des Pliocän angelegt; sie sind von Gerollen, die eine durch 
Eisenoxyd cementirte festere Bank einschliessen und wegen des Vorkommens von unge- 
bleichten Quarziten zum Diluvium zu rechnen sind, bedeckt. Die Grenze zwischen Thonen 
und Geröllschichten ist scharf, hat aber einen unregelmässigen Verlauf, indem die 
Gerolle vielfach in Taschen In die Thone eingreifen. Das Liegende des Pliocäns bildet 
Gryphitenkalk. 

Bei Dettweiler wurden plioeäne Sande unter Diluvialschotter in einer der ersten 
Gruben zwischen dem Kanal und der Strasse nach Zabern beobachtet; in den anderen 
Gruben, bis zum Fasanenwald, waren zwar zur Zeit der Besichtigung nur Vogesenscholter 



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L. van Wekveke. lieber das Pliocän des Unter-EUaas. 



155 



aufgeschlossen, doch sollen unter diesen nach den Angaben der Arbeiter rein weisse 
Sande, also wohl dem Pliocän angehörig, folgen. 

In den Gruben an den letzten Hausern von Steinburg, am Wege nach Dossen- 
heim, wechsellagern hellgelbe, hellgraue, weisse und ockergelbe Quarzsande mit Thon- 
sanden und untergeordneten Geröllstreifen. Die Gcrölle bestehen aus Quarz und ge- 
bleichtem Buntsandstein. Die Decke der Qrobe ist von diluvialem Scholler gebildet, 
der zahlreiche braune Quarzite, daneben rothe Sandsteingerölle umschliesst. Aehnllche 
Sande mit ausgesprochener discordanter Schichtung treten in den Gruben südlich von 
Hattmatt zu Tage, doch sind Thonsande hier ganz untergeordnet. In Hattmatt selbst 
sind im oberen Theile des Dorfes bei der Anlage einer Wegrinnc weisse fette, 1 m 
mächtige Tbone angetroffen worden. 

Grösserer Geröllreichlbum zeigt sich in der Umgebung von Zabern und Ollers- 
weiler; hier bietet die grosse Grube zwischen Zabern und Goüenhauscn besonders gute 
Aufschlüsse. Neben vorwiegendem weissen und blaugraa geäderten Quarz finden sich 
gebleichter Buntsandstein, Quarz und Chalcedon aus mittlerem Muschelkalk, oberer Bunt- 
sandstein, rothe Quarze und glaukonitische mürbe Sandsteine, deren Herkunft nicht 
bestimmt werden konnte, und schliesslich hellgraue kleinkörnige bis kleinconglomera- 
tische Quarzite. welche auf Buntsandstein zurückzuführen sind. 

Es hat danach den Anschein, als seien dem aus der Umgebung stammenden 
Material auch weiter hergebrachte Gesteine beigemengt. Die Gerölle der Gegend von 
Zabern sind im allgemeinen grösser als weiter abwärts im Zornthal, eine Erscheinung, 
die wir auch bei Weissenburg kennen gelernt haben. Zwischen Zabern und Oottenhausen 
erreichen die Buntsandsteingerölle bis zu 0,so. die Muschelkalkquarzile bis zu o.»o m 
Durchmesser. 

Die plioeänen Ablagerungen lassen sich von Weissenburg 
Uber Hagenau bis Brumath sowie das Zornthal aufwärts nahezu 
im Zusammenhang verfolgen. Jedenfalls hat frUher ein solcher 
bestanden, und die heute vorhandenen Unterbrechungen sind auf 
nachträgliche Auswaschungen zurückzuführen. Die plioeänen Wasser- 
läufe der Vogesen vereinigten sich im Rheinthal zu einem See, 
der Anfangs, wie die Verbreitung der unteren Abtheilung der 
Pliocänschichten beweist, einen beschränkten Umfang hatte, all- 
mählich in Folge von Auffüllungen sich über seine ursprüng- 
lichen Ränder ergoes und schliesslich den Fuss der Vogesen 
bespülte. 

Südlich vom Zornthal sind plioeäne Ablagerungen auf weite 
Erstreckung nicht bekannt Da aber kein Grund vorliegt anzu- 
nehmen, dass nicht auch hier zur Pliocänzeit Niederschläge ab- 
gesetzt wurden, so kann man erwarten, dass tiefere Aufschlüsse 
gelegentlich hierher gehörige Sande und Kiese zu Tage fördern 
werden. Erst bei Dambach und Epfig treten uns plioeäne Ab- 



156 



L. van Werveke. Ueber das Pliocän des Untcr-Elsass. 



lagerungen, Thone, Sande und Geröllbildungen, wieder in grösserer 
Ausdehnung entgegen. Die Thone, welche hauptsächlich am 
Plettig gegraben werden, beschreibt bereits Voltz ausführlich, 
und auch Daubree beschäftigt sich mit ihnen eingehend; es sind 
weisse sandige, glimmerführende Thone oder kaolinreiche Sande, 
wie wir sie aus dem nördlichen Theil des Unter-Elsass kennen 
gelernt haben. Technisch findet die gleiche Verwendung statt. 

Von den Ablagerungen zwischen der Zorn und der Lauter 
unterscheiden sich die des Plettig und des Epfiger Hügels haupt- 
sächlich durch die mehrfache Einschaltung mächtiger Blockthone, 
weisser bis hellgelber glimmerführender Thone, in welchen bis 
zu 4 cbm messende, gerundete, vielfach mit auffallend geglätteten 
Flächen versehene Blöcke von gebleichtem Buntsandstein unregel- 
miissig eingebacken sind. Sie sind am Plettig Uber den Thoncn 
und am höchsten Punkt des Hügels von Epfig (263 in) durch 
mehrere Gruben, in denen der Sandstein als Baustein gewonnen 
wird, gut aufgeschlossen. Ausser dem Sandstein beobachtet man 
hier in untergeordneter Menge durch und durch kaolinisirte Ge- 
rolle von Granit und von Arkosen aus dem Rothliegenden. Auch 
die Feldspathe der im Buntsandstein als Gerölle eingeschlossenen 
krystallinen Gesteine sind vollständig in Kaolin umgesetzt Die 
Mächtigkeit der ganzen Ablagerung beträgt mindestens 2S m. 

Daubree bespricht die Blockthone ausführlich bei den «dc- 
pöts erratiques» und betont besonders das Ueber wiegen des Bunt- 
sandsteinmaterials sowie das vollständige Fehlen der gleich vorn 
im Gebirge anstehenden Schiefer. Die Sonderung der Gesteine 
zusammen mit der Structur und dem Vorkommen der Block- 
ablagerungen 1 sprechen nach seiner Ansicht für Moränen. Das 
vollständige Fehlen der Schiefer ist jedoch wohl weniger auf 
Sonderung durch Gletscherströmung als vielmehr darauf zurück- 
zuführen, dass der alte Gebirgskern zur Pliocänzeit noch zum 
grössten Theil von jüngeren Bildungen überdeckt war, eine An- 

1. Mit den Blockflionen von Epfig vereinigt Dadbbee gleichfalls fast ausschliess- 
lich aus Buntsandstein bestehende Ablagerungen vom Kirchberg nördlich von llters- 
weiler ; sie sind jedoch jedenfalls junger als jene und unterscheiden sich von ihnen haupt- 
sAchlich durch ihre durch und durch rothe Färbung 



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L. tan Wsbtkh. Ueber daa Pliocän des Unter-Elsass 



157 



nähme, welche allerdings beträchtliche nachpliocäne Senkungen 
de« einen oder Hebungen des anderen Theiles voraussetzen muss. 
Die Structur der Blockthone spricht auch nach meiner Ansicht 
fttr Gletacherabsatz, insbesondere für Grundmoräne. Wir haben 
also, in derselben Weise wie dies in der letzten Zeit für da« 
Centraiplateau von Frankreich 1 nachgewiesen wurde, eine Ver- 
gletscherung der Vogesen bereits zur Pliocänzeit anzunehmen. 
Ob den S. 151 erwähnten Blockablagerungen bei Oberbronn die 
gleiche Entstehung zuzuschreiben ist, mus« ich einstweilen als 
zweifelhaft dahingestellt sein lassen. 

In gleicher Weise wie bei Epfig zeigen die wenigen Punkte, 
an welchen im Ober-Elsass bisher Pliocän am Rande des Gebirge« 
erkannt wurde (Wattweiler, Aue, Sontheim), jedenfalls vorwiegend, 
wenn nicht ausschliesslich Trümmer von Buntsandstein. Die für 
das Gebirge westlich von Epfig angenommene Decke von Bunt- 
sandstein dürfen wir auch, unter der gleichen Voraussetzung wie 
dort, auf den südlichen Theil des Gebirge« ausgedehnt denken, 
wodurch wir für die ganzen südlichen Vogesen ein Bild erhalten, 
wie es uns heute die nördlichen Vogesen bieten. Da sich in den 
plioeänen Ablagerungen de« nördlichen Unter-Elsass neben Bunt- 
sandstein in reichlicher Weise Chalcedon und Quarz aus mittlerem 
Muschelkalk einstellen, und da die gegenwärtig aus dem Gebirge 
austretenden Flüsse selbst mit ihren Anfängen nicht mehr in das 
Gebiet des mittleren Muschelkalks hineinreichen, eine Zufuhr au« 
diesen Schichten also nicht mehr stattfinden kann, «o muss zur 
Pliocänzeit der Muschelkalk dem Gebirgsrande viel näher gelegen 
haben als heute. Wie wir uns die damaligen nördlichen Vogesen 
vorzustellen haben, zeigt die Gegend von Rohrbach in Lothringen, 
wo die Bäche in ihrem oberen Lauf in Muschelkalk, weiter ab- 
wärts in Buntsandstein einschneiden, also Trümmer der beiden 
Formationen zu Thal führen können. 



1. Bull. Soc. geol. France (3), XVIII, 930. 



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l'r.m. 

tum 1 W. Dscckx, l>i< bVrraminrfftrenfttma der Zone de» •* 
Stepktnncerai tlwttphritaianian im l'ntcr Elsiis». Mit 2 litliogr. 

Tafeln. ISb4 S qc 

lieft -J. A. Am>i;kai:, J)rr I ) i 1 1 1 viulsund von Haugcuhictcii im 

Unter-Ebaos. Mit U photogr Tafeln. 1884 :><»> 

Hell .'). A. Anwuieak. Die Gln.xgonhoren des Terrain :i chuiUcs 

der I'firt Mit einer photogr, Tafel 1887 3,<m 

Heft 4. 0. Seil i.iriT. , Difl Kattun «I«-s Hnthonieu im oberrheini- 

m Ij. ii Tiefland»?. Mit 8 Tafeln in Lichtdruck 12,00 

Heft r>. O Mevkb. Die Korallen de* l'uegers von EI»!isa-Loth- 

ringen. Mit »; Irtbogr. Tafeln. 1888 l,oo 

B. Mittheilungen der Commission für die geologische Landes-Untcrsuchung 

von Elsass-Lothringen. 

Bd. I. -1 Hefte (k *4 l,tv, l.'o; 2,v> u. ],») <>,75 

IM. II. Heft 1 (.4 2,7:v: Heft ä 1,75); Heft a .* &l 9,so 

Bd. III. Heft 1 2,tu 



/>. Verlag der Simon Sntuopr'schen Hot-Liindkiiften-Haiiilluiig 

(J. H. Xklmanni Berlin. 

A. Geologische Specialkarte von Elsass-Lothringen im Maasstab I : 25000. 

Mit Erläuterungen. 

(Der l'reis j'des Ulattes mit Erläuterungen liuträyt .4 L\) 

Ausgabe von 1ÖS7. Mütter: Mouncren und Gclmingen. 

Ausgabe »OO 1ÖS9. Bliitter: Sicrck, Mer/.ig, Gross-Hemmersdurf, Bu- 

semlnrf, Bolchen, Lübeln. 
Aottttibe von 1S^I>. Blätter: Horbach. Rohrbaeh, Bitscli. 
Aasgtb« von 18!»l. Bliitter: Ludweikr, Bliesbrüekcn, Woiiuüuster und 

Boppweiler. 

B. Sonstige Kartenwerke. 

Geologische l T ebcr.-oehf>.iuute des westlichen Deuts< 'h-lvtliriiiirei) , im 
Kaaastefa 1 1 B0000. Aufgenommen von E. \V. Bkokcrx, G, ManWj 
E. Schi machek, <!. Stf.i>. <iank, Bk. Wkioand und L. vax Wen- 
vi.ki. Mit Krlüiifcruiigmi, bearbeitet von K. Schumachku. Q Stkis- 
manx und L. tax Wbbvkxe. Mit einer l'rofiltnfel und einer Heber- 
f-ichtskartc der Verwerfuniren des mesozoischen Gehiri:<^ in 
Lothringen, Luxemburg und den angrenzenden Gebieten der 
Rheinprovinz, 188ti *7 :'),n.» 

Hebcieiehtakarte der Eißenerzfelder des westlichen Deutsch« 

Lothringen. Mit einem Verzeichnis-; der Erzfelder. lhHj — 87, l.uo 

(•eulugische LJcbcr»iehtsk»rte der südlichen Hülfte des GrosFhcr- 
xiii;t Im ms Luxemburg, Maasstnb 1 : 80000. Aufgenommen 
von Dr. L. vxn Wekvekb. Erläuterungen von demselben, mit 
einer l'rofiltafct und einer Ucberaichtakartc der Verwerfungen 
de* mesozoischen Gebirges in Lothringen. Luxemburg und den 
Angrenzenden Gebieten der Uheinprovinz. 1886—87 4,o 



I ii 1 1 : i 1 i . 



Bericht der Direktion der geologischen Undeä-lntemichung 
Lothringen för die drei leiten Quartale des Jahres 

Derieht der Dimtimi der geologischen Landes ! ntorsuchu ig 
Lothringen für das Jahr 1891 



L'ebersieht über die Gliederung der (leröll- und LOs.-ablageninj 
Sundgaues. Von Dr. lt. Förste«. Mit I Zeichnung im T* 

Nene Beobachtungen au den Seen der llochvugescn Von Mr 
Wbbveke. Mit 2 Tafeln in Lichtdruck utid »i ZeicfW 
im Text 

Leber da.s l'ltocan des Uliter-Elsass. Vnn br. L v\s Wmimki 



AI itth eilungen 



Geologischen Landesanstalt 



K I sass - 1 .< >i Ii rinBreii 



'• r.t u h ir o tr c Den 



Direction der geologischen Landes -Untersuchung von Elsass- Lothringen. 

Band III. Heft III. 

M t '! IHfcograßbirttfi Tahiti. 



STRASSBUEG • E. 

Stnusburget Druckerei and V> n I R£ j 1 ^ «tnft, 
\11rr11.1lj K. Schultz 1;, Ca 



Preis des Heftes : Mark 1 20 



Veröffentlichungen 

<?r Direktion «lor geologischen Landes-Un tersuchu 
von ©sass-WJiringen, 



u. Verlag der Strassbarger Druckerei a. VerlagsanstalL 

A. Abhandlungen zur geologischen Specialkarte 
von El8ass-Lothringen. 

li'l. I Heft l. Einleitende Bemerkungen Uber die netto gflologueluj •* 
Landes- Aufnahme von Elsa.s.*-LuthHiigen. — Verzeichniss d< r 
geologischen und mineralr>i;isehcn Literatur. susammengestellt 

vou E. \V. Bexecee um! II. Uonekiicrcu. 18« ö . . 

Heft 2. II. KoMEMBCsrii, Die Steiger Schiefer uail ihre Cuntact- 
zonc :m den Graniten von Barr-Andlau und Hohwald. Miteiner 
geol. Kartenskizze und zwei lithngraphirten Tafeln. 1»T7. I 

Ben P. Gaoi'K, Das Gneis^-gebiet vou Markirch im Oher-Elsa.-.- 
Mit einer geologischen Kartenskizze und zwei Profilen, 1611 

Heft 4. E. W. Buxe« kk, l'eber die Trins in Elsa--8-L<»tliriii_rcn 
and Luxemburg. Mit. zwei geologischen Kartenskizzen und 
sieben lithographirten Tafeln. 1877. . . 

Erg'anzungshcft. E. Sciium a<uki:. Geologische und mineralogisch« 
Literatur vou Klsass-Lothringeu. Nachtrag zu dem oben gt 
uauntou Verzeichniss und Fortsetzung desselben bis «-n. 
schliesslich 18*0. l*H7 

Bd. II. Hott 1. W. BlUXCO, |),-r untere Dogger Deutsch - Lothringens 

Mit Atlas vun 10 lithogr. Tafeln. 1*79 fj 

Heft 2. II. Haas und G. Petri, Die Brachiopodeti der Jura- 
formation von Elsas.^-Lothringen. Mit einem Atlas von II 
lithogr. Tafeln. 1882 

Heft 3. A. Andukap, ISin Beitrag zur Kennt niss des Klsässcr 
Tertiärs. Mit Atlas von 12 lithogr. Tafeln. 1881 H>, 

Md. III. Heft 1 Gf, Linck, Geoguiibtiseh-petrogranbische Beschreibung 
des Grauwackeugebi< tes vou Weiler bei Wcissenburg. Mit 
einer Kartenskizze und Profilen. — G. Mbybu, Beitrag zur 
Kcnutnias des Cnlm in den südlichen Vogcscn. Mit clu< l 
Kartenskizze und Profilen. 1884 

Heft 2. A. Osann - . Beitrag zur Kenntnis* der Labradorporpbyre 
der Vogcscn. Mit einer Tafel in Lichtdruck. 18rt7 

Heft -i. E. Conr.N, Geologische Besc hreibung des oberen WeUw? 

thales. Mit einer geologischen L'obersichtskarto des Gebietes. 

1889 »V- 

Heft 4. U. JxEkKL, Die Selachier aus dem oberen Muschelkalk 

Lothringens. Mit 4 Tafeln in Lichtdruck. 1889 

Heft 5. B. Fön.vrEi:, Die Insekten des plntttgeu Steininergehl von 
Brunstatt. Mit ß Tafeln in Lichtdruck. 1*9! ... II i 



Krystallographisohe Beschreibung 
des Eisenglanzes und des Fahlerzes von Framont. 

Von 

J. Schweitzer. 

Mit Tif. V— VII. 



Die seit dem Anfang dieses Jahrhunderts zum Erliegen ge- 
kommenen Eisenerzgruben von Framont waren reich an vielen 
oft sehr schön auskrystallisirten Mineralien. Es kamen dort in 
den Drusen des Rotheisensteins und auf Klüften im Nebengestein 
der Erzlagerstätte vor : 

Kupfer, gediegen Wismuth, Bleiglanz, Zinkblende, Antimon- 
glanz, Kupferglanz, Buntkupfererz, Kupferkies, Fahlerz, 
Pyrit, Magneteisen, Eisenglanz, Goethit, Afanganit, Pyrolusit, 
Quarz, Anatas, Kalkspath, Aragonit, Dolomit, Eisenepath, 
Malachit, Kupferlasur, Schwerspath, Gyps, Augit, Horn- 
blende, Epidot, Granat, Kieselmalachit, Topas, Phenakit, 
Scheelit, Flussspath. 

Besonders häufig war unter den krystallisirten Mineralien 
der Eisenglanz, auf welchen man schon frühzeitig aufmerksam 
wurde, weniger häufig, aber doch nicht gerade selten, das Fahlcrz. 
Von beiden Mineralien besitzen die Sammlungen des mineralogi- 
schen Institut» der Universität Strassburg und der geologischen 
Landes-Anstalt von Elsass-Lothringen eine Reihe von Stufen mit 
sehr schönen Krystallen, deren Untersuchung die nachfolgenden 
Resultate ergeben hat. 



160 J. Schweitzer. Krjstallographische Beschreibung 



I. Der Eisenglanz von Framont. 

Im Jahre 1783 beschreibt Rome DE l'Isle 1 in seiner Kri- 
stallographie unter der Abtheilung «Modifieation du dodecaedre ä 
plans triangulaires isoceles» — einer der drei Gruppen, in welche 
er den Eisenglanz (Mine de fer grise ou speculaire) eintheilt — 
mehrere Krystalltypen von Framont. Er unterscheidet vier Va- 
rietäten, und zwar sind es die Combinationen : 

1) *P2 . oR Variete 9. Tome III pag. 198. 

Abbildung IV. T. PI. VI Fig. 40. 

2) oR . J-P2 Variete 10. Tome III pag. 199. 

Abbildung IV. T. PI. VI Fig. 41. 

3) oR . JP2 . R (R sehr schmal). Variete 11. T. III. pag. 200. 

Abbildung IV. T. PI. VI Fig. 42. 

4) oR . | P2 . R (R breit) Variet6 12. T. III. pag. 200. 

Abbildung IV. T. PI. VI Fig. 43. 

Die Flächen von R werden als Würfelflächen betrachtet. 

Auch Karl Caesar von Leonhard* sagt im Jahre 1805 in 
seinem Handbuch der topographischen Mineralogie (I. Bd. pag. 178) 
«der Eisenglanz von Framont krystallisirt in sechsseitigen Tafeln 
und in Würfeln», obgleich Haüy' schon im Jahre 1801 und ge- 
rade an den Framonter Krystallen durch Messungen die rhombo- 
edrische Ausbildung des Minerals festgestellt hatte'. 

«Fer oligiste uniternaire» nannte Haüy den Krystalltypus, 
an welchem er die Messungen vornahm. Die Krystalle dieses 
Typus sind begrenzt von der Basis oR, der hexagonalen Pyramide 
JP2 und dem Rhomboeder R. (T. IV. pag. 43. Abbildung T. V. 
PI. LXXV Fig. 130.) 



1. Rosii de l'Isle, Cristallographie ou Description des formes propres ä tous 
los corps da regne mincral. II* edition. Paris 1783. 

2. Karl Caesar Leonhard, Handbuch einer allgemeinen topographischen Minera- 
logie. I.— III. Bd. 1805— IS09. Frankfurt a. M. 

3. Hatv, Trnite de Mineralogie, I» cuition. I'aris 1801. 

4 T. IV. pag. 5i u d. f. 



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des Eisenglanzes) und des Fahlerzcs von Framont. 



IUI 



Eine zweite Krystallvarietät von Framont nennt er «fer 
oligiste trapezien • (T. IV. pag. 42. Abbildung T. V. PI. LXXV 
ftg. 129). Es ist die Combination der Flächen {P2, oR. Nach den 
Messungen von HaCy beträgt der Polkantenwinkel von |P2 128° 
2C (128° 4), der Mittelkantenwinkel 120° 52' (122« 14% die Nei- 
gungen von £P2 zur Basis 119° 34' (118° 53'), die Neigung von 
JP2 zu R 154» 13' (154" 2'). Die Winkel weichen nur wenig von 
den in den Klammern beigefugten theoretischen Werthen, welche 
aus dem später von Phillips 1 beobachteten Axenverhältnisse ab- 
geleitet sind, ab. 

Graffenauer' kann in seiner Mineralogie des Elsasses, ausser 
dem Vorkommen des Eisenglanzes in den dünnblättrigen Kry- 
stallen des Eisenglimmers, diesen Angaben nichts weiter zufügen. 
Erst in dem ausgezeichneten Werke von Levy «Description d'une 
collection de mineraux formee par M. H. Heuland, Londres 1837» 
werden neue Krystallformen an dem Eisenglanz von Framont er- 
wähnt. Die von ihm beschriebenen und in dem dazu gehörigen 
Atlas auf Tafel LXV1 fig. 8 und fig. 13 abgebildeten Krystallc 
sind die Combinationen : 

R.oR.*P2.*P2 Variete 10. T. III pag. 113 und 

R.oR.ocP2.— 'R.JP2 Variete 15. T. III pag. 115. 

Nach Carkiere* sind die Krvstalle der Combination oR.4P2, 
Forme trapezienue Haüy, sowie der Combination oR.|P2.R, uni- 
ternaire Haüy, bei Framont ganz gewöhnlich. Ungleich seltener 
sind Krystalle zu beobachten, die von den Formen oR, {?2, <xP2 
und oR, JP2, <x>P2, R begrenzt werden. Sehr selten sind nach 
ihm die Krystalle, welche, an Haüy's unitemären Typus erinnernd, 
die Combination der Flächen oR, JP2, R, JR mit dem Skalenoeder 
§R3 darstellen. Abgesehen von dem Skalenoeder fR3, das er als 



1. William Phillim, An elementar/ Introduction to Mineralogy, New Edition by 
Ii J. Brooks and W. H. Mm. kr. London 185?. 

2. JiAfi-rniLirPE GaAFFKNAcm , Essai d*une Mineralogie economico-technique des 
departements du Haut- et du Bas-Rhin. Strasbourg 1800. 

3. Carrikuk, Recherches sur la mineralogie des gttes meUllifires de Fratnnnl 
Annales de la Societc d Emulation du departement des Vosges. Kpinal I84U. 



162 J. Schweitzer. Krystallographiache Beschreibung 



nicht häutig vorhanden erwähnt, ist das Vorkommen des an den 
Elbanern Krystallen sehr gewöhnlichen Rhomboeders £R bemer- 
kcn8werth. Er findet es nur an dieser Varietät und ebenso wie 
an den Krystallen von Elba gewölbt und gestreift. 

In dem II. Baude pag. 570 seines Handbuchs der Mineralogie 
zitirt DüFRäNOY' einen Krystall von Framont, begrenzt von den 
Formen ooP2, oR, ooR, JP2. Er bildet ihn in dem Atlas auf 
PL LXIX Fig. 103 ab. Diese Combination mit dem Prisma ooR 
ist für das Vorkommen von Framont auflallend. Keiner der oben- 
genannten Autoren hat ooR mit Sicherheit beobachtet; auch an 
dem reichhaltigen Material der Strassburgcr Sammlung konnte es 
nicht aufgefunden werden. DUFRF.NOY selbst gibt von den» Krystall 
keine nähere Beschreibung noch die Sammlung an, in der er 
sich befinden soll, so dass das Vorkommen des Prismas L Ordnung 
an dem Eisenglanz von Framont sehr in Zweifel zu ziehen ist 

Durch die älteren Beschreibungen sind demnach bis jetzt 
folgende Formen bekannt geworden: 

oR, JP2, R, ooP2, l?2, — JR, ! R, |R3, ooR(?). 



Die in der Regel 2J — 6 mm grossen Krystalle von Eisen- 
glanz, welche zur Untersuchung vorliegen, zeigen meist einen 
tafelförmigen Habitus und sitzen gewöhnlich auf Drusen von dich- 
tem Rotheisenstein. Nur bei einigen Stufen bildet eine hellfarbige 
breccienartige Gangart von Quarz und Rotheisenstein die Unterlage. 

Die Zahl der den Eisenglanz begleitenden Mineralien ist 
gering. Meistens sitzen die Eisenglanzkrystalle direkt auf Roth- 
eisenstein, ohne mit anderen Mineralien vergesellschaftet zu sein, 
und solche Stufen weisen dann die am schönsten ausgebildeten 
Krystalle auf. Indessen lagert sich auf einigen Stufen zwischen 
das Muttergestein und die aufsitzenden Krystalle eine Schicht 
derben Quarzes, deren Oberfläche in kurzsäulige wasserklare Quarz- 
krystalle von der Combination oR . -+-R . — R endigt. Zwischen und 
auf diesem Quarz sitzt dann der Eisenglanz, aber in weniger schön 

1. DiFniNor, Traite de Mineralogie. 11« Edition. Paris 185G. 



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des Eisenglanzes und des Fahleries von Frnmont. 



163 



ausgebildeten Krystallen. Gewöhnlich ist er hier als Eiscngliinmcr 
oder in blättrigen Lamellen, die sich bündel- und büschelförmig 
aggregieren, ausgeschieden. 

Sehnlich wie der Quarz findet sich auf einigen Stufen auch 
Dolomit Er ist an der Oberfläche der dichten Dolomitschicht in 
kleinen gclbfarbencn Rhombocderchen mit sattelförmig gekrümmten 
Flächen auskrystallisirt. Der Eisenglanz ist zwischen und auf 
den Dolomitkrystallen durchweg linsenförmig ausgebildet 

Haben sich die genannten Mineralien zum Theil vor, zum 
Thcil mit dem Eisenglanz ausgeschieden, so sind die Dolomit- 
rhomboeder einer andern Stufe jünger als der Eisenglanz, da sie 
ihn bedecken. 

Dasselbe ist auch mit dem blättrigen Schwerspath der Fall, 
der übrigens nicht häufig vorhanden ist. Weitere, ebenfalls seltene 
Begleiter sind noch rother Glaskopf, Braunspath, Eisenkies und 
Kalkspath. Letzterer ist zuweilen in schönen prisraenförmigen 
Krystallen der Combination ooR . — * R vorhanden. 

Gut ausgebildete Eisenglanzkrystalle sind selten. Gewöhnlich 
sind sie gesetzlos mit einander verwachsen, oder sie bilden soge- 
nannte Eisenrosen, die sich ihrerseits zu zapfen- oder baumför- 
migen Gruppen vereinigen. Aus diesen Krystallhaufen ragen dann 
die einzelnen Krystalle mit scharf begrenzten Flächen hervor. 

Das Vorkommen von dichtem Eisenglanz, sowie von fein- 
schuppigem, in allen Farben spielendem Eisenglimmer und von 
fettig anzufühlendem, abfärbendem Eisenrahm ist sehr gewöhnlich. 

Die von den oben genannten Autoren an dem Framonter 
Eisenglanz beobachteten Formen wurden mit wenigen Ausnahmen 
an den vorliegenden Krystallen wiedergefunden. Ausserdem ergab 
die Untersuchung noch das Vorhandensein mehrerer anderen 
Formen, wie aus der unten folgenden Zusammenstellung ersichtlich 
ist Diese Formen bilden mit einander ganz charakteristische 
Combinationcn , unter denen folgende Haupttypen unterschieden 
werden können: 

1) Tafelartiger Typus 

mit vorwaltendem oR } 0001 1 und -J P2 1 2243 j , 



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164 J. Schweitzer. Kryatallographischc Beschreibung 



2) Tafelartiger Typus 

mit vorwaltendem oR J 0001 1 und - iR !0112{, 

3) Typus der Eisenglanzlinsen, 

4) Typus der Eisenrosen, 

5) Typus der Eisenglanzlamellcn. 

1. Typus. 

Die meisten Eisonglanzkrystalle von Framont zeigen die 
Combination : 

oR *P2 . -f-R 

x|000l| . x!2243| . x|tOll| (Fig. 1 u. Fig. 2.) 
c n r 

oder die Combination: 

oR ^ P2 •+* R . IR3 

x|000l| . x!2243! . x|l01l{ . x J 4265 ( (Fig. 3.) 
c n r i 

Dazu gesellt sich manchmal noch — R|011l|. Durch das 
mehr oder weniger starke Vorherrschen der Basis oR = xJOOOl \ 
sind die Krystalle dick (Fig. 1) oder dünn tafelartig ausgebildet 
(Fig. 2 und Fig. 3). Letztere Ausbildung ist gewöhnlicher als 
ersterc. 

Die Basis ist selten als ebene glatte Fläche vorhanden. 
Meistens ist sie nach der Mitte hin so stark gewölbt, dass der 
Reflex eine Breite von 5 und mehr Graden erreichen kann. Diese 
Wölbung erinnert an die Beschaffenheit der Eisonglanzkrystalle 
von Elba; doch während dort die Wölbung durch stumpfere Rhom- 
boeder \ R und |R, x|l0l4| und J 3035 j , verursacht wird, geht 
hier die Wölbung immer von |P2 = x|2243( aus. Es hat manch- 
mal den Anschein , als ob sie hervorgerufen würde durch flachere 
Pyramiden II. Ordnung, durch deren Alternirung mit der Basis 
auf dieser eine feine Streifung hervorgerufen wird. Auf andern 
Krystallen ist die Basis durch zahlreiche in paralleler Stellung 
aufgewachsene Eiscnglanzblättchen höckerig rauh. Seltener sind 



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des Eisenglanzes und des Fahlerzes von Framont. 165 

diese Eisenglanzblättchen aufgerichtet und rosettenartig gruppirt. 
Nächst der Basis sind die Flächen der Pyramide *?2 = x{2243[ 
am stärksten entwickelt. Sie sind gewöhnlich recht glatt und 
lebhaft spiegelnd; doch lässt sich auf allen Krystallen eine sehr 
feine Streifung, gegen die Combinationskante (10ll):(2243) geneigt, 
wahrnehmen. Sie verläuft den Combinationskantcn mit den nächsten 
am entgegengesetzten Pol liegenden H-R-flächen parallel und um- 
gekehrt; also auf (2243) parallel der Combinationskante dieser 
Fläche mit (Olli), wie es in Fig. 2 veranschaulicht ist. 

Aus mehreren Messungen ergab sich der Normalenwinkel von 
(0001) : (2243) an einigen Krystallen zu 61° 30*, an andern zu 60° 51', 
statt des aus dem Axcnvcrhältniss a:c= 1:1,359 berechneten 
Winkels von 61° 7"). Der Mittelkantenwinkel von *P2 |2243| be- 
trug als Mittel aus 7 Messungen 57° 44' (berechnet 57° 46"), der 
Polkantenwinkel von JP2 (2243) 52* 6' (berechnet 51° 56'). 

Die Flächen von -f-R } 1011 { unterscheiden sich nicht von 
den andern die Krystalle begrenzenden Flächen. Sie stumpfen ent- 
weder nur schmal die abwechselnden Kanten von ^P2 1 2243 j ab 
und sind dann vollständig glatt, oder aber, was gewöhnlich der 
Fall ist, sie sind verhältnissmässig breit und zeigen immer eine 
deutliche Streifung parallel der Combinationskante mit JP2j2243|. 
Diese Streifung stellt sich vielfach als eine wirkliche Riefung dar, 
indem durch Alternieren von -f-R } 1011 | mit *?2 \ 2243 { flache 
Rinnen in wechselnder Zahl auf der Fläche hervorgerufen werden. 
Bei breiter Entwicklung ist die Rhomboederflächc nicht selten in 
der Zone (2423): (1011): (2243) gewölbt, und zwar wie aus der 
Reflexbreite hervorgeht, um 2 und noch mehr Grade. Die Neigung 
(1011) : (2243) ergab einen Mittelwerth aus 4 Messungen von 25° 50" 
statt des berechneten Werthes von 25° 58'. Der Winkel von der 



l. Auch allen folgenden Berechnungen ist dieses Aienverhältniss, welches von 
W. PniLLirs und andern für den Eisenglanz angenommen und wohl aus den Messungen 
an den Krystallen von Elba abgeleitet wurde, zu Grunde gelegt worden. Da aus dem 
Vorkommen zu schliessen ist, dass der Eisenglanz von Framont, von dem bis jetzt keine 
Analyse existirt, nahezu reines Fe,O t ist, so darf wohl gerade das Aienverhältniss 
der Ti,Oj freien Eisenglanzkrystalle von Elba am ehesten zur Berechnung herange- 
zogen werden. 



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16G J. Schweitzer. Krystallographische Beschreibung 

Rhombocderfläche zur Basis wurde bestimmt zu 57° 12', berechnet 
zu 57» 30-. 

Die Flächen von — R J Olli { verhalten sich, abgesehen von 
der weniger stark ausgeprägten Streifung, ganz ähnlich wie die 
von -+- R jlOllj. Sie sind nur an einigen Krystallen vorhanden. 
Nicht selten tritt an den Krystallen das Skalenoeder — |R3 ) 4265 { 
auf, aber immer nur mit schmalen hellglänzenden Flächen, die 
häufig erst mit der Lupe wahrnehmbar werden. Auch sind die- 
selben nicht immer vollzählig vorhanden, zeigen jedoch nie eine 
solche Anordnung, dass sie als Rhomboeder III. Ordnung aufge- 
fasst werden könnten. 

Der Winkel von (2243): (1011) wurde gemessen zu 9° 50* (be- 
rechnet 9« 41'), von (1011): (4265) zu 16° 25' (berechnet 16" 18> 
Der Polkantenwinkel des Skalenoeders betrug 32° 45' (berechnet 
32» M 1 ). 

Auf einer Stufe sind mehrere säulenförmig ausgebildete, bis 
zu 6 mm hohe und 3 bis 4 mm breite Krystalle vorhanden, die 
eine Ausbildung zeigen, wie sie Fig. 4 wiedergibt Dadurch, dass 
eine grössere Anzahl von Krystallen der Combination 

oR . |P2 . R 

x|000l| . x 1 2213 1 .x! 1011 i (cfr. Typ. I Fig. 1) 
c n r 

mit der Basis parallel verwachsend, regelmässig auf einander ge- 
schichtet sind, entsteht die auffallende Form der Krystalle, die sie 
nach dem Prisma ooP2 }ll20| gestreckt erscheinen lässt. Der 
von den Flächen von 3 P2 } 2243 1 gebildete trepp enförm ige Aufbau 
des Prismas ooP2 1 11^0 1 tritt an sämmtlichen Krystallen der Druse 
deutlich hervor. 

Die Basis dieser prismatisch entwickelten Krystalle ist ent- 
weder vollkommen eben und spiegelnd, oder durch auflagernde 
dttnne Eisenglanzblättchen, die rosettenartig gruppirt sind, uneben 
und rauh. 

Auch die Flächen von JP2 ) 2243 1 , von R x J 1011 { und dem 
an einem Krystall vorhandenen f R3 } 4265 j sind vollkommen glatt 
und spiegelnd. Manchmal kann man auf R{ lOll j eine feine Streifung 
parallel der Combinationskante mit JP2 1 2243 1 wahrnehmen. 



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des Eisenglanzes und dos Fahtcrzcs von Framont. 



167 



2. Typus. 

Auf 2 Stufen, von denen die eine dichten Rotheisenstein, 
die andere eine graue Gangart zur Unterlage hat, befinden sich 
Eisenglanzkrystalle von ganz eigenartigem Aussehen, das von dem 
der eben beschriebenen Krystalle vollständig abweicht Sie sind 
von der Seite her aufgewachsen und ist daher die Basis im All- 
gemeinen nicht gut sichtbar. 

Die Mehrzahl der Krystalle zeigt die Combination 

oR . — JR . ocP2 

xjOOOl j ,x|Ol72| .x|ll20| (Fig. 5.) 
c e a 

und die Combination 

oR . ~|R . ooP2 . R . JP2 
x|O0Ol|.x|O112|.x|ll2Oj.x|lOll| , |22i3| 

Durch die geringe Höhe des Prismas ooP2 } 1 120 j im Ver- 
gleich zu der starken Entwicklung der Basis oR j 0001 ( und des 
Rhpmboeders — JR j0l!2|, sind sie von tafelförmigem Habitus, wie 
es in Fig. 5 und den drei folgenden zur Andeutung gelangt ist. 

Vielfach sind 3 oder 4 Krystalle mit einer Fläche von 
ocP2 |ll20j parallel verwachsen, derart dass sie als ein einziger, 
in seinem Wachsthum gestörter Krystall angesehen werden können. 

Die gewöhnlich etwas gewölbte Basis zeigt eine oft starke 
Streifung nach 3 Richtungen, nämlich parallel den Combinations- 
kanten mit — JR J0112|. Die Flächen der letzteren Form sind 
eben und in der Regel ebenfalls stark gestreift 

Die Flächen von ooP2 J 112"0{ erscheinen matt und von nahe- 
zu horizontal verlaufenden Rissen durchzogen. An vielen Krystallen, 
wenn nicht an allen, sind es nur Scheinflächen, die, wie bei den 
oben unter 1. zuletzt beschriebenen Krystallen, wahrscheinlich nur 
durch Alternirung von |P2 zu Stande gekommen sind. 

|P2 j 2243 j ist an der Mehrzahl der Krystalle mit schmalen, 
jedoch sehr stark glänzenden Flächen vorhanden. 



168 J. Schweitzer. Krystallographische Beschreibung 



Desgleichen tritt häufig R jlOllj mit meist kleinen, immer 
stark glänzenden Flächen auf. 

Ein 3 mm hoher und 6 mm breiter , flächenreicher aus- 
gebildeter Krystall (Fig. 6) dieses Typus lässt in der Zone 
1 101 1) : (2243) noch weitere Formen erkennen. Durch seine freie. 
Lage ist er der Messung leicht zugänglich, und so wurden in 
dieser Zone bestimmt, ausser r=R und n=|P2, noch die Flächen 
der Skalcnocder i = *R3 x|426"5j, g=iR5 x ) 3254 ( und <y = £ R9 
x 120.16.30.27 |. 

Die Messungen ergaben nämlich: 

(1011):(4265) - 15° 46' (berechnet 16° 17») 

(1011): (3254) =21" 7' 20» 4' 

(10Tl):(20.16.5Ü.27) = 23° 7 1 /,' ■ 22« 39'/,' 

(1011): (2243) = 25» 54* » 25» 58' 

(0001): (1011) =57o20* » 57» 30' 

(10ll):(1012) =85« 31' . 84° 23' 

Auf den Flächen von -HR 1 1011 } findet sich eine stark aus- 
geprägte Streifung parallel den Combinationskantcn mit JP2 j2243'; 
sonst sind aber die Flächen scharf umgrenzt, nicht gewölbt und 
glänzend. Dagegen besitzt — £R|0112j eine matte rauhe Ober- 
fläche, augenscheinlich durch fortgesetztes Alternieren mit oR;000l|. 

Die Basis J 0001 ' ist ziemlich eben und spiegelnd. Sie zeigt 
an dem freiliegenden Theil eine feinere Streifung, anscheinend 
nach der Combinationskante mit — ^R J01T2', und ausserdem noch 
an der äussersten Ecke ein etwas gröberes, schief verlaufendes 
Streifensystem. Dagegen ist die Basis an der Unterseite des 
Krystalls stark gewölbt und rissig. 

Die Flächen von i P2 sind hier ebenso, wie das oben unter 
dem 1. Typus geschildert wurde, mit einer sehr feinen, gegen die 
Combinationskante von (lOll) : (2243) geneigt verlaufenden Streifung 
bedeckt (cf. Fig. 2). 

Die Flächen des Skalenoeders l R3 } 4265 j sind schmal ent- 
wickelt, eben und glänzend. Sie treten immer nur — wie sich 
auch noch an anderen Krystallen derselben Stufe beobachten lässt 



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des Eisenglanzes und des Fahlerzes von Framont. 



169 



— auf der einen oder anderen Seite der Rhomboederfläche auf; 
indessen nicht immer in so regelmässiger Weise, dass sie einem 
Rhomboeder III. Ordnung zugehören könnten. Auch sind die 
Flächen des Skalenoeders \ R5 J 3254 1 an diesem Krystall jedes- 
mal zu beiden Seiten der Rhomboederfläche vorhanden; ebenso 
die Flächen des Skalenoeders ^ R9 j 20.16.36.27). Beide Flächen 
dieses Skalenoeders sind in der Richtung der Zone (1011) :(2243) 
stark gestreift und etwas gewölbt. Das Lichtbild ist daher eine 
feine Streifenfolge mit einigen Culminationspunkten. Die oben 
angegebene Neigung zur Rhomboederfläche ergab sich aus der 
Einstellung auf den hellsten Lichtpunkt. 

An mohreren Krystallen der Combination: 

oR . — £R . ooP2 . R . £P2 
lOOOl { . j0112| . 1 1120{ . 1 1011 ( . J 2243| 

lassen sich gut ausgebildete Flächen beobachten, welche die Kanten 
von (2243) : (0001) abstumpfen. Sie sind fast von derselben Breite, 
sowie auch von gleicher Oberflächenbesehaftenheit wie die Flächen 
von fP2j22l3j. 

Durch Messungen an einem 3£ mm hohen und 5 mm breiten 
Krystall, welcher ausser c = oR, a = ocP2, e = — *R,n = |P2 
und r = -h R auch noch i = |R3 entwickelt zeigt (Fig. 7), 
wurden diese Flächen als der Pyramide o = j P2 1 1.1.3.10 1 zu- 
gehörig erkannt. 

Die Messungen ergaben die Werthe : 

(0001 : (1.1.2.10) ss löo 3(y ; berechnet 15° 12' 

(0001) : (1011) = 57° 37' . 57" 30' 

(0001) : (1012) = 38° 9' » 38" 7' 

(1011) : (4223) = 25« 45' . 25" 58' 

(1011) : (4265) = 16« 19' . 16" 17' 

(4223) : (2243) = 57« 35' . 57» 46'. 

Sämmtliche Flächen mit Ausnahme von ocP2 J 1120 { und 
jP2 1 1. 1.2.10 j sind spiegelnd und vollkommen eben und geben in 
Folge dessen sehr gute Reflexe. 



170 J. Schweitjsek. Krystallographischc Beschreibung 



Auf der Basis oR sind 3 sehr feine Streifensysteme vorhan- 
den, die parallel der Kante (0001) : (0112) verlaufen. 

Auch — £R J 0112 { zeigt parallel dieser Kante sehr feine 
Linien. 

R 1 1011 ( ist parallel zur Kante (1011) : (2243) gestreift 
Auf den Flächen von ±P2 { 2243 J ist die vielfach erwähnte, 

zur obigen Kante geneigt verlaufende Streifung wahrzunehmen 

(cfr. Fig. 2). 

Das Skalenoeder ij R3 1 4265 1 ist nur mit einer sehr schmalen 
Fläche vorhanden. 

JP2 1 1.1.2.10) ist matt Die Neigung zur Basis konnte nur 
durch Schimmermessung bestimmt werden. Eine Streifung ist nicht 
bemerkbar. 

ooP2jll20{ ist matt und rissig, wohl in Folge der oscil- 
latorischen Uebereinanderschiebung der Flächen von *P2 |2243|, 
durch die das Prisma ohne Zweifel entstanden ist 

Einige andere Krystalle desselben Typus und auf derselben 
Stufe lassen eine lange, aber schmale Fläche beobachten, welche 
die Polkanten von — JR ) Ol 12 J gerade abstumpft (Fig. 8). Es 
sind dies die Flächen des an den Eisenglanzkrystallcn von Elba 
häufig vorhandenen positiven Rhomboeders jR 1 1014 j. Die Flächen 
sind glänzend und zeigen eine scharf niarkirtc horizontale Streifung. 
Sie kommt in gleicher Weise wie die auf den anliegenden Flächen 
von — jR J Ol 12 j vorhandene Streifung durch Alternirung mit 
oR j 0001 i zu Stande. 

Auch das Skalenoeder |R3 j 4265 { ist, wie mit der Lupe 
sichtbar wird, mit einer glänzenden Fläche, die Kante (10ll):(2243) 
abstumpfend, vorhanden. 

— £R)0112{ ist im Vergleich zu dem vorigen Krystall viel 
stärker entwickelt und zeigt eine sehr grobe horizontale Streifung. 

Diese grosstafeligen Krystalle sind also eine Combination der 
Formen : 

oR . - . <xP2 . ^,P2 . R . «R . >R3 
j0001< . |0112{.|ll20j.!2243(.|l01l| . 1 1014 1 . j 4265 1 ^ ^ 
c e a n r u i 

An mehreren Krystallcn dieser Ausbildung lagern Eisen- 



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des Eisenglanzes und des Fafalerzcs von Pramont. 



171 



glanzblättchcn schuppenartig übereinander, die eine Seheinflüehe 
bilden; letztere ist, da sie in den Zonen (lOll) : (0li2) und (1120) : 
(0001) liegt, als eine Fläche der Pyramide ijP2 zu betrachten. 

Auf dieselbe Weise werden an anderen Krystallen Schein- 
flächen erzeugt, die in den Zonen (0001) : (1120) und (1014) : (0112) 
liegen, demnach als Flüchen der Pyramide JP2 anzusehen sind. 

8. Typus, EiaenglanElinsen. 

Die zahlreichen Krystalle dieses Typus erreichen eine Grösse 
von '/t bis circa 4 mm im Durchmesser. Sie sind stark spiegelnd, 
und sitzen auf und zwischen kleinen gelblich gefärbten Dolomit- 
rhomboederchen , mit denen sie sich zum Theil gleichzeitig, zum 
Theil später ausgeschieden haben. Die Krystalle zeigen stets die 
Combi nation 

oR R *P2 

x|000l| . x » 101 1 S . x|2243( 
o r d 

so zwar, dass als vorherrschende Fläche oR j 0001 1 , daneben in 
besonderer Grösse R J 101 1 1 ausgebildet ist, während £P2 ) 2243 1 
kleiner, in Form von scharf umgrenzten Dreiecksflächen erscheint, 
wie es die Figuren 9 und 10 darstellen. 

oR } 0001 { ist nie eben, sondern immer mehr oder weniger 
stark gewölbt. Wie man unter der Lupe sieht, wird diese Wölbung 
hervorgerufen durch Alternirung nicht messbarer flacherer posi- 
tiver Rhomboeder mit der Basis. 

Die Rhomboederflächcn sind fein gestreift, parallel zur Kante 
(lOll) : (2243). Sie sind durch Unebenheiten etwas matt 

Die Flächen von fP2 j 2243| dagegen sind sehr glatt und 
stark spiegelnd. 

Sind die Krystalle dünn, was sehr häufig der Fall ist, so 
verlaufen die breiten Rhomboederflächcn ganz allmählich in die 
Wölbung der Basis oR|000lj. 

Die Flächen der Form $P2 {2243} verschwinden dann voll- 
ständig, und es resultirt eine flach linsenförmige Gestalt, deren 



172 J. Schweitzer. KryBtallographische Beschreibung 

scharfe Randkanten entsprechend der Lage der Mittelkanten des 
Rhomboeders auf- und absteigen. 

4. Typus, Eisenroaen. 

Vielfach trifft man eine Aggregirung verhältnissmässig dünner, 
aber breittafeliger, oft bis zu 5 mm im Durchmesser grosser Eisen- 
glanzkry stalle zu einem walzenförmigen Aufbau, oder die Kry- 
stalle bilden auch wohl, indem sie unregelmfissig in- und durch- 
einander wachsen, kuppenförniige Erhebungen und rosettenartige 
Gebilde. 

Die Krystalle sind begrenzt von den Flüchen der Formen: 

oR , -HR , ±P2 

xjOOülj , x|lOll| , x|2243| (Fig. 11. Taf. VI.) 
c r n 

Sehr häufig gesellten sich zu diesen noch die Flächen des 
Skalenoeders f R3 = x| 4265 1 . 

Die Krystalle unterscheiden sich von denen des 1. Typus 
dadurch, dass bei ihnen die Rhoinboederfläche R| 1011 J gegenüber 
den Flächen von , P2 J 2243 1 vorherrscht , so dass letztere ge- 
wöhnlich nur als kleine Trapeze (Fig. 11) oder als Dreiecke er- 
scheinen. 

Die Messung eines Krystalls der Stufe ergab die Winkel : 

(0001) : (2243) = 59« 45' berechnet Gl" 7' 

(2243) : (2243) = 57« 30* » 57« 46' 

(2243) : (0001) = 59» 49' » 61« 7' 

(1011 ) : (4223) = 25« 46' . 25« 58' 

(1011) : (2223) = 25» 40' • 25« 58' 

(1011) : (4265) = 15« b& . 16« 17* 

(1011) : (0001) = 57» 15' . 57« 3(y 

Die Basis ist in den seltensten Fällen eben, gewöhnlich ist 
sie gegen die Mitte hin gewölbt und gestreift, wie es bei den 
Krystallen des 1. Typus der Fall ist. An dem gemessenen Krystall 
betrug die Reflexbreite der gewölbten Basis annähernd 3°. 

Das Skalenoeder *R3 = x{4265| ist zwar sehr stark glän- 



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4 



des Eisenglanzes und des Fahlerzcs von Framont. 173 

zend, aber schmal, und liefert deshalb auch nur lichtschwache 
Reflexe. Es ist an diesem Krystall nur auf einer Seite der Rhoin- 
boederfiüche vorhanden. Die Flächen von jP2 = 1 2243 ' sind 
eben und glänzend; sie zeigen sämmtlich die gleiche Streifung 
wie die Kry stalle des 1. Typus. 

Die Flächen des Rhomboeders R = xjlOll} sind immer 
parallel der Kante (lOll) : (2243) gestreift und in demselben Sinne 
auch gewölbt Die Streifung ist häufig so stark ausgeprägt, dass 
rinnenartige Vertiefungen auf der Fläche hervorgerufen werden. 

Eine andere Stufe zeigt dieselbe Ausbildung der Krystalle. 
Sie sind jedoch sehr dünntafelig, und gleichzeitig ist durch das Vor- 
walten von oR und das Zurücktreten von R der hexagonale Um- 
riss sehr deutlich. 

Skalenoederflächen konnten nicht beobachtet werden. Die 
Krystalle sind demnach begrenzt von den Formen: 

oR , ;P2 , R 
x'OOOlJ , x|2243{ , xjlOllj (Fig. 12). 
c n r 

Abgesehen von der gewöhnlieh weniger stark gewölbten 
Basis, unterscheiden sich die Flüchen der Krystalle nicht von 
denen der vorhin beschriebenen. 

Vielfach beobachtet man, dass grössere Krystalle sich gegen- 
seitig ziemlich regelmässig nach 3 Richtungen durchsetzen 5 in ähn- 
licher Weise, wie es weiter unten näher beschrieben werden soll. 

5. Typus, Eisenglanzlamellen. 

Sehr dünne, oft in einer Richtung lang gestreckte und 
dadurch dünn lcistenförmig erscheinende Laraellen von Eisenglanz 
liegen in grosser Zahl auf einigen Stufen dichten Rotheisensteins. 
Sie sind bald mit der Basis parallel auf einander gelagert, walzen- 
förmige Gestalten bildend, bald durchkreuzen sie sich derart, 
dass es den Anschein hat, als wäre eine Zwillingsbildung nach 
R | 1011 | vorhanden. 

Auf einer Stufe durchschneiden sich grosse, dünntafelartig 
entwickelte Eisenglanzlamellen in regelmässigen Abständen von 



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174 J. Schweitzer. Krystallographische Beschreibung 



einander nach 3 Richtungen, etwa den Flächenrichtungen eines 
Rhombocders entsprechend. Nach einer approximativen Bestim- 
mung ist der Winkel , unter dem sie sich durchsetzen , annähernd 
dem der Zwillingsbildung nach R J 1011 ) entsprechenden Winkel 
gleich, und es dürfte daher diese regelmässige Anordnung wohl 
auf eine Zwillingsverwachsung nach der Rhomboederfläehe zurück- 
zuführen sein. 

Die Begrenzung der Lamellen ist unregelmässig, lappig und 
gezackt Ab und zu lassen sich an ihnen schmale Facetten von 
nicht näher zu bestimmenden Flächen beobachten. 

Die Basisfläche ist ganz flach gewölbt, nie glatt, sondern 
immer uneben höckerig, durch zahlreiche mehr oder weniger 
parallel angelagerte dünne Eiseuglanzschüppchen. 

Einzelne kleine, gut umgrenzte Laraellen von circa 1 '/i mm 
Dicke lassen die Flächen der Formen oR 1 0001 1 und \ P2 ) 2243 ( 
manchmal in Combination mit R J 101 1 { beobachten. 

An dem zur Untersuchung vorgelegenen Material konnten, 
mit Ausnahme von ocR = x j 1010 1 , sämmtliche früher beobach- 
teten Formen wiedergefunden und folgende als neu hinzugefügt 
werden : 

— R , JP2 , JR5 , JR!) , iP2 
x|011l| , x) 112.10| , x}3254| , x|20.16.5B.27| , x| 1126 j 

Es sind somit bis jetzt an dem Eisenglanz von Framont die 
Formen bekannt: 

1) c = oB = x j 0001 ( 

2) r = + R = x JlOTlj 

3) r i =— R = x joillj 

4) e = -«R = x 101121 

5) p. = J R = x 1 101-4 J 

6) n= JP2=x|2243{ 

7) tc= *P2=x!ll23| 

8) *= JP2=x|1126| 

9) o = i P2= x !112\10| 
10) i = * R3 = x 



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des Eisenglanzes und des Fahlerzes von Framout. 175 



11) ff = a 4 7 R9= x »2CU6.5Ö.27I 

12) g = j Rö = x 1 3264 1 

13) a = ooP2 = x 11120}. 

14) V b = ccR = x } 1010 * 

Diese Formen treten zu folgenden Combinationcn zusammen : 

1) oR . * P2 . R Fig. I. 2. 4. Taf. V; Fig. 12. Taf. VI. 

2) oR . J P2 . R . }R8 Fig. 3. Taf. V. 

3) oR . i P2 . R . * R3 . - R 

4) oR . R . *P2 Fig. 9. 10. Taf. V; Fig. 11. Taf. VI. 

5) oR . R . J P2 . > R3 

6) oR . - | R . ooP2 Fig. 5. Taf. V. 

7) oR . — • R . <xP2 . R . | P2 

8) oR . — ' R . ooP2 . $ P2 . R . * R3 

9) oR . — J R . ooP2 . * P2 . i P2 . R . \ RS 

Fig. 7. Taf. V. 

10) oR . ooP2 . — ±R . JP2 . £P2 . R . |R3 

11) oR . — JR . ocP2 . JP2 . R . f R3 . JR5 . 3 *-R9 

Fig. 6. Taf. V. 

12) oR . — ; R . c*P2 . R . £R . £P2 . »RS 

Fig. 8. Taf. V. 

Gewöhnlich kommt der Eisenglanz von Framont in den 
Krystallen der Combination Nr. 1 und Nr. 2 vor. Der von Rom£ DK 
l'Isle und Haüy angegebene Typus j P2 . oR wurde nicht beob- 
achtet; ebenso wenig die nach Carriere als gewöhnlich vorkom- 
mende Combination oR . , P2. Immer ist mit diesen beiden 
Formen noch das Rhomboeder -+■ R combinirt, wenn auch manch- 
mal mit nur sehr schmalen Flüchen. 

Der durch das Auftreten des Prismas ooP2 ausgezeichnete 
Typus mit der Combination Nr. 6 und den folgenden ist nur auf 
2 Stufen an sämmtlichen Krystallen vorhanden. 

Diejenigen Flächen, welche fast an allen Krystallen auf- 
treten, sind: 

oR , l P2 , -+- R. 

Die Flächen des Skalenoeders |R3 sind ziemlich häufig, 
doch ist ihr gleichzeitiges Auftreten zu beiden Seiten der Rhom- 



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176 J.Schweitzer. Krystallographische Beschreibung 

boederfläche selten. Die Flächen der Formen — jB und ocP2 
kommen stets zusammen vor. 

Die Pyramide 1 P2 wurde an 0 Krystallen des 2. Typus auf 
einer Stufe beobachtet 

Da« negative Rhomboeder — K ist sehr selten ; es konnte 
nur an 3 Krystallen des 1. Typus nachgewiesen werden. 

Auch das Rhomboeder \ R ist selten. Es erscheint nur an 
den Krystallen des 2. Typus. 

Die übrigen Formen wurden je nur einmal beobachtet 



II. Das Fahlerz von Framont. 

Obgleich die Eisenerzgruben von Framont schon seit dem 
13. Jahrhundert im Betrieb waren, scheint man auf das allerdings 
sehr untergeordnete und spärliche Vorkommen des Fahlerzes erst 
in verhältnissinässig später Zeit aufmerksam geworden zu sein. 
Aufzeichnungen über dieses Mineral finden sich in der Literatur 
nur spärlich. Meines Wissens ist es DK Billy, der zuerst im 
Jahre 1841 Uber das Vorhandensein des Fahlerzes in den Fra- 
monter Gruben berichtet. In seiner Abhandlung «Sur les mines 
de Framont et de Rothau'» beschreibt er 0 Erzgruben von Fra- 
mont und nennt darunter nur 2, welche Fahlerz «en masse ou 
eristallisü * führen. Es sind dies die beiden Gruben «la Mine de 
Grandfontaine» und «la Mine des Engins». 

Als einer der ersten, welcher das Framonter Fahlerz ein- 
gehender und auch krystallographiseh untersucht hat, ist wohl 
Cakrieue zu nennen. In einer im Jahre 1850 erschienenen Arbeit 
«Recherche« sur la miueralogie des gites metalliferes de Framont 1 » 
sagt nämlich dieser Autor Uber das dortige Vorkommen: «Le mi- 
neral n'a ete rencontre jusqu'ici dans cette localitd- que comme une 



!. or. Billy, Sur les mines de Framont et de Rothau. L/Institut. T. IX, Paris 1841. 
2. Carbieuf, Recherches sur la Mineralogie etc. Annales de la Societe d'frnulation 
du departement des Vosges. T. VII. fipinal 1849. S. 174. 



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des Eisenglanzes und des Ftihlerzes von Framont. 



177 



veritable raretö. On l'a trouve en cristaux peu volumineux, soli- 
taires ou reunis en petit nombre dans les cavites du minerai de 
fer de la mine grise ou de Grandfontaine.» 

Die von Carrjere an den Krystallen beobachteten Formen 

sind: 

Das positive und negative Tetraeder ± ~ = x \ 11 1 { und 

x|Tll |; das positive und negative Triakistetraeder = xjll2l 

und x|Il2j, und das Rhombendodekaeder ooO |01lj. 

Der Beschreibung und Abbildung nach sind diese Formen 
in folgenden Krystallcombinationeu vorhanden: 

+ 2 , 202 

1) 2 2 (Kg. 44 k« Carr.erb. fcodri HaCy). 



jc|111| . x!ll2| 
O . 202 



ocO 



2) 2 2 (Fig. ff M CAtiMtaB. tftfkm Haüy). 

x|m| . x!ii2| . }on! 

L 0 202 rx 202 
-t~ — • H ■ cx O • — ~ — 

3) 2 2 2 (fit, 41 kti CarriERE. Mwtiqn« HaI'Y). 

x 1 1 1 1 { . x|H2j . [011 1 . xjll2| 

n , 202 O 
ocO • H • H 

4) 2 2 |f,g. 4« .«i CARRIERE). 

Ion i . x j 112 ; . x) 111 { 

n .0 202 202 

OCO • H • H — ■> • 

5) 2 2 2 (Kj. 4S M CarrikrkK 

JOli { . xjlll{ . x|H2[ . x!Tl2( 

ft L 0 202 202 0 

C) 2 ' ~2~ ' 2 * ~2 

|011{ . x|lll! . x|H2{ . xjll2| . x|THj. 



Später erwähnt auch Sauebeck in seiner Abhandlung « Ueber 
Fahlerz und seine regelmässigen Verwachsungen'» das Fahlerz- 



1. Sadebscü, lieber Fahlerz und seine regelmässigen Verwarhsungen Zeitschrift 
der deutschen geolog. Getellschafi. 1872. 



178 J. Schweitzeh. Krystallopraphiuche Beschreibung 



vorkommen von Framont Er sagt hierüber: «Die Krystalle haben 
mit denen von Schemnitz am meisten Aehnlichkeit und machen 
in der Deutung viele Schwierigkeiten, indem sie vielfach sehr 
verzerrt sind und auch die physikalischen Eigenschaften auf den 
Flächen sehr zurücktreten. Am glattesten ist das zweite Tetraeder, 
welches auch keinerlei Zeichnung hat, während das erster Stel- 

* 

lung weniger glänzt, mitunter auch ganz von \ (a : a : J a und 
dessen Abstumpfung J (a : f a : * a) verdrängt wird. Wir haben 
also hier den merkwürdigen Fall, das« das erste Tetraeder selbst 
ganz verschwinden kann, so dass sich diese Krystalle schon sehr 
denen von Schwaz in Tyrol nähern und zu diesen gewissermassen 
den Uebergang bilden.» 

Demnach sind an dem Fahlerz von Framont bis jetzt folgende 
6 Formen bekannt: 

Ö 202 „ 202 O fO 

xjllll , *;il2i , |01l| , x|II2| , x|lHi , x!233|. 

Ausser derbem Fahlerz liegen in der Sammlung des mineralo- 
gischen und petrographischen Instituts der Universität und der geolo- 
gischen Landesanstalt auch prächtige Stufen mit Fahlerzkrystallen 
von Framont. Dieselben finden sich in ihrer Mehrzahl auf Rotheisen- 
stein in Drusen aufgewachsen. Manche mehr vereinzelt auftretende 
Krystalle sind ringsum vollkommen regelmässig ausgebildet. Vor- 
wiegend jedoch sind sie zu Gruppen vereinigt, aus denen dann 
die Einzelkrystalle mit scharf ausgebildeten Ecken vorspringen. 
Vielfach sind die Krystalle verzerrt und so verwachsen, dass ihre 
Formen nicht ohne erhebliche Schwierigkeiten und nur durch 
Messungen mittelst des Reflexionsgoniometers bestimmt werden 
konnten. 

Die meisten Stufen stammen angeblich aus der Mine de 
Grandfontaine. Der Umstand indessen, dass mit wenigen Ausnahmen 
fast auf jeder Stufe die Krystalle etwas anders ausgebildet sind, 
deutet darauf hin, dass die verschiedenen Stufen entweder aus ver- 
schiedenen Gruben oder wenigstens aus verschiedenen Theilen 
derselben Gruhe herrühren, iu welchen die Krystallbildung unter 



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des Eisenglanzes und des Fahlcrzea von Framont. 



179 



abweichenden physikalischen Verhältnissen erfolgte. Für die Rich- 
tigkeit dieser Annahme spricht auch die Thatsache, dass fast auf 
jeder Stufe das Fahlerz mit anderen Mineralien vergesellschaftet ist. 

Der gewöhnlichste Begleiter ist Quarz. Derselbe kommt so- 
wohl derb als auch in kurzsäuligen Krystallen der Combination 
ooR . -+- R . — R = xt|1010! . {lOllJ . |Olll| vor. Grössten- 
theils fand seine Bildung gleichzeitig mit der des Fahlerzes statt, 
nie später. Dasselbe gilt auch von der Mehrzahl der andern be- 
gleitenden Mineralien, von dem Schwerspath, Eisenkies und Eisen- 
glanz. Die beiden ersteren sind stets derb, während der Eisenglanz 
in feinen Schüppchen als Eisenrahm und Eisenglimmer oder auch 
in hexagonalen Täfelchen krystallisirt sich vorfindet Am seltensten 
scheint als begleitendes Mineral der Flussspath zu sein. Er wurde 
nur auf einer Stufe in wasserklaren Hexaedern, welche auf Fahl- 
erzkrystallen aufsitzen, beobachtet Durch diese Art des Vorkommens 
ist seine spätere Bildung bewiesen. 

Die Fahlerzkrystalle von Framont erregen bei dem Krvstal- 
lographen ein ganz besonderes Interesse, da sie nicht durchweg 
den einförmigen tetraedrischen Habitus zur Schau tragen — wie 
dies z. B. bei denen von Markirch der Fall ist, — sondern durch 
die Combination gleich stark ausgebildeter positiver und negativer 
Formen alle Uebergänge vom ausgesprochensten Hernieder bis 
zum vollendetsten Holoeder beobachten lassen. Man kann sie nach 
ihrer krystallographischen Ausbildung in 5 Haupttypen trennen, 
nämlich in : 

1) Krystalle von tetraedrischem Habitus, bei welchen das 
Tetraeder gegenüber allen andern Formen vorwaltet; 

2) Krystalle von trigondodekaedrischem Habitus; das Triakis- 
tetraeder herrscht den andern Formen gegenüber vor; 

3) Krystalle von holoedrischem Habitus, charakterisirt durch 
das Dominiren der Flächen des Rhombendodekaeders; 

4) Krystalle von ebenfalls holoedrischem Habitus, begrenzt 
vom Ikositetraeder, das durch die gleich starke Ausbil- 
dung der Flächen des positiven und negativen Triakis- 
tetraeders entstanden ist; 



180 J. Schweitzer. Krystallographische Beischrcibuug 



5) Krystalle, deren Habitus durch die Combination der Formen 
des Rhombendodekaeders und Triakistetraeders bestimmt 
wird, wobei die Flächen beider Formen im Gleichgewicht 
entwickelt sind. 



L Typns. 

Dieser Typus ist durch das Vorherrschen des positiven Te- 
traeders gegenüber den andern die Krystallo begrenzenden Formen 
charakterisirt Es liegen mehrere Stufen vor, welche solche Kry- 
stalle zeigen. 

Die erste Stufe ist ein Gangstück, welches au6 Gangart, 
Eisenkies, zum Theil in Verwachsung mit derbem Fahlerz, Fluss- 
spath und etwas erdigem Rotheisenerz besteht Auf einer Seite 
sitzen in einer Druse neben und unter wasserhellen grossen Fluss- 
»pathwürfeln, die an einigen Stellen dünne Lamellen von Eisenkies 
eingelagert enthalten, zahlreiche kleine Kryställchen von Fahlerz, 
die vielfach bunt angelaufen sind und an einigen Stellen auch 
einen allerdings nur sehr dünnen Kupferkiesüberzug zu tragen 
scheinen. 

Die Krystalle, die zum Theil eine Länge bis zu 2 mm in 
der Tetraederkante erreichen, sind meistens zu Gruppen von 3 — 10 
Stück unregelraässig verwachsen. Mit dem positiven Tetraeder sind 
noch andere Formen corabinirt, so dass man verschiedene Unter- 
abtheilungen innerhalb dieses Typus machen kann. 

Was die Unterscheidung positiver und negativer Formen an- 
betrifft, so ist zu bemerken, dass dieselben nach den von Sadebeck 
aufgestellten Vorschriften bestimmt wurden. Danach sind die Flä- 
chen des positiven Tetraeders zwar glänzend, aber nie glatt, sondern 
immer gestreift und zwar in der Richtung der Tetraederkanten. 
Die Flächen des negativen Tetraeders dagegen sind glänzender 
und zeigen keinerlei Streifung. Allerdings bieten die Krystalle 
von Framont speziell in der Deutung ihrer Formen viele Schwie- 
rigkeiten, da in vielen Fällen diese charakteristischen Merkmale 
nicht vorhanden sind. 



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des Eisenglanzes und des Fablerzcs von Framont. 



181 



Bei diesem ersten Typus ist das positive Tetraeder dem 
negativen gegenüber im Allgemeinen durch grössere Ausbildung 
seiner Flächen, durch einen weniger starken Glanz und vielfach 
noch durch die den Kanten parallele Streifung charakterisirt. Auch 
sind an den Krystallen stets die Flächen des positiven Triakis- 
tetracders gegenüber denen des negativen an Grösse Uberlegen, 
so dass letztere Eigentümlichkeit am bequemsten die Orientirung 
unserer Fahlerzkrystalle ermöglichte. 

Auf der ersten Stufe wurden folgende Combinationcn be 
obachtet : 

O 202 
1) 2 2 (Fig. 1). 

x|m| . xjii2j 

o n 

Hierher gehören die einfachsten Krystalle von Framont, von 
denen nur 5 und nur auf dieser Stufe beobachtet wurden. Das 

Triakistetraeder + ^ x>112| ist in sehr schmalen Flächen, 
die Kanten des Tetraeders zuschärfend, vorhanden (Fig. 1, Taf. VI). 
Die Flächen dieser beiden Formen sind vollkommen eben und 
zeigen ausser den oben erwähnten Eigenschaften keine weiteren 
Merkmale. 

O 202 202 

2) + 2 * 2 2 (Fig. 2). 

x!lll| . x|H2| . xj 112! 
o n n' 

Auch an den so entwickelten Krystallen sind die Flächen 

von -h^p nur sehr schmal ausgebildet vorhanden, während das 

202 

die Tetraederecken dreiflächig abstumpfende Triakistetraeder |- 

verhältnissmässig gross entwickelt ist 

0 202 rt 202 

3) ' T " °° 0 ' 2~ (Fig. 3). 

x|lll| . x|H2| . |01lj . x|H2| 
o n d n 



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182 J. Schweitzer. Kryetallographische Beschreibung 

Diese Combination ist an der Mehrzahl der Krystalle vor- 
handen. Zuweilen treten Flächen auf, welche in der Zone der 
Rhombcndodekaederfläche (011) zur Triakistetraederfläche (1 12) zu 
liegen scheinen und die Gestalt eines Trapezoides besitzen. Sie 
liegen symmetrisch zu beiden Seiten der Triakistetracderkante 

902 202 
-+-— und Uberragen die Flächen von ocO und — wenigstens 

zum Theil an Grösse. Da die Krystalle wegen ihrer versteckten 
Lage der Messung nicht zugänglich sind, konnten diese Flächen 
nicht mit Sicherheit bestimmt werden. Aller Wahrscheinlichkeit 
nach dürften sie dem Pyramidenwürfel a03 } 103 J angehören, 
der durch Berechnung und Messung an anderen Krystallen von 
demselben Typus nachgewiesen wurde. An anderen Krystallen von 
der Ausbildung der Fig. 3 sind Flächen vorhanden, die in der 
Zone (112): (001) liegen, also augenscheinlich einem negativen 
Triakistetracder angehören; auch hier konnten diese Flächen nicht 
genau bestimmt werden, da die Krystalle durch die Verwachsung 
mit andern, sowie durch die ungünstige Lage auf der Stufe der 
Messung unzugänglich sind. Wenn ein negatives Triakistetraeder 
roOm 

g — wirklich vorliegt, so ist, der Lage der Flächen nach zu 

urtheilen, m jedenfalls grösser als 2. 

Die Krystalle einer zweiten Stufe (St. S. 2443) erinnern in ihrer 
Ausbildungsweise lebhaft an die eben beschriebenen. Sie sitzen 
ebenfalls gruppenweise in Drusen auf einer dichten, zum Theil von 
Rotheisenstein überzogenen Grauwacke. Die Krystalle sind aber 
viel grösser; auch sind die Flächen der negativen Hernieder grösser 
und deutlicher entwickelt, und vor allem sind sie durch die freiere 
Lage der Messung zugänglich. Sie zeigen bei vorherrschendem 
positiven Tetraeder die Combination: 

O 202 n 202 fta 

+ _ • -h— • ooO • —y • »03 ^ 4 ), 

x|lllj . x|H2| . JOllJ . x!Ü2! . J 103 J 



o 



d n' f 



An einigen Krystallen dieser Ausbildung tritt auch noch der 
Würfel ooOoo hinzu mit einer zwar schmalen, jedoch stark glän- 



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des EisenglatizcB und dea Fahlerzes von Framont. 183 

zenden Flüche. Einzelne Krystalle zeigen lebhaft blaue, rothc und 
grüne Anlauffarben. 

Die Flächen der negativen Hernieder besitzen auch hier 
einen lebhafteren Glanz als die der positiven. 

Ein Krystall zeigt auf der Tetraederfläehe ganz regelmassig 
die Streifung parallel den Tetraederkanten Uber die ganze Fläche 
hin scharf ausgeprägt. Ebenso ist auf mehreren Flächen des posi- 
tiven Triakistetraeders eine schräg verlaufende feine Streifung 

202 

bemerkbar, die anscheinend der Combinationskante von H — ^- 

mit oc03 parallel verläuft. Die Flächen von <x03 sind selten 
vollzählig zu beiden Seiten der Triakistetraederkantc vorhanden. 
Gewöhnlich ist nur eine Fläche gross entwickelt, von der Gestalt, 
wie sie Fig. 4 wiedergibt; die symmetrisch liegende ist stark redu- 
zirt oder fehlt ganz. Ihre Lage und Form ist ähnlich wie die 
der Pyramidenwürfelflächen, welche an den oben erwähnten Kry- 
stallen der ersten Stufe beobachtet wurden, aber nicht näher be- 
stimmt werden konnten. Eine Messung in der Zone (101) : (112) 
an einem Krystall, dessen glänzende Flächen gute Reflexe lieferten, 
ergab für den Winkel (112) : (103) den Werth 25° 12', welcher 
von dem berechneten Werthe von 25° 21' nur um 9' abweicht 

Diesem Typus gehört ferner ein Krystall (St. S. 2446) zu, wel- 
ches in der Kante (112) : (111) circa 8 mm misst. Mit einer Tctraedor- 
ecke sitzt er auf dichtem Rotheisenstein und ist in der Richtung der 
trigonalcn Axe sehr stark verkürzt. Es ist nur die zu dieser Axe 
senkrechte Tetraederfläche regelmässig ausgebildet, und alle an- 
dern Flächen sind so verzerrt, dass sie nur mittelst Messung be- 
stimmt werden konnten. 

Das Krystall zeigt die Combination: 

O ,202 n 202 
2 2 2 

*|111| . k|U2| . |011| . k|IT2| 

o n d n' 

Auf der gross entwickelten Tetraederfläche erhebt sich an der 
einen Ecke eine wohl ausgebildete dreiseitige Pyramide, deren 
Basiskante etwa 3 mm lang ist (vergl. Fig. 5). 



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181 J. Schweitzer. KrystAllographische Beschreibung 



Der Winkel, unter dem die vollkommen ebenen, stark glän- 
zenden Flächen dieser Pyramide gegen einander geneigt sind, 
beträgt 2° 20'/,'. Danach würde die Form dem positiven Trigon- 

dodekaeder r = -f- 10 ^ = x 1 20.20.21 J entsprechen, fllr welches 

der berechnete Werth 2° 18' beträgt. Die Kanten dieses Trigon- 

dodekaeders werden selbst wieder gerade abgestumpft durch 

410 

Flächen, die dem Deltoiddodckaeder a = -h^- x ) 40.40.41 j zu- 

gohören. Besonders eine dieser Flächen ist ziemlich breit entwickelt 
und zeigt parallel zur Kante (III) : (41.41.40) eine deutliche Strei- 
fung, während die Pyramidenflächen eine sehr feine, aber scharfe 
Streifung parallel zu den Tetraederkanten aufweisen. Aehnliche 
pyramidale Erhebungen finden sich auch noch auf den positiven 
Tetraederflächen anderer Krystalle; die Streifung ist indessen in 
der Regel so stark ausgeprägt, dass das Ketlcxbild sich als ein 
Lichtstreifen darstellt und eine genaue Messung dadurch verhin- 
dert wird. 

Hierher gehört schliesslich auch ein etwa 5 mm grosser, 
ringsum ausgebildeter, sehr schöner Krystall, wohl der schönste 
und regelmässigste von diesem Typus, der mir vorgelegen hat 
(Fig. 6). Er sitzt mit einer Tetraederecke auf Rotheisenstein und 
ist umgeben von wasserhellen kurzsäuligen Quarzkry stallen, die 
sich anscheinend gleichzeitig mit dem Fahlerz ausgeschieden haben. 
Ein weiteres begleitendes Mineral, das sich namentlich in den 
Höhlungen der Stufe festgesetzt hat, ist der dünntaflige Eisenglanz. 

Das positive Tetraeder o = -h^ besitzt lebhaft glänzende 

Flächen, welche eine feine Streifung parallel den Tetraederkanten 
tragen. Die nächst grösser entwickelte Form ist das negative Te- 
traeder o' = — j xjlllf, dessen Flächen stark glänzend siud 

und keine Streifung erkennen lassen. Kleiner als und — 

aber unter sich gleich gross entwickelt, sind die Flächen von 
202 

n— -f- — - x}l!2j und d = OoOjOllj« Auf ihnen ist cino 



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des Eisenglanzes und des Fahlerzes von Framout. 



185 



zwar feine, aber gut erkennbare Streifung wahrnehmbar. Jene auf 

202 . O 

verläuft parallel der Combinationskante mit -r-^r; die auf 

ooO geht parallel der längeren Diagonale. Es ist somit nach 
Sadebeck qoO als positiv oder als Form erster Stellung zu deuten. 
Die Kanten des Rhombendodekaeders werden durch Flächen von 

u' = g- x ( IIS j abgestumpft Dieselben sind stark glänzend 

und lassen keinerlei Streifung wahrnehmen. 



2. Typus. 

Nächst den eben besprochenen Krystallen des ersten Typus 
sind am häuHgstcn solche Kry stalle, bei welchen an Stelle des 

202 

positiven Tetraeders das positive Triakistetraeder -l — g- xjll2j 

202 

getreten ist. Nur selten erscheint noch in Combination mit H- - ^ 

das positive Tetraeder und dann nur immer untergeordnet als 
kleine dreieckige Fläche, welche die stumpfen Ecken jener Form 
gerade abstumpft. Die Flächen beider Hernieder sind immer matt 
und gewöhnlich durch einen dünnen Ueberzug von Oxydations- 
produkten schmutzig schwarz; von einer Streifung ist nichts zu 
bemerken. 

202 

Durchweg tritt mit h — — in Combination das Rhomben- 
dodekaeder, das, wie auch immer der Krystall verzerrt sein mag, 
auf den ersten Blick an der regelmässig vorhandenen, stets gut 
ausgeprägten zarten Streifung parallel zur langen Diagonale der 
Rhombenfläche erkennbar ist. Diese charakteristische Eigenschaft 
konnte oftmals bei der Bestimmung verzerrter Krystalle mit sicherm 
Erfolg zum Ausgangspunkt genommen werden. Ob diese Streifung 
hervorgerufen wird durch alternirende Combination von ooO mit 

-h — oder mit — - oder mit einem negativen Deltoiddodekaeder 

— -^p , kann mit Bestimmtheit nicht entschieden werden. Wahr- 
scheinlich durfte sie jedoch auf die Alternirung mit negativen 



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186 J. Schweitzer. Krystallographische Beschreibung. 



Deltoiddodekaedern zurückzuführen sein, da auch an zwei weiter 
unten beschriebenen Krystallen diese Formen mit dem Rhomben- 
dodekaeder in Combination stehen. 

Weitere an den Krystallen fast nie fehlende Formen sind 

die negativen Hernieder — xjll2| und — ^ x| ■ 

Diese sowohl als das Rhombendodekaeder sind viel glän- 
zender als die positiven Hernieder. Namentlich ist dies bei dem 
negativen Triakistetraeder der Fall, das immer nur in schmalen 
und für gewöhnlich sehr gut ausgebildeten Flächen, die Kanten 
von ocO gerade abstumpfend, vorhanden ist. 

Mehrere Stufen der Universitätssammlung tragen zum Theil 
prachtvolle, ringsum gut ausgebildete Krystalle von diesem Typus, 
den Carriere merkwürdigerweise nicht beobachtet hat. So ge- 
hören hieher z. B. sämmtliche Krystalle einer Stufe (St S. 2448), 
welche, auf einer aus Quarzstücken bestehenden Gangart aufsitzend, 
gleichzeitig mit wasserhellen Quarzkrystallen zur Ausscheidung ge- 
langten. Sie erreichen eine Kantenlänge von etwa 2'/, mm. 

An einigen Krystallcn sind dio Ecken des Triakistetraeders 

-f-^p = x|ll2|, das stets sehr regelmässig ausgebildet ist, 
mehr oder weniger stark modificirt durch das Rhombendodekaeder 
ooO )01lj und das negative Tetraeder — — = xjTllj. Die 

Flächen des letzten Hemieders ti-eten gegenüber dem Rhomben- 
dadekaeder oft sehr in den Vordergrund. ooO ist dann nur noch 
mit kleinen glänzenden Dreiecken entwickelt 

An anderen Krystallen tritt mit den eben genannten Formen 

noch in Combination der negative Hälftflächner — = x}ll2~|. 

Seine Flächen sind, der jeweiligen Ausbildung des Rhomben- 
dodekaeders, beziehungsweise des Gegentetraeders entsprechend, 
bald als kleine Dreiecke, bald als schmale nach einer Richtung 
stark verlängerte Fünfecke entwickelt Während die Flächen des 
positiven Triakistetraeders matt und glanzlos sind, erscheinen die 
der negativen Hernieder, sowie des Rbombendodekaeders sämmtlich 
lebhaft glänzend. Die Rhombendodekaederflächen lassen die er- 



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des Eisenglanzes und des Fahlerzes von Framont. 



187 



wähnte Diagonalstreifung erkennen; sie sind gewöhnlich etwas 
verzerrt, mehr oder weniger uneben. 

Denselben Habitus zeigen einige bis zu 4 mm grosse Kry- 
stalle, die, zum Theil in blättrigen Schwerspath eingebettet, auf 
Rotheisenstein (L. A. Nr. 1541) sitzen. Sie gehören der Combiuation 

202 A 0 202 
_l_ - — - . ooO • — — • — 

, 2 , „£. (Fig. 7, Tat. VII) an, 

x|ll2| . J 011 J . k\UT\ . x)ll*{ 6 
u d ./ n' 

zeigen aber noch das positive Tetraeder -+- ~ = x J 1 1 1 j und ausser- 

dem theils das negative Deltoiddodekaeder — — = xj 11.11.2 (, 

70 

theils das Deltoiddodekaeder —— = x 1 7.7.1 {. Die Flächen von 

4-^-^ sind scharf umgrenzt, vollkommen eben und matt 

Das positive Tetraeder ist eine kleine matte Fläche, während 
das negative Tetraeder gross entwickelt ist, stark spiegelt und, 
ohne jede Streifung, vollkommen glatt erscheint 

Die Flächen des Rhombendodekaeders sind viel stärker ent- 
wickelt als an den bis jetzt beobachteten Krystallen. Sie sind in 
der Richtung der grossen Diagonale gestreift und zwar anscheinend 
in Folge einer Alternirung mit dem negativen Deltoiddodekaeder 

- y bezw - - Y 

Die letztgenannten Formen besitzen zwar nur schmale, aber 
gut ausgebildete spiegelnde Flächen, welche die Kanten von 
(Iii) : (101) abstumpfen. 

"0 

Die erstere Form — J — berechnete sich aus dem Winkel 

m 

von (111) : (11.2.11), der bei gutem Reflex der Flächen zu 27°55' 
gefunden wurde (berechnet 27°56'). 

Die Neigungen von (111) : (7l7) betrug bei weniger deut- 
lichem Reflex der letztern Fläche 29»35' (berechnet 29°30'). 

Die Kanten des Rhombendodekaeders sind immer nur schmal 



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18b J. Schweitzer. Krystallo^raphische Beschreibung 



abgestumpft durch das negative Triakistetracder — — = x|112{, 

dessen Flächen stark glänzen und vollkommen eben erscheinen. 

Hierher gehört ferner ein in der Tetraederkante 6 mm grosser 
Krystall, der auf derbem Fahlcrz aufgewachsen und mit mehreren 
andern Krystallen unregelmässig verbunden ist (St S. 2442). Er ragt 
nur mit denjenigen Flächen aus der Krystallgruppe hervor, welche 
in der Fig. 8 durch die Linie A, B, CS, D, E begrenzt sind. Zudem 
ist er noch sehr stark verzerrt, und konnte deshalb nur auf Grund 
mehrerer Messungen seine Ausbildung bestimmt werden. Der 
Krystall ist aber insofern interessant, als an ihm ausser 

202 rt 202 O 0 

+ T' 0C ° ' ~~2 ' + 2 ' " 2 

x|H2j , |011| , x|U2i , x|lll| , ie|TIf| 
n d n' o o' 

noch zwei weitere Formen auftreten. Die eine ist das für das 

Fahlerz von Framont neue, von Klein' zuerst an dem Fahlerz von 

404 t i 

Horhausen bestimmte Triakistetraeder x = -h — = x|411|. 

Die andere ist das Deltoiddodekaeder w = *® = x j 233 { , 

welches bereits von Sadebeck am Fahlerz von Framont beobachtet 
wurde. Letztere Form ist nur mit einer Fläche vorhanden, welche 
die Kante (112) : (211) schmal abstumpft, und ist parallel zu dieser 
Kante fein gestreift. Die Neigung der Deltoiddodekaederfläche zu 
den anliegenden Triakistetraederflächen wurde gemessen zu IT 0 !' 
bezw. 1G»3(>', während der berechnete Winkel 16°46'/,' beträgt 
404 

Die Form H ~- erscheint mit zwei in einer Kante sich 

schneidenden schmalen Flächen, die parallel der Kante gestreift 
sind. Der Winkel zwischen denselben wurde zu 39°5' bestimmt, 
statt des berechneten von 38°56'//. Ferner ergaben sich für die 
Winkel (114) : (112) und (114) : (112) die Werthe von lä^tf bezw. 
lö 0 ^, statt der berechneten Neigung von 16°48'. 



I. Kleii. das Fahim von Horhausen. — Jahrbuch für Mineralogie 1871. 



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de« Eisenglaiues uud des Fahlersca von Framont. 



189 



Auf den Flächen des Rhombendodekaeders lässt sich eine 
feine Streifung nach zwei Richtungen beobachten, nämlich parallel 
zu den Seiten der RhombenHächen. Das Rhombendodekaeder würde 
also nach Sadebeck als negativ oder als Form 2. Stellung zu 
betrachten sein. 

Die sehr gross entwickelte, verzerrte Triakistetracderfläehe 
202 

-h -g- ist von vielfach hin- und hergewundenen Streifen bedeckt, 

die wohl durch ungleich rasches Fortwachsen der Flüche ver- 
anlasst worden sind. 

Dem 2. Typus können ebenfalls noch mehrere bis zu 5 mm 
grosse regelmässig ausgebildete Krystalle einer Stufe (St. S. 2063) 
angereiht werden. Sie sind zwar, wie die vorher betrachteten 
Krystalle, begrenzt von den Formen: 

202 _ O 202 O 
+ _ , ocO , _~ , , + - 

ie|U2| , {0U| > >e|in|» . m|1U|, 

doch gelangt der triakistetraedrische Habitus mehr zur Geltung. 
Bei den meisten sind die negativen Hernieder, sowie das Rhom- 
bendodekaeder nur klein entwickelt Die spiegelnden Flächen 
der letztern Form stechen deutlich ab von den matten Flächen 
des positiven Triakistetraeders und des etwa vorhandenen positiven 
Tetraeders. 

An einigen Krystallen der gleichen Stufe kann man beob- 
achten, wie das Rhombendodekaeder sich auf Kosten des positiven 
Triakistetraeders stärker entfaltet und schliesslich entweder ebenso 
gross oder sogar noch grösser entwickelt ist. Man kann solche 
Krystalle als Uebcrgänge von dem 2. Typus zu den unten be- 
schriebenen Typen ansehen. 

8. Typus. 

Die hierher gehörigen Krystalle unterscheiden sich von den 
beiden vorherbeschriebenen Typen durch das Zurücktreten der 

Flächen des positiven Tetraeders + ~ = x J 1 1 1 | und Triakistetra- 



190 J. Schweiteer. Krystallographische Beschreibung; 



cders H — ^— = x| 112 1 gegenüber denen des Rhoinbendodekaeders 

ccO = ! Ol 1 { . Das weit überwiegende Vorherrschen letzterer Form 
verleiht den Krystallen das holoedrische Anssehen des Granato- 
eders. 

Fahlerze, die sich in dieser Krystallisationswcise präsentirten, 
pflegte man früher als eine besondere Varietät unter dem Namen 
Tennantit zusammenzufassen. Nun lassen die Krystalle der vorhin 
erwähnten Stufe, die in ihrer Mehrzahl dem 1. Typus zugehören, 
ganz allmählich den Uebergang vom 2. Typus zum 3. beobachten. 
Man sieht nämlich an verschiedenen Individuen, wie die hellglän- 
zenden Flächen des Rhombendodekaeders auf Kosten der matten 
Flächen des positiven Triakistetraeders immer grösser und grösser 
werden, bis letztere Form schliesslich nur noch in schmalen, die 
Kanten des Rhombendodekaeders gerade abstumpfenden Flächen 
vorhanden ist. 

Die Flächen des positiven Triakistetraeders, sowie des etwa 
vorhandenen positiven Tetraeders können indessen leicht von 
denen ihrer negativen Gegcnhemieder unterschieden werden, da 
letzteren durchweg ein frischeres Aussehen und ein lebhafterer 
Glanz anhaftet. In ihrem Gesammtaussehen und in der Farbe, die 
auf den Bruchflächen beobachtet werden kann, unterscheiden sich 
jedoch diese Krystalle nicht von denen anderer Typen. Ein 
Grund, für sie eine andere chemische Zusammensetzung anzu- 
nehmen und sie zu den arsenhaltenden Tennantiten zu zählen, 
liegt daher nicht vor. 

Gegen 10 zierliche Kryställchen auf der oben erwähnten 
Stufe (St. S. 20G3) zeigen diese granatoedrische Ausbildung; na- 
mentlich aber ein etwa 1 '/t mm grosser, ringsum gut ausgebildeter, 
blau und gelb angelaufener Krystall. Mit einer Rhombendodeka- 
ederfläche aufsitzend, ist er eine Combination der Formen : 

rt O 202 202 O 
ccO , , + - (Fig>9) 

)011| , x}TlF| , x|H2j , x|ll2| i xjlll} 
d o' n n' o 



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des Eisenglanzes und des Fahlerzes von Pramont. 



191 



Von einer Streifung auf ocO ist bei diesem Krystall nichts 
zu beobachten. 

Das positive und negative Triakistetraeder sind annähernd 
gleich stark ausgebildet. 

Während — j = x|IH{ ziemlich grossflächig auftritt, ist 

= xllllj nur in kleinen dreieckigen Flächen vorhanden. 

Andere Krystalle von diesem Typus und zwar die Mohrzahl, 
sind von denselben Formen begrenzt und zeigen zum Theil die 
Streifung parallel zur längern Diagonale; jedoch waltet bei den- 

2Q9 

selben das positive Triakistetraeder ~ t ~ ! -cp = x ) 112 { dem Gegen- 
hemieder g- = x } T 12 j gegenüber immer etwas vor. Interes- 
sant ist, das« das negative Tetraeder — jr = x}lll! stets mit 

grossen Flächen erscheint, während das positive gewöhnlich fehlt 
oder, wenn es auftritt, nur als kleine Dreiecksfläche ausgebildet ist. 

Dieser Typus ist ausserdem noch auf einer Stufe durch einen 
allerdings nicht scharf ausgebildeten Krystall vertreten; S'^rain 
gross, sitzt er mit einer vierkantigen Ecke des Rhombendodeka- 
eders auf Rotheisenstein auf. Die Kanten des Rhombendodeka- 
eders d = ocO |011| sind insofern ungleich abgestumpft, als die 

202 

Flächen des positiven Triakistetraeders n = H — g- = x|ll2j 

202 

breiter entwickelt sind als die seines Gegenhemieders n' = =- 

x|ll2|. 

Das positive Tetraeder ist nicht vorhanden, dagegen tritt das 
negative Tetraeder mit einer ziemlich grossen, stark glänzenden 
Fläche auf. 

Ebenfalls gross ausgebildet ist an diesem Krystall der sonst 
an den Fahlerzen von Framont sehr selten vorhandene Würfel ; 
allerdings ist er uur an der obem Ecke deutlich erkennbar. 

Mit Ausnahme der Wttrfelfläche und der des negativen Te- 
traeders sind sämmtltche Flächen stark corrodirt ; auch die Kanten 
des Krystalls sind nicht ganz intakt geblieben (Fig. 10). 



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192 J. Schweitzer. Kryutallographiacbe Beschreibung 



4. Typus. 

Zwischen den beiden Typen 2 und 3, bei denen einerseits 
202 

das Triakistetraeder -f- = x Jll2|, andererseits das Rhom- 
bendodekaeder ocO = »011 1 jeweilig vorherrscht, steht in der 
Mitte der Typus 4. Er ist dadurch charakterisirt , dass das 
202 

Triakistetraeder H — g- = x|ll2| mit dem Rhombendodekaeder 

00O } Ol 1 } im Gleichgewicht steht. Diesen Typus zeigen etwa 
10 Krystalle der bereits oben erwähnten Stufe (St S. 2063), welche 
sowohl Vertreter des 2. als auch des 3. Typus aufweist Ganz all- 
mähliche Uebergänge von diesen beiden Typen zu dem 4. lassen 
sich vielfach beobachten. Die Krystalle zeigen folgende Com- 
bination : 

rt 202 202 <) mi ., , . O 

OoO • H — ~, • r- • — — zumTheil noch mit -f- — t - „ 

4 2 2 2 (ftg U). 

jOll j . xj 112| . x|Tl2| . x|TTT| » . » x|lll| 
d n n' o' o 

Die Beschaffenheit der Krystallflächen ist vollständig die 
gleiche wie bei dem 2. und 3. Typus. 



5. Typus. 

Die Krystalle dieses Typus sitzen ebenfalls auf der schon 
mehrfach erwähnten Stufe (St. S. 20G3), unter Quarz, Schwerspath und 
Eisenglanzschüppchen. Sie haben das Aussehen eines holoedrischen 
Ikositetraeders 202 |ll2j, welches mit dem Rhombendodekaeder 
ooO } 011 J combinirt ist. Die 3 Formen 




> ocO 



x|112| , x|Il2| , |011| 
n n' d 

sind etwa im Gleichgewicht ausgebildet Gewöhnlich findet sich 
auf den Flächen von ocO die bekannte Diagonalstreifung. 



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des Eisenglanzes und des Fahlerze« von Framont. 



193 



An einem etwa 4 mm grossen Krystall der gleichen Stufe 

tritt ausser obigen Formen noeh das negative Tetraeder C = -f 

= x)TIT| mit grosser, hellglänzender Fläche auf. Sie hat an- 
nähernd die Form des regulären Sechsecks (Fig. 12). Die Flächen 
des Krystalls sind sämmtlich tadellos ausgebildet und stark glänzend. 



Durch die vorstehende Untersuchung konnten zu den 6chon 
am Fahlerz von Framont bekannten Formen folgende als neue 
hinzugefügt werden: 

ft9 n 404 70 
oc03 » coOoo , h — — , — i ~ ' 

x|oi3| i *!ooi| , x|ii4| , *|177| , x|2.n.n|, 

2 2 
x| 20.20.21 1 , x j 40.41.41 { , 

so dass bis jetzt an dem Fahlerz von Framont bekannt sind: 

O 

= + ? 
O 

~" 2 

202 
~ + 2 

202 
~ 2 

= ocO 

|0 
~ 2 

= «03 

— ooOao 

404 
~~ 2 

10 
2 



1)0 = 


x{Hli 


2)o' = 


*|HI| 


3)n = 


x|H2| 


4)n' = 


xtlT2j 


5)d mm 


x|01lj 


6) w = 


x | 223 { 


7)f = 


x|013| 


8)a = 


x|00l| 


9)k = 


x|H4| 


10)5 = 





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194 J. Schweitzer. Krystallographische Beschreibung 

11) v = x|2.n.n| = 

12) t = x| 20.20.21 ! = -h^" 

13) 0 - icj 40.41.41 1 = 2?2 

Ausserdem ist noch ein unbestimmtes — m ^' n (in > 2) Seite 182 



erwähnt worden. 






• 


Diese 


Formon treten 


zu folgenden Combinationen zusammen 


i) 4 • 


202 
+ 2 






rig. l Hl. iL 


»4- 


202 
+ 2 


202 
2 


rig. L IU. fl. 


3, 4. 


202 
+ 2 


• ooO 


202 

i ■ 

2 


tt_ • ir.f ri 


4) 4- 


0 
2 


202 


202 
■ ocO • 2 


Fig. 6. Taf. fl. 


5)4- 


202 
+ 2 


ooO 


• 7-0C03 


Rg. 4. Itt TL 


* 4- 


202 


• ooO ■ 


— — • x03 • ooOoo 




71 i-° 4. 202 


ooO • — 


2^2 2 


Rg. 5. Taf. TL 




• oo 0 


0 


202 


7. Taf. TD. 


2 ' 


2 




• ooO 


0 
~2 ' 


202 0 
2 ^2 




,0) + 2 f 


• OcO ■ 


0 

— — - — • _ 

2 


202 0 70 
2 + 2 2 




u) + 2 f 


• ooO • 


0 

2 


202 0 «±0 
2 '2 2 




12) + 2 f 


• oo 0 • 


0 
2 


202 . O . 404 . f 0 
2 1 2 1 2 2 


Rg. 8. Taf. TD. 


13) ooO • - 


0 

'2' + 


202 
2 


202 0 
. _i — 

2 ^2 


Rg. 9. Tat TD. 



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des Eisenglanzes und des Fahlerzes von Framont. 195 

14) »0 • -| • ■ -^y ' 00000 ,0 * T,f * 

Bj.ILW.fn. 

% B. w. ra. 



Das positive Triakistetraeder ist ausnahmslos an allen Kry- 
stallen vorhanden. Nächst diesem sind die Flächen des negativen 
Triakistetraeders, sowie des Rhombendodekaeders die häufigsten. 
Sie fehlen bloss an wenigen Krystallen. 

Die beiden Tetraeder dürften gleioh oft vertreten sein. In 
wenigen Fällen sind sie jedoch zugleich an ein und demselben 
Krystall vorhanden. 

Das negative Tetraeder fehlt weitaus den meisten Krystallen 
des 1. Typus. Dagegen ist an den Krystallen der andern Typen 
das positive Tetraeder selten und nur ganz untergeordnet vor- 
handen, während das negative Tetraeder stets und zuweilen sehr 
grossflächig auftritt. 

Der Pyramidcnwürfel ao03 J013( erscheint verhältnissnjäs- 
sig häufig; ungleich seltener ist der Würfel. 

Die übrigen Formen wurden je nur einmal beobachtet. 



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196 



Chemische Zusammensetzung des Fahlerzes von Framont 



Zur Analyse wurde ein auf Rotheisenstein aufgewachsener 
Krystall gewählt. Derselbe wurde möglichst vollständig von seiner 
Unterlage losgelöst, von beigemengtem Eisenoxyd unter Zuhülfe- 
nahme der Lupe getrennt und fein gepulvert Das bei 100° ge- 
trocknete Pulver wog 0,576 g. Hiervon wurden O^on g zur Be- 
stimmung von Arsen, Antimon, Kupfer, Zink und Eisen angewandt, 
während 0.»706 g zur Ermittlung des Schwefelgehalts dienten. 

Arsen und Antimon wurden durch frisch bereitetes Schwefel- 
kalium von den übrigen Bestandteilen getrennt und nach der 
BuN8EN'schen Methode als As,Sj und Sb,S, bestimmt. Alles in 
Schwefelkalium Unlösliche wurde mit rauchender Salpetersäure 
oxydirt und die letztere durch Abdampfen mit verdünnter Schwe- 
felsäure vollständig vertrieben. Beim Zugeben von Wasser löste 
6ich alles bis auf etwas Eisenoxyd; schwefelsaures Blei war nicht 
vorhanden. 

Im Filtrat vom Eisenoxyd konnte mit Salzsäure kein Silber 
nachgewiesen werden. Durch Schwefelwasserstoff wurde Schwefel- 
kupfer (Cu S) gefällt und dieses im Wasserstoffstrom in Cu, S umge- 
wandelt. Das Filtrat von Cu S wurde durch Kochen von Schwefel- 
wasserstoff befreit, nach der Oxydation des Eisens mit Soda in 
der Wärme neutralisirt, und in der Kälte Eisen mit bernstein- 
saurem Natrium gefällt. In dem mit Essigsäure angesäuerten Filtrat 
fiel durch Schwefelwasserstoff Schwefelzink, welches im Wasser- 
stoffstrom zum constanten Gewicht gebracht wurde. 

Zur Bestimmung des Schwefels wurde das Mineral mit rau- 
chender Salpetersäure vollständig oxydirt und die gebildete Schwe- 
felsäure als schwefelsaures Baryum abgeschieden. 




Von 



Dr. Karl Urban in Strassburg. 




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K. Ubban. — Chemische Zusammensetzung 



197 



Von einer Bestimmung des etwa vorhandenen Quecksilbers 
wurde mit Rücksicht auf die geringe Menge der zur Verfügung 
stehenden Substanz abgesehen. 

Es wurde gefunden : 

0,00« g Fe,0, oder 0,001s g Fe,0, = 0,76% 

0,1887 » Cu,S » 0,1868 » Cu SS 42,11 » 

0,019* » Fe, O, » 0,oiM » Fe = 4,60 * 
0,oi86 » Zn S » 0,ou4 » Zn = 4,i» » 

0,0786 » As, S 4 » 0,0861 »As = 11,66 » 

0,0*38 » Sb, 8, » 0,0204 » Sb = 8,78 » 

0,5284 » Ba SO, » 0,07188 » S = 26,6« » 

98,69 •/, 

Nach Abzug der kleinen Menge Eisenoxyd, welche dem 
Mineralpulver beigemengt war, vom Gewicht der angewandten 
Substanz ergibt die Berechnung folgendes Resultat: 

Cu 42,48« % bezw. 43,04 % 

Fe 4,638 » » 4,70 » 



Zn 4,149 ■ » 4,8i 

A8 11,757 » » 11,93 

Sb 8,863 » » 8,98 

S 26,761 » » 27,14 



98,694 % 100,00 •/. 

Unter der Voraussetzung, dass Cu als Cu, S, Fe als Fe S, 
Zn als Zn S, As und Sb als As, S, bezw. Sb, S, im Fahlerz vor- 
handen sind, berechnen sich diejenigen Schwefelmengen, welche 
den in der Analyse gefundenen Mengen von Cu, Fe, Zn, As und 
Sb zukommen, wie folgt: 

für CU 10,689 °/ 0 

■ Fe 2,«io » 

■ Zn 2,042 » 

» As 7,52S » 

» Sb 3,483 » 

26,887 7. 

was mit den gefundenen 26,7e 7o hinreichend übereinstimmt. 



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198 



des Fahlerzes von Framont. 



Durch Division mit den Atomgewichten in die durch die 
Analyse gefundenen Procentzahlen der einzelnen Elemente findet 
man folgendes Atomverhältniss : 

Atomgewicht : Atomverhältniss : 



Cu 


42,** •/• 


63, 5 


0,6688 


Fe 


4,638 » 


56,o 


0,08iS 


Zn 


4,149 » 


65,o 


0,0ü33 


As 


1 1,757 » 


75,o. 


0,1567 


Sb 


8,843 » 


122,o 


0,07« 


S 


26,76. » 


32,o 


0,83G2 




98,59* °/ 0 







Die Anzahl der Atome verhält sich demnach nahezu wie : 

Cu Fe Zn As Sb S 
84 : 10 : 8 : 20 : 9 : 105 

Legt man für Arsen-Antimonfahlerz die allgemein als gültig 
anerkannte Formel 

j (Cu,, Fe,Zn), As t S, f 
|(Cu„Fe,Zn) 4 Sb, S, j 

zu Grunde, und nimmt man an, dass in dem vorliegenden Fahlerz 
von Framont, entsprechend dem Resultat der Analyse, auf 20 Atome 
As 9 Atome Sb kommen, so würde mau folgendes Atomverhältniss 
haben : 

44 Cu 10 Fe 8Zn 20 As 70 S 

36 Cu 9Sb 31,5 S 

Summe 80 Cu 10 Fe 8Zn 20 As 9Sb 101 ,5 S 

Demnach ist für (Cu,, Fe, Zn) ein Ueberschuss von 4 Atomen 
(2,oi 0 /c)> für S ein solcher von 3,6 Atomen (0,88 °/o) gefunden. Der 
Ueberschuss an Schwefel könnte daher rühren, dass dem Fahlerz 
eine gewisse Menge Zweifachschwefeleisen beigemengt ist 



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Bd IV Ji.ti i. u Dxectfc., Die Forftminiferenfouna der Zone d 
Sicp&ati u Uurnjikritrumum vn l'nter-Elsii.-s. Mit Kttiogr, 

tieft A. AxPUEM, Der DUuvfolmnd von Hangcnhietcu im 
l utei El-.ia*. Mit "J |iliot«ipr. Tafeln. LS84 - r '.' 

lieft 3. A. A xhkea i . Die QloüOphorCo dM Termin ü ehailles 
der l'lirt Mit einer photogr. Tafel. 1837 3 

Heft 4. < i. Srnr.tprn, Iii*' Fauna de.» JJnthotiien i tu uberrlieini- 

hflQ Tießau le. Mit 8 Tafttin in Lichtdruck IJ, 

rieft 5, <i Ms vi it. Die Korallen de* Doggers von Elansa-Lotli- 
ringen. Mit i! litbogr. Tafeln. I88S 5, 

B. Mittheilungen der Commission für die yeologische Landes-Untersuchuny 

von Elsass-Lothringen. 

Uli. i. t Helte ,i .4/ ],■;; l/.n; " l-"-" 1 'V 

Bd. 11. Heft 1 •<£ 8,W : lieft 2 (.// 1 Heft :: < S , .". * 9,. 

Bd III. Heft 1 f.tf 2,11»), Heft 2 .// . . . . ja 



//. Verlag der Simon ScfiBOPp'scheii Sof-LftJi4karien«Handlttng 

(.1. II. NklmAnn; Berlin. 

A. Geologische Specialkarte von Elsass-Lothringen im Maasstab I : 25000. 

Mit Erläuterungen. 

(ber Prell j«iles Blattes mit Erläuterungen betrügt H 2.) 

Ausgab- • von 1587. Blätter: Montieren und Gelmingen. 

Ausgabe von 1889. Blätter: Sierck, Mer/.ig, Gross-Heinuteradorf, Bit« 

eendorf, Höhlten, Lübeln. 
Ausgabe von 1890. Blätter: Forbach. Rohrbach, Ritsch. 
Ausgebe von i^'.M. Blätter: Ludwciier, Bliesbrücken, Wolmüuster und 

Roppwefler. 

B. Sonstige Kartenwerke. 

Geologische Uelmrsichtsk&rte des westlichen Deutsch-Lothringen, iin 
Mun^tnb 1 :800l>0. Aufgenommen von E.W. Bk necke, ö. Mkvek, 
B. ScuüXACHsb, G. Öteixm ans, Bic Wkioand und L. vax Wer- 
v i.kk. Mit Erläuterungen, bearbeitet von E. Sciiüuaciilii, <L Steis- 
m »nx und L. vax WnuvEKK. Mit einer Profiltafel und einer Ucbcr- 
sichtskurte der Verwerfungen des mesozoischen Gebirges iu 
Lothringen, Luxemburg und den angrenzenden («ebieten der 
Rbeinprovinr.. 1886—87 "', 

I ebcrsichtsk&rte der Eisenerzfelder des westlichen Deutsch- 

Lothringen. Mit einem Verzeichnis der Erzfelder. 18»tl— 87. 1 •• 

Geologische L'ebersichtskartc der südlichen Hälfte des Groashcr- 
zogthums Luxemburg, Maa8*tab 1 : 80000. Aufgenommen 
von Dr. L. vax Wkuvekk. Erläuterungen von demselben, mit 
einer l'rufiltal'el und einer Uehersiehtsk.nte der Verwerfuuuen 
des mesozoischen GebirgeB in Lothringen. Luxemburg und den 
angrenzenden Gebieten der Kheinprovinz. 1886 — 37 t,.i 



I Ii Ii :i 1 t - 



Krystulloyraptiische ßcsdircibuug des Eisenglanzes und des 
von FramouJ. Von S. Suiwi.nmi Mit .1 lithogi Tafeln 

ßhemiseheZusanuneneeuung d, Faulora* vitn Kramout. V< ih 



Mittli eil utig* en 



n Landesanstalt 



Lothi'inß'eii. 



1 1 <- r ;i us c i-'*' '■ 

Direction der yeologisclien Landes -Untersuchung von Elsass- Lothringen. 
Band HI. l left IV. 

l ! I geulog. Karl" and '•• Tafdu in l.trhUnic! . 



STRASSBÜRG E. 

irger Drtlfkerei um! WrlagaanMaU, 

' onuaU R. Schalls n. O-u.p. 
189*2. 



Preis des Heftes: Mark 2. SO. 

rwlcltolss zu |;.iti.| III dßuVn *ien am Schwab diese» lluTtus. 



Veröffentlichungen 



der Directioii der geologischen Landes-Unl 
viui Elsass-Lothringen. 



a. Vcrlajr der Strassburgn Druckeroi u. Verlagsanfl" 

A. Abhandlungen zur neologischen Spccialkarte 
von Elsass-Luthringen. 

I'.ii. I. tieft 1. Einleitende Bemerknugen II t>or die neue geologische 
Lundes-Aufuahme von ElBass- Lothringen. — Vnrzeichniss d> r 
geologischen um) mineralogischen Literatur, zus.tiiiuii'Ugestellt 

vou L. \V. Bknfcki: und H. Köse.vbusi». 1875 

Urft 2. Ii. Roscsnuarii, Dio Steiger Schiefer und ihre Coutact- 
zone au den Graniten von Barr- Audlau und Honw.ild Mit einer 
^eoi. i\ancubitizzi. mm swci iiniognijimnm i mein. loii. , 

lieft 8. 1'. GltoTH, Das GucissLrebiet von Murkirch im Obcr-Elsass. 

Mit einer geologischen Kartenskizze und zwei Profilen« 1877. 
lieft 4. E. W. Benkckk, l"eber die Trias in Ehvi^s-Lotliiingen 

und Luxemburg. Mit zwei geologiechen Kartenskizzen und 

sieben lithographirten Tafeln. 1877 

Ergünzuugshcft. E. Scboxac heu. Geologische und niiuOTftlogicehe 
Literatur von Elsass-Lothringen. Nachtrag zu dem oben ge« 
nannten Ycrzcichuiss und Fortsetzung desselben bis ein- 
schliesslich 1880. 1887 f 

Bd. II. Heft 1. W. Branco, Der untere Dogger Deutseh - Lothringen! 

Mit Atlas von D> iithogr. Tafeln. 1«79 

lieft 2. II. Haas uud C. Pbtbi, l>ie ßrachiopodeu der Jura- 
f riiiatiim V"ii Elsnss- Lothringen. Mit einem Atlas vou 1H 
litbogr. Tafeln. 18»2 

Heft 3. A. Andrea«, Ein Beitrug zur Kenntnis« des Kldisser 
Tertillrs. Mit Atlas vou 12 litbogr. Tafeln. 18S4 

Bd. TU. Heft 1 G. Linck. Geognostisch-pctrographisehe Beschreibung 
des Grauwackcngcbictes von Weiler bei YYeiasenburg. Mit 
einer Kartenskizze um! Profilen. G. Mlvek, Beitrag zur 

Kenntnis» des Culm in den südlichen Vogesen. Mit einer 

Kartenskizze und Profilen. 

Heft 2. A. Osann. Beitrag zur Kenntnis.s der Lubi idorji .rphyre 

der Vogesen. Mit einer Tafel in Lichtdruck. 1887 

Heft 3. K. Com:.*, Geologische Beschreibung des oberen Wolle» 4 

fbiilea. Mit einer geologischen l"eliersiehtskiirte des Gebietes. 

1889 

Hüft 4. O. Jalkei. , Die Selaebier aus dem oberen Muschelkalk 

Lothringens. Mit 1 Tatein in Lichtdruck. lc-.-^J . 

Heft 5. B. FÖBSTKB, l>i' Insekten des plattigen Steinmergel v. u 

Brunstatt. Mit Tafeln in Lichtdruck. 1S91 



Geologischer Führer 

für 

die Umgebung von Mülhausen i. E. 

TOD 

Dr. B. Fürster, 

Oberlehrer am Ojmuailum «u Mülhausen I. E. 

Hit einer geologischen Uebersichtskarte' und neun Tafeln in Lichtdruck. 



Wichtigste Literatur. 

1. Dietrich, ob, Dcscriptioo des gltes de minerai. 1789. Der III. Theil 

handelt auf Seite 15—17 von dem Petroleum von Hirzbach und 
dem Lignit von Altkirch und lllfurt. 

2. Bartholdi, G. C, Memoire sur la nature chimique des echanlillons de 

mines trouves dans les environs d'Uirsingue, arrond. Allkirch. — 
Proc. verb. soc. emul. Colmar. 1803. 

3. Graffenauer, J. Ph., Essai dune mineralogie economico-teehnin,ue des 

dC'parlements du Haut- et Bas-Hhin formanl la ci-devant Alsace. 
(Avec une carte mineralogiquc de l'Alsacc.) Strasbourg. 1806. 
Petroleum von Hirzbach S. 129, 350; Torf von Dammerkirch, 
Allkirch, Hirzbach S. 148. 

4. Oeynhausen, K. von, Umrisse zu einer oro-hydrographischen Schil- 

derung von Lotharingen, dem Elsass, Schwaben und den Gegenden 



I. Bei der Abgrenzung des Gebiets wurde darauf Rücksicht genommen, dass die 
verschiedenen geologischen Ablagerungen der Umgebung von Mülhausen zur Darstellung 
gelangten, wodurch die etwas schiefe Form der Karte erklärt wird. Leider musste ich 
darauf verzichten, Kleinkems im Badischen, das ich aus palaeontologischen und strati- 
graphischen Gründen vielfach in den Kreis der Besprechung ziehen muss, noch mit 
auf die Karte zu bringen. 



200 



Dr. B. Förster. Geologischer Führer 



zu beiden Seiten des Mittel-Heins. Berlin. 1825. S. 32. Altkirch, 
Kette von Jurakalk. 

5. Oeynhausen, K. von, Dechen, II. v., und La Roche, H. v., Geognostische 

Umrisse der Rheinländer zwischen Basel und Mainz. Rsseo. 1825. 
S. 391. Löss von Lutterbach. 

6. Merian, P., Fossile Knochen von Rixheira im Ober-Elsass. — Leonhards 

Jahrbuch, II, S. 340. Briefliche Mittheilung. 1826. 

7. Voltz, L., Ueberblick der Mineralien, Geognosie und Ucbersicht der 

Petrefakten der beiden Rhein-Deparlemente. — In: Aufschlager, 
J. F., Das Elsass. Supplement. Sirassburg. 1828. 

8. Koechlin, Ed., Apercu geologique sur les environs de Mulhouse. Tra- 

vaux de sondage entrepris dans cette ville. — Rull. Soc. ind. 
Mulh., II, S. 258-276. 1829. 

9. — Notice sur le sondage artesien fait au pied du vignoble de Mul- 

house au jardin Lehr et lettre de M. Voltz sur la geologie de 
l'Alsace. - Bull. Soc. ind. Mulh., III, S. 275. 1830. 

10. Morin, Reflexions sur un memoire de M. Eo. Koechlin intilule : Apercu, etc. 

— Bull. Soc. ind. Mulh., III, S. 1. Antwort darauf von Koechlin, 
S. 16. 1830. 

11. Koechlin, Jos., Rapport sur le projet de conduire a Mulhouse la source 

de Brunstatt. — Bull. Soc. ind. Mulh. 1831. 

12. Voltz, L., Lettre relative ä la geologie de l'Alsace. — Bull. Soc. ind. 

Mulh., III, S. 283. 1831. 

13. Penot, Ach., Statistique generale du departement du Haut-Rhin. — 

Mülhausen. 1831. Mit einer geologischen Karte aus dem Jahre 
1833, die von Voltz herrühren soll. (Delbos, Descriplion, etc., 
1, S. VI.) 

14. Thirria, B., Analyse d'un schiste bilumineux des environs de Mul- 

house. - Ann. des min. (3), XVIII, S. 193—195. 1840. 

15. Merian, P., Darstellung der geologischen Verhaltnisse des Rheinlhales. 

Basel. 1843. 

16. — Ueber die Diluvialbildung der Gegend von Basel. — Ber. Ob. d. 

Verh. d. naturf. Gea. in Basel. VI, S. 43. 1844. 

17. Braun, Al., Der Löss des Rheinthals und seine Fossilien. — Leonharde 

Jahrbuch 1847. Briefl. Mitth., S. 49-53. 



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fUr die Umgebung von Mülhausen i. E. 201 



18. Merian, P., Ueber die im Süsswasserkalke der Umgebungen von Mül- 

hausen aufgefundenen Schallhiere. — Ber. Verh. naturf. Ges. Basel, 
VM, 1846. 1848, S. 33—35. - Leonh. Jahrb. 1851, S. 762. 

19. Daubrbe, A., Notice sur le depöt lertiaire superieur du Sundgau et la 

transformation en kaolin de ses galets feldspalhiques. — Bull. Soc. 
geol. France. (2), V, S. 165-174. 1818. 

20. Koechlin, Jos., Notes et coupcs, etc. — Bull. Soc. geol. France. (2), VI, 

S. 481-482. 1849. 

21. Meyer, H. von, Palaeotherium medium von Mülhausen. — Leonh. 

Jahrb. 1857. Brief]. Mitth. S. 555. 

22. Koechmn-Schlumberger, J., Note sur les fossiles tertiaires et diluviens 

du Haut-Rhin. — Bull. Soc. geol. France. (2), XV, 1858. S. 295- 
302. — Leonh. Jahrb. 1858. S. 589. 

28. Daubree, A., Note sur la presence de poissons fossiles dans le terrain 
tertiaire de Mulhouse. — Mem. Soc. d'hisL nat. Strasb., V, S. 1. 1858. 

24. Gras, Sc, Comparaison chronologique des terrains quaternaires de 
l'Alsace avec ceux de la vallee du llhöne dans le Dauphine. — 
Bull. Soc geol. France. (2), XV, S. 148-187. Taf. II. 1857—1858. 

26. Koechlin, J., Observations critiques sur un memoire de M. Gras, inü- 
tule: Comparaison, etc. — Bull. Soc. geol. France. (2), XVI, S. 297— 
364. Taf. VII. 1858-1859. 

26. Heer, 0., Die tertiäre Flora der Schweiz. III, S. 202 u. 311. Zürich. 1859. 

27. Sandbergbr, Fr., Sur le terrain tertiaire des environs de Bäle. — Bull. 

Soc. geol. France. (2), XVI, S. 20. 1859. 

28. — Die Conchylien des Mainzer Tertiärbeckens. Mit 35 Tafeln. 1863. 

29. Bourlot, J., Histoire des tremblements de terre rcssentis en Alsace et 

dans le pays de Bäle, precedee de generalites sur le phenomene. 
- Bull. Soc. hist Colmar. VI u. VIII, S. 213-262. 1866. 

30. Delbos, J., et Koechlin-Schlümberger, J., Description geologique et 

mineralogique du düpartement du Haut-Rhin. Mulhouse 1867. Mit 
einer geologischen Karte und 4 Profiltafeln. 

81. Grad, Ch., Essai sur l'hydrologie du bassin de 1*111. Mulhouse. — Bull. 
Soc. ind. Mulh., XXXVI, S. 529. 1867. 

32. Greppin, J. B., Jura bernois et dislricts adjacents. — Mater. Carte geol. 
Suisse. VIII, S. 157, 159, 161. Bern. 1870. 



202 



Dr. B. FüttSTE». Geologischer Führer 



33. Delbos, J., L'Alsace pendant la pöriode tertiaire. Conferences de Mul- 
housc. — Rcv. cours scienlif. 1870. 

3-4. — Notice sur Ie forage execute ä Niederraorsch willer dans la cour 
de la Tenne de la proprio A. Tachahd. — Bull. Soc. ind. Mulh., 
S. 61-77. 1871. 

36. Faldel, Bibliographie alsalique. — Bull. Soc. bist. nal. Colmar. Mine- 
ralogie und Geologie, S. 250—253. 1874. 

36. Sandberger, Dr. C. L Fridoun, Die Land- und SQsswasserconchylien 

<ler Vorwelt. S. 307, 322-327. Wiesbaden. 1870-75. 

37. Zündel, Ch., et MiEfi, M., Notice sur quelques sondages aux environs 

de Mulhouse et cn Alsace. — Bull. Soc. ind. Mulh., XLVII, S. 631 — 
641. 1877. 

38. Mieg, M., Note sur les derniers puits creuses au nouvel höpital raili- 

taire de Mulhouse. — Bull. Soc. ind. Mulh. XLV1I, S. 26-27. 1877. 

89. Benecke, B. W., Abriss der Geologie von Elsass-Lotbringen. S. 79-84. 
Strassburg. 1878. 

40. Mieg, M., Note sur un puits de l'ölablissement de MM. Schiffer, La- 

lance et C« a Pfaslatl. - Bull. Soc. ind. Mulh. Bd. 50, S. 40- 
42. 1880. 

41. Bleicher, G., Note sur la decouverte d un horizon fossilifere ä pois- 

sons, insectes, plantes, dans le tongrien de la Haute-Alsacc. — 
Bull. Soc. geol. France. VIII. 1879-80. 

42. Andreae, A., Notiz Ober das Tertiär im Elsass. — Neues Jahrbuch, D, 

S. 287—294. 1882. 

43. Mieg, M., Note sur la decouverte d'un marteau en pierre perfore dans 

le diluvium rhenan a Rixhcira. — Bull. Soc. ind. Mulh. Bd. 52, 
S. 157—164. 1882. 

44. SoiiNGKE, L., u. Wagner, G., Naturwissenschaftliche Chronik des Gross- 

herzogthums Baden und benachbarter Länder. 1881 u. 1882. — 
Verh. naturw. Ver. Karlsr. 1883. Heft 9, S. 72—78. ErdcrschOt- 
terungen in Mülhausen. 

45. Sai vage, H. E., Sur des poissons du tongrien de Rouffach (Hnute- 

AlsacL'i. - Bull. Soc. geol. Prancc. (3), XI, S. 483-485. Taf. II. 
Fig. 1-2. 1883. 

46. Mieg, M. f Note sur l'exploitalion du bitume en Alsace. — Bull. Soc. 

ind. Mulh. Bd. 53. S. 83-90. 1883. 



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ftir die Umgebung von Mülhausen i. E. 



203 



47. Andreae, A., Ein Beitrag zur Kcnnlniss des Blsässer Tertiars. — Abbdl. 

geol. Spec.-Karte Els.-Lolhr. Sirassburg. 188,4. 

48. Fontannes. F., Faune malacologinue du groupe d'Aix. Lyon, Paris. 1884. 

49. Kilian, W., Note sur les terrains tertiaircs du terriloire de Beifort et 

des environs de Montbeliard (Doubs). — Bull. Soc. geol. Prance. 
(3), Bd. 12, S. 729-759. 1884. 

50. Bleicher, G., Corps organises attribuablcs ä des Dialomeos dans une 

plaque raince du silex hornstein du lerrain lertiaire dVau doucc 
de Biedisheim. - Bull. Soc. sc. Nancy. (2), VII, S. 23-24. 1885. 

51. Flicüe, M., et Bleicheh, ü., Recherche« sur le terrain lertiaire d'Alsace 

et du territoire de Beifort. 

L Bleicher, Eludes de slraligraphic et de paleontologie ani- 
raale. — Bull. Soc. hist. & 1—44. Colmar. 1885. 

52. Förster, B., Millheilungen über das Oberelsassische Tertiär. — Tagebl. 

58. Vers, deutsch. Naturf. u. Aerzte. S. 379—388. Strassburg. 1885. 

53. — Die oligocanen Ablagerungen bei Mülhausen i. E. — Milth. Comra. 

geol. Landes-Untcrs. Els.-Lothr. Bd. I, S. 43—48. Strassburg. 1886. 

54. Fliche, M., Note sur les flores tert. des environs de Mulbuuse. — Bull. 

Soc. ind. Mulb. S. 348-362. 1880. 

65. Lepshs, H., Die oberrheinische Tiefebene und ihre Bandgebirge. — 
Forschungen z. deutschen Landes- und Volkskunde. Bd. I, S. 43. 
Stuttgart. 1886. 

56. Andreae, A., Ueber Meeressaud und Seplarienthon. — Mitlh. Corara. 
geol. Landes-Unters. Els.-Lolhr. Bd. 1, S. 83—84. Strassburg. 1887. 

67. — Ueber das clsilssische Tertiär und seine Petroleumlager. (Nebst 
einigen neuen Bemerkungen und Beobachtungen über das Tertiär 
in der Oberrheinebene.) Vortrag. — Bericht d. Senckenbergischen 
naturh. Gesellschaft. S. 26—35. 1886 -87. 

58. Andreak, A., in Heidelberg und W. Kilian in Paris, Heber das Alter 

des Melanienkalks und die Herkunft des Tertiärmeeres im Bhein- 
thal. Briefwechsel. — Milth. Comra. geol. Landes-Unters. Els.-Lothr. 
Bd. I, S. 72—83. Strassburg. 1887. 

59. Förster, B., Die Gliederung des Sundgauer Tertiars. — Milth. Comm. 

geol. Landes-Unters. Els.-Lolhr. Bd. I, S. 137—178. Strassburg. 
1888. 



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204 Dr. B. FöBRTEK. Geologischer Führer 

60. Förster, B., und H. Becker, Ueber Schildkrötenreste aus dem Unter- 

Oligocün des Sundgaus. — Mitth. Comm. geol. Landes-Unters. Els.- 
Lothr. Bd. I, S. 215—228. Strasburg. 1888. 

61. Mieg, M., Note sur un sondage execute a Dornach (pres Mulhouse) en 

1869. — Bull. Soc. geol. France. (3), XVI, S. 256—265. 1888. 

62. Kloos, J., Das Erdbeben im badischen Oberlande und Ober-Elsass am 

24. Januar 1883. — Verh. naturw. Ver. Karlsruhe. X. 1883—88. 

63. Förster, B., Vorläufige Mittheilung Uber die Insekten des •Flattigen 

Steinmergels » von ßrunstatt. — Mitth. Comm. geol. Landes-Unters. 
Els.-Lotbr. Bd. II, S. 101—103. Strassburg. 1889. 

64. Mieg, M., Note sur le gypse de Zimmersheim (pres Mulhouse). — Bull. 

Soc. geol. France. (3), XVII, S. 562—566. 1889. 

66. Jenny, Fr., Ueber Löss und lössähn liehe Bildungen in der Schweiz. 
Bern. 1889. 

66. Bleicher, G., Les Vosgcs, le sol et les habitants. Paris. 1890. 

67. Beckenkamp, J., Zur Symmetrie der Krystalle. 2. Gyps von Zimmers- 

heim im Ober-Elsass. — Zeilschrift für Krystallographie etc., XVII. 
Leipzig. 1890. 

68. Gutzwiller, A., Beitrag zur Kenutniss der Tcrliärbitdungen der Um- 

gebung von Basel. — Verh. naturf. Ges. Basel, IX. 1890. 

69. Schumacher, E., Die Bildung und der Aufbau des oberrheinischen Tief- 

landes. — Mitth. Comm. geol. Landes-Unters. Els.-Lothr. Bd. II. 
S. 184-401. Strassburg. 1890. 

70. Steinmann, G., und Graeff, Fr., Geologischer Fohrer der Umgebung 

von Freiburg, S. 70—72. — Preiburg i. B. 1890. 

71. Andreae, A., Weitere Beitrage zur Kenntniss des Oligociins im Elsass. 

— Mitth. geol. Landesanstalt Els.-Lothr. Bd. III, S. 107. Strass- 
burg. 1890. 

72. Mieg, M., G. Bleicher et Fliche, Contribution ä l'ctudc du terrain 

tertiaire d'Alsace et des environs de Mulhouse. — Bull. Soc. geol. 
France. (3), XVIU, S. 392-422. 1890. 

73. Förster, B., Die Insekten des • Plattigen Steinmergels • von Brunstall. 

— Abhandlungen zur geol. Specialkarte von Els.-Lothr. Bd. III, 
S. 335—594. Strassburg. 1891. 

74. Pasquier, Leon du, Ueber die fluvioglacialen Ablagerungen der Nord- 

schweiz. - Beitr. geol. Karte Schweiz. 31. Lfg. Bern. 1891. 



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fUr die Umgebung von Mülhausen i. E. 



205 



75. Scuddkr, S. H., Index to the known fossil insekts of the world inclu- 

ding Myriapods aad Aracbnids. — Bulletin of the United States 
Geological Survey. N° 71. Washington. 1891. Enthalt die von 
FönsTER (N° 73) erwähnten Insekten von BrunslaU. 

76. Förster, B., Uebersicht Ober die Gliederung der Geröll- und Löss- 

ablagerungen des Sundgaus. — Mitth. geol. Landesanstalt Hls.- 
Lothr. Bd. III, S. 123—132. Strasburg. 1892. 

Karten. 

In dem Vorwort zu der « Description gäologiquc et mineralogique 
du Haut-Rhin» von Deldos und Koechlin-Schlumberger sind die bis 1864 
erschienenen geologischen Karten, welche das Gebiet des Ober-Elsass um- 
fassen, erwähnt und kurz kr'itisirt. Die wichtigsten sind: 

1825. Oeynhausen, G. von, Dechen, H. von, und La Roche, G. von, Geo- 
gnostische Karle der Rheinländer zwischen Basel und Mainz. 
Berlin. 1825. 

1833. (Voltz, L.*), Carte g^ologiquc du departement du Haut-Rhin, publice 
par la Societö industrielle de Mulhouse. — Statist, gön. du döpt. 
du Haut-Rhin, N* 46. Massstab 1 : 200000. 

• Nach Dslboi und KaccuLm-ScHLuuniBar.», Description, etc., Bd. I, 
Seite VI, ist Volts der Autor der Karle. 

1840. Dlfrenoy et Beaumont, Fxib de, Carte göologique de la France au 
500millieme. Paris. 1840. IV. Blatt. 

Bin Jahr vor der genannten Description (N* 30) erschien dann : 

1866. Delbos, J., et J. Kokchlin-Schltjmberger, Carte geologique du de- 
partement du Haut-Rhin. 1:80000. Mülhausen. 1866. 

Dem Text der Description etc. ist eine Reduktion dieser Karte 
im Massstab 1:200000 beigegeben. 



206 Dr. B. Förster. Geologischer Führer 



Topographische und hydrographische Uebersicht. 

Unser Gebiet zerfällt topographisch in zwei deutlich ver- 
schiedene, scharf von einander getrennte Theile, eine Ebene und 
eine sich von Süden nach Norden sonkende und verschmülernde, 
wellige Platte, welche von zahlreichen kleinen, tief eingeschnittenen 
Wasserläufen durchfurcht ist und einen von Süden her in nord- 
östlicher Richtung in die Ebene vorgeschobenen Keil bildet, der 
durch die Linie Sierenz, Dietweiler, Habsheim, Rixheiro, Mülhausen, 
Pfastatt, Lutterbach, Reiningen begrenzt wird. 

Die Ebene erhebt sich von 233,7 m bei Napoleonsinsel auf 
260 m bei Wittelsheim, steigt also auf eine Entfernung von 12 km 
um 26,a m nach dem Gebirge zu, das ist um 2,i9 0/ w . Sie gehört 
den Flussgebieten des Rheins, der 111, der Doller und der Thür an. 
Für unser Kartengebiet hat in der Ebene die Doller die grösste 
Bedeutung; sie hat eine mittlere Breite' von 22 m, eine mittlere 
Tiefe von 0,»o m und eine mittlere Geschwindigkeit von 175 m 
in der Minute; durch das Steinbüchel ist sie mit der III bei 
Mülhausen verbunden. Zu erwähnen ist noch ein kleiner Kanal, 
der Quatelbach, welcher Modenheim mit Ensisheim verbindet ; der 
Vauban-Kanal ist eine Fortsetzung desselben. 

Das ziemlich steil aus der Ebene emporsteigende Hügelland 
erreicht im Süden bei Steinsulz eine Höhe von 450 m, im Norden 
auf der Lutterbacher Höhe 260 m, im Osten bei Geispitzen 306 in, 
im Westen bei Balschweiler 305 m ; die Mitte desselben erhebt 
sich auf Paulrath nördlich von Lümschweiler bis zu 405 ra. Es 
wird zum grössten Theil durch das Flussgebiet der III entwässert; 
nur in einem kleinen Theil des Kartengebiets, östlich von der Linie 

i. Diese und die weiter unten folgenden Angaben Ober Breite, Tiefe und Ge- 
schwindigkeit von Wasscrlaufen sind Fmot (13, Seite 13-16) entnommen. 



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fllr die Umgebung von Mülhausen i. E. 



207 



Rixheim, Eschenzwciler, Brubach, Obermorschweiler, Wahlbach, 
Zäesingen, Fichtenhof fliegst eine Reihe kleinerer Bäche dem Rhein 
zu, versinkt jedoch beim Austritt in die Ebene im Rheinkies. Die 
III tritt bei Oberdorf in unser Gebiet ein, fliegst in nordwestlicher 
Richtung bis Carspach, biegt dort im rechten Winkel nach Nord- 
nordosten ab, behält diese Richtung nun durch das ganze Karten- 
gebiet bei und zerlegt dasselbe in zwei beinahe gleiche Hälften. Sie 
hat eine durchschnittliche Breite von 31 m, eine mittlere Tiefe von 
1,70 m und eine mittlere Geschwindigkeit von 48,5 m auf die Minute. 
Als Zuflüsse sind zu erwähnen : auf der rechten Seite der Thal- mit 
dem Wahlbach und ein kleiner Wasserlauf, der bei der Brunstatter 
Kapelle in einer starken Quelle entspringt; auf der rechten Seite 
wird die 111 bei Illfurth durch die über Dammcrkirch aus der Ge- 
gend von Pfirt kommende Larg, nachdem diese den Sulz- und den 
Krebsbach aufgenommen hat, verstärkt. Die Larg hat eine mittlere 
Breite von 5 m, eine mittlere Tiefe von 0,75 m und eine mittlere 
Geschwindigkeit von 42 m in der Minute. Die andern der III 
aus unserm Gebiete zutliessenden Bäche sind von geringerer Be- 
deutung; die meisten der in ihrem Oberlaufe in den weichen 
L#ssboden tief eingerissenen Rinnsale führen nur nach der Schnee- 
schmelze uud nach starken Regengüssen eine nennenswerthe Wasser- 
menge ; manche von ihnen, die sogenannten Hungerbrunnen, sind 
sogar den grössten Theil des Jahres hindurch völlig trocken. Hier 
und da, z. B. bei Flaxlanden und Hirsingen, sind diese kleinen 
Wasserrinnen abgedämmt, so dass kleine Teiche entstehen, die 
zur Fischzucht benutzt werden. Längs der III und der Larg liegt 
der Rhein-Rhone-Kanal. 

Sowohl die Ebene wie das Hügelland sind reichlich bewaldet, 
die erstere in etwas grösserem Massstabe als das letztere. 

Au Niederschlag fehlt es unserem Gebiet nicht, wie die 
zahlreichen in ihm entspringenden Wasserläufe beweisen. Der süd- 
westliche Theil desselben scheint damit noch etwas reichlicher 
bedacht zu sein als der nördliche. 1 

1. Die Vertheilung der Niederschlüge iui Jahre 1890. Uebersichbkarte im Mass- 
stab I : 1000000. — Hehcesell, Ergebnisse der meteorologischen Beobachtungen 
im Keichsland Elsass-Lolhringen. Strassburg 1892. 



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208 



Dr. 13. Försteu. Geologischer Fährer 



Geologische Uebersicht und Lagerungsverhältnisse. 

Der topographischen Gliederung entspricht der geologische 
Bau. Die Ebene wird ausgefüllt durch Flussschotter; die Hügcl- 
landschaft ist durch alttertiären Untergrund bedingt, der von Ober- 
Pliocän und Ltiss überlagert wird. 

Im Grossen und Ganzen ist die Lagerung der Schichten 
horizontal, doch kommen auch Sattel- und Muldenbildungen mit 
theilweise stark geneigten Schichten vor. Ausserdem sind Störungen 
der regelmassigen Schichtonfolge in Folge von Verwerfungen und 
Ueberschiebungen mehrfach bekannt. 

Die bedeutendste unter diesen Störungen ist wohl diejenige, 
welche in nordsüdlicher Richtung von Hochstatt Uber Fröningen 
und Niederspechbach nach Heidweiler verläuft. Die Senkung er- 
folgte gegen Westen. Die Sprunghöhe beträgt bei Fröningen un- 
gefähr 40 m, nimmt südlich von diesem Ort zu und erreicht bei 
Heidweiler 85 m. Hier steht nämlich der Plattige Stainmergel 
neben der Strasse nach Illfurth bei 260 m an, während er auf 
dem Rücken östlich von Heidweiler, etwas südlich von der Profil- 
linie I, den Melanienkalk bei 345 m überlagert Am Buchsberg 
liegt dieselbe Grenze bei 360 m (vgl. das nachstehende Prof. I). 

Profil I. 

Lange I : 100000, Höhe 1 : 25 000. 




• Mt/.inifn MHnUi/frr AlbUe*rr 
KaU .fUMitwgrt Humum 

In der Nähe derselben Störung kann man im Melanienkalk 
am Didcnheimer Berg mehrere kleine, staffeiförmige Parallelver- 



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für die Umgebung vou Mülhausen i. E. 



209 



werfungen beobachten, die echon von Delbos und Köchlin- 
Schlumberger (80, Täf. 4, Fig. 69) angegeben worden sind. 

Eine zweite Störung scheint von Altkirch Uber Walheim in 
der Richtung nach Ltimschwciler mit Senkung nach Südost zu 
verlaufen. Bei Lumschweiler und bei Walheim liegt nämlich der 
Plattige Steinraergel auffallend tief gegenüber dessen Auftreten- am 
Bucbsberg und den Höhen westlich von Walheim ; am Walheimer 
Hölzle tritt ferner der Haustein in geringerem Niveau zu Tage 
als der Plattige Steinmergel, ohne dass diese tiefere Lage durch 
das Einfallen erklärlich wäre. 

Ausserdem sind, namentlich bei Altkirch, noch mehrere Dis- 
lokationen vorhanden, doch lässt sich ihr genauer Verlauf wegen 
der ausgedehnten Lössbedeckung nicht feststellen. 

Dagegen lässt sich eine Schichtenstörung zwischen Walten- 
heim und Geispitzon in einer alten Stein- und Mcrgelgrube sehr 
schön beobachten: 

Profil II. 




a.Kaiksatut>Uin . b Mtrgel 

Die Kalksandsteine und die darüber folgenden Mergel auf 
der linken Seite des Durchschnitts gehören dem Meeressand resp. 
dem Septarienthon, also dem Mitte loligocän an, während die Kalke 
auf der rechten Seite den obersten Schichten des unteren Hau- 
Bteins und den oberoligoeänen Kalken mit Helxx cf. rugulosa zu- 
zurechnen sind. Zwischen den Mergeln und den Kalken setzt 
eine NNW — SSO streichende und 58° bis 60° nach Osten geneigte 
Kluft durch, auf der das Hangende Uber das Liegende hinaufge- 
schoben ist Wir haben es hier also mit einer Ueberschiebung 
oder Aufschiebung zu thun, die um so interessanter ist, als solche 
bisher in diesem Gebiete nicht bekannt waren. 



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210 



Dr. IV FSrstkb. Geologischer Führer 



Dos Alter dieser Dislokationen lässt sich nicht genau be- 
stimmen; jedenfalls sind sie jünger als Oberoligocän, da dieses 
noch mit betroffen wurde. Wesentlich jünger und unabhängig von 
den vorigen sind Schichtenstürungen mit lokalem Charakter, die 
besonders im Illthal häutig vorkommen und als Abrutschungen und 
Einstürze sich bemerkbar raachen. 

Die III läuft auf unserm Kartengebiet von Oberdorf bis 
Altkirch in den Sanden und thonigen Mergeln des Meeressandes. 
Letztere saugen sich voll Wasser und bilden glitschige Flächen, 
auf denen dann an steilen Stellen die aufliegenden Kiesmassen 
des Deckenschotters nach dem Thale zu gleiten. In neuerer Zeit 
sind solche Rutschungen besonders bei Illberg, nördlich von 
Hirzbach, vorgekommen. Dort rutschte im Mai 1891 eine über 
3000 ebra haltende Geröllmasse, Uber welche ein Fahrweg 
führte, unter donnerartigem Getöse mitsammt den darauf stehenden 
grossen Bäumen den steilen Abhang hinunter und bildete 20 m 
tiefer einen kleineu Hügel. Auf solche Weise entstandene Boden- 
ansehwellungen finden sich vielfach in diesem Theile des lllthals, 
besonders zahlreich zwischen Hirsingen, Hirzbach und Altkirch. 
Die Abmachungen kommen immer nur auf der Regenseite, dem 
nach Westen gelegenen Abhänge, vor, denn auf der andern Thalseite 
ist der Kies von einer schützenden Löss- und Lehmdecke überzogen. 

Die Mergel des Meeressandes bilden gleichfalls die Unter- 
lage des Bahndammes zwischen Altkirch und Dammcrkirch, und 
dieser erleidet desshalb vielfach Senkungen und Abrutschungen, 
so dass die Verwaltung auf diese Strecke ihr besonderes Augen- 
merk richten muss. 

Grössere Einstürze, wie sie in Gegenden mit Uypslagern 
vielfach vorkommen, sind hier nicht bekannt. Es rührt dies daher, 
dass die Gypsschichten in unserm Gebiet zwischen wasserundurch- 
lässigen Mergeln liegen und dadurch vor Auswaschungen geschützt 
sind. 

Beschreibung der Schichten. 

Die Uebersicht über die einzelnen geologischen Abtheilungen 
erhält man am besten durch folgende Tabelle: 



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fllr die Umgebung von Mülhausen i. E. 



211 



o 
O 



- 



s 



Oberes 



Unteres _ 



Oberes 



.Nieder- 
Terrasse 


Sandiger 
Löss 


Oestlich und nordostlich von Mülhausen auf Rhcin- 
und Vogesenkies. 


Schotter 


Vogcsenkies: Westlich und nordwestlich von Mül- 
hausen. 

Itheinkies: Oestlich von der Bahnlinie Mülhausen 
—Basel. 


Hoch- 
Tcrrassc 




jüngerer 


Ein grosses zusammenhängendes Gebiet nur den 
Hügeln des Sundgans; davon durch Erosion 
getrennt ein Lösshügel zwischen l'fastatt und 
Luiterbach und ein Usshügel bei Schönen- 
steinbach. 


mittlerer 


älterer 


Schotter 


Südlich von Sierenz, erreicht unser Gebiet nicht. 


Decken- 
schotter- 
Terrasse 


Sandig-thonige 
Letten 


Südlich von Allkirch. 


Schotter 



Fehlt. 



e 

60 



Oberes Cyrenenmergel 



Oberer Haustein 
von 

Lümschweiler. Allkircli 



Kalk mit Hein cf. 
rugulosa von Hötzingen, 

Wallenheim, Altkirch, 
Lümschweiler, Rrubach, 
N, Steinbrunn. 



Mitt- 



leres 



Scplarieuthon 



und 



Meeressand 



Fischschiefer 
von Altkirch, Landser, Nicdcrmagstatt. 

Blättersand- 
stein von Dörnach, 



Unteres 



Sandsteine 
und 

sandige Mergel 
von Allkirch, 
Wolfersdorf, 
Hagenbach. 



I'etrol- 
sandmergel 
von Hirzbach, 
ülrsingei. 



Habsheim. 



Unterer Haustein 
von Altkirch. Willersdorf, 
Emiingen. 



Gypsformation 



jStefnmeigetvon IMaltiger.Steinmerge. 

1 Habsheim. Zim- von BrunstnU, Brubach, 

Lersheitn, Eschenz- Lümschweiler. Hcidwciler. 
Iweiler.llanlsweiler. 

Mergel mit 
[ IMix cf. Hambresi 
von Kleinkems. 



«'•ypsmergel vonl 
Zimmersheim, J 
Dornach, Kieder- 
morschweiler. 



M e I a n i e n k a I k 
von Brunnstatt a. s. w. 



Klaue Mergel von Mül- 
hausen, (iypsmergel 
vom Hasenrain. 



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212 



Dr. B. Förster. Geologischer Führer 



L Unter-Oligocän. 

(Gypsformation.) 

Die iiitesten zu Tage tretenden und durch Bohrungen be- 
kannt gewordenen Schichten gehören dem Unter-Oligocän an. Das- 
selbe tritt in zwei verschiedenen Facies, einer mergligen und 
einer kalkigen, auf. Die Mergel sind einestheils dunkelblau ge- 
färbt und von wechselndem Kalkgehalt (blaue Mergel), andern* 
thcils grau , sandig und wechsellagern mit Sandsteinen. Die 
grauen Mergel wieder führen entweder Gyps (Gypsmorgol) oder 
Petroleum (Petrolsandmergel). In der Kalk-Facies sind der Mela- 
nienkalk und die Mergel und Kalke mit Helix cf. Hombresi (59, 
S. 137) zu unterscheiden. 



1. Gypsraergel. 

Gyps tritt nur nordöstlich von Zimmersheim am westlichen 
Abhänge der zwischen Habsheim und Zimmersheim gelegenen 
Hügel, Schild und Ristel, zu Tage. Es lässt sich hier folgendes 
Profil beobachten: 

Profil III. 




150 m 8andlga Thons n. Sanditalne. 
I m Graublauer Thon. 



IS m Gyp« mit Thon- und Mergel 
»cuichtan wechselnd , 
■teinernngaleer. 



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für die Umgebung von Mülhausen i. E. 



213 



Der Gyps zieht sich unter dem ganzen Berge fort, wie durch 
den auf ihn betriebenen Bergbau mehrfach dargethan ist. Bei 
Rixheim wurde er im Brunnen des Gastwirths Frey in einer 
Tiefe von 21 m angetroffen. Nach Süden zu wird er wahrschein- 
lich, ebenso wie bei Zimmersheim, unter den mitteloligocänen 
Schichten vorhanden sein. Unter diesen Schichten ist er ferner 
bei Dornach und Niedermorschweiler erbohrt worden. An letzterem 
Orte wurde im Jahre 1868 von A. Tachard (34, S. 61 und 37, 
S. 364) in dem Hofe seines Besitzthums in der Höhe von 269 m 
eine Bohrung begonnen, die im Juli 1869 142,« m Tiefe er- 
reichte. Bis zu 138,4* m wurden Sande, Sandsteine, sandige Mergel 
und Thone durchstossen. In 123,54 m Tiefe wurde ein harter, 
schwarzer, bituminöser Kalk angetroffen. Die letzten 4 m bestanden 
aus Gypsmergel. 

In Dornach wurde im Jahre 1869 von Gdstav Dollfus am 
Abhang des Dornacher Berges in einer Höhe von 252 m eine 
Bohrung unternommen, die bis 240 m Tiefe fortgeführt wurde. 
Bis 32,75 m wurden Sande, Blättersandsteine, geschichtete Mergel 
und Thone angetroffen, darauf die Gypsmergel erreicht, welche 
hier und da etwas Steinsalz führten und bis zum Ende der Boh- 
rung anhielten (37 u. 61). Bei Dornach zeigen sich die Gypse 
also in einer Tiefe von 32,76 m, bei Niedermorschweiler erst in 
einer Tiefe von 138,85 m. Da das Bohrloch von Dornach in einer 
Höbe von 252 m, das von Niedermorschweiler bei 269 m beginnt, 
so beträgt der Höhenunterschied der obersten Gypsschichten 89,io m. 
Trotzdem nun die Entfernung zwischen den beiden Bohrlöchern 
etwa 3000 m beträgt, und man bei einer Gyps- und Mergelab- 
lagerung eine Gleichmässigkeit der Ausbildung auf weitere Strecken 
nicht erwarten kann, so ist der Unterschied in der Höhenlage der 
Gypse doch so bedeutend, dass eine Dislokation zwischen beiden 
Punkten anzunehmen ist Dieselbe würde wahrscheinlich die Fort- 
setzung der auf Seite 208 erwähnten Verwerfung Heidweiler, Frö- 
ningen, Hochstatt bilden. 

Das Gypslager besitzt im Steinbruch bei Zimmersheim ein 
südöstliches Fallen von 5» bis 10° und eine Mächtigkeit über Tag 
von 12 m. Nach den Angaben des Besitzers, des Herrn Röminger, 



214 



Dr. B. Pöbsteb. Geologischer Führer 



soll der Bergbau auf Gyps bei Zimmereheim eine Tiefe von 
140 Fuss (= 45 m) erreicht haben. Der Gyps wechsellagert hier 
mit blauen, kalkarmen Mergeln in 1 cm bis 1 m mächtigen Banken 
und ist meist als sogenannter Fasergyps entwickelt, zwischen dessen 
Fasern kleine Gypskryställchcn vorkommen (67). In der Tiefe 
ist er theilweise körnig, als Alabaster, ausgebildet; auch liegt er 
als blättriger Gyps zwischen den Mergelschichten (64). Die Fär- 
bungen sind gewöhnlich weiss, aber auch grau, schwarz oder roth. 
Die graue und schwarze Färbung rührt von Bitumen, die rothe 
von etwas Eisenoxyd her. 

Hin und wieder ist man auf kleine 3 — 4 cm mächtige 
Schmitzchen von glänzender Kohle gestossen. Bei Dornach ent- 
halten die Gypsthone gewöhnlich Steinsalz, in der Tiefe von 91 m 
und 115 m fanden sich sogar einige dünne Schichten reinen Stein- 
salzes. Bei Zimmersheim ist in den Gypsmergeln kein Salz ge- 
funden worden. 

Eine Zersetzung des Gypses unter Ausscheidung von Schwefel- 
wasserstoff scheint an einzelnen Stellen in geringem Grade statt- 
zufinden. Wenigstens riecht das Wasser aus dem vorhin erwähnten 
Brunnen des Gastwirths Frey in Kixheim nach längerem Pumpen 
stark nach Schwefelwasserstoff. 

Einstürze sind aus den hiesigen gypshaltigen Gegenden bisher 
nicht bekannt geworden. 

Die Gypsmergel sind in ihrer ganzen Mächtigkeit von 207 m 
und darüber zum Unter-Oligocän zu stellen (72, S. 422). 

Versteinerungen finden sich weder in den Gyps- noch in 
den Mergcischichten. 

2. Blaue Mergel. 

Bei verschiedenen Bohrungen in der Nähe von Mülhausen 
wurden unter dem Melanienkalk blaue, versteinerungsleere Mergel 
angetroffen. 

Im Jahre 1836 Hess Andr£ KöCULIN am Fusse des Reb- 
berges in ungefähr 245 m Höhe in seiner Besitzung am Hasen- 



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für die Umgebung von Mülhausen i. E. 



215 



rain eine Bohrung ausführen, die im Ganzen 250 m Tiefe erreichte 1 . 
Es wurde Lehm und Melanienkalk (bis 22,?o m), Blauer Mergel 
(bis 166,40 m) und von da ab Gypsmergel bis zum Ende der Boh- 
rung angetroffen (72). 

Die Bohrung Heidet, ausgeführt im Jahre 1864 auf dem 
Münzberg bei Mülhausen, in der Höhe von 336/* m, hat 8 m 
Lehm und Plattigen Stoinmergel, 67 m Melanienkalk und 18 m 
Blauen Mergel durchstossen (37). 

Die Bohrung im Zoologischen Garten, ungefähr in der Höhe 
von 287 m angesetzt, hat nach 62 m Melanienkalk, der in 44 m 
etwas Gyps enthielt, die Blauen Mergel erreicht (37). 

Bei Riedisheim liegt unter dem Melanienkalk, der hier nur 
wenige Meter mächtig ist, blauer Mergel von 0,5 m Mächtigkeit, 
dann folgt 1 m sandiger Kalk, darunter wieder blauer Mergel, 
der in dem folgenden Profil als blauer Letten bezeichnet ist 

Profil IV. 



d... 



Melanlcnkalk. 



4,50 m Herpel und Hteinmergel mit 
und lonekton. 



1 m Zerfressener 
1 m Heller Kalk. 

1 l 



» in Stinkkalk mit Mtl. 

0,50 m Blauer Meruel. 
1 in Sandiger Kalk. 



d. KlM«lknollen. 



Auch in den oben besprochenen Bohrlöchern ist an den Ucber- 
gangsstellen im Blauen Mergel thoniger, blauer Kalk gefunden 
worden (72, S. 394, Anm. 6). Wir haben hier also den Ucbergang 
aus der mergligen in die kalkige Ausbildung. Andrerseits geht 
der blaue Mergel nach unten in den Gypsmergel Uber, wie die 
Bohrung am Haeenrain ergeben bat (72, S. 394). 



1. Mifc neigte früher zu der Ansicht, dass die Tiefe der Bohninp nieht ?50 m, 
nur 'J.'.O Fuss betragen habe (87, S. 362), sprach sich später aber (72, S. 3<i-l) 
wieder für die üben angegebenen Zahlen aus. 



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21G 



Dr. B. Förster. Geologischer Führer 



Um das Lagcrungsverhältniss der Blauen Mergel und des 
Melanienkalks zu den Gypsmergeln klarzustellen, habe ich im 
Folgenden einen Durchschnitt der Schichten von Dornach bis 
Habsheim gegeben': 

Profil V. 
Länge ! : 100000, Hohe 1 : 25000. 



.U><JTBey 

SrA/teAt 



tOofxmrmrt. 3 Blaue *. Melanien S Wattiger C 
*amimt MergH. Kalk. .Uewnergd. 



Die Schichten bilden einen deutlichen Sattel.. Da der Plattige 
Steinmergel sowohl den Melanienkalk als auch den Gypsmergel 
vom Dornacher Berg und von Habsheim überlagert, und da ferner 
die Blauen Mergel nach oben in den Melanienkalk, nach unten 
in den Gypsmergel Ubergehen, so stellen sich die Blauen Mergel 
mit dem sie Uberlagernden Melanienkalk als eine Einlagerung in 
den Gypsmergeln dar. Sie sind als gleichaltrig mit den mittleren 
Gypsmergeln anzusehen. 

3. Melanienkalk. 

Der Name Melanienkalk stammt von Sandberoer, der in 
seinen Land- und Süsswasser-Conchylien (36) eine Beschreibung 
der Kalke von Kleinkems und Brunstatt nebst den damals daraus 
bekannten Schnecken gegeben hat Die eingehendste Untersuchung 
dieser Kalke in geognostischer und paläontologischer Hinsicht hat 



I. Das punklirte Bohrloch (Heidet) wird von dem Durchschnitt nicht 
es liegt ungefähr 400 in südlich davon. Die übrigen Bohrungen sind oben erwähnt. 



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fllr die Umgobung von Mülhausen i. E. 



217 



Andreae 1884 (47, 8, 65—92) geliefert, die Lagerungs- und Alters- 
verhältnisse sind von mir 1888 erläutert worden (59, S. 137—149). 
Ausserdem haben Mieo, Bleichkk und Fliche (38, 50, 51, 54, 
72) sich mehrfach mit dem Melanienkalk beschäftigt 

Der Melanienkalk kommt auf der linken Seite der III zwi- 
schen Heidweiler und Dornach, auf der rechten Seite der III 
zwischen LUmschweiler, ßrubach und Rixheim vor. Im Nordosten 
ist er durch eine Verwerfungsspalte begrenzt, weshalb er dort scharf 
abschneidet; nach Sudosten senkt er sich auf der Linie Walheim, 
Lümschweiler, Brubach, Rixheim unter die mitteloligocänen Schich- 
ten, so dass er nur in einer schmalen Ellipse zu Tage tritt. Es 
ist möglich, dass der Melanienkalk von Rleinkems früher mit dem 
im Sundgau zusammengehangen hat. 



Unterer 



Profil VI (Biiheim). 



Oberor 
MoUniankalk. 



EX C IXD 




0,60 i 
2,50 ra Mor B el 



8 n. Kalk 



0,80 m Zerfrcuoncr Kalk. 



4 m 



8 m. Oofleckter Kalk. 



Pia», len; Limn. «i&jtot. 



a. Oöfurcbtrr Kalk. 
6. 



Bei Rleinkems ist er in einer Mächtigkeit von 12 m, bei 
Rixheim und Brunstatt von 20 m Uber Tage aufgeschlossen. Bei 
der Bohrung Heidet (37, S. 633) auf dem Rebberge bei Mulhausen 
wurden 67 m Süsswasserkalk durchstossen, darunter folgten dann 



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218 Dr. B. Förhtek. Geologischer Führer 

die Blauen Mergel. Die Bohrung im Zoologischen Garten ergab 
62 ra Melanienkalk. Zwischen Illfurth und Tagolsheim hat der 
Melanienkalk am Buchsberg eine Mächtigkeit von 100 m. 

Er besteht aus weicheren und härteren Kalkschichten, die 
in 0,io bis 2 m dicken Bänken auftreten, und aus einseinen sich 
dazwischen einschiebenden Mergellagen. Am besten wird seine 
Zusammensetzung wohl durch das auf der vorstehenden Seite mit- 
getheilte Protil von Roxheim wiedergegeben (59, S. 143). 

Da in diesem Profil die Schichten mehrfach zusammen- 
gefasst sind, so gebe ich im Folgenden eine ausführliche Be- 
schreibung derselben. Es folgen unter 3 m Löss, einer O^o dicken 
Schicht von Kalksandstein und 2,6 m Plattigem Steinmergel von 
oben nach unten: 

L Eine Schichtenreihe von hellen Kalkbänken mit 
vielen kleinen Krystalldrusen und sehr undeut- 



lichen Versteinerungen; auf den Schichtungs- 
flächen grüner, mergeliger Thon 2#o m 

2. Spröder, heller, gefurchter Kalk 0,» » 

3. Grüner und gelber Thon mit Linsen von festem 

und mürbem Stinkkalk 0,so » 

4. Hellgrauer" Kalk mit vielen Versteinerungen; 
darunter Kalk und grüner Thon 0,u > 

5. Bald hellerer, bald dunklerer Stinkkalk l,ao » 

6. Mergel mit wechselndem Kalkgehalt, zum Theil 
sandig 0,« » 

7. Zu oberst dunkelgrauer Kalk mit Versteinerungen, 
in der Mitte ein fester, von kleinen gebogenen, 
dunkeln Adern dicht durchzogener Stinkkalk, 
darunter gewöhnlicher Kalk O^s » 

8. Zu oberst grauer Kalk mit vielen Schnecken und 
kleinen rothgelben Klüften, darunter eine dunkel- 
graue fossilleere Zone, dann wieder graue Kalke 

wie oben 0,so » 

9. Harter, heller Kalk, der von vielen gelben Adern, 
die theilweife hohl, theilweise mit Eisenoxyd 



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r'iir die Umgebung von Mülhausen i. E. 210 

ausgefüllt sind, durchzogen ist und dadurch ein 
zerfressenes Aussehen erhält (zerfressener Kalk')- 
Nach unten ist er fest und fleckig. Voll von Ver- 
steinerungen 0,ao in 

10. Mürber Kalk l,oo » 

11. Zu oberst dunkler, fast körniger Kalk, in der 
Mitte eine grosstieckige Zone, zu unterst wieder 
dunkler Kalk 2,oo > 

12. Kalksandstein l,oo • 

13. Erdiger Kalk mit Limnaeen, Planorben und ver- 
kohlten Holzstücken (schwarze Schicht) 0,so » 

14—19. Aussen heller, innen dunkler, spröder Kalk 

mit vielen Krystalldrusen 5,*> » 

20. Heller, theilweise gefleckter Kalk 1,« » 

21. Dunkler Kalk l,oo » 



Zusammen .... 20,6« m 

In den obersten Schichten des Melanienkalks findet sich oft 
ein dunkler Plattenkalk mit Röhren, die wahrscheinlich von 
Schilfrohr herrühren (Schilfkalk). Eine weitere Eigentümlichkeit 
zeigen die oberen Mergelschichten des Melanienkalks westlich 
von Rixheira, die der Länge und der Quere nach von Kalk- 
adern durchzogen sind, so dass dieselben ein zellenartiges Aus- 
sehen erhalten (Zellenmergel). Der grauschwarze, mürbe, erdige 
Kalk mit verkohlten Pflanzenresten geht an einzelnen Orten in 
dünne Kohlenschmitzen Uber, die z. B. bei Illfurt Veranlassung 
gegeben haben, einen Abbau zu versuchen, der aber bald wieder 
aufgegeben wurde. Der Kalk ist oft mit Kieselsäure durchtränkt 
und liefert dann einen guten Baustein. Bei Riedisheim, an der 
Ziegelscheuerfabrik bei Brubach und a. a. 0. hat sich die Kiesel- 
säure in grossen, flachen Hornsteinknollen ausgeschieden, in 
denen Versteinerungen eingeschlossen sind (50). Auf den Spalten 
und Höhlungen haben sich Kalkspathkrystalle in spitzen Rhom- 



I, Diese Schicht isl überall ausgebildet und deshalb gut zur Orientierung zu 



220 



Dr. B. Föuster. Geologischer Führer 



boedern ausgeschieden. Sehr selten sind Pyritkrystalle. Ich besitze 
ferner ein Handstück mit schönen würfelförmigen Pseudomor- 
phosen von Eisenoxyd nach Flussspath. Bei der Bohrung im Zoo- 
logischen Garten fand man in 44 bis 45 m Tiefe etwas Qyps im 
Melanienkalk (72, S. 395). Eigenthümliche Verwitterungserschei- 
nungen kommen im Melanienkalk bei Didenheim und Rixheim 
(vgl. Profil VI, a) vor. Dort findet sich in den oberen Schichten 
eine Bank, die durch Spalten in Blöcke getheilt ist, welche 
ringsum in horizontalen Riefen tief gefurcht sind (59, S. 142). 

Die von Delbos und Köchlin-Schlumbebger (30, S. 31—32) 
auf dem BritzyBerg erwähnte dunkelbraune bis schwarze, phos- 
phorsäurereiche Erde mit Bruchstücken von Melanienkalk und 
verwitterten Knochen ist wohl ein Produkt jüngerer Zeit und 
theilweise durch menschliche Thätigkeit entstanden. Die schwarze 
Farbe ist durch verwesende Wurzeln und andere Pflanzentheile 
einer recenten Pflanzendecke gebildet; die Knochentheile, welche 
ich darin gefunden habe, zeigen Brandspuren. 

Die Lagerung des Melanienkalks ist im Ganzen horizontal, 
doch besitzt er an einzelnen Stellen auch ein beträchtliches Fallen 
nach verschiedenen Richtungen, z. B. Didenheim 10° — 20° N, 
Mülhausen 20 9 — 30° W, Hochstatt 10° SO, Rixheim 18° W, Ziegel- 
scheuerfabrik 10°— 13° S, Brunstatter Kapelle 5'— 6° NW, Weg 
nach Brubach 10° NW, Fröningen 10* S. 

Wie aus dem Profil V hervorgeht, Uberlagert der Melanien- 
kalk den Blauen Mergel und bildet mit diesem eine Einlagerung 



Profil VII. 




Zerbrochener Kalk. 



Zorfrcitencr Kalk. 



in den Gypsmergeln ; er selbst wird von dem Plattigen Steinmcrgcl 
discordant Uberlagert (59, S. 148), da dieser an verschiedenen 
Stellen auf verschiedene Schichten des Melanienkalkes übergreift 



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für die Umgebung von Mülhausen i. E. 



221 



In dem vorstehenden Profil eines Steinbruchs an der Strasse von 
Fröningen nach Niederspechbach, 1 km westlich von Illfurt, ist 
die oberste Bank des Melanienkalks erodirt worden, bevor der 
Plattige Stein mergel darauf niedergeschlagen wurde. 

Der Melanienkalk ist als gleichaltrig mit dem höhern Theil 
der mittleren Gypsniergel- Schichten anzusehen. Die oberen Gyps- 
mergel von Dornach und Zimmersheim sind etwas jUngcr (59, 
S. 174 und 64, S. 566) und gleichaltrig mit dem später zu be- 
sprechenden Mergel und Kalk mit Helix cf. Hombreai (59, S. 139). 

Die oberen Schichten zeichnen sich durch massenhaftes Vor- 
kommen von Schnecken, die in den unteren Schichten nur ver- 
einzelt vorhanden waren, und durch das erste Auftreten von Melania 
muricata S. Wood in gesteinsbildender Menge aus. Da ferner die 
oberen Schichten aus einem festeren, mehr kiesligen Kalkstein 
bestehen, während die unteren mehr kreidig-erdig sind, so kann 
man den Melanienkalk in eine obere und in eine untere Abthei- 
lung gliedern. Auf der Karte hat sich diese Trennung nicht durch- 
führen lassen. 

Versteinerungen finden sich im Melanienkalk in allen Schichten ; 
am häufigsten und charakteristischsten ist Melania albigenns NoüL. 

A. Pflanzen. 

Die in den Kohlenschmitzcn des Melanienkalks enthaltenen 
Pflanzenreste lassen keine Bestimmung zu. Die von Fliche (54 
auf S. 349-352) erwähnten Pflanzenreste von Brunstatt sollen 
sowohl aus dem Plattigen Steinmergel als aus dem Mclauienkalk 
herrühren, jedenfalls kommen aber die meisten aus dem Plattigen 
Steinmergcl. In dem neuesten Aufsatz (72, S. 416) dieses Autors 
werden aus dem Molanienkalk des Kapellen -Steinbruchs von 
Brunstatt Wurzeln und Rhizome von Phragmites , Cypcru« und 
Nymphaeaceen, Stengelstücke von Rhizocaulon und Blattreste von 
Sparganium angegeben. 



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222 



Dr. B. Fökutkb. Geologischer Führer 



B. Thiere. 
Wirbclthiere. 

1. Falaeotherium magnvm Cuv. 

Taf. IX, Fig. 1 und 2. 

Aus dein Steinbruch am Nordabhang des Schoff-Berges zwi- 
schen Rixheim und Ziminersheim liegt von diesem interessanten 
Verwandten unseres Pferdes der Oberkiefer vor, dessen linke 
Soite mit den 6 hinteren Backenzähnen, die ziemlich stark abge- 
kaut sind, und einem Theile des Jochbeins gut erhalten ist; auf der 
rechten Seite sind nur Reste von 4 Backenzähnen vorhanden. Zu 
diesem Oberkiefer gehört wahrscheinlich der aus demselben Stein- 
bruch stammende, ebenfalls von mir gefundene und aus lauter 
kleinen Bruchstücken zusammengesetzte Eckzahn. (Fig. 2.) 

Beide Stücke befinden sich in der Sammlung der geologischen 
Landesanstalt zu Strasburg i. E. 

2. Palneothorium medium f Cuv. 

Taf. IX, Fig. 3 und 4. 
Drei zusammenhängende, sehr stark abgekaute Backenzähne 
des rechten Oberkiefers aus einer etwas höher gelegenen Bank 
^desselben Steinbruchs. Sie gehören ebenfalls der geologischen 
Landesanstalt. Im Museum der Industriellen Gesellschaft zu Mül- 
hausen i. E. befindet sich aus dem Steinbruch bei der Brunstatter 
Kapolle ein Unterkiefer von P. medium (21, S. 555), und Andueae 
besehreibt (47, S. 73, Taf. III, Fig. 17) von demselben Fundort 
einen Eckzahn von P. medium wegen seiner auffallenden Form. 
Ferner hat M. Mieg (51, S. 14) bei Riedisheim das Bruchstück 
eines Unterkiefers von einem Jugendexemplare dieser Art gefunden. 

3. Testudo Laurae Förster un d Becker. 
Taf. X, Fig. 1. 
60, S. 215-239, Taf. IV und V. 
In den Melanienkalksteinbrüchcn von Brunstatt, Riedisheim, 
namentlich aber in denen zwischen Rixheim und Zimmersheim 
habe ich zahlreiche Reste des Panzers von Schildkröten gefunden, 
über die im Jahre 1888 in der oben angegebenen Arbeit berichtet 



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für die Umgebung von Mülhausen i. E. 



223 



worden ist Seitdem habe ich noch mehrere schöne, die dort ge- 
gebenen Abbildungen ergänzende Stücke gefunden. Namentlich 
muss das Xiphiplastron eine etwas abweichende Gestalt erhalten. 
Die Plastronbrticke ergiebt sich etwas kleiner, als in der genannten 
Arbeit angegeben wurde. Der Epiplastronwulst ist etwas stärker ent- 
wickelt. Die Pectoral-IIumeral-Furche geht nicht unter den Axillar- 
fortsatz, sondern bildet eine ungefähr gerade Linie. Die Abdominal- 
Femoral-Furche biegt sich dagegen unter den Inguinalfortsatz. 

Von besonderer Wichtigkeit ist die grössere Entwicklung des 
Epiplastronwulstes bei dem jetzt abgebildeten Exemplar, wie sie 
nur bei Testudo-Arten vorkommt. Dadurch fällt das erste, bei der 
oben erwähnten Arbeit als Zfwys-Charakter angegebene Merkmal 
fort; allerdings ist die Brücke kürzer als bei den jetzigen Testudo- 
Arten, immer aber noch viel grösser als bei Emys. 

Vom Carapax habe ich gut erhaltene hintere Marginal- und 
Neurai-Platten gefunden. Mikg hat bei Rixhcim einige Schild- 
krötenreste gefunden, die ihm zu Tastudo und Emys zu gehören 
scheinen. Dabei ist daran zu erinnern, dass T. Laurae einige 
Emys- Charaktere besitzt (60, S. 22G). 

Merkwürdig ist es, dass einzelne Exemplare sehr dünne, 
andere wiederum sehr dicke Panzergebilde besitzen. Da jedoch 
in der Grösse und in der Art der Ausbildung der Panzerstücke 
sich nur ganz unwesentliche Verschiedenheiten zeigen, so glaube 
ich, sämmtliche von mir bisher gefundenen Reste zu obiger Art 
ziehen zu müssen. 

Sandbekgku giebt Reste einer Schildkröte von Klcinkems 
an (36, S. 327). 

Weichthiere 1 . 

1. Neritina brevispira Sandb. 

Taf. XI, Fig. 1 a, b. 
36, S. 322, Taf. 17, Fig. 15. 
59, S. 15Ü. 

I. Im ilelanienk.ilk von Kleinkrms sind die SchneckenKchausr uft noch mit der 
Schale erhalten, wahrend an den verschiedenen Fundpunktcn im Sundgau meist nur 
Abdrücke und steinkerne vorkommen. 



224 Dr. B. Förster. Geologischer Führer 

Von Sandiierger als Seltenheit von Kleinkems, von Andreae 
(47, S. 74) von Illfurt angegeben. Das in Fig. 1 a, b als Abdruck 
und Steinkern abgebildete Exemplar habe ich als einziges bei 
Kleinkems gefunden. 

2. Melania albigensis NouL. 

Taf. XI, Fig. 2 a, b, c, d, c, f, g, h, i, k, 1, ra, n, o. 

59, 8. 156. 

Melania Eschert Brot. var. Laurae* Math. — 

36, 8. 323, Taf. 17, Fig. 17. 
Melania Laurae Math. — 47, 8. 74. 
Melanoide* albigensis NOÜL< var. Dumasi Font. — 

48, S. 26. Taf. II, Fig. 66-70 und Taf. III, Fig. 1—3. 

Die Art ist ausserordentlich veränderlich, weshalb ich eine 
grössere Anzahl von Individuen abgebildet liabe. Ziemlich beständig 
scheinen eine schlanke Form mit wenig Querrippen und wenigen 
Knoten (Fig. 2 a, b, c, h, i, 1, o) und eine breitere, mit mehr Quer- 
rippen und zahlreicheren Knoten (Fig. 2 d, e, f) zu sein; doch 
giebt es auch Zwischenformen (Fig. 2 g, k, m, n). Bei der Varietät 
mit vielen Knoten scheint die Furchung der Nahtzone stete viel 
deutlicher zu sein als bei der schlanken mit den wenigen Knoten; 
ausserdem hat die ersterc eine breitere Nahtzone mit meist 3, 
die letztere eine schmalere mit meist nur 2 schwachen Längs- 
rippchen — doch sind auch diese Unterschiede nicht durchgehend, 
so dass ich auf die Aufstellung besonderer Varietäten verzichte. 

Die grössle Höhe beträgt 66 mm, die grösste Breite der letzten 
Windung 22 mm. Theilweise ist noch die ursprüngliche dunkel- 
braune Färbung erhalten. Die Embryonalwindungen sind nicht 
glatt, wie man bisher geglaubt hat, sondern enthalten ebenfalls 
wie die späteren Windungen schon Querhöckerchcn, die allerdings 
sehr fein sind und erst von der sechsten Windung an deutlicher 
werden. 



I. MATHtuoM iCataloguc des corps orginisös fossiles. — Marseille. 184?) schreibt 
laurea — nicht Laurae ! 



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fiir die Umgebung von Mülhausen i. E. 



Ueberall häufig im Melanienkalk; besonders grosse Exem- 
plare bei Niederspechbach. 

• 

3. Melania muricata S. WOOD. 
Taf. XI, Fig. 3 a, b, c. 
36, S. 2G3, Taf. 15, Fig. 5 a, b und Taf. 20, Fig. 6. 

59, S. 157. 

Sehr zahlreich im oberen Melanienkalk von Riedisheim und 
Brunstatt, vereinzelt bei Didenheim. 

4. Melanopsis Mamiana NoüL. var. 
Taf. XI, Fig. 4 a, b, c, d. 
36, S. 284, Taf. 16, Fig. 1 und Taf. 18, Fig. 2. 

47, S. 76. 

Unsere Form unterscheidet sich von der typischen im Paläo- 
therienkalk von Süd-Frankreich vorkommenden durch ihre nicht 
so stark verlängerte Spitze. 

An allen Aufschlusspunkten des Melanienkalks ziemlich 
häutig. 

5. Melanopsis carinata Sow. 

Taf. XI, Fig. 5. 
36, S. 248, Taf. 14, Fig. 19. 
Häufig bei Tagolsheim. 

6. Melanopsis percarinata n. sp. 
Taf. XI, Fig. 6. 
M. cf. carinata, Sow. var. 47, S. 76. 
In der erwähnten Arbeit unterschied Andkkae diese Art von 
der typischen M. carinata auf folgende Weise: «Sie ist schlanker 
und spitzer und zeigt noch schärfere Nahtkanten.» Da dieselbe 
ferner 10 Umgänge hat (59, S. 159), während M. carinata Sow. 
nur 8 haben soll, und die letzte Windung, welche bei M. carinata 
Sow. nur Vi der ganzen Höhe erreicht, die halbe Höhe beträgt, so 
habe ich sie als besondere Art von der ihr sehr nahestehenden 
M. carinata abgetrennt. 

Ziemlich häufig bei Kleinkems und sehr häufig bei Tagols- 
heim, doch selten gut erhalten. 



226 Dr. B. Förster. Geologischer Führer 

7. Hydrobia indifferent Sandb. 
Taf. XI, Fig. 7. 
36, S. 324, Taf. 18, Fig. 4. 
47, S. 77, Taf. 3, Fig. 5. 

Achnelt der //. Dubuissoni Boüillet. 
Nicht häufig. 

8. Hydrobia cf. tubulata Desh. sp. 
Taf. XI, Fig. 8. 
36, S. 210, Taf. 11, Fig. 8 und Taf. 14, Fig. 7. 
Sehr schlank und dadurch von der etwas kleineren und 
dickeren //. indifferens zu unterscheiden. 

Bei unserm Exemplar ist die Mündung etwas weiter nach 
unten gezogen als bei den von Sandberger abgebildeten Exem- 
plaren. 

9. Hydrobia cf. Sandbirgeri DESH. sp. 
Taf. XI, Fig. 9. 
36, S. 332, Taf. 19, Fig. 26. 

Unsere Exemplare stehen zwischen H. Sandbergeri und H.pyra- 
midalit Desh. sp. In der Grösse stimmen sie mit ersteren Uberein. 
Die Anwachsstreifen sind kaum zu erkennen. Unsere Form ist 
grösser und breiter als die beiden anderen Arten. 

In der zerfressenen Schicht bei Brunstatt nicht selten. 

10. Valvata circinata Mer. sp. 
Taf. XI, Fig. 10 a, b. 

36, S. 324, Taf. 18, Fig. 6. 
47, S. 77, Taf. 3, Fig. 6. 
Ueberall häufig. 

11. Nystia polita F. Kdw. sp. 
Taf. XI, Fig. 11 a, b, c, d, c, f, g. 

36, S. 266, Taf. 15, Fig. 10. 
Die meisten Exemplare haben die ersten Windungen abge- 
worfen, doch kommen auch solche vor, welche dieselben noch be- 
sitzen (Fig. 11 d). 



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flir die Umgebung von Mülhausen i. E. 



227 



Bei Brunstatt ziemlich selten, sehr häufig dagegen in einem 
alten Steinbruch am südlichen Abhang des Mönchs-Berges an der 
alten Strasse von Mülhausen nach Brubach. 

12. Planorbis goniobasis Sandb. 
Taf. XI, Fig. 12 a, b, c. 

36, S. 272, Taf. 15, Fig. 21. 
Ziemlich häufig in den obersten Schichten bei Tagolsheim. 

13. Planorbis Uns Ah. Bkont. 

Taf. XI, Fig. 13. 
36, S. 274, Taf. 15, Fig. 25. 

An dem Kiel leicht zu erkennen. 
Bei Rixheim und Flaxlanden häufig. 

14. Planorbis patella Sandb. 

Taf. XI, Fig. 14. 
36, S. 324, Taf. 18, Fig. 6. 
Bei Kleinkems und Brunstatt 

15. Plnnorbis cf. Courpoilensis Carf.Z var. 
Taf. XI, Fig. 16. 
48, S. 46, Taf. 6, Fig. 20—23. 
69, S. 160, Nr. 12. 
Häufig bei Tagolsheim. 

16. Planorbis cf. polycymus Font. 

Taf. XI, Fig. 15 a, b, c. 
48, S. 46, Taf. 6, Fig. 24-26. 
59, S. 160, Kr. 11. 

Brunstatt, selten. 

17. Limnaeiis cf. marginaius Sandb. 

Taf. XI, Fig. 17 a, b, c, d, e, f, g, h, i, k, 1, m, n, o, p, q, r, s. 

36, S. 325, Taf. 18, Fig. 7. 
Die Art ist ausserordentlich veränderlich. Die grösseren 
Exemplare stehen dem L. elongatus M. PK Serres und L. convrxns 
F. F.dw. ( = Lfusi/ormis Sow.) sehr nahe. Um einen Ueberblick 



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228 



Dr. B. Föiister. Geologischer Ftthrer 



Uber die verschiedenen Formen zu geben, habe ich eine grössere 
Anzahl von Individuen abgebildet*. 
Ueberall häufig. 

18. Limnae.ua politus Mer. ined. 
Taf. XI, Fig. 18 a, b, c, d, e, f, g, h, i. 
47, S. 79, Nr. 16, Taf. 3, Fig. 10. 
Da auch diese Art in Form und Grösse sehr veränderlich 
ist, so gebe ich ebenfalls von ihr eine grössere Reihe von Ab- 
bildungen. 

Ueberall ziemlich häufig. 

19. Limnaeus »ubpolitm Andreae. 
Taf. XI, Fig. 19 a, b, c, d, e, f, g, h, i. 
47, S. 79, Nr. 17, Taf. 3, Fig. 9. 
Diese Art unterscheidet sich von der vorigen durch ihre 
schlankere Gestalt und etwas grössere Höhe. 
Ueberall, jedoch nicht sehr häufig. 

20. Limnaeus crassulus Desii. 
Taf. XI, Fig. 20 a, b, c, d. 

36, S. 255, Taf. 14, Fig. 10. 
Steht den etwas dickeren Formen des L. politus ziemlich nahe. 
Brunstatt und Rixheim, selten. 

21. Olandina cf. costeüata Sow. sp. 
Taf. XI, Fig. 21 a, b. 
36, S. 295, Taf. 17, Fig. 8. 
47, S. 80. 

Es liegt nur ein Bruchstück von Kleinkcms vor, welches ich 
trotz seiner schlechten Erhaltung abgebildet habe. Vielleicht giebt 
es Veranlassung, eifriger nach dieser Art zu suchen. Von Limnaeus 



1. Bei meinem letzten Besuch des Melanienkalks von Kleinkems fand icb ein 
Exemplar ton L. marginattu, dessen letzte Windung eine Breite Ton 18 mm erreicht , 
während dieselbe bei dem breitesten abgebildeten Exemplar (Taf. XI, Fig. 17 b) nor 
15 mm betragt. 



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für die Umgebung von Mülhausen i. E. 



229 



ist Glandina schon durch die feine Gitterstruktur leicht zu unter- 
scheiden. 

22. Strobilus pseudolabyrinthicus Sandb. 
Taf. XI, Fig. 22 a, b, c. 
36, S. 277, Taf. 14, Fig. 25. 
47, S. 81. 

Unter dieser Bezeichnung habe ich die früher (59 S. 161, 
Nr. 19 und 20) als 8. monile und S. pseudolabyrinthicus angeführten 
Arten vorläufig zusammengefaßt, da der Erhaltungszustand der 
mir vorliegenden Exemplare zu einer genauen Unterscheidung der 
beiden Arten nicht ausreicht. 

Brunstatt, Zurenwald, Flaxlanden, nicht häufig. 

23. Patula Wervekei n. sp. 
Taf. XI, Fig. 23 a, b, c, d, e, f. 
Auch hier habe ich die beiden früher (69, S. 161, Nr. 21 
und 22) als verschieden aufgefassten Arten vereinigt, da mir jetzt 
Uebergänge vorliegen. 

Häufig bei Didenheim und Flaxlanden ; das grösste Exemplar 
stammt von Heidweiler. 

24. Nanina Köchlini Andreae. 
Taf. XII, Fig. 1 a, b, c, d. 

47, S. 81, Taf. 3, Fig. 3. 
Brunstatt, Rixheim, Didenheim; ziemlich selten. 

25. Helix cf. Cadurcensis NoüL. 
Taf. Xn, Fig. 2 a, b, c, d. 

36, a 349, Taf. 18, Fig. 14. 
Steht der oben angegebenen Art von Cordes (Tarn) nahe, 
nur ist sie etwas grösser, und ihre Mündung ist nicht so weit 
heruntergezogen. 

26. Helix sp. 
Taf. XII, Fig. 3 a, b, c. 
47, S. 81, Nr. 19, Taf. 3, Fig. 4. 

Da nur ein Steinkern dieser Art von Brunstatt und einige 



•2:io 



Dr. R. Förätkr. Geologischer Führer 



zusammengedrückte Exemplare von Rixheim vorliegen, so läset 
sich dieselbe nicht genau bestimmen. 

27. Megalomastoma mumia Lam. sp. 
( = Cyclostoma Köchlinianum Mer. 36, S. 32G, Taf. 1«, Fig. 10 
und = Megalomastoma Köchlinianum Mer. sp. ebendaselbst.) 
Taf. XII, Fig. 4 a, b, e, d, e, f, g. 
Ucberall häufig. In dem nicht mehr in Betrieb befindlichen 
Steinbruch an der alten Strasse von Mülhausen nach ßrubach 
kommen neben sehr schön erhaltenen ausgewachsenen Exemplaren 
auch zahlreiche Jugendexemplare mit nur 5 Windungen vor. 

28. Auricula alsatica Mer. 
(= Mclampus aUaÜcus Mek. sp. in 36, S. 325, Taf. 18, Fig. 8.) 
Taf. XII, Fig. 5 a, b, c, d, e, f. 
47, S. 83, Nr. 22, Taf. 3, Fig. 12. 
59, S. 162, Nr. 26. 
Ueberall zahlreich. Besonders gut erhaltene Steinkerne in 
dem vorhin erwähnten Steinbruch an der alten Strasse von Mül- 
hausen nach Brubach. 

29. Auricula striata FÖRSTER. 
Taf. XII, Fig. 6 a, b, c, d. 
59, S. 163, Nr. 28, Fig. 1 und 2 im Text 
Herr Professor Andreas in Heidelberg schrieb mir über 
diese Form: «Die von Ihnen beschriebene Auricula scheint mir 
eine Plecotrema (H. K. A. Adams 1833) zu sein. Die lebenden 
Verwandten sind indisch-oceanisch und von halbwegs mariner 
Lebensweise.» 

Ueberall häufig; die Schale ist besonders gut bei den Exem- 
plaren von Kleinkems erhalten. 

30. Auricula Sundgoviensis Andreae. 
Taf. XII, Fig. 7. 
47, S. 85, Nr. 23, Taf. 3. Fig. 14 b und 15. 
Fig. 13 und 14 a gehören wohl zu A. striata. 
Unterseheidet sich von A. striata hauptsächlich durch das 
Fehlen der Kippen. 



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für die Umgebung von Mülhausen i. E. 



231 



Ueberall häutig, doch meist schlecht erhalten und dann nicht 
von A. striata zu unterscheiden. 

31. Fascinella eoemica Stäche (in litt.) 
Taf. XI, Fig. 24. 
36, S. 137, Taf. 19, Fig. 18. 

Ein Abdruck aus der zerfressnen Schicht von Brunstatt gleicht 
so sehr in Grösse und Form der oben erwähnten Figur von 
F. eocenica, dass er hier eingereiht werden rauss. 

32. Sphaerium Bertereauae Font. 
Taf. XII, Fig. 8 a, b, c. 
48, S. 50, Taf. 7, Fig. 4—6. 
59, S. 163, Nr. 29. 

Bisher nur bei Tagolsheim gefunden; vielleicht haben wir 
es hier mit der von Meriax aus dem SUsBwasserkalk von Mül- 
hausen erwähnten (18) Cyclo* zu thun (vgl. 47, S. 86, Nr. 24). 

4. Mergel und Kalke mit Limnaeu* braehygaster Font. 
und Helix cf. Hombreai Font. 

Bei Kleinkems liegt, wie aus dem nachfolgenden Profil hervor- 
geht, Uber dem typischen Melanienkalk eine ungefähr 12 in mächtige 
Schichtenreihe von Kalken, Mergeln und Thonen, die bis auf einen 
nur 20 cm mächtigen Horizont fast versteinerungsleer ist; sie 
wird vom Flattigen Steinmergel überlagert Ich habe darin nur 
Limnäen und Helices gefunden. Diese rein limnische Fauna hat 
mich veranlasst, diese Schichten von dem darunter liegenden 
Melanienkalk, der etwas brackischen Charakter zeigt, abzutrennen. 
Im Sundgau habe ich diese Abtheilung allerdings noch nicht mit 
Sicherheit nachweisen können, wahrscheinlich gehören hierher 
aber die obersten Schichten des Melanienkalkes von Illfurt und 
Tagolsheim, wenigstens gleichen sie den entsprechenden Schichten 
bei Kleinkems ausserordentlich ; bisher habe ich darin freilich nur 
unbestimmbare Reste von Fossilien gefunden. 

Die Kalke sind theilweise sandig, erdig, theilweise hart, 



2.12 



Dr. B. Förste«, fieolofrischer Führer 
Profil Vitt 

Nagelflab. 

e>fl 3 in 




„ •" O O 1} V <' 

9 O A a »o *> P " m *• 



Kai L- andrt i zu oberat eine rothe Tbonachicht. 
0,5 m Mergel mit Htlix ct. rufulota. 
S m Foeter Kalk, theilweii In Negelflnh Ober- 
gebend. 
0,5 m Dunkclgraaer Kalk. 

1,30 ra Nagelfl.il>. 
I m Kalk and Nagclflnh mit 



Unterer Han»tela. 



Plattiger 
Stcinmrrirrl. 



-.- i :,: i -.t,r..-j: 



L •_ "_• _-_r _ — - r - r £ Lettenmorgel. 

4 m 



10 in (N'agclflub) verdeckt' 



0,30 i 



mit MuliLiM ... 



10 m Solnmergel, verdeckt. 



Rtnlnmrrgel. 



msmmmBaammanam 



Mergel 
mit 
MaHMMMJ 
brochttgarter 
und 

nelii ct. Unmhrtii. 



Mclanleukalk. 



— i — 1 — r 



T 



tY,V q 



_i i i i i 



5 in Verdeckt (Thon). 

t m Orane Mergel und Kalkbauke 
1 m OrBnc Mergel. 
8 m Orünc Mergel mit Htlhr 



4 m Kai.: 

1 in Grfinlicb-waletcr Kalk»and«trln. 

I m Kalk mit wenig Melanien. 

(Kohleuaehmltseben). 

t m Krdlgur Kalk, vcr^tclnernngareicb , 



8 m KMk. 



1. Die nicht anfgenchloiiaencn Schiebten «Ind wel«* gelanen. 



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für die Umgebung von Mülhausen i. E. 



233 



korallenkal kartig und von Kalkspathadern durchzogen, von weisser, 
grauer bis graugrüner Farbe. Die Mergel sind von festen Kalk- 
knollen durchsetzt; trocken sind sie hart, durchfeuchtet — plastisch. 
Zwischen ihnen lagern dünne, grüne Thonschichten. 

Sie bilden die obersten Schichten des Unter-Oligocäns und 
sind als gleichaltrig mit den obersten Schichten der Gypsmcrgcl 
zu betrachten (59, S. 173). 

Versteinerungen : 

1. Limnaem bracht/gaster Font. 
Taf. XII, Fig. 9 a, b. 
48, S. 42, Taf. 5, Fig. 45. 

Kleinkems. 

2. Helix cf. Hombresi Font. 
Taf. XII, Fig. 10 a, b, c. 

48, ä 36, Taf. 5, Fig. 19-21. 
Kleinkems, zahlreich. 

3. Helix cf. comatvla Sandb. 
Taf. XII, Fig. 11 a, b, c. 

36, S. 350, Taf. 18, Fig. 17. 

Unsere Form gleicht dieser Art sehr, ist aber etwas kleiner. 
Von Helix rugulom v. Martens, der sie auch ähnlich ist, unter- 
scheidet .Hie sich durch die bedeutend feineren Anwachsstreifen. 

Kleinkems, häufig. 

4. Helix sp. 
Taf. XII, Fig. 12 a, b, c, d. 
Früher (59, S. 164) hatte ich diese Art mit einem Frage- 
zeichen zu H. Vectien$is F. Edw. gestellt Nachdem ich jetzt besseres 
Material besitze, kann ich diese Einreihung nicht aufrecht er- 
halten, da unsere Art einen schwachen Kiel hat, der 77. Vectienris 
durchaus fehlt Sie steht vielmehr der stark gekielten H. Vialai 
Boissy (36, S. 292, Taf. 17, Fig. 4) nahe, ist aber etwas flacher. 
Die Art muss vorläufig noch unbestimmt bleiben. Da sie jedoch 
bei Kleinkems nicht selten vorkommt, so habe ich sie abgebildet 



231 



Dr. B. Föhhteb. Geologischer Führer 



ö. Petrolsandmergel. 

Profil IX. 
Länge 1 : 100000, Höhe 1 : 25000. 





mjlürUr 




Bei Hirzbach südlich von Altkirch liegen unter dem Löss 
blaugraue, sandig glimmerige Mergel und Sandsteine von grauer 
und gelber bis gelbbrauner Farbe mit ungefähr 15° bis 20* west- 
südwestlichem Einfallen, die mit Petroleum durchtränkt sind; auf 
den Klüften ist dunkelbraunes bis schwarzes, dickes Erdöl ausge- 
schieden. Die Petrolsande sind vom Hirzbach angeschnitten, welcher 
namentlich nach längeren Regengüssen auf seiner Oberfläche 
Petroleum führt und deshalb auf dieser Strecke den Namen Oel- 
bach erhalten hat. Des Petroleums wegen sind in der Nähe von 
Hirsingen, Hirzbach und St. Glücker eine Menge von Bohrungen 
ausgeführt worden. Die in den früheren Jahren unternommenen 
sind bedeutungslos. Von den seit 1891 bis jetzt noch fortgeführten 
haben dagegen mehrere über 150 m Tiefe erreicht, eins davon 
sogar 179 m. Es ist in der Höhe von 320 m angesetzt und hat, 
ebenso wie die andern, sandige Mergel und Sandsteine durch- 
stossen. In ungefähr 100 m Tiefe zeigten sich in allen Bohrlöchern 
Petrolspuren, einmal wurde sogar bei 102 m eine Springquelle er- 
bohrt, die aber nach 1 / 4 Stunde schon wieder aufhörte zu fliessen. 

Die Petrolsandsteine von Hirzbach, die ein westsüdwestliches 
Fallen von 15° haben, sind als eine Fortsetzung der ungefähr in 
gleicher Höhe anstehenden Blättersandsteino zwischen Altkirch und 
Hirzbach anzusehen. Da« Einfallen derselben konnte ich an einer 



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für die Umgebung vou Mülhausen i. E. 



235 



Stelle am Abhang des Illberges als 30* SSO feststellen. Wir haben 
es hier also mit einer Sattelbildung zu thun ; die sich daran 
anschliessende Mulde ist durch eine Verwerfung abgeschnitten. 

In ihren tieferen Schichten sind diese Petrolmergel und 
-sande zum Unter-Oligocän zu stellen, in ihren obern dagegen 
müssen sie schon zu den mitteloligocänen Meeressanden gerechnet 
werden (47, S. 165). Das Unter-Oligocän geht hier allmählich in 
das Mittel-Oligocän über. 

Von Fossilien ist in den unteroligoeänen Petrolsandmergeln 
bisher nichts bekannt geworden. 

II. Mittel-Oligocän. 

1. Meeressand in verschiedener Ausbildung. 

a) Plattiger Steinmergel. 

Die Verbreitung des Plattigen Steinmergels fällt ungefähr 
mit der des Melanienkalks zusammen, Uber welchen er westlich 
und südlich nur wenig hinaus geht; derselbe findet sich, ausser 
bei Kleinkems, innerhalb einer langgestreckten Ellipse zwischen 
den Ortschaften: Mülhausen, Didenheim, Fröningen, Niederspech- 
bach, Heidweiler, Aspach, Wittersdorf, Lümschweiler, Oberstein- 
brunn, Brubach, Zimmersheim, Rixheim, Riedisheim, Mülhausen. 

Der Plattige Steinmergel tritt nur an einzelnen von Löss 
entblössten Stellen zu Tage und liegt meist auf dem Melanicn- 
kalk, und zwar an den verschiedenen Aufschlusspunkten auf ver- 
schiedenaltrigen Schichten desselben (vgl. Profile IV, VI, VII, 
VIII und X). Die Grenzschicht des Melanienkalks gegen den 
Plattigen Steinmergel zeigt bei Riedisheim und Brunstatt Furchen 
und knollenförmige, an ihrer Oberfläche glatte Erhöhungen (59, 
S. 145). Bei Brunstatt an einer Stelle im Kapellensteinbruch (69, 
S. 148) und bei Niederspechbach (vgl. Profil VII) ist zwischen 
beiden Ablagerungen eine Diskordanz zu beobachten. Wo der 
Plattige Steinmergel also direkt auf dem Melanienkalk aufliegt, 
ist eine längere Unterbrechung in der Ablagerung, wahrscheinlieh 



236 



Dr. B. Föubter. (ieologUcher Führer 



in Verbindung mit Erosion, eingetreten. Dagegen scheint er die 
Gypsraergel (vgl. Profil III und V) concordant zu überlagern. 

Der Plattige Steinmergel erreicht seine grösste Mächtigkeit 
im Walheimer Hölzle mit 25 m, während dieselbe bei Zimmers- 
heim 11,20 m, bei Kleinkems 10 m beträgt; bei Brunstatt ist er 
sogar nur 4 m mächtig, zeigt aber hier eine sehr charakteristische 
Ausbildung. Im Folgenden gebe ich das Profil des wegen seines 
Insekten-Reichthums bekannten Kapellen-Steinbruchs von Brunstatt 

Profil X. 




Unirrer 
Mrlauica- 



\ - — r — f — 

1 1 i'i' i-y-ti 



4 ni 



.Koraminlferen. 



l'flanton, Ernphatromn, lusukluu. 

Zcrfreuooer Kalk. 
4,60 m Kalk. 

Zerfr«»»«ner Kalk. 

Tukti». 

3 m Kalk. 

Gefleckter, terbrochcu« 

4 m 

Harter, gefleckter Kalk 
Erdiger, 



b. KobleiiKhmitton. 



Wegen des Interesses, welches sich an diesen Bruch knüpft, 
möge die schon früher (52, S. 3 und 73, S. 343 — 345) gegebene 
ausführliche Beschreibung der einzelnen Schichten des Plattigen 
Steinmergels dieses Profils auch hier Platz finden: 

Ackerkrume. 

f. Harter, blättriger, dunkelgrauer Steinmergel . . 0,io ra 

c— f. Weicher, kalkarmer Mergel 0,u » 

e. Kalkstein O^i » 

d — e. Gedrückter und gebogener Steinmergel in dic- 
keren Bänken bis zu papierdünnen Schichten l,oo » 

d(d,. 4 ). Steinmergel 0,<o » 

c — d (d,). Zu unterst kalkärmerer weicher Mergel in dün- 
nen Platten, die nach oben kalkreicher werden 



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für die Umgebung von Mülhausen i. E. 237 

und eine weinröthlichc Färbung annehmen; sie 

spalten in papierdünne Platten 0,m m 

c. Blätternde Steinmergel 0<w » 

b— c. Etwas dickere Plattenmergel (),«> » 

b. Verbogene Steinmergel 0,<w » 

a— b. Kalkarme Mergel in dünnen Platten 0,35 » 

a. Steinmergel 0,» » 

o— a. Kalkarmer gelber Mergel in dünnen, zerbro- 
chenen Platten 0,is » 

Zusammen .... 3,76 m 



Darunter liegt der Melanienkalk. 

Die Schichten von o — b sind versteinerungsleer. In den 
Plattenmergeln der Schiebten b — c finden sich in einer bestimmten 
Lage Paeudomorphosen nach Steinaalzkrystallen bis zur Grösse von 
25 qcm neben hier und da eingestreuten Blättern von Nadel- 
hölzern. In den Schichten c — d (d,) liegen zahlreiche Pflanzen- 
abdrücke, eine kleine Hydrobia und ein kleiner Planorbis in grosser 
Menge; ferner finden sich darin ein Fischchen, Paralates Bleichen 
Saüv., und hin und wieder Insekten. Die Schichtenreihe d zer- 
fällt in drei Haupttheile, eine untere feste, allerdings auch aus 
dünneren Platten zusammengesetzte Bank d t , eine zweite aus 
leicht von einander trennbaren dünneren Platten bestehende Bank d, 
und eine dritte festere Bank d 4 , welch letztere aus einer unteren, 
bis 20 cm dicken, nur selten in Platten springenden harten Stein- 
mergelschicht besteht, auf der eine eich leicht ablösende, 1 cm 
dicke Schicht desselben Gesteins aufliegt. 

Die Schichten d, bis d, enthalten neben zahlreichen Pflanzen 
die Insekten. Ich habe bis jetzt sonst nur noch in der Steinmergel- 
bank f ein einziges Insekt, Apion cf. primordiale Heyd. gefunden. 

Hier und da kommt in d auch schon vereinzelt Cyrena se- 
mistriata Desh. vor. Die Schichten d— e sind fast versteinerungs- 
leer. Die Steinmergelbank e enthält Cyrena semistriata Desh. in 
grosser Menge neben zahlreichen Foraminiferen, die aber nur in 
wenigen Arten auftreten; ausserdem sind Schalenkrebse ausser- 
ordentlich häufig. Die Schichten e — f sind versteinerungsleer, in 



Dr. B. Föbstek. Geologischer Führer 



der Steinmergel bank f habe ich das oben erwähnte Apion ge- 
funden. 

Die Plattigen Steinmergel sind in ihren unteren Schichten 
eine Süsswasserbildung, die thcilweise einen brackischen Charakter 
zeigt Die ausserordentlich feine, papierdünne Schichtung, die 
durch die ganze Ablagerung hindurch geht, ruft den Gedanken 
an periodischen Absatz hervor; die hier und da eingeschwemmten 
Meeresthiere, die Pseudomorphosen nach den dachförmigen Salz- 
krystallen (s. Taf. XII, Fig. 24 a, b, d) beweisen, dass das Meer 
nicht sehr entfernt gewesen sein kann, und lassen vermuthen, dass 
diese Art der Ausbildung der Schichten vielleicht von Ebbe und 
Fluth veranlasst worden ist. Da die oberen Schichten Cyrena, 
Mytilus und Foraminiferen enthalten, so sind dieselben schon als 
echte Meeresbildungen aufzufassen. 

Die Pseudomorphosen sind in den genannten Figuren in 
natürlicher Grösse abgebildet Die Tropensonne machte aus zurück- 
gebliebenen Meerwasserlachen Concentrin* Salzmutterlaugen, aus 
denen dann die bekannten, von Würfeln gebildeten Dächer aiiB- 
krystallisirten. Diese sanken in den schlammigen Boden ein, 
wurden vom Wasser wieder aufgelöst und hinterliessen Höhlungen, 
die von Schlamm ausgefüllt wurden und die Formen des so leicht 
löslichen Salzes bis heute bewahrt haben. 

Die Plattigen Steinmergel sind ausserordentlich reich an 
Versteinerungen, besonders an Pflanzen und Insekten (62, S. 8, 
59, S. 167 und 72). 



Ich gebe hier nur eine Auswahl der wichtigsten Pflanzen- 
reste 1 : 

1. Equisetum sp. 
Taf. XIV, Fig. 1 a, b. 
Ein Stengelknoten und eine Blattscheide von Brunstatt 

l, Herr Dr. Lakowitz in Danzig, de»sen Arbeit über die oligocanen Pflanzen 
der Umgebung ton Mülhausen in Kürze erscheinen wird, hatte die grosse Freundlich- 
keit, mir seine Zeichnungen gütigst zur Benutzung zu überlassen, wofür ich ihm auch 
an dieser Stelle meinen verbindlichsten Dank sage. 



uiguiz 



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fHr die Umgebung von Mülhausen i. E. 

2. Equisrtum graciüimum Lakowitz. 
Taf. XIV, Fig. 2. 
StengelstUck von Ziramersheim. 

3. Filicites sp. 
Taf. XIV, Fig. 3. 
Blattrcst von Brunsta«. 

4. Glyptostrobus europaeus Heer. 
Taf. XIV, Fig. 4 a, b. 
Sehr häufig bei Brunstatt 

5. Sequoja Couttsiae Heek. 
Taf. XIV, Fig. 5 a, b. 
Häufig bei Brunstatt. 

6. Ccdlitris Brogniarti Endl. 
Taf. XIV, Fig. 6. 

Brunstatt. 

7. Pinns cf. hepios. 
Taf. XIV, Fig. 7. 

Zimmersheim. 

8. Typha Brunstattmsis Lakowitz. 

Taf. XIV, Fig. 8 a, b. 
Blattreat von Brunstatt. 

9. Phragmiies Oeningensis A. BRAUN. 

Taf. XIV, Fig. 9 a, b. 
Blattrest von Brunstatt. 

10. Carex tertiana Heek. 
Taf. XIV, Fig. 10 a, b. 

Frucht von Riedisheim. 

11. Salix elongata Web. 
Taf. XIV, Fig. 11. 

Blattstuck von Brunstatt 



240 Dr. B. Förster. Geologischer Führer 

12. Myrica salicina Ung. 
Taf. XIV, Fig. 13. 
Blattrest von Brunstatt. 

13. Myricophtjllum Brunstattense Lakowitz. 
Taf. XIV, Fig. 14. 
Blatt von Brunstatt. 

14. Populus sp. 
Taf. XIV, Fig. 15 a, b. 
Blattrest und Fracht von Brunstatt 

15. Daphnogene Ungeri Heer. 
Taf. XIV, Fig. 20. 
BlattreBt von Zimmersheim. 

16. Ailanthus Förstern Lakowitz. 
Taf. XIV, Fig. 21. 

Brunstatt 

17. Embothrium microspermum Heer. 
Taf. XIV, Fig. 22 a, b. 
Frucht von Brunstatt 

18. Pimelea Oeningens!* HKER. 

Taf. XIV, Fig. 23. 
Blättchen von Brunstatt. 

19. Proteoides longistima SAP. 

Taf. XIV, Fig. 24. 
Blatt von Brunstatt. 

20. Grevillea Haeringiana Ett. 

Taf. XIV, Fig. 25. 
Blattrebt von Brunstatt 

21. Cotoneaster obscurata Sap. 

Taf. XIV, Fig. 26. 
Blattrest von Brunstatt 



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für die Umgebung von Mülhausen i. E. 241 

22. Cassia ambigua Ung. 
Taf. XIV, Fig. 27. 
Blättchen von Brunstatt. 

23. Symplocos gregaria A. Bk. 
Taf. XIV, Fig. 29. 
Frucht von Brunstatt 

24. Porana Oeningenais Heer. 
Taf. XIV, Fig. 30. 
Fruchtkelch von Brunstatt 

25. Andromeda revoluta A. Btt. 
Taf. XIV, Fig 31. 
Blattrest von Riedisheim. 

Thiere. 

Wirbelthiere. 

1. Paralates cf. Bleichen SaüV. 
Taf. XII, Fig. 13 a, b, c, d, e. 
46, S. 484, Taf. 11, Fig. 1-2. 51, S. 33, Taf. 2, Fig. 4 und 5. 

Die genaue Beschreibung dieses in die Familie der Barsche 
gehörigen kleinen Fisches siehe in den oben angeführten Werken. 

Auffallend ist, dass bei den von mir in Brunstatt gefundenen 
Exemplaren die erste Rückenflosse immer sehr schlecht erhalten 
ist und meistens sogar fehlt. Dieselbe steht, ebenso wie die Bauch- 
flosaen, etwas weitor nach hinten, als es auf den von Sauvage aus 
den gelben Mergeln von Rufach (51, S. 31) abgebildeten Exem- 
plaren (s. o. 45) angegeben ist. 

Bei einzelnen Exemplaren meiner Sammlung sind die Schuppen 
erhalten, die bisher noch nicht bekannt waren. Dieselben (Fig. 13e) 
haben eino elliptische Gestalt und werden bis 1 mm lang und 
0,75 mm breit. Sie sind ganzrandig und mit feinen, etwas er- 
habenen, concontrischen Anwachsstreifen verziert Ihr Primitivfeld 
liegt ein wenig excentrisch; von demselben strahlen 6 vertiefte 
Radien nach vorn aus. 



242 Dr. B. FHrsteh. Geologiechor Fllbrcr 

Gliederthiere. 
a) Muschelkrebse. 

I. t Cypris. 

Taf. Xü, Fig. 16. 

In der obersten Steinmergelbank e des Plattigen Steinmergels 
von Brunstatt findet sich neben Foraminiferen eine ausserordent- 
lich grosse Menge von kleinen Schalenkrebsen mit nierenförmigen, 
ganzrandigen, glatten, dicken Schalen. Dieselben erreichen eine 
Länge von 0,w und eine Breite von 0,1* mm. 

b) Asseln. 

1. Eosphaeroma sp. 
Taf. XII, Fig. 14 a, b, c, d, e, f, g, h. 

Die verschiedenen im Plattigen Steinmergel von Brunstatt 
und Kleinkerns gefundenen Exemplare von Eosphaeroma weichen 
zwar in Form und Grösse ausserordentlich von einander ab, ge- 
hören aber vielleicht trotzdem zu derselben Art, da wahrscheinlich 
bei ihnen ebenso wie bei den heutigen Sphäromiden eine sehr 
grosse Veränderlichkeit auch schon damals geherrscht haben wird. 
Das kleinste Exemplar (Fig. 14 f) ist nicht ganz 5 mm lang, das 
grösste I6,a mm. Die einen haben eine mehr eiförmige, die andern 
eine mehr cylindrische Gestalt. 

Das Hauptskelett ist als ein derber, fischschuppenartig glän- 
zender Panzer ausgebildet Die Oberfläche der Körperhaut zeigt 
eine chagrinartige Beschaffenheit. Der Kopf ist zwischen die nach 
vorn ausgezogenen Seitenecken des vordersten Mittelleibsringes 
eingeschachtelt und trägt ein Paar grosse nierenförmige Augen. 
Der Mittelleib besteht aus 7 Ringen, welche seitwärts lappige 
Anhänge, die Seitenplatten oder Epimera, besitzen. An den ein- 
zelnen Mittclleibsringcn sind meist noch Gliedmassenreste erhalten. 
Der Hinterleib besteht aus einem Segment, welches den Mittel- 
lcib8ringen in Form und Grösse ähnlich ist, aber Quernähte wahr- 
nehmen lässt, und aus einem einfachen, fast kreisrunden Schwanz- 
schild, dem Telson, welches über '/« der ganzen Körperlänge aus- 
macht. Es trägt seitlich ein Paar von Anhängen mit zwei flossen- 



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fljr die Umgebung von Mülhausen i. E. 



243 



artigen Lappen, die Spaltbeine oder pedes spurii. An dem in 
Fig. 14 a abgebildeten Exemplar befinden sich auf der Unterseite, 
besonders an den Flossen, kreisrunde Körpereben, welche wohl 
als Eier aufzufassen sind. 

Bei Brunstatt liegen die Asseln meist vereinzelt, beiKleinkems 
dagegen habe ich eine Platte gefunden, auf der sich Hunderte von 
Exemplaren befinden. 

Eospkaervma ist eine nicht häufig gefundene Gattung. Früher 
kam in den brackischen Cyrentnergeln (Oligocän) der Butte de 
Chaumont bei Paris E. Brogniarti sehr häufig vor. Zwei Arten 
(E. fluviatile und Smithi Woodw.) gehören den untcroligoeänen 
Susswasserschichten von Bembridge, Insel Wight, an. Aus der 
Braunkohle von Sieblos in der Rhön ist E. obtusum H. v. M. be- 
kannt (H. v. Meyer, Palaeontogr. V. Taf. 23, Fig. 2—10.) 

Ferner haben sich ein Paar Eosphaeroma- Arten in den Mergeln 
von Rufach zusammen mit Paralates Bleichen' gefunden (51, S. 31 
und 32, Nr. 1 und 3). 

c) Flohkrebse. 

1. Gainmariis sp. 
Taf. XII, Fig. 15 a, b, c, d, e, f. 

Der langgestreckte Körper ist aus 15 einander gleichenden 
Abschnitten zusammengesetzt Der aus dem ersten Mittelleibsring 
frei hervortretende Kopftheil trägt zwei Paar Fühler und elliptische 
mittelgrosse Augen. Es folgen 14 Leibesringe, von denen die 
ersten 7 den Mittelleib, die folgenden sich nach hinten ver- 
schmälernden den Hinterleib bilden. Betreffs der Gliedmassen 
kann ich noch nichts Genaueres angeben, doch kommen sicher 
Springbeine mit verdickten Schenkeln vor, wahrscheinlich 3 Paare 
an den letzten drei Ringen des Mittelleibs. Die ersten Hinter- 
leibsringe tragen ebenfalls Gliedmassen, die sogenannten Spalt- 
beine. Der letzte Hinterleibsring besteht aus zwei Zapfen, welche 
griffelformige Anhänge tragen. 

Die meisten Reste sind braunroth gefärbt und zeigen mit- 
unter eigenthümliche weisse Punkte und Striche. 



244 



Dr. B. Förster. Geologischer Führer 



Sie kommen einzeln, aber auch vergesellschaftet vor. 

Ich habe dieselben bisher im Plattigen Steinmergel des 
Kapellen-Steinbruchs von Brunstatt und bei Lümschweiler gefunden. 
An letzterem Orte sind die Exemplare vorzüglich erhalten; sie 
sind daselbst in Brauneisenstein verwandelt und auf der einen Seite 
aus dem Gestein herausgewittert. Es ist dieses Material um so 
werthvoller, als man bis jetzt mit Sicherheit aus dem Oligocän erst 
einen Flohkrebs, Palaeogammarus sambiensis ZaddaCH aus dem 
samländischeo Bernstein kennt. Aus dem Miocän von Oeningen 
ist von Heer ein Flohkrebs als Oammarus Oeningensis beschrieben 
worden (Urwelt der Schweiz, S. 353, Fig. 209). 

d. Insekten. 

Die Plattigen Steinmergel in dem Kapellen-Steinbruch bei 
ßrunstatt haben mir eine ausserordentlich grosse Anzahl von 
geliefert, welche ich in einer grössern Abhandlung be- 
schrieben und abgebildet habe (73). In Folgendem gebe ich von 
den dort behandelten 159 verschiedenen Arten eine kleine Aus- 
wahl. Zu bemerken ist noch, dass von diesen 159 Arten die Flügel- 
decke eines Käfers, Lema, aus den Plattigen Steinmergeln von 
Riedisheim und eine sehr gut erhaltene Cassida aus denen von 
Zimmersheim stammt: 

1. Harpalus offusw Förster. 
Taf. Xin, Fig. 1 a, b. 

73, S. 352, Taf. 11, Fig. 11. 

2. Escheria convexa Förster. 
Tafel XIII, Fig. 2 a, b. 

73, S. 359, Taf. 11, Fig. 9. 

3. Stenns ornatus Förster. 

Tafel XÜI, Fig. 3. 
73, S. 365, Taf. 11, Fig. 12. 

4. Anthaxia Beneckei FÖRSTER. 

Taf. XUI, Fig. 4. 
73, S. 371, Taf. 11, Fig. 17. 



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fllr die Umgebung von Mülhausen i. E. 



5. Apion sulcaium Förster. 

Taf. XIII, Fig. 5. 
73, S. 379, Taf. 11, Fig. 22. 

6. Ceutorrhynchus Fisrheri FÖRSTER. 
Taf. XIII, Fig. 6. 
73, S. 390, Taf. 12, Fig. 4. 

7. Cnssida Kranistae FÖRSTER. 

Taf. XIII, Fig. 7. 
73, S. 407, Taf. 12, Fig. 20. 
Von Zirnmersheim. 

8. Haltica difficili» FÖRSTER. 

Taf. XIH, Fig. 8. 
73, S. 410, Taf. 12, Fig. 22. 

9. Chüocorus inflatus FÖRSTER. 

Tafel XIII, Fig. 9. 
73, S. 419, Taf. 12, Fig. 27. 

10. Chrysis amoena Förster. 

Taf. XIII, Fig. 10 a, b. 
73, S. 424, Taf. 13. Fig. 2. 

11. Camponotus vehement Förster. £. 

Taf. Xin, Fig. 11. 
73, S. 428, Taf. 13, Fig. 3. 

12. Oecophylla praeclara FÖRSTER. $. 

Taf. Xin, Fig. 12. 
73, S. 482, Taf. 13, Fig. 6. 

13. AttopsiB cf. longipennis Heer. £. 

Taf. XIII, Fig. 13. 
Herr, Insektenfauna. II, S. 155, Taf. 12, Fig. 11. 
73, S. 437, Taf. 13, Fig. 8. 

14. Attopsit blanda Förster. 9. 
Taf. XIII, Fig. 14. 
73, S. 446, Taf. 13, Fig. 16. 



24« 



Dr. R. Förster. Geologischer FHhrer 



15. Hypodinea explicana Förster. 9. 
Taf. Xni, Fig. 15. 
73, S. 434, Taf. 13, Fig. 7. 

16. Chironomus sp. Puppe. 
Taf. XHI, Fig. 16. 
73, S. 454, Taf. 14, Fig. 1. 

17. Tipula sp. Flügel. 
Taf. XIII, Fig. 17. 
73, S. 456, Taf. 14, Fig. 2. 

18. Boletina cf. Meigeniana Heer sp. 
Taf. XIII, Fig. 18. 
Heer, Fossile Insekten von Aix, S. 32. 
73, S. 458, Taf. 14, Fig. 4. 

19. Epicypta pallipe» Heer sp. 
Taf. XIII, Fig. 19. 
Heer, Fossile Insekten von Aix, S. 31, Taf. 2, Fig. 3. 
73, S. 463, Taf. 14, Fig. 8. 

20. Plecxa cf. Rhenana Heyd. sp. 9- 
Taf. XIH, Fig. 20. 
v. Heyden, Bibioniden a. d. Rheinischen Braunkohle. 
Palacontogr. 14, S. 28, Taf. 9, Fig. 9. 
73, S. 471, Taf. 14, Fig. 14. 

21. Syrphus cf. Freyeri Heer. 9- 

Taf. XIII, Fig. 21. 
Heer, Insektenfauna n, S. 244, Taf. 17, Fig. 12. 
73, S. 484, Taf. 14, Fig. 27. 

22. Dolichopu» miluus Förster. 

Taf. XIII, Fig. 22. 
73, S. 483, Taf. 14, Fig. 30. 

23. Blatta Sundgaviensis Förster. 
Taf. XIII, Fig. 23. 
73, S. 559, Taf. 14, Fig. 34. 



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fllr diu llmjfpbunp von Miilhanscn i. E. 



247 



24. O/dnus armiger FÖRSTER. 

Taf. XIII, Fig. 24. 
73, S. 492, Taf. 15, Fig. 2. 

25. Cydnu» tertiarius Heer sp. 
Taf. XIII, Fig. 25 a, b. 

Heer, Insektenfauna III, S. 18, Taf. 1, Fig. 10 und Taf. 6, Fig. 9. 
73, S. 506, Taf. 15, Fig. 16, 17. 

26. Eusa rr ort a cf. prodroniuft He ER. 
Taf. XIII, Fig. 26 a, b. 
Heer, Insektenfauna m, S. 37, Taf. 3, Fig. 3 und Taf. 8, Fig. 1. 
73, S. 521, Taf. 15, Fig. 27. 

27. Pentatoma fatale FÖRSTER. 
Taf. XIII, Fig. 27 a, b. 
73, S. 528, Taf. 16, Fig. 2. 

28. Pachymerus detectus Förster. 

Taf. XIII, Fig. 28. 
73, S. 544, Taf. 16, Fig. 17. 

29. Neterogaster troglodt/tes Heer. 

Taf. XIII, Fig. 29. 
Heer, Insektenfauna III, S. 70, Taf. 5, Fig. 14, Taf. 9, Fig. 17 

und Taf. 14, Fig. 18. 
73, S. 545, Taf. 16, Fig. 18. 

30. Harpactor cf. gracüis Heer. 

Taf. XIII, Fig. 30. 
Heer, Insektenfauna III, S. 81, Taf. 5, Fig. 23 und Taf. 10 Fig. 6. 
73, S. 548, Taf. 16, Fig. 20. 

31. Oixitu cf. loculatu8 Germ. u. Berendt. 
Taf. XIII, Fig. 31. 
Germar u. Berendt, Die im Bernstein befindlichen Hemipteren 
und Orthopteren der Vorwelt, S. 15, Taf. 1, Fig. 24. 
73, S. 550, Taf. 16, Fig. 21. 



248 Dr. B. Fökmtkb Geologischer Führer 

32. Cercopis sp. Vordertitigel. 

Taf. XIII, Fig. 32. 
73, S. 552, Taf. 16, Fig. 24. 

33. Aphrophora pulchra FÖRSTER. 
Taf. XIII, Fig. 33. 
73, S. 553, Taf. 16, Fig. 25. 
Seit der Veröffentlichung meiner Abhandlung über die In- 
sekten des Plattigen Steinmergels von Brunstatt habe ich wieder 
manche neue Art gefunden. Besonders interessant war mir der Fund 
eines Libellenflügels, der aber noch der nähern Bestimmung harrt 

Würmer. 

Ich habe bei Brunstatt einige vielleicht von Würmern her- 
rührende Abdrücke gefunden, die aber noch näher zu untersuchen 
sind. Ferner kommen bei Aspach im Plattigen Steinmergel Röhren 
vor, die denen ähnlich sehen, welche von dem in den Watten 
der Nordsee lebenden Köderwurm hervorgebracht werden. 

Weichthiere. 

1. Cerithium sultmargaritaeeum A. Braun var. 
Taf. XU, Fig. 17 a, b. 
48, S. 13, Taf. 1, Fig. 19, 25, 26. 
28, S. 105, Taf. 8, Fig. 4. 
59, S. 165, Nr. 1. 
Die beiden abgebildeten Exemplare stammen aus dem 
Kapellen-Steinbruch von Brunstatt; ausserdem habe ich noch die 
oberste Spitze dieser Schnecke bei Kleinkems gefunden. 

Delbos erwähnt von Zillisheim C. plicatum Lam. (30, S. 82); 
Mieo, Bleicher und Fliche geben aus dem Kapellen^Steinbruch 
von Brunstatt C. incrustntum SCHLOTH. an (72, S. 419). 

2. Hydrobia Ihibuissom BouiLLET. 
Taf. Xn, Fig. 19 a, b. 
36, S. 331, Taf. 19, Fig. 25. 
Sehr zahlreich, namentlich in den mittleren Schichten (c— d) 
des Plattigen Stcinmergels von Brunstatt 



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für die Umgebung von Mülhausen i. E. 



249 



3. Planorbis sp. 
Taf. Xn, Fig. 18 a, b. 
In den mittleren Schichten des Plattigen Steinmergels von 
Brunstatt kommt zusammen mit Hydrobia Dubuhsoni eine sehr 
kleine Planorbis-Art (Fig. 18 b) vor, die meist plattgedrückt und 
nie gut erhalten und deshalb schwer zu bestimmen ist; am meisten 
Achnlichkeit durfte sie noch mit H. depressus Nyst. (36, S. 319, 
Taf. 20, Fig. 15) haben, doch ist sie um die Hälfte kleiner als 
diese. Ferner findet man in den höheren Schichten einen etwas 
grösseren, wohl zu einer andern Art gehörenden Planorbis (Fig. 18a). 

4. Euchilus Chastelii Nyst. sp. 
Taf. XII, Fig. 20 a, b, e, d. 
36, & 315, Taf. 20, Fig. 11. 
Ich hatte (59, S. 166, Nr. 4) diese bei Brubach, auf dem 
Weg von Mulhausen nach Zimmersheim und bei Lüraschweiler 
häufige Art früher in die Nähe von E. pupinifortne Sandb. ge- 
stellt Da letztere jedoch glatt ist und ich bei manchen von unseren 
Exemplaren (vgl. Fig. 20 d) eine feine Streifung feststellen 
konnte, so muss unsere Form wohl bei dem gestreiften E. Chastelii 
Nyst. untergebracht werden. 

5. Mytilus socialis A. Braun. 
Taf. XII, Fig. 21 a, b, c, d. 
28, S. 361, Taf. 30, Fig. 6. 
Sehr zahlreich bei Kleinkema, nicht selten bei Brubach und 
in dem Aufschluss auf dem Weg von Mülhausen nach Zimmersheim. 

6. Cyrena semistriata DESH. 
Taf. XII, Fig. 22 a, b, c, d, e. 
36, S. 309, Taf. 20, Fig. 2. 
51, S. 18, Taf. 2, Fig. 7 a, b, c, d, e. 
Die Art bleibt in der Grösse hinter der typischen Form 
zurück. Bleicher hat sich in der oben erwähnten Arbeit (51) 
eingehend mit den verschiedenen Formen aus dem Plattigen 
Steinmergel beschäftigt und ist zu dem Resultat gekommen, dass 
alle unter der obigen Art zu vereinigen sind. 



250 



Dr. Ii. FönHTr.R. Oenlopischer Führer 



Besonders häutig im Kapellen-Steinbruch von Brunstatt, sonst 
bei Brubach, Lüinschweiler und anderen Aufschlusspunkten des 
Plattigen Steinmergels. 

Urthiere. 

In den obersten Schichten des Plattigen Steinmergels, welche 
Cyrrnit, Mt/tilux und Schalenkrebse enthalten, finden sich auch 
viele kleine Foraminiferen, welche aber nur wenigen Arten an- 
gehören. Hauptsächlich kommt vor: 

Tntnvatufina minima n. sp., welche ich auf Taf. XU, Fig. 23 a, 
b, o abgebildet habe. 

Sie ist nur 0,i mm gross und besteht aus 8 sichtbaren 
Kammern, von denen die letzte die grösste ist. Die Mündung 
konnte ich nicht beobachten. 

Sehr häutig bei Brunstatt und Brubach. 

Die Hauptfundstelle für die Mehrzahl der oben genannten 
Versteinerungen ist der Kapellen-Steinbruch bei Brunstatt. Mytilus 
kommt dort nicht vor; derselbe findet sich hauptsächlich bei 
Klcinkems, Brubach und zwischen Mülhausen und Zimmersheim. 
Cyrena ist Uberall verbreitet, am zahlreichsten bei Brunstatt und 
Lümschweiler. Eotphncromn ist, wie schon erwähnt wurde, bisher 
im Plattigen Steinmergel von Brunstatt und Kleinkems, Gammarus 
bei Brunstatt und Lümschweiler gefunden worden. Paralates ist 
von Brunstatt und Zimmersheim bekannt. Das grösste Interesse 
dürfte aber der Kapellen-Steinbruch bei Brunstatt wegen der 
zahlreichen, dort in guter Erhaltungsart aufgefundenen Insekten- 
reste beanspruchen, weswegen er unter den oligoeänen Fundstellen 
von Insekten an hervorragender Stelle genannt zu werden ver- 
dient. 

b) Sandige Mergel (eigentlicher Meeressand). 

Der eigentliche Meeressand findet sich in der südwestlichen 
Ecke unseres Kartengebietes; er ist aufgeschlossen bei Heidweiler, 
Eglingen, östlich von Ilagenbach am Rhein-Rhone Kanal, bei 



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für die Umgehung von Mülhausen i. K. 



251 



Wolfersdorf weltlich von Dainmerkirch*, an einzelnen Stellen 
zwischen Dainmerkirch und Altkirch, bei Altkirch und im lllthal 
von Altkirch bis Grenzingen. 

Der Meeressand besteht im Wesentlichen aus blaugraueu, 
glimmcrigen Mergeln mit dazwischen lagernden Sandschichten, 
die, wie das nachstehende Profil zeigt, hier und da zu Sandsteinen 
verfestigt sind. 

Profil XI 

Lehm- und Mergelgruhc hei Wolfersdorf. 



■ 



Lehm 


AHttrtr 












MterrsMind 







g. ThonschtiJU nul GypikryMalUti 

Die Mergel dieses Aufschlusses sind versteinerungsarm; man 
Hndet darin nur vereinzelte Bruchstücke von Muscheln und sehr 
wenig Foraminiferen. Zwischen den Mergeln sind einzelne sehr 
dünne Kohlenschmitzchen eingelagert. Ferner kommen in denselben 
wenige Schwefelkiesknollen vor, welche meistens schon in Braun- 
eisenstein umgewandelt sind. Die Sandschichten sind dagegen voll 
von Conchylien, welche aber leider sehr zerbrechlich sind. Iiier 
wird fleissiges und vorsichtiges Sammeln noch manche schöne 
Versteinerung zu Tage fördern. Auch in der grossen Mergelgrube 
östlich von Hagenbach enthalten gerade die Sandschichten die 
Versteinerungen. 

Bei Dornach liegt auf einer über 200 m mächtigen Ab- 
lagerung von Gypsmergcln eine 27,75 m mächtige Schichtenreihe 



I. Dieser Aufschluss ist von Anmiku: (47, S. ISO u. s. w.| nach dem östlich 
davon gelegenen grösseren Orte Dainmerkirch benannt worden. 



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252 



Dr. B. Fömtbh. Geologischer Führer 



von Mergeln und Sanden, welche durch die Bohrung von G. Doll- 
FüR (vgl. S. 213) aufgeschlossen und von M. Mieg (61) genau unter- 
sucht worden sind. Es folgen hier von oben nach unten: 



««AI .) 1 T t_ 


5,oo m 


/*% 1 1 i» mi _ 


1,00 » 


3. Mürber, gelber Sandstein, thoniger band 




J 1 O 3 * * 


1,40 » 


j /-^i ii _ mi 


l,« » 


0. Mürber Sandstein, hand, tbomger, gelber 




Sand 


1,00 » 


6. Gelber Sand, Sandsteinknollen, Kalk- 




1 1 1 _ . 


1,*) » 


m /"I 1 " 1 i fHl_ J 1_ 

7. Geschichteter, grauer Thon und braune 




C\ J u __i i 


1,49 • 


r\ T"\ 1 1 1* * _ ml 


1,45 » 


9. Sand, reich an Foraminiferen, Fisch- 




zähnchen und anderen Fischresten . . 


0,15 » 




n 

3,60 » 


11. Geschichteter Mergel und schwärzliche 




Schichten, welche sich in dünne Blätter 




theilen, mit Schuppen und Spuren von 






4,14 » 


12. Blauer Mergel, ziemlich reich an Fora- 






2,18 . 


13. Grauer, fester Thon 


4,7» » 


14. Mürber Sandstein und leicht spaltbare, 




mergelige Schichten mit unbestimm- 




baren Pflanzeneindrücken wechseln mit 




festem Sandstein 


2^o > 




1,85 » 



Ohne den Lehm ergiebt sich für diese Schichtenreihe eine 
Mächtigkeit von 27,76 m. 



1. Die Nummern beziehen sich auf Bohrproben, welche in dem Museum der 
Industriellen Gesellschaft m Mulhausen aufbewahrt werden (61, S. 266, Anm. 2). 



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flir die Lfmgebuug von Mülhausen i. E. 



253 



Darunter folgen die Gypsmergol (vgl. S. 213). 

Dieser Schichtenkomplex zerfällt in einen mehr sandigen 
oberen Theil (Nr. 2 — 8) und einen mehr mergligen unteren 
(Nr. 9— 15). Ersterer enthält die von mir (53, & 3) und Fliche 
(54, S. 360—362) bekannt gemachten Pflanzenreste, hauptsächlich 
Ctnnamomum-Blätter, und ist mit dem Blättersandstein von Habs- 
heim zu vereinigen. Nr. 9 und 1 sind ausserordentlich reich an 
Foraminiferen (61, S. 259 und 260), welche dem Meeressande und 
Septarienthon angehören. Nr. 9 enthält ausserdem noch Fischreste; 
ferner fanden sich einige Reste von kleinen Zweischalern (Neaera) 
und Schnecken. Die Lagerung, Fossilführung und der petro- 
graphische Habitus machen es wahrscheinlich, dass wir es in 
dieser Mergelablagerung mit dem Aequivalent derjenigen von 
Zimmersheim zu thun haben, nur mit dem Unterschiede, dass 
deren Ausbildung hier schon der des eigentlichen Mecressandcs 
ähnelt, während dieselbe bei Zimmersheim noch als Plattiger 
Steinmergel aufgefasst werden musste. 

Der eigentliche Meercssand ist gleichaltrig mit dem Plattigen 
Steinmergel; letzterer ist eine Süss- resp. Brack wasserbildung, 
ersterer ist eine reine Meeresablagerung, die sich allerdings nicht 
allzufern von der Küste abgesetzt haben mag. 

Folgende Versteinerungen sind im eigentlichen Meeressand 
gefunden worden: 

Pflanzen. 

1. Cinnamomum i$chewhz*ri Heek. 
Wolfersdorf, im Mergel. 

Das auf Taf. XIV, Fig. 16 abgebildete Exemplar stammt aus 
dem Blättersandstein von Dornach. 

2. Salix? 
47, S. 184. 
Wolfersdorf, im Mergel. 



254 



Dr. B. Fökuteb. Geologischer Führer 



Thiere. 
Wirbelthiere. 

1. Odontaspis cuspidata AG. sp. 
Taf. XV, Fig. 16 a, d, e. 

4 Ziihne von Wolfersdorf, im Mergel. 

2. Odontnupi» contordidcm Ag. 

Taf. XV, Fig. 16 b, c. 

5 Zähne von Wolfersdorf, im Mergel. 

3. Palaeorhynchwn Latum Ag. 

61, S. 258. 

Fragment eines Dornfortsatzes von 4,a mm Länge aus dem 
Meeressand von Dornach. 

4. Eine grosse Schuppe von einem Teleostier. 
47, S. 184. 
Wolfersdorf, im Mergel. 

Gliederthiere. 

Schalen von verschiedenen Muschelkrebsen. 
47, S. 184. 

Wolfersdorf. 

Weiehthiere. 

1. Adeorbis decussatus Sandb. 

Taf. XVI, Fig. 15 a, b, c. 
28, S. 136, Taf. 11, Fig. 16. 
Wolfersdorf, im Sand. 

2. Natten Nystii d'Oru. 
Taf. XVI, Fig. 13 a, b. 
28, S. 164, Taf. 13, Fig. 2, 3. 
Wolfersdorf, im Sand. Die Exemplare haben grosse Aehit- 
lichkeit mit der untcroligoeänen N. angystoma v. Koenkn. 



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für die Umgebung von Mülhausen i. E. 



255 



3. Chenopua speciosus Schloth. var. oxydactylus Sandb. 

Tat'. XVI, Fig. 8. 
28, S. 187, Taf. 10, Fig. 7. 
Fragmente von Wolfersdorf, ira Sand. 

4. Murex Dfshayesi NyST. 

Taf. XV, Fig. 2. 
28, S. 211. Taf. 18, Fig. 3. 
Wolfersdorf, im Sand. 

5. Fu$ua donyatus NYST. 

Taf. XVI, Fig. 7. 
28, S. 219, Taf. 17, Fig. 5. 
47, S. 181, Taf. 11, Fig. 14. 
Wolfersdorf, im Sand. 

6. Pleurotoma sp. 
Taf. XVI, Fig. 3. 
Wolfersdorf, im Sand. 

Die von Andkeae (47, S. 181, Nr. 6) angegebene PI. regu 
laris DE Kon. habe ich nicht gefunden. 

7. Pleurotoma cf. iselysii DE KoN. 
Taf. XVI, Fig. 19. 
28, S. 236, Taf. 15, Fig. 12. 
Fragment von Wolfersdorf, im Sand. 

8. Uydrobia Dubuissoni BoüILLKT. 
Taf. XVI, Fig. 2. 
Sehr zahlreich im Mccrcssand östlich von Hagenbach. Kommt 
auch im Plattigen Steinmergel vor (Taf. XII, Fig. 19 a, b). 

9. Cyclostrema sp. 
Taf. XVI, Fig. 16 a, b, c. 
Wolfersdorf, im Sand. 

Es ist nur ein Exemplar von der Grösse von t ". rotella? forme 
gefunden worden, von welcher Art es sich durch das Fehlen von 
Längsstreifen unterscheidet. 



256 



Dr. B. Förstkr. Geologiuchcr Führer 



10. Östren ryathula Lam. 
Taf. XVI, Fig. 6 a, b. 

Wolfersdorf im Sand. 

11. Östren callifera Lam. 
Taf. XVI, Fig. 4. 

28, S. 377, Taf. 34, Fig. 6. 

Wolfersdorf, im Sand. 

12. Modioln cf. anausta A. BBAUN. 
Taf. XVI, Fig. 20. 
Unterscheidet sich von der M. angusta, die im obern Cerithien- 
kalk auftritt, nur durch geringere Grösse. 
Hagenbach, zahlreich. 

13. Pecten decussatus V. MüNST. 
Taf. XII, Fig. 26 a, b. 
28, S. 373, Taf. 33, Fig. 2. 
Wolfersdorf, im Sand. 

14. Pecten pictus Goldf. 
Taf. XII, Fig. 25 a, b. 
Wolfersdorf, im Sand. 

15. Bohrmuschellöcher in den Schalen von Pectunculus obovatus» 
Dieselben scheinen von Lithodomen ■ Lüh. delicatvla Desh. ?) 
herzurühren, doch sind noch keine Schalen aufgefunden worden. 

47, S. 181, Nr. 11. 

16. Pectunculus obovntus Lam. 

Taf. XVL Fig. 17 a, b. 
28, S. 349, Taf. 30, Fig. 3. 
Sehr zahlreich bei Wolfersdorf, im Sand. 

17. Nucula piligera San du. 

Taf. XV, Fig. 3. 
28, S. 342, Taf. 28, Fig. 9. 
Wolfersdorf, im Sand. 



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für die Umgebung von Mülhausen i. K. 



18. Nucula cf. Oreppini Desh. 
Taf. XV, Fig. 4. 

Wolfersdorf, im Sand. 

19. Lucina undu/ata Lam. 
Taf. XVI, Fig. 18. 
28, S. 326, Taf. 26, Fig. 10. 

Wolfersdorf, im Sand. 

20. Cardium scobinula Mek. 
Taf. XVT, Fig. 10. 
28, S. 321, Taf. 28, Fig. 3. 

Wolfersdorf, im Sand. 

21. Cardium cingtdatum GoLDF. 
Taf. XVI, Fig. 11. 

Wolfersdorf, im Sand. 

22. Cyprina rotundata Braun. 
Taf. XVI, Fig. 9. 
28, S. 313, Taf. 23, Fig. 9. 

Sehr grosso Exemplare bei Wolfersdorf, im Sand. 

23. Cytherea incrassata Sow. 
Taf. XVI, Fig. 12 a, b. 

28, S. 300, Taf. 23, Fig. 11. 
Häutig bei Wolfersdorf, im Sand. 

24. Cytherea splmdida Mer. 
Taf. XVI, Fig. 14 a, b. 

28, S. 303, Taf. 24, Fig. 4. 
Häufig bei Wolfersdorf, im Sand. 

25. Psammobia Meyeri Andreae. 

Taf. XVI. Fig. 5 a, b. 
47, S. 182, Taf. 11, Fig. 10—13. 
Ziemlich häufig bei Wolfersdorf, im Sand. 



Dr. B. Fümbtkh. Geologischer Führer 



2(3. Teilina Nystii Desh. 
Taf. XVI, Fig. 1 a, b. 
28, S. 21)4, Taf. 23, Fig. 6. 
Wolfersdorf, im Sand. 

27. Corbulomya sp. 
Taf. XII, Fig. 30. 
Wolfersdorf, im Sand. 

28. Corbula yibba OLIV] (= subpisiformis SANIJB.). 
Taf. XII, Fig. 28. 

28, S. 288, Taf. 22, Fig. 14. 
Wolfersdorf, im Sand. 

29. Corbula subarata SaNUB. 

Taf. XU, Fig. 27. 
28, S. 285, Taf. 22, Fig. 8, 11. 
Wolfersdorf, im Sand. 

30. Corbula sp. 
Taf. XII, Fig. 29 a, b. 

47, S. 183. 

Wolfersdorf, im Sand. 

31. Xt aera sp. 
61, S. 258. 

Dornach, im Meeressand. 

32. Panopwa Heberti BosQ. 

Taf. XV, Fig. 5. 
28, S. 279, Taf. 21, Fig. 8. 
Fragment eines Jugendexemplars von Wolfersdorf, im Sand. 

Stachelhäuter. 

Ein Bruchstück eines Seeigels von Wolfersdorf. 

47, S. 183. 

Urthiere. 

Von den von Andkeak (47, S. 183) aus dem Mcercssand von 
Dammerkirch (= Wolfersdorf) und den von Mieg (61, S. 259) 



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fllr die Umpchunjr von MlMiaaMn i. E. 



aus den Mergelschichten Nr. 9 und 12 von Dornach angeführten 
Foraminiferen führe ich hier nur die wichtigsten und häufigsten an ': 

1. QfunqwhculitM trianguhtrh d'Orb var. Krmani BoRN. 

Taf. XVII, Fig. 1 a, b. 
d'Okbiony, For. foss. d. Bassin de Vienne, S. 288, Taf. 18, 
Fig. 7, 8. 

47, S. 183, Nr. 29, Taf. 10, Fig. 23. 
Wolfersdorf, Sandschicht 

2. Polymorph! na htnceolatit ReüSS. 
Taf. XVII, Fig. 4 a, b, c. 
47, S. 183, Nr. 32, Taf. 9, Fig. 18, 19, 20. 
Wolfersdorf, im Mergel. 

3. Globigrrina bulltn'iles d'Orb. 
Taf. XVII, Fig. 5 a, b. 
47, S. 183, Nr. 34, Taf. 9, Fig. 1, 2. 
Wolfersdorf, Dörnach. 

4. Pulvinulinn pygmnen V. ÜANTK. 

Taf. XVII, Fig. 9 a, b, c. 
47, S. 183, Nr. 3f>, Taf. 8, Fig. 13. 
Wolfersdorf. 

5. Truncatulina Wtt'nkaujfi Rf.uss. 

Taf. XVII, Fig. 10 a, b. 
47, S. 83. Nr. 36, Taf. 8, Fig. 11. 
Wolfersdorf. 

c) Blättersandstein. 

Vgl. S. 252, Nr. 2-8. 

Der ßlattersandstein steht an bei Didenheim, Dornach, Rix- 
heim, Habsheini, Eschcnzweiler, Waltenheim und bildet mit ziem- 



1. Bei der Zusammenstellung der Zeichnungen der Foraminiferen habe ich die 
von Asdreae gegebenen Abbildungen (47) benutzt. Die Miitc'sche Abhandlung enthalt 
keine Zeichnungen. 



2G0 



Dr. B. Förster. Geologischer Führer 



lieh steilem Abfall die nördliche und östliche Grenze gegen den 
Vogesen- und Rheinkies der Niederterrassen. 

Er besteht aus grauem, mürbem Sandstein mit vielen Glimraer- 
schüppchen, der oft in einen gelben Sand zerfallt, in welchem 
grosse, bald nierenförmige, bald eigentümlich verzweigte Knollen 
von festem, grauem Sandstein übrig bleiben. Den Sandsteinbänken 
sind mehr oder weniger mächtige, sandige, schiefrige Mergel ein- 
geschaltet, welche kleine weisse Knollen umschlicssen. 

Der Blättersandstein hängt mit dem Meeressand, resp. dem 
Plattigen Steinmergel eng zusammen ; beide Ablagerungen gehen 
nach oben, z. B. bei Dornach, Zimmersheim und Rantsweiler, ohne 
scharfe Grenze in den Blättersandstein Uber. Letzterer ist etwas 
jünger als der eigentliche Meeressand resp. der Plattige Stein- 
mcrgel und bildet den Uebergang vom Meeressand zum Septarien- 
thon; es ist deshalb bei ähnlicher petrographischer Entwicklung 
schwer zu entscheiden, ob wir es mit Blättersandstein oder Meeres- 
sand zu thun haben. Aus diesem Grunde sind auf unserm Karten- 
gebiet der Blättersandstein und der eigentliche Meeressand nicht 
getrennt 

Der Blättersandstein ist wohl hauptsächlich als Ktistenbildung 
aufzufassen; er ist, wie der Name besagt, reich an Pflanzen- 
versteinerungen, besonders an recht gut erhaltenen Cinnamomum- 
Blättern. 

Pflanzen. 

1. Cinnamomum Scheuchzeri Heer. 

Taf. XIV, Fig. 16. 
Sehr zahlreich bei Dornach und Habsheim. 

2. Cinnamomum lanceolatum Heer. 

Taf. XIV, Fig. 18. 
Zahlreich bei Dornach und Habsheim. 

3. Cinnamomttm polymorphum Heer. 
Taf. XIV, Fig. 19. 
Selten bei Dornach, Rixheim (47, S. 26G, Taf. 5, Fig. 3). 



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filr die Umgebung von Mülhausen i. E. 



261 



4. Salix angueta A. BRAUN. 

Taf. XIV, Fig. 12. 
Häufig bei Habsheini und Dornach. 

5. Podocarpus eocenica ÜNQ. 
Taf. XIV, Fig. 32, 33. 

Dornach. 

Fliche (54, S. 360—362) zählt ausser Nr. 1,2 und 5 von 
Dornach noch folgende Pflanzen auf: 

Rhizome von Farrenkräutern, Palma, Dracaenites alsaticus 
n. sp., Salix Dornacemis n. sp., llex stenophylla Ung., Acer 
trilobatum A. Br., Robinia! Regelt Heer?, Cassia lignitum Uno., 
Acazia Sotzkiana Uno., Acazia Gaudini Heek?. 

Ausserdem ist ihm das Vorkommen von Myrica, Ficut, An- 
dromeda, Eugenia sehr wahrscheinlich. Die in Aussicht gestellte 
Beschreibung ist noch nicht erschienen. 

Thiere. 

Andreae (47, S. 266) erwähnt nach Delbos (30, S. 73) 
aus dem Blättersandstein von Habsheim Meletta longimana Heck. 
Es sind wohl nur die Schuppen gemeint. 

Ich habe in den Mergelschichten der Sandgruben des Dor- 
nacher Berges Globigerina bulloideg d'Orb. (Taf. XVH, Fig. 5 a b), 
allerdings nur sehr selten, gefunden. 

2) Septarienthon in verschiedener Ausbildung. 

Der Septarienthon findet sich bei uns in zwei verschiedenen 
Facies, als Küstenbildung (Unterer Haustein) und als Tiefseebil- 
dang (Fischschiefer). 

a) Unterer Hauitein, Küstenbildnng. 

Der Untere Haustein kommt vor bei Waltenheim, Kötzingen, 
Brubach, Lümschweiler, westlich Nieder- und Obersteinbrunn, bei 
Walheim, Emiingen, Wittersdorf, Altkirch und bei Kleinkems. 



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262 



Dr. IV Fökster. fJeolotfieclier Führer 



Sein Vorkommen scheint an das des Plattigen Steinmergels ge- 
bunden zu sein; wo letzterer nicht vom Unteren Flaustein Uber- 
lagert wird, ist dieser wohl erodirt. 

Profil XII (Altkirch'). 



Kolk mit 
Mrlani" Xiilii 

und BtUx 

cf. rugulma. 



Unterer 
Hauulciii. 




Arkerkrumo, darunter QeröllUg«. 
1,30 m 



»,S»m. K»lk. 

Uelania XpHU. 

I m i ih. 'ii Mergel mit »chwanen 
Streifen, nnten Ultrn 
m Zarkerkalk. 



unten In 



L_J 1 1 1 I I L_l 



Der Untere Haustein ist meistens als Kalksandstein ausge- 
bildet Er wird als solcher in zahlreichen Gruben gewonnen und 
zu Bausteinen, Brunnentrögen, Kilometersteinen u. s. w. verarbeitet. 
Sehr oft ist der Kalksandstein conglomeratartig entwickelt und 
bildet dann den sogenannten Flcckenkalk; bei Kleinkems besteht 
er sogar theilweise aus Nagclfluh, welche aus Juragesteinen zu- 
sammengesetzt ist. Der Untere Haustein ist fast versteinerungsleer. 
Auf den Schichtllachen des Kalksandsteines finden sich allerdings 
oft viele PfJanzenrc6te, die aber ineist unbestimmbar sind. Bei 
Lümschweiler konnte ich Phragmites erkennen. In früherer Zeit 
hat der jetzt fast ganz verwachsene Kalksandsteinbruch von Nieder- 
spechbach eine Menge Pflanzen geliefert, welche Heer in seiner 
Tertiären Flora der Schweiz, Bd. III, S. 311 anführt, aber leider 
nicht abbildet. Es sind im Ganzen 31 Arten, von denen 22, die 
im Folgenden zuletzt genannten, schon von andern Orten bekannt 
waren : 

Querem K'öchlhn H., Queren» Seh imperi H., lietula micro- 
phylla H., Dryandra grarilis IL, Hex priniformia IL, Callistemo- 
phyllum Mühlenberki H, Callistemophyllttni Mougeoti H., Crataegus 



1. Der 
340-3iO m. 



liegt i&0 in nördlich vom Kegräbnissplatz iu der Höhe vou 



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für die Umgebung von Mülhausen i. E. 



263 



aUatica IL, Phyllites Buchinger i H., Pteris Ruppensis H., Carex 
tertiaria, Salix Lamteri, Salix varians, Myrica Graeffii, Myrica 
Studeri, Quercus lonchitis, Dryandra Schrankii, Dryandroides 
lignititm?, Eucalyptus oceanica? > Laurus primigenia, Echitonium 
sophiae, Diospyros brachysepala, Cdastrus Ettingshauseni, Cdantrus 
pseudoilex? , Ziziphus tiliaef olius , Paliurus tenuifulius, Rhu* 
Pyrrhae, Myrtuft Dianaet, Acazia par schlug iana , Mimosite» 
haeringiana und Caesalpinia Haidinger i. 

Ich selbst habe dort nur noch wenig Pflanzenreste gefunden, 
unter ihnen Laurus primigenia Uno., die ich auf Tafel XIV, Fig. 34 
abgebildet habe. M. MiEG hat nach Fliche (54, S. 349) ausserdem 
Salishurya Adiantoidcs Uno. gesammelt. 

In seinen unteren Schichten ist der Untere Haustein äquiva- 
lent dem Blättersandstein, da er wie letzterer den Plattigen Stein- 
mergel concordant Uberlagert; in seinen mittleren und oberen 
Schichten bildet er demnach die Küstenfacies des Septarienthons, 
da er von dem oberoligoeänen Kalk mit Hdix cf. rugulom be- 
deckt wird. 

Auf der Karte sind der Untere Haustein, der oberoligoeäne 
Kalk mit Hdix cf. rugulosa und der Obere Haustein aus technischen 
Gründen zusammengefasst worden. 

b) Fischschiefer (Meletta schiefer, Amphisyleschiefer), Tiefseebildung. 

Der Fischschiefer tritt in unserem Gebiet nur an einer Stelle, 
im Hohlweg der Strasse von Niedermagstatt nach Stetten, gleich 
hinter Niedermagstatt zu Tage. Zwischen Landser und Schlicrbach 
liegt er unter 2—3 m Lose versteckt. Südlich von Altkirch sind 
bei der Anlage einer Wasserleitung Uber den grauen Mergeln 
des Meeressandes schwarze, schiefrige Letten gefunden worden, 
welche nach Andreae (47, S. 1C8) zu den Fischschiefern zu rechnen 
sind. Die von Delbos-Köchijn (30, S. 71, Nr. 2) bei Oberstein- 
brunn als Fischschiefer angegebenen Schichten gehören zum 
Plattigen Steinraergel. 

Die Fischschiefer sind aus mitunter papierdünn spaltenden 
Schichten zusammengesetzt. Auf den Schichtungsflachen finden 



264 



Dr. B. Fürsten. Geologischer Führer 



sich häufig Lagen von kleinen Gypskrystallen in den gewöhn- 
lichen Formen. Die Schiefer sind dunkelgrau bis schwarz gefärbt 
und stark bitumenhaltig ; kleine Stückchen brennen bisweilen mit 
leuchtender Flamme. Beim Glühen geht die schwarze Farbe ver- 
loren. Im Probiergläschen erhitzt, entwickeln die Fischschiefer 
ein brennbares Gas und geben einen Beschlag von Erdöl. 

Von Pflanzen habe ich nur unbestimmbare Reste bei Nieder- 
magstatt gefunden, dagegen geben Delbos-KüCHLI!* (30, S. G9) 
von diesem Orte Sphaerococcoides multißdus Brot. sp. und Cera- 
miies Köchlini II. an. Ferner habe ich dort einige unbestimmbare 
FischreBte und wenig Foraminiferen gesammelt. Letztere kommen 
dagegen in den Mergeln zwischen Schlierbach und Landser in 
einer grossen Menge verschiedener Arten vor. 

Folgende konnte ich bestimmen: 

1. Haplophragmium Humboldt i Rss. 

Taf. XVII, Fig. 7. 
Kommt auch bei Niedermagstatt vor. 

2. Hecanium carinatum d'Orb. sp. 

Taf. XVII, Fig. 16. 
47, S. 199, Taf. 7, Fig. 10 a. 
Kommt ebenfalls bei Niedermagstatt vor. 

3. Gaudryina chilostoma Rss. var. globulifera Rss. 
Taf. XVII, Fig. 6. 
47, S. 231, Nr. 10, Taf. 7, Fig. 8, 9. 

4. Lagena vulgaris Rss. 
Taf. XVII, Fig. 15. 
47, S. 297, Taf. 6, Fig. 13. 

5. Nodosaria Ludwigi Rss. var. 
Taf. XVII, Fig. 8. 
47, S. 204, Nr. 33, Taf. 10, Fig. 1. 

6. Nodosaria capitata Boll. var. striatisaimn Andk. 
Taf. XVII, Fig. 3. 
47, S. 203, Taf. 10, Fig. 4. 



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für die Umgehung von Mölbausoii i. E. 



265 



7. Pulbnia buttoidts d'Orb. sp. 
Taf. XVII, Fig. 13 a, b. 
47, S. 232, Nr. 27, Taf. 9, Fig. 23 a, b. 
Kommt auch im Blättersandstein von Dornach vor. 

8. Rotalia Girardana RfW. 
Taf. XVn, Fig. 12 a, b. 
47, S. 224, Nr. 14, Taf. 9, Fig. 5 a, b. 

9. Rotalia Girardana Rss. var. mamillata Andr. 
Taf. XVII, Fig. 17. 
47. S. 234, Taf. 9, Fig. 4. 

10. Pulvinulina pygmaea v. Hantk. 
Taf. XVII, Fig. 9 a, b. 
47, S. 234, Nr. 50, Taf. 8, Fig. 13 a, b, c. 
Kommt auch im Meeressand bei Wolfersdorf vor. 

11. Pulvinulina St. Odiliae Andr. 
Taf. XVII, Fig. 14 a, b. 
47, S. 224, Taf. 8, Fig. 17. 

12. Qlobigerina bulloides d'Orb. 
Taf. XVII, Fig. 5 a, b. 
47, S. 235, Nr. 55, Taf. 9, Fig. 1, 2. 
Findet sich auch im Blättersandstein von Dornach und im 
Meeressand bei Wolfersdorf. 

13. Bolivina Beyrichi Rss. 

Taf. XVII, Fig. 19. 
47, S. 156, Taf. 8, Fig. 4 b. 

14. Truncatulina Dutemplei d'Obb. sp. 
Taf. XVII, Fig. 11 a, b. 
47, S. 213, Taf. 8, Fig. 10. 

Bei Niedermagstatt habe ich ausserdem noch gefunden: 

15. Virgulina Mustoni Andr. 

Taf. XVII, Fig. 18 a, b. 
47, S.254, Taf. 11, Fig. 4. 



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Dr. B. Füiibter. Geologischer Führer 



III. 0ber-01lgocl.ii, 

Bildungen, welche wir dem Ober-Oligocän zurechnen können, 
sind nur in geringer Mächtigkeit in unserem Gebiet vorhanden. 

1. Kalk mit Helix cf. rugulosa. 
Profil XIII (Niedereteinbrunn '). 



Kalk mit ft 
Urlania ltjfttti, 

cf. rugulotn}. 



50 



1 m LÖti. 

; 0,<0 III 

\1 1,50 m Mor-ge] m T/irnV/.xiiy», dorn. 
- l,r.0in WeU»er Sandstein. 



"T~f I J 1 1 3 m Kmik mit Mranaeen. 



I m Sandiger Mergel 
t in Kalkiandiitelii. 



m. Kalk mit Mtlania NfHU. 
k. Kalkbanke. 



Der Kalk mit Helix cf. rugulosa kommt bei Altkirch, Lümsch- 
weilcr, Kötzingen, bei Brubach, auf dem Schlüsselberg, bei Nieder- 
spechbach und Niedersteinbrunn vor. 

Er ist stets dem Unteren Haustein concordant aufgelagert 
und besteht aus Kalksandsteinen, mürben, erdigen und harten, 
spröden Kalken und Mergeln. Die Kalke eignen sich meist gut 
zum Brennen. 

Die Fossilien liegen gewöhnlich in den Kalken, bisweilen 
auch in den Kalksandsteinen. Es ist deshalb an manchen Stellen 
schwer zwischen Unterem Hanstein und dem Kalk mit Helix cf. 
rugulosa eine bestimmte Grenze zu ziehen. 

Aus der Lagerung und Fossilführung habe ich nachgewiesen 
(50, S. 1 TG), das« der Kalk mit Helix cf. rugulosa gleichaltrig ist 
mit dem C'alcairc Jacustre d'Allenjoie, welcher nach Kilian* (49, 
S. 744 — 746) in das unterste Ober-Oligocän gehört. 

Der Kalk mit Helix cf. rugulosa ist eine Süsswasser- 



1. Her Aufschluss liegt etwa ? km westlich von der Kirche von Niedersleinbruon 
Und iiO in nördlich \un der Ouelle des durch dieses Dorf fliessenden Baches. 



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filr die Umgebung von Mülhaucen i. E. 



267 



Ablagerung, welche sich jedoch, wie die darin vorkommende 
kleine Milania Nystii andeutet, nicht zu fern vom Meere ge- 
bildet hat. 

Auf der Karte ist der Kalk mit /Mix cf. rugulom, wie 
schon bemerkt, nicht besonders ausgezeichnet worden. 

Pflanzen. 

1. Chnra sp. 
Taf. XV, Fig. Ga, b. 
Länge 0,4» mm, Breite 0,34 mm. 

Zahlreich in den Mergeln von Niederspechbach und Nieder- 
steinbrunn. 

Thiere. 

Wirbclthiere. 

1. Theridomyt sp. 
Taf. XV, Fig. 13. 
Sculossek M. Die Nager des europäischen Tertiärs nebst 
Betrachtungen über die Organisation und die geschichtliche Ent- 
wickelung der Nager überhaupt. Palaeontogr. 31, Taf. 8, Fig. 21. 

Bei Niedersteinbrunn fand ich ein Paar Backenzähnchen 
eines Nagers, von welchen das eine 2 mm lang und 1,8 mm breit 
ist; die Wurzeln desselben sind bis auf einen Rest der grossen 
Hintcrwurzel abgebrochen. Da die starke Wurzel auf der hintern 
Seite liegt, so ist es ein Backenzahn des Unterkiefers; derselbe 
besitzt eine grosse, bis zur Mitte reichende Aussenfalte und drei 
Innenfalten, von denen die erste und dritte, im Gegensatz zur 
zweiten, die Tendenz haben, sich zu Schmclzinscln auszubilden. 

Das Zähnchen ist entschieden zu Theridomyt zu stellen und 
dürfte der Grösse nach noch zum Milchgebiss gehören. 

Die von Greppin (32, S. 159), Sandbkkork (30, S. 327) 
und Andkeaf. (47, S. 73) erwähnten Reste eines kleinen Nagers 
{Theridomyt) von Kleinkems werden wohl aus dem über dem 
Melanienkalk liegenden Kalk mit Helix cf. ruyulota stammen. 



268 



Dr. B. Föbbteh. Geologischer Führer 



Gliederthiere. 

In den Mergeln von Niedersteinbrunn und Niederspechbach 
kommen Schalen von Muschelkrebsen vor. 

Weichthiere. 

1. Mdania Nystii DüCH. var. inflata Sandb. 
Taf. XV, Fig. 12a, b, c, d, e. 
36, S. 313, Taf. 20, Fig. 8 a. 
59, S. 169, Nr. 1. 
Zahlreich bei Kötzingen, Altkirch und Niedersteinbrunn 
seltener bei Niederspechbach. 

2. Hydrobia Dubuissoni BouiLLET. 

Ziemlich häufig bei Kötzingen und Niederspechbach. Kommt 
auch im Plattigen Steinmergel bei Brunstatt (Taf. XII, Fig. 19 a, b) 
und im eigentlichen Meeressand östlich von Hagenbach (Taf. XVI, 
Fig. 2) vor. 

3. Planorbis cf. Boniliensis Font. 

Taf. XV, Fig. 15. 
Häufig bei Kötzingen in verschiedenen Grössen. Unsere Ab- 
bildung zeigt eins der grössten Exemplare. 

Ferner kommt bei Kötzingen noch ein grösserer Pianorbis 
vor, welcher aber sehr selten ist, und von dem ich nur ein Bruch- 
stück besitze. Vielleicht gehört er zu PI. cornu. Ausserdem finden 
sich bei Niederspechbach und Altkirch Planorben, welche ganz 
platt gedrückt sind und deshalb nicht bestimmt werden konnten. 

4. Limnaeus subpalustris Thomae. 

Taf. XV, Fig. 7 a, b. 
28, S. 68, Taf. 7, Fig. 2. 
Häufig bei Niedersteinbrunn und Niederspechbach. 

5. Limnaeus cf. coenobii Font. 

Taf. XV, Fig. 8 a, b. 
48, S. 46, Taf. 6, Fig. 18—19. 
Ziemlich häufig bei Niedersteinbrunn, Lümschweiler und 



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für die Umgebung von Mülhausen i. E. 



2(i9 



Altkirch. Die Exemplare von Altkirch sind etwas schlanker als 
die von den andern Fundorten. 

6. Limnaeus obmu n. sp. 
Taf. XV, Fig. 10 a, b, c. 

Gleicht sehr dem L. craandus, wird aber bedeutend grösser 
als dieser. 

Häufig bei Kötzingen, besonders in Jugendexemplaren. 

7. Limnaeus procerus n. sp. 
Taf. XV, Fig. 9 a, b, c, d, e, f. 
Diese Art ist bedeutend schlanker als L. fusiformi» Sow., 
mit welchem sie früher (47, S. 79, Nr. 13 und 59, S. 171, Nr. 7) 
verglichen worden ist. 

Ziemlich häufig bei Niedersteinbrunn, Kötzingen und Alt- 
kirch. 

Die Exemplare von Altkirch (Fig. 9 d, e, f) sind bedeutend 
kleiner als die von Kötzingen, gleichen ihnen aber sonst ausser- 
ordentlich. 

8. Spkaerium porrectum n. sp. 
Taf. XV, Fig. 14 a, b. 

Ist gestreckter als Sphaerium Bertereauae Font, und wird 
etwas grösser. 

Zahlreich bei Altkirch. 

9. IMix cf. rugtdowa v. Mart. 

Taf. XV, Fig. 11 a, b. 
36, a 381, Taf. 21, Fig. 11. 
59, 8. 171, Nr. 11. 

Mehrere Exemplare gleichen durch die breite Einschnürung 
an der Mündung, welche an der Fig. 11 b schlecht zu erkennen 
ist, der Varietiit auhmlcosa Thom. (36, Taf. 22, Fig. 23). Vgl. 
ausserdem 49, S. 745. 

Zahlreich bei Kleinkems und Kötzingen. 

Ausser den oben beschriebenen Versteinerungen liegen mir 
noch einige andere aus diesen Schichten vor, die aber so schlecht 



270 



Dr. B. FÖK8TBB. Geologischer Führer 



erhalten sind, dass ich es nicht für rathsam gehalten habe, sie 
abzubilden. Fleissiges Sammeln wird auch au» dieser Ablagerung 
gewiss noch manches Neue zu Tage fördern. 



2. Oberer Haustein. 
Profil XIV (Altkirch'). 




(Kalk mit 

J 

Mtlania .Vy.fii). 



rri;r,T-.nr--i 



U.OU in Mrrvrl. 



n>i t<> Mtr K »l. 

m Kalk.amUtrio. 

Tl.oDi».-rarrgligi:r K.lk. 



3 m 



h. Oelber K.lkUcin, Q.leilcin der Arbeiter. 

Der Obere Haustein kommt vor bei Altkirch, Lumschweiler 
und Kleinkems. 

An letzterem Orte besteht er aus einer nur 3 m mächtigen 
Ablagerung von Kalksandsteinen, weinrothen Mergeln und Nagel- 
tluh mit jurassischen Geröllen, bei Altkirch aus einer 3,w m 
mächtigen Kalksandstein- und Mergelablagcrung, bei Lümsch- 
weilor desgleichen aus Sandsteinen und Mergeln, doch erreicht 
hier seine Mächtigkeit 6 m. 

Der Obere Haustein überlagert den Kalk mit Helix cf. rugtt- 
Ima concordant. 

Bei Ltimschweiler habe ich in den Mergeln des Oberen 
Hausteins folgende Foraminiferen gefunden: 

1. Lagena (Fissurinn) laevigata Rss. (= globnsa BORN.) 

Taf. XVII, Fig. 23. 
Kügelchcn von 0,is mm Grösse. Wenn man dieselben in 



I. Die Stelle liegt 200 m nördlich von dem S. P4 wiedergegebenen Profil. 



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für die Uuigcbuug vou MUlbaiisuti i. E. 



271 



Glycerin aufhellt, so bemerkt man an ihnen eine feine Punktirung 
und einen ganz feinen, stark lichtbreehenden Rand, welcher an einer 
etwas eingesenkten Stelle bei einzelnen Exemplaren ein kleines 
Stielchen trägt; fehlt das Stielehen, so findet sich doch immer die 
Abflaehung — es ist dann das Sticlchcn dort abgebrochen. 
Zahlreich. 

2. Lagcna hyatrix Hss. 
Taf. XVII, Fig. 24. 
Einzelne Kügelchen von 0,i.% mm Grösse, welche ringsherum 
mit kleinen stumpfen Hervorragungen besetzt sind und von Salz- 
säure vollständig aufgelöst werden, also ausschliesslich aus kohlen- 
saurem Kalk bestehen. 

3. Valvidina i-xcrntrica n. Bp. 
Taf. XVII, Fig. 22 a, b. 

Die 0,3 mm im Durchmesser haltenden Foraminiferen be- 
stehen scheinbar aus zusammengesetzten Kügelchen von Lagena 
kystrix. Die spiralige Anordnung bemerkt man erst bei der Auf- 
hellung in Glycerin. 

Unsere Form zerfällt beim Betupfen mit Salzsäure in kleine 
Kieselsäurestückehen. 

Sie besitzt etwas Aehnlichkeit mit V. ylobuiarU d'OrR, ist 
aber nicht so concentriseh gebaut wie diese. 

4. Sp'udlina cnmplfa n. sp. 
Taf. XVII, Fig. 21 a, b. 

Grosse 0,2 mm. 

Sie besteht aus 6 spiralig aufgerollten Windungen, welche 
wie bei Cormispim nur langsam an Breite zunehmen und aus 
vielen durchbohrten Karamern zusammengesetzt sind. Die äussern 
Kammern sind mit schwarzen, oft röthlich durchscheinenden 
Körnchen (Eisenoxyd) ausgefüllt. 

5. Cristellaria conglomeratica Andw. 
Taf. XVII, Fig. 20 a, b. 
Grösse 0,* mm, Breite 0,07 mm, Dicke 0,.u mm. 
47, S. 299, Taf. 6, Fig. 9. 
Andkeae, welcher diese Form vom Scbarrachberg nördlich 



272 



Dr. B. Förster. Geologischer Führer 



von Wolxheim anführt, glaubt, dass diese Art ursprünglich dem 
Dogger angehört und in die tertiären Ablagerungen nur einge- 
schwemmt ist. Es wäre möglich, dass wir es auch bei Lümschweiler 
nur mit eingeschwemmten Formen zu thun hätten. 

Ausser den oben besprochenen Foraminiferen habe ich noch 
Nodosaricn und Textilarien in den Mergeln des Oberen Hausteins 
von Lümschweiler gefunden. Die Textilarien gehören vielleicht 
zu T. gracilUma d'Orb. und T. fcperdita d'Okb., eine ganz sichere 
Bestimmung war mir jedoch nicht möglich. 

Andere Versteinerungen als Foraminiferen habe ich bisher 
im Oberen Haustein noch nicht beobachtet 

IV. Pliocän und Plcistocän. 

Es ist nicht unwahrscheinlich, dass nach den zuletzt be- 
sprochenen oberoligocänen Hausteinen noch mioeäne Bildungen in 
unserer Gegend zum Absatz gelangten, doch ist uns von diesen 
nichts erhalten geblieben; sie sind der Erosion anheimgefallen. 
Die nächst jüngeren Absätze, mächtige Geröllablagerungen, von 
denen wir noch bedeutende Reste vorfinden, gehören bereits der 
jüngsten Tertiärzeit, dem oberen Pliocän, vielleicht auch dem 
Diluvium an. Ich habe sie (76) unter der von den schweizerischen 
Geologen für die gleichaltrigen Bildungen der Nordschweiz ein- 
geführten Bezeichnung Deckenschotter zum Pliocän gestellt, doch 
dürfte ihre Zugehörigkeit zu dieser Stufe nicht Uber alle Zweifel 
erhaben sein. Mit dem in letzter Zeit im Unter-Elsass in grosser 
Verbreitung, im Ober-Elsass in einzelnen Vorkommen (Aue, Watt- 
weiler) nachgewiesenen Pliocän theilen die Gesteine des Decken- 
schotters die in der Regel vollständige Auslaugung des Kalkge- 
haltes und die Kaolinisirung aller feldspathigen Gemengtheile ; es 
fehlt ihnen jedoch die für das Pliocän charakteristische Bleichung 
aller Bcstandtheile. Da nun die Geröllmassen des DeckenschotterB 
der Art ihrer Bildung nach sich aufs engste an die pleistocänen 
Schotter anschlicssen, so fasse ich die verschiedenen Geröllablage- 
rungen unseres Gebietes (vergl. die Uebersicht auf S. 211) in einem 
Kapitel zusammen. 



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für die Umgebung von Mülhausen i. E. 



1. Deckenschotterterrasse, 
o) Schotter. 

Profil XV (Kiesgrube bei StrohUtte, südlich von Altkirch). 



H 
It 

m 
* 

* 



a t.f/lrr; 



. Vailerer Lew 



d Lehm. 



^indtae Letten 




* • * * •_ " * 



tri ,- 



US! 



Mittlerer. 



f. Kollier gW*eh!eblet«r Lehm. 

ä. Hellgelber, undeutlich ge^chlihteter Leben. f Acllcrer 

«. Msngnmoiterctionen. I Löm. 

f, g. Ocnehiebteter Lehm. 



Der Deckenschotter nimmt den südlichen Rand unseres Karten- 
gebietes ein und tritt an den Abhängen des Illthals von Oberdorf 
bis Altkirch zu Tage; ferner ist er in der Mergelgrube bei Wol- 
fersdorf aufgeschlossen. 

Der Deckenschottcr besteht aus Rheinkies mit hier und da 
eingestreuten Vogesengeröllen oder, nördlich und östlich von Alt- 
kirch, aus Vogesenkies. Die Mehrzahl der Rheingerölle sind in 
den oberen Schichten meist so stark verwittert, dass sie ihrer Natur 
nach schwer zu bestimmen sind; besonders fällt das geringe Ge- 
wicht derselben auf. Porphyre, Granite und Gneisse kann man 
manchmal noch erkennen, ohne sie jedoch genauer bestimmen zu 
können. Die kalkigen Gerölle sind ihres Gehaltes an kohlensaurem 
Kalk beraubt, haben aber oft ihre äussere Form behalten; häufig 
sind sie in gelbe Splitter zerfallen. Unverändert sind die Quarzite, 
die wohl aus der schweizerischen mioeänen Nagelfluh stammen, 
und die Hornsteine. Die Zwischenräume der dachziegclartig ange- 
ordneten Gerölle füllt ein lockerer, gelber, thoniger Sand aus. — 



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274 



Dr. B. Pökhter. (»eologischer Führer 



Die Vo£»cscngeriillc bestehen hauptsächlich aus nur wenig oder gar 
nicht gebleichten Sandsteinen und Conglomeraten des Buntsandsteins. 

Der alpine Deekcnschottcr, dessen westlichstes Vorkommen 
Dir Pasquiku (74) auf den Höhen südlich von Hheinfelden 
angibt, reicht im Sundgau in westlicher Richtung weit Uber Basel 
hinaus; nördlich ist er nur bis Altkirch und Dammerkirch be- 
kannt. Bei Altkirch ist er in einer Mächtigkeit von V\ m aufge- 
schlossen und bis zu einer Tiefe von 9 m verwittert. In den 
meisten, weniger tiefen Aufschlüssen wird der unverwitterte Schotter 
überhaupt nicht erreicht. Bei Volkensberg liegt der Deckenschotter 
in einer Höhe von 460 ra, nordwestlich davon bei Altkirch er 
reicht er nur noch .J70 m, liegt also hier 00 m tiefer als dort. 
Da die Entfernung zwischen beiden Funkten 17 km beträgt, so 
berechnet sich daraus ein Gefälle von 5,4 %o 5 das gleiche Gefälle 
gibt Du Pasquikr (74, S. 96) für den Deckenschotter der Nord- 
schweiz an. , 

Versteinerungen habe ich bisher in dem Deckenschotter 
nicht gefunden. 

Dem alten Rhein, der den Deckenschotter ablagerte, strömten 
natürlich auch von Norden Gewässer zu ; so werden z. B. bei 
Rheinfelden Schwarzwaldgesteinc im Deekcnschottcr gefunden, und 
in der Gegend von Altkirch gibt es mehrere Stellen, an welchen 
eine dünne Schicht Vogesengerölle 1 , wie schon erwähnt, haupt- 
sächlich Sandsteine und Conglomerate des Buntsandsteins, die 
alpinen Schotter vertritt. 

Versteinerungen kenne ich auch aus dem Vogesen-Decken- 
schotter nicht. 

t>) Thonig-sandige Letten 
Vcrgl. Profil XV. 

Südlich von Altkirch liegt auf dem Deekcnschottcr ein ocker- 
gelber, sandiger, wasserundurchlässiger Letten, der von grauen 

I. Die Vogesengerollc des Deckenschotters treten nicht, wie nach der Zeichnung 
der Karte anzunehmen ist, in zusammenhangenden Partieen auf. sondern linden sich mir 
zerstreut auf den Aeckern. Uni ihre Verbreitung einigermassen deutlich zur Anschauung 
zu bringen, war es wegen technischer Schwierigkeiten bei der Herstellung der Karte 
nothig, die zerstreuten Vorkommen zusammenzuziehen. 



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für die Umgebung von Mülhausen i. E. 



275 



Verwittcrungsadern durchzogen ist. Er umschliesst dünne Sand- 
und Kiesstreifen, deren Geröllc mit denen des Deckenschotters 
übereinstimmen, und hinterlässt beim Schlemmen einen äusserst 
feinen, ockergelben Sand. 

Versteinerungen seheinen auch dieseu Schichten zu fehlen. 

2. Hochterrasse. 

* 

Profil XVI (Lehmgrube südlich Sierenz). 




« FuiutslelU des FUntmttMrchfttA 
a Orvt gtaduehUler lau mU -W/urim 
. Wa/tga/tcoivjrtitmtn u 

b 



u) Schotter. 

Der Hochterraasenschotter hat seine Hauptverbreitung zu beiden 
Seiten des Rheins von Schaflfhauscn bis Basel. Von hier aus macht 
er die Biegung des Rheins nach Norden mit, steht noch bei Barten- 
heim an und ist in der südlich Siercnz gelegenen Lehmgrube 
unter dem Löss noch vorhanden (vcrgl. Profil XVI;. Trotzdem er 
unser Kartengebiet nicht mehr erreicht, kann ich ihn hier nicht 
übergehen. 

Der Hochterrassenschotter besteht aus fest verkitteter, deut- 
lich geschichteter Nagelfluh, die sich hauptsächlich aus alpinen 
Geröllen, denen Schwarzwald- und Juragesteine beigemengt sind, 
zusammensetzt. Kr ist überall von Löss Uberlagert und daher 
nur an Abhängen und in tieferen Einschnitten zu beobachten. 



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276 



Dr. B. Förster. Geologischer Führer 



Dass der Löss sich aber nicht unmittelbar nach der Ablagerung 
des Hochterrassenschotters abgesetzt hat, beweist die unregel- 
mäßige Auflagerungsflache und die an günstigen Stellen unter dem 
Löss erhaltene Verwitterungsdecke der Nagolfluh. Das kalkige 
Bindemittel ist verschwunden, und von den Geröllen sind der 
Hauptsache nach nur löcherige Quarze und Splitter der Kalke, 
die in einem ockergelben Sand eingebettet sind, zurückgeblieben. 

Eine aus Vogesengeateinen bestehende Hochterrassc habe ich 
in der Umgebung von Mülhausen noch nicht nachweisen können. 

b) Löss. 

Zum Löss der Hochterraese gehören die eigentlichen Löss- 
massen des Sundgaus. Sie lagern auf Oligocan, Deckenschotter 
und der Nagelfluh der Hochterrasse, nirgends aber auf der Nieder- 
terrasse ; letztere ist dem eigentlichen Löss dort, wo beide zu- 
sammentreffen, angelagert, wie schon Schumacher (69, S. 302) 
vermuthet hat, und wie ich durch Bohrungen am Hohröderhübel 
bei Schönensteinbach und bei Lutterbach nachweisen konnte. Der 
Löss bildet dort einen kleinen Hügel, der ringsum von Kies ein- 
gefasst ist. 



Profil XVII (Lehm und Kiesgrube am Hohröderhübel 
bei Schönensteinbach). 




I'g-Vogfstnki** Ls Imss L-Lehm Lk-Lwkuutei uJ~s ■ umyrsckrvcmmttr I.ass 



Wie sich aus dem vorstehenden Profil ergibt, geht der Löss 
mindestens 6^s m unter den obern Rand des Vogesenkieses. 

Dor Hochterraesenlöss des Sundgaus ist durchaus keine ein- 
heitliche Bildung. Seine Ablagerung ist mindestens durch zwei, 
wahrscheinlich aber durch mehrere grössere Ruhepausen unter- 
brochen worden, in welchen er viele Meter tief, bei Sierenz bis 



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für die Umgebung von Mülhausen i. E. 



277 



zur Tiefe von 8 m, entkalkt wurde (vergl. Profil XVI). Der unent- 
kalkto Löss enthält überall bald häufig, bald sparsamer, die von 
Schumacher (69, 3. 263) zuerst beschriebenen Kalkspathkörner, 
welche groben Sandkörnern ähnlich sehen, aber aus kohlensaurem 
Kalk bestehen und von radialfasriger Struktur sind. Sind diese 
nur durch Schwemmung in den Löss hineingekommen — und das 
wird man wohl annehmen müssen (69, S. 264) — , so sind die ge- 
sammten Lössmasscn des Sundgaus geschwemmt. Dafür spricht 
ferner die stets vorhandene, wenn auch manchmal sehr feine 
Schichtung des auf ursprünglicher Lagerstätte befindlichen Löss 
(69, S. 272). 

Proül XVIII 

Hohlweg von Lutterbacb, Strasse nach Reichweiler. 




a. Lehm 

b. L5u 



e. I-nhra i *. Lehm | 

d. Lö»* i m e,er * /. Ltm 1 



e. Lehm j 



Es sind im Hochterrassenlöss drei verschiedenaltrige Löss- 
ablagerungen zu unterscheiden, die in mehreren Profilen vollständig 
übereinander erhalten vorliegen: älterer, mittlerer und jüngerer 
Hochterrassenlöss. Alle drei Lössablagerungen tragen eine Ver- 
witterungsdecke, welche meistens beim älteren am mächtigsten 
ist (Profil XV u. XVI) und beim jüngeren die geringste Mächtig- 
keit aufweist. Gleiche Bedingungen der Verwitterung vorausgesetzt, 
scheint es also, dass zwischen der Bildung des älteren und mittleren 
und der des mittleren und jüngeren Löss längere Ruhepausen 
liegen als zwischen der Ablagerung des jüngeren Löss und der 
Jetztzeit. 

Der ältere Hochterrassenlöss enthält nur wenige Kalkspath- 
körner und verkalkte Röhrchen. Auf kiesiger Unterlage (Hoeh- 
terrasse und Deckenechotter) ist er völlig entkalkt (Profil XV u. XVI), 
auf mergliger oder kalkiger enthält er zahlreiche und grosse 



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278 



Dr. B. Förster. Geologischer Führer 



Lösski ndchen (Profil XVIII), die mit den darunterliegenden Kalk- 
schichten manchmal so eng verbunden sind, dass es schwer wird, 
eine Grenze au erkennen. Die Verwitterungsdecke erreicht bis zu 
8 m Mächtigkeit und enthält zahlreiche und grosse manganhaltige 
Hrauneisensteinknüllchcn und hier und da vereinzelte kleine 
Gerölle. 

Fossilien habe ich bisher in dem älteren Löss noch nicht 
gefunden. 

Auf der Karte ist er als Bohnerzlehm ausgeschieden worden. 

Der manchmal ungleichförmig auf dem älteren Löss lagernde 
mittlere Löss zeigt an günstigen Aufschlusspunkten unten deutliche, 
nach oben zu immer undeutlicher werdende Schichten, bis zuletzt 
Schichtung überhaupt kaum mehr zu erkennen ist Er enthält zahl- 
reiche und grosse Lösskindcl, grosse und feste manganhaltige Braun- 
eisensteinknöllchen, vorkalkte Röhrchen, zahlreiche Kalkspathkörner 
und Schnecken; seine Verwitteruugsschicht ist braunroth bis roth, 
manchmal humos mit zahlreichen KohlenstUckchen. In ihm liegt 
die eigentliche Lössfauna: 

Wirbelthicre. 

In dem Museum der Industriellen Gesellschaft zu Mulhausen 
i. E. befinden sich aus dem Löss der Umgebung, meist aber aus 
den mit rothem Lehm, der Verwitterungsdecke des mittleren Löss, 
gefüllten trichterartigen Spalten mit glatt gewascheneu Wänden 
des Melanienkalks von Rixheim eine Menge Reste von Hyaena, 
Elrj>has primigeniv» Blumenb. (Mammuth), Rkinoceroi tichorhinm 
Cuv., Sus, Eguus, Boa und Cervus (30, S. 140—142). Schon im 
Jahre J 820 fand Mkkian (6, S. 348) in den Spalten des Melanien- 
kalks bei Rixheim, unmittelbar an den Kalksteinwänden des 
Trichters, eine beträchtliche Menge von Landthierknochen, Kalk- 
steingerölle und ein Stückchen Holzkohle. Es lagen dort zahlreiche 
Pferdezähne, ein grosser Backenzahn eines Hirsches, das Bruch- 
stück eines Backenzahnes vom Nashorn, eine gut erhaltene, mit 
mehreren Zähnen vert,ehene obere Kinnlade einer Hyäne; ausser- 



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für die Umgebung von Mülhausen i. E. 



279 



dem noch mehrere Knochenreste, die wahrscheinlich dem Mammuth 
und Flusspferd angehörten. 

Im Löbs bei Flachslanden fand ich an einer Stelle eine 
Menge wahrscheinlich recenter Knochen kleinerer Wirbelthiere. 
Herr Professor Nehbing in Berlin, welcher die grosse Liebens- 
würdigkeit hatte, dieselben zu bestimmen, erkannte Talpa europaea, 
ArvicoUx, Mut (wahrscheinlich minutiu) und Bufo oder Rana. 

Weichthiere. 

1. Helix arlmttorwn L. var. nlpett.ru Sandb. 
Taf. XVII, Fig. 25 a, b. 
36, S. 805, Taf. 36, Fig. 2. 
Schönensteinbach, Weg nach Zimmersheim, Pfastatt 
Lebend in der Schweiz, Tyrol, im südlichen Schwarzwald, in 
Skandinavien. 

2. Helix hortemit Müll. 
Taf. XVII, Fig. 26. 
36, S. 852, Taf. 35, Fig. 35. 
Im Löss unter humosem Lehm bei Habsheira; ich habe nur 
wenige Exemplare gefunden. 
Lebend in Mittel-Europa. 

3. Helix sp. 
Taf. XVII, Fig. 27 a, b. 
Diese in Grösse und Gestalt der H. incarnnta nahestehende 
Art kann ich nicht bestimmen, da ich nur zwei Exemplare von 
ihr bei Habsheim gefunden habe, bei denen die Mündung ver- 
letzt ist 

4. Helix villom Drap. 
Taf. XVn, Fig. 28 a, b, c. 
36, S. 813, Taf. 36, Fig. 5. 
Häufig zwischen Mülhausen und Zimmersheim und bei 
Tagolsheim, sonst selten. 

Lebend in den savoyischen Alpen bis zu 2000 m Höhe, im 
französischen und schweizerischen Jura. 



280 



Dr. B. FHiuitbii. Geologischer Führer 



5. Hfilix tericea MÜLL. var. glabeüa St. 
Taf. XVII, Fig. 30 a, b. 
36, S. 810, Taf. 33, Fig. 40 und Taf. 36, Fig. 7. 
H. sericea unterscheidet sich von H. hispida durch einen 
engeren Nabel; ferner ist der innere untere Rand der Mündung 
von H. hispida stets mit einer weissen Lippe belegt, welche bei 
FL sericea oft fehlt oder weniger stark ausgebildet ist. 
Es kommen hoch- und Bachgewölbte Formen vor. 
Ueberall häufig. 

Lebend am Steiger Wald und den Waldbergen von ganz 
Unterfranken. 

6. Helix pxdchäla MULL. 
Taf. XVII, Fig. 29 a, b. 
36, S. 816, Taf. 36, Fig. 14. 
Ueberall häufig. 

Lebend an feuchten Orten unter Steinen u. s. w. In der 
Ebene und im Gebirge bis zu 600 m in ganz Europa, Sibirien 
und Nordamerika. 

7. Cyclostomus sp. 
Taf. XVII, Fig. 31 a, b. 
Steht dem obermioeänen C. coniws ausserordentlich nahe, ist 
jedoch ein wenig grösser als dieser. 

Nur ein Exemplar von Habsheini, bei welchem die Mündung 
abgebrochen ist 

8. Hyalinin crystallina Müll. 

Taf. XVII, Fig. 33 a, b. 
36, S. 725, Taf. 27, Fig. 27. 

Häufig. 

Lebend an feuchten Orten in ganz Europa. 

9. Hyalinia ftdva MÜLL. sp. 
Taf. XVII, Fig. 34 a, b, c. 
36, & 822, Taf. 36, Fig. 35. 

Häufig. 

Lebend in Baummoder und Walderdc in ganz Europa, Sibirien 
und Nordamerika. 



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für die Umgebung von Mülhausen i. E. 



281 



10. Succinea oblonga DRAP, typ. 
Taf. XVII, Fig. 35 a, b. 
36, S. 790, Taf. 33, Fig. 29. 
Ueberall häufig. 

Lebend zwar noch in ganz Europa, ist aber nur in den 
höheren Gebirgen, der norddeutschen Ebene, Skandinavien, Russ- 
land einschliesslich Sibirien stellenweise gemein, im Hügellande 
Mitteleuropas aber sehr selten. 

11. Succinea oblonga Dbap. var. elongata Braun. 
Taf. XVII, Fig. 36 a, b. 
36, S. 790, Taf. 33, Fig. 30. 
Viel seltener als der Typus. Zwischen beiden Varietäten 
zahlreiche Uebergänge. 

Bei Walheim, selten. 

12. Clausilia parvula Stüder. 

Taf. XVII, Fig. 38 a, b. 
36, S. 800, Taf. 36, Fig. 18. 
Stellen weise häufig, z. B. zwischen Mülhausen und Zimmers- 
heira, Tagolsheim und nördlich von Illfurt. 

Lebend an Mauern, Felsen und unter Steinen in gebirgigen 
Gegenden. 

13. Clausilia dubia Drap. 
Taf. XVII, Fig. 39 a, b. 
36, S. 799, Taf. 33, Fig. 36 und Taf. 35, Fig. 27. 

Ich besitze nur 4 Exemplare von Zimmersheim und Tagols- 
heim, die nicht vollständig sind. Die Schale ist ausserordentlich 
zerbrechlich. 

Lebend an Felsen, Mauern, Baumstämmen in Schweden, 
Nord- und Ostdeutschland, Südostdeutschland, im Elsass selten, 
in Baden fehlend. 

14. Cioneüa lubrica Müll. sp. 
Taf. XVII, Fig. 37 a, b, c, d. 
36, S. 802, Taf. 35, Fig. 32 und Taf. 36, Fig. 17. 
Vereinzelt bei Tagolsheim und zwischen Mülhausen und 
Zimmersheim. 



282 



Dr. B. Förster. Geologischer Führer 



Die Exemplare von Tagolsheim sind kleiner als die von 
Zimmersheim ; an ersteren ist die hornbraune Farbe der Schale 
des lebenden Thieres noch theilweise erhalten. 

Lebend an feuchten Orten in ganz Europa, Sibirien, dem 
Amurlande und dem Kaukasus. 

15. Pupa secale Drap. 
Taf. XVH, Fig. 42 a, b. 
36, S. 879, Taf. 36, Fig. 22. 
Stellenweise häufig, z. B. bei Pfastatt, Fröningen, Tagolsheim. 
Lebend z. B. im Oberrheinthal bei Kleinkems. 

IC. Pupa dnlium Drap. var. plagiostoma Brauk. 
Taf. XVII, Fig. 43 a, b. 
36, S. 878, Taf. 36, Fig. 21. 
Stellenweise häufig. 

Lebend an einzelnen Punkten der Alpen. 

17. Pupa muscorum L. 
var. edentata Sandb. Taf. XVII, Fig. 44 a, b. 
var. unidentaia Sandb. Taf. XVII, Fig. 44 c, d. 
36, S. 797, Taf. 33, Fig. 35; Taf. 35, Fig. 24 und Taf. 36, Fig. 23. 

Ueberall häufig. Die var. edentata ist jedoch viel seltener 
als die var. unidentata; var. bigranata San im. habe ich noch nicht 
gefunden. 

Lebend in ganz Europa und in Sibirien bis zum Amur. 

18. Pupa pygmaea Drap. 
Taf. XVII, Fig. 41 a, b. 
36, S. 847, Taf. 35, Fig. 21, 21 a und Taf. 36, Fig. 26, 26 b. 
Tagolsheim, selten. 
Lebend in Deutschland. 

19. Pupa columella v. MART. 
Taf. XVII, Fig. 40 a, b. 
36, S. 795, Taf. 33, Fig. 34 und Taf. 36, Fig. 27. 
Tagolsheim, selten. 

Lebend auf eine sehr kleine Zahl von hochalpinen und 
nordischen Futidpunkten beschränkt 



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für die Umgebung von Mülhausen i. E. 



283 



20. Limax agrestis L. 
Taf. XVD, Fig. 46. 
36, S. 896, Taf. 36, Fig. 33. 
Sierenz, Tagolsheim. 

Lebt in ganz Europa, Sibirien, dem Amurlande und Nord- 
amerika. 

Der interessanteste Fund, den ich im mittleren Löss gemacht 
habe, besteht aus einem kleinen, 43 mm langen und 7 mm breiten 
Feuersteinmesserchen, das ich auf Taf. XVII, Fig. 32 a, b abgebildet 
habe. Dasselbe lag horizontal 3,w m unter der Oberfläche im 
Verwitterungslehm des mittleren Löss der Lehmgrube sudlich von 
Sierenz (Profil XVI, x). Das eine Ende war beim Abschlagen des 
Lehms durch den Pickel abgehauen worden. Dieser entschieden 
von Menschenhand zugehauene Feuersteinspan ist deshalb von 
besonderer Wichtigkeit, weil seine Fundstätte auf geologisch ur- 
sprünglicher Lagerstätte sicher festgestellt ist. 

Woher das Material stammt, aus welchem das Messer ge- 
schlagen ist, habe ich noch nicht feststellen können; mit den 
Hornsteinknollen des Melanienkalks stimmt es nicht Oberein. 

Der jüngere Hochterrassenlöss enthält zahlreiche Kalkspath- 
körner, kleine runde manganhaltige Brauneisensteinknöllchen, ver- 
kalkte Röhrchen, aber nur wenige und kleine Mergelconcretionen. 
Die Fossilien sind seltener als im mittleren Löss geworden und 
selbst die drei Hauptschnecken des Löss, Helix »ericea, Succinea 
oblonga und Pupa muscorum, sind nicht überall häufig. Er zeigt 
oft eine ganz feine Schichtung. Seine braune Verwittcrungsschicht 
ist oft noch schwach kalkhaltig, die darin befindlichen mangan- 
haltigen Brauneisenateinknöllchen sind sehr klein. 

3. Niederterrasse. 
n) Schotter. 

Der mit Sandschmitzen durchsetzte Niederterrassensehotter 
besteht längs des Rheins hauptsächlich aus alpinen Geröllen, denen 
Schwarzwald- und Juragesteine beigemengt sind; ab und zu kommen 
aus der Nähe stammende Blöcke von tertiärem Kalk und Sand- 



284 



Dr. B Förhtkr. Geologischer Führer 



stein und Schichten von eingeschwemmtem mittleren Lös« vor. 
Von den Schottern der Hochterrasse unterscheidet er eich be- 
sonders durch die grössere Häufigkeit von Granit, Verrucano, 
Tavcyanaz-Sandstein sowie von Hornblendegesteinen. Die stets gut 
gerundeten, hellfarbigen Geschiebe sind schichtweise nach der 
Grösse gesondert und dachziegelartig übereinander gelagert 

Von Mülhausen ab tritt dem Rheinschotter in den Thälern 
der von den Vogesen kommenden Flüsse Vogesenkies zur Seite. 
Derselbe besteht aus Vogesengesteinen; die Gerölle sind wenig 
gerundet und besitzen gewöhnlich eine dunkle Färbung, ihre 
Grösse nimmt von dem Gebirge nach der Ebene zu ab; vielfach 
lä&st sich ihre Herkunft noch feststellen 1 . Die Grenze zwischen 
den beiden aus verschiedenem Material bestehenden, aber gleich- 
alterigen Ablagerungen fällt in unserm Gebiet ungefähr mit 
dem Lauf der III zusammen. Wo die Bedeckung durch den Sand- 
löss fehlt, hat sich eine braunrothe, lehmig thonige, bis zu 0,8 m 
mächtige, kalkfreie Verwitterungsschicht gebildet, die nach unten 
gewöhnlich mit ebener Grenzfläche scharf abschneidet Die Quarz- 
gerölle sind angefressen, die kalkigen Gerölle völlig ihres Gehaltes 
an kohlensaurem Kalke beraubt; letztere zerfallen, wenn sie nicht 
ganz aufgelöst sind, vollständig in gelbe Splitter. Die feldspath- 
führenden Gesteine sind ebenfalls ganz mürbe geworden und theil- 
weise zu Grus und Sand zerfallen. 

Die volle Mächtigkeit des Niederterrassenschotters liess sich 



I. Herr Dr. W. Deecke in Greifswald erkannte in der Vogcsenkicsgrub« Brüst- 
lein in Dörnach folgende Gesteine aus dein Dollerthal in den Vogesen: I) Glimmer- 
reiche Grauwacke aus dem mittleren Dollerthal bei Langenfelde. 2) Grauwacke vom 
Kimbiichkopf am Pass. 3i Hornblcnde-Biotit-Granit von Ermensbach. 4) Horoblendc- 
Üiotit-Granit vom Itiegel des Stauweihers. 5) Hornblende-Bioüt-Granil von Alfeld. 
(!) Honiblende-Biotit-Granit vom grossen Langenberg. 7) Augit-Biotit-Granit von Ober- 
bruck. ,v Augit-Biotit-Granit von Elch-Wald zwischen Dollern und Sewen. 9) Augit- 
Biotit-Granit vom Schopfers-Berg. 10) Augit-Biotit-Granit von Striedel. II) Glimmer- 
Biotit-Granit dicht vor Sewen. 12) Granitporphyr vom kleinen Langenberg und Wustkopf 
oberhalb Sewen. 13) Quarzporphyr von Wegscheid. 14) Minctte, wohl vom kleinen 
Langenberg. 15) Labradorporphyr mit Glimmerkry stallen von Huppach bei MasmönsUr. 
16) Labradorporphyr vom Bramenstein. 17) Labradorporphyr vom Weg zum Sternsee. 
18) Labradorporphyr vom Krabbefelsen oberhalb Oberburbach. 19) Labradorporphyr von 
Sewen an der Seewand. 



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für die Umgebung von Mülhausen i. E. 



bisher nicht feststellen. In Mülhausen wurde er durch eine Boh- 
rung von 35 m Tiefe noch nicht durchstossen (30, S. 98). Man 
kennt aus dem Niederterrassenschotter Elephas primigmius und 
Boa priscus. Mieg (43, S. 37) fand darin bei Rixheim, 6 m unter 
der Oberfläche, ein poliertes und durchbohrtes Steinbeil. Dasselbe 
gehört also seiner Lage nach einer jüngeren Periode als das oben 
erwähnte Feuersteinmesserchen an. 

ö) Sandlöss. 

Auf dem Schotter der Niederterrasse liegt beim Austritt der 
III und Doller aus dem Lössgebiet ein kalkhaltiger, grau- bis 
hellgelber, lossartiger, feiner Sand mit kleinen Gerollen aus dem 
darunter liegenden Schotter. Oberflächlich geht derselbe gewöhnlich 
durch Verwitterung in einen braunen, stellenweise grauen, sehr 
stark sandhaltigen , kalkfreien Lehm mit kleinen manganhaltigen 
Hrauneiscnsteinknöllchen über. Nur an wenigen Stellen, an Boden- 
erhebungen, wo die Lebmdecke weggewaschen ist, tritt er auch 
zu Tage. 

Der Sand, der jedenfalls in direktem Anschluss an die Nieder- 
ter raese abgelagert wurde, wird z. B. bei Sausheim nordöstlich von 
Mülhausen bis zu 2,ao m, die Lehmdecke bis zu 2 m mächtig. 

Am häufigsten und verbreitetsten findet sich im Sandlöss 
Helix pulchella (Taf. XVII, Fig. 29 a, b). Beim Schlemmen des in der 
Ensisheimerstrasse in Mülhausen ausgegrabenen Sandlöss fand ich 
ausserdem: Helix sericea MÜLL. (Taf. XVII, Fig.' 30 a, b), Succinea 
oblonga Drap. (Taf. XVII, Fig. 35a, b), Pupa muscorum L. (Taf. XVII, 
Fig. 44a, b), IMpn pggmaen Dkai\ (Taf. XVII, Fig. 41a, b), sämmtlich 
in mehreren Exemplaren. Ferner war ziemlieh zahlreich vorhanden: 

Pisidium sp. 
Taf. XVII, Fig. 46 a, b. 
in kleineren und grösseren Exemplaren. 

Ausserdem fand ich darin einen Mündungsdeckel von 

Jigthinin tentaculata L. ep. 
Taf. XVII, Fig. 47. 
36, S. 711, Taf. 27, Fig. 3 b. 
Die Schnecken sind wohl, Hdix pulchella vielleicht theilweise 



2H6 Dr. B. Föbsteb. Geologischer Führer 



ausgenommen, mit dem Löss zugleich eingeschwemmt Dagegen 
dürften Pisidium und Bythinia als dieser Ablagerung eigentümlich 
anzusehen sein. 

In unserem Lössgebiet fliessen die kleinen Bäche und Rinn- 
sale in oft tief eingeschnittenen Rissen grosser horizontaler Flächen, 
die auch bei Hochfluthen heutigen Tages von ihnen nicht mehr 
erreicht werden. Es sind diese Alluvionen nicht Gebilde der Jetzt- 
zeit, sondern wohl als gleichaltrig mit dem Sandlöas der Nieder- 
terrasse oder mit letzterer anzusehen. 

Auf der Karte sind sie als Alluvium ausgezeichnet 

4. Jüngste Bildungen. 

Der Löss findet sich wegen seiner grossen Beweglichkeit 
wohl nur noch auf den Höhen auf seiner ursprünglichen Lager- 
stätte; die Abhänge sind mit umgeschwemmtem Löss in grösserer 
oder geringerer Mächtigkeit bedeckt Dort enthält derselbe mehrfach 
Helix pomatia und Caecilianeüa aetcula. Erstcrc ist für den um- 
geschwemmten Löss als Leitfossil anzusehen. 

In tieferen Thälern ist an den Abhängen auch die Unterlage 
des Löss, hauptsächlich Tertiär, weggeschwemmt worden und mit 
dem Löss vermischt an tieferen, weniger steilen Stellen zur Ab- 
lagerung gelangt So ist hauptsächlich im III- und Largthal ein 
mehr oder weniger breites Band solchen Gehängeschutts aufge- 
häuft. Die Bildung desselben mag schon zur Zeit der Ablagerung 
des Niederterrassensch Otters begonnen haben, sie dauert indessen 
heute noch fort. 

Die aus dem Löss austretenden kleinen Bäche führen eine 
Menge Löas-Materials mit sich, das sie beim Eintritt in die Ebene 
ablagern. Auf diese Weise entstehen oft verhältnissmässig weit in 
die Ebene vorgeschobene Schuttkegel von umgeschwemmtem Löss. 
Auf der Karte sind solche bei Schnierlach, Dietweiler, Eschenz- 
weiler, Rixheira und Tagolsheim angegeben. 

Die wasserreicheren, das Lössgebiet durchschneidenden Flüsse, 
die III und Larg, haben sich aus dem Lössschlamm ein ausge- 
breitetes Alluvium geschaffen. Die Doller und die Thür dagegen, 



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für die Umgebuug vou Mülhausen i. £. 



287 



welche den Vogesenkies durchfliegen, haben nur an wonigen Stellen 
Alluvium, schwarzen Moorboden von 20 — 30 cm Mächtigkeit zu 
bilden vermocht, meist haben sie die Gerölle des Vogesenkieses 
nur umgelagert 

Rückblick. 

Von sämmtlichen in unserm Gebiet zu Tage tretenden For- 
mationen ist keine älter als Unteroligocän und selbst in den bis 
über 200 m Tiefe erreichenden Bohrungen ist keine ältere Schichten- 
reihe angetroffen worden, was um so auffallender ist, als sowohl 
nördlich im Unter-Elsass bei Buchsweiler als auch südlich bei 
Hochwald (gewöhnlich Hobel) in der Schweiz eoeäne Kalke mit 
Planorbis pseudammonitu Schloth. sp. vorkommen. 

Die unteroligoeänen Gypsmergel weisen auf ein Binnenmeer 
hin, welches wahrscheinlich durch eine Barre vom offenen Meere 
theilweise abgeschlossen war und bei dem die Verdunstung die 
Wasserzufuhr überwog, so dass der schwefelsaure Kalk sich als 
Gyps niederschlagen konnte. Die Verdunstung genügte jedoch 
nicht zur Bildung grösserer Stcinsalzablagerungen, nur ganz dünne 
Schichten reinen Steinsalzes sind bei Dornach in den salzhaltigen 
Gypsmergeln in der Tiefe von 91,55 in und von 115 m angetroffen 
worden (61, S. 261). 

Die Petrolsandmergel von Hirzbach verdanken wahrschein- 
lich, wie die Petrolmergel des Unter-Elsass, einer Lagunen- und 
Deltabildung ihre Ablagerung, denn wir dürfen wegen des gleichen 
Alters beider Schichtenreihen wohl annehmen, dass sie dieselbe 
Entstehungsweise haben (47, S. 170). 

Also sowohl die Gypsmergel als auch die Petrolsandmergel 
sind Niederschläge eines der Küste naheliegenden Meerestheiles. 

Diese Meeresbucht wurde an einer Stelle, wie die Blauen 
Mergel und die darüber liegenden Melanicnkalke anzeigen, aus- 
gesüsst und zu einem Süsswassersee umgewandelt, während an 
andern in geringer Entfernung gelegenen Punkten die Gyps- 
ablagerungen ihren ungestörten Fortgang nahmen. Der See hat 



288 



Dr. B. Förstek Geologischer Führer 



sich stellenweise, wie die Melanien, Hydrobien und die Auricula- 
Arten beweisen, einen brackischen Charakter bewahrt. Seine Fauna 
bestand hauptsächlich aus Schnecken; von Muscheln ist bisher 
darin nur eine kleine Art, Sphaerium Bertereauae, bekannt ge- 
worden. In den sumpfigen Thcilen dieses Sees lebten Schildkröten, 
welche mehr an die heutigen Landschildkröten, Testudo, ab an 
die wasserbewohnenden Emys-Arten erinnern. Die seichten Ufer- 
stellen, welche von Schilfrohr, Ried- und Cypergräsern, Nyrnphä- 
aeeen und Typhaceen (72, S. 416) bewachsen waren, wurden von 
Paläotherien besucht. Das Vorkommen von grossen Säuget hieren 
beweist die Nähe des Festlandes, von dem wir jedoch nichts 
Genaueres wissen. Der Seegrund scheint sich später zur voll- 
ständigen Insel erhoben zu haben, welche nach Osten vielleicht 
mit dem Festlande in Verbindung getreten ist 

Bei Beginn der Mitteloligocänzeit senkte sich die Melanien- 
kalkinsel und wurde zunächst von Süsswasser bedeckt, welches 
den Melanienkalk erodirte und den Plattigen Steinmergel absetzte. 
Die Lagunenbildung der Petrolsandmergel werden vom offenen 
Meere eingenommen und von den Ablagerungen desselben, den 
Mergeln und Sanden des Meeressandes, bedeckt, welche aber 
immer noch die Nähe der Küste erkennen lassen. Echte Meeres- 
thiere, Schnecken, Muscheln und Foraminiferen finden sich zahl- 
reich, dazwischen einzelne Haifischzähne. Etwas südlich von unseren 
Gebiet bei Rädersdorf sind im Meeressand dio Reste einer Sirene, 
HaUtherium Schinzi Kauf. (47, S. 178) gefunden worden, welche 
ebenfalls auf eine nahe Küste hinweist, da die Sirenen in der 
Nähe der Küste leben, ja oft sogar weit in die Flüsse hinauf 
ziehen. Auch vom Festlande jener Zeit können wir uns ein Bild 
machen, da wir eine grosse Anzahl von Lmdthicren, allerdings 
nur Insekten, und Pflanzen aus jener Zeit kennen. Aber gerade die 
Insekten können uns in ihren so vielfachen Beziehungen zur 
Thier- und Pflanzenwelt guten Aufschluss Uber das Thier- und 
PHanzenleben geben. In der Abhandlung « Die Insekten des 
Plattigen Steinmergels von Brunstatt» habe ich zum Schiusa auf 
Seite 592 ein Landschaftsbild der niittcloligocäncn Zeit von diesem 
Orte zu zeichnen versucht, das auch hier seine Stelle finden mag. 



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für die Umgebung von Mülhausen i. E. 



389 



«Nicht fern vom Meere befand sich eine »eichte Lagune, 
vielleicht auch eine nur zeitweise vom Wasser Uberströmte 
Niederung, durch welche ein Bach Aosb, mit dessen Fluthen 
Pflanzen- und Thierreste herbeigeführt und dem Schlamm zur 
Aufbewahrung für spätere Jahrtausende anvertraut wurden. An 
den Ufern dieses Baches, der, nach dem Vorkommen von Oreiwi 
zu schliossen, von einem Gebirge herab strömte, wuchsen Wasser- 
pflanzen, an denen Bagous und Donacia, Lilien, an denen Lema- 
Arten lebten. Die mannigfaltigsten Gesträuche umsäumten seine 
Ufer und beherbergten die verschiedensten Thiere, besonders aber 
Laubwanzen, welche bei den periodischen Ueberschwemmungen 
heruntergespült und von den Wellen des Flusses hinweggetragen 
wurden; Weiden und Pappeln trugen auch damals wie heute 
ihren Kukuksspeichel. Düstere Wälder mit fouchten Waldgründcn 
voller Pilze, umschwärmt von den verschiedensten Arten von 
Pilzmücken, musste dieser Fluss durchströmen, an dessen Ufern 
die zahlreichen Cydnua-Arten im Sand, die zierlichen Raub- 
käferchen und Staphylinen unter Steinen ihr Wesen trieben ; 
darüber tanzten die Bachmücken ihren fröhlichen Reigen. Die 
Larven der verschiedensten Käfer und Fliegen, die Schildwanzen 
und vor allem die Ameisen sorgten nach Kräften dafür, dass die 
verfaulenden und verwesenden, pflanzlichen und thierischen Stoffe 
fortgeschafft wurden. War der düstere Wald auch entschieden vor- 
herrschend, so fehlte es in ihm doch auch nicht an luftigen, 
heiteren Stellen, an welchen die Tropensonne die verschieden- 
artigsten Pflanzen zur Blüthe brachte und den Tisch für ein 
grosses geflügeltes Heer deckte. Der Kampf ums Dasein beherrschte 
auch damals schon diese scheinbar so friedlichen Gefilde. Wilde 
Mordwanzen, kleine und grössere Raubkäfer gingen des Nachts 
auf Raub aus, und auch das fröhliche Tagesleben der verschieden- 
sten harmlosen Kerfe wurde durch Mord und Raub gefährlicher 
Gesellen jäh unterbrochen. Auch damals schon wurde der Ver- 
nichtungskampf von Thier gegen Thier in jener unheimlichen 
Weise des Schmarotzerthums geführt. 

Der Räuber und sein Opfer, der Wirth und sein hinterlistiger 
Feind, der leichtbeschwingte Tänzer der Luft, wie der träge, 



2!»0 



Dr. B. Förster. Geologischer Führer 



schwerfällige Bewohner der Bäume, Gesträuche und Kräuter, die 
sich im Sande tummelnden Cydnus-Arten und die tagsüber in 
sicherem Versteck unter Steinen liegenden Laufkäfer, sie alle 
wurden von den Fluthen ergriffen, vom Schlamm überdeckt. Ihre 
Abdrücke gewähren uns jetzt einen interessanten Einblick in das 
Thierleben jener alten Zeit» Fügen wir hinzu, dass die jetzt 
unserer Breite fremden Zimmtbäume und Palmen und jetzt nicht 
mehr einheimischen Nadelhölzer die Ufer bedeckten, so steht 
wenigstens die Küstenlandschaft jener Zeit deutlich vor unsern 
Augen. Von grösseren Landthieren sind uns jedoch keine Spuren 
erhalten geblieben. Die Senkung des Landes nahm zu, das Süss- 
wasser wurde brackisch, die Planorben verschwanden, dafür er- 
schienen Cyrena und Mt/tilus und Forarainiferen, welche beweisen, 
dass das Meer endgiltig von der ehemaligen Insel Besitz er- 
griffen hat. 

Das Meer vertiefte sich und setzte den Fischschiefer ab, von 
dem wir jedoch nur kleine Vorkommen bei Altkirch, Landser 
und Niedermagstatt kennen. Auf dem Plattigen Steinmergel lagert 
sich der Blättersandstein oder der Untere Haustein als Küsten- 
facies des Fischschiefers ab. Die zahlreichen Reste von Zimmt- 
baum- und Akazien-Arten, von Weiden, Ahorn, Feigen und Stech- 
palmen (54, S. 360—362) geben uns eine gewisse Vorstellung 
von der Zusammensetzung der Uferwälder, welche jenes Meer 
umsäumten. Der Untere Haustein geht in seiner Verbreitung 
nicht weit über den Melanienkalk hinaus; ob scheint, dass die 
ehemalige Melanienkalkinsel eine von Ost nach West in das Fisch- 
schieferraeer vorgeschobene Untiefe gebildet hat, welche sich gegen 
Ende des Mitteloligocäns wieder aus dem Meer gehoben hat 

Diese Barre verbreiterte sich und Süsswasserseen mit kleinen 
Melanien, zahlreichen Limnäen, Planorben und einer Sphaerium- 
Art wiederholen ähnliche Zustände wie zur Zeit des Melanien- 
kalks. Wir finden hier wie dort Landseh necken eingeschwemmt, 
welche aber viel zahlreicher als im Melanienkalk sind, und ganz 
anderen Formen angehören. 

Nochmals nimmt das Meer von den schon verlassenen Ge- 
bieten Besitz, die Süsswasserbildungen werden von Kalksandsteinen, 



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für die Umgebung von Mülhausen i. E. 



291 



Strandbildungen, Uberlagert, die hier und da, z. B. bei Kleinkems 
von Nagelfluh Überschüttet sind. Bei Lümschweiler finden sich 
noch Schichten mit Foraminiferen, also Andeutungen von tieferen 
Meeresschichten. 

Wahrscheinlich Hess das sich nach Norden zurückziehende 
Meer noch mächtige Schlammmassen zurück, welche allmählich 
austrockneten und erhärteten, aber später fortgeführt wurden. Der 
ehemalige Meeresboden wurde Bchon zur Miocänzeit Festland, aus 
welcher Zeit uns die Ablagerungen eines Süsswassersees nördlich 
von Basel bei Tüilingen erhalten geblieben sind- Von den Wir- 
kungen der Flüsse, welche jedenfalls zu dieser Zeit wie in der 
darauf folgenden Pliocänzeit unser Oebiet durchflössen, sind keine 
Spuren mehr erhalten. Erst die gegen das Ende der Pliocänzeit 
von einem gewaltigen Flusse, dem alten Rhein, aus den Alpen 
herbei geschafften Schotter, vormehrt durch die demselben seit- 
wärts zugeführten Schotter der Nebenflüsse, sind uns im Süden 
unseres Gebietes südlich von Altkirch erhalten geblieben. Der 
Rhein floss zu jener Zeit von Basel westwärts und mündete durch 
das Saöne- bezw. Rhonethal in das Mittelmeer. 

Die Aufschüttungsperiode endete mit kleinen Gerollen und 
feinen Kiesen, Sanden und Schlammmassen, dem sandigen, wasser- 
undurchlässigen Letten. 

Später vertiefte sich der « Rheinthalgraben > nacb Norden, 
der Rhein wandte sich von Basel ab nordwärts und schüttete die 
Hochterrasse auf. 

Auf die Aufschüttung folgte eine Periode der Erosion. Da- 
durch fehlen in unserm Kartengebiet die Hochterrassenschotter, die 
nur bis Sierenz reichen. Nach dem Absatz des Hochterrassenschot- 
ters hat sich auf diesem ein feines, staubartiges Sandgebilde, der 
Löss abgelagert, dessen Bildungsweise auch heute noch nicht klar 
ist. Die einen wollen ihn durch Wind, durch grosse Staubstürme, 
die andern durch Ueberschwemmungen als Hochwasserschlamm 
entstanden sein lassen. Nach der ersten Ansicht soll der Staub 
aus den von der bezw. den Eiszeiten zurückgelassenen Moränen 
ausgeblasen sein, während die hohe Lage des Löss, in unserm 
Gebiet nördlich Steinsulz 450 m, sowie der Umstand, dass ihm 



292 



Dr. B. Förhter. Geologischer Führer 



die Schichtung abgesprochen wird, seiner Bildung aus fiiessendem 
Wasser entgegen steht Da bis zu derselben Höhe jedoch auch 
unzweifelhafte Flussgeschiebe, Deckenschotter und Hochterrassen- 
schotter hinaufgehen und im Sundgau kein auf ursprünglicher 
Lagerstätte sich befindender ungeschichteter Löss beobachtet ist, 
derselbe vielmehr immer, wenn auch undeutlich, geschichtet* ist, 
ausserdem sich im Löss überall Kalkspat!) kür ner finden, die nur 
durch Schwemmung in den Löss hineingekommen sein können, so 
neige ich der Meinung zu, dass der Löss unseres Gebietes einer 
Ablagerung aus Wasser seine Entstehung verdankt. Dafür spricht, 
dass im Löss und zwar hauptsächlich im älteren Löss, sich kleine 
Gerölle finden, dafür spricht die eigentümliche Anhäufung von 
Schneckenschalen an einzelnen Stellen. Der Löss wurde mit ver- 
schiedenen Unterbrechungen abgelagert Nach den einzelnen Ab- 
lagerungsperioden traten Ruhepausen ein, in welchen der Löss zu 
Lösslehm verwitterte. Während und nach der Ablagerung des 
Hochterrassenlöss sägte sich der Rhein immer tiefer ein und 
schaffte von dem herbeigeführten Material die grösste Masse 
wieder fort 

Darauf trat wieder eine Aufschüttungsperiode ein, die den 
Niederterrassenschotter ablagerte, an die sich wieder eine Schlamm- 
absetzungsperiode anschloss. Die Gerölle wurden immer kleiner 
und schliesslich wurde ganz feiner Sand abgelagert, der Sandlöss. 

In unserem Gebiete schliesst damit die Reihenfolge der 
Schichten. 

Die drei Haupt- Anschwemmungsperioden, die den Decken- 
schotter, den Hochterrassenschotter und den Niederterrassenschotter 
ablagerten, stehen wahrscheinlich mit Eiszeiten in Verbindung, 
deren nähere Besprechung nicht mehr in den engen Rahmen 
unseres geologischen Führers gehört. Nur soviel sei gesagt, dass 
jeder Schotterablagerung eine Moränenzone, eine Vergletscherung 
entspricht, jeder Erosion ein Rückzug der Gletscher, eine soge- 
nannte Interglacialzeit 

Du Pasquier (74, S. 126) verdeutlicht die Arbeitsleistung 



I Reim Uü'lehiii ist du' SchichlunK durch Verwitterung meistens verwischt. 



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für die Umgebung von Mtilhauscu i. E. 



293 



der fliessenden Gewässer während der ganzen Dauer der Glacial- 
zeit durch das nachfolgende Schema, 



Hocbterroaien- Nicdertcmunro- 
DcckonKhoitcr «ehottiT ^ nchotter und 




dem ich noch beim Uebergang der Kurven von -+- zu — den 
sandigen Letten, den Löss und den Sandlüss hinzugefügt habe. 

Von der geologischen Thätigkeit der Gewässer und der 
Atmosphärilien zur Jetztzeit muss ich hier absehen. 

Dass auch der tektonische Aufbau der Rheinebene seinen 
Abschluss noch nicht erreicht hat, beweisen die häufigen, wenn 
auch geringen Erderschütterungen, denen das Rhcinthal ausgesetzt 
ist, auf welche ich hier auch nicht näher eingehen kann und 
wegen welcher ich auf Nr. 44 und Nr. 62 der Literaturangabe 
verweisen muss. 

Besonders mache ich aufmerksam auf eine soeben erschienene 
Arbeit von Dr. Langenbeck in Strassburg i. E.: «Die Erdbeben 
erscheinungen in der oberrheinischen Tiefebene und ihrer Um- 
gebung». — Geographische Abhandlungen aus den Reichslanden 
Elsass-Lothringen. I. Heft, S. 1—120. Stuttgart 1892. 

Das Ergebniss dieser Untersuchung ist, dass sowohl der 
geologische Bau der oberrheinischen Tiefebene und ihrer Um- 
randungen, wie die Erscheinungsformen der dort auftretenden Erd- 
beben in vollem Maasse dazu berechtigen, dieselben in ihrer Mehr- 
heit als Dislokationserdbeben aufzufassen. 

Betreffs unseres Gebietes ist es interessant, dass Langenbeck 
erwähnt, es seien auch im Sundgau, z. B. in Delle, Dammerkirch, 
Altkirch und Mülhausen vereinzelte Erderschütterungen aufge- 
treten; er konnte aber vorläufig nicht entscheiden, ob dieselben 
mit den Basler Erdbeben oder denjenigen der Vogesen in Zu- 
sammenhang stehen. 



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294 



Dr. B Förstbb. Geolofriecher Führer 



Nutzbarkeit des Bodens und der Gesteine. 

Der Löss, welcher die festen Gesteine des Tertiärs wie ein 
Mantel umhüllt, ist der eigentliche Nährboden des Sundgaus. Auf 
ihm gedeiht die Kartoffel so gut wie die Hülsenfrucht, Roggen 
und Hafer wie Gerste und Weizen und jegliches Gemüse, sogar 
der Spargel. Die tiefgründigen Lüsslehmdecken wie auch die tiefen 
Verwittcrungsschichten des Deckenschotters sind mit Buchen- 
waldungen bedeckt 

Die geringe Verwitterungsdecke der Vogesen- und Rhein- 
schotter der Niederterrasse, die wenig höher als der Grundwasser- 
spiegel liegt, trägt Wiesen und ausgedehnte Waldungen (Hardtwald). 

Wo die Mergel, die Kalk- und Sandsteine des Tertiärs zu 
Tage treten, werden mit Vortheil Reben angepflanzt 

So hat jede Bodenart ihr bestimmtes Vegetationskleid und 
die Abhängigkeit desselben vom Untergrund tritt Uberall deutlich 
hervor. 

Oede Strecken, wie der Vogesenkics nördlich von Mülhausen 
und einzelne steile Abhänge des Melanienkalks zwischen Tagols- 
heim, Aussendorf und Lümschweiler, sind selten. 

Reich an nutzbaren Produkten sind auch die vielfach aus 
dem Löss und anderen jüngeren Bildungen auftauchenden Schicht- 
gesteine unseres Gebietes. Besonders sind zu erwähnen: 

1. Kalkstein. Derselbe kommt vor als Melanienkalk, als 
Kalk mit Helix cf. Hombreti und als Kalk mit Helix cf. rugulosa. 
Der Melanienkalk ist in manchen Lagen mit Kieselsäure durch- 
tränkt und gibt dann einen sehr guten Baustein ; es werden aber 
auch die andern nicht so harten Kalksteinschichten als Baustein 
gebrochen, doch müssen diese, da sie an der Luft aufblättern, mit 
einem Mörtelüberzug versehen werden; dann sind sie aber sehr 
gut verwendbar und werden daher thatsächlich Uberall, wo sie 
anstehen, gebrochen. Die grössten Steinbrüche in dem Melanien- 
kalk befinden sich im Illthal von Brunstatt bis Mülhausen und 
bei Rixhcim, wo Aufschlüsse bis über 20 ro liegen. Die Bedeutung 



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für die Umgebung von Mülhausen i. E. 



295 



dieser Steinbrüche erhellt daraus, dass mindestens das Fundament 
jedes Neubaues in Mülhausen und den Orten, welche von den 
Melanienkalk-Steinbrüchen nicht zu entfernt liegen, aus Melanien- 
kalk aufgemauert wird. 

Zum Brennen eignet sich der Melanienkalk weniger. Trotz- 
dem befinden sich in den Steinbrüchen, welche an dem Wege 
von Brunstatt nach Brubach liegen, ein paar Kalköfen, in welchen 
die obersten Kalksteinschichten gebrannt werden, welche jedoch 
vielleicht schon dem Kalk mit Helix cf. Hombresi angehören; auch 
die früher in den Kalksteinbrüchen östlich von Iiifurt gebraunten 
Kalksteine werden wohl demselben Horizont entnommen sein. Die 
grünsten Mengen gebrannten Kalkes kommen jetzt aus den Kalk- 
sandsteinbrüchen in der Nähe von Altkirch, in welchen die Bänke 
des Kalkes mit Helix cf. tugulom zum Brennen verwandt werden. 
Früher wurden auch, z. B. bei Riedisheim, die Kalke des Rhein- 
schotters der Niederterrasse gebrannt, welche zwar einen sehr 
hohen Hitzegrad erforderten, aber auch einen vorzüglichen Kalk 
gaben (30, S. 105). 

Die Spalten im Melanienkalk sind oft mit Kalkspathkrystallen 
ausgekleidet und überzogen; manchmal bilden sich sogar Stalak- 
titen; diese werden ebenso wie die Kalkconcretionen im Löss, 
die Lösskindel, zu Einfassungen von Beeten sowie zur Auskleidung 
von Aquarien und Grotten benutzt 

Hier und da findet der Melanienkalk in den Dörfern auch 
noch zu Pflastersteinen Verwendung. 

2. Kalksandstein. Dieser eignet sich vorzüglich zum Bau- 
und Haustein, da er nicht zerfriert In abbauwürdigen Bänken 
kommt er jedoch nur im Unteren Haustein vor. Das beste Material 
liefern Altkirch, Wittersdorf, Emiingen und Lümschweiler, wo 
die Kalksandsteine in grossen Steinbrüchen gewonnen und haupt- 
sächlich zu Chausseesteinen, Brunnentrögen und grösseren Bau- 
steinen verarbeitet werden. 

Die gelben Sande des Blättersandsteins von Dornach werden 
in Mülhausen und Umgegend als Stuben- und Scheuersand ge- 
braucht und zu demselben Zwecke sogar bis Gebweiler und Colmar 
versandt Die festen Kalksandsteine wurden früher auch als Bau- 



» 



296 Dr. B. Förster. Geologischer Führer 

stein verwandt, sind jetzt aber durch andere Kalksteine verdrängt 
In den Dörfern Eschenzweiler, Zimraersheim und Habsheim be- 
merkt man den Blättersandstein ziemlich häufig in dem Mauer- 
werk der alten Häuser. 

3. üyps. Von den in der Umgebung von Mulhausen so ver- 
breiteten Uypsmergeln ist nur das Gypsvorkommen von Zimmers- 
heim für den Abbau geeignet. Der Gyps wurde dort im vorigen 
Jahrhundert beim Graben in den Weinbergen aufgefunden und 
seit ungefähr 1780 in grösseren Mengen zu Tage gefördert Dass 
dort jedoch auch schon früher Gyps bekannt war und abgebaut 
wurde, beweisen die beim bergmännischen Abbau gefundenen 
Spuren älterer Arbeiten. Er wurde Uber Tage und unterirdisch 
gewonnen ; erst in allerletzter Zeit ist der Betrieb in Folge der 
grossen Konkurrenz von Baden und der Schweiz her fast ganz 
eingestellt worden. 

Der weisse und graue Gyps wird gebrannt und zum Ver- 
putzen der Zimmer benutzt; der dunklere Gyps wird zur Düngung 
der Felder und Wiesen verwandt. 

Im Jahre 1890 wurden nach den Angaben des Besitzers der 
Gypsgruben, des Bürgermeisters Rominger von Zimmersheim, 
ungefähr tiOO Gentner Baugyps und 1000 Centner «Feldgyps», 
d. h. zum Düngen benutzter Gyps, gewonnen, die zusammen einen 
Werth von 1200 Mark ausmachen. 

Wie ich auf Seite 214 angegeben habe, muss an einzelnen 
Stellen in der Tiefe eine Zersetzung des Gypses unter Ausscheidung 
von Schwefelwasserstoff stattfinden. In einzelnen Bänken ist der 
Gyps als Alabaster ausgebildet, doch ist er zu kurzklüftig, um 
zu Bildhauerarbeiten verwendet zu werden. 

4. Steinsalz. Bei Dornach beginnen in der Tiefe von 
36,& m die Gypsmergel Salz zu führen, doch ist der Salzgehalt so 
gering, dass sieh ein Abbau darauf keinenfalls lohnen würde; ob 
die Gypsmergel vielleicht in grösserer Tiefe so viel Salz ent- 
halten, um eine technisch verwerthbare Salzsoole zu liefern, ist 
mehr als zweifelhaft. 

Nach Penot (13, S. 247) 6oll bei Kixheim eine salzige Quelle 
vorhanden gewesen sein. 



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für die Umgebung von Mülhausen i. E. 



297 



5. Kohle. Wie ziemlich überall in den Vorhügeln der 
Vogesen, so sind auch bei uns Versuche, abbauwürdige Kohle zu 
finden, gemacht worden. Den nächsten Anlass dazu gaben die 
schwachen Lignitflötzchen des Melanienkalkes bei Illfurt Nach 
Delbos-KOchlin (30, S. 16, 31, 370 und 437) wurden in den 
Jahren 1773, 1810 und 1825 Stollen bis zu 118 Fuss Länge in 
den Melanienkalk Östlich von Illfurt getrieben, und dabei Lignite 
von ziemlich guter Beschaffenheit in Flötzen von 1 bis 2 Zoll 
Mächtigkeit angetroffen. Da dieselben nicht weit anhielten, so 
rausste von einer Gewinnung abgesehen werden. 

Auch im Klosterwald von 8t. Morand bei Altkirch soll ein 
Stollen in den dortigen Kalksandstein (Kalk mit He.lix cf. rugulosa) 
von 30—40 Toisen (1 Toise = 6 alte Par. Fuss = 1,»* in) auf eine 
Kohlenader von 2 Zoll Mächtigkeit getrieben worden sein; 1785 
wurde der Betrieb eingestellt. 

Im Jahre 1822 haben nach Mf.kian (6, S. 340) einige Bauern 
am Abhang des Hügels zwischen Habsheim und Rixheim, um Stein- 
kohlen zu suchen, mit einer hölzernen Bohrstange ein Bohrloch 
von 146 Fuss Tiefe (= 47 m) zu Stande gebracht und Spuren von 
Pechkohle aufgefunden. Auch bei Habsheim soll man nach Penot 
(13, S. 271) bei einer Bohrung in 180 Fuss Tiefe einige Lignit- 
adern gefunden haben, die eine Ausbeutung aber nicht lohnten. 
Diese Lignitadern befinden sich jedenfalls in den Gypsmergeln ; 
bei Zimmersheim hat man in denselben mehrere aber sehr dünne 
Kohlenschmitzchen angetroffen. 

Wir haben also Kohlenadern im Gypsmergel, Melanienkalk 
und Kalk mit Helix cf. rvgulosa, nirgends aber von solcher Mäch- 
tigkeit, dass ein Abbau irgend welchen Erfolg verspräche. 

6. Torf. Bei Hirzbach, Altkirch und Dammerkirch soll nach 
Graffenauer (3, S. 148) Torf vorkommen, doch beruht das, wie 
schon Dklbos-KöCHLIN (30, S. 192) nachgewiesen haben, auf einem 
Irrthum. Mir sind überhaupt keine Torfbildungen in unserem Ge- 
biet bekannt geworden. 

7. Petroleum. Bei Hirzbach, südlich von Altkirch, stehen 
Sande, Sandsteine und sandige Mergel an, die mit Petroleum 
stellenweise ziemlich stark durchtränkt sind. Diese petrol haltigen 



298 



Dr. B. FöiisTBB. Geologischer Führer 



Schichten sind von Löse bedeckt. Der Hirzbach (Oelbach) schneidet 
dieselben an und führt, namentlich nach starken Regengüssen, auf 
seiner Oberfläche Oeltropfen. Dieselben wurden schon in älterer 
Zeit gesammelt und als Heilmittel benutzt. 

Im Jahre 1782 Hess ein gewisser Hartmann den von Bi- 
tumen schwarzbraun gefärbten Sandstein graben und das Petroleum 
auskochen. Nach seinem Tode wurde damit aufgehört, aber im 
Jahre 1817 ein erneuter Versuch gemacht, jedoch schon im Jahre 
1820 wieder eingestellt Seitdem sind mehrfach und besonders in 
letzter Zeit Bohrungen auf Petroleum unternommen worden. Die 
zuletzt ausgeführte erreichte eine Tiefe von 179 m, ohne eine aus- 
giebige Petrolquelle anzutreffen (Vgl. S. 234). Es ist beabsichtigt, die 
Bohrungen mit besseren Apparaten bis zu 350 m Tiefe fortzusetzen. 

Im Melanienkalk enthalten einzelne dunkelgrau gefärbte 
Schichten etwas Bitumen, welches beim Zerschlagen der Steine 
sich durch seinen Geruch bemerkbar macht — an eine technische 
Ausbeutung desselben ist nicht zu denken. 

Vielleicht wäre dies eher möglich bei den Fischschiefern 
von Niedermagstatt, welche sehr reich an Bitumen sind, — doch 
ist auch hier die Wahrscheinlichkeit einer lohnenden Gewinnung 
äusserst gering. 

8. Mergel. Die sandigen Mergel des Meeressandes finden 
eine ausgedehnte Anwendung zur Dachziegelfabrikation. Sie werden 
zu diesem Zweck bei Wolfersdorf mit dem Lehm des älteren Löss, 
bei Altkirch und Hagenbach ausser diesem auch mit dem des 
mittleren Löss vermischt; an den letztern Orten wird auch unver- 
witterter Löss beigemengt 

Von geringerer Bedeutung sind die Mergelgruben von Rix- 
heim und Eschenz weilcr; das Material ist weniger sandig. 

9. Lehm. Der Lehm wird in sehr zahlreichen Gruben zur 
Backsteinfabrikation gewonnen. Am besten eignet sich dazu der 
ältere Lösslchm, der auch zur Herstellung von Dachziegeln ge- 
braucht wird. Die mittleren und die jüngeren Lösslehme finden 
zwar auch gelegentlich kleinerer Bauten hier und da Verwendung 
zur Ziegclfabrikation , sie sind aber meist nicht mächtig genug 
entwickelt und enthalten auch noch zu viel kohlensauren Kalk. 



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für die Umgebung von Mülhausen i. E. 



299 



Um einen etwaigen Kalkgebalt im Lehm nachzuweisen oder 
den Löse vom Lehm zu unterscheiden, genügt es, eine kleine Probe 
mit einem Tropfen verdünnter Salzsäure zu betupfen ; der Kalk- 
gehalt gibt sich sofort durch mehr oder minder starkes Aufbrausen 
zu erkennen. 

Die Sandlös8lehme geben ein sehr gutes Material und werden 
in zahlreichen Gruben namentlich bei Burzweiler abgebaut 

10. Kies und Sand. Die grossen Gerölle der Schotterab- 
lagerungen finden vielfach Verwendung zur Strasse npflastcrung, 
selten auch als Baustein (bei Bartenheim), die feinen Kiese zur 
Bestreuung von Plätzen, Park- und Gartenwegen, die Sande bei 
der Herstellung de8 Mörtels. Der Deckenschotter, der Rhein- und 
Vogesenkies werden desshalb in zahlreichen Gruben ausgebeutet. 

Die grossen weissen Quarzite des Rhein-Diluviums werden 
besonders ausgelesen und an Glasfabriken verkauft 

Im Rhein-Diluvium kommen ferner grössere und kleinere rund 
geriebene und auch theilweise noch kantige Bergkrystalle vor, 
welche unter dem Namen Rheinkiesel bekannt sind. Dieselben 
werden geschliffen und polirt und als Zierath an den Uhrketten 
u. s. w. getragen. 

11. Gold. Das «Rheingold» ist schon seit Alters her bekannt, 
aber leider führt der Vater Rhein nur wenig von diesem kost- 
baren Metall. Es kommt in kleinen dünnen Blättchen in einzelnen, 
den Gerollen eingestreuten Sandlagen hauptsächlich zwischen Basel 
und Mannheim vor. Im Anfang dieses Jahrhunderts wurden auf 
dieser Strecke im Jahr noch durchschnittlich für 36000 Mark Gold 
gewonnen. In unserer Nähe wurde hauptsächlich bei Rheinweiler, 
Niffer, Kleinkems und Istein Gold gewaschen. 

Wie schon Daubree (30, S. 94) nachgewiesen hat, enthalten 
die Rheinkicse der Niederterrasse des Sundgaus kein Gold, was 
ich nur bestätigen kann. 



300 



Dr. B. Fömteb. Geologischer Führer 



Exkursionen. 

1. Mülhausen — Riedis heim — Zimmersheim — Habs- 
heim. Tag. 

Alte Strasse nach Habsheim; Stoffelberg, jüngerer Losa. Im 
Thal mittlerer, rother Lösslehm. Südöstlich Riedisheim, Mitte des 
Weges zwischen Stoffelberg und Sonnenberg, Melanienkalkstein- 
bruch mit Kieselknollen (vcrgl. Profil IV, S. 215); in den tieferen 
Schichten Melania muricata, darunter blaue Mergel. Ueber dem 
Melanienkalk steht der Plattige Steinmergel an, welcher haupt- 
sächlich Pflanzenreste, selten Insekten enthält. Ueber den Sonnen- 
berg, den Hohlweg hinunter durch mittleren, geschichteten Löss, 
am Abhang urogeschwemmter Löss. In die Mclanienkalkstein- 
brüche am nördlichen Abhang des Schoffbergcs. Hier grosse mit 
mittlerem, rothem Lösslehm angefüllte Spalten und Trichter, in 
welchen Knochen von grossen Säugethieren gefunden worden 
sind. Im Melanienkalk Palaeoiherium und Schildkrötenreste. Die 
übrigen Versteinerungen im Kalk sind nicht gut erhalten. Ueber 
dem Melanienkalk liegt versteinerungsleerer Plattiger Steinmergel, 
darüber Löss. Auf den Weg zurück, den Berg hinauf. In dem 
flachen Hohlweg Plattiger Steinmergel. Bis zum Kreuzweg; nach 
rechts (Süden) umbiegen, Uber den Berg (Löss) ins Thal gegen 
Zimmersheira. Kurz vor diesem Orte biegt ein Weg links (Osten) 
ab in die Gypsgrube (vergl. Profil HI, S. 212). Ueber dem Gyps 
Plattiger Steinmergel mit Pflanzen und Insekten. M. Ml EG hat 
auch Paralates BUicfieri hier gefunden. Ueber den Berg (Ost- 
nordost, Löss) nach Habsheim. Strasse zur Station. Halbwegs 
zwischen dem letzten Hause von Habsheim und dem Bahnhof führt 
ein Weg zwischen den Reben hinauf zu einem alten, schon längst 
verlassenen Sandsteinbruch des Blättersandsteins, in dem man noch 
CYwiamomum-Blätter sammeln kann. 

Wenn die Zeit bis zur Abfahrt des Zuges noch reicht, so 
kann man der auf der Höhe liegenden Mergelgrube noch einen 
Besuch abstatten und eine Schlemmprobe mitnehmen. Der Mergel 
enthält sparsam Globigrrina bulloidet. Der Weg westlich aus der 



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für die Umgebung von Mülhausen i. E. 



301 



Grube heraus biegt nach Norden in den östlich direkt zum Bahn- 
hof führenden ein. 

2. Sierenz — Walten hei in — K. Otzingen — Niedermagstatt — 
Uffh eim — Barten heim. Tag. 

Mit der Bahn nach Sierenz. Strasse an den Lössabhängcn 
nach Walteuheim. Der Waltenheiraer Mühle gegenüber eine 
Mergelgrube (sehr wenig Foraminiferen). Der Landweg nach 
Geispitzcn (nach Norden) führt bald an einer alten Stein- und 
Mergelgrube vorbei, durch welche eine Verwerfungsspalte mitten 
hindurch geht (vergl. Profil II, S. 209). Den Weg zurück nach 
und durch Waltenheim. Gleich hinter dem Dorf am Kreuzweg 
nach links (Süden) den Feldweg zur Wiese hinab. Nicht über 
den Bach, sondern denselben aufwärts nach Westen bis zu den 
Steinbrüchen im Haustein. Hier Melania Nyatii, Limnaeen und 
Planorben. Ucber den Bach hinüber in die jenseits des Baches 
liegenden Brüche, die Helix cf. rugtdom und Melanin Nystii ent- 
halten. Es empfiehlt sich, die alten Steinhaufen genau zu durch- 
suchen, weil hier die Versteinerungen gut herausgewittert sind, 
welche man im frischen Gestein nur schwer erkennen kann. Auf 
dem Feldwege Ostsüdost nach Nieder magstatt. Hinter dem Dorf 
umbiegend auf die Strasse nach Stetten. Dicht hinter dem Ort 
steigt die Strasse und führt durch einen wenig eingesenkten Hohl- 
weg, in welchem zu beiden Seiten der Fischschiefer ansteht. 
Fischreste sind selten, aber es lohnt sich, von dem Schiefer mit- 
zunehmen und ihn wegen der darin enthaltenen grossen Fora- 
miniferen zu schlemmen. Hier ist die einzige Stelle in unserm 
Gebiet, an welcher der Fischschiefer zu Tage tritt. Nach Nieder- 
magstatt zurück auf den Weg (Ostnordost) nach Uff heim, in der- 
selben Richtung durch Uffheim hindurch auf die Strasse Basel — 
Mülhausen zu. Am Abhang nach der Rheinebene liegt eine Lehm- 
grube für die dort befindliche Ziegelei, in welcher der ältere, 
mittlere und jüngere Löss übereinander liegen (vgl. Profil XVI, 
S. 275). Reicht die Zeit noch, so kann man bis Bartenheim gehen, 
um den dort an der Westseite des Dorfes nördlich und südlich des 



302 



Dr. B. Föbutbb. Geologischer Führer 



Baches anstehenden Hochterrassenschotter zu besichtigen. Die 
Haltestelle Bartcnhoim erreicht man von dort in 20 Minuten. 

3. Mülhausen — Dornach — Didenh ei m — Hochstatt — 
Fröningen — Zillisheim — Flachslanden — Brubaeh 
— Ziegelscheuer — Mönchsberg— Mülhausen. 1 Tag. 

Von Mülhausen mit der Strassenbahn nach Dornach, über 
den Eisenbahndamm auf die Höhe westlich Dornach. Der Blätter- 
sandstein wird hier als gelber Stubensand in mehreren Gruben 
abgebaut Die festeren Sandsteine dazwischen enthalten Pflanzen- 
reste, namentlich CYwiamonmro-Blätter, die Mergellagen zwischen 
den Sandsteinen selten Ghbigerina buüoides. Den Berg hinunter 
auf die Strasse nach Niedermorschweiler. Gleich am Ausgang von 
Dornach befindet sich eine Lehmgrube, in welcher der mittlere 
Löss mit scharf abschneidender Lehmdecke aufgeschlossen ist. 
Von hier östlich auf den Weg nach Didenheim über Löss. An 
der Westseite von Didenheim, südlich vom Kirchhof, am Nord- 
abhang des Gallenhölzle liegt ein alter Steinbruch im Melanien- 
kalk, in welchem man schöne Versteinerungen sammeln kann. 
Staffelföriniges Absinken der Schichten nach Westen (vgl. S. 208 
und 30, Taf. 4, Fig. 69). Auf demselben Weg nach Hochstatt zu. 
Halbwegs zwischen Didenheim und Hochstatt befinden sieb dicht 
am Wege alte, verlassene Sandgruben im Blättersandstein, während 
am Abhang des Gallenhölzle Melanienkalk ansteht. Dazwischen 
geht also eine Verwcrfungsspalte hindurch. Durch Hochstatt hin- 
durch auf den Weg, der nach Süden über den Berg nach Frö- 
ningen führt Am Abhang des Berges Steinbrüche im Melanien- 
kalk, auf dem Gipfel Plattiger Steinmergcl. Am Sudostabhang 
des Berges finden wir wieder Melanienkalk. Am Nordostausgange 
des Dorfes Fröningen steht unten am Berg Plattiger Steinmergel 
an — wir befinden uns in der Fortsetzung der vorhin erwähnten 
grossen Verwerfungsspalte. Von Fröningen über Zillisheim nach 
Flachslanden. Dort steht an dem Wege nach Brubaeh am Ost- 
ausgang des Dorfes Melanienkalk an, in welchem besonders Pa- 
tula Wervekei, Strobilus pseudolabyrinthicu* und Limnaeus mbpolitus 
häufig sind. Ucbcr dem Melanienkalk liegt Plattiger Steinmergel. 



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für die Umgebung von Mülhausen i. E. 



303 



1 100 m vor Brubach gabelt eich der Weg. Der östliche fuhrt in 
einen Bruch von Unterem Haustein, der nordöstliche in Plattigen 
Steinmergel, welcher im Hohlweg beim Kreuz beginnt. Der 
Plattige Steinmergel enthält hier hauptsächlich Mytilua aocialia. 
Der Haustein besteht aus hartem Kalksandstein. Auf der Strasse 
von Brubach nach Niedersteinbrunn, 200 m vom Bildlichen Aus- 
gang von Brubach, stehen im Hohlweg Mergel an, zwischen welche 
dünne gelbe Sandsteinplatten eingelagert sind. 1 km südlich von 
Brubach trifft man am Wege Kalkstein mit Limnaeen an, der zu 
dem Horizont des Kalkes mit Helix cf. rugulosa gehört. Von hier 
nach Brubach zurück, durch das Dorf. Am Nordausgange des- 
selben an der Strasse nach Mülhausen und im Hohlweg gegen- 
über dem Kirchhof steht Unterer Haustein an. Gleich hinter dem 
Hohlweg biegt rechte (Ostnordost) ein Weg ab, an welchem der 
Untere Haustein ebenfalls aufgeschlossen ist. Bei Ziegelschcuer- 
Fabrik befinden sich Melanienkalksteinbrüche. Südlich davon, den 
Berg hinan, findet man hier und da Plattigen Steinmcrgel mit 
Cyrena temütriata. Von Zicgelscheuer-Fabrik auf dem nordwest- 
lichen Weg den Berg hinauf durch die Waldecke bis zu dem 
Punkt, von welchem die Wege sternförmig ausstrahlen; von hier 
westlich am Waldrande entlang bis auf die alte Strasse von 
Brubach nach Mülhausen, auf welcher der Melaniemkalk zu Tage 
tritt Auf dieser Strasse weiter bis zum Akazienwäldchen, wo der 
Weg aus nordwestlicher in nördliche Richtung umbiegt Iiier liegt 
westlich des Weges ein alter Steinbruch, welcher sehr gut er- 
haltene Versteinerungen von Megalomastoma mumia und Auricula 
alsatica liefert. Darüber ein schönes Lössprofil. Von hier nach 
Mülhausen. Im Hohlweg westlich des oberen Wasserreservoirs trifft 
man noch einmal Plattigen Steinmergel. 

4. Mülhausen — Kiesgrube Schopfer — Napoleonsinsel, 

Sausheim, '/i Tag. 

In der Mitte zwischen Mülhausen und Rixheira liegen an 
der Strasse Kiesgruben im Rheinschotter der Niederterrasse. Be- 
sonders guten Aufschluss gewährt die Grube Schopfer. Merkwürdig 



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304 



Dr. B. Fömtbb. Geologischer Führer 



sind darin die 5 m unter der Oberfläche auftretenden, bis 30 cm 
mächtigen Lössschichten mit den Fossilien des mittleren Löse. 
Derselbe ist von den nahen Lösshügeln her eingeschwemmt, ebenso 
wie die aus der Nähe stammenden kaum gerundeten Geschiebe 
von Melanienkalk und Blättersandstein. Die zwischen den Kiesen 
lagernden Sandschmitzen enthalten Titaneisen, aber kein Gold. 
Von hier den Weg nordwärts nach Napoleonsinsel, über den 
Hilninger Zweigkanal hinüber. Auf der abgeholzten Fläche sind 
in neuester Zeit tiefe Gräben gezogen. Zu oberst liegt Lösslehm, 
darunter Löss; beide hinterlassen beim Schlemmen eine grosse 
Menge Sand. Unter dem Sandlöss liegt der Rheinkies der Nieder- 
terrasse. Von Napoleonsinsel die Strasse nördlich bis zum Denk- 
mal. Hier steht Sandlöss an, dessen Lehmdecke abgewaschen ist; 
darunter liegt Kies. Von hier nach Sausheim. Zu Fuss oder mit 
der Strassenbahn nach Mülhausen zurück. 

5. Mülhausen — Illfurt — Niederspechbach — Heidweiler — 
Hagenbach — Dammerkirch. 1 Tag. 

Mit der Bahn nach Illfurt. Von hier nordwestlich über den 
Kanal und die III Uber die Strasse bis zur Wegetheilung. Den 
Muhlweg rechts hinauf steht Plattiger Steinmergel an, welcher 
nach Westen scharf gegen Löss abschneidet. Der daran stossende 
mittlere Löss enthält viele Schnecken, namentlich Claus Uta parvula. 
Von hier südlich in den dicht daneben liegenden zweiten Hohlweg, 
in welchem der Plattige Steinmergel mit Cyrena semütriata gut 
aufgeschlossen ist. Der Feldweg nach Süden auf der Höhe führt 
nach einem alten Kalksandsteinbruch, aus welchem die von Heer 
von Niederspechbach erwähnten Pflanzenreste stammen (vgl. S. 262). 
Ueber dem Sandstein, der jetzt verschüttet und überwachsen ist, 
steht noch Mergel an, zwischen welchen Kalksandsteinbänke ein- 
geschaltet sind, in denen Melania Nystü und Limnaeen vorkommen; 
ferner liefern die Mergel beim Schlemmen eine Menge Ohara- 
früchtchen. Oestlich von hier, an der Strasse nach Niederspech- 
bach, liegt ein Melanienkalksteinbruch mit diskordant darüber 
lagerndem Plattigen Steinmergel (vgl. Profil VII, S. 220). Der 



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für die Umgebung von Mülhausen i. E. 



305 



Melanienkalk enthält sehr grosse Melanien. Zwischen diesen 
beiden Steinbrüchen zieht die Fortsetzung der oben erwähnten 
Verwerfungsspalte hindurch, da Melanienkalk und Haustein hier 
in gleicher Höhe anstehen. Von hier südwestlich Uber die Wiesen, 
längs des Krebsbaches, der Larg und des Kanals nach Heidweiler. 
Der Weg südöstlich auf den Berg führt am Plattigen Steinmergel 
vorbei, welcher an der Strasse ansteht (vgl. Profil I, S. 208). Weiter 
oben am Berg liegt ein Melanienkalksteinbruch, folglich haben 
wir hier wieder eine Verwerfung und zwar wahrscheinlich die 
Fortsetzung der oben erwähnten. In Heidweiler treffen wir an 
der Strasse Blättersandstein mit Cinnnmomum, der in einigen Gruben 
südlich des Dorfes gebrochen wird. Der Sandstein verwittert hier 
zu grauem Sand. Von Heidweiler den Kanal entlang bei Eglingen 
vorbei bis zu der grossen Mergelgrube, in welcher der Mergel 
und Lehm für die Schmkrbkr'scIic Ziegelei in Illfurt gewonnen 
wird. Ueber dem Meeressand, der namentlich Hydrohia Lhtbuissoni 
und Modiola cf.angmta enthält, liegen älterer, mittlerer und jüngerer 
Lüss. Von hier Uber Hagenbach, Gomraersdorf nach Dammerkirch. 
Von Dammerkirch westlich in die Lehm- und Mergelgruben der 
grossen Dachziegelfabriken von Wolfersdorf (vergl. Profil XI, S. 251). 
Hier liegt zu unterst der Meeressand mit vielen schönen Ver- 
steinerungen, die aber sehr zerbrechlich sind. Pectuncultts obovatw 
wird in Menge von den Arbeitern zum Kauf angeboten. Die Mergel 
enthalten sparsam Foraminiferen. Ueber den Mergeln des Meeres- 
sandes liegt der Deckenschotter, darüber stellen sich die sandigen 
Letten ein, welche in den älteren Lösslchm Ubergehen. 

Von Dammerkirch mit der Bahn nach Mulhausen zurück. 

6. Altkirch -Illberg — Hirzbach. '/, Tag. 

Mit der Bahn nach Altkirch. Vom Bahnhof gleich nördlich 
in die Kalksandsteinbrüche auf dem Rebbcrgc. Die unteren 
Schichten bestehen aus Kalksandsteinen, darüber Kalkstein, der 
Melanin Nyrtii, Limnaeen, Planorben und tfphaerium enthält (vgl. 
die Profile XII, S. 262 und XTV, S. 270). In den entsprechenden 
Schichten des gegenüberliegenden Abhanges auf der rechten Seite 



306 Dr. B. Föbrtbb. Geologischer Führer 



der III kommt Helix cf. rugulom vor. Uobcr diesen Schiebten liegt 
noch der Obere Haustein. In den Brüchen am südlichen Abhang 
des Rebberges auf der linken Seite der III findet man zu oberst 
eine dünne Lage Quarzgcrölle, die wahrscheinlich aus dem bunten 
.Sandstein stammen, darüber Losa. Zurück nach Altkirch. Am süd- 
lichen Ausgang der Stadt vor den Fabriken den Weg Südsüdost 
den Berg hinan, am Kieferwäldchen vorbei in die Kiesgrube bei 
Strohhütte (vergl. Profil XV, S. 273). Hier Deckenechotter, sandige 
Letten, älterer und mittlerer Löse. Von hier südwestlich in die 
Mergelgrube. Versteinerungen enthalten die Mergel ausser einigen 
wenigen Foraminiferen nicht Von hier auf dem Wege südlich den 
Berg hinauf über die Höhe abwärts nach Illberg. Auf der Höhe 
von Löss überlagerter Deckenschotter. Am Abhang befindet sich 
eine Kiesgrube im Deckenschotter, darunter Blättersandstein mit 
Cinnamomum und Meeressandmergel. Bergrutsche (vergl. S. 210). 
Von der Wirtschaft Illberg südlich durch Hirzbach hindurch. 
Gleich am südlichen Ausgang des Dorfes, dem letzten Hause links 
gegenüber, steht ein mit Petroleum durchtränk ter Sandstein an 
(vergl. Profil IX, S. 234). Von hier im Illthal, wo noch mehrfach 
Meeressand ansteht, nach Altkirch und von dort mit der Bahn 
nach Mülhausen zurück. 

7. III für t— Lümsch weiler — Ausserdorf— Tagolsheim. 

\ Tag. 

Mit der Bahn nach Illfurt Oestlich am Bahndamm entlang. 
Beim Umbiegen des Weges nach Osten Löss und Melanicnkalk- 
schotter. Weiter am Abhang entlang bis zur Gabelung des Weges. 
Der nördliche führt in Melanienkalkbrüche ; weiter hinauf findet 
man Plattigen Steinmergel. Von da südlich Uber das Feld bis auf 
den Weg. Wo dieser Weg an den Waldrand tritt, zweigt sich 
ein anderer südöstlich durch den Wald ab. Auf diesem Wege 
durch den Wald und über das Feld in südöstlicher Richtung. 
Wo der Weg im rechten Winkel nach Südwesten abbiegt, tritt 
an mehreren Stellen Plattiger Steinraergel zu Tage, welcher 
Kuchilus und Flohkrebse enthält Der ganze Wald von hier bis 



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für die Umgebung \ou Mülhausen i. E. 



307 



Lümschweiler steht auf Unterem Haustein. Durch Lümschweiler 
an den sudöstlichen Ausgang des Dorfes. Der stldliche Weg fuhrt 
in Kalksandsteinbrüche : Unterer Haustein, Kalk mit Limnacen. 
Oberer Haustein mit Mergeln, in welchen zahlreiche Foraminiferen 
vorkommen. Nach Lümschweiler zurück, westlich nach Tagolsheim 
zu. Bei Ausserdorf biegt der Weg nach Nordwesten um. An der 
Stelle, an welcher er ganz nahe an eine Biegung der III heran- 
tritt, befindet sich ein alter Steinbruch im Mclanienkalk. Dies ist 
die einzige Stelle, an welcher ich bisher im Melanienkalk einen 
Zweischaler, Sphaeriwn ßertereauae gefunden habe. Ausserdem 
enthalten die obersten Schichten der nördlichen Ecke des Stein- 
bruchs Planorbis goniobasis. Auch sonst sind hier schöne Ver- 
steinerungen zu finden. Von hier nach Tagolsheim. 

Hat man bis zur Abfahrt des Zuges noch Zeit, so kann man 
auf dem Weg, der nach Westen durch das Dorf Uber die Bahn- 
linie führt, durch deutlich geschichteten mittleren Löss bis zur 
Gabelung des Weges gehen und dort Lössschnecken, namentlich 
Clausilien, in Menge sammeln. Der Weg links (Westsüdwest) führt 
am Waldrand durch Vogesendeckenschotter. Nach Tagolsheim 
zurück und mit der Bahn nach Mülhausen. 

8. Mülhausen— Brunstatt— Kapelle. »/, Tag. 

Von Mülhausen die Altkircher Vorstadtstrasse nach Brunstatt 
zu. Beim Bahnwärterhäuschen, bzw. Schleuse 38, den westlichen 
Abhang hinauf in den Steinbruch, in welchem ein neues Haus steht. 
Hier ist Melania muricata in Menge zu finden, ferner sehr schöne 
Mdania albigensis und die übrigen Versteinerungen des Melanien- 
kalks. Auf die Strasse zurück durch Brunstatt hindurch bis zur 
Kapelle. Der nahe derselben im Steinbruch aufgeschlossene Melanien- 
kalk wird vom Plattigen Steinmergel bedeckt, in welchem ich die 
vielen fossilen Insekten, ausserdem Paralates BUicheri, Cyrena 
semistriata u. s. w. gefunden habe (vergl. Profil X, S. 236). 

9. Lutterbach— Heiden. »/, Tag. 
Mit der Bahn oder zu Fuss nach Lutterbach. Der Weg von 



308 



Dr. B. FSitsTER. Geologischer Ffihrer 



Luttcrbach nach Rcichweiler fuhrt gleich nach der Abzweigung 
von der Strasse durch einen Hohlweg, der älteren, mittleren und 
jllngeren Lühs sehr schön aufgeschlossen zeigt (vergl. Profil XVIII, 
S. 277). Auf die HauptstrasHe zurück, westlich über die Bahnlinie 
durch den Saule-Wald bis an die Heiden. Am Wege, welcher von 
der Strasse südlich nach Reiningen führt, liegt eine Kiesgrube im 
Vogesenkies (vergl. S. 284). Nach Lutterbach bzw. nach Mülhausen 
zurück. 

Durch die hier angegebenen Exkursionen kann man sich 
einen guten Ueberblick Uber sämmtliche geologische Verhältnisse 
der Umgebung Mülhausens verschaffen. Die für die einzelnen 
Exkursionen angegebenen Zeiten sind so bemessen, dass man an 
den einzelnen Fundpunkten immer noch Müsse zum Sammeln hat. 

Um sämmtliche Schichten in ihrer Ucberlagerung kennen 
zu lernen, würde ich empfehlen, nach Kleinkems im Badischen 
zu gehen. Dort sind an dem Gehänge bei der Station alle Schichten 
vom Mclanienkalk bis zum Oberen Haustein horizontal übereinander 
liegend aufgeschlossen (vergl. Profil VIII, S. 232 u. 59, S. 137—140). 

Ausser den angeführten gibt es noch eine Menge von 
anderen Punkten, welche eine Exkursion, sei es zum Sammeln, 
sei es zum Verständniss der Lagerung, lohnen. Sie lassen sich 
leicht mit Hilfe des Textes und der Karte zusammenstellen. 



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fiir die Umgebung von Mülhausen i. E. 



309 



Nach Abschluss der vorliegenden Arbeit kam das dritte Heft 
des ersten Bandes der Geologie von Deutschland von R. LepsiüS 
in ineine Hände. Das Tertiär der Umgegend von Mülhausen ist 
in demselben eingehender behandelt. Auch meine früheren Arbeiten 
sind erwähnt, jedoch in recht eigenthUmlichcr Weise benutzt. So 
wird behauptet, ich hätte den Meeressand bei Dammerkirch ignorirt, 
ferner ich hätte die oberen Melanienschichten von Rleiukems in 
das Mittel- und Oberoligocän gestellt (S. 593, Anmerkung 3). Ein 
Blick auf die meiner Arbeit Uber die Gliederung des Sundgauer 
Tertiärs (59) beigefügte Tabelle genügt, um die Grundlosigkeit 
dieser Angaben darzuthun. Auf andere Punkte will ich an dieser 
Stelle nicht eingehen, nur das möchte ich im Interesse der mit 
der Literatur weniger vertrauten Leser schon jetzt hervorheben, 
dass eine alleinige Benutzung der «Geologie von Deutschland» 
ohne ein Studium der älteren Arbeiten zu einer sehr unrichtigen 
Vorstellung von unserer Kenntniss des oberelsässischen Tertiärs 
führen würde. 



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I 



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Mtölml A.qtol. LandesansUiU v Els-Ldht Bd III Eisenglanz u Fahhrz TafJI. 

Fif f l2 




Llth.htst dtr Hhtin Fn/tir Ifi/A /'ruf pA Henri/ in Bonn 

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I.ith JnM dtr Hkrin trudr HiVA. Vtuo aA U<nry in Bonn 

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che Uebersichtskarte 

r Umgehend von 

<on Altkirch im Ober 

omxaea v o n IM" ■ BH..tw 



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Erklärung zu Tafel IX. 

Fig. t. Palaeotherium maguvm Ccv. Die linke Oberkieferhälftc mit den 
6 hinteren Backenzähnen. '/i Rixboim, Mclanicnkalk. Seite 222. 

Fig. 2. Valurothrritim magnum Crv. Eckzahn. Vi- Riibeim, Melanienkulk. 
Seite 222. 

Fij;. 3. VohtenfhcrituH medium ? Ct'v. 3 Backenzähne des rechten Ober- 
kiefers. Vi- Rixheiin, Mclunienkalk. Seite 222. 

Fig. 4. rahtcolhrrium medium f Crv. Oberer linker Eckzahn. Vi Risheim. 
MehunVnkulk. Seite 222. 



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Milthtil. «/. gtol. Ixmätsanttatt v. Elina- Lothringen, HJ. Iii. 



r*/. /x. 




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Erklärung zu Tafel X. 

Fig I. Testudo Laurae Föhstku und Beckeu. Plastroii ',. Der vorderste 
Theil desselben ist nach einem Rödern Exemplare ergänzt. Die 
rechte Hälfte der Figur giebt die Ansicht der Innenseite, die linke 
Hiilfte die der Außenseite mit den Schildcrfurchcn. Seite 222. 

ab. Abdomiualschild. 

ax Axillarschild, 

cd. Caudalscbild. 

en. Eutoplastrou. 

ep. Epiplastron. 

fe. FctnoralBchild. 

gu. Gularschild. 

hu. Humcralschild. 

hyo. Hyoplastron. 

hyp. Hypoplastron. 

pe. Fectoralachild. 

xl Xiphiplaatron. 



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Mtttheil. «/. g<vl. LunJfsanstalt v. LlsdiS-Lotfirtngen. J(J. Iii. 



Tu/. X. 




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Erklärung zu Tafel XI. 



Fig. 1 a. b. Xcritina brcvispira Sandb. */,. Kleinkems, Melanieukalk. Seite 223. 

Fig. 1 a, Steinker», Fig. 1 b, Abdruck. 
Fig. S a, b, 0, d, c, f, g, h, i, k, 1, m, n, o. Melania ulbigensis Noll. 

Melauienkalk. Seite 224. 

Fig. 2 a, b, c, h, i, 1, o, schlanke Form, Fig. 2 d, e, f, 
breite Form, Fig. 2 g, k, ra, n, Zwischeuformeu. 
Fig. 3 ii, l), c. Melania muricata S. Woo». Brunstatt, Melanienkalk. Seite 225. 
Fig. 4 a, b, c, d. Melania Mansiana Noi:l. var. '/,. Melanicnkalk Seite 225. 
Fig. 5. Melanopsis carinata Sow. '/,. TagoUhcim. Melanienkalk. Seite 225. 
Fig. 6. Melanopsis pcrearinala u.sp. J , Tagolsheim. Melanicnkalk. Seite 225. 
Fig. 7. Ilydrobia indifferent Sandh. Rix ho im, Melanienkalk. Seite 22b\ 
Fig. B. Ilydrobia cf. tubulata Dp.hu. sp. % Bruustatt, Melanienkalk. Seite 226. 
Fig. 9. Ilydrobia cf. Sandbergeri Desh. ep. '/,. Bruustatt, Melanieukalk. 

Seite 226. 

Fig. 10 a, b. Valvala circinata Meu. sp. s / |t Bruustatt, Melanicnkalk. Seite 226. 

Fig. IIa, b, c, d, e, f, g. Xy*tia polita F. Edw. sp. '/<■ Mönchsberg, Me- 
lanicnkalk. Seite 936. 

Fig. 12 a, b, c. Planorbis goniobasis Sanüb. '/<• Tagolsheim, Melanienkalk. 
Seite 227. 

Fig. 13. Planorbis lern Ai. Buot. 2 /,. Flachslandcn, Melanicnkalk. Seite 227. 
Fig. 14. Planorbis palella San oh. 2 / ( . Brunstatt, Melanieukalk. Seite 227. 
Fig. 15 a, b, c. Planorbis cf. polycymus Font. '/,. Bruustatt, Melanieukalk 
Seite 227. 

Fig. 16. Planorbis cf. Courpoilensis Carbz var. '/,. Tagolsheim, Melanien- 
kalk. Seite 227. 

Fig. 1 7 a, b, c, d, e, f. g, h, i, k, 1, m, n, o, p, q, r, s. Limnaeus cf. mar- 
ginatus Sandb. '/i- Melanicnkalk. Seite 227. 

Fig. 18 a, b, c, d, c, f, g, h, i. Limnaeus jiolitti* Mer. ined. Melanicn- 
kalk. Seite 228. 

Fig. 19 a, b, c, d, o, f, g, b, i. Limnaeus subpolilus Andr. '/,. Melanicn- 
kalk. Seite 22«. 

Fig. 20 a, b, c, d. iÄnmaeus crassvlus De»u. '/,, Brunstatt, Melanicnkalk. 
Seite 228. 

Fig. 21 a, b. Glandina cf. costellata Sow. sp. '/,. Kleinketns, Melanicnkalk. 
Seite 228. Fig. 21 b ein Stück Schale vergr. 

Fig. 22 a, b, c. Slrobilus 2)seudolabyrhitnicus Sandb. Vergr. Brunstatt, Me- 
lanienkalk. Seite 229. 

Fig. 23 a, b, c, d, e, f. Patula Wervekei n. sp. Vergr. Melanienkalk. Seite 229. 

Fig. 24. Fascinella eocenica Stäche (in litt.). ' Brunstatt, Melanieukalk. 
Seite 231. 



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Erklärung zu Tafel XII. 



Fig. 1 n, b. Ifanina Köchliui As im. */ t . Didenheiin, Melanicnkalk. Seite 229. 
Fig. 2 a, b, c, d. J/elix cf. Cadurcena's Noul. '/i« Brunstatt, Mclauienkalk. 
Seite 229. 

Fig. 3 a, b, e. J/elix sp. «/,. Brunstatt, Melanicnkalk. Seite 229. 

Fig. 4 u, b, c, d, c, f, g. Megalomattoma tnumia Lam. sp. '/j. Monchs- 

Berg, Melauicnkalk. Seite 230. 
Fig. 5 a, b, c, d, e, f. Auricula almttica Mer. •/.. Melanienkalk. Seite 230. 
Fig. 6 a, b, c, d. Auricula striata Förster. Fig. tiu Fig. Ii b, c und d 

vergr. Melanienkalk. Seite 230. 
Fig. 7. Auricula Sundgovientrif An du. •/.. Iii uimtatt, Melanicnkalk. Seite 230. 
Fig. 8 a, b, c. Sphaerium Bertcreauac Font. ' ,. Tagolshcini, Melanicnkalk. 

Seite 231. 

Fig. 9 a, b. Ldmnaetis brachygaster Font. Kleinkems, Mergel mit L. 

brachygatter. Seite 233. 

Fig. lOa, b, c. Helix cf. Hombresi Font. 1 ',. Kleiukems, Mergel mit 
Limnacu» brachygaster. Seite 233. 

Fig. 11 a, b, c. Helix cf. comatufa Samt '/,. Kleinkems, Mergel mit 
Limnaeus bracJiygaMer. Seite 233. 

Fig. 12a, b, c, d. Helix sp. '/«■ Kleinkems, Mergel mit Limnaeu* brachy- 
gaster. Seite 233. 

Fig. 13 a, b, c, d, e. Baralale» cf. Bleichen Savv. Brunstatt, Plattigcr Stein- 
mcrgcl. Seite 241. 

Fig. 13 a, b, c, •/,. F>g 13 d, vergr. Schwanzflosse. Fig. 13 e, 
vergr. Schuppe. 

Fig. 14 a, b, c, d, e, f, g, h. Eotphaeroma sp. Plattigcr Steinmergel. Seite 242. 

Fig. 14 a, b, d, e, f, g, h von Brunstatf. Fig. 14 c von Kleinkems. 

Fig. 15 a, b, c, d, c, f. Gumiiiartm sp. Plattiger Steinmergel. Seite 243. 

Fig. 15 a, c, f von Liiinsehsveilcr. Fig. 15 b, d, c von Brunstatt. 

Fig. IG. V Cyprü. 0 mm lang und 0,u mm breit Brunstart, Plattiger 
Steinmergcl. Seite 242. 

Fig. 17 a, b. Cerithium tubmargaritaceum A. Braun var. •/,« Plattiger Stein- 
mergcl. Seite 248. 

Fig. 17a von Brunstatt, Fig. 17b von Kleinkems. 

Fig. 18a, b. Planorbis sp. Vergr. Brunstatt, Plattiger Steinmergcl. Seite 249. 

Fig. 19 a, b. I/ydrobia Dubuistoni Boüii.ikt. Vergr. Brunstatt, Plattigcr 
Steinmcrgel. Seite 248. 

Fig. 20 a, b, c, d. Euchilus Chatteiii N vst. sp. '/,. Plattigcr Steinmcrgel. Seite 249. 

Fig. 21 a, b, c, d. Mytüus »ocialü A. Braun. •/,. Plattigcr Steinmcrgel. Seite 249. 

Fig. 22 a, b, c, d, e. L'yrena semütriuta Desh. Plattiger Steinmergel. Seite 249. 

Fig. 23 a, b, c. Truncatulina minima n. sp. 0,i mm. Brunstatt, Plattiger 
. Steinmergel. Seite 250. 

Fig. 24 a, b, d. Pseudomorphosen nach Steinsalz. •/,. Brunstatt, Plattiger 
Steinmergcl. Seite 238. 

Fig. 25 a, b. Beelen pictut Goldf. '/,. Wolfersdorf, Meeressand. Seite 256. 

Fig. 26 a, b. Beeten decu*«atut v. Münst. V,. Wolfersdorf, Meeressand. Seite 256. 

Fig. 27. Corbula subarata Sanpb. '/r Wolfersdorf, Meeressand. S. 258. 

Fig. 28. Corbula gibba Olivi (= nibpitiformü Sandb.) V,. Wolfersdorf, Meeres- 
sand. Seite 258. 

Fig. 29 a, b. Corbula sp. '/,. Wolfersdorf, Meeressand. Seite 258. 
Fig. 30. Corbulomya sp. ' ',. Wolfersdorf, Mecressand. Seite 258. 



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D. Företef »• i. X- ff«* 



l.ii'htdnicli v. J. Krmnur linf|thutoi;r.. Krlil, 



Erklärung zu Tafel XIII. 

Fig. 1 a. Harpahu offusu» Förster. ■/,. Unterseite. Seite 244. 

b Keble, t Kinn, d HUinm da* zweiten Unterkiefer«. * tpittemum, Weiebr der 
Hlnterbrum, k Hinlerhaft«, t Schcnkelring du* Hinterbeine*. 

Fig. 1 b. Harpalu» offusus Förster. s /<- Oberseite. 

Fig. 2. Escheria oonvexa Förster. 8 /|. r. Steinkem mit durchgedrückter 
Unterseite, b. Abdruck der Oberseite. Seite 244. 

n Epimtrum, Seiteu*tock der Mittelbnut, o Seitenstflckdreleek der Mlttelbrnet, 
m Seiteiutück der Hlnterbrnjt, « Welche der Htnterbnut, A HinterbOfte. 

Fig. 3. Stenn» omaius Forst kk. «/,. Seite 244. 

Fig. 4. Anthaxia Beneckei Förster. 7 /,. Seite 244. 

Fig. 5. Äpion tuleatum Förster, %• Seit« 245. 
/ Fühler. 

Fig. 6. Ceutorrhynehu» tStcheri Fökster. Seite 245. 
Fig. 7. Catsida Kramstae Föiistkk. 2 j i . Seite 245. 
Fig. 8. HalUca di/fialü Förstrr. */ t . Seite 245. 

ot Oberacbenkel de* Hinterbeine«. 

Fig. 9. CMocorut mflatus Förster. •/,. Seite 245. 

Fig. 10. Chrytit amoena Förster. s / 4 . r. Oberseite, b. Unterseite. Seite 245. 
Fig. 11. Camponotu» vehement Förster, £. Seite 245. 

>'.> Muomoium, Miltelrücken, *e. Scuttllum, SchUdchen, pt Pottteutrll um, Hinter- 
*chlldchen, mt Mttanotum, Hinlerrficken, mg Costa marginal**, Randader, 
« Cotta teapularit Hchullerader , md Cotta media Mltlelader, b Biulut der 
Mittelader, tm Submedialut der MiUeltAer, p Pttrottigma, Randmal, t Tnu» 
venalader, c »u**erer Art der Cubitalader, i innerer A»t der Cubitalader, 
d Diakoidalader, rad RadialioUo, an Aualader. 

Fig. 12. Oecoithyüa praeclara Förster. 9- Flügel */ 4 . Seite 245. 
Fig. 13. Attopti» cf. longipenni» Heer. 6- '/<- Seite 245. 
Fig. 14. Attopn» blanda Förster. 9. % Seite 245. 

P Vorderrflcken, mt MittelrOcken, #e SchUdchen, mt Hinterrtcken. 

Fig. 15. Hypoclinea expUcan» Förster. 9. */ 4 . Seite 246. 

ei KopftckUd, . »Umfeld, * SchUdchen, tl Seilenlappen, du g 
«eile, eui. I, innere ge*chlo**ene CubitaUelle , eub. 
CubitaUelle, r rflcklaufcnd* Ader. 

Fig. 16. Ckironomvs 8p. Puppe. */,. Seite 246. 
Fig. 17. Tipvia sp. Flügel. */,. Seite 246. 

a Randader, e Schulterader, d Radialader, e Cubitalader,/ Dukoidalader, 
koldaUeUe* der ' * An *'* d,r ' * 8ubc0,t * J "« l,e > 8 ■»•H« in««««»«, » I>ü>- 

Fig. 18. Boletma cf. Meigeniana Heer sp. */,. Seite 246. 

b Mediartinalader, w Mttlelqucrader, ot Vorder-, 0 Mittel-, y HlnterhOfte, e, t, / 

wie bei Fi«. 17. 

Fig. 19. Epicypta paUipes Heer ap. *!,. Seite 246. 

Fig. 20. Plea'a cf. Bhenana Hey©, sp. 9- 7«. Seite 246. 

« Hlnterquerader, die {Ihrigen Beaeichnungen wie bei Fi«. IT «ad 18. 
Fig. 21. Syrphu cf. IVeyeri Heer. 9- % Seite 246.] 
Fig. 22. Dolichoput miluut Förster. •/., Seite 246. 
Fig. 23. Blaita Sundgavientü Förster. Vordertlügel. */,. Seite 246. 

I Bandader, III Radialfeld, IV tweitc Concayadrr, V Feld der V. Ader, 

VII Cnbitalfeld, IX Verzweigungen der IX Ader, VIH Axaladcr, % Feld 
■wischen Cubital- nnd Analader, y Hinter-Analfeld. 

Fig. 24. Cydnu» armiger Förster. *j v Seite 247. 

a Vorderrflcken, (Backe, Jochitflck, c 8lirn»chwiele, ctfptut, e Scbildchen, 
M Blatt, mt Mitlelbnuttcbildchen, hh Hlnlerbofte, aj Afterein*aUatück. 

Fig. 25 r. Cydnu» iertiariu» Heer sp. */<• 8eite 247. 

( Btirnachwiele. 

Fig. 25 b. Cydnu» tertiariu» Heer sp. 5 /r Mit Beinresten. 

Fig. 26. Eutarcorü cf. prodromu» Heer. */<• R. Oberseite, b. Unterseite. S.247. 

tr Schnabelrinne, IC Luftöffnung. 

Fig. 27. Pentatoma fatale Förstrr. */ t . b. Oberseite, b. Unterseite. Seite 247. 

Fig. 28. PacTyment? a detectu» Förster. 8 /i- Seite 247. 
Fig. 29. Ifeterogatter troglodytes Heer. */ 4 . Seite 247. 
Fig. 30. Uarjmctor cf. gracili» Heer. s / 4 . Seite 247. 
ci Schlouetuck, e Verblndungsrandttrelf. 

Fig. 31. L'ixiu» cf. loculatm Germ, und Bf.bexdt. Seite 247. 

III Syitem de. Raditu, V Syititn der fünften Ader, VII 

VIII An " 



Fig. 32. Cercopi» sp. Vordcrflügel. *L Seite 248. 

I Raudader, Cotta, III Radio*, V fünfte Ader, V, Alt der fünften Ader, VII 
Cubitu*, VII, A*t de* (ubltu», VIII Analader. 
Fig. 33. Aphrophora pulchra Förstrr. «/<• Seite 248. 

tt Stirn, « SchUdchen, cl Sc 



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Mittheil. d. x fol. Lan<iesattst,ilt v. lihass-Latliringen, HJ. ///. Taf. XIII. 




0. F"ir»lrr n. d. X. 



I.irhlilrurk v. J. Kr«*Mfr, HufpliotoirT.. Kehl- 



Erklärung zu Tafel XIV. 



Fig. 1 a. Equüetum sp. Stengelknoten, '/<- BrunBtatt, Plattiger Steinmergel. 8. 238. 
Fig. 1 b. Equüelum sp. Blattscheide, *f t . Brunstatt, Plattiger Steinmergel. S. 238. 
Fig. 2. Equisetum gracülimum Lakowitz. '/i- Zimmereheim, Plattiger Steinmergel. 8. 239. 
Fig. 3. Filiale* sp. 7,. Brunstatt, Plattiger StciumorgeL Seite 239. 
Fig. 4 a. Glyptostrobus europaeus Hbbb. Zweigstück, '/,. Brunstatt, Plattiger Steinmergel. 
Seite 239. 

Fig. 4 b. Glyptottrobut europaeu* Hbbb. Zapfen, '/<• Brunstatt, Plattiger Steinmergel. 
Seite 239. 

Fig. 5 a. Sequoja CoutUiae Hbbb. «/,. Brunatatt, Plattiger Steinmergel. Seite 239. 
Fig. 5 b. Sequoja CoutUiae Hebe. Aeltcrer Zweig, Brunstatt, Plattiger Steinmergel. 
Seite 239. 

Fig. 6. Callitris Brogniarti Enol. *f { . Brunstatt, PUttiger Steinmergel. Seite 239. 
Fig. 7. Pinns cf. hejrios Blattstück, 7, Zimmereheim, Plattiger Steinmergel. Seite 239. 
Fig. 8 a. Typha Brunstattensü Lakowitz »/,. Brunstatt, Plattiger Steinmergel. Seite 239. 
Fig. 8 b. Dasselbe. Ein kleiner Theil davon vergrößert. 

Fig. 9 a. Phragmüe« Oeningen«*) A. Br. '/,. Brunstatt, Plattiger Steinmergel. Seite 239. 
Fig. 9 b. Dasselbe. Ein kleiner Theil davon vergrössert. 

Fig. 10 a. Carex tertiana Hbbb. Frucht, V,. Riedisheim, Plattiger Steinmergel. Seite 239. 
Fig. 10 b. Dasselbe. Vergrössert. 

Fig. 11. Salix elongata Web. Blattstück. 4 /,. Brunstatt, Plattiger Stcinmergel. Seite 239. 
Fig. 12. Salix angusta A. Br. Blattsttlck, '/.. Dornach, Blätteraandstein. Seite 261. 
Fig. 13. Myriea toJicma Uno. Blattrest, '/,. Brunstatt, Plattigcr Steinmcrgel. Seite 240. 
Fig. 14. MyricophyÜxm Brunstallente Lakowitz. Blatt, '(,. Brunstatt, Plattiger Steinmergel. 
Seite 240. 

Fig. 15 a. Populu* sp. Blattrest, '/<• Brunstatt, Plattiger Steinmergel. Seite 240. 
Fig. 15 b. Populut sp. Frucht, '/<• Brunstatt, Plattiger Steinmcrgel. Seite 240. 
Fig. 16. Cinnamomum Schextchzeri Hbbb. Blatt, Dornach, Blättersandstein. Seite 260. 
Fig. 17. Dasselbe. Kleines Blättchen, '/<■ Brunstart, Plattiger Steinmergel. Seite 240. 
Fig. 18. Cinnamomum lanceolatum Hbbb. Blatt, »/,. Dornach, Blätteraandstein. Seite 260. 
Fig. 19. Cinnamomum polymorphum Heer. Blatt, */|. Dornach, Blättersandstein. Seite 260. 
Fig. 20. Daphnogene Ungeri Hbbb. Blattrest, */,. Zimmersheim, Plattiger Steinmergel. Seite 240. 
Fig. 21. Aüanthu* Foreteri Lakowitz. '/<■ Brunstatt, Plattiger Steinmergel. Seite 240. 
Fig. 22 a. Embothrium microspermum RLsbb. Frucht, */ t . Brunstatt, Plattiger Steinmcrgel. 

Seite 240. 
Fig. 22 b. Dasselbe. Vergrössert 

Fig. 23. IHmelea Oeningcnsi* Heek. Blättchen, 4 / r Brunstatt, Plattigcr Steinmcrgel. Seite 240. 
Fig. 24. Proteoidee longütima Sap. Blatt, '/,. Brunstatt, Plattiger Steinmergel. Seite 240. 
Fig. 25. Grevillea Haeringiana Ett. Blattrest, l j v Brunstatt, Plattiger Steinmergel. Seite 240. 
Fig. 26. Coioneatter obseurata Sap. Blattrest, */,. Brunstatt, Plattiger Steinmergel. Seite 240. 
Fig. 27. Casria ambigua Uno. Blättchen, •/,. Brunstatt, Plattiger Steinraergel. Seite 241. 
Fig. 29. Symplocor gregaria A. Ba. Frucht, 7,. Brunstatt, Plattigcr Steinmergel. Seite 241. 
Fig. 30. Porana Oe»tnyeri«> Heer. Fruchtkelch, '/,. Brunstatt, Plattiger Steinmcrgel. Seite 241. 
Fig. 31. Andromeda revoluta A. Bb. Blattrest, ■/,. Riedisheim, Plattiger Steinmergel. Seite 241. 
Fig. 32. Podocarpiu eocenica Uno. Blatt, % Dornach, Blättersandstein, Seite 261. 
Fig. 33. Dasselbe. Blättchen, % Dornach, Blätteraandstein. Seite 261. 
Fig. 34. Lauru» primiyenia Uno. Blattrest, »/,. Niederspcchbach, Unterer Haustein. Seite 263. 



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MiUkril. d. gtti. Laadesanstalt v. Ji/s%iss- Lot-u itigeu, L'J. III. 



Taf. AVI'. 




lt. För»l<T l-i-/- 



1 i-hhirtir-k ». J Kr»iMii> r. ll"f[.hn»..j;r . k. M. 



Erklärung zu Tafel XV. 



Fig. 1. Sabalitet sp. 7 <( Bruustatt, Plattiger Steinmergel. Seite 239. 
Fig. 2. Murex Dethayeti Km, '/,. Wolfersdorf, Meeressand. Seite 255. 
Fig. 3. Kucula piligera Sanpb. */<• Wolfersdorf, Meeressand. Seite 256. 
Fig. 4. Nucula cf. Grqqiini De>u. ' Wolfersdorf. Meeroseand. Seite 257. 
Fig. 5. Panopaea Heberti Boso.. '/,. Wolfersdorf, Meeressand. Seite 258. 
Fig. 6 a, b. Cfiura sp. Frucht. Vergrössert. Niedcrsteinbruuu , Kalk mit 

Helix cf. rugulota. Seite 267. 
Fig. 7 a. b. Limnaeut tubpaluttrit Tuom. Kalk mit Helix cf - rugulota. 

Fig. 7 a von Walbeim, Fig. 7 b von Niederapechbach. Seite 268. 
Fig. 8 a, b. Lim«««« cf. coenobii Font. */ t . Kalk mit Helix cf. rugtdota. 

Fig 7 a von Lümschweiler, Fig. 7 b von Altkirch. Seite 268. 
Fig. 9a, b. c, d, e, f. Limnaeut proceru« u. sp. *l t . Kalk mit Helix cf. 

rugulota. Fig. 9 a, b, c von Kötziugen, Fig. 9 d, e, f vou Altkirch. 

Seite 269. 

Fig. 10 a, b, c. Limnaeut obetut u. sp. Kötzingen, Kalk mit Helix cf. 

rugulota. Seite 269. 
Fig. IIa, b. Helix cf. rugulota v. Mabt. Kötzingen, Kalk mit Helix cf. 

rugulota. Seite 269. 
Fig. 12 a, b, c, d, e. Melania Xyttii Di ch. var. inflata Saxdb. */,. Kalk mit 

Helix cf. rugulota. Fig. 12 a, b, c, d vou Kötzingen, Fig. 12 e 

von Altkirch. Seite 268. 
Fig. 13. Theridomys sp. */,. Niedersteinbrunn, Kalk mit Helix cf. rugulota. 

Seite 267. 

Fig. 14 a, b. Sphaerium jwrrectum n. sp. *f v Altkirch, Kalk mit Helix cf. 

rugulota. Seite 269. 
Fig. 15. riatwrbi* cf. Bonilientis Font. «/,. Kötzingen, Kalk mit Helix cf. 

rugulota. Seite 268. 
Fig. 16 a, d, e. Odontatjrit eutjndata Ao. sp. \ t . Wolfersdorf, Meeressand. 

Seite 254. 

Fig. 16 b, c. Odonlatpit eontortidait Ao. '/,. Wolfersdorf, Meercssand. S. 254. 



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I 




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Erklärung zu Tafel XVI. 



Fig. 1 a, b. Tellina Kystii Dm. */r Wolfersdorf, Meeressand. Seite 258. 

Fig. 1 a, Aussenseite. Fig. 1 b, Schloss. 
Fig. 2. Hydrobia Dubu/fsom' Bovillet. 2 Hagenbach, Meeressand. Seite 255. 
Fig. 3. Phurotoma sp. '/r Wolfersdorf, Mecressand. Seite 255. 
Fig. 4. Östren ealliferu Lam. '/j« Wolfersdorf, Meeressand. Seite 256. 
Fig. 5a, b. Ptammobia Mtytri Andrere. 1 ,. Wolfersdorf, Mecressand. Seite 257. 

Fig. 5 a, Aussenseite. Fig. 5 b, Sehlos«. 
Fig. 6 a, b. Chtrca eyathula Lam. ' Wolfersdorf. Meeressand. Seite 256. 

Fig. 0 a, Innenseite. Fig. 6 b, Aussenseite. 
Fig. 7. Fmtts rJongatuH Nyxt. '/,. Wolfersdorf, Meeressand. Seite 255. 

Fig. 8. Chenoj v* (■peeimu« Schloth. var. oxyduclylus Saxdb. Fragment, '/i- 

Wolfersdorf, Mecressand. Seite 255. 
Fig. [). Cyprina rotuvdatu Bracn. '.' 2 . Wolfersdorf, Meeressand. Seite 257. 
Fig. 10. Cardium tcobiuula Mer. Wolfersdorf. Meeressand. Seite 257. 
Fig. 11. Cardium ciugulufum Golpf. Fragment. 1 ,. Wolfersdorf, Mecressand. 

Seite 257. 

Fig. 12 a, b. Cythereu incrastata Sow. '/,. Wolfersdorf, Meeressand. Seite 257. 
Fig. 12 a, Aussenseite. Fig. 12 b, Schloss. 

Fig. 13 a. b. Xatica Xyttii d'Okb. •/,, Wolfersdorf, Meeressand. Seite 254. 

Fig. 14 a, b. Cy/herca tjdendida Meu. '/<• Wolfersdorf, Meeressaud. Seite 257. 

Fig. 14a, Aussenseite, angebohrt von Sattca. Fig. 14b, Schloss. 
Fig. 15«, b, c. Adeorbig decuesatus Sandu. ■/,. Wolfersdorf, Meerossand. 

Seite 25*. 

Fig. 16 a, b, c. Cyclottrema sp. Wolfersdorf, Meeressaud. Seite 255. 

Fig. 17 a, b. Pectunculu« obovatu« Lam. */,. Wolfersdorf, Meeressaud. Seite 256. 

Fig. lö. Lvcina unduhüa Lam. 2 /,. Wolfersdorf, Meeressand. Seite 257. 

Fig. 10. rieurotamn cf. Selyeii »e Kos. Fragment. Vi- Wolfersdorf, Mecres- 
sand. Seite 255. 

Fig. 20. Modiohi c f. auymta A. Bravx. '/,. Hagenbach, Meeressand. Seite 256. 



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itiitktii. d. geot. Landtsanstait v. Ulsan- Lothringen, HJ. III. 



Taf. A'IV. 




Erklärung zu Tafel XVII 



Fig. 1 a, b. Qumqueloculma triangularü d'Orb. var. Ermani Bork. 1,1 mm. Wolfersdorf, 

Meeressand. Seite 259. 
Fig. 3. Nodotaria capitata Boll. var. striatisnma Andb. 1 mm. Landser, Fischschiefer. 

Seite 264. 

Fig. 4 a, b, c. Polymorphina lanceolala Reuss. a =r 0,8, b = 0,9, c = 0,65 mm. Wol- 
fersdorf, Meeressand. Seite 259. 

Fig. 5 a, b. Qlobigerma bulloides d'Orb. 0,* mm. Wolfersdorf, Meeressand. Seite 259. 

Fig. 6. Gaudryma chüottoma Rsn. var. globulifera Rss. 1,.. mm. Landser, Fischschiefer. 
Seite 259. 

Fig. 7. Haplopkragmmm Humboldti Rss. typ. 2,8 mm. Landser, Fischschiefer. Seite 264. 
Fig. 8. Nodotaria Ludwigi Rss. var. 2,6 mm. Landser, Fischschiefer. Seite 264. 
Fig. 9 a, b. c. Pulvmulma pygmaea v. Hantk. 0,a mm. Wolfersdorf, Meeressand. Seite 259. 
Fig. 10 a, b. Truncatulina Weinkauffi Rss. 0,3 mm. Wolfersdorf, Meeressand. Seite 259. 
Fig. 11 a, b. Truncatulina Dutemplei d'Orb. sp. 0,9 mm. Landser, Fischschiefer. Seite 265. 
Fig. 12 a, b. Rotalia Girardana Rss. 0,35 mm. Landser, Fischschiefer. Seite 265. 
Fig. 13 a, b. PuUenia tphaeroide» d'Orb. (= bulloide» d'Orb.) 0,» mm. Landser, Fisch- 
schiefer. Seite 265. 

Fig. 14 a, b. Pulvinulina St. Odilia* Andrbak. 0,s mm. Landser, Fischschiefer. Seite 265. 
Fig. 15. Lagena vulgaris Rss. 0,is mm. Landser, Fischschiefer. Seite 264. 
Fig. 16. Plecanium carinatum d'Orb. sp. 1,3 mm. Niedertnagstatt, Fischschiefer. Seite 264. 
Fig. 17. Rotalia Girardana Rss. var. mamillata Andreas. 0,65 mm. Landser, Fischschiefer. 
Seite 265. 

Fig. 18 a, b. VirguUna Muttoni Andr. 0,5 mm. Niodermagstatt, Fischschiefer. Seite 265. 

Fig. 19. Bolivina Beyrichi Rss. 0,4 mm. Landser, Fischschiefer. Seite 265. 

Fig. 20 a, b. CrüUllaria conglomeratica Andr. Lümschweiler, Ob. Haustein. Seite 271. 

Fig. 21 a, b. Spirillina completa n. sp. 0,3 mm. Lümschweiler, Oberer Haastein. Seite 271. 

Fig. 22 a, b. Valvulina exeentrica n. sp. 0,3 mm. Lümschweiler, Oberer Haastein. Seite 271. 

Fig. 23. Lagena laevigata Rss. 0,u mm. Lümschweiler, Oberer Haustein. Seite 270. 

Fig. 24. Lagena hyatrix Rss. 0,i6 mm. Lümschweiler, Oberer Haustein. Seite 271. 

Fig. 25 a, b. Helix arbuttorumL. var. alpettrit Sandb. '/,. Pfastatt, mittlerer Löss. Seite 279. 

Fig. 26. Helix hortensi* Müller, '/r Habsheim, mittlerer Löss. Seite 279. 

Fig. 27 a, b. Helix sp. Vr Habsheim, mittlerer Löss. Seite 279. 

Fig. 28 a, b, c. Helix villosa Drap. Fig. a, c. = '/r Fig. b ein Stückchen Schale, 

vergrössert Zimmersheim, mittlerer Löss. Seite 279. 
Fig. 29 a, b. Helix pulcheüa Müll. */,. Tagolsheim, mittlerer Löss. Seite 280. 
Fig. 30 a, b. Hehx «ericea Müll. */,. Pfastatt, mittlerer Löss. Seite 280. 
Fig. 31 a, b. Cyelottomtu sp. '/<• Habsheim, mittlerer Löss. Seite 280. 
Fig. 32 a. b. Messerchen aus Flintstein. */,. Sierenz, mittlerer Löss. Seite 283. 
Fig. 33 a, b. Hyalinia crystallina Müll. Tagolsheim, mittlerer Löss. Seite 280. 
Fig. 34 a, b, c. Hyalinia fulva Müll. ep. */,. Zimmersheim, mittlerer Löss. Seite 280. 
Fig. 35 a, b. Sucemea oblonga Dbap. tvp. Tagolsheim, mittlerer Löss. Seite 281. 
Fig. 36 a, b. Sucdnea oblongaDnkv. var. elongata Braun. Walheim, mittlerer Löss. Seite 281. 
Fig. 37. Cionella lubrica Müll. sp. Mittlerer Löss. Seite 281. 

Fig. 37 a, b. »/,. Tagolsheim, Fig. 37 c, d. 2 f ( . Zimmersheim. 
Fig. 38 a, b. Clauiüia parvula Stüdes. */,. Walheim, mittlerer Losa Seite 281. 
Fig. 39 a, b. Clautilia dubia Drap. >/,. Zimmereheim, mittlerer Löss. 8eitc 281. 
Fig. 40 a, b. Pupa columella v. Martbnb. s / r Tagolsheim, mittlerer Löss. Seite 282. 
Fig. 41 a, b. Pupa pygmaea Drap. "/.. Tagolsheim, mittlerer Löss. Seite 282. 
Fig. 42 a, b. Pupa »eeale Drap. 5 /,. Pfastatt, mittlerer Löse. Seite 282. 
Fig. 43 a, b. Pupa dolitan Drap. var. plagiottoma Br. Zimmersheim, m. Löss. Seite 282. 
Fig. 44. Pupa mufcorum Li. Mittlerer Löss. Seite 282. Fig. 44 a, b. var. edentata Samdb. 

7 / r Rirheim, Fig. 44 c, d. var. unidentata Sandb. 7 f r Walheim. 
Fig. 45. Limax agrcslis L. ■/,. 8ierenz, mittlerer Löss. Seite 283. 

Fig. 46 a, b. Pitidium sp. 3 mm. Mülhausen, sandiger Löss auf der Niederterrasse. Seite 283. 
Fig. 47. Bythinia tentaculata L. sp. *j v ebenda Seite 285. 



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typ 1° ^ ULL ^^ r ' Lf 



Seite 239 fuge zwischen Nr. 7 und 8 ein: 

Sabalites sp. 
Taf. XV, Fig. 1. 
Blatt von Brunstatt. 

» 240 füge zwischen Nr. 14 und 15 ein: 

Cinnamomum Scheuchzeri Heer. 
Taf. XIV, Fig. 17. 
Blättchen von Brunstatt 



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Inhalt. 



Wichtigste Literatur 199 

Topographische und hydrographische Ucbersicht 20G 

Geologische Ucbersicht und Lagcrungsverhültnisäc 208 

Beschreibung der Schichten 210 

I. Unter-Oligocün (Gypsformation). 

1. Gypsmergcl 212 

2. Blaue Mergel 214 

3. Melanienkalk 21(5 

4. Mergel und Kalke mit Umnaeu* bracJiygatter Pont, und 
Helix cf. II»mf,re*i Font 231 

5. Perrolsaudmergcl 234 

II. Mittel-Oligocan. 

1. Mcercssand in verschiedener Ausbildung: 

a) Plattigcr Stcinmcrgcl 285 

b) Sandige Mergel (eigentlicher Mcercssand) 250 

c) Blättcrsandstein 259 

2. Scptaricnthon in verschiedener Ausbildung: 

o) Unterer Haustein 261 

b) Pischschicfcr 263 

III. Ober-Oligocan. 

1. Kalk mit Helix cf. rtu/ulom v. Mart 26« 

2. Oberer Haustein 270 

IV. Pliocän und Pleistocän. 

1. DeckenBchotterterrasse: 

a) Schotter 273 

b) Thonig-sandige Letten 274 

3. Hochterrasse : 

o) Schotter , 275 

b) Losa 276 

3. Niederterrasso. 

a) Schotter. 283 

6) Sandlöss 285 

4. Jüngste Bildungen 286 

Rückblick 287 

Nutzbarkeit des Bodens uud der Gesteine 294 

Exkursionen 300 

Rechtfertigung 309 



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Heft .". A Ankhfaic, Die (MoMopIiarea den Termin a . iuiiHe.- 

il'-r l'firt. Mit l iiuT phojtOgr. Tafel. 1887 .... 8 t 9Q 

Urft 1 ( t. S< iii.jim'e, Diu Fauna des Batbonitm im obcrrheini- 

seilen Tiedoude. Mit 8 Tafeln in Lichtdruck rj,... 

lieft 5. G. Mkvkr. Die Korallen des Doggers von Elsasa-Loth- 

ringen. Mit »> lithogr. Tafeln. 188^ 4,«" 

B 1. V. Hot't 1. P. STünrB, Mittln-ilungen über n kaltapnth von 

Lh-.i — L.-.thrin^M Mit I lithogr. T*fel». t$9S 4,,.. 

B. Mittheilungen der Commission Tür die geologische Landes -Untersuchung 

von Elsass-Lothringen. 

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Bd. II. Heft 1 2,r...; lieft 3 l, 7ft ); H.ft 8 (dt 8 8,» 

Öd. III. Hott l .. Heft 2 [Jk I.V.. Heu 3 f.i i.: . Reit 4 I . v, ... 7.... 



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Mit Erläuterungen. 

il.cr I reis jedes Blattes mit Erläuterungen beiratd M Vi 

Ausgabe von 1887. Bliitter: Monitoren und Geluungeu. 

Ausgabe von 1889. Bliitter: Sierck. Mer/.itr, Gross-Heinmei»h>rf, Hu- 

ectulotf, , Nabeln, 

Ausgabe von 1890. Bliitter: Horbach, Rohrbach, Bitsch. 
Aufgabe von 1891. Blätter: Ludweihr, Blic<d>riickcn, WolruUustcr and 

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Geologische I 'ebursichtbkaite des westlichen Deutsch-Lothringen , im 
Maasstnb 1 : 80000. Aufgenommen von E. \V. Bkwkcke, G. Meykb, 
E. SniiMACiiE«, O. Stkixmanx, Bk. Wkioanp und L. van Wkh- 
vf.KF. Mit Erläuterungen, bearbeitet von E. Scucmacu eil, G. SiBlN- 
siaxjc und L. van Wkuvkke. Mit 8 Tafeln. 1Ö86-87 6,(w 

rebersicbukiulu der Eiscncrzfelder des westlichen Deutsch- 
Lothringen Mit einem Verzeichnis der Erzfelder. 18*ti — 87. I,... 

Geologische Lchcrsichtskarte der Bildlichen Hälfte des Grossher- 
zogtbums Luxemburg, Maasstnb 1 : 80000. Aufgenommen 
von Dr. L. van Weuveke. Erläuterungen von demselben, mit 
einer I'rofiltnfel und einer rebereichtskarte der Verwerfungen 
de* mesozoischen Gebirge? in Lothringen. Luxemburg und den 
...■grenzenden tiebieten der Hheiuprovinz. 1886 — 87 4,uo 



I ii h n 1 r. 



B. FöHSTKii, Geologischer Führer für die Umgebung 'von I 
hausen i B. Mit einer geologischen Karte und 0 Tafell 
Liehtdrui k . . . . 



Date Due 



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1